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07 Januar 2020

Verfolgungsjagd

Gestern abend bin ich in Berlin in eine Verfolgungsjagd geraten.

Ja, klar, die Leute, die nicht in Berlin wohnen, denken ja nicht nur, dass wir unseren Flughafen nicht fertig kriegen. Sondern auch, dass hier andauernd Verfolgungsjagden stattfinden. Dem ist nicht so¹.

Es handelte sich auch um eine deutsche Verfolgungsjagd², keine amerikanische. In einer amerikanischen fahren Bruce Willis oder Jake und Ellwood Blues in einer riesigen, stark motorisierten Limousine mit schlechter Straßenlage und haben zwanzig weitere riesige Limousinen mit Blaulicht und Sirene am Hacken.

In einer deutschen Verfolgungsjagd brettert ein silberner Opel Corsa im zweiten Gang mit heulendem Motor an einem vorbei - menschenleere Straße, aber ca. 90 Stundenkilometer - und mit etwas Abstand dahinter kommt *ein* betagter Polizei-Kombi aus deutscher Produktion mit Blaulicht.

Der Corsa gerät beim Abbiegen aus der Spur und kommt zum Stehen. Vom Polizei-Kombi wird er vorne blockiert. Ein weiterer Kombi trifft ein, bevor der Corsafahrer den Rückwärtsgang gefunden hat, und platziert sich dahinter.

Die Tür des ersten Kombis wird aufgeworfen. Nun erwartet man eine Dienstperson mit gezückter Waffe und energischer Stimme. Aber bevor es so weit kommen kann, findet der Corsafahrer wenigstens den Vorwärtsgang und fährt in elegantem Schwung einfach vorne an dem ersten Kombi vorbei und dann weiter. Das Rennen ist wieder offen!

Ja, natürlich sind deutsche Beamte gehalten, die Verhältnismäßigkeit der eingeleiteten Maßnahmen zu beachten. Und auf keinen Fall Menschenleben zu gefährden. Nein, auch nicht das des Flüchtigen!

Der erste Sheriff springt hektisch wieder in den Wagen und die beiden Fahrzeuge machen sich auf die Nacheilung. Sie geraten schnell außer Sichtweite.

In den Augenblicken danach hört man überall aus den umliegenden Straßen weitere Martinshörner und sieht weitere Fahrzeuge mit Blaulicht, auch mehrere, die sich in krass entgegengesetzter Richtung bewegen. Das ist dann doch ein wenig wie im amerikanischen Verfolgungsjagdfilm.

Der berlingeschulte Beobachter stellt sich den Beifahrer des ersten Polizei-Kombis vor, wie er den Fahrer mit quietschenden Reifen fahren lässt, mit den Hinterrädern um die Ecken driftend, sich mit einer Hand oben an dem Griff festhält und ungerührt seiner Rennleitung Kreuzung um Kreuzung die aktuelle Position durchgibt:

“Sind jetz Breite Straße Ecke Leipzijer, dit is der vierte Rotlichtverstoß in sechs Minuten, zählt jemand mit? Biecht jetz links ab, da kommt ne Baustelle, weeß ick. Und denn Einbahnstraße - hm? Nee, richtichrum, musste nich mitzähln. Jerät vorüberjehend außer Sicht, ham wer gleich wieder. Ach, da vorne, biecht links ab in die Markgrafen, Rotlichtverstoß Nummer fünf …”

…wir blenden allmählich aus. Irgendwann später wird der Flüchtige von einer anderen Funkwagenbesatzung ausgebremst und zusammen mit Fahrzeug und Papieren eingezogen.

Ich betone: Wir haben das hier NICHT jeden Tag. Keineswegs.





¹ außer gestern übrigens: Gestern Abend waren gleich zwei.
² die Sache mit der Verfolgungsjagd wird hier sehr schön erklärt: “Für die Beamten handelt es sich bei der Verfolgung um eine Sonderform der Dringlichkeitsfahrt

31 Oktober 2016

Feiertage II

extended mix

Türklingeln

"Guten Tag! Haben sie eben mein Kind geschlagen?"

"Den rotzlöffel der vorhin hier jeklingelt hat?"

"Sie haben mein Kind geschlagen?"

"Naja, dachte ick mir, so lernste die hirnfreien eltern von dem erpresser am sichersten kenn'."

"Das war doch nur ein Spaß!"

"Dit sehe ick anders."

"Das ist nur ein Kinderspaß!"

"Leute erpressen is spaß?"

"NATÜRLICH IST DAS SPASS! Es geht um Süßigkeiten!"

"Da muss mir wat entgang' sein, wie ick den sagen höre 'Sonst gibts saures!' "

"Sü-ßig-kei-ten!"

"Wenn mir jemand droht hört der spaß uff! Ooch wejen süßichkeiten. Die lern’  im kinderjarten schon wie erpressung jeht. Soll ick ihnen ooch eene feuern?"

"Wagen sie es nicht!"

"Wir ham ja noch jelernt diss man von fremde nüscht annimmt. Besonders nich süßichkeiten. Dit kenn sie jar nich, wa?"

"Das ist ein ganz harmloser Brauch zu Halloween!"

"Dit glooben sie. In unsere familie is erpressung keen brauch. Hier in unserm wohnhaus ooch nich."

"Pfft, für spaß sind sie einfach zu alt!"

