19 Oktober 2016

Kaffee-Limonade

Wer sich ein wenig über die Begeisterung des Großen Bloguators™ bezüglich eines trivialen Newsletters wundert, mag die folgende Empfehlung für ein Café lesen. Und verstehen:


Isla Coffee. Strategisch günstig am U-Bhf Boddinstraße gelegen, lädt das schlichte Café zum frühen Koffein-Shot und Sandwiches mit wildem Ruccola, gegrillter Birne und Ricotta.

Letzterer wird aus Milch, die beim Kaffeemachen übrig bleibt, selbst gemacht - klingt ungewöhnlich, hat aber Methode, denn das Isla hat sich der restlosen Resteverwertung verschrieben. So gibt es sogar Kaffee-Limonade und getrunken wird der morgendliche Muntermacher aus Tassen, die aus Kaffeesatz hergestellt wurden.

Hermannstraße 37, Mi-Mo 8-18 Uhr


Das ist gar nicht weit von hier. Werde ich morgen probieren.

18 Oktober 2016

Am Ende des Tags

Jetzt habe ich immer noch kein zündendes Tag für diese Serie geklauter Ausgehempfehlungen… in der Hölle schreiben sie eifrig an meinem Lebenslauf mit.

Heute - aus gegebenem Anlass - und aus dem Tagesspiegel Checkpoint - dieser Hinweis:


Trinken wie zu Kaisers Zeiten: Am Ende des 19. Jahrhundert gründeten die Brüder Max und Emil Leydicke die gleichnahmige Weinprobierstube für Proletariat und Kleinbürgertum in der Mansteinstraße 4 in Schöneberg. Die Studentenbewegung entdeckte das Lokal in den 1970er Jahren als urige Kneipe, Wirtin Lucie Leydicke trug das ihre dazu bei, die antiquierte Trinkhöhle legendär werden zu lassen. Heute pflegt Raimon Marquardt die Likörkultur der Gründer. Geöffnet täglich ab 19 Uhr.

Der gegebene Anlass ist die räumliche Nähe zum Heim des Großen Bloguators™. Wer ihn einmal leibhaftig¹ treffen möchte, könnte dies mit einem Besuch bei Leydicke verbinden. Ja.

 

 


¹ eine seltsame Häufung von unterweltlichen Formulierungen heute. Unterirdisch.

13 Oktober 2016

Bildungsnotstand!

Neinnein, diese Überschrift ist tatsächlich mal ironisch, nicht ernst. Hier zuerst ein kleines Zitat aus dem erst gestern gelobten Checkpoint:

So ganz genau möchte man eigentlich gar nicht wissen, was da schief gelaufen ist in der Potsdamer Schönheitsklinik, aber fest steht: Beim Versuch, einer Berlinerin die Bauchdecke zu straffen, hat ein Arzt seiner Patienten den Hintern verbrannt (34.000 Euro Schmerzensgeld und Entschädigung).

…und zusammen mit allen Lesern fragt sich der Große Bloguator™, wie es einem deutschen Arzt, naja, “Schönheitschirurgen”, passieren kann, dass er Bauchdecke und Hinterteil verwechselt? Der muss auf dieselbe Schule gegangen sein wie der Öttinger und der Stoiber.

12 Oktober 2016

Änderung

Damit hier im Blog mal wieder was passiert…

Kernthemen dieses Blogs sind ja Moral, Kunst, Segeln, Unfug und noch einige andere Sachen. Leider macht gerade der Unfug immer wieder viel Arbeit, d.h. es kostet Zeit, neuen zu verzapfen.

Andererseits.

Andererseits versendet die vom Großen Bloguator™ sehr geschätzte Zeitung namens Tagesspiegel werktäglich einen sehr informativen wie auch unterhaltsamen Newsletter namens Checkpoint (auf der Tagesspiegel-Webseite ganz leicht zu finden, sonst bestellt man hier).

Dieser Newsletter wird leider nirgends archiviert, wie das bei den digitalen Medien sonst so üblich ist. Nun wäre das nicht weiter tragisch, gewöhnliche Nachrichten sind eine verderbliche Ware und der Newsletter enthält gar nicht  die Nachricht selbst, sondern nur den Teaser und Kommentar zum Geschehen.

Außerdem enthält aber beinahe jeder Checkpoint Ausgeh-  und Essenstipps, welche nicht so schnell verfallen wie das Gemüse auf den Tellern. Diese werden leider ebenfalls nicht archiviert und das wiederum ist schade. Man kann sie ein paar Tage später nicht mehr nachschlagen, sofern man nicht - wie Der Große Bloguator™ in seiner Sammelleidenschaft - den Newsletter täglich speichert¹.

Aber dabei entsteht leider auch nur ein schwerlich durchsuchbares Archiv.

