25 Juli 2007

Denny Dent - Painting

 
Das folgende solltet Ihr besser vollständig herunterladen und dann im Vollbildmodus ansehen (ins Bild klicken, bei Youtube landen, dort im Filmfenster der kleine Knopf rechts unten). Ordentliche Lautstärke ist auch hilfreich zum Verständnis - wenn die Nachbarn deswegen randalieren ist sie ungefähr richtig.


Ich habe den Ausschnitt vor ca. 20 Jahren beim Berliner Filmfest gesehen. Er bildet den Vorspann zur Dokumentation "Monterey 1968" der Pennebakers ("Woodstock") welche damals mit ca. 25 Jahren Verspätung uraufgeführt wurde. Dieser Vorspann wurde wahrscheinlich erst viel später gedreht, aber das macht ja nichts. Beachte besonders den Moment, wo das Kopftuch hinzukommt!

Dazu gehört noch ein zweiter Film namens "Otis plays Monterey" und beide sind völlig außerirdisch: Unbedingt ansehen!

Beim ersten treffen buchstäblich Welten aufeinander: Ein damals noch fast unbekannter aber schon ziemlich durchgedrehter Gitarrist tritt am späten Nachmittag auf einem Messegelände auf, wo anscheinend sonst hauptsächlich Schweine verkauft werden. So sieht es jedenfalls aus, das Gelände. Und das Publikum sieht so aus, als ob es das Messegelände bereits vom Schweinekauf kennt. Runde dicke Gesichter mit Westernhüten, jung und alt, männlich, weiblich, Kinder. Auf der Bühne fummelt ein Schwarzer mit einer rosa Federboa rum, stellt obszöne Gesten mit seiner Gitarre zur Schau, macht dabei infernalischen Radau und zündet zum Schluss die Gitarre an. Das Publikum steht mit offenem Mund davor und ist völlig versteinert. Groooßartig!

Naja, so hatte ich's in Erinnerung. Der Film sieht de facto ein wenig anders aus. Ist übrigens von 1986 - da wird eine kleine Gedächtnisschwäche doch erlaubt sein, oder? Vielleicht haben sie auch einfach ein paar Szenen für Youtube rausgeschnitten.

Bei "Otis plays Monterey" gehts um Otis Redding, der später abends seinen Auftritt hat. Er sieht ziemlich unbeholfen aus, ein riesiger kofferförmiger Kerl im Anzug, der in seinem Körper trotzdem nicht genug Platz hat für all seine Energie. Wau!
 

24 Juli 2007

Musik - 2 - 3 - 4 !

Wer James Brown mochte, wird vielleicht diese Version von SEX MACHINE ein wenig seltsam finden. Aber wer afrikanische Popmusik mag, ist von der very very unplugged version sicher angetan.

Besonders beachte: Das coole Bush-Harp-Solo und die Gogo-Boys.

STAFF BENDA BILILI ist anscheinend eine Band von behinderten kongolesischen Musikern aus Kinshasa. Ich höre heute zum ersten mal davon. Gefällt mir gut, dass aus dem bürgerkriegsgeplagten Kongo Musikclips behinderter Musiker den Weg zu Youtube und in die reichen Länder finden. Jetzt muss das Geld nur noch den Weg zurück finden.

23 Juli 2007

Fortsezzo


was wir noch vom Segeln lernen können

Segeln geht häufig mit Camping einher und mit Aufenthalt im Freien

Hängt man da so ahnungslos um den Frühstückstisch und versucht irgendwie wieder zu Bewusstsein zu kommen ... ach nee, es war abends, beim Grillen... also: Sitzt man so ahnungslos da und versucht möglichst zügig den Zustand des Bewusstseins zu verlassen, vermittels verschiedener Lösungsmittel. So lange das noch nicht gelungen ist, kann man sich seines mühsam errungenen kleinen Latinums erinnern und wirft hin & wieder ein unnötiges, aber kompliziertes Fremdwort in die unnötige und nicht sonderlich komplizierte Diskussion.

Dabei fühlt man sich prima und allen überlegen. Bis einer mit echtem Latein kommt. Und dann noch einer korrigiert, weil das nicht ganz zutreffend konju... dekli...? ... gebeugt war. Und sich im Zuge dessen herausstellt, dass fünf von sieben Leuten am Tisch das große Latinum haben. Nur dass sie diesen Umstand bisher nie der Erwähnung wert fanden. Dann fühlt man sich gar nicht mehr prima und ganz überlegen. Und hat noch einen Grund mehr, zu trinken.
 

Intermezzo

Sorry¹, ich war ein paar Tage weg. Zum Segeln, wie sich manch eine vielleicht schon dachte. Wir mussten unsere Deutsche Meisterschaft austragen. An einem See namens Dümmer, knapp 500km von hier.

Eigentlich wollte ich's noch ankündigen - aber dann kam was dazwischen: Mein Steuermann sagte mir ein halbe Stunde vor Abfahrt ab. Krank & so. Ich, alles gebucht, schon mit Gepäck in der Hand und Schuhe an. Das war der Typ, wegen dem ich überhaupt teilnehmen wollte, sonst wäre ich da gar nicht hingefahren. Weil sich aber die damit zusammenhängenden Vorhaben nicht so ohne weiteres stornieren ließen, musste ich trotzdem.

Bei so einer Meisterschaft muss man sich im Lauf eines Jahres qualifizieren und Anmeldeschluss ist ca. 4 Wochen vorher. Danach geht nix mehr. Für einen Segler ist so eine Aussicht sehr deprimierend, alle Anforderungen erfüllt haben und dann an Land stehen und zukucken müssen.


Alles andere klappte an diesem Tag auch nicht. Unterwegs auf der Autobahn wollte ich schon da reinklettern und bis zum Abend nicht mehr rauskommen. Meine Mitfahrer hielten mich davon ab, auch wegen der eigenen Gefahr wohl.

Am Dümmer angekommen war die Sache dann nicht mehr ganz so schlimm: Am ersten Tag hatte ich was anderes zu tun und habe ein Sonnensegel optimiert. Am zweiten Tag konnte sowieso nicht gesegelt werden. Am dritten Tag fiel ein anderer Mitsegler aus und ich kam doch noch zum Einsatz. Sehr schönes Wetter war da und Spaß gemacht hat's auch. So.


Dann kam noch ein vierter Tag, der war auch in Ordnung. Bis auf die abendliche Disco im Zelt des Veranstalters. Der DJ spielte die tausend todsichersten DJ-Kracher abwechselnd mit Udo-Jürgens-Medleys und unterbrochen von seinen furchtbaren Moderationen und Animationsversuchen. Es war entsetzlich. Meine Depressionen vom ersten Tag meldeten sich wieder zurück. Zum Glück hatten sie im Club Bier in ausreichender Menge.

Und jetzt bin ich wieder da. Fragen?


¹ wieso eigentlich sorry? Gibt es hier regelmäßige Leser die auf neue Beiträge warten?

16 Juli 2007

Wortspieler Leber


Schönes Schöneberg


Es gibt so Zusammenhänge, wo sich anscheinend wirklich jeder Teilnehmer zu einem blöden Wortspiel aufgefordert fühlt.

Friseure zum Beispiel bei der Namensgebung ihres eigenen Frisiersalons. Wahrscheinlich sind zu keinem Thema im deutschen Sprachraum mehr blöde Wortspiele gemacht worden als zum Thema Frisiersalonnamen.¹

Klar, jeder macht blöde Wortspiele - und ihre Penetranz wird einem erst bewusst, wenn man mit einigen Jahren Abstand zufällig über die eigenen stolpert.

Im schönen Schöneberg gibt es eine Leberstraße.
Und was der Salon für die Friseure, ist die Leberstraße für die Kneipenwirte: Sie suchen verzweifelt fantasievoll nach witzigen Namen für die Kneipen in der Leberstraße: Leberstübchen, Leberfleck, Lebe(r)nslang, sogar Lebertran.

Nur auf den naheliegendsten Namen ist im sozial schwachen Kiez anscheinend keiner dieser Witzbolde bisher gekommen: Leberzirrhose.

Na?

Mensch: Leberzirrhose! Für eine Kneipe! Wäre das denn nicht echt superlustig?!?




¹ was ich allerdings bisher WIRKLICH NIRGENDS gesehen habe war - tataaa! - Kammshot!

...uah, ich gebe zu, der war grenzwertig...

 

15 Juli 2007

Nietzsche


Was wir vom Segeln sonst noch für das richtige Leben lernen können

Nietzsche!

Der Nietzsche Friedrich war ja wohl kein aktiver Segler. Sonst hätten er und Zarathustras Weiblein sicher anders gereimt:

Gehst du zum weißen Sport - vergiss die Seife nicht!

Was wir nämlich schmerzhaft lernen: Der weiße Sport ist eigentlich schwarz. Wie so vieles im Leben.



für die Laienleser:

Boote liegen fast immer im Freien und stauben dort schwer ein. Wenn man das Boot nur einmal anfasst, ist man selbst ebenfalls schwarz. Ganz abgesehen von Diesel-Zugfahrzeugen, die alles hinten am Haken ordentlich einrußen. Siehe in diesem Zusammenhang auch den Schmuddelkinder-Blues.

Und Nietzsche liest man besser woanders als in diesem Blog.

14 Juli 2007

8 Dinge über mich


...weil Frau Nephilim einfach keine Ruhe geben will...


Na gut, dann sage ich jetzt eben 8 Dinge über mich:


Ich bin größer als breit.   (1)

Ich bin größer als breit.   (2)

Ich bin größer als breit.   (3)

Ich bin größer als breit.   (4)

Ich bin größer als breit.   (5)

Ich bin größer als breit.   (6)

Ich bin größer als breit.   (7)

Ich bin größer als breit.   (8)


Na bitte! 8 Dinge über mich! War gar nich schwer!




(1) äußerlich jedenfalls.

(2)
innerlich sieht es zuweilen anders aus.

(3)
was ist wohl damit gemeint, wenn einer sagt: Innerlich sei er öfter breit als groß, oder so?

(4)
na?

(5)
genau: Ein Wortspiel etwa, über das Breitsein im Sinne von Übergewicht - aber auch Trunkenheit.

(6)
und über den Doppelsinn von Größe: Im Sinn von körperlicher Höhe - oder aber sozialer Bedeutung. Wichtigsein.

(7)
immer angenommen, dass man wenigstens das ICH bereits für sich definiert hat.

(8)
ist nur da, um die 8-Punkte-Liste zu vervollständigen.

13 Juli 2007

Geiz - eine Geschichte für sich


oder: Hundertundzwei Gründe, warum
ich eine Rechnung nicht bezahlen muss


Manchmal hat man Kundschaft - das kann einfach nur schief gehen. Manche Leute trennen sich eben schwer vom Geld. Und einige wirklich seeeeeeeeeeehr schwer. Der Autor dieser Zeilen, der als Auftragnehmer auch irgendwie vom Geld fremder Leute lebt, tröstet sich dann immer mit der Einsicht "Diese Leute hätten die Kohle nicht, wenn sie nicht so wären": So gnadenlos geizig zum Beispiel. Wobei auch Geiz noch eine schmeichelhafte Beschreibung für versuchten Betrug ist.

Der kaufmännische Laie kommt ja von selbst gar nicht auf die Idee, eine Rechnung vielleicht nicht zu bezahlen. Im Gewerbe ist es aber häufig so, dass zuerst eine Leistung erbracht, dann eine Rechnung dafür erstellt und dann diese Rechnung bezahlt wird. Das ist der Ablauf, der wünschenswerte.

