04 Dezember 2009

Autofahrt (1)

Neulich bei einer 20-minütigen Autofahrt haben wir die schwerwiegenden Themen der Menschheit erschöpfend abgehandelt:
Liebe, Tod, Kernenergie und Fußball.
Dabei ging es auch um Journalismus und um seine Verbreitung dieser Themen. Freund T. aus B. machte die hellsichtige Bemerkung
"Journalisten sollten einem die Welt erklären und nicht nur irgendwo abgeschriebene Meldungen kürzen und zusammenfassen".


Zuerst die Medienkritik

Das begann mit der hiesigen Sportkolumne namens Soft-News: In deutschen Medien ist wahrscheinlich zwanzigmal so viel über den vermeintlichen Wettskandal berichtet worden wie über den neuen Störfall und den alten GAU in Harrisburg. Das wiederum ist Interesse all der Leute, die ihre ohnehin schon überzogenen Reaktorlaufzeiten gerade wieder verlängern lassen wollen:
“Da kann ja gar nichts passieren! Das ist doch alles sooo sicher!“
Wie sicher es wirklich ist, hat Harrisburg zuerst gezeigt, danach Tschernobyl. Und erst vor kurzem stellte sich heraus, dass in dem vermeintlichen Endlager Asse wirklich keines der Sicherheitsversprechen jemals eingehalten wurde. Dass man abgesehen von komplizierten geologischen Fragen noch nicht einmal zu einer geordneten Verwaltung und Überwachung der angelieferten Abfälle in der Lage war und heute leider gar nicht sagen kann, was da unten wirklich so alles liegt.

Diese Erkenntnisse sind so frisch – da können sich womöglich sogar die jüngeren noch dran erinnern. Klar, dass man die echten Katastrophen lieber nicht erwähnt haben möchte:
„Ach sieh mal, Du musst doch nicht immer über Kernenergie schreiben. Davon verstehst Du doch auch gar nichts, überlass das mal lieber den Experten. Schreib doch lieber über was interessantes, vielleicht über Fußball, oder Wetten oder so. Möchtest Du zur Recherche vielleicht einmal nach China fliegen?“
Wer regelmäßig Zeitung liest, kann sich einen Bleistift daneben legen und die in den Artikeln erwähnten Zahlen zusammenrechnen. Dabei wird er erstaunlich oft die Feststellung machen, dass die Zahlen gar nicht zusammenpassen. Alle genannten Prozente zusammen ergeben selten hundert, sondern meist nur einen Bruchteil davon oder auch schon mal vierhundert Prozent. Was wahrscheinlich ein sicheres Kriterium dafür ist, dass der Schreiber nicht nur keine Ahnung vom Thema hat, sondern auch keine Lust, seinen gesunden Menschenverstand anzuwenden.

Zwei Nullen sind kein Unendlich: oo.

Vielleicht liegt es auch an dieser verbreiteten journalistischen Rechenschwäche, dass seit Wochen in der Berichterstattung über Fußballwetten die Zahl von über 200 manipulierten Spielen genannt wird. Gebetsmühlenartig: „Eu-ro-pa-weit! Über 200 Spiele!“ - bezogen auf die Zeit seit Jahresbeginn, also 11 Monate.

200 Spiele. Wie viele Fußballspiele finden in all diesen Ligen wohl an einem Wochenende statt – europaweit, zusammengerechnet? Nur geraten: Fünfhundert? Wir nehmen wieder den bereitliegenden Bleistift und multiplizieren mit vier Wochenenden und 11 Monaten.

Skandal!




03 Dezember 2009

Der Unterschied ...

... zwischen Deutschland und Schweden: In Deutschland verhält sich der Autogigant VW so, wie man es von einem Unternehmen mit eigenem Gesetz erwartet: Stur, unflexibel, rechthaberisch und rückwärtsgewandt. Und: Schuld sind immer die anderen.

Vermutlich, weil VW auch in Schweden ein paar Autos verkaufen will, benehmen sie sich dort überraschenderweise ganz anders. Da geht es um eine Initiative, die sozial sinnvolles Verhalten dadurch fördern soll, dass es einfach Spaß macht: Treppensteigen, Müll wegwerfen, oder recyceln, nicht schwarzfahren.

Gesponsort von VW. Ja-wohl, derselben Firma Volkswagen, deren Kraftfahrzeuge immer größer werden und die beim deutschen Kanzler die Tür eintritt, wenn das Geschäft mal nicht so läuft.