Deshalb sollen hier in loser Reihenfolge die Ausgehtipps des Tagesspiegel-Checkpoint nachgedruckt werden, in einer Art öffentlichem Archiv, zum Nutzen und Frommen aller werktätigen Hungerhabenden. Ich hoffe, die Autoren Lorenz Maroldt und Robert Ide sehen das mit dem Urheberrecht nicht all zu eng.

Auszug vom 10.10. 2016:


Essen In der Kantine im Rathaus Kreuzberg (Yorckstraße 4-11) sitzt man zwar auf altmodischem und abgewetztem Mobiliar, dafür im 10. Stock mit super Ausblick. Serviert wird Hausmannskost: Erbseneintopf, Schweinebraten und Wurstsalat. Aber auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten: Unter den 4-5 Mittagsgerichten ist immer eine fleischlose Option (Hauptgang 3-6 Euro, geöffnet Mo-Fr 7-15 Uhr). Mittwochs ist Waffeltag! 

Trinken Wer im Brunnenviertel in Mitte unterwegs ist, sollte im Hermann Eicke vorbeischauen. In dem minimalistischen Café mit Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden gibt es ausgezeichneten Kaffee - kein Wunder, schließlich soll der Namensgeber 1880 die erste Kaffeemaschine der Welt gebaut haben. In der Brunnenstraße 45 (U-Bhf Bernauer Straße) wird sein Andenken in Ehren gehalten (Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa-So ab 9 Uhr).


   

   

 

¹ neinnein, das geschieht beinahe automatisch mittels eines Filterwerkzeugs im Mailprogramm

27 September 2016

Helden heute

Eine der rührendsten Geschichten der letzten Zeit ist die Goldmedaille von Santiago Lange im Nacra17-Segeln bei der Olympiade 2016 in Rio.

Der Mann ist 54 Jahre alt und an Krebs erkrankt. Seine Vorschoterin Cecilia Carranza Saroli ist halb so alt. Bei Olympia war es spannend bis zur letzten Sekunde, und im letzten, entscheidenden Rennen mussten er und seine Mitseglerin noch gleich zwei Penalties abarbeiten, bevor sie als Sieger feststanden.

Bei World Sailing Show gibt es ein Interview mit ihm, das durch seinen Lebenslauf angereichert wird (s.a. hier unten, Start bei 7min. 22sec.). In dieser Geschichte gibt es so viele Ja-Abers, dass einem schwindlig wird. Selbst während des Interviews fließen der Mitseglerin Cecilia noch die Tränen, als Lange seine Geschichte erzählt. Und da hat sie bereits vier Jahre mit ihm zusammengearbeitet.

Schon dass sie an den olympischen Spielen überhaupt teilnehmen durften ist für den alten Sack eine überaus große Leistung: Sich gegen eine Horde Jungspunde zu qualifizieren, die jünger als seine Söhne sind. Jeder ernsthafte Sportler will doch dort hin.

Santiago Lange und Cecilia sind natürlich total qualifiziert zum Gewinnen, Lange hatte vorher bereits fünf (!) Olympiateilnahmen bestritten und dabei zwei Bronzetaler abgestaubt. Bereits das ist außergewöhnlich, viele haben es versucht, und aufs Podium kommen immer nur ganz wenige. Aber oft stürzen bei Olympia auch die Favoriten ab, oder gerade. Es ist im Segeln bei den olympischen Spielen beinahe die Regel, dass Favoriten die Erwartungen nicht erfüllen¹.

Cecilia hat zig Landesmeistertitel im Laser und war ebenfalls bereits bei Olympia, nämlich 2008 in Peking, wo sie 12. geworden ist.

Das alles heißt also noch gar nichts. Im Segeln kann man zuvor Weltmeister sein und bei Olympia kläglich untergehen.

Dann kommt die Geschichte mit der Krebserkrankung: Krebsgeschichten sind durch Lance Armstrong komplett entwertet worden. Armstrong war es, der seinen Hodenkrebs ständig im Munde führte (sorry, dass musste!) um damit sein systematisches Doping zu tarnen. Seit dieser Premium-Lügner aufgeflogen ist möchte niemand mehr etwas von “überwundenen Krebserkrankungen” im Zusammenhang mit Sport hören.

Im Interview sagt Lange, dass ihn die Erkrankung an Lungenkrebs vor allem total enttäuscht hat: Er habe immer gesund gelebt, nie Alkohol getrunken oder geraucht. Jeder von uns leitet daraus den Anspruch auf ein sorgenfreies Leben ab.

Ein solcher Sportler quält sich aber auch: “In der zweiten bis vierten Woche nach der Krebs-OP bin ich mit meinen beiden Söhnen 500km Fahrrad gefahren”.  Puuuh. Aber er genoss die Zeit mit den beiden Söhnen, die nicht segeln².

