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18 Juni 2015

Multiples Kranversagen

Dieser eigentlich ziemlich uninspirierte Youtube-Link kommt nur wegen des blöden Wortspiels in der Überschrift¹. Und weil der Große Bloguator™ vom Bau ist, sowie - im weitesten Sinne - Ingenieur.


Für den Ingenieur ist einerseits ganz interessant, wie oft die Krane nur deshalb umkippen, weil sich niemand über den Zusammenhang von Last und Reichweite Gedanken gemacht hat. (Hebelgesetz, lernt man in der Schule - man muss allerdings auch bis zur achten Klasse hingehen). Andererseits auch, wie oft bei den Teleskopkranen einfach das Teleskop mittendrin bricht, anstatt dass irgendeine Sicherung solche Lasten verhindert.

Zum Schluss der Versuch einer Spitzenleistung im Fach "Multiples Kranversagen". Wer es nicht so genau erkennt: Da wird in einer Kaskade jeweils ein Kran vom nächstgrößeren angehoben und dieser dann wieder vom nächstgrößeren - insgesamt wohl vier oder fünf Stufen, irgendwann werden "...tausend Tonnen" aufgerufen.. Wie es ausgeht sieht die geneigte Leserin selbst.

 

 

 


¹ man nennt es "Ästhetik des Unfugs"

22 Juli 2014

Goldener Boden

Hier im Hof arbeiten die nervigsten Handwerker der Stadt. Sie verrichten ihre Arbeit nicht am Stück. Sondern!

Sondern: Aus irgendeinem Grund erledigen sie ihre Arbeit in nahezu unmessbar kleinen Abschnitten und koordinieren die Arbeitsabschnitte mit meinem Fenster. Im Sommer öffnet man gern das Fenster. Mache ich das Fenster auf - uuuiiiieeeee - wirft einer die Kreissäge an und sägt kreis. Mache ich das Fenster wieder zu schaltet er sie wieder aus. Fenster auf - Kreissäge wieder an. Fenster zu - Kreissäge wieder aus.

… noch zwei Runden und ich schiebe den Typen durch seine eigene Kreissäge! Die Streifen frittiere ich dann in Kettenöl und zwinge seine Kinder und seinen Fußballverein, sie zu essen!

Letzte Woche war einer mit einem Laubbläser da … Laubbläser! Im Sommer! Er laubblies immer so Abschnitte von zwei bis vier Quadratmeter. Kaum war mein Fenster zu machte er seinen dengelnden Zweitakt-Laubbläser aus und verschwand. Wahrscheinlich musste er seinen Chef nach Lob fragen, für die zwei bis vier unheimlich ordentlich laubgeblasenen Quadratmeter. Fenster auf - Laubbläser an, wieder zwei Quadratmeter. Fenster zu - Laubbläser aus, Cheflob einholen.

Zum Glück musste ich weg. Ich hätte zu gerne den Arbeiter  … nein: Den CHEF, der naive Arbeiter mit einem Laubbläser ausstattet und bei 32°Celsius in die Höfe von Wohnhäusern schickt !!! mit seinem Laubbläser bis auf das doppelte Volumen aufgeblasen und seine Ohren dabei direkt am Auspuff von dem Zweitaktmotor festgetackert!

Vorletzte Woche fuhr einer mit einem Rasenmäher herum. Der Rasenmäher war selbstverständlich nicht das kleine mechanische Modell mit Muskelkraftantrieb, das sich dreht, wenn man es vorwärts schiebt. Nein, der Mähmann kam mit einem Teil zum drauf Sitzen, mit automatischem Grasfangkorb und drei Rück­wärts­gängen.

Die Rasenfläche in unserem Hof misst gute 21Quadratmeter. Eine Nagelschere wäre für diese Größe genau das richtige Werkzeug. Aber Aufsitzmäher - ohne Schalldämpfer.

Der beauftragte Rasenmäherpilot konnte die 21Quadratmeter natürlich auch nicht am Stück abarbeiten, sondern bewältigte die Fläche in vier oder fünf Abschnitten, zwischen denen er den Motor immer wieder abstellte, er fuhr auch mehrmals aus dem Hof raus. Eine Finte? Nur so konnte er anscheinend echte Qualitätsarbeit abliefern…

…

…

… aaaaargh, der Kreissäger wieder! Ich geh jetzt raus und greife mir den Typen! Wünscht ihm Glück! Ich werde bis zu den Knien in seinen Eingeweiden waten!






wir sind übrigens vor einem halben Jahr umgezogen. Es ist nicht - ich betone: NICHT - derselbe Hof wie in diesem Bericht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich die Typen anziehe

03 März 2014

Super

-lativ!