Der Deutsche kommt ins Staunen. Wahrscheinlich ist VW in Schweden das, was bei uns IKEA ist: Eine freundliche, dynamische und bescheidene Firma, die nur ein paar Autos verkaufen will. Nur noch hundert Jahre und sie machen das vielleicht auch bei uns.

Weitere Projekte hier http://www.thefuntheory.com .


Nein, ich glaube doch nicht, dass hundert Jahre ausreichen.

Öltanker

Das ist durchaus eine gute Meldung:
... haben 8 Tonnen Öl die Strände der französischen Atlantikküste verschmutzt ... Rettungskräfte … Klumpen bis zu 60cm …“
Wer sich noch an die Tankerunglücke der 70er bis 90er Jahre erinnern kann weiß vielleicht auch noch, dass es damals zuweilen um die Menge von 80.000 Tonnen Öl oder auch das vielfache davon ging. Das ist um den Faktor 10 hoch 4 mehr.

Es soll hier nicht um die Berechnung gehen, welches Unglück wohl das katastrophalste von allen ist, oder ob das eine 10.000mal katastrophaler war als das andere. Sondern um die Beobachtung, dass es ein Unglück in dieser gigantischen Größenordnung seit geraumer Zeit nicht mehr gegeben hat – und DAS ist daran die gute Meldung.

Nun klingen 8 Tonnen nicht so furchtbar spektakulär, mögen aber für den betroffenen Fischer und Strandkorbvermieter doch die Existenz bedeuten. Noch viel mehr übrigens für den betroffenen Seeotter, Delfin oder Hering. Weil das leider nicht so spektakulär klingt, kommen Journalisten auf die Idee mit den Dimensionen, so wie vor einigen Jahren in Alaska: Sie messen nicht mehr in Tonnen, sondern in Liter. Faktor tausend.

Schnell wurden aus den vor Alaska ausgelaufenen 60 Tonnen Öl in den deutschen Medien „bis zu 60.000 Liter!“ Klingt doch gleich ganz anders. Die Zahlen der damaligen Tankerunglücke hätten unsere zeitgenössischen Journalisten wahrscheinlich völlig überfordert.

02 Dezember 2009

Exkursion

Hier beschreibt einer, wie er bei der Einreise von den USA nach Kanada an der Grenze aufgehalten wird. Ganz ähnlich ist mir das mal auf dem Transit von West-Berlin nach Hof in Bayern ergangen. Ist eine längere Geschichte, kommt hier vielleicht irgendwann auch mal. Ich gebe zu: Der Typ da hat Widerworte gegeben. Ich gebe zu: Ich habe damals auch Widerworte gegeben.

Aber: Einreise von USA nach Kanada? Hallo?!?

Vielleicht mache ich mir auch ganz falsche Vorstellungen von der Welt...

Durchzählen!


Neues vom Helferlein Rechtschreib

Und es war das Wort
zweitplazierte
Beschrieben werden sollte der auf dem zweiten Platz liegende. Zugegeben, das ist alte Rechtschreibung, heute gipstu mir ein t mehr. Dennoch erschien dem Großen Bloguator dieses Wort angemessen. Das Helferlein sah die Sache - naturgemäß - etwas anders. Es wollte wieder einmal behilflich sein, egal, ob einleuchtend oder nicht.

Es schlug daher nach billigem Ermessen¹ vor
- drittplatzierte

- erstplatzierte


- drittplatziert


- zweitklassige

Ja, Helferlein, versprochen:  Ich denk noch mal drüber nach.





¹ falls das mal jemand irgendwo in einem Bescheid liest: Das ist Bürokroatisch für "Willkür"

01 Dezember 2009

Minarette in den Alpen

Bis vor kurzem stellte sich die Schweiz als ziviles demokratisches Land dar. Seit vorgestern wissen wir, dass im Zweifelsfall 57,5% der Schweizer den Rattenfängern, Rassisten und Nazis locker auf den Leim gehen. Man muss es ihnen nur richtig erklären.

57%, das ist deutlich mehr als in Deutschland 1933.

Wenn Menschen in anderen europäischen Staaten das jetzt befremdlich finden und lautstark kritisieren, werden die offiziellen Schweizer das tun, was sie immer tun in solchen Fällen: Darauf hinweisen, dass die Schweiz ein souveräner Staat ist. Dass man sich von gar niemandem etwas vorschreiben lassen muss. Und dass das mit Demokratie, Ausländerhass und dem Hochmut der besonders Wohlhabenden natürlich ü-ber-haupt-nichts zu tun hat. Und mit Kirchtürmen auch nicht. Man will halt nur wegen der schönen Landschaft keine Minarette in den Alpen. Das ist angewandte Neutralität!