"Ach ja, richtich, spaß. Ick bin jespannt, wann ihre blagen dit mit dem chili und die hundekacke rausfinden."

"WAS?"

"Wie ihre erpresserbrut unsere türklinke beschmieren wollte is meine frau doch noch weich jeworden und hat die wat jejeben."

"Was hat das mit Chili und... und...?"

"Na, die Bonbons sind selberjemacht mit vülle chili. Dit werden die Kinder sicher bald merken."

"Und ...und... was ist mit ... mit ... Hundekot?"

"Na, die Pralinen ham wer ausjewickelt und in Hundekacke jewälzt, damit die een würzijet aroma kriejen."

"Sie ... sie können doch nicht unsere Kinder vergiften!"

"An so hundekacke is nüscht giftijet. Die meisten hunde essen jesünder wie ihre herrchen."

"Sind sie wahnsinnig!?!"

"Ick sage doch: Kinder solln von fremde nüscht annehm. Bin jespannt, wie lange die brauchen, bis se dit rausjefunden haben.”

“Aber, aber…”

“… hallo? Wo wolln sie denn hin? Wolln sie sich nich nochn bisschen mit mir unterhalten? Und mir ooch meine zeit stehlen? WIE IHRE DÄMLICHEN BLAGEN?"

21 Juli 2015

Steinzeit heute

Bus in Wannsee, das ist die hiesige Wohlstandsgegend, Sonntagnachmittag, Sommer, ziemlich warm.

An der nächsten Haltestelle steht eine Familie etwas weiter ab vom Schild (wir machen das so, damit der Busfahrer weiß, dass man auf eine andere Linie wartet und gleich durchfahren kann, das spart ihm Zeit und Nerven - Touristen können das aber nicht wissen). Der kleine Junge der Familie sieht den Bus und läuft vor bis zum Haltestellenschild. Bus hält an. Familie will gar nicht einsteigen. Bus fährt weiter. Verzögerung: Ca. 10 sec.

Von hinten im Bus wütende Stimme: "Was rennst du kleiner Drecksbastard vor!" Dann wieder Stille und Busfahrgeräusche.

Kontrollblick¹: Da sitzt nur ein braver junger Mann, ca. 25, mit ordentlicher Frisur, in Strickjacke (25°C!). Mamas Liebling, händchenhaltend mit seiner zarten Freundin. Die Freundin schaut teilnahmslos.

Man muss sich fragen, ob das Tourette im Frühstadium ist oder einfach nur schlechte Erziehung und Wohlstandsverwahrlosung. Es braucht so wenig, um die Steinzeitgene des Menschen wieder freizulegen².

 

 


¹ für die Auswärtigen: Nein, hier sind keineswegs “alle so”!

² noch offensichtlicher wird das, wenn man schuldlos in den Rückreiseverkehr von einem Fußballspiel gerät

21 Mai 2015

Heimatkunde


Heute mal wieder etwas ganz anderes

Über die Vorschläge zum Grimme-Online-Award 2015 bin ich auf dieses bemerkenswerte digitale Angebot gestoßen:

M29 – Berlins Buslinie der großen Unterschiede

Herausgegeben wird es von der Berliner Morgenpost aus dem Springer-Verlag, nicht unbedingt die bevorzugte Hauspostille des Großen Bloguators™

… aber!

Am Beispiel dieser Buslinie werden die großen sozialen Unterschiede in Berlin deutlich  gemacht – und zwar vollständig wie auch neutral (erwartet man ja von Springer-Veröffentlichungen nicht gleich).

Im Kopf der Seite sieht man die Aussicht aus der vordersten Sitzreihe oben und kann auch den gewünschten Streckenabschnitt anklicken.

Darunter kommen soziologische, ökonomische und heimatkundliche Betrachtungen zum Wahlverhalten, der Herkunft, dem Einkommen und der Altersstruktur. Und auch Mietsteigerungen, Einbrüche und Ferienwohnungen (eine simple Information, die die Berliner Verwaltung angeblich nicht darstellen kann).

Zu jedem Stichwort wird eine kleine Grafik zur Lokalisierung eingeblendet, d.h. wo entlang der Linie die jeweilige Haltestelle liegt und welche Verhältnisse dort herrschen. Damit sind endlich einmal die Möglichkeiten der interaktiven Darstellung zur Verständlichkeit des Lesers genutzt.  An sich schade, dass man das so hervorheben muss, aber ist ja keineswegs selbstverständlich.

Oh ja! Sehenswert! Hingehen!

10 Dezember 2013

Berliner Bustour 2013

Die Fahrer der Linienbusse gelten auswärts immer noch als eins der typischsten Beispiele für den Berliner: Muffelig, unfreundlich, aber mit einem schnellen gnadenlosen Mundwerk gesegnet.

Das ist lange vorbei.

Abgesehen von einigen Buslinien, die der BVG offenbar als Straflager dienen, sind die Busfahrer heutzutage freundliche und sehr hilfsbereite Menschen, die sogar noch weitere charakterliche Vorzüge bergen, die anderen Menschen sehr gut zu Gesicht ständen. Geduld zum Beispiel:

Letzten Freitag, gegen Feierabend, Dreckwetter draußen. Ein vollbesetzter Doppeldecker kommt an die Haltestelle. Ein Trio von älteren und offensichtlich wohlhabenden Touristen will beim Fahrer irgendeine dieser Mehrtageskarten mit komplizierten Nutzungsbedingungen erwerben. Theoretisch ist das möglich, die vollelektronische Kasse kann so eine Fahrkarte drucken und der Busfahrer weiß auch von der Existenz eines solchen Angebots, er kann also die Bestellung eintippen.