Soeben las ich einen der seltsamsten Superlative, die mir in meinem nicht sehr kurzen Leben begegnet sind. Im Wikipedia-Artikel über den Hamburger Ortsteil Steilshoop heißt es:
Geografische Lage
Den Abschluss nach Norden bildet der Ohlsdorfer Friedhof, der größte, von einem Zaun umgebene Friedhof der Welt.
Oh mann, ein Zaun als superlativstes Auszeichnungsmerkmal - die müssen es echt nötig haben!

Dabei, wenn man sich das Luftbild von Steilshoop ansieht, entdeckt man vielleicht andere Sachen, die viel erwähnenswerter wären und ebenfalls die Grundlage für einen wie auch immer gearteten Superlativ hergeben könnten.


Größere Kartenansicht

15 Dezember 2013

Potsdamer Platz 2013

siehe auch hier

Der Potsdamer Platz ist ein eindrucksvolles Monument von Gernegroß. Eine vermurkste zugige Kreuzung mit einem zusammengewürfelten Haufen etwas höherer Gebäude und ambitioniertem Bahnhofsprotz, sowie einer besonders billigen Imitation des Walk of Fame in Los Angeles.

Nach dem Mauerfall lag hier eine freie Fläche. Deshalb durfte jeder Großversager aus der weiteren Umgebung beweisen, wie sehr er will und nicht kann: Stadtregierung, Architekten, Stadtplaner, Behörden, Investoren.

Nichts konnte groß genug aufgeblasen werden, nach den Worten des damaligen Bürgermeisters sollte Berlin so sein wie London, Paris oder New York. Pffft! Warum denn nicht wie, na, sagen wir mal, Berlin?

Der Potsdamer Platz wurde ausdauernd als Die größte Baustelle der Welt, Europas oder der Nachkriegszeit bezeichnet. Bei Lichte besehen war es vielleicht die größte Baustelle Berlins in der Nachkriegszeit, aber mehr wohl nicht. In China wurden in derselben Zeit ganze Millionenstädte aus dem Boden gestampft, in den Emiraten begann gerade der ebenso unsinnige Bauboom, aber erreichte eben ganz andere Dimensionen. Größte Baustelle also.

Heute gibt es dort ein 20-stöckiges Bürohaus mit Klinkerfassade. Warum denn nicht gleich Fachwerk und Reetdach? Das hätte bei 20 Etagen genauso viel Sinn gemacht. Die Klinker begannen zwei Jahre nach der Fertigstellung wieder abzufallen, so dass dort fünf oder sieben Jahre lang ein Gerüst zum Schutz der Passanten den Gehweg blockierte.

Es gibt dort das peinliche Zeltdach des Sony-Centers, bei dem man vergessen hat, die Seiten abzudichten. Nun ist es in dem Hof dermaßen windig, dass sich der Innenhof im Frühjahr und Herbst noch kälter anfühlt als draußen. Nun gut, die ansässigen Lokale machen auch gerne kurz nach acht zu.

Es gibt die monströsen Eingangsüberdachungen zu einem unbedeutenden unterirdischen Regionalbahnhof. Die Dächer haben annähernd Speersche Ausmaße, aber wer von der unterirdischen S- in die U-Bahn umsteigen will, muss dafür ganz oben auf der Kreuzung herumirren, weil es für eine sinnvolle direkte Verbindung nicht gereicht hat. Die Dächer sind seitlich ebenfalls offen. So machen sie immerhin Schatten und verhindern, dass gelegentlicher Starkregen gleich bis ins vierte Untergeschoss läuft und dem durchfahrenden ICE die Stromschiene umschmeichelt.

Und es gibt das potemkinsche Dorf. Nirgends in Berlin würde es besser hinpassen als an diesen Platz. Aus irgendeinem Grund ist es bis heute nicht gelungen, alle dieser teuersten Grundstücke Berlins zu bebauen. So gefragt ist die Lage. An der Nordseite des Platzes waren bis vor kurzem zwei Grundstücke unbebaut, und jetzt immer noch eins. Damit das Versagen aller Beteiligten nicht so auffällt, wurden sie mit Gerüsten und täuschend echten Fotoplanen dekoriert, so dass man den Makel erst beim genauen Hinsehen bemerkt. Und eins dieser Grundstücke wird jetzt bebaut. Das andere Gerüst bleibt.