Tja. Erfahrungsgemäß wollen sie nicht hören. Aber das Geld der Nachbarn nehmen sie schon gern. Man kann jetzt mit der angemessenen Neutralität den naheliegenden Schluss ziehen:
Wer sein Geld in die Schweiz schafft unterstützt Nazis!
Steuerflüchtlinge, befragt Euer Gewissen: Wollt ihr das wirklich? Euer Geld liegt anderswo genauso schön, es gibt genug Alternativen, sogar in den Ländern direkt daneben.


Am Ende der Polemik noch die Behauptung, dass es auch andere Schweizer zu geben scheint, solche wie den Lyriker Otto, hier rechts unten, und sicher viele andere. Aber 57% sind leider ein erschreckendes Ergebnis.

Blogstatistik

Manchmal lese ich in der Statistik, wurde schon öfter erwähnt. Diesmal wieder gelindes Erstaunen: Da ist jemand von da¹ nach hier gelangt. Falls einer der Leser den Zusammenhang finden kann, wäre ich über Mitteilung dankbar.
 
Meine Vermutung: In Zeiten von Privatfernsehen und Klingeltonwerbung fällt das wohl unter das Stichwort "Erotik".

Die Frage, warum das außer in Deutsch auch noch in holprigem Englisch sein musste wird da irrelevant. Der Mitteilungsdrang ist ja soooo groß.

Edith, 2 Tage später:
Wahnsinn! Hier hat doch grade jemand über den Suchbegriff "rekursive Musikvideos" her gefunden! Das ist endlich mal was für den frustrierten Intellektuellen (behaupte ich mal so) der hier zuweilen als Der Große Bloguator™ umgeht. Wahnsinn!




¹ nicht richtig jugendfrei, aber für Jugendliche ist dieses Blog eh zu langweilig

27 November 2009

Hard-News

In natürlicher Fortsetzung der Sportkolumne


Kürzlich wurde hier geargwöhnt, wenn deutsche Journalisten in den Nachrichten immer zuerst einen "Skandal" um Fußballwetten nennen, muss wohl in der Welt irgendwas wichtiges passiert sein von dem mit diesen Soft-News abgelenkt werden soll. Als denkbares Beispiel wurde ein durchgeschmolzener Kernreaktor erwähnt.

Rein zufällig erscheint zwei Tage später in unseren Medien - natürlich nicht ganz so prominent - die Meldung, dass es im Reaktor von Harrisburg eine ... öhm ... Panne? ... gegeben hat.

Wer etwas älter ist, kann sich da dran vielleicht erinnern: Das war der erste Kernreaktor auf der Welt, der geschmolzen ist, und wo nur durch Zufall eine Katastrophe für hunderttausende Bewohner der Umgebung ausblieb. Das war 1979, und wenige Jahre später in Tschernobyl blieb die Katastrophe dann nicht aus.

Wie üblich bei diesen Störfällen ist die erste Meldung, dass das alles gar nicht so schlimm sei. In Deutschland wird weiter über die Nutzung der Kernenergie gestritten, die Laufzeiten werden klammheimlich wieder verlängert und im Endlager Asse, das eigentlich hunderttausend Jahre lang sicher sein soll, läuft die strahlende Suppe schon nach dreißig Jahren durch alle Etagen.

Klar, dass so ein Wettskandal da Vorrang hat.

Insekten

Kuckt Euch doch mal bei der hier des öfteren zitierten Tageszeitung die "Insekten des Jahres"¹ an.




¹ (ich frage mich trotzdem, wer sich so beknackte Titel einfallen lässt. Was passiert denn im Jahr 2010 mit den Insekten des Jahres 2009? Misstraue dem Superlativ?)

26 November 2009

Soft-News 4

Fast schon eine Sportkolumne

Eins steht mal unzweifelhaft fest: Fußball zieht die Idioten an. Auch im Bereich des Journalismus.

Was nun eigentlich der Skandal an dem Wett-"Skandal" ist, habe ich immer noch nicht rausgefunden.

Das Zentrum des Skandals ist angeblich Asien. Endlich wieder eine gelbe Gefahr! Um das Ausmaß des "Betruges" zu illustrieren, wird ein ums andere mal darauf hingewiesen, dass man in China sogar auf Dritt- und Landesligaspiele in Deutschland wetten kann.

