Wer sich ein wenig über die Begeisterung des Großen Bloguators™ bezüglich eines trivialen Newsletters wundert, mag die folgende Empfehlung für ein Café lesen. Und verstehen:
Isla Coffee. Strategisch günstig am U-Bhf Boddinstraße gelegen, lädt das schlichte Café zum frühen Koffein-Shot und Sandwiches mit wildem Ruccola, gegrillter Birne und Ricotta.
Letzterer wird aus Milch, die beim Kaffeemachen übrig bleibt, selbst gemacht - klingt ungewöhnlich, hat aber Methode, denn das Isla hat sich der restlosen Resteverwertung verschrieben. So gibt es sogar Kaffee-Limonade und getrunken wird der morgendliche Muntermacher aus Tassen, die aus Kaffeesatz hergestellt wurden.
Hermannstraße 37, Mi-Mo 8-18 Uhr
Das ist gar nicht weit von hier. Werde ich morgen probieren.
Trinken wie zu Kaisers Zeiten: Am Ende des 19. Jahrhundert gründeten die Brüder Max und Emil Leydicke die gleichnahmige Weinprobierstube für Proletariat und Kleinbürgertum in der Mansteinstraße 4 in Schöneberg. Die Studentenbewegung entdeckte das Lokal in den 1970er Jahren als urige Kneipe, Wirtin Lucie Leydicke trug das ihre dazu bei, die antiquierte Trinkhöhle legendär werden zu lassen. Heute pflegt Raimon Marquardt die Likörkultur der Gründer. Geöffnet täglich ab 19 Uhr.
Der gegebene Anlass ist die räumliche Nähe zum Heim des Großen Bloguators™. Wer ihn einmal leibhaftig¹ treffen möchte, könnte dies mit einem Besuch bei Leydicke verbinden. Ja.
¹ eine seltsame Häufung von unterweltlichen Formulierungen heute. Unterirdisch.
Neinnein, diese Überschrift ist tatsächlich mal ironisch, nicht ernst. Hier zuerst ein kleines Zitat aus dem erst gestern gelobten Checkpoint:
So ganz genau möchte man eigentlich gar nicht wissen, was da schief gelaufen ist in der Potsdamer Schönheitsklinik, aber fest steht: Beim Versuch, einer Berlinerin die Bauchdecke zu straffen, hat ein Arzt seiner Patienten den Hintern verbrannt (34.000 Euro Schmerzensgeld und Entschädigung).
…und zusammen mit allen Lesern fragt sich der Große Bloguator™, wie es einem deutschen Arzt, naja, “Schönheitschirurgen”, passieren kann, dass er Bauchdecke und Hinterteil verwechselt? Der muss auf dieselbe Schule gegangen sein wie der Öttinger und der Stoiber.
Kernthemen dieses Blogs sind ja Moral, Kunst, Segeln, Unfug und noch einige andere Sachen. Leider macht gerade der Unfug immer wieder viel Arbeit, d.h. es kostet Zeit, neuen zu verzapfen.
Andererseits.
Andererseits versendet die vom Großen Bloguator™ sehr geschätzte Zeitung namens Tagesspiegel werktäglich einen sehr informativen wie auch unterhaltsamen Newsletter namens Checkpoint (auf der Tagesspiegel-Webseite ganz leicht zu finden, sonst bestellt man hier).
Dieser Newsletter wird leider nirgends archiviert, wie das bei den digitalen Medien sonst so üblich ist. Nun wäre das nicht weiter tragisch, gewöhnliche Nachrichten sind eine verderbliche Ware und der Newsletter enthält gar nicht die Nachricht selbst, sondern nur den Teaser und Kommentar zum Geschehen.
Außerdem enthält aber beinahe jeder Checkpoint Ausgeh- und Essenstipps, welche nicht so schnell verfallen wie das Gemüse auf den Tellern. Diese werden leider ebenfalls nicht archiviert und das wiederum ist schade. Man kann sie ein paar Tage später nicht mehr nachschlagen, sofern man nicht - wie Der Große Bloguator™ in seiner Sammelleidenschaft - den Newsletter täglich speichert¹.
Aber dabei entsteht leider auch nur ein schwerlich durchsuchbares Archiv.
Deshalb sollen hier in loser Reihenfolge die Ausgehtipps des Tagesspiegel-Checkpoint nachgedruckt werden, in einer Art öffentlichem Archiv, zum Nutzen und Frommen aller werktätigen Hungerhabenden. Ich hoffe, die Autoren Lorenz Maroldt und Robert Ide sehen das mit dem Urheberrecht nicht all zu eng.