... man könnte die Haus-Attrappen natürlich als große Kunstaktion im Sinne Christos begreifen, wo mit Hilfe der Gerüste und der Assoziation zum Kulissenbau eine Verbindung zu Hollywood, zum Film, zum Walk of Fame oder zur Vergänglichkeit der Streetart hergestellt wird. Könnte man sicher auch.

17 Oktober 2013

Herz

Gerade hat jemand nach "Herzen aus Bauschaum" gesucht. Da ich anscheinend einer der namhaftesten Autoren über Bauschaum im deutschsprachigen Raum bin, landet der natürlich in diesem Blog.

Das ist ein sehr weites Feld. Hier wird außerdem oft über Herzen aus Herzmaterial spekuliert: Die Liebe und ihre Folgen.

Jetzt muss ich trotzdem über dieses Thema eine Weile nachdenken: "Herzen aus Bauschaum" ...? Was mag so jemand wohl suchen?

 


Ach was: Ergebnis des Stichworts Bauschaum hier im Blog: http://goldfischli.blogspot.de/search?q=bauschaum

16 August 2013

Irr. Tum.

Aaaargh! Was habe ich getan?

… gestern etwa eine Stunde lang hartnäckig und boshaft behauptet, das Gebäude des S-Bahnhofs Südkreuz sei der Phantasie des Büros GMP entfleucht…

…. dabei gibt es doch auch noch andere Großversager der Architektur.

Werch ein Illtum!

(andererseits: Hätte ich meine Ahnungslosigkeit besser unter Beweis stellen können? Bin für jeden Vorschlag dankbar)

12 Juni 2013

Abweg

Um einmal auf andere Gedanken zu kommen habe ich neulich gelesen.

Anlass war die seltsame Mailadresse eines Auftraggebers, in der die Jahreszahl 1937 eine Rolle spielt.

Dabei bin ich zuerst an Nikolai Jeschow geraten, einen der Vollstrecker des Großen Terrors in der Sowjetunion unter Stalin. Ergebnis seiner Tätigkeit: Ca. 750.000 ermordete Menschen.

Irgendeinem Link folgend bin ich dann aus Unaufmerksamkeit zum Massaker von Nanking in einem der chinesisch-japanischen Kriege weitergezogen. Dort werden die allerschlimmsten Grausamkeiten beschrieben, die Menschen anderen antun, wenn man sie nur lässt. Wo unter solchen Umständen schon ein Toter zu viel ist, werden Opferzahlen im Bereich von hunderttausenden genannt.

Um dann wirklich auf andere Gedanken zu kommen, habe ich lieber ein älteres Lesezeichen über Neuroparasiten aufgeschlagen, das ich mir vor einiger Zeit einmal angelegt hatte (vollständiger Artikel als PDF hier). Die Neuroparasiten sind lustig, so lange man denkt, dass sie nur Schaben und Raupen befallen und deren Steuerung übernehmen. Dann kommt der Absatz, wo Toxoplasmose beschrieben wird und der Verdacht, dass sie nicht nur die Verhaltensweisen von Ratten und Mäusen ändert, sondern auch von Menschen...

... ich werde das Lesen bleiben lassen.

10 Juni 2013

Sprech

Das Wort Nachverdichtung ist Architektensprech. Oder Stadtplaner~.

Nachverdichtung bedeutet, dass auch dort noch Häuser gebaut werden, wo kein Platz mehr ist.

06 Juni 2013

Heimwerk again

Werktag im Büro. Man ist von Berufs wegen darum bemüht, haltbare und optisch ansprechende Bauleistungen zu veranlassen. Der Heimwerker von nebenan nervt deshalb wieder einmal sehr besonders. Hier wurde er bereits vorgestellt.

Er ist ein Zeitgenosse, der für jedwede Aufgabe generell das denkbar ungeeignetste Werkzeug verwendet, weil er im Baumarkt niemanden gefunden hat, der ihm davon abraten wollte. So einem ignoranten Verkäufer hätte er eh nicht geglaubt, der will ihm doch nur etwas andrehen!

Diesmal nimmt er anscheinend einen Dremel zum Abschleifen der Dielen, weil der nun mal am billigsten war. Der Dremel ist auch am kleinsten. Mit ähnlichem Werkzeug arbeiten Zahnärzte, nur dass ihre Werkstücke deutlich kleiner sind als die Dielen in der betreffenden Wohnung.