Hallo?!? Warum sollte jemand so was tun? Wettet man nicht meist auf irgendein Ereignis, dessen Ausgang man für vorhersehbar hält? Da scheint es also in China massenhaft Leute zu geben, die die Ergebnisse der deutschen Landesliga vorhersehen können - so lange nicht garstig manipuliert wird! - und darauf viel Geld setzen.

Ach ja? Um so jemanden tut es mir nicht besonders leid. Würden wir auf die Idee kommen, fünfstellige Summen auf den Ausgang eines Hahnenkampfes im hinteren Sechuan zu wetten?

China ist für den deutschen Sportjournalisten vor allem eins: Angenehm weit weg. Und eine andere Schrift haben die auch. Kann das deutsche Publikum diesen Unfug also kontrollieren? Eher nicht, was?

Um die Verdorbenheit des Systems anschaulich zu bebildern heißt es gerne, es ginge gar nicht mehr nur um den Ausgang eines Spieles. Vielmehr könne man in China sogar auf die Zahl der Einwechslungen oder der Platzverweise bei einem deutschen Drittligaspiel wetten.

China, das ist da, wo der berühmte Sack Reis steht.

Also: Wenn es nicht mal mehr um den Ausgang des Spieles geht - sagen die deutschen Sportjournalisten ja immer wieder - wo ist dann der Schaden? In einem Gewerbe, wo selbst Schülern schon Handgelder gezahlt werden kann es doch nur wünschenswert sein, wenn der eine oder andere sein Gehalt selbst noch ein wenig aufbessert und nicht seinem klammen Verein auf der Tasche liegt. Geld kann man doch nie genug haben.

25 November 2009

Dawn of the Mighty Schweinepest

Nur falls jemand aufgefallen sein sollte, dass Der Große Bloguator™ zur Zeit noch wirrer schreibt als sonst.

24 November 2009

Independence Day

Grade lese ich auf der Webseite meiner Tageszeitung:

Roland Emmerich:

Grusel-Monster für das Berliner Museum

Naja, denkt man sich, bei den Schrott-Filmen, die der Typ so dreht, ist das eine gelungene Beschreibung. Aber dann stellt sich raus: Er hat nur irgendeine Gummipuppe aus einem seiner Schrottfilme zur Verfügung gestellt. Enttäuschend.

Und ich dachte, er stellt sich da selbst hin...

Erkenntnis

Über siebzig Jahre nach Beginn des Autobahnbaus in Deutschland stellen Politiker erstmals fest, dass man Geld im Grunde nur einmal ausgeben kann. Und ziehen daraus den überraschenden Schluss, dass man sich entscheiden muss. Nämlich entscheiden, wofür man das Geld so ausgeben will.

Autobahnen wurden ja ursprünglich als wirksame Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gepriesen. Später dann, nach dem Krieg und dem Ende der unseligen Diktatur, wurden sie als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingesetzt. Aber letztlich brauchte man auch Autobahnen, für die vielen Autos, die man brauchte, weil der öffentliche Transport nicht funktioniert. Damit ist es anscheinend vorbei. Nein, nicht mit dem öffentlichen Transport, der nicht funktioniert. Aber!

Heute im Radio höre ich doch die bahnbrechende Meldung: "Der Berliner Senat will den Weiterbau der Autobahn in Treptow verschieben und mit dem eingesparten Geld mehr Lehrer anstellen".

Da verschlägt es mir die Sprache: Bildung statt Autos - in Deutschland! Was soll das werden?

Leute, zieht euch warm an - eine Revolution droht!

Soft-News 3

... bei genauer Betrachtung: Ein ganzer Planet der Hirnlosen

Da hat jemand die ungeheuren Summen zusammengetragen, um die es bei dem Wett-"Skandal" gehen soll. Beispielsweise 18.500,-€ Gewinn bei 10.000,-€ Einsatz auf ein schweizer Zweitligaspiel. Wahnsinn.

Fünfstellige Summen! Sagenhafte 18.500,-€!

Das klingt schon fast so, als ob 18.500,-€ eine Menge Geld wären. Erstaunlich, nach den vielen Milliardendesastern im letzten Jahr, die inzwischen ja angeblich längst ausgestanden sind. Im letzten Jahr war eine Milliarde nicht viel Geld. Jetzt also wieder Wett-"Skandal".