Gestern war wieder einer dieser Tage: Der Kunde war schon länger verdächtig. Nein, das ist falsch: Der Kunde war schon länger bekannt als anstrengender Mensch in der oben beschriebenen Weise. Auftraggeber einer Maßnahme, bei der sogar der Autor dieser Zeilen sich allmählich in Gefahr sah, zum Beihelfer zu werden.

Und es begab sich zu der Zeit, da zwei Rechnungen noch nicht beglichen waren: Die eine seit drei Monaten, die andere seit sage und schreibe einem (sic!!!) Jahr.

Dahinter steckt die Erfahrung, dass es bei manchen Menschen besonderer Überredungskunst bedarf, damit sie ihren Verpflichtungen nachkommen. Die am besten geeignete Methode ist bekannt als "Russeninkasso", steht aber leider nicht jedem offen. Die zweitbeste Methode ... eigentlich gibt es außer dieser keine zweitbeste Methode, so schwer trennen sie sich vom Geld.

Aber wenn man etwas zu tauschen hat, das ihnen nur wertvoll genug erscheint, versuchen sie, auch das noch zu bekommen. So eine Gelegenheit ergab sich kürzlich: Das begonnene Unternehmen kommt mit Sicherheit zum Stillstand, wenn - ja, wenn der Autor dieser Zeilen nicht noch einige Handschläge unternimmt. Und das schöne schöne Geld, das bisher ausgegeben wurde, wäre womöglich zwar nicht ganz unnütz ausgegeben - aber es könnte noch viel schöner und nutzbringender genutzt werden.

Dafür müsste sich der Auftraggeber allerdings dazu durchringen, die besagten Rechnungen seines Auftragnehmers (= dieser Autor hier) zu begleichen. Sie bewegen sich verglichen mit dem von ihm behaupteten Monatsumsatz, etwa in der Größe von einem dreißigstel. Also etwas weniger als der Durschnittsbürger für seine Telefonrechnung ausgibt.

Jedem unbedarften Zeitgenossen würde dies als lohnendes Geschäft erscheinen - nicht aber der hier beschriebenen Spezies. Für die geht es ums Prinzip. Letztlich aber auch um eine rationale Rechnung: Warum soll ich Leute für ihre Arbeit bezahlen, wenn ich das Geld vielleicht einfach behalten könnte?

Im vorliegenden Fall hat der Auftraggeber eine besondere Überredungstechnik: Man muss damit rechnen, dass man als Auftragnehmer plötzlich selbst zum Schuldner erklärt wird, mit einer Klage überzogen und dass sich alle Verhältnisse bis hin zur Schwerkraft irgendwie umzukehren scheinen. Jedenfalls ist das das Gefühl, das er zu vermitteln versucht.

Kurz gesagt: Man arbeitet für ihn - und danach schuldet man ihm Geld.

Wenn man allerdings etwas wirklich wertvolles zu bieten hat, entspinnt sich immerhin ein Dialog, eine Art Verhandlung - die nur leider sehr anstrengend ist. Der gestrige zum Beispiel in drei Telefongesprächen von dreiviertelstündiger Länge, in denen man rhetorisch durchgewalkt wird - der Auftraggeber setzt auf die Technik des *Ohrabkauens* und hat sie zur Perfektion entwickelt. Wahrscheinlich geben viele Leute nach, nur damit sie nach zwei Stunden Geschwafel endlich ihre Ruhe haben und sind bereit, dafür auf eine nicht unerhebliche Summe zu verzichten.

Der Autor dieser Zeilen sieht solche Vorgänge allerdings auch sportlich und sah sich zu einem aggressiven Ausfall genötigt: "Wenn sie ihre Rechnungen nicht bezahlen, kann ich leider nicht weiter für sie arbeiten."

In den nächsten Stunden bekam er das gesamte Spektrum der Gründe zu hören, warum man eine Rechnung vielleicht nicht bezahlen müsste. Das ganze in der hypnotischen Art endlos repetierender Wiederholungen:

"Ja, hallo? Ach sie sind das! Gut dass sie anrufen - da sind noch zwei Rechnungen offen..."
"Sie müssen das bearbeiten!"
"Nein, zuerst müssen sie zahlen."
"Sie haben die Rechnung viel zu spät gestellt!"
"Zahlen sie."
"Sie wollen mich erpressen!"
"Zahlen sie."
"Ich lasse mich nicht verarschen!"
"Zahlen sie."
"Sehen sie es doch mal so..."
"Zahlen sie."
"Sie sind so ein netter Mensch..."
"Zahlen sie."
"Die Rechnung ist viel zu hoch..."
"Zahlen sie."
"Ich zahle die kleinere der Rechnungen..."
"Nein, alles."
"Ich zahle ihnen die Hälfte."
"Nein, alles."
"Sie wollen also auf mein Vergleichsangebot nicht eingehen?"
"Zahlen sie."
"Die andere Rechnung war viel billiger!"
"Zahlen sie."
"Sehen sie sich ihre Rechnung noch einmal an, da sind bestimmt irgendwo Fehler drin!"
"Zahlen sie."
"Es ist ihre Pflicht!"
"Zahlen sie."
"Wenn ich Erfolg habe, zahle ich das doppelte!"
"Nein, jetzt."
"Das habe ich schon sofort nach der ersten Rechnung gesagt!"
"Zahlen sie."
"Ich werde sie sonst in Regress nehmen!"
"Zahlen sie."
"Ihre Arbeit war bestimmt fehlerhaft!"
"Zahlen sie."
"Wenn ich verliere, sind sie dran!"
"Zahlen sie."
"Sie sind im Unrecht!"
"Zahlen sie."
"Sehen sie es doch einmal so..."
"Zahlen sie."
"Ich habe sie nur genommen, weil sie so ein netter Mensch sind..."
"Zahlen sie."
"Ich bin sehr enttäuscht von ihnen!"
"Das sind viele, die meine Rechnungen bezahlen sollen."


Was hier nicht deutlich beschrieben werden kann ist, dass jedes Argument dieses zweifelhaften Kunden widerlegt sein will. Jedes einzelne. Allerdings läßt er vom jeweiligen Argument erst ab, wenn man ihm die - zutreffende - Gegenposition in drei verschiedenen Formulierungen dargelegt hat.
Das alles übt ungemein - aber es ist wirklich sehr anstrengend.
 

12 Juli 2007

Unfall


unheimliche Beobachtung

Tagtäglich ist man auf der Straße. Wer von Euch hat schon mal einen Unfall gesehen? Auto~ meine ich. Hier in Berlin rummst es ja andauernd. Meistens kleinste Blechschäden, da man wegen der vielen Ampeln sowieso nicht sehr schnell fahren kann.

Mit einer gewissen Anzahl von Lebensjahren hat man also den einen oder anderen Unfall gesehen. Oder sogar an einem teilgenommen - aber davon soll heute keine Rede sein.

Auffällig ist das Verhalten der Unfallbeteiligten. Normalerweise ist der deutsche Autofahrer ja auf Zucht & Ordnung bedacht. Aber nach einer Kollision ist er empört über die Ungerechtigkeit der Welt. Jedenfalls meint er, dass in diesem Ausnahmefall selbst das Gesetz der Schwerkraft für ihn nicht mehr gelten dürfe.

Wenn es gekracht hat - oder sagen wir zutreffender: Wenn es eine außerplanmäßige Berührung zwischen Kraftfahrzeugen gab - drehen die Leute durch: Sie stellen ihre Karre schräg in den Gegenverkehr oder blockieren sämtliche Einfahrten zur Kreuzung oder parken auf dem Gehweg so, dass man nicht einmal zu Fuß außen rum kommt.

Und dann rennen sie panisch auf und ab und telefonieren hektisch mit Gott & der Welt als gälte es, sich per Handy aus diesem Leben zu verabschieden und mit dem Herrn im Himmel schon mal einen Termin abzustimmen.

(das beschreibt schon die Größe des Unfalls: Sie können 1. ihr Auto überhaupt verlassen und 2. auch noch ganz gut laufen)

Wenn sie eine Pappkamera aus dem 1-€-Shop haben, verknipsen sie den ganzen Film und wenn sie auch noch Kreide dabei haben, malen sie im dichtesten Verkehr auf der Straße herum. Sofern sie den Verkehr auf der vierspurigen Straße nicht durch ihr Verhalten ohnehin völlig zum Erliegen gebracht haben.

Das alles als Beweissicherung für den 2.000,-€-Kratzer an ihrem in der Farbe des Wagenlenkers lackierten Stoßfänger.

Ein Autofahrer nach einer einfachen Berührung ist hilfloser als ein Säugling, oder wie ein Roboter ohne Funkkontakt zur Basis.

Den Versicherungen ist das herzlich egal. Die regeln den Schaden unter sich nach Gutdünken und "freiem Ermessen" (=Willkür) der subalternen Hofschranzen untergeordneten Sachbearbeiter. Der Versicherte erfährt erst mit der nächsten Rechnung vom Wegfall seines Schadensfreiheitsrabattes und der Verdreifachung seiner Prämie. Dann ist die Widerspruchsfrist aber schon abgelaufen.

Ich frage mich, was so eine Kollision für den betroffenen Autofahrer bedeutet: Ein wenig Ausnahmezustand und ein kleines bisschen Freiheit, das es sofort zu nutzen gilt? Oder die Chance, als Profi-Unfallabwickler cool zu wirken und ganz groß rauszukommen?

Während sich also die Unfallbeteiligten kindisch und schlicht dämlich anstellen, gelten für alle anderen die Gesetze der Straße weiter. Für sie steigt die Chance, ungebremst in die liebevoll arrangierte Beweissicherungsszene zu krachen.
 

10 Juli 2007

Kartoffelkanone


Verschärfter Unfug
Beim Betrachten des folgenden Films musste ich vor mir zugeben, was ich doch für ein Spießer bin. Mist eigentlich. Dachte ich doch immer, ich sei für so manchen Unfug zu haben.

Dabei macht das Schießen mit der Kanone bestimmt Spaß. Ein Gerät selbst zu bauen, das dann funktioniert und Kraft entfaltet ist eine sehr befriedigende Sache. Eigentlich.



Also: Mich würden schon die Glasscherben im Garten stören, die von der zerschossenen Scheibe stammen - jetzt kann man da leider nicht mehr barfuß gehen. Gut, kann man schon, nur nicht ohne zerschnittene Füße.

Ich könnte auch nicht auf Nachbarhäuser schießen, weil ich Angst hätte, dass da eine Scheibe kaputt geht, oder ein Auto, oder ein Hausdach, oder ein Haustier. Eine Kartoffel, die aus 200m Höhe auf ein Dach fällt, durchschlägt wahrscheinlich auch die Dachziegel. Oder die Decke.

Die Beulen, die man damit in Autos macht, können ganz erheblich teuer werden. Oder ein Fahrer verreißt vor Schreck das Lenkrad und brettert irgendwo dagegen.

Ich würde damit eigentlich überhaupt nicht in bewohnten Gebieten herumballern, weil die Chance, Mensch und Tier zu treffen, doch relativ groß ist. Oder?

So kleinliche Einwände kümmern diesen debilen Typen da anscheinend gar nicht. Dabei sieht der ganz harmlos aus. DER ist äußerlich auch erwachsen, der darf sogar Auto fahren. Der hat die technischen Fähigkeiten eines Erwachsenen, aber hat das Verantwortungsbewusstsein eines Dreijährigen. Tja. Wie groß ist eigentlich die Chance, dass so ein Idiot auch in meiner Nähe wohnt?


Solche Leute gewinnen gern beim Darwin-Award. Zu recht.
 

09 Juli 2007

Stöckchensache


Frau Nephilim wirft ein Stöckchen und
der <°((( ~~< hat Schwierigkeiten beim Ausfüllen

* Jeder Spieler, jede Spielerin beschreibt acht Dinge von sich.
* Wer das Stöckchen zugeworfen kriegt, schreibt das alles in seinen Blog rein, mitsamt den Regeln.
* Nun überlegt man sich, an welche acht Personen resp. Blogs man das Stöckchen weiter reicht.
* Schlussendlich schreibt man bei den Betreffenden einen entsprechenden Beitrag/Kommentar in den Blog.



8 Dinge über mich?

Hm. Keine Ahnung. Ich weiß keine 8 Dinge über mich. Ich glaube, es gibt gar keine 8 Dinge über mich zu sagen.

Warum denn gerade 8? Ist das ein neuer Voodoo-Kult, der sich um die 8 dreht?

8tung 8bar n8 tr8 sch8 verl8 und s8e habe ich ged8.

Ist 8 der Fortsetzungskrimi zu Sieben?

Ich bin nicht abergläubisch. Nicht sehr. Es gibt doch einen Haufen bedeutungsvollere Zahlen: Die Dreizehn. Die Sieben. Die Fünf. Die Sechs. Die Neun. Die Drei! Und obwohl nicht so ein Kult darum gemacht wird und sie selten erwähnt werden, sind die Null und die Zehn sehr wichtig und bedeutend!

Ich glaube, die Acht ist die unbedeutendste Zahl™ des ganzen Dezimalsystems. Außer vielleicht der Zwei. Aber selbst die Zwei braucht man, um gerade Zahlen zu definieren. Die 8 stört da eher.

Wenn wir in einem Duodezimalsystem lebten, dann würde die 8 vielleicht was hermachen. Oder, noch viel mehr in einem Binärsystem! Aber so?

Ein liegende 8 wäre doch viel interessanter.
 

Zwangsvorstellung, extended Version

 
Eine gute Bekannte hat Medizin studiert. Aber anscheinend nur, um sich in jeder alltäglichen Situation immer neue Krankheiten, Infektionen und Unfälle auszumalen. Damit hat sie jetzt endlich, nach zigjährigem Studium, sozusagen wissenschaftlich fundierte Zwangsvorstellungen.

Gruselig. Ich weiß nicht, wie sie mit sowas überhaupt schlafen kann. Gestern sah ich in einer Zeitschrift ein Inserat: "Es gibt 39 Arten von Kopfschmerzen." Der Satz könnte von ihr sein.
 

07 Juli 2007

Funktelefonie, die 13.

 
ICH habe das Handy ja nur, um im Supermarkt an der Kasse Anrufe entgegen zu nehmen.

Andere benutzen es, um auf dem Heimweg in der U-Bahn mit dem Partner, den sie gleich treffen werden, lautstark das abendliche Fernsehprogramm abzustimmen.

Aber kürzlich konnte ich endlich sehen, wie sinnvoll die Funktelefonie in einem akuten Notfall ist: Im Waschsalon ließ sich eine übergewichtige junge Frau von irgendwem, der nicht anwesend war und die Geräte daher auch nicht sehen konnte, per Handy die Funktionsweise der Waschmaschine erklären.

Diese Geräte sind tatsächlich ziemlich kompliziert. ICH könnte das noch nicht mal, wenn ich direkt davor stehe.
 

06 Juli 2007

Erdkunde

 
Denken Sie jetzt bitte zehn Minuten über Zivilisation nach!


Dieses schöne Foto stellt einen Bahnhof dar. Das ist offensichtlich.

Und wo liegt der wohl?

In einer verlassenen Stadt im tschernobylischen Katastrophengebiet der mittleren Ukraine.

Richtig: Nicht. Sondern.


Nämlich im Zentrum des wohlhabendsten Bezirkes der zentralen Hauptstadt des drittreichsten Landes der Erde. Es handelt sich um den S-Bahnhof Zehlendorf, Berlin.


Edith, etwas später: NACHTRAG - POINTE - LEHRSATZ

Und was will uns der Autor damit sagen? Was also lernen wir daraus?

1. Wie die Bilder doch täuschen können.
2. Der Autor lehnt den gepflegten Verfall keineswegs ab - ganz im Gegentum! Er wünschte nur, dieser gepflegte Verfall wäre zugänglicher. Im Sinne von: Betretbarer. Schließlich wohnt der starken Patina doch ebenso starke Stimmung inne, Melancholie, Romantik. Oder so.

Das will der Autor damit sagen.
 

Segelmacher


Was kann man noch alles vom Segeln lernen?

Architekten haben einen zweifelhaften Ruf: Ihnen wird gern unterstellt, dass sie sich alle für Künstler halten - ohne wirklich welche zu sein. Das hat einen wahren Kern: Architektenarbeit ist fast immer Auftragsarbeit. Und Auftragskunst ist eigentlich immer kacke.

Merke: Auftrag und Kunst schließen sich gegenseitig aus! (sonst entsteht allenfalls Kunsthandwerk)

Leider ist dieser Widerspruch vielen Architekten gar nicht so klar. Instinktiv versuchen sie, die Wünsche des Bauherrn zu umgehen, aber trotzdem sein Geld zu bekommen. Wenn das auf Dauer nicht klappt, sind sie beleidigt.

ABER! Wer dieses Verhalten schon für abwegig oder doch irgendwie inkonsequent hält, hat noch nie mit einem Segelmacher gearbeitet. Für gutes Geld von einem Segelmacher das zu bekommen, was man möchte, ist etwa zehnmal schwieriger als von einem Architekten. Warum das so sein muss, lässt sich nicht erklären.



Könnt Ihr Euch nicht vorstellen? Glaubt Ihr nicht?

Man geht zum Segelmacher und hat einen bestimmten Wunsch, aber leider...

...will man eine bestimmte Naht, kann er das nicht - obwohl das Segel davor und das danach genau so vernäht werden.

...will man einen bestimmten Umriss, eine bestimmte Geometrie, bekommt man die nicht - weil sie seiner Meinung nach nicht funktioniert.

...wenn man ein bestimmtes Profil bestellt hat, beteuert der Segelmacher, dass er genau das gemacht hat - bis man nachgemessen hat (was sehr kompliziert ist) und beweisen kann, dass es anders ist.

...will man ein bestimmtes Tuch, bekommt man garantiert ein anderes, weil gerade dieses leider zur Zeit nicht lieferbar ist - egal, welchen Zeitraum man für "zur Zeit" einsetzt.

...wenn man einfach nur "dasselbe wie beim letzten Mal" bestellt hat, weil man damit sehr zufrieden war, bekommt man garantiert was anderes. Sagt man das dem Segelmacher, schwört er Stein und Bein, dass es garantiert dasselbe Segel ist, schließlich würden ja alle Tuchbahnen vom Computer millimetergenau zugeschnitten. Aber man merkt, dass das Segel anders fährt als davor - nur beweisen kann man's schlecht.

Viele Segelmacher können aber ganz hervorragende Segel schneidern - wenn sie gerade Lust dazu haben. Es ist nur ungeheuer schwer, sie zu motivieren.

Der Unterschied zu den Architekten ist eigentlich nur der: Segelmacher halten sich nicht für Künstler.
Oder vielleicht doch?
 

Discount

 
Wer erklärt mir nochmal die Marketingtaktik der Discounter? Nur damit ich es auch endlich verstehe...

Also: Hier an der Kurve der Kreuzbergstraße liegt ein ALDI direkt neben einem LIDL-Supermarkt, die Billig-Discounter teilen sich das Grundstück und die Zufahrt. Ich meine: Die sind wirklich und körperlich und ganz in echt Nachbarn. Die könnten noch nicht mal über einen Zaun streiten, so dicht liegen sie beieinander.

Jetzt baut LIDL einen neuen Markt in Sichtweite davon, mögen vielleicht 600m Luftlinie sein.

Die Architektur ist erbärmlich, wie bei allen diesen Läden, dafür geben sie nun wirklich kein Geld aus: Das moderne Äquivalent der 08/15-Scheune, nur haltbarer und auf dem Niveau von Baumarkt-Ästhetik.

Schräg gegenüber von dem LIDL-Neubau liegt ALDI.

Wer erklärt mir das nochmal...?
 

04 Juli 2007

Viel hilft viel!

: : : Segeln : : : Trivia : : :


In Anknüpfung an den freudlosen Vortrag von vorgestern

Viel hilft viel!

Trivial, nicht? Jeder erwachsene Mensch weiß doch, dass das nicht stimmt. Oder? Jedem ist doch schon mal aufgefallen, dass das immer nur ironisch gemeint ist. Etwa nicht?

Trotzdem wird es aber immer und immer und immer wieder versucht. Irgendwas will nicht funktionieren, und die Leute versuchen es immer heftiger, wütender. Aber immer auf dieselbe Weise: Viel hilft viel, das ist dem Menschen¹ anscheinend fest ins Rückenmark graviert. Und je energischer sie es versuchen, desto mehr verlieren sie die Übersicht, desto mehr kommt ihnen jede Einsicht abhanden.

Warum nun soll man da was vom Segeln lernen können?

Naja, beim Segeln geht es normalerweise um nicht sehr viel, jedenfalls kaum jemals lebenswichtiges. Immer vorausgesetzt, dass den Leuten ein wenig Erfolg im Breitensport nicht lebenswichtig erscheint. Trotzdem benehmen sie sich oft so. (na gut, das geschieht vielleicht auch beim Fußball. Gegenüber Fußballern hab ich meine Vorurteile, die mir bitte niemand beschädigen soll)

Beim Segeln kommt man häufig in eine verfahrene Situation. Und je mehr man sich anstrengt, desto weiter fällt man zurück. Je konzentrierter man ist, desto erfolgloser. Je aufmerksamer, desto langsamer. DAS NERVT! Und gerade dann gilt die Weisheit: "STRESS MACHT LANGSAM!"

Aber: Weil das Segeln so lange dauert, hat man mehr Zeit für eine Entscheidung. Wenn man das Dilemma einmal erkannt hat, kann man sich die Sache noch einmal in Ruhe ansehen und die Taktik ändern. Naja, hätte - könnte. Das Erkennen ist nämlich gerade das Problem, jedenfalls im Wettkampf. Da will man nur eins: Schneller sein als die anderen. Nicht etwa: Erkennen.

Der andere Vorzug beim Regattasegeln: Man hat einen echten Vergleich. Am Ende steht eine Zahl, und die sagt, ob man gewonnen hat oder nicht.²

Grade im Segeln hilft VIEL VON ALLEM gar nichts. Man hat es immer mit zwei Dutzend Parametern zu tun, das ergibt ein sehr komplexes System. Und es kommt dabei nur auf die richtige Abstimmung an. Jeden Parameter einfach auf Anschlag zu setzen ist so kindisch, wie es klingt. Wird aber regelmäßig versucht.

Einfaches Beispiel: Der Weg nach Luv - das ist die Entfernung, die man genau gegen die Windrichtung zurücklegt. Weil man nicht genau gegen den Wind segeln kann, kreuzt man, fährt schräg zum Wind im Zickzack. Aber je höher das Boot zum Wind fährt, desto langsamer wird es. Je voller man fährt, desto schneller fährt es durchs Wasser. Der "schnellste Weg nach Luv" ist meist weder das eine noch das andere Extrem. Wenn man die Nase vom Boot zu hoch dreht, bleibt es stehen, wenn man rasend schnell fährt, bewegt man sich nicht mehr gegen den Wind und kommt also auch nicht ans Ziel.

Für die hier beschriebene Aufgabe hat der Mensch keine natürlichen Rezeptoren. Er kann wohl sehen, wo der Wind herkommt, und er kann spüren, wann das Boot am schnellsten durchs Wasser rauscht. Aber die Addition der beiden Parameter muss man lernen. Vor allem muss man lernen, dass man das lernen muss.

Alles klar?