In der Praxis aber kauft *niemand* solche Fahrkarten bei einem Busfahrer. Das liegt am Wechselgeld und an der Dauer der Bestellung: Es kann sich niemand den exakten Namen der Karte merken und daher auch nicht ohne weiteres seine Bestellung aufgeben. Der Preis dafür liegt im zweistelligen Bereich, aber der Busfahrer hat normalerweise nur Münzen als Wechselgeld. Heißt: Wenn man nun mit einem Schein bezahlt, bekommt man einen großen Haufen Münzen zurück. Und es dauert sehr lange - jedenfalls deutlich länger, als die etwa hundert anderen Fahrgäste in dem vollbesetzten Bus an einer Haltestelle warten möchten.

Das ältere Touristentrio tut es trotzdem. Nachdem es sich vom Fahrer des voll besetzten Busses umständlich hat beraten lassen kann es sich nach mehreren überschlägigen Berechnungen zu einer schweren Entscheidung durchringen. Die anderen Fahrgäste warten.

Nach der Entscheidung ist das Trio überrascht, dass es die Fahrkarte nun bezahlen soll, in bar. Der Mann zückt sein Portemonnaie. Darin ist nicht genug Geld für den niedrigen zweistelligen Betrag. Dann fragt er zunächst die eine Frau, ob sie einen Schein dabei hat. Sie könnte einen weiteren kleinen Schein dazugeben. Das gefällt ihm nicht. Also fragt er die andere Frau. Sie hat einen größeren Schein und der Mann möchte ihr seinen Schein sofort zurückgeben. Ein Streit entspinnt sich. Der Bus wartet.

Dann findet die Frau einen größeren Schein und will ihn dem Busfahrer aufdrängen. So große Scheine kann er nicht wechseln. Es sei denn, sie würde sich mit etwa einem Kilo Zwei-Euro-Stücke als Rückgeld zufriedengeben. Das will sie nicht. Ein weiterer Streit zwischen dem Trio entspinnt sich. Irgendwann haben sie sich geeinigt, wie und von wem das Ticket nun beglichen werden soll und wer welchen Anteil vom Rückgeld in welcher Stückelung bekommt. Es kann weitergehen. Der Busfahrer quittiert die Aktion dieser völlig lebensunfähigen Touristen nur mit "Wir könnten auch schon eine Station weiter sein..."

DAS ist GEDULD!

So etwas hätte es früher bei der BVG nicht gegeben. Eine Pöbelattacke mit Mutmaßungen über Herkunft und Bildungsstand der Fahrgäste wäre unausweichlich gewesen¹. Oder ein Wutausbruch des Fahrers. Er hätte den Motor ausgemacht und sämtliche Fahrgäste des Busses verwiesen, nur damit sie sehen, was sie davon haben. Anschließend hätte er mit dem leeren Bus seine Tour fortgesetzt, ohne an irgendeiner Haltestelle zu halten.

Heute ist das anders. Aber vermutlich weiß das BVG-Management nur nicht von seinen freundlichen, hilfsbereiten und geduldigen Busfahrern. Sonst hätten sie das längst abgeschafft. Und dann sind da ja noch diese neu zugezogenen Luxusberliner, die sich beschweren, wenn der Fahrer mal ihr Ticket nicht sehen will *obwohl sie bezahlen könnten!²*. Mannmannmann...

 

 

 


¹ bei einem solchen Vergleich wird dem Betreffenden erläutert, wie weit Akademiker im Punkt Lebenstauglichkeit unterhalb des Handwerkers rangieren

² immerhin eine neue originelle Form der überheblichen Schnöselei der Besserverdiener gegenüber den Hartzern. Wo arschkrampiger Kleinstadtmief auf eingesessenes Neukölln trifft: "Ha! Ich kann mein Ticket bezahlen und DU nicht!" Zahnarzttöchter at their best.

³ genau, und eigentlicher Anlass für diesen erschütternden Tatsachenbericht: Der Große Bloguator™ stand hinter dem Trio draußen, im strömenden Regen, und wollte in den Bus

16 November 2013

Kunst und Bildgut

Schöneberg ist ja auch der Stadtteil der Künstler und Gebildeten...

Lokal, abends, Gespräch unter Erwachsenen am Nachbartisch:

"Wenn ich eine Frau beeindrucken will zeige ich ihr meine Comicsammlung."

"Und?"

"Hat noch nie geklappt. Aber ich versuche es immer weiter."

Schönes Schöneberg!

21 Oktober 2013

Sonntagabendwerte

Sonntagabend, U-Bahn durchs verschnarchte beschauliche Wilmersdorf.
 
Nebeneinander zwei Jungs mit Immigrationshintergrund, ziemlich dunkle Haut und ziemlich fremde Sprache, Nordafrika schätzungsweise, Marokko vielleicht. Vielleicht aber auch nur eine Pariser Banlieue.
 