Zurück in der Realität: Das obige Beispiel fällt doch eher unter das Thema 'Darwinsche Auslese'. Wer ohne weitere Vorsichts-Maßnahmen auf schweizerische Zweitliga-Spiele Wetten platziert oder womöglich als Buchmacher Wetten annimmt hat's wirklich nicht anders verdient. Oder anders gesagt: Der WILL, dass sein Geld jemand anderer bekommt. Er kann es nur nicht offen zugeben.

Man sollte das einfach als Subvention und großherziges Trinkgeld an die cleveren Geister betrachten und wirklich nicht als "Betrug" verteufeln. Schauspieler und Zauberkünstler werden schließlich auch bezahlt.

22 November 2009

Leucocoprinus birnbaumii

Genau: Es geht nochmal um die hübschen Pilze.

Der deutsche Name für diesen leuchten gelben Pilz lautet "Gelber Faltenschirmling". Gibt eine eigene Seite bei Wikipedia. Und von da weitere Verlinkungen.

Kleiner gelber Faltenschirmling.

21 November 2009

Soft-News 2

eine Art Fortsetzung - immer noch im Land der Hirnlosen

Man muss sich nur mal anhören, mit welchem sensationsheischenden Katastrophen-Vokabular da über eine Nichtigkeit berichtet wird: "Skandal" - "in seinen Grundfesten erschüttert" - "Betrug" - "Manipulation" - "europaweit".

Normalerweise passiert sowas, solche überdrehte Berichterei, dann, wenn einflussreiche Menschen von einem anderen viel bedeutenderem Übel ablenken wollen. Wag the dog.

Ist grade irgendwo ein Kernreaktor durchgeschmolzen? Die Schweinegrippe nicht halb so gefährlich, wie bislang behauptet? Ackermann wieder auf freiem Fuß? Ach, der war nie drin? Vielleicht eine überraschende Währungsreform mit hundertprozentiger Geldentwertung?

Irgend etwas muss passiert sein, rational ist dieses hysterische Gegacker nicht zu erklären.

Na gut: Ist es nie.

20 November 2009

Soft-News

Nachrichten aus dem Land der Hirnlosen

Grade werden die Radio-Nachrichten wieder mal von einem vermeintlichen Fußball-"Skandal" verstopft. Es geht um Geld und aus irgendwelchen Gründen sind die sogenannten "Spiele" nicht so verlaufen, wie die ehrwürdigen Greise der Gremien sich das vorstellen. Fußball-Skandal und Empörung auf allen Frequenzen. (schon seltsam, wie viele Begriffe hier in Anführungszeichen stehen müssen).

Zum Verlauf der Spiele: Entweder die Schiedsrichter haben falsch den Schiet gerichtet. Aber nun bestehen die Oberen ja immer so gerne darauf, dass Schiedsrichter "Tatsachen-Entscheidungen" fällen.

"Und, ähm, wegen dem Video-Beweis?"

"Dann kann ja hinterher jeder kommen..."

"Aber wenn die Entscheidung doch falsch war?"

"... aber wenn hinterher jeder kommen kann, dann funktioniert nichts mehr!"

"Und jetzt ist das anders, ja?"

Oder die Spieler haben sich nicht genug Mühe gegeben und am Ende nicht gewonnen. Wie furchtbar. Da hat sich jemand keine Mühe gegeben! Willkommen am Boden: In der Welt der geregelten Arbeit passiert das jeden Tag.

"Aber die haben nicht gewonnen!"

"Nicht gewonnen?"

"Absichtlich!"

"Aha? Gab es denn vorher eine Garantie dafür?"

"Die waren doch die Favoriten!"

"Wie?"

"Die hätten doch gewinnen müssen!"

"Wenn man das vorher weiß - wieso "spielen" die dann überhaupt?"

"Nein! Nicht so!"

"Ach? Anders?"

Genau so geht Fußballerlogik.

Zum Geld: Irgendwo in der Welt wettet jemand. These: Wer normal wettet will gar nicht gewinnen, der will vielleicht ein bisschen rechthaben ("HabichdochdieganzeZeitgesagt!"), aber nicht gewinnen - nur das Geld muss ganz dringend weg. Diese bitteren "Skandale" werden aber meist dadurch ausgelöst, dass jemand beim Wetten unbedingt Geld verdienen möchte. Das klingt so schon ironisch, oder?

Aber dieser Jemand tut etwas dafür: Er setzt sein Geld ein, spricht Leute an, koordiniert sie, er investiert und unternimmt. Im üblichen Sprachgebrauch sagt man dazu: "Er arbeitet". Und es klingt genauso wie die Arbeitsweise von Uli Hoeneß. Wahrscheinlich ein Zufall.

