11 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Schuld und Sühne

Heute:
Der Königstiger der Kürbiskrieger (2)

Fatale Sandale, der diensthabende Medizinmann der Handclatchtomat'l, hat einen etwas zu groß geratenen Kater, der nicht haargenau so aussieht, wie sich die Kürbiskrieger einen Kater vorstellen. Vor allem Roo-Arr, der gewählte Häuptling, ist argwöhnisch.
"Erst vor ein paar Tagen hat dein Kater aber einen Menschen getötet!"
"Schon. Nur war das kein gewöhnlicher Indianer."
"Oh doch!"
"Nein, es war der Mörder, den die Poclatchpapat'l seit einer ganzen Weile suchten."
"Das ist doch deinem Kater egal. Hat er halt einen Mörder getötet. Meinst du, ein Mörder riecht anders?"
"Warum sollte der anders riechen?"
"Eben! Der riecht nicht anders. Der war auch ein Indianer. Glaubst du, dass Lautlose Sohle den Unterschied erkennt? Der sieht in uns doch nur Lama-Steaks auf zwei Beinen."
"Na und? Außer dir und mir weiß niemand davon. Die Poclatchpatat'l glauben, der Mächtige Berglöwe hätte ihn bestraft."
"Ja, Fatale Sandale. Aber du und ich wissen, dass der Mächtige Berglöwe in diesem Moment schon ein paar Tage tot war. Ich habe ihn selbst begraben. Und einen anderen haben wir zur Zeit nicht in der Gegend. Dein Kater bringt Menschen um!"
"Nun beruhige dich mal wieder. Er hat den Poclatchpatatl'n sogar einen Gefallen getan."
"Entschuldige ihn nicht auch noch! Wie kommst du auf so einen Unsinn?"
"Sie wussten nicht, was sie mit einem Mörder anfangen sollen. Vor einiger Zeit haben sie sich ein Gesetz gegeben, dass sie keine eigenen Stammesmitglieder töten. Um ihn angemessen zu bestrafen haben sie deshalb versucht, ihn zuerst aus ihrem Stamm auszuschließen."
"Die spinnen auch!"
"Mag sein. Das Ausschließen geht nur einstimmig."
"Was?"
"Ja. Hat nicht funktioniert, weil die Mutter dieses Widerlings immer dagegen gestimmt hat. Da haben sie nun so viel Kultur und wertvolle Gesetze, und wo führt das hin? Nirgends."
"Das ist mir ganz neu, Fatale Sandale, das hast Du gehört?"
"Habe ich. Dieser Feigling wollte sich noch nicht einmal selbst von der Klippe stürzen. Obwohl sie ihm das nahegelegt haben. Dafür wollten sie hinterher sogar für ihn ein gutes Wort bei den Ahnen einlegen."
"So großzügige Angebote machen die selbst einem Mörder?"
"Ja. Aber der Feigling wollte nicht. Stattdessen ist er abgehauen. Seine Mutter hat ihm heimlich Essen gebracht. Und irgendwann muss er Lautlose Sohle getroffen haben."
"Dein Kater hätte doch auch jeden anderen zerlegt! Der kann das doch gar nicht unterscheiden!"
"Dass die Ahnen dabei auch ihre Finger im Spiel hatten willst du wohl nicht glauben, was?"
"Allein der Mächtige Berglöwe ist der Abgesandte der Ahnen, sonst niemand! Man erkennt ihn daran, dass er keine Streifen hat!"
"Na gut, mein Kater hat Streifen und ist wohl kein richtiger Berglöwe. Aber du musst dir trotzdem keine großen Sorgen machen, Roo-Arr."
"Wieso?"
"Ich höre, dieser Mörder von den Poclatchpatat'l sei ein sehr unbeherrschter Dummkopf gewesen."
"Erzählen sie das?"
"Es sind auch die Worte 'stumpfer Idiot' gefallen und noch einige andere unvorteilhafte Bezeichnungen. Er hat angeblich häufig versucht, sich mit Grobheit durchzusetzen. Selbst unbedeutende Kleinigkeiten, er wurde wegen Nichtigkeiten gewalttätig, reines Geprahle."
"Na und?"
"Ich vermute, dass er das auch versucht hat, als er auf Lautlose Sohle getroffen ist, meinen riesigen Kater. Der ist normalerweise lieb, hat aber auch gerne Recht."
"Meinst du?"
"Ich möchte wetten, dass es so war."
"Na, ich weiß nicht..."
"Jedenfalls wäre das eine einleuchtende Erklärung, die ganz ohne Ahnen auskommt. Nur mit einem Kater und einem Idioten."
"Das behagt mir nicht..."
"Mag sein. Aber außer dir sind alle zufrieden: Die Poclatchpatat'l sind froh, dass sie ihren Mörder los sind. Seine Mutter glaubt, der Mächtige Berglöwe hätte ihn auf Weisung der Ahnen geholt und deshalb gibt sie jetzt Ruhe. Und wir beide wissen, dass mein großer gestreifter Kater einem normalvernünftigen Indianer nichts tut."
"Das ist kein Beweis!"
"Widerlege es."
"Kann ich nicht."
"Siehst du?"



zum 3. Teil unter  Chronik der Kürbiskriege! Haustiere

09 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Tigergeschichte

Willkommen zurück beim Historytainment-Kanal! Hier vermischen sich Blutvergießen, Aberglaube und jahrhundertelang unbewiesene Vorstellungen von Ehre aufs schönste zur Unterhaltung der geschätzten Leserschaft! Nehmen sie virtuell Anteil am freien und wilden Leben der indigenen Eingeborenen beider Amerikas - und des kleinen Teils dazwischen.


Heute:
Der Königstiger der Kürbiskrieger (1)

Die Indianer der kürbistragenden Gebiete hatten auch Freizeit. Auch wer im Einklang mit der Natur lebte musste keineswegs ständig ums Überleben kämpfen. In normalen Jahren gaben die Erde und die Jagdgründe ausreichend Nahrung her. Neben der Arbeit blieb ihnen viel Zeit und in dieser Zeit wurde ihnen schnell langweilig. Sie entwickelten Hobbys.

Der eine sammelte Kürbiskerne und sortierte sie nach Größe, Farbe und Struktur. Eine andere ritzte eindrucksvolle Bilder in die Wände vom Canyon. Auf ihre Einladung traf man sich regelmäßig davor zum Grillen und Meinungsaustausch.

Es gab auch Haustierhaltung. Natürlich auch Nutztiere. Die Indianer konnten zwar zwischen nützlichem Nutztier und vermeintlich nutzlosem Haustier gut unterscheiden. Aber auch wenn sie Arbeit machten, gegen Haustiere sprach gar nichts, da man glaubte, dass sie gut für die Seele seien. Mit Ausnahmen.

Wir lauschen einem Gespräch zwischen Roo-Arr, dem gewählten Häuptling der Handclatchtomat'l, und Fatale Sandale, dem diensthabenden Medizinmann.
"Sag mal, Fatale Sandale, was soll das mit Lautlose Sohle?"

"Was soll mit ihm sein? Er ist mein Kater. Das macht er sehr gut."

"Aber dein Kater frisst unsere Jagdgründe leer!"

"Gar nicht! Ich gebe ihm ausreichend Lamafleisch, lauter Abfälle. Und ausschließlich gezüchtete. Das was eben so übrig ist. Zum Jagen ist er dann viel zu faul. Insgesamt macht das jede Handvoll Tage vielleicht ein ganzes Lama. So viel bleibt hier im Dorf immer übrig. Ich sammle die Abfälle bei den Nachbarn ein. Er mag es sogar besonders gern, wenn es schon stinkt."

"Aber er ist riesig!"

"Na und? Je mehr Kater desto besser."

"Er sieht nicht einmal aus wie die Katzen bei uns."

"Seit wann bist du so kleinlich? Du hast doch sonst für jeden Verständnis. Bist du jetzt zum Rassisten geworden? Nur weil du noch nie eine gestreifte Katze gesehen hast?"

"Aber er ist viel größer als alle Katzen bei uns. Viel größer als der Vertreter vom Großen Ozelot. Und sogar doppelt so groß wie ein Berglöwe!"

"Er ist genau wie alle Katzen. Er spielt gerne, er schläft gerne, er frisst gerne."

"Das ... das ist doch nicht dasselbe! Fürchtest du dich nicht manchmal vor ihm, so riesig wie er ist?"

"Nicht mehr als vor meiner Frau."

"Aber das kann man doch nicht vergleichen!"

"Der Kater ist jedenfalls berechenbarer als meine Frau. So lange er nicht hungrig ist, liebt er uns. Bei meiner Frau weiß ich nicht."

"Und wenn er hungrig ist?"

"Keine Ahnung, vermutlich macht er dann keinen Unterschied zwischen uns und dem Futter."

"Das ist doch nicht normal! Überhaupt, so einen Kater habe ich noch nie gesehen. Wo hast du ihn eigentlich her?"

"Habe ich gefunden als er noch ganz klein und hilflos war. Ich weiß nicht, woher er kommt. Damals war er nicht größer als eine gewöhnliche Miezekatze. Dass sein Fell so seltsam gestreift ist, ist mir damals auch aufgefallen. Aber man will doch auch immer was besonderes, nicht wahr? Ich konnte ja nicht ahnen, dass er dermaßen groß wird. Wir haben ihn mit Lamamilch aufgezogen, vielleicht ja deshalb."

"Deshalb was?"

"Na, die Kürbisse werden doch auch mit Lama-Dung besonders groß. Deshalb."

"Und da hast du keine Angst vor ihm?"

"Ich muss nur darauf achten, dass er nie hungrig ist. Ist gar nicht schwer, ich mag meinen Kater. Wenn ich das Futter einsammle sehe ich auch immer nach den Kranken im Dorf und weiter weg, das ist doch sehr praktisch, nicht? Und die freuen sich, dass der Medizinmann freiwillig kommt. Nicht so wie früher, kurz nachdem sie gestorben sind."

"Du machst mich wahnsinnig! Lautlose Sohle schleicht immer durchs Dorf und erschreckt die Leute!"

"Der erschreckt gar niemanden. Die merken noch nicht mal, dass er da ist, weil er immer so leise schleicht."

"Wenn sie es wüssten, würden sie sich zu Tode erschrecken!"

"Er sieht ihnen neugierig bei ihrem Leben zu, mehr nicht. Bei mir hat sich jedenfalls noch niemand beklagt."

"Und du lässt ihn frei herumlaufen!"

"Ich sperre ihn doch nicht ein! Bin ich wahnsinnig? Er braucht seine Freiheit!"

"Am letzten Halbmond hat er einen Berglöwen zerlegt!"

"Wie kommst du darauf? Das ist eine schwere Anschuldigung!"

"Ich habe einen zerfleischten Berglöwen gefunden. Wer sonst könnte einen Berglöwen zerfleischen - wenn nicht dein riesiger Kater?"

"Woher soll ich das wissen?"

"Niemand!"

"Kannst du doch gar nicht wissen..."

"Oh doch! Seine Pranken sind viermal so groß wie eine Hand von mir! Damit zerlegt er ganz leicht einen Berglöwen!"

"War der Berglöwe vielleicht auch ein Kater?"

"Weiß ich nicht. So viel war davon nicht mehr zu erkennen."

"Kater mögen sich nämlich untereinander oft nicht, so ist das bei Katzen."

"Das ist keine Katze! Das ist ein Riese! Und der Berglöwe ist der Abgesandte der Ahnen!"

"Dann muss er eben besser aufpassen."

"Aber ... das geht doch nicht! Der Berglöwe ist der Herrscher über allem!"

"Der soll sich nicht so aufspielen. Jetzt ist er eben selbst bei den Ahnen. Da lernt der Abgesandte auch mal die andere Seite kennen."

"Du ... du ... du kannst doch nicht ..."

"Was hast du eigentlich mit dem Berglöwen gemacht - ich kann mich an kein Totenfest erinnern?"

"Du warst ja nicht da, Fatale Sandale! Ich habe ihn heimlich begraben."

"So so..."

"Allerdings! Unsere Leute sollen nicht denken, das es noch etwas mächtigeres als den Mächtigen Berglöwen gibt. Sonst kommen die noch auf komische Ideen und glauben gar nichts mehr."

"Aha."

"Warum musst du nur so ein riesiges Vieh halten?"

"Das hat überhaupt keine Nachteile. Er ist sehr leise und schmusig. Nur dass er manchmal ein wenig schnarcht."

"Er schnarcht?"

"Ja, ganz leise. Süß, nicht?"

"Schläft er etwa bei euch im Haus?"

"Na, wo denn sonst? Draußen ist es kalt. Das ist auch sehr praktisch, er wärmt sehr schön das Bett."

"Er ... er ... er schläft bei Euch im Bett?"

"Manchmal. Warum nicht?"

"Was - warum nicht?!?"

"Während ihr friert und dreimal in der Nacht aufstehen müsst und Feuerholz nachlegt, haben wir Lautlose Sohle und es ist kuschelig warm. Ich musste nur das Bett vergrößern."

"Das ist doch gefährlich!"

"Nicht mehr als wenn das Feuer zu lange schwelt, wie letzten Winter bei den Nachbarn. Die sind eines Morgens aufgewacht und waren alle tot. So gefährlich ist unser Kater nicht. Wir leben noch."

"Ihr ... ihr seid wahnsinnig!"

"Nicht mehr als ihr."

"Oh doch!"

"Und dabei ist er so süß, wenn er leise schnarcht und seine Schwanzspitze zuckt. So süß!"




weiter zum 2. Teil: Hier

08 Juni 2014

Spaßvögel, die 2.

Selbes Paar am Tresen, weniger als ein Bier später.

Gesprächsfetzen von ihm:

"... aber das ist nur äußerlich. Tief in meinem Inneren wohnt ein argwöhnischer und boshafter Charakter ... äääh ... eine sensible und verletzliche Seele!"

07 Juni 2014

Spaßvögel

Lokal in Schöneberg, Abend.

Mann und Frau am Tresen unterhalten sich.

Sie:

"Du bist schräg - aber witzig!"

Er:

"Ich bin witzig - aber schräg."

Kurze Pause. Dann er wieder:

"Du bist nur witzig. Aber nicht schräg. Schade."


Schönes Schöneberg!

06 Juni 2014

Vertraue mir!

Das hier ist eine der großartigsten Betrachtungen zu Behauptung und Handeln im politischen Alltag: Wenn die Worte etwas ganz anderes zu sagen scheinen als das Bild - welcher Botschaft vertraut man dann?

Niemand hat nämlich auch die Absicht, das Tempelhofer Feld zu bebauen. Oder die Ukraine in einen Bürgerkrieg zu stürzen und anschließend nach Russland einzugemeinden.

05 Juni 2014

Versehrung

Tennisarm. Vom Federball.
Wäre nicht so schlimm, wenn es nicht gleichzeitig der Kaffeetassenarm wäre.
Ob das die Sportärzte beeindruckt?

04 Juni 2014

Kommentare

Oh, verdammt! Es gibt hier eine Funktion, die Spam-Kommentare automatisch löscht. Das ist an sich ganz praktisch - aber manchmal erwischt sie auch einen seriösen Kommentar eines seriösen Kommentators¹. Solange ich es nicht bemerke und von Hand wiederherstelle ist so ein Kommentar erstmal weg.

Also, kurzer Rede langer Sinn:
Sofern sie nicht erkennbar Werbung für irgendwas machen werden hier KEINE KOMMENTARE GELÖSCHT! Nicht einmal von außergewöhnlichen Nervensägen - für die hat Der Große Bloguator™ aus naheliegenden Gründen am meisten Verständnis.



¹ ballspielsweise, wenn er anonym ist und gleichzeitig von einer IP aus dem Ausland stammt

02 Juni 2014

Einkauf

Gestern abends beim Discounter. In der Backzutatenabteilung ganz unten fällt der Blick auf ein blaues Paket. Ich lese:

GEILER
ZUCKER

...

 

… Fragezeichen?

 

Irgendetwas stimmt mit mir nicht. Und ich hoffe, es sind nur die Augen.

wesenheitsnotiz

... aber immer noch ausgeprägte Urlaubsdemenz.

Anwesenheitsnotiz

Wieder da!

Falls es niemand bemerkt hat - ich war nämlich eine Woche lang weg. In dieser Zeit habe ich folgendes getan:

 
(Abb. ähnlich¹)




¹ Foto ausgeliehen bei Äintschie - ich geb es zurück, wenn Du es wieder brauchst!

22 Mai 2014

Öntököltöröll

Eben in der U-Bahn: Unauffällige junge Frau auf dem Nachbarsitz liest ein Buch. Mir springt das merkwürdige Schriftbild ins Auge, erheblicher Anteil von Buchstaben mit Haken drauf, drunter und anderswo. Dazwischen krakelige Grafiken. Also, Kalligrafie nennt man das. Sehr interessant, so vom ersten Hinsehen.

Es handelt sich wohl um eine Auslegung des Koran ins Tschechische, gelesen in einer U-Bahn in Berlin auf dem Weg von Mitte nach Tempelhof.

21 Mai 2014

Isomatte

Mittagspause, Kauf einer Isomatte bei KARSTADT. Ja, ja, ich hätte auch ins Fachgeschäft für Isomatten gehen können! … aber da ist keines vom Büro aus leicht erreichbar.

Isomatten also. Auswahl haben sie reichlich. Nur: Was für eine… Länge 1,80m - was soll ich damit? Aha, es gilt: Die breiten Isomatten sind nicht lang, die langen sind nicht breit. Die dicken sind schwer, aber dafür auch teuer. Und sperrig.

Und dann gibt es noch die selbstaufblasenden, die alle Nachteile miteinander vereinen, schmal, schwer, kurz, teuer und trotzdem sperrig.

Es gibt nur ein Naturgesetz: So wie die Welt eingerichtet ist funktioniert sie nicht.

16 Mai 2014

Werktag Büro

“… WAS DENN?!?”

“Der Vorsitzende der Bewegung ‘Saufen als Hobby’ geht Nachschub holen. Wünsche?”

“ICH KANN JETZT NICHT!”

15 Mai 2014

Welt & Sinn

Gestern beim Speedminton im Park. Zwischen zwei Aufschlägen: Gezeter vom Gegner über die Sinnlosigkeit einlagigen Toilettenpapiers. Aha.

13 Mai 2014

Muster

Söben entdeckt: Ein Blog namens Bad Textures - also: Schlimme Muster. Leider nur interessant für Leute, die sich für Muster interessieren. Will sagen: Für Den Großen Bloguator™ allemal.

12 Mai 2014

Super (2)

Außerdem bieten sie der Kundschaft in dem Asia-Markt etwa 750 Sorten Chips und Kräcker. Aber auch Nudeln. Nudeln könnte man weichkochen.



Ich aber habe diese Packung gekauft, weil mir die irgendwie interessant erschien, auch der Zutaten wegen. In Asien würde man ja nicht so viel Aufwand für besonders wenig Effekt betreiben, oder? (in Berlin würde man. Und nicht "würde" - tut man)

Beim ersten Probieren musste ich zugestehen: Hm, erheblich uninteressanter als erwartet. Ziemlich langweilig sogar. Und ganz schön hart. Nichts für strapazierte Zähne eines erwachsenen Mitteeuropäers. Wir knacken ja auch keine Paranüsse ohne geeignetes Werkzeug, einfach nur so indem wir auf der Schale herumkauen. Andererseits.

Nein, Essen wirft man nicht weg!

Ich hatte etwa ein Drittel der Packung mühsam runtergeknuspert, als ich auf die abwegige Idee kam, die Gebrauchsanweisung zu lesen. Hinten, auf der Rückseite, und in durchaus lesbarer Größe:

MAN SOLL DIESE CRACKER FRITTIEREN!

Wer kommt denn auf so eine abseitige Lösung? Na schön, zufällig hatte ich Frittierfett da - und dann schmecken sie auch tatsächlich ganz interessant und sind nicht die Totengräber aller Zähne.

...

... ich muss neue kaufen. Die haben da noch 749 andere Sorten!

11 Mai 2014

Super

Schöneberg hat auch einen Asiamarkt. Mehrere wahrscheinlich. Der eine große liegt nicht direkt am Weg, so dass der Große Bloguator™ dort nur unregelmäßig vorbeischauen muss.

Trotzdem: ICH BIN IN DIE FALLE GETAPPT!!! Ein ganzer Laden voll mit Zeug, dessen Namen man hier im Leben noch nicht gehört hat - aaaaaaaah!

In Abb. 1 sehen wir: Grasgelee, Bambusspitzen in übelriechender Lake, Cassava und sonderbare Bananen, die garantiert keiner DIN-EN-Norm entsprechen, riesig.
 
Riesig!


Hat irgendwer schon mal von Gras-Gelee gehört? Was macht man damit? Das wird man doch nicht essen, oder? Ich wiederhole: Gras-Gelee!

An Inhaltstoffen ist überraschenderweise hauptsächlich Gras-Gelee drin. Das kann nicht von europäischen Produzenten stammen - in dieser Dose ist tatsächlich drin, was drauf steht.

Noch etwas interessanter ist aber die anthropomorphe Wurzel, die da liegt. Kennt hier jemand den Begriff Cassava? Was ist das - eine außerirdische Zivilisation in Wurzelform? Aaaaargh, sie kommen!

Nun, seit neuestem gibt es ja Google und dann findet sich eine ganz einfache Lösung.

Aber die Bananen sehen ungewohnt aus, vor allem sind sie riesig. RIESIG! (die anderen die ich gekauft habe sind schon verkocht, diese hier, die kleinste, ist immer noch größer als unser Supermarktzeug)

Bisher habe ich nicht gewagt, die Dose mit dem Gras-Gelee aufzumachen. Das Patenkind bezweifelt sogar, dass ich es jemals tun werde. Echt, nä!?! Schlimmer als vergorener Hering wird es ja nicht sein.

Zum Abschluss nochmal die Cassava und die NichtDINBanane in voller Größe und Schönheit:

10 Mai 2014

Wunscherfüllung

Wir sind zur Höflichkeit erzogen. Jedenfalls die meisten von uns. Das geht so weit, dass man auch totalen Arschlöchern, die man auf den Tod nicht ausstehen kann, die Hand gibt, wenn sie einem nur ihre schmierige Pranke entgegenstrecken. Wird man sogar höflich um etwas gebeten, kann man so einen Wunsch kaum abschlagen.

Ich würde ja so gerne. Ehrlich! In echt!
Aber diese hier machen es einem wirklich schwer:


 

09 Mai 2014

Zukunft

Als Großer Bloguator™ lebt man in der Gewissheit, alles zu wissen. Aus gutem Grund.

Aber dass ich in acht­und­zwanzig­tausend­und­ein­und­dreißig Jahren um 17:57h ein Foto vom Hof schießen werde, überrascht selbst mich:

08 Mai 2014

tschakka!

Das hier geht ganz gut los: http://youtu.be/iANRO3I30nM

upandoverit

hab ich von AURGASM  (sorry, musste es mit einem Fake-Cover machen, weil direktes Einbetten deaktiviert ist)

… und weil es in diesem Zusammenhang bei Youtube verlinkt ist  … und weil die Ukraine derzeit ein wenig Zuspruch gut brauchen kann … und selbstverständlich, weil es sich da um eine total süße Blondine mit ziemlich akrobatischen Fähigkeiten handelt … also: WEIL! … noch dieses hier:

(ich wüsste ja zu gerne, was die Juroren ihr zwischendurch um die Ohren hauen, dass sie dermaßen enttäuscht kuckt. Ja, ja, und die Musik wie auch die Highheels sind furchtbar)

05 Mai 2014

Effekt

Nach dem Segeln ist man oft ziemlich dehydriert: Stundenlang mit hoher Aufmerksamkeit und körperlicher Aktivität unterwegs, vergisst man leicht, nachzutanken. Das kommt an Land - nur dass es dann leider zu spät ist. Bis sich der Flüssigkeitshaushalt wieder ausgeglichen hat vergehen etliche Stunden.

In diesem Zeitraum führt ausgeprägter Durst dazu, dass man inzwischen in langen Zügen alles trinkt, was irgendwie in Griffweite steht, Bier, beispielsweise. Die Folgen sind verheerend, es sei denn, man hat ein wenig Übung in genau solchem Fehlverhalten.

Am Wochenende trank Der Große Bloguator™ aus beschriebenem Anlass erstmals vorsätzlich mutwillig absichtsvoll bleifreies Bier. Also: Ohne Alkohol. Nominell jedenfalls. Die Folgen waren nicht anders als bei herkömmlichem Bier: Motorische Fehlsteuerung, Aufmerksamkeitsschwäche und Mitteilungsbedürfnis.

Für die regelmäßigen Leser: Ungeschick, Ungeduld und Sprechdurchfall.

Es scheint bei alkoholfreiem Bier einen Placebo-Effekt zu geben, der nicht zu unterschätzen ist.

02 Mai 2014

Test

Das Provisorium ist da! Und passt sogar. Sieht gleich viel besser aus und nervt ganz wenig.

Ist allerdings ein täglicher Aufmerksamkeitstest: Ab jetzt muss ich beim Verlassen des Hauses statt drei immer vier Sachen mitnehmen, Schlüssel - Geld - Telefon - Zähne.

30 April 2014

Segelgeschichte

Hier geht es ums sportliche Segeln.

Bis vor kurzer Zeit waren 18-Füßler die Spitze der technischen Entwicklung im Segelsport. In den letzten Jahren hat sich das durch die Foil-Technologie geändert, aber aufregend sind solche Boote nach wie vor.

18-Füßler vor 45 Jahren:


hab ich im Torkelblog gefunden.

Beobachtungen: Die Boote bestehen in den sechziger Jahren aus Sperrholz und die Masten sind schon aus Aluminium. Außerdem haben sie Werbung im Segel, obwohl das damals gar nicht gern gesehen war. Vermutlich deshalb geibt es nur ein Logo, aber keine Schriftzüge.

Aber die Schot wird über eine Winsch gefahren (Pleistozän!), es gibt keinen wirksamen Niederholer am Großbaum (Bronzezeit), die Spinnacker liegen mit Gummis gepackt unter Deck und werden an der Luvtonne erst angeschlagen (Steinzeit). Und der Spibaum ist so lang, dass er nicht aufs Boot passt, sondern zuerst aus zwei Teilen zusammengesetzt werden muss. Wenn die Boote umfallen gehen sie bis zur Scheuerleiste unter. Das ficht die Segler jedoch nicht an und sie fahren auch bei starkem Wind auf Biegen und Brechen.

15 Jahre später sehen die Dinger inzwischen so aus:



Im Film sind im Rückblick auch Bilder aus der Zeit der dreißiger Jahre eingebunden, inzwischen haben sich Details geändert: Das Großsegel ist oben angebunden, so spart man weitere 100g Gewicht im Mast, und weil die Boote inzwischen so dermaßen leicht sind, werden sie in der Regel von der Mannschaft ins Wasser getragen, haben Ausleger und Rüssel und werden beim Segeln nur noch zu dritt bewegt. Es gibt ein Zuschauerboot in der Größe einer Fähre, auf dem das Publikum den Nachmittag verbringt. Auf dem Zuschauerboot wird gewettet. Nach dem Segeln aus dem Wasser raus fühlen sich die federleichten Skiffs viel schwerer an, jetzt braucht es 6 muskulöse Leute zum Tragen.

Heute (2014) sehen die 18-Füßler so aus:



… Carbonmasten, feste Leitern, fester Bugspriet, noch leichter. Auf Biegen und Brechen segeln sie immer noch.

29 April 2014

Unerwünschte Mengensendung

Der umgangssprachliche Begriff dafür lautet SPAM, aber die hilfreichsten der Internetmenschen haben sich einen Namen ausgedacht, der viel unbelästigender klingt:
unsolicited bulk e-mail (Unangeforderte elektrische Massensendung).
Mit solchen Massensendungen soll einem auch schon einmal ein Trojaner oder ein Virus angedreht werden, in der Regel kommt oft nur nervige Werbung, die wirklich niemanden interessiert.

Dieses hier gehört wohl zur ersten Kategorie:
Sorry fur die Verspatung, siehe angehangte Datei.
Fur alle Anfragen wenden Sie sich bitte
Tel./Fax.: (+49) 621 866820464
Eine Auffang Sie den Felsen graben.
Danke.
Also wende ich mir Tel./Fax. Seit Stunden schon. Nichts geschieht.

Nun beklage ich doch ebenfalls häufig die Verspatung der Welt. (müsste es nicht zutreffender Verspatelung heißen?). Außerdem habe ich unter der Telefonnummer in Mannheim angerufen um zu fragen, ob ich noch die fehlenden Pünktchen über den Umlauten bekommen kann. Ich würde sie mir sogar selbst abholen. Leider ohne Erfolg.

Gerade von Teilnehmern in Mannheim hätte ich auch Aufschluss über den zentralen Satz erwartet - aber leider werde ich weiter mit dieser Mitteilung allein gelassen und muss den Rest des Tages vergrübeln über “Eine Auffang Sie den Felsen graben.”

Tja. Schade wieder.

… verdammt, wie geht denn diese angehangte Datei auf?!? Ich! Muss! Das! Wissen!

28 April 2014

Alleinvertretung

"Vegan ist das neue katholisch!"

25 April 2014

Aktivupdate

Das Patenkind war wieder aktiv. Inzwischen ist sie elf - und zwar: Jahre alt.

Hier sehen wir die Ausbeute von gestern und vorgestern. Drei Figuren in zwei Tagen! Es handelt sich angeblich um recykelte Handschuhe und Putzlappen.




Der Fachmann für Weiterverwendung empfiehlt in diesem Zusammenhang: Recycled Creativity



sorry, unscharfe Handyfotos fix zwischendurch gemacht

22 April 2014

Moderne Zeiten

Das Wirtschaftswunder ist vorbei, Mitgefühl und Verantwortung waren gestern, die soziale Schere öffnet sich weiter.

Merkt Euch das: Gewerkschaften in Deutschland sind keine Welt­­verbesserungs­­organi­­sationen oder Sozialvereine für ein menschenwürdiges Leben! Man soll sie eher mit seriösen Lobbygruppen vergleichen, die die Interessen ihrer Beitragszahler genauso professionell vertreten wie die Lobbyisten von GAZPROM, Heckler & Koch oder VW.