Seit einigen Tagen/Wochen/Monaten schleift der Heimwerkernachbar damit im obersten Drehzahlbereich unermüdlich eine nicht enden wollende Fläche. Aaaaargh!


10 Dezember 2012

Hammersonntag (2)

... ich bin der geneigten Leserschaft ja noch den zweiten Teil vom Hammersonntag schuldig (vom Ararat wollen wir mal gar nicht reden)...

Der zweite Teil vom Hammersonntag bestand aus einer Aufführung der Neuköllner Oper:
Frerk, du Zwerg!
Da geht es sinngemäß um ein Kind, das gemobbt wird. Aber ohne erhobenen Zeigefinger oder Gebrauchsanweisung für das Leben fremder Leute.

Ich war mit den Patenkindern und ihren Eltern da und sehr überrascht: Es hat nämlich allen vieren gefallen. Das muss man ja erst mal hinkriegen mit Kunst: Eine Sache, die sowohl Kinder wie Erwachsene begeistert.

An der Aufführung in der Neuköllner Oper ist alles toll: Die Schauspieler, die alles können, singen, tanzen, schauspielen. Das minimalistische Bühnenbild in wenigen klaren Farben. Die Musik, die von einer One-Man-Band hergestellt wird. Das Stück selbst, das bis auf die Pointe ziemlich lebensnah ist. Super.

Ich habe es zufällig zweimal gesehen, könnte aber gleich morgen wieder hingehen. Ich wiederhole:

!!! SUPER !!!


01 Oktober 2012

Bauantrag

Der Große Bloguator™ und die Kollegin sind beide seit über zwanzig Jahren im Geschäft. Kürzlich ergab es sich zum ersten Mal in diesem nicht unerheblichen Zeitraum, dass ein Bauantrag als "nicht bearbeitbar" von der Behörde zurückkam.

So etwas bedeutet Verzug. Verzug kostet im Bauwesen eigentlich immer Geld und der Arschitekt bekommmt in diesem Fall graue Haare.

Als Gerücht schwebt die Möglichkeit der Zurückweisung immer über dem Arschitekten. Aber in zwanzig Jahren Praxis ist uns das eben noch nie begegnet. Normalerweise läuft die Sache so, dass ein Bauantrag bei der Behörde eingereicht wird, mit der Eingangsbestätigung erhält man eine Erinnerung, dass noch das eine oder andere fehlt und das reicht man halt nach.

Es ist ohnehin fast unmöglich, auf den ersten Versuch einen vollständigen Antrag einzureichen, irgendetwas fehlt immer - Bescheinigung vom Vermesser, Bescheinigung vom Brandschutz, Bescheinigung vom Schornsteinfeger, Bescheinigung zum Energieverbrauch oder ein simpler Statistikbogen, den man in all dem anderen Wust vergessen hat.

Wenn man all diese Unterlagen endlich vollständig beigebracht hat, bleiben aber aus Sicht der Behörde immer noch jede Menge offene Fragen. Deshalb enthält eine normale Baugenehmigung eine Liste von durchschnittlich zehn bis zwanzig Punkten mit Auflagen und Einschränkungen.

Man merkte dem zurückgewiesenen Antrag allerdings an, wie sehr sich die Behörde Mühe gegeben haben muss, Fehler zu finden. Er war unter den beschriebenen Umständen an sich ziemlich vollständig. Aber irgendjemand im Amt wollte, dass zurückgewiesen wird. War gar nicht so einfach. Dafür musste der Sachbarbeiter buchstäblich nach Kommafehlern und anderen wichtigen Versäumnissen suchen.

Es gab im behördlichen Schreiben zur Zurückweisung sogar eine oder zwei gänzlich unrichtige Behauptungen sowie die mutwillige Fehlinterpretation eines behördeneigenen Formulars.

Wenn es zu einer Verzögerung kommt, will der Bauherr allerdings solche Entschuldigungen nicht hören. Sondern richtet in der Regel gleich die ultimative Frage an den Arschitekten, wer ihm den Ausfall bezahlt. Dieser ist daher bestrebt, unklare Verhältnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Liegt nahe: In erstaunlich kurzer Zeit war unser Antrag wieder eingereicht.

Dann im Büro in den ersten Wochen zynische Kommentare, ob er wohl noch einmal zurückgewiesen wird. Aber es kam nichts außer einer ordentlichen Eingangs­bestätigung. Dann wieder eine Weile Ruhe. Der Verdacht, dass jetzt sogar der Staatsanwalt auf die Arschitekten gehetzt wird, wegen groben Unfugs oder so. Aber keine Post vom Staatsanwalt. Also vielleicht nicht.