Auszug vom 10.10. 2016:
Essen In der Kantine im Rathaus Kreuzberg(Yorckstraße 4-11) sitzt man zwar auf altmodischem und abgewetztem Mobiliar, dafür im 10. Stock mit super Ausblick. Serviert wird Hausmannskost: Erbseneintopf, Schweinebraten und Wurstsalat. Aber auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten: Unter den 4-5 Mittagsgerichten ist immer eine fleischlose Option (Hauptgang 3-6 Euro, geöffnet Mo-Fr 7-15 Uhr). Mittwochs ist Waffeltag!
Trinken Wer im Brunnenviertel in Mitte unterwegs ist, sollte im Hermann Eicke vorbeischauen. In dem minimalistischen Café mit Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden gibt es ausgezeichneten Kaffee - kein Wunder, schließlich soll der Namensgeber 1880 die erste Kaffeemaschine der Welt gebaut haben. In der Brunnenstraße 45 (U-Bhf Bernauer Straße) wird sein Andenken in Ehren gehalten (Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa-So ab 9 Uhr).
¹ neinnein, das geschieht beinahe automatisch mittels eines Filterwerkzeugs im Mailprogramm
Eine der rührendsten Geschichten der letzten Zeit ist die Goldmedaille von Santiago Lange im Nacra17-Segeln bei der Olympiade 2016 in Rio.
Der Mann ist 54 Jahre alt und an Krebs erkrankt. Seine Vorschoterin Cecilia Carranza Saroli ist halb so alt. Bei Olympia war es spannend bis zur letzten Sekunde, und im letzten, entscheidenden Rennen mussten er und seine Mitseglerin noch gleich zwei Penalties abarbeiten, bevor sie als Sieger feststanden.
Bei World Sailing Show gibt es ein Interview mit ihm, das durch seinen Lebenslauf angereichert wird (s.a. hier unten, Start bei 7min. 22sec.). In dieser Geschichte gibt es so viele Ja-Abers, dass einem schwindlig wird. Selbst während des Interviews fließen der Mitseglerin Cecilia noch die Tränen, als Lange seine Geschichte erzählt. Und da hat sie bereits vier Jahre mit ihm zusammengearbeitet.
Schon dass sie an den olympischen Spielen überhaupt teilnehmen durften ist für den alten Sack eine überaus große Leistung: Sich gegen eine Horde Jungspunde zu qualifizieren, die jünger als seine Söhne sind. Jeder ernsthafte Sportler will doch dort hin.
Santiago Lange und Cecilia sind natürlich total qualifiziert zum Gewinnen, Lange hatte vorher bereits fünf (!) Olympiateilnahmen bestritten und dabei zwei Bronzetaler abgestaubt. Bereits das ist außergewöhnlich, viele haben es versucht, und aufs Podium kommen immer nur ganz wenige. Aber oft stürzen bei Olympia auch die Favoriten ab, oder gerade. Es ist im Segeln bei den olympischen Spielen beinahe die Regel, dass Favoriten die Erwartungen nicht erfüllen¹.
Cecilia hat zig Landesmeistertitel im Laser und war ebenfalls bereits bei Olympia, nämlich 2008 in Peking, wo sie 12. geworden ist.
Das alles heißt also noch gar nichts. Im Segeln kann man zuvor Weltmeister sein und bei Olympia kläglich untergehen.
Dann kommt die Geschichte mit der Krebserkrankung: Krebsgeschichten sind durch Lance Armstrong komplett entwertet worden. Armstrong war es, der seinen Hodenkrebs ständig im Munde führte (sorry, dass musste!) um damit sein systematisches Doping zu tarnen. Seit dieser Premium-Lügner aufgeflogen ist möchte niemand mehr etwas von “überwundenen Krebserkrankungen” im Zusammenhang mit Sport hören.
Im Interview sagt Lange, dass ihn die Erkrankung an Lungenkrebs vor allem total enttäuscht hat: Er habe immer gesund gelebt, nie Alkohol getrunken oder geraucht. Jeder von uns leitet daraus den Anspruch auf ein sorgenfreies Leben ab.
Ein solcher Sportler quält sich aber auch: “In der zweiten bis vierten Woche nach der Krebs-OP bin ich mit meinen beiden Söhnen 500km Fahrrad gefahren”. Puuuh. Aber er genoss die Zeit mit den beiden Söhnen, die nicht segeln².
Trotz aller Erfahrung war es überaus hart, mit dem Segeln wieder zu beginnen. Im ganzen nächsten Jahr war er ein “angry old man”, der sich über jede Kleinigkeit aufregte. Jeder Segler kennt sowas. Aber die allerwenigsten gewinnen Medaillen. Santiago arbeitete sich aus diesem psychischen und physischen Tief wieder heraus und bezeichnet sich nun als wieder kaltblütig.
Und dann das olympische Rennen selbst: Hier zum Nacherleben.