Die einen Arbeitnehmer können vom Mindestlohn nur träumen und wissen bis dahin nicht, wovon sie Essen UND Miete bezahlen sollen. Die anderen können mit ihrer vielen Freizeit schon gar nichts mehr anfangen und haben weiter nichts als Passiv-Fußball im Kopf.

SPIEGEL-Meldung von heute

 
 

Erinnert mich schwer an die penetrante Klientelpolitik zum Ladenschluss damals. Wer es nicht mehr weiß: Die Kunden des Einzelhandels sollten zum Einkaufen von Lebensmitteln doch einfach einen Tag Urlaub nehmen, weil Mama an der Kasse genau dieselben Arbeitszeiten hätte haben sollen wie jeder Büroangestellte auch, werktags zwischen 8.oo und 18.ooh, und "am Wochenende gehört Mama mir!"

Alternativvorschlag an die Arbeitgeber: Ihr schmeißt das stumpfe Pack raus und gebt die Arbeit denen, die sie wirklich machen wollen. Die sind wahrscheinlich noch nicht einmal in der Gewerkschaft.

21 April 2014

Invasion

Meine Güte, wir haben noch vor Anfang Mai und ich treffe bereits die zweite Wespe in der Wohnung!

Dabei sind die Biester so groß, dass sie noch nicht einmal in die Kannenpflanze passen.




...hm, vielleicht pürieren ...? 

Im Zweifelsfall sollte ich mich nach diesem hier umsehen - dann sind sie immerhin schon mal geröstet ...

20 April 2014

Selbstbild

... oder ~bewusstsein.

Psychiater im Interview:

"Neulich hatte ich den Messias in Behandlung. Ja, sicher, ich habe ihn geheilt."

(wg. einem Artikel neulich im Spiegel über das Jerusalrm-Syndrom)

Jerusalem - nicht Jesusalarm!

... obwohl ...

16 April 2014

Schweigen.

Zur Zeit läuft hier Radiowerbung wo einer sich vorstellt als Matthias Schweighöfer.

Darüber wollen wir jetzt ein wenig meditieren: "Werbung" ← → "Schweighöfer".

Keine Ehre macht der seinem Namen. Keine Ehre.

 

 

 


ahne ich doch bereits den Kommentar von irgendeinem meiner gehässigen Freunde: "Gerade DU hast es nötig!"

14 April 2014

Beweis

Donald Duck - Der güldene Wasserfall
George Catlin - American Indian Portraits
Manfred Curry - Regatta-Segeln, von 1936
Wolf Wondratschek - Die große Beleidigung 
... was man halt immer so liest, wenn man Großer Bloguator™ ist.






über die übrigen auf der Abbildung mit viel Neugier erkennbaren Details wollen wir den diskreten Mantel des Schweigens decken

08 April 2014

Streetart

Aus irgendeinem Grund gibt es auf der Schöneberger Insel seit kürzerem eine verwaiste Werbetafel. Bis vor kurzem beleidigte dort noch herkömmliche Allerweltswerbung Augen und Verstand, aber die ist weg.

Vielleicht hat der Sturm von neulich die Werbebotschaft heruntergeschält, vielleicht hat der Verwalter gewechselt - man weiß es nicht. Jedenfalls steht sie lange genug leer, dass sich die Streetartisten herausgefordert fühlten und ihrer bemächtigt haben.

Jetzt klebt dort, schön ordentlich im orthogonalen Raster sortiert, Kunst von der subtilen Schöneberger Sorte:





Schönes Schöneberg!

07 April 2014

Saison

Frühjahr, bald ist es wieder soweit: Balkon aufs lieblichste bepflanzt - restliche Wohnung sieht aus wie Nuklearangriff auf ein Zementsilo.

06 April 2014

Möglichkeitsform Humor

Unbedacht fallengelassener Nebensatz am Biertisch im Seglerheim: "... . Hätte, Wäre, Könnte - die wichtigsten Indikative unter Seglern."

Da brüllt die anwesende Deutschlehrerin atemlos: "Das sind Konjunktive!"

"Unter Seglern nicht. Da sind Hätte, Wäre und Könnte Tatsachen..."

Frauen und Humor.

"... unter Fußballern auch, was ich so höre."

04 April 2014

Wuuu-huuu!

Das hier ist so ziemlich das durchgedrehteste an Webseite, das mir in den letzten Jahren begegnet ist:
Ritsch + Renn
(Achtung! Da läuft gleich Musik los und es gibt auch keinen Knopf zum Abschalten - "not safe for work")

Gleichzeitig sind die Brüder aber anscheinend seriös genug, eine große Anzahl ernsthafter zahlender Kundschaft zu finden. Wuuu-huuu - ich bin hingerissen!

03 April 2014

Tag

Im Sprachgebrauch des Großen Bloguators gibt es den "Tag des abgefahrenen Zuges". Das ist, wenn der Benutzer, egal wo er hinkommt, immer die Rücklichter des Waggons sieht, der soeben den Bahnhof verlässt. Einmal am Tag ist okay, mehrmals ist furchtbar. Insbesondere dann, wenn man es eilig hat - so wie der Große Bloguator eigentlich immer.

Aber es gibt immerhin auch den "Tag der aufgehenden Tunnelsonne", seltener, kommt aber vor. Das ist, wenn man es eilig hat und zu einem öffentlichen Verkehrsmittel eilt und dieses just beim Erreichen der Haltestelle ebenfalls dort einfährt, aber nicht nur einmal, sondern den ganzen Tag lang. Dass einem gerade so etwas widerfährt, ist viel seltener - kommt aber vor: Heute.

01 April 2014

Fremdschämen 2

Ergänzend zum vorletzten Eintrag: Da gab es in der U-Bahn früher dieses grünlich-blasse, sehr verhärmte, sehr, sehr dünne Männchen, von dem man nicht sagen konnte, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt (Mann).

Es begann seinen Quengelmonolog immer in schepperndem Ton mit "... etwas Auuufmerksamkeit für meinen Lebensmuu-uu-uut, ein paar Cent oder etwas zu essen, aber bitte ohne Zucker..." 

Die besonders sparsamen Spender, die statt Geld zu geben lieber  ihre Essensreste clever entsorgen wollten, erlebten eine herbe Enttäuschung: Sie waren in die bereitgestellte Falle getappt. "Ohne Zucker" war nämlich so definiert, dass in buchstäblich jedem Lebensmittel irgendwie ein wenig Zucker enthalten ist. Auch in frischem Obst oder einem Butterbrot. Das Männchen hatte demnach Anspruch auf Bargeld und klagte diesen auch ein, voll der Empörung, mit der bekannten Kreissägenstimme und der Lautstärke einer Polizeisirene.

Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Kann aber nicht sagen, dass ich ihn vermisse.

30 März 2014

Emo Blindschleiche

Super Idee, das: Die Haftaugen rausnehmen mit denselben Fingern, mit denen man eben die Chillischoten auseinander gepult hat. Super Idee. Aua aua auaaa!

29 März 2014

Fremdschämen de luxe

Eben in der U-Bahn einer der täglichen Schnorrer. Erst stellen sie sich meist vor und erklären mit unüberhörbarer Kreissägenstimme,  warum: "Guten Tag, mein Name ist Jürgen und leider bin ich gezwungen...". Schon da brüllt einer dazwischen "Zu schnell! Du redest zu schnell!" Jeder weiß: Die Schnorrer allein sind schon die Pest und es kann gar nicht schnell genug gehen. Aber hier will einer originell sein und hat zudem Mitteilungsbedürfnis.

Dabei konnte der junge Mann sein Anliegen noch gar nicht vortragen. Das kommt in der klassischen Dramaturgie der U-Bahn-Schnorrer erst im nächsten Satz "... kleine Spende oder bisschen was zu essen..." Der Zwischenrufer rät lautstark "Iss doch in der Bahnhofsmission".

Ohne die Unterbechung hätte der Schnorrer seine Ansprache korrekterweise fortsetzen müssen mit "...für einen Obdachlosen, der leider auf der Straße lebt". Als erfahrener Berliner U-Bahn-Benutzer kann man diesen Monolog normalerweise mitsprechen und notfalls selbst ergänzen, falls nicht alles akustisch einwandfrei zu verstehen war.

Aber der Schnorrer war ja unterbrochen worden und lässt sich provozieren "Den Fraß in der Bahnhofsmission ess ich nicht! Das kann man doch nicht essen! Ich ess jeden Tag Döner oder bei Mäck Donalds! Hast du das mal gegessen? Den Fraß in der Bahnhofsmission ess ich nicht!" und dann setzt er mit der erwarteten Pointe fort mit "...ich bin obdachlos und lebe leider auf der Straße."

Daraufhin grunzt ein weiterer Fahrgast "... aber bei Macdonalds essen!" und damit ist die Sammlung komplett. Die Sammlung von Originalberliner U-Bahn-Nervbacken.

Der erste Schreihals quakt los "Es gibt nur Wohnungslose! In Deutschland gibt es keinen einzigen Obdachlosen!" und der Schnorrer besteht darauf "...für einen Obdachlosen, der leider auf der Straße lebt." Der zweite Nörgler wieder lautstark "Du isst bei Mäckdonalds!" und der Schnorrer tappt entschuldigend durch den Wagon und versucht doch noch, ein paar Cent abzugreifen. So klappt das natürlich nicht.

Irgendwann kommt endlich der ersehnte Halt und der Schnorrer steigt aus, weil er den nächsten Wagen abkassieren muss. Nur die beiden anderen Schwätzer bleiben da und tauschen sich quer durch den ganzen Waggon über ihre Empörung aus: "...keinen einzigen Obdachlosen!" und dann wieder "Der isst bei Mäckdonalds!" und so geht es weiter bis zum Verlassen der Bahn.

Die zwei Idioten haben sich anscheinend geschworen, die Fahrt für jeden unvorsichtigen Passanten zum Härtetest zu machen. Als wären die zahllosen Schnorrer und Behelfsmusikanten nicht so schon nervig genug. Die Zeit bis zum Aussteigen vergeht quälend langsam.