Der Vorteil am Segeln: Man kann immer wieder von vorne anfangen, man kann diese knifflige Situation viel öfter durchprobieren als im richtigen Leben. Sowas übt. Behaupte ich hier.

Zurück zum richtigen Leben: Da ist VIEL HILFT VIEL genauso oft falsch. Wer viel arbeitet, hat wenig Freizeit, oder wenig Familienleben. Wer sich viel Freizeit gönnt, kommt bei der Arbeit nicht voran ... oder geht seiner Familie auf den Nerv... aaah, nee, das ist zu trivial... oder nochmal die Heimwerker: Manche glauben, dass man nur sehr viel Geld für tolles Werkzeug und bestes Material ausgeben muss und dann macht sich die Arbeit fast von allein. Stimmt natürlich nur dann, wenn man außerdem noch Ahnung von der Sache hat.

Vielleicht einfach so: Der Volksmund sagt über das Anziehen von Schrauben "Nach fest kommt ganz fest. Und nach ganz fest kommt ganz lose." So einfach hätte ich das auch viel früher formulieren können.


¹ oder ist das ein rein männliches Problem - und Frauen haben ganz andere Sorgen?
² gibt natürlich immer wieder Strategen, die einem genau erklären können, warum sie gerade heute zufällig wieder nicht gewonnen haben. Und andere, die einem genau erklären können, warum sie ganz bestimmt gewinnen würden - die dann aber nie an einem Wettkampf teilnehmen.

Jubeleium

 
Ah, heute gibt es dieses Blog genau ein Jahr.

Und? Was haben wir in dieser Zeit gelernt?
Genau: Nichts.

Jedenfalls nichts richtiges: Das Design 28 mal geändert, jeden zweiten Beitrag noch drei mal editiert und korrigiert. Aber sonst keinen Plan für diese regelmäßige kleine elektronische Publikation.

Und? Hat es uns Spaß gemacht?
Mir schon. IHR müsst das ja nur lesen...

Prost! Prost! Prost!

Hipps...
 

03 Juli 2007

Segeln und Leben


Was man alles vom Segeln für das richtige Leben lernen kann?

Man kann zum Beispiel lernen:
Extreme Lösungen führen nur selten zum Erfolg.
Wirklich sehr selten. Fast schon extrem selten.
Extreme Versuche kommen im Segeln häufig vor und sehen etwa so aus: Weil jedes Gramm beim Segeln immer neu in Bewegung gesetzt werden muss, stört jedes Gewicht. Also versucht man, alles besonders leicht zu bauen.

Immer wieder kommt einer auf die Idee, extrem leicht zu bauen, immer kleiner, feiner, dünner zu dimensionieren. So ein Teil bricht ziemlich bald, wenn die tatsächlichen Umstände von den wünschenswerten abweichen. Oder es ist so klein, dass man es nicht mehr mit der Hand halten und bedienen kann, selbst wenn es denn stabil genug ist (kennt jeder als "Das Handyphänomen").

Das heißt: Es gilt zu erkennen, dass nicht nur ein einzelner Faktor das Tun bestimmt, sondern eine ganze Reihe, die sich teilweise gegenseitig ausschließen - außer dem Gewicht auch Festigkeit, Handhabung und so weiter.

<wir schalten kurz um ins richtige Leben>

So funktioniert beispielsweise Baumärkte-Marketing:
Die Optimierung irgendeines einzelnen Faktors wird vor dem Laien immer als kollossale Verbesserung des Bauwesens insgesamt dargestellt (Stichwort: Eierlegende Wollmilchsau). Irgendwas ist angeblich besonders leicht, einfach, schonend ... nur dass dem Laien nicht gesagt wird, dass er die Sachkenntnis dafür einfach nicht hat... und dass dem Produkt alle anderen positiven Eigenschaften vergleichbarer Baustoffe dafür völlig fehlen (kann man einem Laien ohne Sachkenntnis natürlich leichter erzählen).

<richtiges Leben off>



Oder: Man kann ja nicht genau gegen den Wind segeln, sondern muss im Zickzack "kreuzen". Dabei ist es im Rennen selten eine gute Idee, ganz extrem auf eine Seite des Kurses zu setzen. Die Konkurrenz weiß meist schon auch, was sie tut. Der extreme Weg ist meist ein extremer Schuss in den Ofen.

Reine Verzweiflung ist kein guter Ratgeber. Wenn doch mal jemand damit einen Vorteil erreicht, handelt es sich um einen großen Könner. Es ist nämlich so, dass ein großer Könner zuweilen sieht, dass eine Extremlösung zum Erfolg führen kann - aber man wird umgekehrt kein großer Könner, nur weil man immer wieder in Extreme verfällt.

Fazit:
Im Segeln besteht der Weg zum Erfolg in der Regel darin, das zu tun, was alle tun, nur mit mehr Ausdauer, mehr Konzentration, aber vor allem mit mehr Durchblick. Das scheint mir im richtigen Leben ganz ähnlich.

02 Juli 2007

Chronik der Kürbiskriege

 
Die Nachbarn

Die Lammfleischrotat'l hatten sich diesen Namen selbst gegeben. Er beruhte auf einer Opferzeremonie für ihren obersten Gott, Den Großen Ozelot. Ihm wurde regelmäßig Lammfleisch geopfert.

Weil Der Große Ozelot bei genauer Betrachtung aber gar nicht so groß war, schnitten sie das Lammfleisch klein. Im Trance-Ritual steckten sie die Fleischschnipsel unter fortwährendem monotonem Singsang in Schichten auf einen Spieß und rösteten sie über dem Feuer.
Die Frau des Häuptlings buk dazu das „Heilige Brot", der Schamane segnete es.

Der Häuptling schnitt Fleisch von dem Spieß herunter und füllte es in Brottaschen. Dort waren vorher schon die „Zeichen des vitalen Lebens" hinein gegeben worden - Kräuter und Gemüse aus der Umgebung - Der Große Ozelot sollte sich nicht einseitig ernähren müssen.

Das erste gefüllte Opferbrot wurde immer besonders groß und man legte es am Dorfeingang unter den Totempfahl. Irgendwann kam dann Der Große Ozelot in seiner kleineren irdischen Hülle und schleppte es weg, so gut er konnte.

Die übrigen Opferbrote wurden an die Lammfleischrotat'l selbst verteilt. Man musste sie allerdings essen, wie der Häuptling sie zubereitet hatte - und er mochte keine Brote ohne Zwiebeln.
 

29 Juni 2007

Chronik der Kürbiskriege

 
Chefs Elend (3)

Roo-Arr hasste seinen Job.

„Gärende Füße, ich kann doch übermorgen bei der Kürbisernte auf dich zählen?"

„Warum? Unsere Kürbisse sind doch erst in einem Monat reif?"

„Ja, sicher..."

„...wozu haben wir schließlich die köstlichen
Geierwalter Canyon Spätlese gepflanzt?"

„... ich habe den Lammfleischrotatl'n versprochen, dass wir ihnen bei ihrer Ernte helfen."

„Ja, du!"

„Ja, ich! Ich bin schließlich euer gewählter Vertreter! Sonst wollte es ja niemand machen."

„Was glaubst du wohl, warum?"

„Also? Übermorgen?"

„Übermorgen kann ich nicht."

„Was?"

„Da hat meine Frau ihr neues Hirschkleid fertig."

„Ja, und?"

„Na, sie probiert es an..."

„Meine Frau hat auch schon mal ein Kleid angezogen und ich bin trotzdem zur Arbeit gegangen."

„... aber ich soll ihr sagen, ob es ihr gut steht."

„Das kann ihre Schwester doch auch?"

„Nein, ich soll! Und wenn ich es nicht mache, bekomme ich Ärger."

„Und deshalb willst du nicht bei unserem Einsatz helfen?"

„Hast du schon mal Streit mit meiner Frau gehabt?"

„Schon öfter. Schließlich ist sie meine Schwester."

„Ach ja, richtig."

„Ich hoffe, sie wird dich ordentlich verprügeln, so wie mich früher immer."

„Nicht, wenn ich übermorgen..."

„SCHLUSS JETZT! ICH KANN DEIN GEWÄSCH NICHT MEHR HÖREN!"

„Na hör mal..."

„Das wirst Du bereuen! Also was ist jetzt?"

„Na gut. Übermorgen. Aber nicht so früh, ja?"


Roo-Arr hasste seinen Job.
 

Chronik der Kürbiskriege

 
Der Chef (2)

Roo-Arr hasste seinen Job. Und er hasste sich dafür, dass er ihn angenommen hatte. Er hatte nun mal ein weiches Herz. Und er hatte das Amt vor allem deshalb bekommen, weil alle anderen kompetenten Stammesmitglieder abgesagt hatten - zum Teil mit fadenscheinigen Ausreden. Er selbst betrachtete sich bestenfalls als zweite Wahl. Jetzt versuchte er das beste daraus zu machen: In der Indianer-Öffentlichkeit gab er willkürlich schroffe Kommandos - und intern wurde diskutiert.

Wenn eine der Abmachungen nicht umgesetzt wurde - was relativ häufig geschah, wie man sich leicht ausmalen kann - glaubten die anderen Stämme, dass es dafür sicher einen triftigen Grund geben müsse, oder dass es die Clatchis vielleicht vergessen hätten. „Vergessen" galt auch als triftiger Grund. Zumindest unter Indianerstämmen, die sich gegenseitig mit Respekt behandelten und das auch von den anderen Indianern erwarten durften. Außerdem war die Schrift noch nicht eingeführt und man konnte keine Notizen machen.

Genauer gesagt: Die Handclatchtomat'l kannten die Schrift schon, aber die meisten anderen Stämme noch nicht, und daher wussten sie nicht, dass das mit den Notizen inzwischen möglich war. Die Handclatchtomat'l hingegen waren über ihre zahlreichen Versäumnisse durchaus im Bilde. Sie schämten sich ein bisschen dafür.

Die nach außen vorgespielte Komödie von Ordnung und straffer Organisation verschaffte den Handclatchtomat'ln einen gewissen Freiraum, subjektiv hatten die anderen Stämme auch gar nicht das Gefühl, dass sie ihren Verpflichtungen öfter mal nicht nachkamen.

Das konsequente Vortragen dieses Schauspiels zeugte also durchaus von einer Art von Disziplin - auch wenn die anderen Stämme dies bei Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse wahrscheinlich bestritten hätten.
 

Chronik der Kürbiskriege


Heute: Eine Organisationsform

Der Chef (1)

Vor Publikum bezeichnete sich Roo-Arr Wundcatetl als Chef der Handclatchtomat'l. Das war seine Aufgabe.

Wenn er vor Publikum energisch Anweisungen an seine Indianer erteilte, widersprach ihm niemand. Sondern gelobte, die Weisung nach besten Kräften auszuführen. Jedenfalls in Anwesenheit der Indianer anderer Stämme hielt man das so.

Intern sah es dagegen ganz anders aus: Die Stammesmitglieder kritisierten gnadenlos alles, was ihnen nicht in den Kram passte und jede Entscheidung, in der sie anderer Ansicht waren. Irgendwer war das immer. Nach außen - da war man sich ganz einig - gab man das Bild eines straff und autoritär geführten Stammes ab. Aber in Wirklichkeit praktizierte man eine anstrengende Demokratie. Jeder durfte mitreden, fast jeder musste berücksichtigt werden, wenn er das wünschte.

Roo-Arr hatte ein Amt, das ihm von außen viel Anerkennung einbrachte, das aber das anstrengendste war, das der Stamm zu bieten hatte, noch vor dem Zeremonienmeister, dem Streitschlichter und dem Ahnen-Schamanen. Deren Aufgaben übernahm er auch noch, wenn diese selbst in die Vorfälle verwickelt waren, oder grade im Urlaub, also meistens.