Entern zwei Frauen das Abteil, so etwa siebzig plus. Sie setzen sich nebeneinander gegenüber der beiden Jungs. Ihr Blick fällt auf den Fernsehmonitor, die es hier in der U-Bahn seit einiger Zeit gibt:
"Oh, der HSV hat ja gut gespielt!"
"Sieh an, die können es also noch."
"Aber Nürnberg hat verloren. Schade."
"Loser!"
Dann wenden sie sich an die beiden Jungs:
"Ihr spielt doch sicher auch Fußball?"
Die Jungs nicken überrascht.
"Und? In welcher Liga?"
Der eine
"Och, ganz unten."
"Macht euch das Spaß?"
"Ja sicher!"
"Oh, da steht ihr noch ganz am Anfang eurer Karriere. Das wird sicher noch!"
Das Gespräch plätschert noch eine Weile in dieser Art weiter. Die beiden Jungs steigen aus.
"Viel Erfolg noch!"
Anschließend unterhalten sich die beiden Seniorinnen wieder miteinander. Die eine berichtet über einen schmierigen, aber gutaussehenden jungen Mann, der leider "voll ins Beuteschema" ihrer Enkelin passt. Danach über einen anderen Enkel. Den findet sie unzuverlässig, weil er die Webseite eines sozialen Projektes einfach nicht sorgfältig genug programmiert.
 
 
 
 
... ich muss meine Vorurteile schon wieder gänzlich neu sortieren.

16 September 2013

Kochkurs, advanced

 

Segelclub, Samstagabend, Terrasse.

"Mais, Erbsen und Spargel muss man mit einer Prise Zucker kochen!"

Der Mann ist gelernter Koch und genießt hohes Ansehen unter den Zuhörern.

"Du weißt aber schon, dass es dazwischen nicht den geringsten botanischen Zusammenhang gibt, oder?"

"Möglich. Trotzdem!"

27 April 2009

Abstimmung

 
Da war ja grade diese Abstimmung in Berlin: Religion gegen Ethik. Um es für die Auswärtigen nochmal zu erläutern: Ethik ist hier Schulfach für alle. Und Religion kann man freiwillig besuchen - es hindert einen keiner dran. Aber dieser Zustand passte nicht allen. Die Kirchen wollten, dass man sich dazwischen entscheiden muss.

Gemerkt? Religion ist für sie die ALTERNATIVE zur Ethik.

Daran hat sich in den letzten zweitausend Jahren anscheinend nicht viel geändert. Man könnte jetzt sagen: Der Mensch hat sich da nicht sehr entwickelt in letzter Zeit.

Die Kirchen behaupten zwar, das sei irgendwie fast dasselbe, Ethik und Religion - aber dann müsste man sich ja wohl kaum entscheiden. Auch Günther Jauch war dafür, dass man sich entscheiden soll. Selbstverständlich. Und wenn Günther Jauch für irgendwas ist, sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass das falsch sein muss. Wer wird Millionär? Günther Jauch. Aber sonst kaum jemand.

Die Kirchen haben selbst eine Menge Promis und einen Haufen Geld, beispielsweise aus Kirchensteuern, für ihre selbstlose Position zum Einsatz gebracht, aber dagegen geklagt, dass der Senat das auch tut und mit Steuergeldern die Regierungsposition erläutert. "Die Schweine wehren sich! Das ist unfair!" Etwa so.

Und man muss sich das nochmal auf der Zunge zergehen lassen: Günther Jauch macht Werbung für Gott...

Bei solchen Volksabstimmungen ist es nun an sich so, dass man nur hin geht, wenn einen das Thema interessiert. Dachte ich. Wird wohl auch halbwegs zutreffend sein. Und wenn einem die Sache, die Umstände, grade ins Konzept passt. Also nicht Samstags während der Bundesligakonferenz, nicht im Urlaub, und nicht wenn man irgendwas anderes fesselndes zu tun hat, Einkaufen, Fernsehen, Grillen, Rasenmähen, DSDS kucken. Nahm ich an.

Deshalb hatte ich erwartet, dass das Begehren einfach mangels Teilnahme knapp scheitert. Weil nur die hingehen, die sich für das Thema wirklich interessieren - also kirchlich gebundene - und auch nur dann, wenn sie grade nicht verreist oder beim letalen Volksfest in Werder sind. Selbst Briefwahl macht ja mehr Arbeit, als gar nichts zu tun, und womöglich trotzdem zu gewinnen.

Umso überraschender ist der Ausgang dieser Volksabstimmung: Es sind nicht nur deutlich mehr Leute hingegangen, als für ein gültiges Votum erforderlich. Zudem hat die Mehrheit dieser Teilnehmer dagegen gestimmt. Finde ich erstaunlich. Erscheint mir fast schon wie ein Zeugnis von politischer Reife.

Ich muss dringend an meinen Vorurteilen arbeiten.
 

16 März 2009

Schraubstock

Vor einiger Zeit habe ich den tollsten Schraubstock der Welt gefunden. Leider musste ich ihn schon am selben Abend wieder hergeben, weil eine Freundin dafür noch mehr Verwendung hatte als ich. Ich konnte mich nur sehr schwer davon trennen - aber wenn sich Frauen für Werkzeug interessieren, drehen ja die meisten Männer durch (Foto folgt).

...and if I say "Der tollste Schraubstock der Welt" I mean "Der tollste Schraubstock der Welt"! Das war anscheinend mal das Gesellenstück eines Metallhandwerkers. Damals noch.