Trotz aller Erfahrung war es überaus hart, mit dem Segeln wieder zu beginnen. Im ganzen nächsten Jahr war er ein “angry old man”, der sich über jede Kleinigkeit aufregte. Jeder Segler kennt sowas. Aber die allerwenigsten gewinnen Medaillen. Santiago arbeitete sich aus diesem psychischen und physischen Tief wieder heraus und bezeichnet sich nun als wieder kaltblütig.

Und dann das olympische Rennen selbst: Hier zum Nacherleben.

Santiago und Cecilia sind die Serie bereits sehr gut gesegelt und gehen in Führung liegend ins letzte Rennen (Ergebnisse hier). Direkt beim Start bekommen die beiden jedoch von den Schiedsrichtern einen Penalty aufgebrummt - unberechtigt, wie Der Große Bloguator™ meint. Aber das Wort der Judges gilt, und man braucht nicht damit zu hadern, sonst hat man bereits verloren. “Stress macht langsam!” sagt dazu ein bekannter Korsar-Segler.

Der Kommentator nennt es “a desaster for them! they were in gold medal position!” Plötzlich liegen sie auf der Startkreuz mit Abstand auf dem letzten Platz. Aber nach einer Runde sind sie wieder im Mittelfeld. Dabei geben sich die Konkurrenten sicher auch Mühe.

An der letzten Luvtonne bekommen sie noch einen Penalty, diesmal berechtigt, weil sie sich ohne Vorfahrt an der Tonne unter einem anderen Boot reingewendet haben. Genau solche Fehler macht man, wenn man unter Druck steht. Niemand hat Lust, in so einer Situation einen Strafkreis zu drehen, insbesondere dann nicht, wenn er dafür erst noch den Gennacker bergen muss. Nach der halben Strecke sehen sie es ein und tun es doch. Der Live-Kommentator sieht bereits andere Teams gewinnen, erst die Neuseeländer, dann die Australier.

Und dann kämpfen sie sich entgegen aller vernünftigen Erwartung nochmal ran und überholen genug Konkurrenten, dass es für die Goldmedaille reicht.

Dabei sind die beiden anscheinend sehr sympathische Menschen.

Im Interview kommt auch die Co-Pilotin zu Wort. Cecilia sagt, dass sie das Alter ihres Mitseglers nie wahrnimmt. Ihre größte Schwierigkeit in der ganzen Zeit war es, überhaupt mit einem zweiten auf einem Boot zu sitzen. Der sagte ihr dann wohl auch öfter, dass sie Einhand-Gewohnheiten und Alleinsegler-Macken ablegen muss. Aber sie griff zu, als sich die Chance bot, mit einem dermaßen erfahrenen Segler aufs Boot zu steigen. Wie gesagt, der Typ hat 54 Jahre auf dem Buckel, steinalt für olympische Wettbewerbe.

“Für mich ist das Alter nur eine Zahl. Es geht nur darum, dass du erreichst, was du gerne möchtest. Ich nehme nicht wahr, wie alt ich bin. In den letzten drei Jahren wache ich jeden Morgen auf und versuche, diese Medaille zu gewinnen. Mein Alter kümmert mich dabei nicht.”

Tja.

 


¹ und auch in der NACRA-Klasse sind die Überflieger der letzten Jahre eingebrochen. Also, naja, sie haben im Kreis der besten Segler der Welt keine Medaille gewonnen - das ist nicht wirklich “eingebrochen”

² seine anderen beiden Söhne haben übrigens auch im Segeln an Olympia 2016 teilgenommen, waren aber nicht ganz so erfolgreich.
… ist aber auch schwer, wenn der Alte Gold gewinnt…

21 September 2016

Transportsport

Vorhin ist eine Wespe mit mir in der S-Bahn gefahren, von Pankow nach Blankenfelde. Bis zur Yorckstraße ist sie nicht ausgestiegen, wollte also wohl noch weiter nach Süden. Da erheben sich doch verschiedene Fragen.

Was macht so eine Wespe, wenn sie aussteigt? Erwartet sie, dass sie so tief im Süden viel bessere Menschen zum Nerven findet? Vielleicht sieht Wespenurlaub ja so aus.

Sieht sie dann nach der Sonne und sagt sich “Verdammt, ziemlich weit weg von zu Hause! Bis zum Abendessen komme ich heute nicht wieder heim. Wo ist denn das Hotel am Bahnhof?”

Oder verliert sie vollends die Orientierung und irrt in der ungewohnten Umgebung umher? Wobei sie schon in der S-Bahn reichlich ziellos wirkte und keinen Plan hatte, welcher Sitzbezug nun essbar ist und welcher nicht. Zwischendurch probierte sie deshalb auch die Haltestangen aus Aluminium.