Santiago und Cecilia sind die Serie bereits sehr gut gesegelt und gehen in Führung liegend ins letzte Rennen (Ergebnisse hier). Direkt beim Start bekommen die beiden jedoch von den Schiedsrichtern einen Penalty aufgebrummt - unberechtigt, wie Der Große Bloguator™ meint. Aber das Wort der Judges gilt, und man braucht nicht damit zu hadern, sonst hat man bereits verloren. “Stress macht langsam!” sagt dazu ein bekannter Korsar-Segler.
Der Kommentator nennt es “a desaster for them! they were in gold medal position!” Plötzlich liegen sie auf der Startkreuz mit Abstand auf dem letzten Platz. Aber nach einer Runde sind sie wieder im Mittelfeld. Dabei geben sich die Konkurrenten sicher auch Mühe.
An der letzten Luvtonne bekommen sie noch einen Penalty, diesmal berechtigt, weil sie sich ohne Vorfahrt an der Tonne unter einem anderen Boot reingewendet haben. Genau solche Fehler macht man, wenn man unter Druck steht. Niemand hat Lust, in so einer Situation einen Strafkreis zu drehen, insbesondere dann nicht, wenn er dafür erst noch den Gennacker bergen muss. Nach der halben Strecke sehen sie es ein und tun es doch. Der Live-Kommentator sieht bereits andere Teams gewinnen, erst die Neuseeländer, dann die Australier.
Und dann kämpfen sie sich entgegen aller vernünftigen Erwartung nochmal ran und überholen genug Konkurrenten, dass es für die Goldmedaille reicht.
Dabei sind die beiden anscheinend sehr sympathische Menschen.
Im Interview kommt auch die Co-Pilotin zu Wort. Cecilia sagt, dass sie das Alter ihres Mitseglers nie wahrnimmt. Ihre größte Schwierigkeit in der ganzen Zeit war es, überhaupt mit einem zweiten auf einem Boot zu sitzen. Der sagte ihr dann wohl auch öfter, dass sie Einhand-Gewohnheiten und Alleinsegler-Macken ablegen muss. Aber sie griff zu, als sich die Chance bot, mit einem dermaßen erfahrenen Segler aufs Boot zu steigen. Wie gesagt, der Typ hat 54 Jahre auf dem Buckel, steinalt für olympische Wettbewerbe.
“Für mich ist das Alter nur eine Zahl. Es geht nur darum, dass du erreichst, was du gerne möchtest. Ich nehme nicht wahr, wie alt ich bin. In den letzten drei Jahren wache ich jeden Morgen auf und versuche, diese Medaille zu gewinnen. Mein Alter kümmert mich dabei nicht.”
Tja.
¹ und auch in der NACRA-Klasse sind die Überflieger der letzten Jahre eingebrochen. Also, naja, sie haben im Kreis der besten Segler der Welt keine Medaille gewonnen - das ist nicht wirklich “eingebrochen”
² seine anderen beiden Söhne haben übrigens auch im Segeln an Olympia 2016 teilgenommen, waren aber nicht ganz so erfolgreich. … ist aber auch schwer, wenn der Alte Gold gewinnt…
Vorhin ist eine Wespe mit mir in der S-Bahn gefahren, von Pankow nach Blankenfelde. Bis zur Yorckstraße ist sie nicht ausgestiegen, wollte also wohl noch weiter nach Süden. Da erheben sich doch verschiedene Fragen.
Was macht so eine Wespe, wenn sie aussteigt? Erwartet sie, dass sie so tief im Süden viel bessere Menschen zum Nerven findet? Vielleicht sieht Wespenurlaub ja so aus.
Sieht sie dann nach der Sonne und sagt sich “Verdammt, ziemlich weit weg von zu Hause! Bis zum Abendessen komme ich heute nicht wieder heim. Wo ist denn das Hotel am Bahnhof?”
Oder verliert sie vollends die Orientierung und irrt in der ungewohnten Umgebung umher? Wobei sie schon in der S-Bahn reichlich ziellos wirkte und keinen Plan hatte, welcher Sitzbezug nun essbar ist und welcher nicht. Zwischendurch probierte sie deshalb auch die Haltestangen aus Aluminium.
Wenn so eine Wespe dann aussteigt, schließt sie sich vielleicht einer anderen, ebenfalls vom Weg abgekommenen, Wespe an. Zusammen gründen sie einen Miniwespenstaat und streiten bis zum Wintereinbruch zeternd darüber, wer nun die Wespenkönigin sein darf und wer das Volk sein muss.
es überrascht ja niemanden, dass dieser Eintrag mit Sport nicht das geringste zu tun hat, oder?
Viel zu selten schaut Der Große Bloguator™ bei ThisIsColossal vorbei, einer Art Blog über Kunst - im allerweitesten Sinne. Zu selten deshalb, weil dort am laufenden Band großartige Ideen vorgestellt werden. Beispielsweise dieser hier, der sehr zerbrechliche Skulpturen aufrichtet, meistens aus Flusskieseln, aber auch anderen Steinen: