25 Dezember 2008

Stille Nacht revisited

Es ist so schön friedlich.

Wer heute, am Abend des 25.12., durch Prenzl'berg² geht, findet leere Straßen vor: Die Pornobrillen-Öko-Schwaben sind anscheinend bei Mama. Das ganze hippe Auskenner- und Abcheckergesocks, das sonst die Gegend um die Danziger Straße verstopft, ist heute zu Hause - wo immer das sein mag. Egal, Hauptsache nicht hier.

So tritt man sich zum Glück nicht auf die Füße: Während der Berliner verzweifelt versucht, der aufmerksamen Zuwendung seiner Eltern zu entkommen ("Sorry, ich hab da noch eine Einladung - neee, tut mir leid, kann ich auf keinen Fall absagen, reist morgen nach... äh... nach ... äh... Neuseeland...") und dann in ein Kino oder eine Bar schleicht, suchen die Hipster-Lemminge anscheinend die heimische Nestwärme um vom Vermehrungs­­erfolg, oder von welchem auch immer, zu künden.

Die Straßen sind weitgehend leer, wie in den Jahren vor der großen Invasion, oder wie in den Bezirken, deren Amüsier-Qualität sich nicht bis zu den Zahnarzttöchtern nach Tübingen und den Professorensöhnchen aus Münster herumgesprochen hat¹.

Heute ist es fast wie ... früher. Hin und wieder trifft man auf der Straße Eltern, die in breitem Berlinisch ihren Nachwuchs zur Schnecke machen oder gegenseitig wegen unerheblicher Kleinigkeiten gnadenlos aufeinander einhacken. Was, wenn nicht das, ist Heimat?

Die Zeitungsverkäufer in den Öffentlichen sprechen ebenfalls mehrheitlich einheimischen Akzent - jedenfalls kein Schwäbisch, zu dem sie einen penetrant belehren, das sei Badisch.





¹ jaja, schon klar, bevor sich wieder einer beklagt: Münster ist nicht so richtig Schwaben. Schwabe ist in Berlin derselbe Menschenschlag, den der Münchner als Saupreiß bezeichnet. Geht dabei auch nur um die Bezeichnung einer unsympathischen zugewanderten zahlungskräftigen Bevölkerungsgruppe, die einem mutwillig auf den Keks geht und alles besser weiß - DAS können nun wirklich WIR™ am besten.
² ja, genau dieses Prenzl'berg

23 Dezember 2008

Einkauf heute

Nicht dass es irgendwie wichtig wäre, aber: Wenn man heute in so einen modernen freistehenden Supermarkt geht, sucht man zuerst die Einkaufswagen. Und stellt dann fest: Die stehen draußen, auf dem Parkplatz. Man ist dran vorbei gelaufen.

Genauer betrachtet: Man ist nicht dran vorbei gelaufen - weil der Weg eines Fußgängers nicht dran vorbei führt. Wohl aber der eines Autofahrers - der vom Parkplatz kommt. Der Fußgänger, der direkt von der Straße kommt, soll einen Umweg machen, wenn er denn unbedingt einen Einkaufswagen braucht. Jedenfalls ist das bei den LIDLs so, die in letzter Zeit hier aufgemacht haben.

In den Zeiten der optimierten Wege kann das kein Zufall sein. Die Verkaufsstrategen haben inzwischen über alles nachgedacht, alles ist geplant: Welche Waren sich wo befinden, welches Preissortiment in welcher Höhe im Regal steht, wo im Laden das Frischfutter hin kommt, in welcher Richtung der Einkaufsweg sich dreht, welche Süßwaren man in der Quengelzone direkt vor der Kasse findet.

Aber Fußgänger sollen ein Umweg machen, wenn sie einen Wagen haben wollen. Autofahrer nicht. Irgendwann merkt man: LIDL will gar keine Fußgänger als Kunden.

Wer genau hinsieht erkennt, dass dort die Fußgänger noch nicht mal einen ordentlichen Zugang von der Straße haben. Bestenfalls ein Loch im Zaun, das muss genügen. Mit dem Auto bekommt man eine beleuchtete Schranke, kleine Schwellen, sogar Stahlringe um die Laternenen, damit die sich den Autos nicht zu schnell in den Weg werfen.

Aber immerhin: Es gibt auch keinen Fahrradständer, wozu auch? Fahrradfahrer können bestimmt genauso wenig wegtragen wie Fußgänger, die sind als Kundschaft uninteressant, wenn nicht sogar lästig. Solchen Schmarotzern muss man das Leben nicht auch noch erleichtern.

Das ist dann fast schon Demokratie, wenn alle unprofitablen Minderheiten gleich herablassend behandelt werden. Demokratie nach LIDL-Art. Andere Supermärkte sind aber wohl ähnlich.

Nur so eine Beobachtung - nicht, dass es wichtig wäre.

22 Dezember 2008

Teile Vorurteile

- eine folgerichtige Geschichte -

ein Gerücht, aus der Erinnerung, und nicht besonders sorgfältig recherchiert

In Japan gibt es eine Bahn, die einen Berg hinauf fährt.
Weil der Berg steil ist, verläuft der Weg in Serpentinen.
Weil dort wenig Platz ist - Japan - gibt es an den Wendepunkten keine Kurven. Statt dessen fährt der Zug auf ein totes Gleis, eine Weiche wird umgelegt und er fährt in der Gegenrichtung wieder los, weiter den Berg hinauf. Der Zug hat daher zwei Führerstände, an jedem Ende einen.

Aus Sicherheitsgründen - Japan - müssen immer beide Führerstände mit einem Lokführer besetzt sein. Damit man ihn erkennt, und als Zeichen seiner Position, trägt der Lokführer eine schicke Uniform, gebügelt, mit Mütze und weißen Handschuhen.

Weil in Japan Hierarchien wichtig sind, gibt es einen ersten Lokführer und einen zweiten. Der erste Lokführer hat die Aufgabe, den Zug in Fahrtrichtung zu führen. Der zweite Lokführer sitzt im anderen Führerstand, am jeweiligen Zugende, zur Sicherheit. Dort hat er im Regelfall nichts anderes zu tun, als die entschwindende Landschaft aufmerksam zu betrachten.

Weil in Japan Hierarchien wirklich wichtig sind, wird an jeder Kehre gewechselt: Der erste Lokführer hat nämlich die Aufgabe, den Zug immer in Fahrtrichtung zu führen. Daher der Wechsel: Beim Halt steigt jeder der beiden Lokführer aus und geht zum anderen Führerstand am ihm zustehenden Zugende. Dann fährt der Zug weiter bis zur nächsten Kehre. Dort erfolgt der nächste Wechsel.

Weil im zuverlässigen Japan Posten möglichst lebenslang besetzt werden, kann es so vorkommen, dass jemand nahezu sein ganzes Leben lang als zweiter Lokführer rückwärts fährt. Und zwar so lange, bis der Posten des ersten Lokführers frei wird und er aufrückt.

Bis da hin kann er nur aufmerksam der Landschaft beim Entschwinden zusehen und hoffen, dass wenigstens einmal etwas aufregendes passiert.



So weit das Gerücht über die Verhältnisse in Japan. Ich war noch nie dort.

21 Dezember 2008

Robert

Und bevor mich jemand daran erinnern zu glauben muss: So weit reichts grade noch, bis zu diesem Gedicht von Robert Gernhardt, in Anlehnung nach Kuno von Hoffmanstal. Wie ging das gleich noch? Ah, Gugel weiß:

Terzinen ueber die Vergesslichkeit

Noch spür ich ihren Dingens auf den Wangen,
Wie kann das sein, dass diese nahen Tage Dings sind,
für immer fort und ganz vergangen?

Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt
Und viel zu kommnichtdrauf, als dass man klage,
Dass alles gleitet und vornüberrinnt.

Und dass mein eignes ... Na! durch nichts gehemmt
Herüberglitt aus einem Kind?
Ja, Kind, Mir wie ein Hut unheimlich krumm und fremd.

Dann: dass ich auch vor Jahren hundert war
Und meine Ahnen, die im roten Hemd
Mit mir verdingst sind wie mein eignes Haar.

So dings mit mir als wie mein eignes Dings.


Genau.

20 Dezember 2008

Grüße aus...

einem Stadtteil von Mayen

Nein, es liegt nicht am Alter, Alter!

Im übrigen stelle ich derzeit eine kleine Schwäche fest: Das Gedächtnis. Nein, ich bestreite, dass es am Alter liegt!

Also: Zur Zeit vergesse ich immer irgendwas. Genau, das passiert jedem mal, aber hier handelt es sich um jahr-zehn-te-lang geübte Routinevorgänge.

Bevor wieder irgendwer mit so einem blöden Stöckchen kommt: Wenn ich aus dem Haus gehe nehme ich immer - IMMER! - ein paar Sachen mit. Den Schlüssel - das Geld - das Telefon. Telefon erst seit ca. 8 Jahren. Im Winter außerdem ein paar obligate Kleidungsstücke: Jacke - Mütze - Schal.

Aber seit ein paar Tagen vergesse ich immer irgendwas. Dann muss ich wieder raufrennen, zurück in die Wohnung. Dazu hat man aber in den seltensten Fällen Lust. Insbesondere dann, wenn man schon ein wenig spät dran ist, wie Der Große Bloguator™ eigentlich immer.

Vorwärts immer - rückwärts nimmer!

Irgendwas fehlt jedenfalls in letzter Zeit ständig, irgendein blöder Routinegegenstand: Mal das Telefon, mal der Schal, mal das Geld.¹

Kann mir das irgendwer erklären? Lesen hier zufällig Psychologen mit brauch-/anwendbaren Kenntnissen mit? Ich möchte 1. wissen, woran das liegt und 2. wie man das abstellt. Danke.





¹ nun ja, zugegeben, das Phänomen existiert schon seit längerer Zeit bezüglich Sportklamotten: Da fehlt mal das Duschzeug, mal das Handtuch, mal frische Unterwäsche und mal die sauberen Socken. Ist da aber nicht so auffällig: Sport ist nur ein- oder zweimal die Woche ... oder ich habe mich schon lange dran gewöhnt...

19 Dezember 2008

Helferlein

 
Man soll ja nicht immer nur hämisch lästern, soll man nicht. Manchmal genügt es auch, wenn man sich vorbehaltlos wundert - fast schon im Sinne von "bewundern". Nämlich in diesem Fall, wo das Helferlein Rechtschreib doch tatsächlich in der Buchstabenansammlung "hprblemlos" das beabsichtigte "problemlos" erkannt hat.

Rrrrespekkt!
 

18 Dezember 2008

Anregung

 
Ich muss mich mal von dem Trugschluss verabschieden, dass bei anregenden Getränken "besonders dunkel" auch immer "besonders gehaltvoll" bedeutet: So linear ist dieser Zusammenhang nämlich nicht.



...hm?

Äh, ja: Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
 

Oha!

Was einem nicht alles entgeht

Erst vor kurzem habe ich die Künstlerin Jean Shin kennengelernt ... also: Nicht persönlich, sondern ihre Arbeit: Sie beschäftigt sich mit Geweben und Collagen aus gefundenen Dingen. Beispielsweise eine Art temporäres Parkett aus Einweg-Esstäbchen oder ein endloses Band aus Computer-Tastaturtasten.

Persönlich mag ich die Soundwave ganz gerne: Sie spricht von der Kurzlebigkeit von Musik und vom Geschmack, der durch eine Plattensammlung zum Ausdruck kommt.


Wobei es allerdings nahezu Frevel ist, Vinylplatten einzuschmelzen. Zudem denken die meisten inzwischen beim Stichwort Musik vermutlich eher an CDs, MP3, gute alte Tape-Cassetten oder schlicht an ein Klavier. Wie dem auch sei: Ein schönes Gebilde.

Mich erinnert dieser Anblick allerdings schwer an Hokusais Bild vom Tsunami - die Perspektive, der sich überschlagende und brechende Wellenkamm. Da das Kunstwerk 2007 datiert ist, nehme ich an, dass der Künstlerin auch der große Tsunami von 2004 im Kopf herumspukte.


Und damit erfüllt das Werk zumindest eine meiner Erwartungen an Kunst: Sie regt die Phantasie an.

Trivial, nicht?

Genau.

17 Dezember 2008

Musik und so

Bei der Suche nach einem Beispiel für den Bolero, also für DEN Bolero von DEM Ravel, bin ich auf die folgende überraschende Resource ... hrmhrmm ...Quelle ... gestoßen:

Nämlich das Department of Special Collections der Donald C. Davidson Library, University of California, Santa Barbera

Hier werden alte Tonaufnahmen auf Walzen digitalisiert und dann der Welt wieder verfügbar gemacht. Auf diese Weise kann man beispielsweise überaus nervigen Jazz von 1918 kennen lernen - falls man vergessen haben sollte, wo der Jazz seinen Namen her hat.

16 Dezember 2008

Man bekommt...

... ein seltsames Bild von Japanern, wenn man arglos einem Comic-Link folgt und dann auf Sachen wie diese stößt:


Mir ist noch nicht mal richtig klar, aus welchem Material diese Teile bestehen - Latex? Porzellan? - aber der Detailreichtum ist doch bewundernswert ... sonderbar.

Dabei schwingt immer die Frage mit: Was macht man damit? Stellt man sich sowas ins Regal?

Und zum eingangs erwähnten seltsamen Bild von den Japanern: Wie ist man, wenn man sich sowas ins Regal stellt - verzweifelt? Borderliner? Einsam? Macho? (meinetwegen auch ein Lesbo-Macho) Oder einfach nur total unbefangen und völlig mit sich im reinen und ein ganz neutraler aufrichtiger Bewunderer des schönen Körpers?



Zu dieser Ratlosigkeit eine Verständnishilfe, die auch für viele andere derartige Erzeugnisse gelten mag:

B.) Golombs Merksätze zur Verwendung mathematischer Modelle

4. Verwechseln Sie nie das Modell mit der Realität.
        (Merksatz: Versuch nicht, die Speisekarte zu essen.)

15 Dezember 2008

Die Bayern wieder

Ich hätte mir ja gewünscht, dass all diese bayrischen Geistesgrößen¹, die jetzt das Maul so weit aufreißen, sich schon früher mal melden: Wenn überall in Deutschland - mit Ausnahme Bayerns - alle möglichen Minderheiten von Faschisten angegriffen wurden, hat man seltsamerweise dazu nie etwas aus Bayern gehört. Außer vielleicht der Frage, was alle diese Minderheiten hier eigentlich zu suchen hätten.

Fragt man sich schon, wie weit Bayern eigentlich von Deutschland entfernt liegen mag, oder wo seine Staatenlenker in den letzten Jahren wohl gelebt haben. Jedenfalls haben anscheinend weder Zeitungen noch Rundfunk bis nach Bayern gereicht.

Was den Geistesgrößen jetzt aber ganz schnell wieder einfällt ist, demokratische Verfahren außer Kraft zu setzen, um die NPD zu verbieten.





¹ ...ah, wer sich über diesen völlig ungerechtfertigten Ausbruch wundert, ich vergaß zu erwähnen: "Ich kenne meine Pappenheimer - ich bin ja selber einer."

Türblattaußennaße

Suchbegriffexegese

Zum Verständnis muss man sich die Grafik wohl in Originalgröße ansehen: Einfach drauf klicken.



Nase schreibt man mit ohne ß ¹.

Irgendwelche Pfälzer unter uns? Ich meine Fensterpfälzer ... Leute, die wo Fenster pfälzen?


¹...und an sich wäre an dieser Stelle Gelegenheit, einen unsinnigen und völlig überflüssigen Streit über den Unterschied zwischen SZ und Scharf-S vom Zaun zu brechen.
² Ein Falz wäre die Falte im Türblatt und Türrahmen, die dafür sorgt, dass die Zugluft einen Umweg machen muss und dass es dadurch weniger zieht. Aber sowas meint der Autor der obigen Tabelle ja nicht.
³ Wie man etwas pfälzt weiß ich nicht.

12 Dezember 2008

Unwichtige Zwischenfrage

- berufsmäßige Neugier -

Warum wohl liefert das Charité-Facility-Management eine neue Kücheneinrichtung in einen neuen Dachausbau in einer unbedeutenden Schöneberger Nebenstraße?

Zur Erläuterung einige rethorische Fragen:
CFM → Hausmeister der Charité-Liegenschaften?
Distanz Charité - Schöneberg > 6km
Dachausbau Schöneberg ≠ Charité-Liegenschaft?
Neue Kücheneinrichtung = Privatwohnung ≠ Facility-Management?


... nur so, die unbezähmbare Neugier  eben ...

09 Dezember 2008

Trommlerwirbel

Nichts liegt mir ferner als Weihnachten, und nichts liegt mir näher als ein Umweg. Also: So das übliche Pflicht-Weihnachten, Baum, Hetze, Streit, Völlerei. Nun, nichts gegen jedes einzelne dieser Elemente, aber bitte mit eine gewissen Überraschungsmoment, und nicht ewig vorhersehbar kalenderabhängig gruselig.

Das ist auch schon ein schönes Stichwort: Gruselig - man weiß eh nicht mehr, ob es sich jetzt noch um Halloween oder schon um Weihnachten handelt. Aber es ergab sich auf Umwegen neulich die Suche nach einem Musikbeispiel für einen dieser Klassiker. Man weiß ja schon seit Jahren, dass dieses eins der meist verwendeten Musikstücke der Neuzeit ist.

Kann man mögen oder nicht. Oder man gibt sich im Sinne eines neurologischen Experiments einfach mal ein paar Stunden nur das. Auf diesem speziellen Sender auch ohne das ewige Dazwischengeplapper des Moderators, der sich ein einziges mal still zurück hält und Musik und Künstler für sich sprechen lässt.

Und hier sollte sie sein, aus höchst weihnachtlichem Anlass - und wenigstens ein-mal rechtzeitig:

(powered be SkreemR)

Gemeint sind die seltsamsten Erzeugnisse der weihnachtlichen Drummer-Boy-Industrie. Und, ja, richtig: Ich finde die rumpelige Abney-Park-Einspülung nicht viel seltsamer als die klebrige Darstellung von der hübschen Tori Amos.

Funktioniert jetzt so, dass man sich am besten den Foxytunes-Player im Firefox installiert und dann einfach beim ersten Song auf Start drückt.
Jaaa-ja, ich weiß, das erfordert mehr eigene Mitwirkung, als so mancher Leser aufzubringen in der Lage ist. Aber. Auf direkte Links verzichte ich doch lieber, damit mich die Freunde der Rechte der Musikindustrie nicht noch in ewige Armut und Verdammung stürzen...

Bastard-Pop

Kürzlich auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt spielte eine Amateur-Big-Band mit ziemlich großer Gebläseabteilung lustige Mash-Up-Musik.

Vielleicht nur eine Art musikalisches Deja-vue des Großen Bloguators™. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie zwar eine Vielzahl guter Bläser, aber nur einen einzigen Drummer mit arg begrenztem Repertoire zur Verfügung hatten.

Zuerst erscholl weihnachtliche Besinnlichkeit auf dem Dampfkochtopf: Sie spielten sich zum Drummer Boy die Seele aus dem Leib - erstaunlich schon, dass nach dieser Vorstellung keiner hyperventiliert bewusstlos liegen blieb. Und dass das bei unkonzentriertem Hinhören verblüffend ähnlich nach Ravels Bolero ² klang.

So ein Weihnachtsmarkt ist ja kein Konzertsaal: Man selbst unsterhält sich und hört nur halb hin, außerdem gibt es reichlich Störgeräusche von sabbelnden Nachbarn, quengelnden Kindern, Gluckern des Glühweins, startenden Flugzeugen bis hin zum Rauschen der Gaslaternen.

Und dann gleich anschließend Jingle Bells, das sich aber irgendwie schwer nach Lambeth Walk anhörte, oi!¹

Kann einer der Leser das mal mixen?

Und, weil das hier ja keine Radiostation ist, demnächst eine Compilation der seltsamsten Drummer-Boys, die mir bei der Suche nach einem geeigneten Beispiel begegnet sind. Versprochen! (so beginnen meine Drohungen immer)





¹ hatten wir auch schon mal hier
² hier in einer entsetzlichen Rondo-Veneziano-Version, irgendwie ganz dicht an der Ästhetik des Midi-files
³ so, und jetzt bin ich gespannt, ob das hier mit den Soundlinks so klappt, wie ich's mir vorstelle
- mir gehen die kleinen hochgestellten Zahlen aus: Link-Dank an Äintschie für den Weihnachtsmarkt
- neeneenee, aus Rücksicht auf die Rechte-Geier nehme ich die direkten Mp3-Links mal lieber vorläufig raus, bis sich eine bessere Lösung findet

04 Dezember 2008

Schriftverkehr

Vorbemerkung: Dem Autor und Großen Bloguator™ ist beim Camping in Gesellschaft dereinst aus verschnarchter Gutgläubigkeit Unachtsamkeit ein Zelt in Brand geraten... dennoch wird er zuweilen von mitleidigen Menschen privat eingeladen. Im folgenden ein elektronisches Antwortschreiben an so einen barmherzigen Mitbürger

Lieber Sportfreund,

zuerst bedanke ich mich höflich und wortreich für das, was ich als Einladung zu einer privaten Veranstaltung gründlich mißverstehe. Deswegen habe ich allerdings noch einige kleinere Anmerkungen und Fragen.
Sportfreund_XXX@aol.com schrieb:
Sehr verehrter Sportsfreund Goldfisch,
die Position N 48° 15,938 E 012° 46,010 solltest Du am 23.8. um 1900 MESZ ansteuern.
Handelsübliche Navigationssysteme für das autobahnisierte Binnenland sehen die Eingabe in östlicher Länge und nördlicher Breite leider nicht vor. Mein batterieloses tageslichtbetriebenes GPS auf Zellulosebasis umfaßt in entfaltetem Zustand eine Fläche von ca. 1,83 qm.

Könnte ich die Adresse bitte noch einmal in Mark und Pfennig ...Verzeihung, die Euro-Schwäche ... könnte ich bitte Straßennamen und Hausnummer sowie ORTSNAMEN  bekommen? (umgangssprachlich: Die Postanschrift)

In Gebieten niedriger geographischer Dichte (= Ortschaft ist in kaum einer Karte verzeichnet) sind u.U. auch Telefonnummern von Nutzen. Eine Buschtrommel gehört zur Notfallausrüstung unseres Fahrzeugs, Feuer versteht sich von selbst, Leuchten am nördlichen Himmel bedeutet die baldige Ankunft des Erlösers - so in etwa.

Nach der Ankündigung Deines Besuchs habe ich sofort sämtliche Wertgegenstände und alles zerbrechliche beseitigt, einer Teilnahme steht nichts mehr im Wege. Feuerlöscher sind besorgt. Der freiwilligen Feuerwehr wurde ein bundesweit gefürchteter Pyromane angekündigt.
Mein Vorschlag wäre, den schlagkräftigsten Löschzug dieses Weilers zum Fest einzuladen. In Arbeitskleidung. Die rechtzeitige Installation einer Sprinkleranlage ist angeraten. Waldbrandpatschen sollten bereitliegen. Brennbare Güter (Baustoffklasse B1) sind im Keller zu lagern.  Kinder fahren besser ins Ferienlager.

In Museen werden gefährdete Kulturgüter dadurch vor Brandschäden bewahrt, daß man den entsprechenden Raum bis zur Decke mit reinem CO² flutet. Dies ist eine kostengünstige und umweltfreundliche Maßnahme. Sie hat nur einen kleinen Nachteil. Finden sich auf dem Anwesen außer dem Eigentümer noch andere gefährdete Kulturgüter?

Wofern alle diese Maßnahmen eingehalten werden, kann - mit etwas Glück - nichts anbrennen. durch Rohkost läßt sich das Entflammungsrisiko beim Kochen weiter senken. Der preußische Feuerteufel merkt schlussendlich an: Einige Regionen werden sich noch Hochwasser wünschen! Wie weit ist denn der Fluss entfernt? Sind die Nachbarn in der spontanen Bildung von Eimerketten unterwiesen?

Auch ein weiterer Sportsfreund gab bereits eine vorsichtige Absichtserklärung zur Teilnahme ab. Nach einem tragischen Viel-zu-spät-Start vor 2 Jahren wäre ein
neuer Versuch angezeigt.
Der Weg ist das Ziel. Der Sportsfreund will einen neuen Versuch waging, soweit ich verstanden habe.
In meinen Datenbanken habe ich den bewussten Sportfreund leider nicht notiert. Da Du mir als emsiger Funktionär bekannt bist, möchte ich Dich um Information und nochmalige EINLADUNG DES INTERESSENTEN bitten. Sollten in diesem Deinem Kielwasser noch andere PYROFreunde Richtung Bayern segeln, sind diese selbstverständlich herzlich willkommen.
SOLCHE Pyrofreunde sind nicht leicht zu finden und daher pfleglich zu behandeln.
Andere Freunde des pyromantischen Stils trifft man schon öfter: Steuermann Klaus D. aus M. wünscht, getrennt und mit der Bahn anzureisen. Wo müsste er denn da hin (Angabe der nächsten geeigneten Bahnstation genügt)?
Da ich mich auf die Anstrengungen dieses EVENTS durch eine Meditationswoche mit
Löschübungen in der Südtiroler Bergwelt vorbereite, bin ich derzeit nicht
erreichbar. Gib mir bitte per elektronischer Datenübertragung Bescheid, ob Du und wenn ja mit wieviel Sportskollegen Du hier ansegelst.
Vorläufig haben nur der Kollege A. und Klaus D. aus M. ihr Kommen zugesichert. Außer der Adresse wäre auch die Startzeit beim Kirchenwirt hilfreich: Wann denn? Gibt es die Möglichkeit, bei Regen im Haus zu nächtigen (Luftmatratze - feuerfester Tresor) oder eine zum Zelten geeignete Wiese in flacher Hanglage?
Mit den üblichen Grüssen
Worin bestehen eigentlich die "üblichen" Grüße?
Sollen wir am Freitag das übliche Grüßen üben?
Gisbert
Grüßbert?

Nein, Verzeihung, ich muss mich korrigieren, die Zielzeit 1900 MESZ war ohne weitere Hilfsmittel und verhältnismäßig einfach auf die hiesige Position umzurechnen.

Für kurzfristige Antwort zu heißestem Dank verpflichtet,
mit sportlichem, zudem aber freundlichem Gruß

Carsten, der <°((( ~~<
 

02 Dezember 2008

Aaaaaa-krasia!

Aaaah! Seit gestern weiß ich das Wort dafür! Man kann auch beim Pub-Quiz durchaus was lernen.
Will ich jetzt nicht mit dem Lernen in Fernseh-Quizshows gleich setzen, in denen man Günther Jauch Millionär wird. Sondern oberhalb, also: Besser, mehr.