Wo bleibt denn heute eigentlich die nächste Balkankapelle/Akkordeonkind/Folksänger zutreffendesbitteankreuzen mehrfachnennungenmöglich diskussionensehrwillkommen?

27 März 2014

Minderer Superlativ

Hier heischt jemand um Aufmerksamkeit ¹:

 
Zur Erläuterung: Es geht darum, dass aus Gründen des Eindruckschindens gerne Superlative konstruiert werden, wo leider keine sind. Das wird hier ausführlich erklärt: Superlativ

Dass ein nachhaltiges Leben wünschenswert wäre, steht außer Frage. Einer der Aspekte der Ressourcenverschwendung ist hoher CO2-Ausstoß, welcher in einen nachvollziehbaren Zusammenhang mit Klimaerwärmung gebracht wird.

Aber das ist nur einer der Aspekte. Als Folgeerscheinung der Klimaerwärmung erlangte die Scheinwissenschaft der Wettervorhersage breiteres Ansehen, und ihre Protagonisten sind meist Meteorologen (abgesehen von Kachelmann, der ist ja keiner).

Am letzten Wochenende beispielsweise traf von den vortags verkündigten 3 - 6 Windstärken am Samstag eine Windstärke ein und am Sonntag keine. Vorhersagezeitraum 1 Tag - Treffergenauigkeit knapp über 0%. 
 
Und auch die Klimaerwärmung trödelt, sie weigert sich, den Prognosen der Apokalypse zu folgen und will sich nicht an den wissenschaftlich bewiesenen Zeitplan halten. Aber die Meteorologen wünschen sich so sehr, beachtet zu werden.






¹ dazu hier die ausführliche Meldung. Die WMO hat die erwähnte Analyse des Großen Bloguators™ zur Konstruktion von Superlativen anscheinend als Gebrauchsanweisung verstanden und danach eine Pressemeldung gezimmert

² verwendete Bausteine: "eines der wärmsten",  "seit Beginn der Aufzeichnungen", "sechstwärmste" (!), "Jahr ... wärmer als ... Periode"

24 März 2014

Paragraph

Das hier ist kein Scherz und habe ich mir nicht - ich betone: ICH NICHT! - ausgedacht. Sondern jemand anderer:

Auf Grund des § 1 Absatz 2, des § 2 Absatz 2 und 3, des § 3 Absatz 2, des § 4, jeweils in Verbindung mit § 5, des § 5a Satz 1 und 2, des § 7 Absatz 1a, Absatz 3 Satz 1 bis 3 und Absatz 4, des § 7a Absatz 1 sowie des § 7b Absatz 1 und 2 des Energieeinsparungsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 1. September 2005 (BGBl. I S. 2684), von denen § 3 Absatz 2 durch Artikel 1 Nummer 2 des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197), § 4 zuletzt durch Artikel 1 Nummer 2b des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197), § 5a Satz 1 und 2 durch Artikel 1 Nummer 3 Buchstabe a und b des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) und § 7 Absatz 3 und 4 zuletzt durch Artikel 1 Nummer 4 Buchstabe c und d des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) geändert worden sind und § 7 Absatz 1a durch Artikel 1 Nummer 4 Buchstabe a des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) , § 7a Absatz 1 durch Artikel 1 Nummer 4 des Gesetzes vom 28. März 2009 (BGBl. I S. 643) und § 7b Absatz 1 und 2 durch Artikel 1 Nummer 6 des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) eingefügt worden sind, verordnet die Bundesregierung:

Alles klar?

Es handelt sich hier um ein Zitat der ersten Seite der EnEV 2014 - am 21. Nov. 2013 verkündete Novelle der Energieeinsparverordnung.

*) Diese Verordnung dient der Umsetzung der Richtlinie 2010/31/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Mai 2010 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Neufassung) (ABl. L 153 vom 18.6.2010, S. 13, ABl. L 155 vom 22.6.2010, S. 61). Die Bezugnahmen in der Energie­einspar­verordnung vom 24. Juli 2007 (BGBl. I S. 1519) und in der Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung vom 29. April 2009 (BGBl. I S. 954) auf die Richtlinie 2002/91/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden gelten als Bezugnahmen auf die in dem vorhergehenden Satz genannte Richtlinie 2010/31/EU. Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften für die Dienste der Informationsgesellschaft (ABl. L 204 vom 21.7.1998, S. 37), die zuletzt durch die Richtlinie 2006/96/EG (ABl. L 363 vom 20.12.2006, S. 81) geändert worden ist, sind beachtet worden.

Und so schreibt man, wenn man nicht verstanden werden will. Also: Nicht, wenn einem gleichgültig ist, ob man verstanden wird oder nicht. Sondern wenn man den ausdrücklichen Wunsch hat, nichtverstanden zu werden.

21 März 2014

Büro

Mit etwas Anlauf habe ich mich inzwischen ganz gut an das neue Büro gewöhnt. Rein logistisch - Einkauf, Verkehr - um die 500% Verbesserung im Vergleich zum alten Büro.

Nur die Graffitikünstler hier in Tempelhof könnten ihre Skillz noch ein wenig ausbauen:

20 März 2014

Freunde


e-books sind nichts für mich - wie soll ich die ins Regal stellen?



... aber im Fernsehen läuft Kindle-Werbung...

17 März 2014

Storybook

Hier kommt eine praktische Anleitung zur Installation und eine längliche Vorrede. Wen die Vorgeschichte nicht interessiert, der scrollt gleich runter zum zweiten Teil.



1. Vorrede
Es gibt eine Hilfssoftware zum Geschichtenschreiben namens "Storybook". Wenn man sich ein wenig eingearbeitet hat, kann sie tatssächlich eine Hilfe sein. Es handelt sich dabei um ein Datenbankprogramm, mit dem man Personen, Schauplätze, Ideen und Szenen sinnvoll sortieren kann, so dass man dabei den Überblick behält. Außerdem gibt es eine Stelle, wo man den Text der Handlung verfassen kann - aber es dauert eine Weile, bis man sie gefunden hat. Naja.

Dieses durchaus schöne Stück Software hat seit kurzem einen entscheidenden Nachteil: Es funktioniert nicht mehr.

Wobei es davor schon fragwürdig zuging. Die Software wurde als "free" vermarktet, nicht etwa als "free trial" oder "limited period" oder so. Tatsächlich war beim Storybook¹ aber die wesentliche Funktion eines Programms, die Ausgabe des Ergebnisses, nicht free. Sondern man sollte dafür zahlen. Das wollten einem die Entwickler nur nicht freiwillig sagen.

Konnte es einem also so ergehen wie dem großen Bloguator, ein paar Stunden in einen Arbeitsschritt gesteckt, gespeichert, überarbeitet, wieder gespeichert, um dann festzustellen: Man kann zwar speichern - aber weder drucken, noch exportieren, noch in die Zwischanblage kopieren. So nicht Freunde!

Für die Authentifizierung der zahlenden Nutzer hatten die Entwickler eine geniale Idee um auch den letzten abzugreifen: Sie wurde über einen Server online durchgeführt. Und zwar jedes mal, wenn die Software startete, sicher ist sicher.

Dann machte irgendwann die Firma schlapp und der Server zu. Seither keine Authentifizierung mehr und damit keine bezahlten Pro-Features wie "Drucken", "Exportieren" oder "Kopieren in die Zwischenablage", die ehrlich zahlenden Nutzer standen besonders dumm da. So nicht Freunde!

Demnach scheint es sich hier um Abandonware zu handeln, also Software, an der der Besitzer seine Rechte aufgegeben hat. Aus diesem Grund kommt nun die Arbeitsanweisung.


¹ das war die aktuelle, letzte Version, mit der ich begonnen hatte, Version 4.9.12



2.Download und Installation
Man muss nach einer etwas älteren Version des Programms suchen, es handelt sich um Storybook 4.9.9. Die liegt hier: http://sourceforge.net/projects/ostorybook/
dort sucht man "Files" auf und dann "previous". Man lädt die storybook499.zip herunter und nimmt auch die language_all.zip gleich noch mit.

Die storybook499.zip entpackt man in irgendein Verzeichnis (bei mir: C:\Programme (x86)\storybook499).

Dann sollte sie sich durch Klick auf storybook.bat starten lassen. Theoretisch. Hat bei mir (Windows 8.1) nicht geklappt. Ich habe in diesem Verzeichnis eine Startverknüpfung angelegt mit folgenden Parametern (alles in die eine Zeile):

"C:\Program Files (x86)\Java\jre7\bin\javaw.exe" -Dfile.encoding=UTF-8 -splash:resources\icons\splash.png -XX:MaxPermSize=256m -Xmx400m -jar storybook499.jar

und bei "Ausführen in:" muss auch dieses Verzeichnis angegeben werden.  Den Starter habe ich dann ins Startmenü für die Programme kopiert. Klingt umständlich? Weiß nich, funktioniert aber.




Dann noch die Sprache: Die language_all.zip hat ebenfalls ihre Tücken, obwohl in der install_lang.txt eigentlich alles drin steht. Die ortho-Datei extrahiert/kopiert man dahin, wo die anderen Orthos schon sind. Aber die Verzeichnisse languagetool/resource und languagetool/rules existieren nicht von Anfang an und deshalb weiß man vielleicht nicht, wohin mit den resources und rules.

Also, man legt es am besten gleich selbst an:

C:\Programme (x86)\storybook499\lib\languagetool

und dort kopiert man die beiden Verzeichnisse hinein.

Und beim erneuten Starten: Voilá - Storybook kostenlos und auf Deutsch!


Anm:
Es funktioniert anscheinend nur mit der Java-7-Version. Muss man möglicherweise vorher updaten.

Anm. 2:
Im Linux kriege ich den Starter nicht ans Laufen. Dort kann man es aber sehr gut direkt aus dem Terminal mit dem Java-Befehl starten. Man navigiert ins Verzeichnis mit den entpackten Dateien und dann "java -jar storybook499.jar". Wenn man vorher die Sprachdateien installiert hat, kriegt man nicht einmal blöde Fehlermeldungen. Sonst schon.

Anm. 3:
Die hier vorgeschlagene Version 4.9.9 ist nicht einmal Abandonware, sondern einfach freie Software unter GNU-Lizenz

Anm. 4:
Dass die Starter nicht so recht funktionieren liegt anscheinend daran, dass das Programm "storybook499.jar" heißt, die Starter aber jeweils nach einer "Sb5.jar" suchen. Da waren die Entwickler mal einen Schritt zu weit voraus.