Wenn so eine Wespe dann aussteigt, schließt sie sich vielleicht einer anderen, ebenfalls vom Weg abgekommenen, Wespe an. Zusammen gründen sie einen Miniwespenstaat und streiten bis zum Wintereinbruch zeternd darüber, wer nun die Wespenkönigin sein darf und wer das Volk sein muss.

 

 


es überrascht ja niemanden, dass dieser Eintrag mit Sport nicht das geringste zu tun hat, oder?

ODER?!?

20 September 2016

Zerbrechliche Steine

Viel zu selten schaut Der Große Bloguator™ bei ThisIsColossal vorbei, einer Art Blog über Kunst - im allerweitesten Sinne. Zu selten deshalb, weil dort am laufenden Band großartige Ideen vorgestellt werden. Beispielsweise dieser hier, der sehr zerbrechliche Skulpturen aufrichtet, meistens aus Flusskieseln, aber auch anderen Steinen:

19 September 2016

Sehvermögen

Meine Urgroßmutter quälte mich über zwanzig Jahre lang mit ihrem Gejammer über “Das schlechte Sehen!” Sie ist sehr alt geworden, aber man konnte sie nicht fragen, wie es ihr geht - sonst fehlte ihr kaum was, und die Standardantwort war stets “Das schlechte Sehen!” Die ganze Familie war von dieser Tirade ziemlich genervt.

Wir konnten nicht einmal antworten, dass wir das ja schon wissen, und dass wir auch nicht glauben, dass es sich inzwischen wieder gebessert hat. Natürlich konnten wir so antworten - aber inzwischen hörte sie auch schlecht. Über das schlechte Hören hat sie nie annähernd so geklagt wie über “Das Schlechte Sehen”. Familienintern ging das Bonmot, dass sie “ohnehin nur hört, was sie hören will!”

Nun, die Sache mit dem selektiven Hörvermögen ist ein verbreitetes Phänomen, auch außerhalb unserer Familie. Aber seit einiger Zeit habe ich selbst begonnen, sehr schlecht zu sehen. Allerdings weigere ich mich, darin eine Art Strafe für mein damaliges Genervtsein zu sehen, nur mit dreißigjähriger Verzögerung.

Ich möchte hier also nur in aller Bescheidenheit kurz darauf hinweisen:

ICH LEIDE STILL!

12 September 2016

Spülung

Sonntagnachmittag, Selbstversorger-Küche im Segelverein², der Geschirrspüler hat fertig mit Spülen, ist aber noch voll:
  • EINER kommt auf die Idee, seine Tasse selbst zu spülen.
  • NEUN kommen auf die Idee, ihre Tasse abzuräumen und stellen sie oben AUF den Spüler. Immerhin¹.
  • NIEMAND kommt auf die Idee, den Geschirrspüler auszuräumen.
Definiere Deutschland.




¹ kennt man ja sehr gern aus Büros: 96% der Kollegen schaffen es, ihre schmutzige Kaffeetasse vom Arbeitsplatz bis genau AUF DEM Geschirrspüler zurückzubringen. Die übrigen 4% stellen die Tasse IN DEN Spüler. Diese 4% bin meist ich.

² aber beachte: Die grauenhaften 70er-Jahre-Wandfliesen - von denen sich niemand trennen will.

14 August 2016

Erstaunen

Jesus war überrascht: "Die haben dir ein paar aufs Maul gegeben? Warum denn? Die sind doch sonst total friedlich. Hast du sie provoziert?"

"Gaaar nich..."
 

"Aha, du hast sie also provoziert!"
 
"Der Herr sagt: Die nicht von deinem Stamm sind, reiße mit Stumpf und Stiel aus!"
 

"Wer?"
 

"Dein Papa!"
 

"Wann soll er das gesagt haben?"
 

"Das war ein Befehl!"
 

"Wie: Befehl?"
Jesus versuchte, aus den Ereignissen schlau zu werden - aber mit diesen Jüngern war das nicht leicht.

"Der Herr sagt: Reiße sie mit Stumpf und Stiel aus!"

"Das war ein Witz, Mann! Das war einer von Papas blöden Witzen!"

"Er sagt: Reiße sie aus - du wirst dafür das Paradies schauen!"

"Ja. Von außen."

"...das Paradies schauen!"


"Und dafür lässt du dir aufs Maul geben? Am Ende habe ich die Brüder noch am Hacken, weil meine eilfertigen Jünger sie mit sinnloser Gewalt provoziert haben! Weißt du, die kreuzigen ebenso gerne Leute wie die Römer!"

"Aber es war ein Befehl vom Herrn!"