Deshalb hatte er sich wenigstens einen markigen Namen zugelegt, Roo-Arr, das sollte an das Brüllen des Berglöwen erinnern. Seine Indianer belächelten diese Idee, sie kannten ihn ja. Aber er fand, dass er wenigstens das Recht auf einen markigen Namen hätte.
 

Da is Musike draußen...

 
Die Tradition der ambulanten Volksmusikkommandos lebt wieder auf. Vulgo: Straßenmusik.

Durchs schöne Schöneberg marschiert einmal pro Woche eine vierköpfige Zu-Fuß-Kapelle und beschallt Straßen und Bürgersteige.

Vor einigen Balkons bleiben sie länger stehen, spielen und schauen sehnsuchtsvoll nach oben. Es hat etwas von Romeo und Julia ¹. Mehrere kleine Jungs sammeln das herunter geworfene Geld auf.


Die Kunstform der Straßenmusik wird in Berlin seit Jahren aufs grausamste diskreditiert: Zuerst durch den Leierkastenmann, der schon seit längerem sein Publikum schonungslos voll leierte. Später dann durch U-Bahnmusiker, die überfallartig das Abteil entern und einem das letzte Restchen Verstand raus spielen. Zuletzt durch hartnäckige Kitsch- Folklore-Gruppen vom Balkan, die sich auf dem Bürgersteig vor bestimmten Lokalen aufbauen und einem erbarmungslos das Essen vermiesen.
 

Wochenend vs. Sonnenschein 2:0

SO sieht das aus, wenn der Autor seinem Sport nachgeht. Zum Glück nicht oft: Am Wochenende hatten wir heftigen Hagel und die Blitze krachten in nächster Nähe ins Gehölz und in den See.


SO aufregend hätten wir's gar nicht gebraucht - aber jetzt haben wir wieder für eine Weile was zu erzählen.

WERBUNG!

Dabei sind diese Fotos vom großartigen Fotografen Sören und diese Fotos von der großartigen Fotografin Äintschie entstanden, und schon deshalb hat es sich gelohnt!

WERBUNG!

Eine wohlmeinende Bekannte schreibt außerdem dazu:
cooles bild! solltest du als poster machen und auf deine visitenkarten, tschirts....

ne, echt, wirklich gut: du als einsamer winner, zwischen himmel und erde, furchtlos den abgrund unter dir mißachtend um dem ziel ins auge zu blicken...
held!
Ha! Besser hätte ich's auch nicht formulieren können. Vielen Dank! Nicole illustriert übrigens.
 

26 Juni 2007

Rechtschreibgehülfe

 
Zuerst der inzwischen hier übliche Verweis auf die quantitativ-linguistische Datensammlung zur vermeintlichen Rechtschreibhilfe:
Verzeichnis unvergesslicher Verbesserungsvorschläge.

Außerdem auf den Assoziationsblaster - weil er etwas ganz ähnliches tut, wenn auch mit anderen Mitteln.

Die Aufgabe lautet heute:
Hammelaugenpizza
Nein, blöde Fragen dazu werden nicht beantwortet. So lautet die Aufgabe eben: Hammelaugenpizza!

Gemeint war nämlich:
Hammelaugenpizza
Die Vorschläge des Programms hingegen - in bekannt kreativer Umschreibung:
- Familienpizza Nee nee nee, Du...
- Sammelanzeigen
...aber sowas von auch nich!
- Hammelspringern
...womit wir dem Dativ jerettet hätten...
- Hammelspringerinnen
...sogar dem weiblichen Dativ
- Hammelspringerin
...und den femininen Nominativ.
Ich subsummiere: Mehrheitlich richtiges Tier - falsches Essen. In diesem Fall besonders hervorzuheben die überaus zutreffende Behandlung des Geschlechtlichen.


Und jetzt nochmal alle im Chor - zwo - drei - vier: Hammelaugenpizza

25 Juni 2007

Vorfahrt!

 
In Berlin hat die Berufsschifffahrt das Vorfahrtsrecht vor Sportbooten. Es handelt sich hier meist um Ausflugsschiffe im Linienverkehr und ihre Skipper sind Profis - sollte man meinen.

Wie immer in Deutschland wird dieses Recht nicht einfach als Weg zur Lösung von Streitfällen angesehen. Der Deutsche fühlt sich verpflichtet, den entsprechenden Streitfall überhaupt erst zu herbeizuführen - egal, wie sinnvoll. Wenn man schon Recht hat, muss sich das lohnen!

Wie der vorfahrtberechtigte Autofahrer auch hält ein deutscher Berufsschiffer so lange den eingeschlagenen Kurs, bis ihm die Segler ausgewichen sind. Erst dann schlägt er die Richtung ein, in die er eigentlich fahren muss.

Auch wenn ein paar Meter Kursänderung gar kein Umweg wären - niemals nachgeben! Koste es, was es wolle!

Nichtsdestoweniger gilt das Recht des Stärkeren: Wenn ein noch größeres Schiff ohne Vorfahrt kommt, macht der Skipper schon mal Platz.

Es ist wohl so wie mit dem deutschen Autofahrer: Man sitzt hilflos in der rollenden Blechdose und weiß nicht, wohin mit seinen Emotionen. Aber wenn man die Tür verriegelt hat, kann einem auch keiner für diesen Unfug auf die Nase hauen und man fühlt sich unangreifbar. Etwa dasselbe ist auch an so manchem Berufsschiffer zu beobachten.


(Abb. ähnlich)

 

22 Juni 2007

Portale und Plattformen (1.3)

Der FriedScout-Fragebogen bestand aus 25 Fragen (zu meiner Zeit) - hier der letzte Teil:



Wie wichtig ist Ihnen Geld?

... außer zum Bezahlen fast gar nich ...




Wie würden Sie einem Blinden Ihr Äußeres beschreiben?

"Faß mal hier an ... glitschig, nicht?
... das war auch nicht ich, sondern ein toter Fisch... uuahahaha!"



Finger weg! Ich bin kitzlig!

... wie wichtig wäre das wohl für den Blinden?

Auf einer Skala von 1 bis 14,3? Zweiundfünfzig!

Na schön: Zwei Meter zwanzig groß, Zähne und Schuppen wie Godzilla, suuupermuskulös, Mandelaugen, langes volles Haar, tolle Stimme, suuuper Geruch ... hm, taub und riechgeschädigt ist er ja nicht, was?
Schade.

Einem Blinden mein Ãußeres beschreiben: Das fällt in die Kategorie "Behindertenwitz", oder? Naja, ein wirklich guter Witz ist halt immer auf Kosten der anderen ...



Können Sie kochen?

Ich kann essen, ist das nichts?

Ob ich kochen kann? Glaub schon. Da ist nur keine, die das alles essen muß - und jede Mahlzeit ein Experiment.

Eigentlich suche ich hier nur eine Test-Esserin. Im Gegenzug stelle ich mich als Versuchsmensch für eine ausgedehnte psychologische Belastbarkeitsstudie zur Verfügung.



Was gibt es bei Ihnen zum Frühstück?

Eine Diskussion mit den Erbauern der Ameisenstraße in meiner Küche.



Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Sachen lesen - Sachen schreiben - Leuten auf die Nerven gehen - Segelrennen segeln



Gehen Sie gerne ins Kino? Welche Filme mochten Sie besonders?

Rashomon - Blade Runner - Amelie - Der König und der Vogel - Allegro non troppo



Welche Musik hören Sie gerne?

An sich mag ich Musik.

Hm, ich glaub es geht schneller, wenn ich sage, was ich nicht höre:

- Madonna: Krieg ich Brechreiz!
- Schlagerzeugs: Siehe Madonna, nur auf deutsch
- und ich finde dass "Rosenstolz" ein guter Name für ein Brechmittel wäre
- sog. "Neue Musik"*: Verkopfte konstruierte funktionsuntüchtige Kacke, da rollen sich bei mir die Fußnägel hoch

*für die, die bisher davon verschont geblieben sind: "Neue Musik" im Sinne der "ernsten" Musik des 20. Jhdt. Das "ernst" steht dabei nicht zufällig in Anführungszeichen: Wer sowas kennt weiß, daß er da nichts mehr zu lachen hat.

"Es geht doch nichts über ein gepflegtes Feindbild!"
(<°(((---<, 1999)



Was schätzen andere an Ihnen?

Wenn ich gehe und sie haben noch was im Kühlschrank.

???

Keine Ahnung. Aber es scheint Leute zu geben, die da irgendwas zu schätzen finden.



Was bedeutet Religion für Sie? Glauben Sie an Gott?

Wenn es einen Gott gibt, interessiert er sich nicht für uns.

Ich zahle ihm das jetzt in kleiner Münze heim.



Was ist Ihnen peinlich?

Das Ausfüllen von Fragebögen für Kontaktanzeigen.



Was bedeuten Ihre Freunde für Sie?

Mit Freunden wie meinen braucht man keine Feinde.
Und selbst die schweren Krankheiten scheinen entbehrlich.
 

21 Juni 2007

Man fasst es nicht!

 
Gestern verschlug es mir beim Durcharbeiten der Tageszeitung die Sprache: Ohne Beweise als Betrüger angeprangert

Zusammengefasst: Die Berliner Polizei - und zwar das LKA, nicht etwa eine kleine Wache am Stadtrand - erhält telefonisch anonym einen Hinweis, dass ein Geschäftsmann einen Kreditbetrug plane. Anstatt der Sache gründlich nachzugehen, werden alle seine Geschäftspartner angeschrieben und in vorbeugender Denunziation auf den Verdacht aufmerksam gemacht, mit Worten, die die Sache als bewiesen erscheinen lassen.

Mit dem Geschäftsmann will nun keiner mehr Geschäfte machen, der erscheint ja kriminell.

Nachdem die Geschäftsbeziehungen zerstört sind, ergeben die Ermittlungen zufällig leider nichts. Das LKA kann darin keinen ungewöhnlichen Vorgang erkennen und entschuldigt sich leichtfüßig "...konnte der Verdacht nicht erhärtet werden." Da war ein echter Sprachkünstler am Werk. Jeder Empfänger weiß jetzt: "Der Verdacht besteht weiter, wir waren nur leider zu dämlich, ihn zu erhärten".

Das ist dermaßen überheblich und anmaßend, dass es mir die Sprache verschlägt: Dieses Vorgehen erinnert mich an die feudalistische Zarenzeit oder die Allmachtsphantasien des dritten Reiches, wo ein Amtsträger auch bei Fehlverhalten keine Konsequenzen zu fürchten hatte. Auf so etwas kann nur ein Berliner Beamter kommen, der derartig abgesichert ist, dass er selbst im Fall der Verurteilung noch in Ruhe seine Pension genießen kann. (kann sich noch jemand an den Fall Antes erinnern?)

Die richtige Formulierung muss heißen: "Der Verdacht wurde ausgeräumt. Die für den Vorgang Verantwortlichen wurden entlassen und müssen jetzt ihr Geld mit Arbeit verdienen."
Ganz davon ab frage ich mich, woher das LKA wohl die Namen so vieler Geschäftspartner hat und was der Datenschutzbeauftragte dazu sagt?

Und damit wünschen wir den Verantwortlichen ein sehr anstrengendes Jahr mit einigen herben Rückschlägen im Berufsleben sowie ein paar Monate sehr unruhigen Schlafes und schalten zurück ins Funkhaus.


Und so geht's weiter: Falscher Verdacht
 

19 Juni 2007

Portale und Plattformen (1.2)

 
Weil mir nichts besseres einfällt, greife ich einfach ins Archiv¹ und setze die weiter unten begonnene Miniserie zum Thema Kennenlerneinrichtungen im Internet fort. Das Interview bei FriedScout bestand aus 25 Fragen.