16 März 2014

Hin

Die anderen sehen es ja immer zuerst. Sagen sie. Dass ich offenbar ziemlich hinüber bin fällt mir selbst aber bereits dann auf, wenn ich mir aus der leeren Glaskanne zum zweiten mal nachschenke.

15 März 2014

Gefühltes Wissen

Heute in der Zeitung:
"Innenminister de Maiziére erklärt: Linke wird nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet."
Wie kann der Mann so etwas sagen? Das kann er doch gar nicht wissen!

Witzniveau

Das hier ist witzig. Naja, was man halt so witzig finden kann. Interessant?

Nach einer längeren Schönwetterperiode haben wir seit gestern Abend Sturm. Ein bisschen Sturm ist an sich nichts besonderes. Die Böen bis über 9 Windstärken aber schon. Wer sich darunter nichts vorstellen kann - hier bläst der Wind zur Zeit so stramm, dass er die Plakate von den Werbeflächen schält.

Glaubt mir wieder keiner? Hier: Beweis! Beweis!


Es war also ordentlich zugig letzte Nacht...


... und der Wind war ausreichend, um gleich mehrere Windmessgeräte zu zerpflücken. An sich sind die durchaus sturmerprobt:


So. Das war mein Superlativ vom Tage. Jetzt Ihr!

14 März 2014

Montagmorgen

(genau: Gepostet an einem Freitagmorgen)

"Ohweh, der ist diesmal aber echt klein geworden..." dachte ich beim Anlegen des Rollkragenpullovers. "...darfst beim nächsten mal nicht wieder so heiß waschen. Und hast du am Arm so sehr abgenommen? Einfach mal wieder ausgewogener ernähren, mehr Chips, mehr Bier, weniger so gesundes Zeug!"

Solche bestechenden Gedanken gingen mir beim Anlegen des Rollkragenpullovers durch den Kopf, das an diesem Morgen 20 Minuten dauerte. Ausreichend Zeit zum Entwickeln einer angepassten Ernährungsphilosophie.

Beim Verlassen des Hauses und Vorüberhuschen am Spiegel fiel mir auf, dass ich den Kopf durch den Ärmel gesteckt hatte und den Arm durch den Halsausschnitt. Nach einer länglichen erneuten Pulloverpolka war auch das Ziehen in der Schulter wie weggeblasen.

12 März 2014

Steuerschulden

Sorry, ich muss es einfach tun:
http://wievielschuldetuli.de/

Gestern ging die Meldung durch die Presse: Der große Moralapostel, sozusagen beinahe der Erfinder von Moral und Anstand, hat 27,2 Mio. € Steuerschulden.

Seine Begründung: Er habe da irgendwie den Überblick verloren.

Übersetzt in Umgangssprache: Der Hoeneß Uli behauptet, dass er irgendwie gar nicht gemerkt hat, dass er Geld im zweistelligen Millionenbereich verdient.

Wie blöd kann ein einzelner sein? Oder für wie blöd hält er eine Mehrheit von ein paar Millionen Zuschauern? Was für ein Arschloch!



Update:
Gestern ist der Hoeneß zu drei Jahren und sechs Monaten verknackt worden. D.h.: Keine Bewährung - die gibt es bei Strafen über zwei Jahre nicht. Allerdings auch keine Geldstrafe. So Geldstrafen in Steuerverfahren bewegen sich angeblich gerne noch einmal in der Höhe der hinterzogenen Summe, also: Zusätzlich, obendrauf.

Es war klar, was dann kommen musste: Die Anwälte vom Hoeneß kündigten Revision an. Klar doch, ist ihr Job.

Heute die Eilmeldung, dass Hoeneß selbst auf die Revision verzichtet.

Dazu mögen verschiedene Erwägungen geführt haben: Revision zieht sich ewig … Erfolgsaussichten ungewiss … ständig als Steuerbetrüger mit der Familie im Rampenlicht … selbst ein Steuerbetrüger wirft schlechtes Licht auf seinen arroganten Fußballverein … und als ehrenwerter Häftling kann man *ab* *dem* *ersten* *Tag* Freigang bekommen, zumindest theoretisch. Das bedeutet, dass man nur zum Schlafen abends heim in den Knast muss, aber nicht zum Essen oder Arbeiten in der Anstaltswerkstatt.

Trotzdem, für den Verzicht auf die Revision erhält er sogar meine Anerkennung.


 


Lustigerweise vermeidet wirklich *jeder* Bericht eine Aussage darüber, ob die genannte Summe nur das hinterzogene Geld ist, oder die aktuell fällige Steuersumme einschließlich Strafe. Soviel zu journalistischen Kompetenz im Lande.

Hat sich erledigt, jetzt wissen wirs ja.

10 März 2014

Darwin-Award

Kennzeichen der Darwin-Awards ist auch, dass der Leser sie mit einer Mischung aus Schadenfreude und Fassungslosigkeit zur Kenntnis nimmt. Weil der im Folgenden beschriebene junge Mann sicher Angehörige hat, wird hier ausnahmsweise auf Schadenfreude verzichtet und stattdessen die Zeitungsmeldung zitiert:

S-Bahn-Surfen Valerian (19) raste in den Tod

Berlin –  05.03. 2014

War es Todessehnsucht, die Suche nach dem zweifelhaften Kick oder eine größenwahnsinnige Mutprobe? Ein junger Germanistik-Student ist in der Nacht zu gestern beim S-Bahn-Surfen ums Leben gekommen. Seine Freunde mussten alles mitansehen. Jetzt ermittelt die Bundespolizei.

Der S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke in Schöneberg, es ist 1.15 Uhr in der Nacht zu Mittwoch. Nach einem lustigen Männerabend kommen Valerian V. und seine Freunde auf eine ebenso dumme wie lebensgefährliche Idee: S-Bahn-Surfen.

Als eine Bahn der Linie S1 einfährt, klettern die Freunde im Dunkel der Nacht auf den Zug, niemand bemerkt die Truppe. Dann setzt sich der Zug in Bewegung, wird immer schneller und rast in Richtung S-Bahnhof Schöneberg.

Zunächst geht alles gut. Dann fährt die Bahn an einen Tunnel heran. Es kommt, wie es kommen musste: Valerian V. stürzt bei voller Fahrt vom Waggon, schlägt auf dem Boden auf – und ist tot. Seine vier Freunde hingegen schaffen den Absprung rechtzeitig. Und müssen aus einiger Entfernung mitansehen, wie ihr Freund seinen Leichtsinn mit dem Leben bezahlt.

Angeblich gehörte Valerian aber nicht fest zur Berliner S-Bahn-Surfer-Szene. Er studierte stattdessen Deutsche Literatur an der Humboldt-Universität, war seit August 2013 sogar Mitglied einer elitären Literaturinitiative.

Auf seiner Facebook-Seite zitierte er kürzlich den Schriftsteller Oscar Wilde: „Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht ...“

“Seine Freunde mussten alles mitansehen”.

Unter anderem wegen der S-Bahn-Surfer wurde die Bahn schon vor Jahrzehnten mit immer komplizierteren Schließmechanismen ausgestattet. Die Türen haben außen und innen keine Griffe mehr. Man kommt nicht einfach auf das Dach einer S-Bahn - man muss sich anstrengen.

09 März 2014

Tasse klein?

Eben im Stammcafé des Großen Bloguators™. Der Mann am Nachbartisch bestellt:
"... und einen Kakao."
Wirt:
"Kakao! Kleine Tasse?"
Mann:
"Nein, ist für meine Frau."
Wirt:
"Richtig!"



das Stammcafé heißt Esseins und wird hier ausführlich erklärt: Schöneberg Café

06 März 2014

Komparativ

Es gibt einen Superlativ zu Werden. Und folgerichtig auch einen Komparativ. Die Steigerung von Werden geht wohl so:

Werden - Werdener - am Werdensten.

Ich vermute, dass das auch im Konjunktiv so läuft.

Wenn einem jemand etwas verkaufen will, dann benutzt er gerne den Superlativ, oder  - damit es nicht gleich so auffällt - den Komparativ. So wie hier, die unberufenen Vertreter von Paypal: Je geschlossen werdener die Karte, desto mehr Schut und Vertrauen durch Informationen zu überprüfen. Ja sicher, es eilt!

Komparativ

05 März 2014

Filmschen

Wenn man mal ein gewisses Alter erreicht hat, guckt man nicht mehr jeden Tag Videos um sie zu sharen, zu linken und zu liken.

Sondern.

Sondern was?

Keine Ahnung. Naja, Zufall, Langeweile, Arbeitsallergie, solche Sachen halt.

Julia Nunes:

03 März 2014

Super

-lativ!


Soeben las ich einen der seltsamsten Superlative, die mir in meinem nicht sehr kurzen Leben begegnet sind. Im Wikipedia-Artikel über den Hamburger Ortsteil Steilshoop heißt es:
Geografische Lage
Den Abschluss nach Norden bildet der Ohlsdorfer Friedhof, der größte, von einem Zaun umgebene Friedhof der Welt.
Oh mann, ein Zaun als superlativstes Auszeichnungsmerkmal - die müssen es echt nötig haben!

Dabei, wenn man sich das Luftbild von Steilshoop ansieht, entdeckt man vielleicht andere Sachen, die viel erwähnenswerter wären und ebenfalls die Grundlage für einen wie auch immer gearteten Superlativ hergeben könnten.


Größere Kartenansicht

28 Februar 2014

Schief

Nun, es ist kein echter Trost zu wissen, dass auch anderen Leuten Sachen schiefgehen. Andererseits…

Hier möchte jemand sein Auto abgeschleppt haben, ohne einen Abschleppdienst zu rufen. Das Vorhaben endet anders als erwartet:


Die Zuschauerinnen, die man im Hintergrund hört und von denen das kleine Filmchen vermutlich stammt, sind besonders ... ähm ... erleichtert ... ? ... über den Umstand, dass nur eine Sekunde nach dem Einschlag die Polizei auf den Plan tritt und für Ordnung sorgt.
 