Jesus war am Verzweifeln: Sein Vater mit seinen dämlichen Witzen und seine Horde humorbefreiter Jünger... täglich musste er mit seiner Erziehung von vorn anfangen. Er sprach:

"Stell dir vor, du stehst auf einem Hausdach."

"Ja."


"Hohes Hausdach."


"Ja."


"Hast dus?"


"Ja."


"...und jemand sagt: Wenn du runterspringst erhältst du tausend Goldstücke dafür."


"So viel?"


"Genau. Du springst also. Und anschließend verlangst du deine tausend Goldstücke."


"Aber dann bin ich doch tot!"


"Tja. Pech."


"Aber dann habe ich doch gar nichts von dem ganzen Gold!"


"Das Leben ist kein Honiglecken."


Jesus liebte es, seine unterbelichteten Jünger mit schiefen Gleichnissen zu quälen. Für irgendetwas mussten die doch gut sein.

Doch da kam auch schon der eine, der seinem Jünger aufs Maul gegeben hatte, und fragte höflich, ob er vielleicht trotzdem beim nächsten Abendmahl mitmachen dürfe. Diese Brüder kamen von weither, aber sie waren gottseidank nicht nachtragend.

12 August 2016

Wiesenfest in Selb (2)

Noch ein wenig atmosphärische Fortsetzung.



Aus der Nähe war das Gedränge übrigens längst nicht so furchterregend, wie es auf den Abbildungen vielleicht wirken mag.


Szenetypisches Fahrgeschäft.


Anderes Fahrgeschäft.


Weiteres Fahrgeschäft.


Eins noch!


Unlizensierte Mickymaus im Gespräch mit den Ordnungskräften.


Der Eingang zum Riesenrad. Der Festplatz befindet sich bereits am höchsten Punkt der Stadt. Das Riesenrad überragt die ohnehin hohen Bäume um etwa das doppelte. Heißt: Man hat einen sehr guten Blick. Es lohnt sich!


Als kleiner Junge musste der Große Bloguator auch so kegeln wie hier. Und sah vermutlich auch so scheiße aus.


Andererseits.


Dieses ist keine Exekution, sondern nennt sich Topfschlagen, Ziel ist, mit verbundenen Augen einen Blumentopf zu zerstören. Nunja, man muss eben Ziele haben im Leben. Rechts im Bild der bisher bereits bewältigte Abraum.


Die blau-weiße Stange ist aus Stahl und entsprechend schwer. (sic!)


Die Sache mit dem Sack über dem Kopf ist weniger entwürdigend als es aussehen mag. Man erfährt dies aber erst, wenn man selbst drin steckt.


Ein Foto, das nichts geworden ist.


Dieses ganze Trachtengedöns gibt es erst seit einigen Jahren. Tanz auf den Tischen war früher auch nicht üblich. Hm.



Nur der Stimmung halber.


Tischetanztrupp.






Wiesenfesttypische Verpflegung.


Sie hatten in diesem Jahr sehr stylische halbtransparente Biergutscheine.

... ich betone: Transparente Biergutscheine!


Und der Festplatz mit seinen vielen hohen Bäumen ist ein sehr schöner Ort. Vermutlich deshalb heißt er Goldberg.





Ja. Ja. Ja.


Tja.

11 August 2016

Wiesenfest in Selb (1)

Und im Anschluss einfach eine Fotoserie vom Wiesenfest in einer kleinen Ortschaft namens Selb.

In Selb ist das Wiesenfest der höchste Feiertag im Jahr, noch höher als Weihnachten und Ostern. Es beginnt am zweiten Freitag im Juli, und am Montag nach diesem Wochenende ist die gesamte Stadt geschlossen. Nein, keine Übertreibung.

Über das Wiesenfest kann man eine Menge sagen, schreiben, beobachten. Aber es gehört zum Konzept dieses Blogs, dass zufällige Betrachter über die gezeigten Abbildungen ruhig selbst ein wenig frei assoziieren mögen. Und los:


... sie haben schöne Plaketten aus dem Stoff, aus dem die Stadt einst gestrickt war: Porzellan.


Zu Wiesenfestfolklore gehört es, dass die Schuljugend Spiele macht.


Ein Tankwagen unter Bäumen. Wasser. Oder Bier. Jedenfalls keine Milch. Sehr wahrscheinlich nicht.


Ein guter Verwandter des Großen Bloguators, wie er aus vollem Herzen mitsingt.


Die Porzellanköniginnen der vergangenen Wiesenfeste.


Sorry, das musste. Kann ja jeder sehen, dass das musste. Oder?


Das zweite Wochenende im Juli ist statistisch wahrscheinlich das mit dem besten Wetter.


Deshalb sitzen diesmal viele Leute draußen.


Es herrscht überraschend entspannte Stimmung.


Der Festplatz ist ein sehr schöner Ort, gelegen an der höchsten Stelle der Stadt, größtenteils geschützt durch hohe Bäume.

10 August 2016

Jubiläum!

Also: Nicht.

Da habe ich doch glatt das zehnjährige Jubiläum dieses Blogs verpasst! Genaugenommen: Vergessen, angemessen zu feiern. Verdammt, wie konnte das passieren? Das ist ungeheuerlich! Wo Der Große Bloguator™ sonst keine Feierlichkeit auslässt!

Was macht man denn so zu einem Jubiläum? Einen Rückblick, oder? Und einen Ausblick, auf die Zukunft am besten. Hm. Dafür fehlt mir leider derzeit ein wenig der Vortrieb. Wie der regelmäßigen Leserin und dem regulären Leser die abgenommene Postingfrequenz sicher auch aufgefallen sein dürfte.

Dabei mangelt es gar nicht an Ideen: Eine Dracula-Story. Eine Geschichte, in der Nazis böse ihr Fett wegkriegen. Eine Serie namens Neid-Gier-Geiz - d.h. über das Deutschland der Gegenwart. Darüber hinaus liegt noch eine Menge altes Material herum, welches aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ganz fertig geworden ist. Meist, weil Biertrinken oder Segeln *noch wichtiger* war, als Geschichten zu schreiben¹.

Hier kommt erstmal ein Foto aus dem Bierzelt vom Selber Wiesenfest²:

… wo es der einheimischen Jugend einen besonderen Kick gibt, auf Bänken und Tischen zu stehen, während die rote Kapelle spielt.






¹ note to self: “Tortenschlacht”, “Artefakt”
² nicht, dass ich von diesem Versagen ablenken wollte. Gaaar nicht!

28 Juli 2016

Demo

Nach der Demonstration der Besorgten Bürger und der Ansprache von Alexander Gauland grölten die Patrioten "Kauft nicht beim Moslem! Wir sind das Volk!"

Dann bekamen sie Hunger. Außer dem Döner-Imbiss gab es aber in der kleinen Ortschaft nur noch weniges, das sich  halten konnte. Der Reporter von der überregionalen Zeitung fragte aufmunternd einen, der ihm auf den ersten Blick nicht ganz so unsympathisch erschien wie die meisten: "Sage mal, jetzt ne satte Currywurst, oder?"

Der musikalische Teil setzte ein, Hymnen wurden gesungen. Der “besorgte Bürger” mochte Anfang dreißig sein und wirkte eigentlich nicht so, als ob er sich für Politik interessiere. "Nee,  gibt hier keine Curry, wir gehen immer zum Döner. Ist auch lecker." Der Reporter fragte sich, ob sich überhaupt irgendeiner der anwesenden Fremdenfeinde der ausländischen Herkunft von Döner-Kebap bewusst sei.

Dermaßen irritiert schlich er also zum Döner-Imbiss und bestellte den großen Döner-Teller mit viel Fleisch. Und ein Bier. Er bestellte besonders in mutmaßlich moslemischen Läden gerne Alkohol, sein Test zur Weltoffenheit des Wirtes. Allerdings gab es weder EFES noch irgendein anderes türkisches Bier. “Läuft hier nisch” sagte der Mann hinter dem Tresen und gab ihm ein Sternburg. Um die Stimmung in der Ortschaft ein wenig einzufangen - Atmosphäre und so - begann er, den Dönermann zu interviewen: "Und außer ihrem Imbiss gibt es hier nichts weiter?"

Der Dönermann war offensichtlich türkischer Abstammung. Nun, was ist schon offensichtlich, was ist schon türkisch, was ist schon Abstammung? Der Reporter bemerkte also, dass der Imbissmann mit seinen glatten schwarzen Haaren und dem dunkleren Teint einen leichten Akzent hatte. Dönermann antwortete: "Nee, nischts, außer dem Fidschi da drüben!"

Reporter: "Äh, sie meinen das Chinarestaurant?" Zwanghaft erarbeitete er in Gedanken ein Bild von der Entfernung zwischen Shanghai und der zentralen Südsee.

Inzwischen war nach dem Absingen aller Strophen des Deutschlandliedes auch der besorgte Bürger am Imbiss eingetroffen: "Sagt er doch, der Fidschi!" und der Dönermann bekräftigte "Sag isch doch, der Fidschi!"

Der Reporter murmelte "Ich spende Hundert Euro an die Thilo-Sarrazin-Stiftung für debile Rassisten." Sein Regionalzug ging erst in einer Stunde. Er orderte lieber noch ein Bier. Nebenher fragte er den Dönermann "Und - würden sie AfD wählen?"