Was bedeutet für Sie Erfolg?

Hm. Erfolg?

Alles begann damit, dass xxxx_22 im richtigen Leben 33 Jahre alt war, und als wichtigste Eigenschaft ihres Traummannes "Ehrlichkeit" angab.

Ich würde die Aufklärung des folgenden Phänomens als Erfolg betrachten, Fried Scout 24, Stand Juli 2003:
xxxxxxx24* ist 28. Und seit vier Jahren dabei, vielleicht.
xxxxx21* ist 30.
xxxxxxxx25* ist 38.
xxxxxxxxx23* ist 45!
Warum ist das nie umgekehrt? Ist das ein Naturgesetz?
XXXX_XX_44* ist 48. Zugegeben, liegt noch innerhalb der zulässigen Toleranz.
33xxxxxxxxxxxx* ist 40.
xxxx40plus* ist 47 - in der Tat.
xxxxxx40* ist 49. Gibt es den Fried Scout schon so lange?
xxxxxxxxx44* ist 53.
xxxxxxxx40* ist 53.
xxxxxx32* ist 49.
xxxxx22* ist 41.
xxxxxxxx17* ist 48.
xxxxxx22* ist 52.
xxxxxxxxx15* ist 50. Oha!

Aber xxxx111* ist 30 und xxxxx212* erst 41, gottseidank!
Na schön, ich nehme alles zurück.
xxxxxxxxxxxxx16* ist 44 - und ein Mann.

*alle Namen sind der Redaktion bekannt und auf Wunsch von FS24 geändert.

Im übrigen gelten Goldfischlis Merksätze für ein erfülltes Leben,
hier § 3, Abs. 1: "Ein wirklich guter Witz ist immer auf Kosten der anderen!"



Wovor haben Sie Angst?

Vor Frauen die Männer mit "Humor" suchen.
Die meinen nie mich.
Urkomisch, was?



Wofür würden Sie Ihr Leben riskieren?

Frische Erdbeeren!

... nein?

... reife Pfirsiche ...?

Auch nicht?

Tja...

... muß ich?



Welches Sternzeichen haben Sie?

Dingens, ähm ... Flugschildkröte.

... nee, stimmt nich.

Kampfkarnickel!

Suppenhund?

Schnabeltasse?!?

Nein, das war doch ... ja ... genau: Fischotter!

--------------------------------------------------------------------
Und, am Propo "Sternzeichen", eine Anmerkung hätt ich noch:
Buhuuuuuhuuuuuhuuuuuu ... ER-BAR-MEN!
Es hat wirklich keinen Sinn, mir anonym automatische Flörtkontaktdingse zu schicken!
Entweder eine Mailadresse oder der hier angegebenen Anweisung folgen - die funktioniert!

Bestimmt!
In echt!
Ich schwör!
Reingelegt! Mit Sternzeichen hatte das nicht das geringste zu tun!
--------------------------------------------------------------------

Okay, dann kann's ja weitergehen, was?



Lesen Sie gerne? Welches sind Ihre Lieblingsbücher

Sachen vom Gernhardt, Enzensberger, Max Goldt, Krimizeugs, Comics, Kinderbücher, noch mehr Comics ... noch Fragen?



Welche drei Dinge würden Sie mit auf die "einsame Insel" nehmen?

... soll ich'n da? Kann da nicht jemand anderer für mich hin?



Wie sieht für Sie ein "Traumurlaub" aus?

Genug Ruhe, Zeit und Einfälle haben, um Sachen wie diese zu schreiben: xxx.xxxxxxxxx.xx/xxxxxxxxxxx/xxxx*

Nicht zurückkommen und vom Friedscout wieder mal mit ganz neuen Geschäftsbedingungen überrascht werden.

* gemeint ist die Text-Sache, die man findet, wenn man nach goldfischli und neeneenee gugelt: Dort findet sich unten auf jeder Seite auch eine Adresse für Elektropost



Würden Sie sich als tierlieb bezeichnen?

Radio Eriwan antwortet "Im Prinzip ja: Man bringt die Sau zum Decken, weil ihre Ferkel schmecken."

Einige Tiere kann man kraulen, andere kann man essen, was an sich schon ungerecht ist. Hunde sind als Gattung unsympathisch, aber im Einzelfall manchmal nett. Und Wespen sind nervig - die wissen nie, wann der Spaß vorbei ist. Und jetzt?

Ach so, eine lineare, eindeutige und irgendwo auch leicht verständliche Antwort? Na gut: Katzen mag ich gerne - und manche mögen mich.

Als folgerichtige Ergänzung, weil mich da draußen gerade wieder so eine zutiefst überflüssige Töle vollkläfft: "Eins steht mal fest - Hunde kann man essen! (wie ihre Besitzer eigentlich auch...)"



Sind Sie mit Ihrem Gehalt zufrieden?

Oh ja! Ich bin dermaßen gehaltvoll, das ist kaum auszuhalten!


¹ Und? Höre ich da ein "Du musst ein seltsames Archiv haben"? Na? Och bit-te!
 

Sammlerinnen

 
Früher stand Carolin immer Modell. Eigentlich um Geld damit zu verdienen. Eigentlich. Unter Malern war sie ein sehr gefragtes Modell, weil sie nicht perfekt war, ganz im Gegenteil.

Außer dem Malen haben unbekannte Maler noch eine zweite wesentliche Schwäche: Sie haben nie Geld. Oder immer nur sehr wenig.

Carolin bekam für die Sitzungen noch weniger als nur wenig Honorar und ließ sich zum Ausgleich jeweils mit einer der entstandenen Abbildungen entlohnen. Nur für den Fall, dass wenigstens einer ihrer Maler einmal berühmt würde. Dann würde sie wenigstens eines der Portraits später für viel Geld verkaufen können.

Aber so weit ist es noch nicht. Im Lauf der Jahre wuchs eine stattliche monothematische Sammlung von teils hoher Qualität, aber geringem Verkaufswert. Darin lag der Haken ihrer Spekulation: Bis eines der Bilder einen hohen Wert haben würde, könnte sehr viel Zeit verstreichen, vielleicht eine ganze Generation. Vielleicht würde es nie passieren. Sie verflucht ihr weiches Herz.

Bis da hin besitzt Carolin einen großen Stapel von Skizzen, Studien in Acryl und vielen anderen Techniken, Ölgemälden und sogar einigen Skulpturen, die alle nur sie, Carolin, zum Thema haben. Und sehr viel Platz beanspruchen.
 

15 Juni 2007

Googleplay revisited

 
Auf ein neues. Viele Menschen haben ja eine Lizenz. Glauben sie, behaupten sie, oder behaupten andere von ihnen. Ob das stimmt, sein dahingestellt - allein die Behauptung zählt.

Am bekanntesten im Lizenzhaben ist James Bond. Der Herr im Anzug "mit der Lizenz zum" - genau! Von so einem erwartet man doch förmlich eine Lizenz, nie würde der was ohne Lizenz tun.

Aber was ist jetzt mit den anderen? Was machen die denn so und wofür sind sie lizensiert? Es gibt die Lizenz zum Töten, klar. Und außerdem zum
  • Flöten
  • Tröten
  • Löten
wie ebenfalls zum
  • Beten
  • Kneten
  • Treten
Naja.

Aber auch zum
  • Schmunzeln
  • Schnüffeln
  • Gelddrucken
  • Leben
  • Regieren
  • Qualmen
  • Klonen
  • Kassieren
  • Knabbern
  • Schröpfen
  • Heiraten
  • Weiterentwickeln.
Hm, das ist längst nicht so ergiebig wie erhofft. Aber da: Eine Lizenz zum

  • Werfen
  • Schmökern
  • Plündern
  • Surfen.
und zum
  • Betrügen.
  • Schwitzen
  • Grillen
  • Heilen
  • Klimakillen.
oder zum
  • Kaizen
... was zur Hölle...?

Und dann noch zum
  • Ja-Sagen
  • Heiraten
  • Hacken
  • Nichtstun
  • Kassieren
  • Lachen
  • Trainieren.
  • Sparen
  • Studieren
und zum Mixen.

Na gut. Lassen wir's mal darauf beruhen.
 

Heimwerk vs. Handwerk 3:0


real vegetierendes Baugeschehen in Berlin


Präludium I
In Berlin und Umgebung halten sich eine Menge Leute für Bau-Handwerker, weil sie wissen, wo der nächste Baumarkt ist und weil sie einen kennen, der manchmal auf einer Baustelle arbeitet.

Präludium II
Ein Deckenbalken im Altbau hat einen Querschnitt von ca. 12 x 24 cm. Also eine ganze Menge.

Fuge     in C-ment für Maurer mit Kelle

Hier im Hof vom Büro versucht sich seit Wochen irgendein Unberufener als Zimmermann. Ich kann ihn nicht sehen - zum Glück, sonst...! Aber hören kann man ihn gut. Am Geräusch erkennt man ja so einiges, zugegeben deshalb, weil man das vielleicht in seiner Jugend selbst einmal versucht - und dann auch als aussichtslos erkannt hat.

Der Heimwerker ist eigentlich nur deswegen so nervig, weil er hartnäckig völlig ungeeignetes Werkzeug verwendet, wie das unsere HandHeimwerker so tun, erfolglos und dafür umso ausdauernder.

Völlig ungeignetes Werkzeug, weshalb jeder Arbeitsgang zehnmal so lange dauert wie mit richtigem Werkzeug in der Hand eines ausgebildeten Handwerkers.

Letzte Woche versuchte der unberufene Unsichtbare stundenlang, Löcher in eine Holzbohlenwand zu bohren - mit einem Steinbohrer. Das geht deshalb nicht, weil Steinbohrer nun mal von Natur aus stumpf sind. Deshalb dauerte die Sache ewig. AUCH MIT SCHLAGBOHRER! Er merkte das nicht und setzte immer neu an und schlagbohrte gnadenlos. Ein Wunder, dass das Holz nicht zu brennen anfing.

Anfang dieser Woche war der Handwerker einen ganzen Tag damit beschäftigt, Deckenbalken mit einer Eisensäge zu bearbeiten. Mit so einer kleinen Bügelsäge anscheinend, Länge des Sägeblatts ca. 15cm. Bei einer Breite des Deckenbalkens von 12cm kann man sich vorstellen, wie viel Arbeitshub der Bügelsäge noch bleibt. Aber zum Glück war das ja eine Eisensäge - mit viel zu kleinen Zähnen für die langen Holzfasern. Einen ganzen Tag. Unermüdlich. Gnadenlos.


Heute ist es wieder anders. Entweder hat er einen Tip bekommen (unwahrscheinlich¹), oder ihm ist die Sache selbst zu langwierig geworden (unwahrscheinlich²) oder der Bauherr hat ihm ordentlich Werkzeug spendiert irgendwelchen billigen Baumarkt-Krempel von zu Hause mitgebracht. Jetzt läuft etwas elektrisches, wohl eine Stichsäge. Schnittiefe ca. 5cm, aber natürlich nur, wenn für das Sägeblatt nach unten ausreichend Platz ist. Ist bei einem Balken von 12x24cm wahrscheinlich eher nicht. Man kann sich vorstellen, wie weit der Holzfachmann diesmal kommt.

Coda Codetta
¹ solche Leute hören nicht auf Ratschläge
² und sie werden nie von quälender Einsicht heimgesucht

14 Juni 2007

Portale und Plattformen (1.1)


Am liebsten werfe ich mir selbst Stöckchen zu

So, zur Abwechslung mal etwas lustiges. Der Autor dieses kleinen Weblogs hat eine Weile versucht, vermittels verschiedener Singleplattformen jemanden kennenzulernen, vorzugsweise eine Frau.