Hm? Äh, ja, genau: Akrasia. Das ist, wenn man die logische, richtige und angemessene Handlungsweise in einer Situation kennt - und etwas anderes tut. Der Fachmann (ich) weiß: Die Betroffenen tun nicht mal das Gegenteil, sondern einfach irgendwas. Vermutlich nur, um nicht das logische, richtige und angemessene tun zu müssen. Warum auch immer. So ist das eben mit den Krankheiten: Bei mancher weiß man nicht, wofür sie gut ist.

Sagte ich Krankheit?




Ah, nein, falsch, falsch! Alles falsch! Es gibt ein Wort dafür, Akrasia, aber dieses beschreibt eine eher akademische Fragestellung der Philosophen. Nämlich, ob man etwas tut, obwohl man etwas anderes für besser hält. Sowas ist natürlich Quatsch. In dem Moment, wenn man handelt, hält man ja die ausgeführte Handlung für die bessere.¹

Trotzdem kann man diese hypothetische Frage selbstverständlich philosophisch behandeln, dafür ist die Philosophie ja da.

Im täglichen Leben begegnen einem hingegen dauernd Leute, die rational denken und dann irrational handeln, obwohl wirklich alle Fakten wie auch Argumente objektiv dagegen sprechen. Das geschilderte Problem wird bei Wikipedia eher unter "kognitiver Dissonanz" eingeordnet. Klingt auch viel schöner, finde ich... und wende mich der dissonanten Kognition zu.


¹ es sei denn, man steht - wie Der Große Bloguator™ - zuweilen neben sich, beobachtet sich bei irgendeinem Irrsinn und fragt sich "Was zur Hölle tust du da?". Aber das ist ja nicht die Regel, oder?

01 Dezember 2008

Intermezzo

Im Grunde sollte das hier gar kein hauptberufliches Link-Posting-Blog werden. So wars jedenfalls nicht gedacht, ursprünglich. Sondern.

Aber ist es nicht ein Zeichen besonderer Flexibilität, wenn man auch mal vom ursprünglichen Plan abweichen kann? Nee, nä? Eher nicht.

Ich bitte zumindest dafür pauschal um Verzeihung ... ist aber auch egal: Auf Wegen, die inzwischen wirklich nicht mehr nach­­zu­­­voll­­ziehen sind, bin ich kürzlich über dieses außerirdische Stück (Link zur Erläuterung) gestolpert:



...und weiß gar nicht, was ich daran mehr bewundern soll: Die Iwan-der-schreckliche-Kostüme, die verstaubte Fernsehballett-Choreografie, die sehr hübschen Schauspielerinnen oder den Sowjet-Funk aus den frühen siebzigern mit dem zentralen Röhren-Schweine-Synthesizer. Ganz zu schweigen von der krassen Auflösung dieses Rätsels am Schluss. Russisch kann ich nämlich immer noch nicht.

29 November 2008

Schriftverkehr

Kürzlich in älterem Schriftverkehr gefunden:
Dieses batterielose tageslichtbetriebene GPS auf Zellulosebasis umfaßt in entfaltetem Zustand eine Fläche von ca. 1,83 qm.

Vulgo: Straßenkarte.

28 November 2008

Hätte - wäre - könnte

wichtigster Indikativ unter Seglern

Vor etwa 27 Jahren habe ich mit Segeln angefangen, auf dem Wasser, mit Booten. Davor hatte ich segel-geflogen. Wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass es mal Segelboote mit Höhenruder geben würde - ich hätte sicher an seinem Verstand gezweifelt.
(jaja, schon klar, das Zweifeln ist sowieso die Spezialität des Großen Bloguators™)

Heute stellt sich die Sache so dar:
Es gibt Boote mit Höhenruder...


Doch, wirklich!


... man braucht das hierfür:




Also, nicht dafür, sondern dagegen.
Wobei ... für manchen wäre ein Querruder vielleicht sinnvoller:


Oder Stützräder.


Aber es gibt sogar welche, die vollständig abheben. Inzwischen segelt man mit kleinen Flugzeugen:




Tja. Oder was dachtet Ihr wie Segelei heute wohl aussieht?


(so sorry, das Video war von Youtube verschwunden - hier ist ein neues. Hoffe, dass es jetzt funktioniert)





als wäre das alles noch nicht artistisch genug, musste ich grade dieses hier entdecken:



27 November 2008

Beobachtung

Hin und wieder werden hier völlig überflüssige Scherze über Namen gemacht, Vornamen kann man sich doch selten aussuchen¹. Da gibt es etwa jenes Land, wo Andrea und Gabriele Männernamen sind. Und auch Simone.

Nicht, dass mir diese Namen nicht gefallen würden - die gefallen mir schon. Es handelt sich um eine Gewohnheit: In Deutschland sind diese Namen alle sehr gebräuchlich, aber eben für Frauen. Südlich der Alpen ist das anders.

Dabei gibt es doch Punkte, in denen man sich ganz sicher ist, eigentlich. Hinter der Buchstabenansammlung M - a - r - i - a vermutet der gemeine Deutsche in 99,3% der Fälle einen Frauennamen. Aber der gemeine Deutsche sieht seine Erwartungen auch hier bitter enttäuscht: Im Artikel über den Namen Maria zählt Wikipedia als "Berühmte Namensträger" der Gegenwart² ausschließlich Männer auf. Ich verlange eine Quotenfrau!



¹ "Männerhosen mit Frauennamen, Frauenblusen mit Männernamen und mundgeblasene Vasen aus dem Harz!"
Walter Moers: Schöner Leben mit dem kleinen Arschloch - unter besonderer Berücksichtigung von Sex, Drogen und Alkohol.

² ja, schon, da stehen auch Frauen. Aber die sind alle sowas von historisch, dass es schon beim Drüberlesen staubt...

26 November 2008

Geil!

 
Das hier hab ich wieder mal von English-Russia. Ist wohl Werbung für eine Telefongesellschaft aus der Ukraine. Man kann es von dort nicht verlinken und ... egal. Seht es Euch einfach an, wenn möglich in zweifacher Größe:



... dachte ich, bis ich mitbekam, dass das schon wieder ein gaaanz alter Hut ist.

Aus der Türkei kommt diese:



Man findet sie, wenn man bei Youtube nach AKBANK sucht. Und als verwandte Themen kriegt man dann gleich noch etliche ähnliche.

Trotzdem: Geile Idee!


... und wen's interessiert (also vermutlich ALLE Leser, die hier vorbeischauen): Es gibt sogar ein Making-of.

25 November 2008

Meine Güte!

Besonders erschüttert bin ich dann, wenn Leute komplett ratlose Sätze in Suchmaschinen eintippen. Das bedeutet: Sie besitzen Verfügungsgewalt (!) über einen Computer - haben aber nicht die blasseste Vorstellung, wie die elektronische Informations-Verarbeitung funktioniert.

Vor einigen Jahren gab es mal eine schöne kommentierte Übersicht der abwegigsten Fragen, die einer Suchmaschine so gestellt werden. Das abwegige waren nicht so sehr die Wünsche, die Menschen nun mal hegen. Vielmehr wurde aus den Fragen ersichtlich, dass die Fragesteller glaubten, dass in so einer Suchmaschine ein Mensch drin sitzt, der ihre ganz persönlichen Sorgen begutachtet und die passende Antwort in Sekundenbruchteilen bereit hält... egal wie gruselig ihre Orthografie auch sei.

Naja, der Artikel ist wohl schon mehr als 5 Jahre alt, hat aber nichts an Aktualität verloren. Wer's nicht glaubt: Hier.

Ich zieh Tiere - "Gelegentlich kann sich jemand nur an das Aussehen eines Dozenten erinnern" - und so einer sucht folgerichtig:
dissertation AND medizin AND spitzbart.
Erstaunlich daran - oder eben auch nicht - ist, dass sich in Zeiten der taylorisierten Produktion ü-ber-haupt-nichts daran geändert hat. Das erkenne ich an dem Besucher, der den Satz "Würden sie sich als tierlieb bezeichnen" halbwegs fehlerfrei eingetippt hat. Dann landet man hier, in diesem Blog, ist ja klar.

Diese Frage kennt der große Bloguator aus den Kennenlernplattformen, und eigentlich ist sie ihm bisher auch wirklich nur dort begegnet. Wer stellt sich sonst so eine Frage? Und selbst wenn: Wem mangelt es da an Antwort? Das ist doch nicht so schwer, oder? Warum tut jemand sowas? Ein einfaches "Nein, Hunde kann man essen - aber zählen Hunde wirklich zu den Tieren?" würde doch genügen.

Je nun.

Mein persönlicher Favorit bei der Suchmaschinenbenutzung ist  der chiruggiebedarf und, weil es nun mal erklärtermaßen das lieblingswort ist
- aufmerksamkeitdefizitsydrom
- aufmerksamkeitsdefitsyndrom

Hier weiß jemand genau,woran er leidet.

Von der Nacktschwester ganz zu schweigen - oh, wie sehr schätze ich diesen Artikel.



oh mein gott! war ich das? Habe ICH wirklich Orthographie mit F geschrieben?!? Das ist das Ende! Der Untergang ist nah! Armageddon! Jedenfalls für mich...

24 November 2008

Es geht hier um Musik

... jedenfalls behauptet das der Kommentar zu diesem Youtube-Filmchen:



Wer die Bilder und übrigen Geräusche sieht und über irgendeinen Zusammenhang grübelt, könnte auf alle möglichen Gedanken kommen. Aber der Youtube-Poster verweist auf die Musik: Zu Recht!

23 November 2008

Helferlein Rechtschreib

Das Helferlein macht ja nicht nur Vorschläge - zuerst fragt es sich bei jedem Wort, nein, eher bei jedem Buchstaben, ob es ihn in diesem Zusammenhang kennt. Und wenn nicht - erst dann macht es Vorschläge.

Das kennen auch anderssprachige Leute...
Due knot trussed yore spell chequer two fined awl miss steaks!
...und dann dichten sie daraus ganze Gedichte:

Spel Chek

Eye have a spelling chequer
It came with my pea sea
It plainly marques four my revue
Miss steaks eye kin knot sea.

Eye strike a key and type a word
And weight four it two say
Weather eye am wrong oar write
It shows me strait a weigh.

As soon as a mist ache is maid
It nose bee fore two long
And eye can put the error rite
Its rare lea ever wrong.

Eye have run this poem threw it
I am shore your pleased two no
Its letter perfect awl the weigh
My chequer tolled me sew.
Gefunden bei jetzt.de von der Süddeutschen Zeitung, Original-Autor ließ sich leider nicht ermitteln.

22 November 2008

Auf keinen Fall verpassen!

... auf gar keinen Fall!


Grade bin ich auf Umwegen¹ auf die erstaunlichste Sammlung an Dumpfbacken gestoßen, die das Internet derzeit bereithalten dürfte: Irgendein Radiohamburg sucht zur Zeit den "Sexiest Man 2008".
(ob man das wohl alles amerikanisch aussprechen muss? Also auch das twothousandeight?)


Was dabei rauskommt ist noch ein wenig erschütternder als die Suche nach dem Superstar mit Super-Retardman Dieter Bohlen. Immerhin hat der zum großen Teil minderjährige Bewerber, denen man bei ihren Träumen vielleicht zugestehen kann, dass sie nicht ahnen, worauf sie sich einlassen.

Die Sexiestmanzweitausendacht-Burschen sind aber fast alle erwachsen. Naja, zumindest zahlenmäßig. Intellektuell werden sie wohl nie da hin kommen. Brauchen sie aber auch nicht - sie haben ja ihren uuuuun-glaub-lich sexy...nen ... ? ... also unglaublich geschlechtsspezifischen Körper.

Ich meine, wie verstrahlt muss man sein, um sich irgendeinem beliebigen Publikum mit so einem Bild zu präsentieren?

Schon die unsortierten Bewerberfotos sehen irgendwie aus wie ein Top-Assessment-Center für Erschrecker in der Geisterbahn. Aber der Sender muss es ja unbedingt auf die Spitze treiben, und für besonders schmerzfreie Besucher noch eine Sammlung der heißesten Posen und der Super-Beachboys zusammenstellen. Heißt dann wie früher in der Bravo "Fotostory".

Mein Top-Favorit im Punkt Top-Sexyness ist dieser junge Mann:

Das sieht die Redaktion des Senders erwartungsgemäß ähnlich.

Dies ist wohl der Moment, wo man sich als Mann fragen darf, ob man sein Geschlecht nicht zurückgeben kann und nochmal neu wählen darf. Hm? Menschliches Geschlecht, meine ich, nicht Männer~. Bevor man mit diesen Beachboys in einen Topf geworfen wird, ist ein Leben als Waran oder Nacktmull sicher vorzuziehen. Und mit dem Sexiestman2008 kann man dann ja immer noch konkurrieren. Ja, sicher, intellektuell sowieso, aber auch im Aussehen:




¹ über regelmäßig besuchte Blogs hin zu anderen

21 November 2008

Sprichwörter

Länger schon staune ich, wie regelmäßig dieses Blog mit der Frage nach albanischen Sprichwörtern aufgesucht wird. Was interessiert die Leute ausgerechnet an albanischen Sprichwörtern? Geben die irgendein Heilsversprechen, das andere Sprichwörter nicht können? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls noch nicht: Für vergleichende Studien bietet sich nämlich das Sprichwörterportal bei Wikipedia an. Das kannte ich noch gar nicht. Sonst würde in diesem Blog wohl einiges anders laufen. Jawohl! Aus Sprichwörtern kann man vieles lernen!

Aus gegebenem Anlass - professionelle Prokrastination - schließt daher dieser Eintrag mit dem einzigen dort verzeichneten lombardischen Sprichwort:
"Die Gegenwart belohnt die Fleißigen - die Zukunft belohnt die Geduldigen."
Das will ich mal ganz stark hoffen!

20 November 2008

Dieselpunk

Internet ist was feines. Beim Besuch einer russischen Steampunk-Seite (... nicht dass ich Russisch könnte... jedenfalls nicht besser als Klavierspielen...) bin ich auf dieses interessante Gerät gestoßen. Der Hersteller behauptet, dass es sich dabei um ein Motorrad handelt:

Wer genau hinkuckt, da ist alles dran, was man für ein motorisiertes Fortbewegungsmittel braucht: Räder, Bremsen, Motor, sogar ein Sitz. Na gut, bei regennasser Straße wird man wahrscheinlich einen Rallyestreifen auf dem Rücken haben - aber sonst...

Das Teil kommt aus den USA, Louisiana, wo man mit regennassen Straßen vielleicht seltener rechnen muss. Allerdings sollte man doch sonst rechnen, etwa, ob man sich so zwei Schutzbleche noch leisten kann, wenn man das Motorrad mal abbezahlt hat. Die Verkäufer rufen 110.000,-$ auf, was selbst in richtigem Geld noch eine ganze Menge ist. Dafür bekommt man aber auch einen völlig überflüssigen Dampfhammer mit knapp 2 Liter Hubraum.

Wwwruuummm!



19 November 2008

Nebenher und sehr fachspezifisch...

Segelei


Wir haben hier in Berlin grade Bootsausstellung. Lustigerweise teilt sich meine Bootsklasse den Stand mit lauter Jugendklassen. Waren wir auch mal - vor 25 Jahren. Eine nette Organisatorin sagte mir aber gestern beim Aufbauen "Das geht nach gefühltem Alter." Danke!



Bei uns ist das Problem mit der Standbesatzung, dass wir alles selbst machen müssen: Segeln und organisieren. Segeln ist eine Zeitvernichtungsmaschine, wir sind mehrheitlich berufstätig, das ergibt zuweilen einen Konflikt. Früher war das anders: Da hatte man Funktionäre, die vom eigentlichen Sport keine Ahnung hatten, aber im Tausch für das Ansehen, das so ein Amt einbrachte, bereit und in der Lage waren, die notwendige Zeit zu erübrigen. Heute nicht mehr. Und damals hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich das nochmal vermissen würde.

Das interessante an den Jugendklassen ist, dass sie im Gegensatz zu allen anderen Bootsklassen noch die strikte Trennung zwischen Funktionären und Aktiven haben: Aktiv sind die Kinder, Funktionär die Eltern. Ob man sich das wünschen soll, weiß ich nicht. Immerhin haben die Jugendklassen die bei weitem größten Teilnehmerfelder, ein Zustand, von dem alle anderen nur träumen können. Wir sehen das mit Neid und Wehmut - und bleiben weiter auf der Suche nach einem geeigneten Rezept.

Grade im Radio

Grade wird auf Radio1 irgendeiner¹ interviewt, der sich mit der Entfernung von Tattoos auskennt. Dann können Zuhörer anrufen und Fragen stellen². Erste Frage: "Wie werde ich denn so ein Tattoo wieder los? Aber möglichst preiswert!"

Bei der Anschaffung des Tattoos spielte der Preis vermutlich noch eine eher untergeordnete Rolle, oder?

Erinnert mich an die ganzen Dödel, die es zu Zeiten des Tattoo-Booms besonders cool fanden, die südseeische Originalaussprache nachzuahmen: Tatauierung. Der hilflose Versuch, dem arglosen Betrachter zu bedeuten, wie wenig Ahnung er hat.




¹ Dermatologe Dr. Bernd Algermissen
² oh wie ich das hasse: Call-in-Sendungen! Sowas bringt den Fremdschämer in mir auf Hochtouren...

18 November 2008

Lebenshilfe

Hinweis für Diskussionsteilnehmer:

"Eigene Beobachtung" ersetzt mühelos und ganz logisch die Realität.

Dialog

"Siehst Du die beiden schönen Mädels da drüben?"

"Welche? Ach die da - oh, ja!"

"Die sind verheiratet..."

"Aha? Interessant!"

"... miteinander!"

"Oh. Wie schade."