Aus massivem Aluminium, auf einem Kugelkopf montiert und in alle Neigungsrichtungen verstellbar, mit auswechselbaren Klemmbacken und enormer Öffnungsweite. Der Kugelkopf wiederum auf einem schweren massiven Metallfuß montiert, welcher schon von ganz allein steht, aber zusätzlich (!) einen gewaltigen Saugnapf für das Ansaugen auf glatten Arbeitsplatten enthält. Der Clou sind aber die roten (!) Schraubkugeln, die jeweils an den Enden der Verlängerungshebel als Schutz der scharfen Kanten angebracht sind.

Ich rekapituliere: Schweres Teil aus massivem Aluminium, Gewinde und Backen aus schwarzem Stahl und an den Enden rote Kugeln: Geil!

Habe ich im Werkzeugladen an der Kolonnenstraße bekommen, der hat einen Sinn für beeindruckendes historisches Werkzeug.

Selbstverständlich habe ich vergessen, das Teil vor dem Verschenken zu fotografieren, wozu habe ich denn die neue Kamera? Aber grade heute ist das Foto eingetroffen, und jetzt zu besseren Anschauung:

Foto © by Mareen

Aaaaaah, der ist toll, nicht? Aaaaaaah...! Ich konnte mich wirklich nur sehr schwer davon trennen.

01 März 2009

Gewonnen!

Genaugenommen: Ich bin zweiter Sieger geworden. Aber ein Platz auf dem Treppchen! Bei insgesamt drei Teilnehmern.

Diesen hübschen Kerl gab es als Preis für den zweiten Platz bei Nic's Blogquiz zur Erläuterung besonders kryptischer Schilder:


Aaaah! Ich liebe diesen leicht melancholischen Blick! Und er ist flauschig und macht ein lustiges Brummgeräusch, wenn man drauf drückt. Super, nicht?

09 Mai 2008

Helferlein Rechtschreib


Zu Anfang nach langer Zeit wieder einmal der Hinweis auf die quantitativ - linguistische Datensammlung zur vermeintlichen Rechtschreibhilfe: Verzeichnis unvergesslicher Verbesserungsvorschläge und auf den Assoziationsblaster.

Beinahe jedes Programm bringt heute eine eigene Rechtschreibhilfe mit. Der Firefox-Browser sogar zwei. Oder sogar noch mehr, eigentlich weiß man gar nicht genau wie viele, es werden jedenfalls an mehreren Stellen Wörterbücher ganz unterschiedlicher Größe angeboten. Was diese dann bewirken, ist nicht immer so recht klar. Dabei könnten sie durchaus nützlich sein.

Jede Hilfe funktioniert anders, aber das wusste der Leser bereits, oder? Und jede versucht zu helfen, zu helfen, zu helfen. Wenn man "Helfersyndrom" erklären wollte, könnte man vielleicht ... naja, vielleicht auch nicht.

Kommen wir zum Thema der heutigen Ausarbeitung, das bereits neulich anklang:
Die Brüder gnilfpu und ztulahc,
zweieiige Abkömmlinge niederer Herkunft einer kleinwüchsigen Zwergenrasse aus dem Tiefland im unteren Mittelamerika. Eine Zivilisation mit langer Geschichte, aber kurzem Gedächtnis. Nämlich gnilfpu und ztulahc, die unberühmten Männlein aus dem unbekannten Volke.

Aber das kann das Helferlein ja nicht wissen. Ein viel angemessenerer Name für gnilfpu wäre seiner Ansicht nach
Hilfspunkt

oder

Teilfugen
Die Stammesgenossen aus dem unteren mittelamerikanischen Tiefland hätten sich wahrscheinlich zu Boden geworfen und tot gelacht.

Aber so ist das eben, wenn man es gut mit einem meint. Eltern geben ihren Kindern ja auch die seltsamsten Namen, weil sie fürchten, das die Kinder so vielleicht nicht interessant genug sind.

Nicht viel besser ergeht es dem armen ztulahc. Nach Ansicht der wohlmeinenden Helferleins sollte der auch besser einen anderen Namen haben, etwa
Schularzt

oder

zulahmend

oder

zulahmen

oder

Postulat

oder etwas femininer

Postulate
Bewegen sich die Vorschläge zulahmend und zulahmen noch voll in der indianisch-arabischen Sprachmelodie, klingen die letzten beiden doch schon katholisch-missioniert, in der Tradition als Teil eines Kettennamens wie dem der großen Niederlagenphilosophin Andrea-Postulate-Benedicte Röhrenspan.

Wie gut der Vorname Schularzt im unteren mittelamerikanischen Tiefland angekommen wäre, darüber kann man nur spekulieren.

26 März 2008

Ruhm des Reims, eins


warum sollte man nicht
die welt in reimen sich erklären
in konstruierten wörterenden über
ihren zustand sich beschweren?

wer länger hin & her sie wendet
die schließenden vokabeln
findet vielleicht viel sicherer die richtung
bei zweifelhaften zielvorgabeln?


wer wörter knetet tut zumal
nichts schlimmes
egal ob es denn sinnvoll ist

das ist es eher meistens nicht
schlimmstenfalls beleidigungen
eines jeden sinnes
wenn er in abgegriffenen reimen pisst
... ? ... äh: spricht.

wer immer endlos an den wörtern kaut
sie biegt und beugt und glättet und poliert
kommt ab vom eingeschlagenen weg
auf einen pfad der schneckenförmig oder
in schlangenlinien hin zur einsicht führt.


naja, vielleicht auch nicht.
 