Nein, das war noch nicht das lustige. Sondern: Auf diesen Plattformen soll man zur Selbstbeschreibung und zum besseren Abgleich der Interessen Auskunft über sich geben. Dafür wird einem oft ein Fragebogen vorgelegt - der irgendwie lustig ist.

Weil die Welt schon lange darauf gewartet hat, sollen hier endlich Auszüge daraus offen gelegt werden. Fangen wir mal mit FriedScout an - wer es selbst gern probieren will: Friendscout24

Vorab noch zwei Erläuterungen: FriedScout ist ein kommerzielles Portal, das sich aber als kostenlos ausgibt. Die unbezahlte Kontaktaufnahme der Teilnehmer untereinander soll daher mit allen Mitteln verhindert werden. Die Teilnehmer wiederum sind nicht immer ganz ehrlich, auch gegenüber dem lesenden Publikum.

 


Was macht Ihre/n Traumfrau/mann aus?

Ich will eine nörgelige, charmante Prinzessin. Oder Emma Peel. Das würd` mir schon genügen.

... und wer auch immer das dann ist, könnte mir an die Adresse weiter unten schreiben, bitte!

Naja, gestern habe ich Judit Holofernes gesehen, die Sängerin der Helden. Falls sie mir jemals näher als 5 Meter kommen sollte, werde ich mit Sicherheit besinnungslos zu Boden sinken.

MEIN GOTT, SO WIRD DAS NIE WAS!



Was ist Ihnen wichtig in einer Beziehung?

- einander hilfreich in die Seite treten
- sich gegenseitig ehren und achten ...
       ... bis dass der Spielfilm vorbei ist
- das letzte Bier im Kühlschrank teilen ...
       ... und dann zusammen runtergehen in die Kneipe...
- essen und loben was der andere gekocht hat
- gönnerhaft grinsen, wenn die Partnerin gut aussehenden Männern auf den Hintern schielt.

Das alles ist mir wichtig an einer Beziehung.

Was mir sonst noch so wichtig ist im Leben, steht dann hier: xxx.xxxxxxxxx.xx/xxxxxxxxxxxx (auf Wunsch von FS amputiert)

Aber wer im Gugel gleichzeitig nach neeneenee und goldfischli (mit einem Leerzeichen zwischen beiden) sucht, findet mich recht schnell. Von dort aus dann zu den Texten durchhangeln.



Worüber können Sie lachen?

Lachen? Ich lache nicht.

Und wenn, dann über sowas:

- wenn der Traummann die Frauen unbedingt zum Lachen bringen soll. Kleiner Tip vom Fachmann: Man kann so Leute engagieren, ganz regulär. Dafür nachschlagen in den Gelben Seiten, der Beruf heißt "Clown"

- wenn "Sabrina26" im richtigen Leben 46 ist und auch üüüüüberhaupt nicht versteht, warum sich die Männer wegen dieses Pseudonyms so anstellen - das find ich lustig

- wenn Leute bei Beruf "Unternehmer" ankreuzen und damit meinen, dass sie in einem Unternehmen arbeiten

- die Verwechselung von Tierhaltung und Tierliebe

- wenn mir gleich auf der ersten Seite eines Profils an Stelle einer Begrüßung meine Rechte verlesen werden. Dann kann ich mir ausmalen, was den glücklichen Gewinner später im richtigen Leben erwartet

- wenn Frauen erst ein Kind von ihm kriegen müssen, um herauszufinden, dass ihr Kerl ein Arschloch ist

- wie viele Leute hier einen Beruf haben. Besonders originell die mit "einem schönen". Hinweis: Man MUSS das Feld nicht ausfüllen.

- wenn Leute nicht einfach ihr Sternzeichen sagen können, sondern "was mit Hörnern", "Böckchen" und so Sachen schreiben: Ist Euch das etwa peinlich? Zu Recht!

- wenn Leute sich selbst als "süss" beschreiben, als "gutaussehend" oder "hübsch": Ist das so?

- wenn Frauen "Zicke" für ein attraktives Pseudonym halten

- wie viele erwachsene Menschen tatsächlich an einen Zusammenhang zwischen Foto und Realität zu glauben scheinen. Na denn: Viel Spaß beim ersten Date!



Was bedeuten Ihnen Ihre Eltern?

Was bedeutet wohl das Wort "bedeuten"?

...

Iiiiii-hiih iihii! Mal ganz ab von meinen Eltern: Ist Euch schon aufgefallen, daß FS seit neuestem bei allen Mailadressen, die im Profil stehen, jeweils den Provider löscht?
Ah! Oh! Elle!
Wehb. Punkt! Deh!
Geh! Emm! Icks! Iggs! Iggxs!
Dott. Nett! Komm!




Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Ehrlichkeit. Und meinen Humor.

Und daß es andauernd KLICK macht.

KLICK!

Carpe Diem!

KLICK!

Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag!

KLICK!

Träum nicht Dein Leben - lebe Deinen Traum!

KLICK!

Es muss nämlich einfach alles passen!

KLICK!

Und wer Wolken lächeln hört weiß wie Schmetterlinge schmecken!

KLICK!

Vom Pferdestehlen ganz zu schweigen.

KLICK!

KLICK!

KLICK!


Tja, weiß jetz nich, ob sowas wirklich ins Blog gehört? Andererseits!
 

Gesetz- und Verordnungsblatt


des Landes Berlin vom 30. November 2006

Musik - zwo - drei - vier:

Verordnung zur Übertragung der Geschäfte der Verwaltung und Dienstaufsicht auf die Präsidentin/den Präsidenten ...

... des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg


Zweite Verordnung zur Änderung der Verordnung über die Ausbildung und Prüfung für die Laufbahn des höheren ...

...
allgemeinen Verwaltungsdienstes

Verordnung über die Erhebung von Entgelten für die Inanspruchnahme von Leistungen im Rahmen der Beseitigung ...

...
tierischer Nebenprodukte

fade-out.

no comment.
 

13 Juni 2007

Künstlerische Intelligenz

Zuerst wieder der Verweis auf die quantitativ-linguistische Datensammlung zur vermeintlichen Rechtschreibhilfe:
Verzeichnis unvergesslicher Verbesserungsvorschläge.

Die Aufgabe lautete - diesmal etwas anspruchsvoller, da 2 Tippsfhelers:
gelichzietig
gemeint - war:
gleichzeitig
die Vorschläge des Programms hingegen - durchaus nicht naheliegend:
- zugelichtetes
- beigelichtetes
- zugelichtetem
- beigelichtetem
- Handstrichziegel
(!!!)
Mir gefällt der Einfallsreichtum des Programms und deshalb heißt dieser Artikel "Künstlerische Intelligenz".




Nochmal zum besseren Verständnis: Handstrichziegel !

Zwischendurch Werbung

 
Aus gegebenem Anlass möchte ich doch auf dieses seltsame aber gleichwohl beglückende Angebot hinweisen:


Es handelt sich dabei um Plüschmikroben - tatsächlich Mikrobennachbildungen aus Plüsch, hier vertreten durch die Salmonelle. Das unglaublich breit gefächerte vollständige Angebot findet man etwas weiter unten auf der Seite.

Der Preis dieser Teile liegt mit 7,18 € incl. MWSt. meiner Auffassung nach sehr günstig für etwas gleichzeitig so hübsches und lehrreiches. Ich wünschte, die Idee wäre von mir.

www.plueschmikroben.de
 

11 Juni 2007

Anwaltswissen


Was wir aus dem Fernsehen alles wissen

Abend. Schlaffsein. Auf der Mattscheibe flimmern bunte Bilder. Plötzlich taucht ein Darsteller in Anwaltskluft auf und verkündet pathetisch: "Ich muß wissen, daß mein Mandant unschuldig ist! Sonst kann ich ihn nicht verteidigen!" (sinngemäß)

Nanu, was sagt denn die Fernsehzeitung? War denn ein Horrorfilm angekündigt? Ist das eigentlich bezahlte Werbung der Anwaltskammern? Dieses elende Statement, das in jedem Film mit Anwälten auftaucht, könnte weltfremder nicht sein. Dummerweise bezieht ein nicht unbedeutender Teil der Bevölkerung sein juristisches Wissen aus derartigen Quellen: Schuldige Angeklagte werden ja nicht verteidigt, was?

Und dann macht man sich so seine Gedanken, vor der Flimmerkiste. In der realen Wirklichkeit ist es den Strafverteidigern wahrscheinlich völlig gleich, ob ihre Mandanten schuldig sind oder nicht. Sie können ihre Kundschaft sogar leichter vertreten, wenn sie es nicht wissen, ganz abgesehen von der Frage, was denn Schuld eigentlich ist.

Vor allem aber hätten viele überhaupt keine Hemmungen, für einen zweifelsfrei schuldbeladenen Angeklagten einen Freispruch zu erwirken, und sei es mit Verfahrenstricks. Es verhält sich damit zahlenmäßig wahrscheinlich so wie in vielen anderen Bereichen auch: Auf fünf ehrenhafte kommen fünf skrupellose.

Darüber ein Gleichnis:
Der berühmte sechzigjährige Architekt wird zu einem schrecklichen Reinfall und grauenhaften Entwurf befragt.
Er antwortet: "Ich war jung und brauchte das Geld".
"Aber das war erst vor fünf Jahren!"
"Na schön. Zugegeben: Ich war nicht mehr jung."

 

08 Juni 2007

Anmerkolatorium

Wenn sie das Vestibül betreten, sehen sie zur linken das Explanatorium und zur rechten das Anmerkolatorium.

Das Explanatorium beinhaltet im Grunde nur einen einzigen großen Raum (von den Nebengelassen wie Garderobe, Toilette, Schuhtresor und Fackellager einmal abgesehen), mit ansteigenden Sitzreihen und gläsernem Oberlicht, in dem der Künstler seinem Publikum die Welt erklärt. Er tut dies akustisch und ohne elektronische Hilfsmittel, um die Belastbarkeit seiner Zuhörer zu prüfen und zu trainieren. Am Abend wird das Explanatorium durch Fackeln erleuchtet, was das Ablesen vom Blatt sehr erschwert. Tafeln und Zeichnungen sind daher nach Einbruch der Dunkelheit nutzlos, ebenso der Zeigestock. Außerdem kann der Referent die eingenickten Zuhörer nur noch ungenau mit Krampen beschießen.

Das Anmerkolatorium ist das Gegenteil des vorher beschriebenen Gebäudeteils: Es ist aufgebaut wie ein riesiger Schubladenschrank mit Dutzenden von Fächern, die verschachtelt angeordnet sind und über mehrere kreuz und quer laufende Treppen erreicht werden. Jedes Fach ist ein Raum mit einer undurchschaubaren Sammlung von Exponaten zu einem unscharf abgegrenzten Wissensgebiet, wobei schon der Begriff "Wissen" nur teilweise zutrifft, da es im Anmerkolatorium in den seltensten Fällen um Wissen geht. Genauer gesagt handelt es sich also um eine Sammlung von Gegenständen, Ausstellungs- und Erinnerungsstücken zu den unterschiedlichsten Themenbereichen. In das Anmerkolatorium wird eingelassen, wer eine mehrstündige Sitzung im Explanatorium unbeschadet und nachweislich ohne Krampenabdrücke überstanden hat.

Dein Sohn ist nicht an dem.


Poesie des Nutzlosen - unplugged

Betr.: Dein Sohn ist nicht an dem.
Von: <Pouyan876@abc-webs.net>

verlieren sie keine moglichkeit
kau-fen vor es sehr spat wird

Ich nehme nicht gerne den Tonfall eines Moralisten an. Das Seiende. Dein Sohn, Lieber, macht dir Sorge, und. Und wenn ihm die Notizen eines Forschers beachtenswert erscheinen, l.