Am letzten Tag der zulässigen Bearbeitungsfrist kommt dann tatsächlich eine Baugenehmigung. Diese liest der Arschitekt immer - IMMER! - mit einer Mischung aus Erleichterung und Argwohn: Einerseits ein Erfolg. Der Teufel wohnt im Kleingedruckten, nämlich in den Auflagen, üblicherweise zehn bis zwanzig Punkte, von denen einige sehr teuer oder sehr lästig werden können. Oder beides.

Diese Baugenehmigung enthielt aber nur einen einzigen Punkt: Der Baum im Garten und der davor sind während der Bauarbeiten zu schützen.


25 September 2012

Bauleitung

Lustisch! Bin so richtig in Fahrt! Irgendjemand, der noch nicht sein Fett weggekriegt hat?

11 Juni 2012

Ararat (21) - aber sie überrascht!

Eine weitere Besonderheit der Türkei ist die vorurteilslose Freundlichkeit, mit der man dort überall konfrontiert wird. Ich kann jetzt schlecht sagen, woran es liegt. Beispielsweise trifft man fast überall in der Welt auf eine Art Deutschen-Bonus. Allerdings sieht man dem gewöhnlichen Reisenden ja die Nationalität nicht an, höchstens die grobe Richtung, also, vielleicht "Mitteleuropa".

In den Touristengebieten wird man auch in der Türkei von allen möglichen Händlern, Anbaggerern und Vertickern gequält, die einem irgendetwas andrehen wollen. Das tun sie meist gar nicht so unfreundlich, nur ist es halt schon wegen der Masse anstrengend.

Aber bereits wenige hundert Meter abseits der Touristenströme setzt sich die natürliche Freundlichkeit durch. Fast überall wo man hinkommt, wird man wenigstens mit einem "Hello!" oder "Welcome to Turkey" begrüßt, auch wenn das die einzigen englischen Worte sind, die die Leute können.

Nach den ganzen nervigen Baggerführern muss man dann erst einmal umstellen, da die übrigen freundlichen Menschen einem gar nichts andrehen wollen. Sondern sie sind wirklich nur nett, weil man offensichtlich fremd ist und sich offensichtlich für ihr Land interessiert. Darüber freuen sie sich.

Schwerer Kontrast zu Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern mit ihrem grundsätzlichen Misstrauen allem Fremden gegenüber. Muss ja nicht unbedingt böse Fremdenfeindlichkeit sein, aber eben Argwohn und Misstrauen, Ablehnung, Distanz.

Mir selbst liegt das Reden ja nicht so, die Mitreisenden zettelten bei wirklich jedem Zwischenstopp eine Unterhaltung mit den Einheimischen an. Viele sprachen wirklich kein Englisch oder Deutsch oder irgendeine Fremdsprache, die wir beherrschen würden. Hingegen ist unser Türkisch und auch Kurdisch stark ausbaufähig, also: Wir können kein Wort.

Trotzdem ist dort mit fast jedem eine Unterhaltung möglich. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo sich die meisten Leute aus den unterschiedlichsten Gründen erst gar keine Mühe geben. Allein diese überwältigende Freundlichkeit macht die Türkei zu einem erstrebenswerten Land.

Der Kulturschock, den türkische Gastarbeiter beim Umzug nach Deutschland erlebt haben müssen, übersteigt unter diesen Voraussetzungen jedes Vorstellungsvermögen. Wer die Türkei abseits der Touristengebiete einmal erlebt hat, schämt sich noch nachträglich.

01 März 2012

Flyer

Vor einigen Jahren wurde ich nach einem Flyer für einen Landschaftsgärtner gefragt: "Du kannst doch sowas..."

Ja, klar doch, ich.

Ich weiß nicht mehr so genau, was mich damals geritten hat, das Ergebnis war eigentlich wie immer:

(für besser lesbar in Originalgröße - ins Bild klicken)




25 November 2011

Ambitionierte Architektur

Was sieht man hier?


Genau: Hier sieht man ambitionierte Architektur. Man erkennt das heute daran, dass die Fenster nicht übereinander liegen, sondern wild über die Fassade verteilt sind.

Und man sieht jemanden, der Fenster putzt. Er putzt die nicht übereinander liegenden Fenster von außen, und zwar die im zweiten Obergeschoss vom Boden aus. Vorher aber auch schon im dritten und im vierten Stockwerk, ebenfalls vom Boden aus.