21 Februar 2008

Wählen wann wir wollen

 
Nur mal so aus ... hrhrhrrrhmm ... staatsbürgerlichem Interesse ... habe ich den Wahlomaten von der Surfpoetenseite in Betrieb genommen. Der ist zwar vielleicht nicht mehr so ganz aktuell (2005), weil sich die politischen Schwerpunkte der Parteien mitunter ... verschieben ... aber trotzdem. Das Ergebnis ist aufschlussreich - und überrascht nicht sehr.

Zitier starts here:

Home FAQ Termine Offene Seite Links Kontakt

Diese Partei musst du wählen:

APPD - Anarchistische Pogopartei Deutschlands

Sie ist die Partei, die am besten zu dir passt. (Oder die, die am wenigsten nicht zu dir passt, also die Partei, die in den den wenigsten Punkten von deinen Vorstellungen abweicht. Sozusagen die Partei, die für dich das geringste Übel darstellt.)


Bist du unzufrieden mit dem Ergebnis? Möchtest du eine andere Partei? Eine Liste aller Parteien, danach sortiert, wie gut sie nicht zu dir passen, kannst du unter folgendem Link einsehen:
Alle Parteien
...


Der Alle-Parteien-Link funktioniert hier nicht. Wer jetzt unbedingt den Rest lesen will, soll den Wahlomaten selbst auf der Surfpoetenseite ausfüllen, das geht schnell und tut gar nicht weh.

Wegen der Vorlieben des Blogautors aber hier noch das Ergebnis für "Alle Parteien":

Home FAQ Termine Offene Seite Links Kontakt

APPDAnarchistische Pogopartei Deutschlands-0.61
FrauenFeministische Partei - Die Frauen-0.67
TierschutzTierschutzpartei-0.74
PARTEIDie Partei-0.75
MLPDMarxistisch Leninistische Partei Deutschlands-0.78
WASGWahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit-0.82
PSGPartei für soziale Gleichheit-0.84
GrüneDie Grünen-0.86
Linke.PDSLinkspartei.PDS-0.86
50Plus50Plus-0.9
GraueDie Grauen Panther-0.9
OffensiveDOffensive D-0.95
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands-0.96
FDPFreie Demokratische Partei-0.96
ProDMPartei Pro Deutsche Mitte /Schill-0.99
FamilienFamilienpartei-0.99
BüsoBürgerrechtsbewegung Solidarität-1.05
CMChristliche Mitte-1.06
CDUChristlich Demokratische Union-1.07
BPBayernpartei-1.07
PBCPartei Bibeltreuer Christen-1.09
CSUChristlich-Soziale Union in Bayern e.V.-1.11
ZENTRUMDeutsche Zentrumspartei-1.14
DeutschlandAb jetzt ... Bündnis für Deutschland Partei-1.14
NPDNationaldemokratische Partei Deutschlands-1.21
REPRepublikaner-1.21


e-Mail (webmaster): tube@surfpoeten.de


Für den Rest der Woche werde ich mich nun fragen müssen, wie die FFF - Föllig Feministische Frauenpartei - in der von mir initiierten Rangliste vor den militanten Tierschützern landen konnte. Zum Glück ist diese Woche nicht mehr sehr lang.

Vielen Dank an Tube und die anderen Surfpoeten!
 

Albanische Sprichwörter


Gestern bei den Surfpoeten ¹

Ein albanisches Sprichwort sagt:
"Wenn du einem Griechen die Hand gibst - zähl hinterher deine Finger nach!"
Genau dieses Sprichwort benutzen auch die Griechen. Bei ihnen handelt es von den Makedonieren - und den Albanern.

Ein albanisches Sprichwort sagt:
"Ein Dorf, das man sehen kann, braucht keine Ortsschilder!"
Hier irrt das albanische Sprichwort. Für den Berliner nämlich schon, also: Braucht es ein Schild. Für ihn ist ein Dorf wie das andere. Den Unterschied macht nur das Schild am Ortseingang. Aber wenn man lange in einem kleinen Ort gelebt hat, weiß man, wie unglaublich wichtig für die Einwohner der Unterschied zum nächsten Ort ist, und dass ihn auch jeder zufällig vorbeieilende Fremde genau kennt.

Ein albanisches Sprichwort sagt:
"Ein Mann kommt nicht mit einem Bart zur Welt."
Wir sagen: "Gut Ding will Weile haben" - und staunen, welche Bedeutung die Albaner dem Bart des Mannes beimessen.

Ein albanisches Sprichwort sagt:
"Und wenn sich die ganze Adria in Joghurt verwandelt - ein Albaner bekommt keinen Löffel." ²
Das ist die tiefe Schönheit der albanischen Sprichwörter: Diese Mischung aus Poesie, Hoffnungslosigkeit und völlig unbegründeter Absurdität.



¹ die Surfpoeten treten jetzt in der Pappelallee 15 auf, im Ballhaus Ost - aber das schnöselige, grundlos anspruchsvolle Publikum ist irgendwie mitgekommen. Dafür haben sie DJ Lt. Surf., den Menschen mit der großartigsten Plattenkiste der Stadt.