"... buhuuuhuuuhuuu ... sniff ..."


17 November 2008

Physik!

Musik & Tön (3)

der werner hat ja ne menge blödsinn im kopp. aber n juter inscheniör isser scheints trotzdem: dit wurde bei uns tatsächlich nich warm. und der tüp über uns wurde langsam gar. irgendwann sehe ick den in badelatschen und jogginghose zum bäcker stolpern. der sah jenau so aus wie die leute, über die sich so eener immer lustich macht: verwahrloste spießer. "hitzschlach", denke ick.

nach ne weile schleppte er nen riesigen ventilator hoch. den konnte er alleene kaum tragen, er brauchte sogar hilfe. ick habe ooch schon mal n ventilator jetragen: so schwer is son teil nu wirklich nich, dass man dafür zwei brauch. memme.

aber son ventilator macht ja nüscht, außer ne hohe stromrechnung: der wälzt die heiße luft nur von die eene seite auf die andere. dit weeß sogar meene tochter schon. nur die filzlaus über mir scheints nich.

denn kam der immer früher nach hause, teilweise noch am selben abend. dit muss man sich vorstellen: wenn so eener immer früher nach hause kommt isser krank - oder kricht n kind.

und vater wurde er wohl nich. der hatte anscheinend noch nichmal ne freundin. wie denn ooch? die wäre jenauso schnell gar jewesen. war er wohl erschöpft.

und irgendwann höre ick ne horde elefanten durchs treppenhaus stampfen. dit jeräusch kenne ick. kennt jeder, der ne weile im hellhörijen altbau jewohnt hat: umzuch. also: nich mit laterne, sondern mit wohnsitz, und möbeln.

zum auszuch hatte der schwächling doch tatsächlich studenten von der arbeitsvermittlung jemietet. der hatte noch nichmal freunde, die ihm helfen wollten. oder zuviel jeld. oder war ihm eklich, so alleene seine eigenen möbel anzufassen. oder war ihm peinlich. wat weeß ick - hauptsache er is weg.

die jestelle an werners fenstern ham wer schon wieder abjebaut und alle teile zurückjejeben. blöde is nur, dass die schraubenlöcher nich so schön zu gingen. erst stand die spachtelmasse über, denn ham wer jeschmirgelt - und denn war die farbe am fenster im eimer. werners frau besteht jetzt drauf dass er die fenster ordentlich streicht. da muss ick ihm wohl bald nochmal helfen, sonst hängt dit häusliche glück auf dauer schief. soviel zu seinem 'protest jegen dit establishment'.

aber immerhin is hier endlich ruhe. die wohnung über uns is leer, vorläufich. da liecht ooch nich mehr dauernd kalk vor unserer eenen wandecke - jetzt kann ick mir denken, wo der herkam. hätte nich jedacht, dass sowat funktioniert, ne fernheizung aus spiegeln und fensterscheiben.

nur unsere katze wird scheints immer noch seekrank.

16 November 2008

Physik!

Musik & Tön (2)

beim frühstück bei werner konnte ick den hampelmann denn ooch endlich bei seine tätichkeit beobachten. mich wundert ja nüscht mehr: ick staune, dass bei uns überhaupt noch wat steht. ick staune aber ooch, dass dem bei seinem jeschüttel nich die arme abfallen. son mensch hält mehr aus, als man gloobt.

wie ick da so sitze und kieke und den kopf schüttle - aber langsamer - meinte der werner: „wir wollen doch mal sehen, wie viel wärme der junge mann verträgt."

ick sage noch: „wärme? der looft doch ständich im lammfellmantel rum, und dazu hampelt er noch wie verrückt - der hat dit jerne warm!"

und werner: „das werden wir ja sehen."

unsere straßenfassade zeicht so'n bisschen nach nordosten. dit is nich schlimm, da jeht nur die küche und een zimmer raus, die andern zimmer sind nach südwesten, und zum hof, da ham wer nachmittachs sonne.

beim werner jeht entsprechend die straßenseite nach südwesten, die ham da fast alle zimmer zur straße hin. außerdem jibs keenen balkon. dafür hamse ne treppe aufs dach, und dort ne terrasse. der werner sacht zu mir: „wir wollen den jungen mann einmal ein wenig schwitzen lassen."

denn hat er mich jefracht, ob ick nich irgendwo son paar jestelle schrauben könnte? konnte ick: auf unserm werkhof, der meister brauchte sowieso ne aufgabe für die azubis. außerdem wollte werner n paar stellmotoren, nur leihweise, versteht sich. konnte ick ooch. der werner hat mir zeichnungen jemacht und ick hab die sachen jebaut.

er machte dafür die schwierigen sachen: die steuerung. brauchte er verschiedene elektronik. damit kenne ick mich nich so jut aus. aber er krichte allet aus seinem institut. außerdem kam er mit so komischen saugnäpfen an. er hat jesacht, dass dit jar niemand vermissen würde. aber ick gloobe fast: der hat die sachen jeklaut!

als allet fertich war hatten wer für jedet fenster een jestell mit zwei motoren und nem saugnapf. so ähnlich wie so'ne schere, die sowieso in jedem kippfenster drin is. nur außerhalb drauf jeschraubt. und zwischen allet lange kabel für die steuerung.

die wohnen im altneubau und ham da so mittelalte fenster die man drehen und kippen und aushängen kann. mit son hebel unten anne ecke. kennt man ja: wenn man pech hat, hängt dit fenster nur noch an eene ecke, und man kricht et nich wieder einjehängt und muss um hilfe rufen. ick hab ja die alten fenster lieber.

aber der werner sacht: „siehst du - genau das brauchen wir".

denn ham wer die fenster ausjehängt bis auf die eene ecke, und die neuen jestelle auf die fenster jeschraubt. seine frau hat jeflucht. wir mussten heilich versprechen, dass wir die schraubenlöcher hinterher wieder zu machen.

und denn jabs noch een detail: die saugnäpfe wurden innen auf den jestellen anjebracht und saugten die scheibe. die bogen die scheibe nach innen durch, janz wenich bloß. der werner meinte, dass dit reicht, weil wir ja mehr als zwanzich meter brennweite brauchten. erklären kann er jedenfalls jut, leuchtete mir ein: die wärme sollte doch nich unjenutzt verpuffen.

nu hatten wer grade sommer. alle fenster bei werner waren so einjestellt, dass sie ab mittachs von jegenüber die sonne voll in die wohnung über uns spiegelten. wenn die sonne erst mal da war stellten die motoren jedet fenster dem sonnenstand nach, so dass die spiegelung über zich stunden gleich blieb, immer in die wohnung von der filzlaus rin. aber eben nich nur een fenster, sondern alle zehn.

der werner sachte: „wir könnten da drüben sogar ein glas wasser zum kochen bringen - wenn wir die fenster auf genau einen punkt richten!"

ick sage noch zu werner: "der einzije, den de da gar kochst, bin ick! wenn ick jut durch bin, ruf ick dich an, denn kannste mit ketschup zu meine beerdijung komm."

und werner: "jammer nicht! so sparst du das geld für die sauna. außerdem wirds bei euch gar nicht viel wärmer - die wärme steigt ja nach oben."

„du wirst mir doch nich die bude überm kopp anzünden? so viel is mir die filzlaus denn doch nich wert! wenn allet abbrennt denn kann ooch ick umziehen - aber der soll ja, nich ick."

„nein, keine sorge, so perfekt sind unsere brenngläser auch nicht."

„na, da bin ick jespannt."

vorsichtshalber habe ick trotzdem pässe, jeld und eenen teddy in der nähe von unsere eingangsür deponiert. man weeß ja nie.


15 November 2008

Physik!

Musik & Tön (1)

neulich treffe ick meinen bekannten werner uffm markt. da treffen wir uns öfter mal, wenn unsere frauen uns mit die töchter zum einkoofen jeschickt haben. der werner is'n feiner kerl. der is professor an'ner uni. nett isser trotzdem. ick kenne den über unsere töchter - aber dit habe ick schon früher mal erzählt.

also: neulich treffe ick den werner und der fracht mich: "wat wohnt'n da seit neuestens für een hampelmann über euch?"

der werner und seine familie wohnt uff die andere straßenseite und eene etage höher. der könnte die janze zeit voll von oben in unsere wohnung kieken - wenn ihn dit interessieren würde. aber dit is ihm wohl egal, wat wir machen.

uns ooch.

wahrscheinlich is dit auf dauer ooch nich so aufregend, wenn wir nackich in unser wohnzimmer rumloofen, oder im unterhemd ums frühstück sitzen. feinripp.

nee, quatsch! ick trage tischörts.

aber, jenau so hat er doch nich jefracht, der werner is ja studiert, der spricht ja nach der schrift ... so, na, hochdeutsch. wenn der wat fracht, klingt dit jeringfügich anders wie bei mir: "was für ein zappelphilipp wohnt denn da seit kurzem in der wohnung über euch?" so unjefähr muss er jesacht haben.

und ick: "keene ahnung, wieso?"

und er wieder: "na, merkt ihr gar nichts?"