Diese Architektur ist nämlich so ambitioniert, dass sich die Fenster nicht öffnen lassen. Deshalb muss man sie von außen putzen.

Natürlich nicht alle Fenster. Sondern nur die schmalen. Die breiteren kann man öffnen. Wegen der paar schmalen Fenster muss jetzt also immer der Fenster-von-außen-Putzdienst gerufen werden. Der kann dann vom Boden aus die anderen Fenster im vierten Stock gleich mit putzen, weil er schon mal da ist. Das ist praktisch: Da braucht er gar keinen Schlüssel und nervt keinen!

Die Fenster lassen sich nicht öffnen, weil sie so schmal sind, da war kein Platz für einen Öffnungsflügel. Also: Platz wäre schon gewesen, aber dann hätte man länger drüber nachdenken müssen. Oder überhaupt. Womöglich hätte es auch zwanzig Euro mehr gekostet. Pro Fenster! Jedes!

Daher hat man sich dafür entschieden, dass die Fenster der ambitionierten Architektur von außen geputzt werden, ganz zeitgemäß vom wohlfeilen Fensterservice. Das ist neuhochdeutsch für Volle-Arbeit-aber-Lohn-knapp-unter-Sozialhilfeniveau.

Heißt andererseits wohl: Müsste der Fensterputzer richtig bezahlt werden, wären die Hauseigentümer vielleicht nicht ganz so glücklich mit ihrer ambitionierten Architektur, bei der sich die Fenster nicht öffnen lassen. Aber so konnten sie ganz frei ihre "Vorstellungen vom Wohnen in der Stadt verwirklichen".

Es handelt sich übrigens um das Haus einer Baugruppe.

20 November 2011

Sachverständigen-Voodoo

 
Sachverständigen-Voodoo ist, wenn man durch geheimnisvolles Auftreten, Reden und Gesten, Sachverstand vortäuscht. Man tut das an der Stelle, wo zwar Sachverstand ist, aber einem ohne das Voodoo in der Regel nicht geglaubt wird.

Die Kundschaft, das sind halt auch nur Menschen...
 

07 November 2011

Inselgentrifiz

Heimatkunde


Die Schöneberger Insel wird jetzt auch gentrifiziert, zusammen mit den gegenüber liegenden Ufern.

Die Schöneberger Insel ist nicht von Wasser umgeben, sondern von sehr breiten Bahntrassen, man kann sie nur über Brücken betreten¹. Und die Schöneberger Insel war arm. Bis vor kurzem. Jetzt gibt es am Südende den Bahnhof Südkreuz und auf halber Höhe nach zwanzigjähriger Planungszeit (in Worten: 20!) tatsächlich einen S-Bahnhof mit zwei einfachen Gleisen. Seither ändert sich einiges.

Der Große Bloguator™ kommt ja vom Bau, da sieht man die Welt mit anderen Augen. Deshalb ist ihm aufgefallen, dass in den letzten fünf Jahren an einigen Straßen nahezu jedes Dach ausgebaut wurde.

Nun werden Dächer heute nicht mehr zur Linderung der Wohnungsnot ausgebaut. Wer Wohnungsnot hat, kann nach Meinung unseres sozialdemokratischen Bürgermeisters gerne in die Platte kurz vor Hönow oder nach Spandau-Falkenhagen ziehen, irgendwo in das Elend der Ödnis am Stadtrand, dort ist keine Wohnungsnot. Komisch eigentlich.

Wenn heute in der Innenstadt ein Dachgeschoss ausgebaut wird, dann zur Schaffung hochwertigen Wohnraumes, der sich noch teurer vermieten lässt als die Durchschnittswohnungen mit den ohnehin steigenden Mieten in längst abgeschriebenen Altbauten.

Gerade auf der roten Insel treffen da Welten aufeinander: Auf der einen Seite die Alteingesessenen, die mehrheitlich irgendwo am Rand von HartzIV herumkrebsen. Auf der anderen Seite Leute, die ihre Luxus-Einbauküche nicht einmal selber kaufen, sondern sich von ihrem Arbeitgeber liefern lassen. Heißt: Diese Menschen sind so hochwertig, dass ihr Arbeitgeber versucht, sich bei ihnen einzuschleimen. Wo hat man das heute noch? Das wünscht sich doch eigentlich jeder, oder?

Immerhin fallen sie in der gesunden Schöneberger Multikulti-Mischung bisher nicht unangenehm auf. Migranten, Öko-Bewegte, Studenten, Hartzer und Der Große Bloguator™ - dazwischen fällt so ein einzelner Medizinprofessor oder Software-Millionär kaum ins Gewicht. Irgendwer hat einen gelben Lamborghini, es gibt mehrere hübsche Oldtimer, aber die meisten fahren Fahrrad.