² im Beitrag von Robert Weber ging es um Geschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die albanischen Sprichwörter kamen nur als schmückendes Beiwerk vor.

15 Mai 2007

Im Vorübergehen...


...aus dem Augenwinkel...

Neulich vor dem Zeitungsladen einige ganz weltferne Botschaften:


Die Schlagzeilen werden zwar jeden Tag neu formuliert - aber die Zeitungsläden hier ändern die Titel in den Aufstellern nicht täglich. Von manchen Nachrichten wird man monatelang verfolgt. Aber das nur nebenbei.

Worum geht's diesmal? Zuerst:


Da hat sich der Herr Lama sicher sehr gefreut.



Aber dann auch:


Na, Schleimbeutel, sicher nicht bitter genug!

Ist eigentlich irgendwem dieses furchtbar wehleidige Geseire aufgefallen, das seit einiger Zeit den Schlager-Grandprix in Deutschland begleitet? "Ooooh, die Osteuropäer geben sich ja immer gegenseitig die Punkte! Und unsere großartigen Künstler landen nur auf den hinteren Plätzen! Diese fiesen Osteuropäer!"

Hallo? Da geht's doch um Schlagerschrott, oder? Ich persönlich gönne den fiesen Osteuropäern diesen kleinen Erfolg. Die haben doch sonst nix. Außer ihrer Solidarität.

Als die Osteuropäer noch nicht mitmachen durften, konnten die Deutschen allerdings auch nie einen Blumentopf abstauben. Außer einmal für die künstlerisch überaus wertvolle Hymne "Ein bisschen Frieden". Dabei waren die Generationen anderer deutscher Teilnehmer genau so gut!
 

04 Mai 2007

Maifest zwei

 
Anschließend, auf dem Rückweg von Werder, war mir doch mehr nach Zivilisation. Ich wollte unbedingt das Myfest in Kreuzberg sehen - warum auch immer.

Das Programmheft zum Myfest hat der DÜMMSTE GRAFIKER DER WELT gestaltet: Graue Schrift auf rotem Hintergrund. Herzlichen Glückwunsch!

Hat außer mir noch irgendwer versucht, dieses Programm in Schwarz-Weiß auszudrucken? Das ergibt graue Schrift auf grauem Grund, aber dafür winzig klein... vielleicht können wir zusammen dieses debile Arschloch auf Schadensersatz verklagen? Ich hoffe, wenigstens dieser Typ ist so erbärmlich bezahlt worden, wie das in alternativen Projekten üblich ist - fürchte aber, dass da ein echter Profi am Werk war und auch noch ordentlich honoriert wurde.

Na egal, musste es halt ohne Plan gehen. Angesagt waren so um die zehn Bühnen. Der ältere Besucher einer solchen Konstellation (will mal lieber nicht sagen "der erfahrene", aber jedenfalls bin ich Kummer gewöhnt) erwartet, dass alle halbe Stunde abwechselnd auf einer dieser Bühnen eine schlimme Amateurgruppe Radau macht.

ABER! Auf mindestens acht Bühne gleichzeitig spielten Bands - und nicht mal schlecht.

DAS WAR EINE MÖRDERISCHE PARTY!

... der ganze Stadtteil zwischen Oranienstraße und Mariannenplatz bebte von den Bässen...

GROOOOOOOOOOOSSARTIG!

Dazwischen Freunde und Helfer in Hemd und Krawatte, grinsend oder wenigstens milde lächelnd, freundlich Auskunft erteilend. Keine Kampfanzüge, keine Schilde, Helme, Schlagstöcke. Nicht dass mir was gefehlt hätte, so friedlich wie das war.

Noch zwei Bildchen: Blick über die Oranienstraße Richtung Nordwesten


und die Mariannenstraße hoch: Was da hinten brennt ist ein Grill, kein Auto.


Die Jungs in den Kampfanzügen waren zwar da, aber ein wenig abseits - und sie langweilten sich entsetzlich. Ich habe einen ein Buch lesen sehen.
 

Oder was.

 
Sommer im April. In der S-Bahn im Neonazibezirk Köpenick sitzen zwei kahlgeschorene Jungs mit ihren Freundinnen, alle vier deutlich unter zwanzig. Alle in Tarnhosen, braungebrannt, die Jungs ziemliche Hänflinge, aber Muscleshirts, Faschofolklore eben. Der eine hat eine Flasche Bier in der Hand, seine Freundin ein sehr kleines Kind auf dem Arm, offensichtlich ihr eigenes, und sie lächelt zufrieden.

Der distanzierte Betrachter erwartet lautes Gepöbel und Gegröhle und setzt an zum bedauernden Kopfschütteln.

Aber.

Alle sind rührend um das Kind besorgt. Kein Gegröhle, keine schlimmen Witze auf Kosten von irgendwem, jedenfalls nicht für die Dauer dieser S-Bahnfahrt. Die Jungs interessieren sich für Bäuerchen und Nickerchen, Schlafbedürfnis und Windeln.

Ich muss dringend an meinen Vorurteilen arbeiten.
 

02 Mai 2007

Baumblütenfest

 
Wenn mir ganz langweilig ist, mache ich Fotos von meinem Balkon...