 

lehrreiche Anekdote aus gegebenem Anlass: Neulich hatte Der Große Bloguator™ ja eine Kollision mit dem Asphalt, welche mehrere Zähne kostete - Blog berichtete. Nur etwa zehn Sekunden (sic!) nach dem Ereignis stand ein hilfreicher Mensch neben ihm und stellte sich vor "Ich bin zufällig Zahnarzt ..."

25 Februar 2014

Gesang & so. Schön.

 Gibt was neues von Lennon & Maisy, ganz frisch:



Handelt sich dabei anscheinend um die Musik zu einer Werbecampagne des Schweizer Handelsriesen coop¹ für ihre gewissensentlastende Bioabteilung², wir nennen es Greenwashing.

Muss man wohl hinnehmen - immerhin bringen sie Lennon & Maisy zum Singen, und dann wird einem zwangsläufig warm ums Herz.






¹ dem Namen nach eine Genossenschaft, de facto eher ein gut eingeführtes Kundenbindungssystem mit langer Tradition, rd. 3 Mio. Mitglieder, im Jahr 2013 ein Umsatz von knapp 27 Mrd. sF.
² hatte 2013 einen Anteil von ganzen 8,1% am Geschäft

24 Februar 2014

Der abgeschlossene Roman

"SIE SIND ENTLASSEN!" brüllte der enttäuschte Arzt haltlos, weil sich der Heilungsvorgang der vielversprechenden Blessuren so gut entwickelte. Ein letztes Mal Röntgen, ein letzter warmer Händedruck vom Professor und ich befand mich draußen, in der kalten Wirklichkeit, ohne feste Schlafenszeiten und ohne Flüssigkost.

Da war ich mächtig enttäuscht. Andererseits...

… jetzt telefonisch wieder leichter erreichbar, weil ganztägig außerhalb des schwarzen Funklochs der Klinik.

22 Februar 2014

Feder

Als ... hhrrrm, hhrrrm ... Autor ... schmückt man sich ja gern auch einmal mit fremden Federn. Nur so wird man zur Edelfeder.

... hm? ... wooo-haaa-haaahaaa! ... nee, natürlich nicht. Ich bin ja nicht Helene Hegemann!

... äh, wo waren wir stehen geblieben? Ach so, die fremden Federn. Erblickt der Große Bloguator™ also auf der Webseite der FAZ einen Button namens "Ich schreibe wie...".

Der heißt nicht etwa "Wie schreibe ich?" oder "solln der scheiß?" und genau das macht einen ja auch neugierig. Flugs geklickt!

Im Folgenden wird man über diesen Teaser (so sagt man heute, wenn einer mit billigen Mitteln Spannung aufbaut) aufgeklärt:
"Ich schreibe wie...

Franz Kafka? Oder eher wie Ildiko von Kürthy, Ingeborg Bachmann, Maxim Biller? Oder schreibe ich wie Goethe?

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie Stil haben und wenn ja: welchen - dann gibt es jetzt endlich eine absolut sichere und unbestechliche Messmethode."
Aha. Das ist ja dann auch ganz schön. Leider leidet der Große Bloguator™ unter ausreichend Eitelkeit, um auf solche Angebote letztlich hereinzufallen. Es kommt, wie es kommen musste:
Und es fällt dem größten aller Bloguatoren wie Schuppen von den Haaren: Ich schreibe wie jemand, von dem ich noch nie in meinem Leben gehört habe und (!) dessen Namen ich noch nicht einmal unfallfrei aussprechen kann. Wooo-haaa-haaa! Erfolg! Erfolg!

Applaus - Verbeugung - rückwärts ab - Vorhang.




fun fact: Die Leute bei der FAZ nennen das hier oben abgedruckte Ergebnis übrigens "Zertifikat". Kein Wunder, dass einer wie der Guttenberg sich für einen Doktor halten musste.

20 Februar 2014

Der Unterschied zwischen Horrorfilm und Praxis

Hm, irgendwas stimmt nicht. Im Gesicht sehe ich aus wie ein Vampir, der gerade genüsslich ein Dutzend Passanten ausgetrunken und danach aus Langeweile noch ein paar Werwölfe zerlegt hat. Wer den Film Nosferatu kennt: Etwa so. Nur grausiger.

Aber in der gut besetzten S-Bahn nehmen die Leute mich nicht einmal wahr. Von Erschrecken ganz zu schweigen.

Seltsam, hatte ich anders erwartet. Was ist bloß mit denen los? Ich sehe wohl zu viele schlechte Filme. Oder das Publikum ist inzwischen für wirklich echten Horror einfach zu abgebrüht.

Tja.

 

 

 

 


vielleicht sollte ich zum Verständnis noch ergänzen: Ich bin inzwischen wieder auf freiem Fuß. Danke der Nachfrage!

17 Februar 2014

Intermezzo

Beim Inlinern eine Kollision mit dem Asphalt gehabt - Zähne gebrochen - Lippe gerissen - Krankenhaus - Kaffee mit dem Schnorchel. Puh.



immerhin, der Zimmernachbar - den Kiefer halb vernäht, mit Schiene, und ernährt sich seit einer Woche nur von Brühe - tut also das, was man vorwiegend im Krankenhaus tut: Warten. Er nutzt die Gelegenheit und liest doch tatsächlich Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit



Edith: siehe auch die Randbemerkungen in den Kommentaren


12 Februar 2014

Stimme

geh nicht in die gärten
geh in die straßen und tunnel!

     die stimme der pflanzen

Hm? Nee, weiß ich auch nich, hab ich ich heut nacht geträumt. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was das bedeutet.

Drumline

Beim Durchsehen der Archive dieses Blogs .... ach was, seht es Euch selbst an:


Ist schon wieder beinahe drei Jahre alt und lief damals anscheinend sogar im deutschen Fernsehen. Naja.

11 Februar 2014

Sichtweisen

Die Kollegin hingegen
hat ein Faible
für Stereotype:
Russen sind Machos.
Männer sind Schweine,
und zwar ausnahmslos immer, alle.

Frauen hingegen sind
aus ihrer Sicht
von Natur aus gut
und von innen heraus richtig.
 
Etwa so wie die beiden
Ellbogenfrauen, ihre Exkolleginnen,
die sie vor einiger Zeit dermaßen 
episch
aufs Kreuz gelegt haben
wie es ein
verbohrter männlicher Machomann
in zehntausend Jahren
nicht wagen würde.

Auch das fällt unter,
na sagen wir mal,
#aufschrei.

08 Februar 2014

macht

Fauli macht heut nix - nicht mal einen Blogpost!

...

...äääh...

...?!?

05 Februar 2014

'ümör

Der Große Bloguator™ ist weder bei Facebook noch bei Twitter - aus Gründen. Er liest dort aber zuweilen mit. Beispielsweise beim Fräulein Sushi Su @StereoSushisu:

04 Februar 2014

Büro

Hier ein Foto vom neuen Arbeitsplatz. Finde den Fehler:


Kurze Zeit später, nachdem das Gerät sich ein wenig an die neue Umgebung gewöhnt hat:


Jaja, schon gut, wenn man mit aller Gewalt Fehler sucht kann man natürlich auch an den Kartons im Hintergrund herummäklen...

Busfahrt

vorhin im bus
gegenüber die beiden
türkischen jungs
augenscheinlich ein
brüderpaar
von denen
einer aussieht
wie ein
filmstar
wie
alain delon etwa
als er noch
jung war
aber besser.

und im vergleich
der andere
jüngere
ein wenig weicher
wie einer
der dereinst einmal
ein überaus erfolgreicher
producer werden muss
oder regisseur
oder kameramann meinetwegen
aber ein erfolg- und trickreicher
-
nur weil er nicht
so unglaublich gut aussieht
wie sein Bruder
der wie alain delon aussieht
als er noch jung war
aber besser.

02 Februar 2014

reime in essen

Zufrieden
sprach der Herr
am siebten Tag der Schöpfung
mit Blick aufs Ruhrgebiet:
Essen ist fertig.

skandal!
man lässt mich
immer noch nicht
diese welt vermessen.
immer noch nicht!
was soll ich stattdessen
tun? fernsehen?
kannst du vergessen.
doch
ich kann unterdessen
ich kann
essen.

24 Januar 2014

Gewissen

Wenn ich mich über meine Kollegin ärgere, was immer wieder einmal vorkommt, habe ich eine sehr zuverlässige Methode. Das Imperium schlägt zurück!

Ich stelle irgendwelchen Süßkram in ihr Blickfeld, gut sichtbar auf den Tisch, Rumkugeln, fettige Kekse, Schokokram, Bonbons.

Dann kann sie nicht widerstehen, niemals, und stopft es so lange in sich rein, bis die Packung leer ist. Anschließend ist ihr schlecht und außerdem hat sie für den Rest des Tages ein schlechtes Gewissen. Ha! Erfolg!

Gewissen? Geht auch ohne.

22 Januar 2014

Spracheingabe

Spracheingabe goes Konkrete Poesie

Das ist ja blöd das
man keine Interpunktion einstellen kann
Absatz brandt
verdammt
Mittenwald
Gespannt
da bin ich ja jetzt gespannt
Bochum
Bochum
teil das mit der Spracherkennung funktioniert
sehr anständig
brandt
ständig Rand
ständig verdammt
Rufzeichen Spracheingabe

Spracheingabe Ende.

21 Januar 2014

Vision

Dass Der Große Bloguator™ außerdem ein großer Visionär¹ ist, müsste den regelmäßigen Besuchern dieser Internetpublikationsadresse ja längst bewusst sein. Dennoch soll diesmal auf eine absehbare Entwicklung hingewiesen werden, welche hier im Blog bereits vor sieben Jahren² vorhergesagt wurde:

Internet der Dinge: Kühlschrank verschickte Spam-Mails

Hinter dem Link findet sich der Bericht aus SpiegelOnline über die Programmierer von virengestützten Computernetzwerken. Kleine Programme, die sich automatisch verbreiten, überreden vernetzte Haushaltsgeräte zu schädlichem Verhalten. Das alles klingt so, als hätten die Programmierer diese Kurzgeschichte als Vorlage genommen:

Im Kühlschrank brennt noch Licht

Die Vorhersage ist inzwischen sieben Jahre alt. Wird ja auch so langsam Zeit, dass die Realität sich den Visionen und Vorstellungen des Großen Bloguators™ anpasst!