"Klar! Sind Patrioten!"

"Aber die sind gegen Einwanderer! Die hetzen die ganze Zeit gegen jeden, der nicht von hier kommt!"

Der Dönermann munter "Wieso? Sind Patrioten! Sind gute Leute!"

"Aber haben ihnen die Hetzer nicht kürzlich den Imbisswagen angezündet?"

"Waren Nazis. Sind Arschlöcher!"

Der besorgte Bürger "Wir sind nämlich keine Nazis! Wir wollen bloß keine Ausländer die unsere Frauen vergewaltigen! So Moslems und so! Flüchtlingsmusel!"

Der Dönermann zustimmend "Genau! Muss man sisch mal anschauen, so wie die Frauen hier rumlaufen, da dreht doch jeder Flüschtling dursch!"

Der Reporter hatte inzwischen drei Bier getrunken und ihm war vieles egal. Er murmelte "Noch hundert Euro an die Thilo-Sarrazin-Stiftung für minderhirnige Rassisten."

Der Besorgte Bürger hatte offensichtlich nur das wichtigste verstanden und fragte ganz aufmerksam: "Echt? Die Thilo-Sarrazin-Stiftung? Was macht die denn so?" Reporter resigniert: "Die fördert so Leute wie dich. Musst nur beweisen, dass du anspruchsberechtigt bist. Und schon fördern sie dich."

Und der besorgte Bürger sehr arglos, aber aufmerksam: "Echt! Wie geht das denn?"

Der Reporter wünschte sich nur noch nach Hause. "Na, du musst nur aufschreiben, was ihr heute alles gesungen und gerufen habt. Am besten wörtlich. Und wie gut du dabei warst. Und warum du das machst. Und deine Adresse, die brauchen natürlich deine Adresse, sonst wissen die ja gar nicht, wo sie das Geld hin schicken sollen."

"Geilo! Wie viel kriegt man denn da so?"

"Na, nicht viel, aber so n paar hundert im Monat werdens schon sein."

Das konnte sich am Lohn eines angelernten Bauhandwerkers auf dem Land durchaus messen lassen. "Geilo!"

Zum Glück kam der Zug in wenigen Minuten. Der Reporter zog erschöpft ab. Der besorgte Bürger rief noch "Wie finde ich die denn?" und der Reporter darauf nur "Musst du im Internet kucken! Thilo-Sarrazin-Stiftung! Sorryichmuss..."

Im Regionalzug brauchte er eine halbe Stunde, um wieder zur Besinnung zu kommen, erst die Demo und dann noch das Gespräch am Imbiss... obwohl er in einer Stunde zu Hause sein würde rief er seine Frau an. Sie hatte furchtbare Laune, aber es war ihm alles so egal und er sagte ihr mehrmals, wie sehr er sie liebe.

Das kam so eindringlich und wahrhaftig, dass sich sogar ihre schlechte Laune legte.

Nach dem Telefonat griff sich der Reporter seinen Laptop. Er sicherte sich die Internetadresse "www.thilo-sarrazin-stiftung-fuer-debile-rassisten.de" und eröffnete dazu auch gleich noch einen Facebook-Account.

Er überlegte kurz, ob er die Zugangsdaten zu dem Facebook-Profil direkt dem Verfassungsschutz geben sollte. Dann erinnerte er sich an die Effizienz, die die Verfassungsschützer in den letzten Jahren bewiesen hatten und verknüpfte das Profil lieber mit der Antifa.

Nachdem alles erledigt war schloss er eine Wette mit sich selbst ab. Ein Wette darüber, wie lange es wohl dauern würde, bis es im Internet hieß, die Thilo-Sarrazin-Stiftung sei von der Antifa gehackt worden.

18 Juli 2016

Automatenzweikampf

Der Große Bloguator ™ ist ja auch ein Freund der absurderen Vergnügungen - insbesondere dann, wenn dabei keine Menschen verletzt werden. Oder nur ganz wenige, die selbst schuld sind.

Die BattleBots-Szene gibt es wohl schon ziemlich lange, früher wurde sowas anscheinend auch im deutschen Privatfernsehen zu bester Kinderfernsehzeit übertragen.

Letztlich geht es da doch irgendwie um Zerstörung und um die Freude an sublimierter Gewalt. Hm? Ach, seht selbst:

 

05 Juli 2016

Abbrechen!

"Möchten Sie einen Fehlerbericht an [Datenkrake Ihrer Wahl hier einsetzen]¹ senden?"

Solche Meldungen erhält man als Computer- oder Smartphonenutzer ziemlich häufig. Und sie nerven ganz erheblich. In der Regel möchte man nicht nur keine Fehlerberichte an unbekannte Leute senden - man möchte auch diese penetrante Frage nicht mehrmals täglich gestellt bekommen.