Ich irre mich auch mitunter in den Ma. Das ist zu umst. EnthXutet, ward Gerippe, ward Staub, wehte ins Gefild. Du hXttest bald gelernt, auf dem Wasser zu gehen.

(edit: 11.06.07, most unplugged)
 

07 Juni 2007

Poesie des Nutzlosen

 
Zur Zeit erreicht mich eine Welle sehr merkwürdiger Mail. Die Rästelhaftigkeit des Inhalts ist verknüpft mit einer seltsamen Poesie der Form, die meist schon aus der Überschrift zu mir spricht.

Zum Beispiel schreibt mir 'marefati' einen Brief mit der Betreffzeile 'Er sich besinnen konnte.'

Punkte in der Überschrift irritieren mich manchmal ein wenig, aber sonst ist das Besinnen schon mein Thema. Und Herrfrau Marefati hat mir so viel interessantes mitzuteilen:
Gute von sich geworfen.
Viele. Oh! So! Viele!
Und die Xbungen erforderten.
Will mir da jemand ein X für ein Ü vormachen?
Die Erde ist gro.
Groß oder grob? Wusste er wahrscheinlich noch nicht so genau.
Denn du musst wissen, ich habe kein Geld.
DAS dachte ich mir bereits.
Von dir ein Kind haben.
Oh, ja! Lass uns wenigstens ein Kind machen!
Auch dies verdanke ich schlie.
Bitte, bitte, keine Ursac.
Mit dem andern zufrieden sein.
Jaja, die Grundlage einer Beziehung, nicht?
Im Beutel, und Geschenke fXr Kamala.
TrYdelmarkt an der Straße des 17. Juni: GenXgt das?
Dann die von Nordamerika. Dem Leid der Welt.
Wissen wir doch schon. Vietnam, Irak, usf. ...
Samanas komme, bei welchen ich lange Zeit gelebt habe.
Ich berichtige: Bei uns sagt man eher 'Dein Reich komme' oder so...
Sie zu verachten, = mag groXer Denker Sache sein.
Im Verachten waren die biblischen Autoren immer sehr gut. Gleichnisse waren ihre Stärke. Gleichungen eher nicht.
Leben eigentlich ist, wir machen uns nur lustig.
Richtig, Yoda, diesen Eindruck habe ich auch.
Tun, aber sagen und = lehren kann man sie nicht.
Wen jetzt? Die Mailversender?
Rot und frisch, er wird zu deinem.
... ooooooh, mir ist ganz schwindelig...
Er sich besinnen konnte.
Wird langsam Zeit.
Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erz.
Nicht kennen, ein falsches = Bild von ihm zu geben.
Eifersucht und falsch Zeugnis abzul.?

Ich werde diesen Text vielleicht in der nächsten Beichte verwenden. Mal sehen, was passiert.



"marefati" <marefaticfbf@bph-sports.com>
Betr.: 'Er sich besinnen konnte.'
Gute von sich geworfen. Und die Xbungen erforderten. Die Erde ist gro. Denn du musst wissen, ich habe kein Geld. Von dir ein Kind haben. Auch dies verdanke ich schlie. Mit dem andern zufrieden sein. Im Beutel, und Geschenke fXr Kamala. Dann die von Nordamerika. Dem Leid der Welt. Samanas komme, bei welchen ich lange Zeit gelebt habe. Sie zu verachten, = mag groXer Denker Sache sein. Leben eigentlich ist, wir machen uns nur lustig. Tun, aber sagen und = lehren kann man sie nicht. Rot und frisch, er wird zu deinem. Er sich besinnen konnte. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erz. Nicht kennen, ein falsches = Bild von ihm zu geben.

 

06 Juni 2007

Pantomimenfrust

 
Dann war da noch der frustrierte Wirt im Stammlokal der Pantomimen, die nie wirklich etwas bestellten, sondern immer nur Essen und Trinken vorspielten und selbst das Wasserlassen auf der Toilette pantomimisierten.

Wenn sie dann nicht nur Bestellen sondern auch Bezahlen täuschend echt darstellten und ihn in ihr Spiel sogar noch mit einbeziehen wollten verkroch er sich weinend unter dem Tresen und wünschte sich, er hätte dort eine abgesägte Schrotflinte deponiert.
 

05 Juni 2007

Rechtschreibhilfe

 
Ein neuer erschütternder Fall, aufgedeckt beim Erstellen des letzten Posts.

Geschrieben stand:
Behelfsmusikanten
Gemeint war eben dieses, nämlich:
Behelfsmusikanten
Die Vorschläge des Programms hingegen - in kreativer Fehldiagnose meines Anliegens:
- Bettelmusikanten
- Hotelmusikanten
- Kirchspielmusikanten
- Bergmusikanten
- Musikantenknochen
Na gut, ich werde vielleicht nochmal drüber nachdenken.


Fertig. Mit Nachdenken. Ich staune immer noch.

Hochzeit

 
Ich weiß nicht, ob ich ein Schwein bin. Nicht gern manchmal. Aber gestern. Ich sitze mit einer Bekannten in einem Lokal in KREUZBERG ("Ausländer rein - Rheinländer raus!") und trinke ein Feierabendbier nach der Rückkehr von der Regatta am Wochenende. Draußen entsteht ein Tumult und ich stöhne entsetzt auf: "Nein, bitte keine rheinischen Hochzeitsbräuche in Berlin!" Meine Tischnachbarin fragt, was das soll. Sie kennt den Brauch nicht.

Durchs Fenster kann man sehen, wie draußen eine junge Frau mit Bauchladen und irgendwelchem Krimskrams drin alle Leute anspricht, die den Fehler gemacht haben, einen Tisch im Freien zu nehmen. Sie ist umgeben von mehreren anderen mitteljungen Frauen, die mit Hula-Blumenkränzen aus rosa Plastik geschmückt sind und das vermutlich "lustig" finden. Ich war diesem Gebrauch nur einmal in der Düsseldorfer Altstadt begegnet - und auch da hat es mich schon geschüttelt.

Ein Reflex. Ich bin auch froh, dass einem andere spießige und völlig sinnleere Gebräuche wie etwa das hochgradig originelle Braut-Entführen bei der Hochzeit hier in der Stadt weitgehend erspart bleiben.

In Berlin wird man dagegen alle zehn Minuten angeschnorrt und braucht gar nicht mehr als das: Behelfsmusikanten spielen einen ungefragt in der U-Bahn voll ("Für 5,- € ist Schluss!"), mäßig sympathische Leute mit Kreissägenstimme wollen einem eine Obdachlosenzeitung aufschwatzen, auf der Straße knien reglose Gestalten mit leerem Blick auf Kissen hinter einer Pappschachtel mit 20 Cent drin und am U-Bahnausgang wollen einem Junkies gebrauchte Fahrkarten für 2 Stationen andrehen. Ganz zu schweigen von den Autoscheibenwasch- Erpressungskommandos, die an jeder zweiten Kreuzung lauern.

Mehr braucht man wirklich nicht. Schon gar nicht von bald zu Vermählenden, die das mal im Rheinland gesehen haben und es dort im Suff uuuunheimlich witzig fanden.

Ich finde das nicht witzig. Durchs Fenster mochte ich gar nicht zusehen, ob die es schaffen, den Gästen vor der Kneipe irgendwas zu verkaufen. "Herr lass diesen Kelch an mir vorüber gehen!" und meine Tischnachbarin sagt im gleichen Atemzug: "Die kommen jetzt bestimmt hier rein."

In Berlin darf man gottseidank nicht in jeder Kneipe Zeitungen, Feuerzeuge, Voodoopuppen oder anderen Scheiß verhökern und damit die Gäste quälen. In dieser durfte man leider schon, oder die Wirtin war nicht schnell genug. Und schon stehen die lustigen Gesellinnen vor uns.

Noch bevor sie ihr Anliegen ausführlich erläutern können, sage ich
"Bitte nicht!"
und gleich nochmal
"Bitte nicht!"
Aber sie sind nicht aufzuhalten und legen los:
"Hallo, das ist der Junggesellinnenabschied und..."
Aber die 1. Brautjungfer ganz aufmerksam:
"Warum denn nicht?"
und es entspinnt sich folgender Dialog:
"Bitte! Da sind doch bestimmt noch andere Gäste!"
"Ja, schon. Aber das ist doch der Junggesellinnenabschied und wir wollen fragen, ob sie uns vielleicht etwas von..."
"Nein."
"...den Sachen hier..."
"Nein."
"...abkaufen wollen."
"Nein."
"Weil das doch der Junggesellinnenabschied..."
"Nein."
"...und da ist es ein alter Brauch..."
"Hier nicht."
"Nein?"
"Nein."
"Warum denn nicht?"
"Weil ich nicht will!"
"Aber es ist doch der Junggesellinnen..."
"Da hinten sind doch bestimmt noch andere Gäste!"
"Aber wir dachten wir fangen hier mal an..."
"Nein!"
"Weil das doch der Junggesellinnenabschied..."
"ERBARMEN!         NEIN!         BITTE NICHT!         NEIN!"
"Wirklich?"
"AAAARGH!"
"Naja, äh, dann, äh ... schönen Abend noch!"
"Ja."

Ich will hier gar nicht den Rheinländerhasser und Rassisten raushängen lassen. Und ich wollte der jungen Frau ihren letzten Lebensabend äh Jungesellinnenabschied nicht verderben. Ich wünsche ihr sogar Glück & Zufriedenheit für die Ehe. Aber ich will in Ruhe gelassen werden, insbesondere beim Bier.
 

04 Juni 2007

Künstliche Intelligenz

 
Beim Verfassen des vorangegangenen Artikels hatte ich wieder einmal eine Erscheinung. Der eine oder andere kennt vielleicht bereits die quantitativ-linguistische Datensammlung zur vermeintlichen Rechtschreibhilfe:
Verzeichnis unvergesslicher Verbesserungsvorschläge.

Im Browser habe ich ebenfalls ein Wörterbuch-Programm mit Rechtschreibvorschlägen installiert, freilich von einem anderen Anbieter. Das Programm sucht Schreibfehler, unterkringelt Wörter, die es nicht als solche erkennt und bietet alternative Buchstabiervorschläge. Glaubt man.

Aber auch hier war ein erfinderischer Programmierer am Werk. Einer von der Sorte "Der Autor KANN doch gar nicht meinen, was er da zu tippen versucht!" Diesem Programmierer kann ich leider nicht lauthals entgegenwerfen "Das Meinen lass mal meine Sache sein!" Oder wenn, dann erwarte ich keinen Erfolg daraus. Und deshalb demonstriere ich gegen all diese Besserwisser eher still mit folgendem Beispiel:

geschrieben stand, zugegeben nicht ganz korrekt:
hormongelpagte (...obwohl...)
gemeint war:
hormongeplagte
die Vorschläge des Programms hingegen - durchaus nicht naheliegend:
- Wachstumshormonmängel
- Wachstumshormonmangel
- Wachstumshormonmangeln
- Wachstumshormonmängeln
- Wachstumshormonmangels

Wie nennt man nochmal das Gegenteil von künstlicher Intelligenz? Ah, nein, nicht vorsagen! Ich weiß wieder: Natürliche Dummheit.


Da fällt mir auf: Ist Wachstumshormonmangeln die Fortsetzung von Heißmangeln mit anderen Mitteln?
 

Kommunikation

 
Kommunikation ist wichtig: Auf dem Fahrrad sitzen und telefonieren. Beim Fahren selbstverständlich.

 

Dabei fällt mir auf: So verhalten sich mit Vorliebe die 25-jährigen, nicht etwa hormongeplagte Heranwachsende. Erwachsensein hat mit Alter jedenfalls nichts zu tun.

 

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