Folgerichtig kann es nicht mehr lange dauern, bis auch die Prognose aus der Heuschreckengeschichte endlich eintrifft. Nun ja.

 

 


¹"Wer Visionen hat soll zum Arzt gehen!" sagte damals ein sehr überschätzter deutscher Politik-Star

² wie drückt man “Ewigkeit” sinnvoll aus? In den gegenwärtigen Zeiten rasender digitaler Entwicklung wären das beispielsweise zwei Generationen von Betriebssystemen…

17 Januar 2014

Mutterschaft

Die Misanthropin ist hier bereits verlinkt. Nun widerfährt ihr gerade ein interessantes Schicksal: Sie ist 46, alleinerziehende Mutter eines sechzehnjährigen¹ Sohnes - und seit kurzem versehentlich schwanger.

Normalerweise schüttelt Der Große Bloguator™ über derartige Fehlleistungen nur verständnislos den Kopf, schon bei viel jüngeren Mädels. Aber da die Misanthropin die Schwangerschaft gelassen und mit Humor nimmt, ist es leicht, sich ihrer Sichtweise anzuschließen.

Sie hat ein separates Blog darüber eröffnet, wo sie mit der Abgeklärtheit eines erwachsenen Menschen darüber berichtet: Misanthropin geht Mutterschaft. Lehrreich *und* unterhaltsam: Hingehen!

 

 


¹ so ähnlich, oder?

16 Januar 2014

Stream of…

… inconsciousness

Erwähnte ich bereits, wie gut die Thermo-Kaffeekanne sauber geht, wenn man ein Spülmaschinen-Tab und heißes Wasser hinein gibt und über Nacht stehen lässt? Sehr befriedigend. Erwähnte ich es bereits?

Hm?

… ja, äh … oh, äh … ich erwähnte es bereits.

 


war ein Tipp vom Herrn Moss-dem-TeXie

13 Januar 2014

Meta

... eher so semi-meta. Aso: Semi-meta-Witz. Und los:


"Grammatik gelernt bei Yoda du hast?"

11 Januar 2014

Trauerfall

Meine Freunde hatten einen Kater, den ich mir manchmal leihen konnte. Gestern ist er gestorben. Im Katergeschäft war er *Der Größte*. Mit ihm drin war die Welt ein ganzes Stück heller und fühlte sich besser an. Ich werde ihn sehr vermissen. Ich vermisse ihn schon jetzt.

08 Januar 2014

Korruption, 2.

… der Pofalla und seine Korrumpel gehen mir nicht aus dem Kopf…


Die Einheiten auf dem Korruptionsindex haben bisher keinen Namen. Das ist doch schade. Ich schlage vor, dass wir die Einheit ab jetzt “Pofalla” nennen.

Das was sich in Griechenland oder Aserbeidschan abspielt, wäre demnach etwa 0,1Pofalla. Die bayrischen Amigos damals - erinnert sich überhaupt noch jemand? - hätten lausige 0,01 Pofalla geschafft, eigentlich nicht der Rede wert. Werte über 1,0 Pofalla haben in der langen Erdgeschichte nur die russischen Oligarchen erreicht, aber das ist ja jetzt vorbei, seit das russische Staatsvermögen unter zwei Dutzend Bürgern aufgeteilt wurde.

Zurück nach Deutschland in der Gegenwart: Man muss sich vor Augen halten, dass der Mann sich eine Stelle sichern will, wo er über 100.000€ im Monat bekommt. Und zwar jeden Monat. Deutlich mehr, als die meisten von uns im ganzen Jahr verdienen. Dafür braucht er aber auch kein Risiko zu tragen. Was soll denn schon schiefgehen, wenn man für eine so anspruchsvolle Aufgabe wie “Kontakte zur Politik” zuständig ist?

Nicht dass die anderen Kollegen im Bahn-Vorstand ein viel größeres Risiko tragen würden: Sie werden genauso üppig bezahlt, und das schlimmste, wirklich das aller-aller-schlimmste, was ihnen jemals zustoßen könnte, ist, dass sie sich einen Job bei einem anderen Unternehmen suchen müssen.

Natürlich ist das ein so haarsträubend unwahrscheinlicher Unglücksfall, dass er in der Praxis einen deutschen Vorstand niemals ereilt. Die Stelle, die sich der Pofalla hat schaffen lassen, reduziert dieses Risiko aber noch einmal um den Faktor zehn. "Verantwortung" heißt das im Management-Sprech der Gegenwart.

Für ein dermaßen kleines Risiko und angenehmen Lobbyismus in Sterneküchen bei Champagner und Kaviar auf Unternehmenskosten würden den meisten anderen Bundesbürgern vielleicht auch bereits 10.000€ im Monat genügen. Aber wenn man halt schon ein so hohes Niveau gewöhnt ist - das würde doch beinahe die Menschenwürde verletzen.

Insgesamt will es gar nicht richtig einleuchten, warum der Kommunikations-mit-der-Regierung-Beauftragte unbedingt zum Vorstand des Unternehmens gehören müsste - außer eben, dass er auf juristisch unangreifbare Weise außergewöhnlich viel Geld für seine angenehme Tätigkeit bekommen soll. Ich wiederhole: Geld. Um nichts anderes geht es dabei. Und deshalb ist es Korruption.

 

07 Januar 2014

Kette

Assoziationskette nämlich.

Kürzlich auf einem beliebigen Plakat gelesen, Werbung:
"Rote Mütze - weißer Bart!".
Hm. Klingt nach irgendeinem Pilz...
 
... was giftiges?

Ich bin mir sicher, die manipulativen Werbe-Idioten hätten eine andere Assoziation erwartet.


05 Januar 2014

Korruption

Vielleicht geht es ja nur darum, den Deutschen zu zeigen, wie Korruption wirklich aussieht. Wer Korruption erleben will muss nicht etwa weit entfernt in Pakistan, Zentralafrika oder einer der sprichwörtlichen Bananrepubliken suchen.

Wer Korruption hautnah erleben will, kann sich nun einfach die aktuelle Pofalla-Geschichte auf der Zunge zergehen lassen: Ein Bis-­vor-­kurzem-­noch-­Kanzleramts-­Chef, also jemand, der mit der *Staats*lenkung beschäftigt war¹, ergattert nach seiner Entlassung einen Posten bei einem *Staats*betrieb. Der Posten wurde ganz neu geschaffen, also mutmaßlich *extra für ihn*. Der Mann hat *keine Qualifikation* für die Stellenbeschreibung, er hat so etwas wie "strategische Planung" noch nie gemacht. Dabei soll er dort jährlich etwa *40-mal* so viel verdienen wie ein gewöhnlicher Arbeitnehmer auf einem Posten, für den er einigermaßen qualifiziert ist.

Besser kann man Korruption eigentlich gar nicht beschreiben. Oder Bananen­republik. Alles ganz legal.

An sich dachten wir, dass den Gipfel der Unverfrorenheit unser Ex-Kanzler Schröder erreicht hätte, als er uns und sein Herrschaftswissen an die Diktatoren-Klitsche aus Russland verkaufte, an GAZPROM. An sich dachten wir, dass niemand es je wieder wagen würde, diese Bestleistung anzugreifen. Aber anscheinend dient sie inzwischen nicht einfach als Zielmarke, sondern als Beweis und Gradmesser für die Stumpfheit des Wahlvolkes.

Nun ist es ja so, dass für so einen Vorgang wie die Pofalla-Sause irgendjemand die Verantwortung trägt. Das behaupten solche Leute jedenfalls immer, wenn sie ihre exorbitanten Gehälter rechtertigen wollen: Verantwortung. Da beabsichtigt also ein Unternehmen, wissentlich einen unqualifizierten Mitarbeiter einzustellen, der vorsätzlich massiv überbesoldet werden wird. Man kann die Namen überall nachlesen, und sie sollen deshalb nicht unerwähnt bleiben, einfach deshalb, damit niemand ihre Namen vergisst: Die Vorstandsmitglieder - und damit direkt Verantwortlichen für dieses Versagen - heißen Rüdiger Grube, Richard Lutz, Volker Kefer, Ulrich Weber, Gerd Becht und Heike Hanagarth.

Man kann sich fragen, andererseits , ob alles im Lande so ganz richtig funktioniert, wenn ein *Staats*konzern extra einen millionenschweren Posten für "Kontakte zur Politik" braucht. Das kann nur bedeuten, dass die Politik den Kontakt von sich aus nicht sucht. Oder vermeidet. Oder verhindert. Man kann sich außerdem fragen, ob der Staatskonzern ganz von allein auf die Idee mit dem Pofalla kam. Oder ob der Herr Pofalla bereits während seiner Arbeitszeit bei der Regierung seinen Einfluss geltend machte für den milionenschweren Abflug.

Der hier vorgestellte Vorstand sollte eigentlich von einem sogenannten Aufsichtsrat beaufsichtigt werden. Falls der Vorstand nicht wegen vorsätzlicher Korruption oder aber offensichtlicher Unfähigkeit fristlos entlassen wird, ist das ein Verdienst des *Aufsichts*rates: Utz-Hellmuth Felcht, Hans Bernhard Beus, Christoph Dänzer-Vanotti, Patrick Döring, Jürgen Großmann, Bernhard Heitzer, Jürgen Krumnow, Knut Löschke, Michael Odenwald, Heinrich Weiss

Auch dessen Mitglieder werden hier ausdrücklich erwähnt, nur damit man ihre Namen nicht vergisst und ihnen jedesmal, wenn sie sich in Zukunft wieder selbstgefällig in der Öffentlichkeit zeigen, laut zurufen kann: "Pofalla!"


¹ "beschäftigt hätte sein sollen": Tatsächlich hatte er anscheinend genug Zeit, sich neben seinem angeblichen Vollzeitjob im Kanzleramt noch in die Belange der Bahn einzumischen - wird jetzt vom Bahnvorstand nachgeschoben. Also was jetzt? Es gibt ja immerhin zwei Erklärungen und eine von beiden gilt: Hat er bisher seine bezahlte Arbeit nur so halb erledigt oder ist er für den neuen Posten unqualifiziert?

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