"nee, wieso? ick merke nüscht - wat soll ick merken? ick sehe den kaum. wenn ick früh zur arbeit jehe kommt der jerade nach hause, oft wohl noch später. nee, der stört mich nich, an sich. wieso?"

"na, immer wenn er nach hause kommt legt er anscheinend eine platte auf, dann reißt er die fenster auf und dann fegt er wie ein wahnsinniger durch die wohnung. das stört dich nicht?"

der werner und ick, wir sind anscheinend die letzten, die musik noch mechanisch kennen, so von platte. heute hat man ja cd, dvd, laser, ick verliere schon lange den überblick.

die mechanischen zeiten warn schon besser, da konnte man sehen, wat man hatte. der werner sacht jedenfalls noch „platte" und nich „cd" und schon jar nich „mp3". deswegen verstehen wer uns wahrscheinlich so jut.

und ick so: "watt meinst'n: der feecht? soll er staubsaugen?"

"staubsaugen? nein. der tanzt! in unserer jugend hieß das tanzen, was der macht. jedenfalls war tanzen so ähnlich."

"tanzen?"

"nur dass es besser aussieht, wenn das knapp bekleidete junge frauen machen ... selbst du ... oder ich - und nicht zugewachsene hänflinge im fellmantel."

"aha."

"aber ihr müsst das doch merken, wenn der wie ein derwisch durch seine wohnung springt?"

"derwisch? meinste der is religiös? der sieht jar nich aus wie'n muselmann..."

"nein, nicht muselman - wie ein irrer! wie ein besengter!"

"ach so."

"du bist doch sonst immer so empfindlich?"


"bin ick jar nich. ick bin janz normal!"

„ja, schon gut!"

„aber trotzdem merk ick nüscht. und meene frau klagt ooch nich."

die hat aber ooch n besonders dicket fell. sie sacht denn immer „selektive wahrnehmung", wenn ick sie frage, ob se wat nich stört. sie meint damit wohl, dit se besonders jut weghören kann. sowat muss man können, dit is ooch ne jabe. wahrscheinlich genetisch, unsere tochter kann dit ooch.

der werner erzählt weiter: „wo ich früher gewohnt habe, als student, da hat das ganze haus gewackelt, wenn die über mir getanzt haben. die decke hat geschaukelt, der kronleuchter..."

„du hattest nen kronleuchter als student?"

„ja, das war mein protest."

„een kronleuchter als protest?"

„ja. mein ironischer protest gegen das establishment."

„aha."

„...also die lampe hat gewackelt, und der putz löste sich und ich bin geflüchtet."

„wat? du bist als student vor ner party jeflüchtet?"

„ich bin ingenieur, mann! ich weiß genau, was passiert, wenn ein haufen leute eine masse zum schwingen bringt! damit kann man brücken einstürzen lassen!"

„und du bist abjehauen?"

„ja, nach oben, zum mitmachen. das erschien mir im zweifesfall immer noch sicherer, als drunter zu liegen. und außerdem: die mussten mich einladen - ich wollte ja lernen."

„ach so. du hast ne ausrede jesucht. oder eenen, der dein bier bezahlt, wa?"

„ja, schon, auch. da ließ sich das nützliche mit dem angenehmen verbinden."

„soso."

„aber als ich einmal wieder runter ging, war mein küchenschrank umgefallen. der stand sowieso wackelig. und dann muss er sich so aufgeschaukelt haben, dass er umgestürzt ist. mit allem geschirr drin."

„na, als student wirste ja nich so viel wertvollet meißener jehabt ham, wa? für nudeln und kaffee brauch man ja nich so viel."

„so ähnlich. keine zwei tage später kam zufällig meine mutter zu besuch: 'wie siehts denn hier aus?!? hast du gar keine ordentlichen teller!?!' sie kann das mit ausrufezeichen sprechen, und dir gefriert das blut! vom meißener konnte ich sie mit mühe abbringen, aber gleich danach hatte ich mein erstes service aus porzellan. inzwischen finde ich das gar nicht mehr so schlimm."

„dit is een schlechtes zeichen - du wirst alt!"

„werde ich nicht! außerdem war das designer-geschirr, top-qualität! meiner mutter ist nichts gut genug für mich. zuerst war es mir peinlich, dabei ist das schon sehr solide. nur dass man sowas als normaler student halt nicht hat. später dann aber schon."

„pharisäer!"

„genau. aber ich konnte es damals schon nicht leiden, wenn einer seine stinkenden zigaretten in dem schönen geschirr ausgedrückt hat. geschmacklos."

„die janze raucherei is jeschmacklos. aber uff mich hört ja keener. ick kenne welche, die noch als erwachsene mit rauchen anjefangen haben. dit is würdelos sowat!"

„wir verstehen uns."

„naja, und jetzt haste tollet jeschirr, weil dir die nachbarn von oben mal fernjesteuert den schrank umjetanzt haben?"

„so ähnlich. damit fing es an."

unser treffen uffm markt zog sich hin. aber unsere mädels waren beschäfticht: erst jabs nen maiskolben, denn ham se eenen jungen aus ihre schule jetroffen, und denn noch ne tüte kastanien.

„da fällt mir ein, dass mir neulich ooch maln n paar gläser vorm schrank lagen"

„ja, richtig! genau! darauf will ich die ganze zeit hinaus!"

„wo hin?"

„na, dass der hampelmann euer haus zum einsturz bringt"

„übertreibste da nich'n bisschen?"

„ich meine: wenn die ganze decke schwingt, dann gibt das vielleicht so supertiefe schwingungen, infraschall..."

„soso, meinste."

„... genau ... das hört das menschliche ohr unter umständen gar nicht... du merkst nur, wie du seekrank wirst, aber du weißt gar nicht, wieso..."

„und wenn mir die katze aufn bettvorleger kotzt, denn is dit womöglich ooch infraschall?"

„naja .. ich weiß nicht, ob eure katze seekrank wird... kann schon sein."

„du bist ja keen mediziner, wa? ... ick weeß nich .... aber der tüp über uns lässt immer sein jerümpel im treppenhaus stehen. und sein roller steht aufm hof andauernd im weg. im grunde is der wie ne comicfigur, son zujereister auskennerbubi: een lammfellmantel auf ner vespa."

„wusste ich doch: du kannst den nicht leiden!"

„mein eener nachbar sacht, dass ihm immer jemand die zeitung klaut, wenn er zu spät runter zum briefkasten jeht ...wenn icks mir recht überlege...

... und wie werde ick die filzlaus wieder los?"


„weißt du was? ich hab da eine idee.."

na, da wollte er doch die janze zeit schon hin, auf seine idee. aber an dem punkt ham unsere töchter denn doch jedrängelt. wir ham uns für die nächsten tage zu hause bei werner zum frühstück verabredet und er hat mir dort denn jezeicht, wat er sich denkt. klang kompliziert, werner is ja inscheniör. aber der hat vielleicht ideen... ick frage mich wirklich, ob er nich nur dafür studieren musste.

14 November 2008

Kalte Aquise

... wieder mal
"Guten Tag Herr Goldfisch, wir hatten vor einiger Zeit schon einmal gesprochen über Firmenbeteiligungen und Investments in der Schweiz."

"Würde mich wundern..."

"Doch ganz sicher!"

"... und wenn das so war, hatte ich bestimmt kein Interesse daran ..."

"Doch! So steht es in meinen Unterlagen!"

"... und daran hat sich inzwischen auch nichts geändert."
Muss ich denn jedem dahergelaufenen Telefonaquisitör von neuem erklären, dass man zur Zeit am besten Immobilien in Berlin kauft?

13 November 2008

Die Liebe


Die Liebe ist ein Filz ohne Kamm!

Punk Soul Loving Bill machen so'n bisschen Germanisten-Elektro-Pop. Total akademisch-ironisch. Oder Dramatiker-Synthie-Mukke.

Muss man nicht mögen - kann man aber.

Musik - 2 - 3 - 4!

Suchmeldung

Kann mir eigentlich jemand sagen, was aus Frau Hormonlotto geworden ist?

Technisches Museum

Gerade ist mir dieser Artikel wieder in die Hände gefallen. Er behandelt u.a. eine Schwäche, die mich öfter mal beschäftigt: Ein gewisser zielloser Sammeltrieb.

Sammler mit Ziel gelten ja als total angesehen, selbst wenn es sich um Briefmarken oder Überraschungseier handelt. Zielloses Sammeln hingegen gilt nicht und ist irgendwie bäh.

Im vorliegenden Fall handelt es sich aber auch gar nicht um "Sammeln", also das planvolle systematische Anhäufen von Dingen, die für den Fortbestand des eigenen Lebens definitiv unnötig sind. Sondern um die Weigerung Sachen weg zu werfen, so lange sie noch funktionieren. Oder repariert werden können.

So eine Einstellung war bis zur Mitte der industriellen Revolution sinnvoll, wird heute aber für anachronistisch gehalten: Dinge weg zu werfen und neu zu kaufen ist halt meist billiger als eine Reparatur. Beim Stichwort "billig" erkennt man: Es handelt sich um "kaufmännische" Logik.