Man kann als Antwort JA oder ABBRECHEN  antippen. Außerdem gibt es eine Box für das Häkchen "DIESE AKTION AB JETZT IMMER DURCHFÜHREN".

Natürlich setzt man das Häkchen und bricht dann aus naheliegenden Gründen ab. Aber *selbstverständlich* wird der Wunsch mit dem Häkchen nur gespeichert, wenn man mit JA antwortet. Sonst nicht - weil: Die Aktion wurde ja abgebrochen, nicht wahr?

Und damit erhält man die penetrante Frage weiterhin mehrmals am Tag. Den IT-Leuten, die sich das ausgedacht haben², wird bis zum jüngsten Tag niemand beibringen können, dass mathematische Logik und sinnvolle Benutzbarkeit nicht immer dasselbe sind.

 

 


¹ falls hier wirklich irgendjemand überlegen muss, beispielsweise: Micro$oft, Google, Apple, Facebook…
² a.k.a. “Grundschüler mit Hochschulabschluss”

29 Juni 2016

Po Esie

Der Große Bloguator™ schätzt es ja, wenn auf seltsamen Umwegen etwas unerwartetes neues entsteht. Hier beispielsweise ein Gedicht, das als Spam verkleidet daherkommt - bemerkt jemand die Anleihe bei TRIOs Riesenhit?


Na, für den Fall dass nicht, habe ich es vorsichtshalber noch einmal verlinkt.

21 Juni 2016

Steampunk Reloaded

Inzwischen ist Steampunk weitgehend zu einer Retro-Hightech-Mode mutiert. Leute laufen in nagelneu geschneiderten Kostümchen aus glänzendem Leder und mit makellos weißen Rüschen herum und bauen Computer oder Digitaluhren in Verkleidungen aus Edelholz und blinkendem Messing ein. Hübsch. Aber irgendwie Kitsch.

Dabei muss man gar nicht allzu genau hinsehen um zu erkennen, dass in dem Begriff einerseits das Wort STEAM drinsteckt - Dampf. Und dann noch PUNK - da kann sich jeder eine Bedeutung aussuchen.

Hier kommt ein junger russischer Bastler¹, der eine Art Motorrad mit Dampfmaschine reitet: Augenscheinlich ist das Teil vollständig aus Schrott zusammengedengelt und wirkt wunderbar aus der Zeit gefallen:

Und beim Betrieb mit Kohle bekommt das Wort Rußland gleich einen ganz anderen Klang.

Sorry für den Kalauer.

17 Juni 2016

Ma’agalim

Oah, das hier is hübsch! Ihr wolltet doch sicher schon lange wieder einmal einen Film sehen, oder? Sowas findet man im Internet sonst ja kaum.

Es handelt sich natürlich, wie fast immer hier im Blog, um Lebenshilfe: Wenn deine Welt das Innere eines uralten Spielautomaten sein sollte, erlebst du vielleicht dieses (Vollbild anmachen!):

@ kam über The Kid Should See This und vimeo.

Zur Pflege aller Widersprüche noch diese Informationen: Die Band aus Tel Aviv heißt Jane Bordeaux und der Regisseur Uri Lotan.

06 Juni 2016

Zurückhaben

Hier kommt mal wieder was kuhles: Musik hatten wir schon lange nicht mehr, hier im Blog.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an einen süßen kleinen schwarzen Jungen namens Michael Jackson, der dann später zu einer vampirhaften weißen Frau mutierte? “Also: Nichts gegen Vampire - einige meiner besten Freunde sind …”  … ach, nee, das ist eine ganz andere Baustelle. Schade. Na gut.

Jener besagte M. Jackson performte als Elfjähriger mit seinen vier großen Brüdern im Hintergrund das mitreißende Liebeslied I want you back - warum auch immer² (Original hier).

Hm. Wo wollte ich nochmal hin  mit dieser umständlichen Anmoderation? Ach, egal, also die hier machen das ganz anders - aber auch ganz gut:

LAKE STREET DIVE

 

 

 


¹ warumauchimmer ein Elfjähriger Liebeslieder singen sollte … warumauchimmer ein Elfjähriger der Frontman ist und seine vier (!) großen Brüder im Hintergrund nur die Deko abgeben: Warumauchimmer deshalb.

² falls es irgendjemand aufgefallen sein sollte: Hier im Blog ist nicht nur die Interpunktion traditionell intuitiv - auch die Groß-/Kleinschreibung wird immer innovativer... im Sinne der Überwindung herkömmlicher Rechtschreibregeln. Der Große Bloguator™ ist von dieser Entwicklung noch nicht sehr überzeugt, weiß allerdings akut auch kein Gegenmittel.

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