...oder vom Essen:


Aber manchmal gibt selbst das nicht den richtigen Kick, und dann muss ich etwas ganz anderes tun. Etwa mir meine alten Vorurteile bestätigen, über das Volk, oder über Voksfeste, über die Provinz, hier vertreten durch das Berliner Umland, wiederum dargestellt am Beispiel Werder. Richtig: Diese Woche ist Baumblütenfest in Werder.

Ich meine DAS Baumblütenfest in DEM Werder, das weniger für seine Baumblüten als vielmehr für seinen fürchterlichen Obstwein berüchtigt ist, den der Fachmann BRETTERKNALLER nennt. Hauptbestandteile dieses sogenannten Weines sind zuerst Zucker, danach kommt Wasser, zermantschte Früchte tun sie nur rein, damit das Fass voll wird, vielleicht auch wegen des Aussehens - weil das billiger ist als Lebensmittelfarbe.

Werder kann eine nette Ortschaft sein, umgeben von Wasser:


Dem Baumenschen fallen natürlich zuerst einige Bauschäden auf...

...aber dann geht es auch schon los. Alle Werderaner sind auf den Beinen und nutzen selbstlos auch die letzte Garage und den allerletzten Stuhl zum Wohle der Gäste.


Beachte die liebevoll handgemalte Blume auf dem einladenden Willkommensschild...


...gefolgt von einem ebenso einladend gestalteten Hof:


Auf der hoch gelegenen Straße bietet Werder malerische Ausblicke zum Wasser hinab, eingeschränkt nur durch kleine Hindernisse:


Zutiefst authentische Verkaufsstände säumen den Weg. An beinahe jedem Stand wird Wein verkauft. So wie hier in der traditionellen Aufmachung hausgemachten Weines:


Für den eiligen Trinker in der praktischen Darreichungsform der PET-Flasche:


Dass der Wein hausgemacht ist bezweifeln nur böswillige Beobachter, die über die Allgegenwart der PET-Flaschen erstaunt sind, welche man an mindestens jedem zweiten Stand antrifft:


Dieser böswillige Beobachter argwöhnt, dass das einzig Hausgemachte vielleicht doch das Umfüllen von den PET-Flaschen in die großen Glasballons sein könnte.

Da es kein wirklich heißer Tag ist (+18°C in der Sonne, ca. 12° im Schatten) ist das Gedränge noch erträglich:


... und man hat Zeit für den Blick aufs Detail.
Na? Will denn hier keiner ganz aufgeregt "Deppenapostroph!" schreien?

Nicht? Schade.

Dann eben wieder ein Weinstand:


Die Flaschen sind wirklich gefüllt mit dem, was sie in Werder WEIN nennen.

...

Die Hauptamüsiermeile zu fotografieren habe ich leider vergessen. Die Leser müssen auf Bilder vom Riesenrad, der Rutsche, den Achterbahnen, dem Bungee-Kran und anderen aufregenden Fahrgeschäften verzichten, weil mich nun mal dieses hier viel mehr faszinierte: Ein Wasser-Autoscooter. Sowas geht ja nur, wenn man auch am Wasser feiert. Hübsch, nicht?


Man trifft auf hingebungsvolle Rekonstruktion alter Bausubstanz:

(wer genau hinsieht: Nach Ende der Rekonstruktion werden gute 3% der alten Bausubstanz erhalten bleiben. Von dem Mauerwerk, das ohnehin nur entlang der Straße noch steht, sind nicht einmal die Fensterleibungen übrig und werden neu ausgemauert. Über Sinn oder Unsinn von Denkmalschutz streiten wir dann ein anderes mal, ja?)

Aber man kann tatsächlich im Schilf sitzen und aufs Wasser schauen...


...den Kindern beim Spielen zusehen...


... und durch die Stadt zurück zum Bahnhof stolpern...


...vorbei an Lebensmittelständen...


und Buden mit echt original hausgemachtem Wein:


... vom Bahnhof Zoo nur eine halbe Stunde mit einem BVG-Ticket für Tarifbereich C.



Ich habe beim Fotografieren noch etwas vergessen: Die Pilzpfannenabteilung. Einige Imbisse beginnen jetzt damit, ihr Angebot so zu dekorieren, dass es wie ESSEN aussieht, und nicht wie brauner Matsch, den sich volltrunkene Volksfestbesucher gierig reindrehen. Ich war ehrlich überrascht von der Provinz.
 

17 April 2007

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Jetzt bin ich schon mal dabei, kann ich auch weiter werben:

Erst heute hat sich bis zu mir herumgesprochen, das der von mir höchstgeschätzte (misstraue dem Superlativ!) deutsche Comiczeichner Gerhard Seyfried seit beinahe einem Jahr das Zeichenblog für die von mir weniger geschätzte TAZ betreibt.

Eigentlich wollte ich mich für diese Unkenntnis bis ins Morgengrauen selbst geißeln. Bin aber zu dem Schluss gekommen, dass es sich um eine lässliche Sünde handelt - wer kann schon ahnen, dass die TAZ neuerdings auf echte Qualität setzt und nicht wie sonst immer Polemik und Schleimerei als Journalismus ausgibt?

Also: Gerhard Seyfried in der TAZ - aber auch anderswo.

Zeichnungen kommen dort auch vor, aber nicht nur.

 

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