Das wiederum ist ein Widerspruch in sich. Kaufmännische Logik ist auch, dass man nur dann einen Kredit bekommt, wenn man beweisen kann, dass man keinen braucht. Sowas passiert jeden Tag, bei hunderten von Banken. Kaufleute finden sowas logisch. Sonst niemand.

Es gibt keine kaufmännische Logik, es sei denn, dass man die Logik des Geldes in sich akzeptiert. Bei genauer Betrachtung wurde es aber damals erfunden, um das Leben zu erleichtern, nicht den Umgang mit Geld (unbeweisbare These meinerseits).

Und es ist völlig egal, ob ein neuer Kühlschrank "billiger" ist, wenn man alle zwei Jahre den alten weg wirft. Auf jeden Fall werden damit Ressourcen und Arbeit und damit Lebenszeit von irgendwem irgendwo in der Welt verschwendet. Das logische daran ist nur, dass man die Verschwendung nicht sieht.

Zurück zu meiner Sammlung. Das hier wird jetzt eine Prahlerei, lauter funktionierende Dinge in einem als Wohnung getarnten privaten Museum:
  • mein Fernseher ist 35 Jahre alt - und schon in Farbe!
  • die Waschmaschine, AEG-Lavamat, ca. 45 Jahre alt
  • ein Röhrenradio aus den frühen 50ern
  • eine IBM-Typenhebel-Schreibmaschine von Raymond Loewy, frühe sechziger
  • zwei schwarze Behördenschreibtischleuchten aus den dreißiger Jahren
  • eine weitere Schreibmaschine aus den 30ern
  • ein kleines Reiseradio, Bj. 1970, mit UKW und! MW-Empfang
  • ein Klavier, Bj. ca. 1925 (nicht, dass ich Klavier spielen könnte)
  • eine Klarinette aus den 50ern (Klarinette auch nicht)
  • eine Reisegitarre von vor dem Krieg - dem ersten (Gitarre auch nicht - Erbstück vom Uropa)
  • eine AEG-Kaffeemaschine von 1970
  • ein Fax von 1992
  • usw. usw. usw.
Das Motorrad von 1958 hat mir leider viel Kummer bereitet und nach zwei Jahren Selbstmord begangen: Es ist abgebrannt - Selbstentzündung, ich schwör!


12 November 2008

Sanduhr

Dieser Schnappschuss stammt von heute, 12.11. 2008, Amazon.de: 1 neu ab 25,00€.


Wir haben Ende 2008. Weiß jemand, wo die Amazons ihr Lager haben? Wenn da immer noch ein Megakracher wie Der literarische Hundekalender 2007 rumliegt, würde ich gerne sehen, was sie sonst noch so aufbewahren...

Erinnert mich leider auch ein bisschen an meine eigenen Archivsysteme. Geerbter Eichhörnchentrieb, ich hebe gerne auf, wofür auch immer das gut ist - man weiß ja nie.

Spinnradjazz

Gestern war ich zum zweiten Mal in einem Lokal namens "Spinnrad" am Südwestkorso. Das ist sonst nicht so meine Ecke, das beschauliche, aber irgendwie auch ein wenig langweilige Wilmersdorf - dachte ich bisher. Handelt sich dort um eine ehemalige Künstlersiedlung, naja, das war wohl vor dem Krieg. Vor dem ersten.

Egal, zurück zum Spinnrad: Dienstags spielen sie dort immer Jazz, 50er-Jahre-Style. Nahezu unverstärkt, Trompete und Schlagzeug sowieso, Kontrabass weiß ich nicht und E-Piano geht ja nicht ganz ohne Strom. Das allein ist schon super.

Die Musiker sind professionell, sehr engagiert, überzeugend ... und im übrigen etwa so alt, wie Chet Baker heute wäre, würde er noch leben. Heißt - etwas älter als meine Eltern. Für die übrigen Leser gilt: So alt wie Dein Opa.

Wenn man sich das gibt, kann man da eine großartige Performance erleben.  Das Publikum ist nur unwesentlich jünger als die Musiker, liegt wohl an der Gegend, jedenfalls war ich wieder mal der jüngste im Raum, ist mir schon lange nicht mehr passiert. Die Einrichtung des Ladens stammt aus den frühen siebziger Jahren, damals wurde auch zum letzten mal renoviert. Zu trinken haben sie Guinness und Kilkenny und wenn Musik läuft nur belegte Brötchen...

... so ziemlich das ganze Konzept scheint irgendwie aus der Vorkriegszeit übrig zu sein und hat ü-ber-haupt nichts an Berechtigung verloren. Warum gibt's sowas nicht öfter, meinetwegen auch mit Pop? Großartig!



P.S.: Mittwochs und Donnerstag ist dort auch Musik, aber mit anderen Musikern, die kenne ich noch nicht. Wie gesagt: Der Südwestkorso ist eigentlich nicht so meine Ecke.

P.P.S.: Gibt doch da so einen furchtbaren Jazzrocktitel... Spinning Wheel von Blood Sweat & Tears...

Gutschein

...in der Amazon-Lieferung

"Ihr persönlicher Gutschein 30€
...
Jetzt bestellen und volle 30,-€ sparen!"
und etwas weiter unten, im Kleingedruckten:
"Mindestbestellwert: 150,-€"
Jaja, um 30,-€ zu sparen muss man mindestens 120,-€ ausgeben, für irgendwelchen Kram den man gar nicht braucht. Das ist ja nicht neu. Geld sparen - koste es was es wolle.

Was sagen denn die Hirnforscher dazu? Aus Sicht der Kaufleute scheint diese Werbung ja zu funktionieren, ganz unabhängig von der Summe: Sparen hat Vorrang vor Bedürfnis. Was für Hirnareale werden denn da angesprochen, dass die Vernunft so wirkungsvoll ausgeschaltet wird? Vielleicht kann man das ja wenigstens sinnvoll verwenden, um jemanden kennenzulernen?


Nachtrag: Man muss für die gesparten 30 Steine dann übrigens irgendwelchen Wein saufen.

11 November 2008

Aus dem Arbeitsleben

Eben im Büro: Die Kollegin kocht vor Empörung. Der nette Kollege¹ hat daher die Tätigkeit übernommen, welche den Anlass zu diesem Ungemach gab und arbeitet konzentriert an der Sache. Dabei erträgt er die Wutausbrüche im 30-Sekunden-Takt mit stoischer Gelassenheit.

Das Telefon klingelt. Mit halbem Ohr hört er die Kollegin telefonieren und sagen "... ich nehme mich der Sache in der gebotenen Ruhe an und dann funktioniert das schon."

Erstaunter Kommentar: "Das war jetzt besonders unverschämt gelogen - ICH sitzt gegenüber und von der gebotenen Ruhe kann ja wohl überhaupt keine Rede sein!" Allgemeines Grinsen, Sache geklärt.



¹ meine bedeutende Unwenigkeit

10 November 2008

Qualle

... klingt irgendwie doch nicht so schön wie das englische Wort "Jellyfish". Auch wenn das Wort "Qualle" im Deutschen einzigartiger ist und damit der Abwegigkeit der Existenzform Qualle deutlich näher kommt.

... öh, was? Ach so, das heutige Thema, ja: Ein Wohnhaus im Wasser.

Schick, was? Über dieses Gerät bin ich auf die Webseite SUB-FIND.com gestoßen, wo alles verkauft wird, was man unter Wasser so zum Aufenthalt in Verbindung mit Fortbewegung ... ähm ... brauchen kann.

Man merkt schon, ein richtiges übergreifendes Oberthema lässt sich da schwer formulieren. Egal: Kann man sich ja mal ansehen.

03 November 2008

Diese Hessen...

In Hessen erträgt die SPD ja lieber weiter die ignorante Dumpfbacke Roland Koch anstatt ihre eigene Spitzenfrau zu wählen. Dafür wird voraussichtlich auch weiterhin niemand zur Verantwortung gezogen. Die SPD ist wohl so.

Und das Adjektiv zu Hessen ist hesslich.

November

In Berlin haben wir leider viel zu selten Nebel. In den letzten Jahren noch seltener. Diesen Herbst aber immerhin schon zum zweiten mal. Der Nebel sorgt nicht allein für eine leicht melancholische Atmosphäre - er verbessert auch durchaus die Sicht, beispielsweise auf den Potsdamer Platz:


Im Detail:


...öh ... naja, fast... blicken wir doch nochmal nach der anderen Seite - da hinten steht der Schwerlastkörper:


Hm? Naaa - man muss schon genau hinkucken...



das Ding hat mehrere verschiedene Namen ... wir dvon jedem anders genannt ... es gibt dafür eben keine duden-geadelte Bezeichnung

01 November 2008

Lunargeologie

Das hier ist eine Karte vom Mond. Ja, genau: Unser Mond.


Die Karte zeigt die geologische Struktur, Bodenschätze sozusagen. Man kommt nur schlecht ran.



Bild ist von Lumas - sehr empfehlenswerte Galerie, die von Fotos lebt - Künstler ist in diesem Fall die NASA

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