Dass sich doch etwas ändert, sieht man in den Erdgeschossen, am Gewerbe. Bisher dominierte Kleingewerbe, Fahrradläden, Trödler und Leerstand. Seit zwei Jahren ändert sich etwas: In der gottverlassenen Straße zieht ein Biocafé ein, etwas später eine Cocktailbar, schräg gegenüber eine junge aber renommierte Galerie. Seit neuestem ein mediterraner Feinkost-Großhandel und um die Ecke eine Vinothek. Der große Bioladen brummt seit jeher und 400m entfernt macht ein weiterer auf, in den Räumen wo vorher der versiffte Discounter war. Und im Gasometer jaucht sich Günther aus.

Am Kleistpark haben in zwei Jahren drei Buchläden eröffnet. Buchläden. In Worten: 3!

Dabei heißt es doch, dass Buchläden eines der bedrohtesten Gewerbe überhaupt sind. Anderswo müssen sie zumachen - am Kleistpark lassen sich drei neue in Sichtweite des vierten nieder.

Die beobachtete neue Gentrifizierungswelle in Schöneberg findet allerdings unter anderen Umständen statt: Bislang kommt sie ohne Verdrängung aus. All die neuen Läden sind dort eingezogen, wo vorher etwas leer stand. Das wiederum bedeutet, dass das Geschäft vorher nicht lief. Jedenfalls nicht so, wie sich das der interessierte Kaufmann vorgestellt haben mag. Alle neuen Läden sind voll.

Die Wohnungen in den Dächern entstehen da, wo vorher keine Wohnungen waren (ja, natürlich, der Umbau nervt die Mieter da drunter).

Wohin das führen mag, lässt sich bisher schlecht absehen. Noch besteht kein Grund zur Panik, aber wer hätte das vor fünf Jahren von Neukölln gedacht, beispielsweise? Bisher geht es jedenfalls noch relativ entspannt zu, der Türkenmarkt verkauft nach wie vor billiges Gemüse in sechs bis sieben Sprachen und kein Brot mit Diamantstaub vom sogenannten Biobäcker, das dann aber doch nicht schmeckt.

Schönes Schöneberg!



¹ sinngemäß! Ja, ich weiß, von der Yorckstraße her gibt es einen Landweg. Klugscheißer!
² die Berliner Bezirksämter geben übrigens sehr schöne Bücher zur Bezirks­geschichte heraus, beispielsweise das über den Gasometer (Einzelnachweis 2)

14 September 2011

Ungeschick

Irgendwelche Dödel haben es am Wochenende doch tatsächlich geschafft, die Scheibe unserer Büroküche von außen einzuwerfen. Unser Büro liegt im zweiten Stock.

Da muss man überhaupt erst mal rankommen. Blödmänner!



Ist übrigens eine interessante Verbundfenster-Konstruktion, die man da sieht, Doppelscheiben in zweiteiligen hölzernen Flügelrahmen.

11 Juli 2011

Wellen


Wie einigen Lesern bekannt ist, neigt Der Große Bloguator™ dem unmotorisierten Wassersport zu. Grade gesehen: Man kann einen Surfspot kaufen!

Das wäre jetzt nichts besonderes, wer besonders viel Kohle hat, ein mehrfacher deutscher Hausbesitzer oder ein russischer Oligarch, der kauft sich halt, was er will: Ein Segelteam, eine Fußballmannschaft, Hawaii. Und wenn er Hawaii gekauft hat, dann wird da schon auch irgendwo ein Surfspot dabei sein.

Aber das wesentliche Alleinstellungsmerkmal¹ dieses käuflichen Surfspots ist: Man kann ihn überall aufstellen. Irgendwo! Es muss nur einen Wasseranschluss und ein wenig übriggebliebene Landschaft geben - und schon kanns losgehen.

 
beachte im Hintergrund: Nur echt mit der Teichfolie!

Ich weiß noch nicht, ob ich darüber begeistert sein soll. Wahrscheinlich schon. Auch wenn sich bislang noch ein paar zweifelnde Gedanken melden. Bekanntlich hat die Erfindung des Skifahrens dazu geführt, dass nicht nur die Anbieter von Skigebieten ihre eigene Landschaft zerstören, sondern dass auch Menschen in zum Skifahren gänzlich ungeeigneten Gegenden unbedingt Skifahren wollen.

Hm?

... na, sagen wir mal, eine Skihalle in Bahrain Dubai oder in Bottrop ... Hamburg...

... oder in Bottrop.





¹ jahaaa! So muss man heute reden!

20 November 2010

Musik und Tön


VI. Staffel - Hausbautirade

14. Ganz dicht dran


ne woche später hatten se nen neuen termin. der war noch kürzer wie der erste. und die leute vom bauamt noch anjefressener. diesmal warn se richtich anjepisst: ick hörte wat von "fruchtloser abnahmeversuch!" und "jeden weiteren termin stellt die behörde ihren bauherren gesondert in rechnung!" dit tut dit amt ooch so, aber sie wolltens wohl einfach nochmal ausdrücklich jesacht haben.

nochmal ne woche später wieder n termin, nach meine zählung der dritte inzwischen. ick weeß jar nich, wat die neubewohner inzwischen jemacht ham, die mussten ja scheints dringend aus ihre alten wohnungen raus, schon wochen vorher. in die neuen durften se aber nich rin. die zeit kann für den arschitekten nich janz leicht jewesen sein.

beim dritten termin klappte dit denn anscheinend. aber die neuen hausbewohner waren inzwischen misstrauisch jeworden: den nächsten möbellaster habe ick erst tage später jesehen. den zettel mit der einladung zum fest uffm hof hatte wohl der wind verweht, oder irjendwer klammheimlich wieder abjemacht. vülleicht hatten se da keene lust mehr zu. der garten is ja ooch immer noch nich anjefangen. und der zaun fehlt.

zur zeit sehe ick regelmäßich nen wagen vom heizungsnotdienst. da muss wohl bei die fußbodenheizung wat schief jeloofen sein. kann ick mir denken: wenn da ständich zwee dutzend handwerker mit ihrem material und jerät über die dünnen rohre marschieren bleibt nich allet so heil wie man sichs wünscht. anschließend kommt trotzdem estrich druff und denn merkt mans ne weile nich. erst dann wenn der handwerker schon ne weile weg is.

janz weg sind die in die ersten jahre sowieso nich. da sind immer kleinichkeiten, bei die et ne weile brauch bis se richtich funktionieren. ick sehe da manchmal noch een handwerker an die rolläden rummurksen. kann ick nich jenau sehen, wieso. bei so rolläden spinnt jerne mal die elektrik, wenn man sich da nich rechtzeitich drüber jedanken jemacht hat oder irgendwat klemmt, "oder beides".

immer wieder kommt ooch eener und fummelt am putz rum, außen. die hatten den putz bei janz ungünstije bedingungen druff jepappt, dit hat andauernd jeregnet und zu kalt war et ooch. wenn man denn trotzdem verputzt denn hält der putz jerne mal nich. aber musste ja mit aller jewalt fertich werden, not kennt keen jebot!

nu löst sich immer wieder irjendwo der putz ab. und weil dit noch nich reicht looft wasser dahinter und denn schimmelts bald. der erste putzer hatte sich scheints unterschreiben lassen, diss er nich schuld is, wenn sowat passiert. dit kann man machen, der fachmann sacht denn "man meldet bedenken an". und der putzer war clever jenuch und hat schon jeahnt, wat kommen wird. der arschitekt nich.

der putzreparateur is nu von ne andere firma, weil die erste ja so böse war. aber ejal von welche firma: den müssen se extra bezahlen. und er brauch nen steiger, dit is so ne hubgondel an nem ausleger, weil de da oben ohne nich rankommst und keene leiter lang jenuch is. sowat is allet "nicht umsonst, aber vergebens", sachte mein polier früher immer. also müssen se den steiger stundenweise zusätzlich ooch noch mieten. trotzdem warn im vergleich zu vorher die handwerker bloß noch kurzfristich da.

darüber müssen die leute von der baugruppe andererseits janz froh jewesen sein, diss die handwerker endlich weg warn. nu hatten se ihr paradies: ne imposante hütte mit plastikfenstern und sündich teurer fußbodenheizung die nüscht wie ärger macht. die traumwohnung is vülle später fertich jeworden als jeplant, war dafür vülle teurer und die glücklichen besitzer sind schon vor dem einzuch mit der janzen umgebung verkracht.

bin mal jespannt ob die ihre kinder überhaupt hier zur schule schicken. wahrscheinlich wolln die mit uns jar nüscht zu tun haben. ick gloobe ick vermisse die ooch nich sehr.


FIN


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