"Aber von wem kommt das Geld denn?"

"Keine Ahnung, von irgendwelchen Dödeln, nehme ich an?"

"Das wird all den gutgläubigen Wett-Teilnehmern weggenommen!"

"Ah! Und die hatten eine Garantie auf den Gewinn, oder?"

"Nein!"

"Die hatten das gewonnene Geld nicht schon ganz sicher?"

"Nein! Aber vielleicht!"

"Was jetzt? Früher war JA das Gegenteil von NEIN und nicht ABER VIELLEICHT."

"Aber man wettet doch, weil man die Hoffnung hat..."

"Könnte ich bitte nochmal den Unterschied zwischen Hoffnung und Garantie erklärt bekommen?"

"Wieso?"

"Bei ihnen klingt das ziemlich ähnlich."

Je nun: Derzeit werden die Nachrichten von Berichten über Leute verstopft, die dämlich genug sind, Geld für Wetten rauszuwerfen. Fußballwetten. Und denen das Verlieren nur ein wenig leichter gemacht wird. Was soll daran böse sein? Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Dass eine Wette nicht nur schief gehen kann, sondern dieses höchstwahrscheinlich auch wird, sollte jeder halbwegs denkende Mensch wissen und gehört zur Grundbildung jedes Mittelschülers. Dass zu einem Verlierer meist auch ein Gewinner gehört müsste auch den meisten klar sein. Dass der Gewinner oft derselbe ist, kennt man schon aus dem täglichen Leben. Das ist nicht so sehr neu.

Ich finde, Wettbetrug sollte in Ländern mit funktionierendem Schulwesen* völlig legal sein und nur ordentlich besteuert werden. (* Gegend, wo die meisten Leute lesen und schreiben können)

Nur an dem funktionierenden Schulwesen müssen wir hier noch arbeiten - da liegt so einiges im argen. Das bringt Hooligans und Neonazis und Wett-Teilnehmer hervor. Und man hat Hochschulabsolventen, die als Ministerpräsidenten alte Nazis entschuldigen oder solche, die selbst noch als Außenminister in der naheliegendsten Weltsprache radebrechen.



Update

Jetzt isses raus: Die Pilze sind enttarnt. Es handelt sich um Leucocoprinus birnbaumii. Wächst verstreut oder gebündelt im Erdreich von eingetopften Gewächshauspflanzen. Wird anscheinend beim Umtopfen über das neue Erdreich weiter verbreitet. Und niemand scheint zu wissen, ob diese gelb leuchtenden Dinger giftig sind oder zu irgendetwas anderem gut.

Ist natürlich lustig, dass ein Pilz nach Birnbaum benannt ist und an Citrusbäumen wächst. Oder ist das vielleicht gar kein Widerspruch?

Bei der Recherche stelle ich fest, wie viele Leute sich doch für Pilze interessieren und anscheinend auch irgendwie begeistern. Man merkt das an der reichlichen Zahl liebevoller Veröffentlichungen und Fotos zum Thema.

Da ist der Schweizer Pilzverein, ein Mykoweb das sich mit den Pilzen Californiens befasst.

Spanischsprachige Küchenseiten, Amateur-Zitronen-Barone und eine Menge begabter Fotografen.

Und wer war jetzt dieser Namensgeber, Birnbaum?

To be fortcontinued...

Pilze

Bereits vor einigen Tagen wurde es hier beiläufig erwähnt: In meiner Wohnung riecht es seit kurzem nach Pilzen.

Ich bin in einer Kleinstadt am Waldrand aufgewachsen. Sehr viel Waldrand. Die einzige befriedigende Zerstreuung, die dieser monokulturelle Nutzwald damals mitbrachte, war, dass dort fast ausschließlich essbare Pilze wuchsen. Genauer gesagt: Man konnte die essbaren leicht erkennen - und was man nicht mit Sicherheit kannte, musste man nicht mitnehmen, weil es genug gab.

Die Pilze brachten immer einen eigentümlichen Geruch mit. Und wenn es jetzt nach Pilzen riecht, dann werde ich an meine Jugend erinnert.

Interessanter Weise kommt dieser Geruch nun aus dem Topf mit dem Zitronenbäumchen, den ich im Winter immer vom Balkon rein in die Wohnung hole. Neulich sehe ich da so einen feinen gelben Teppich am Boden des Topfes. "Sieht aus wie runtergefallener Blütenstaub..." denke ich mir so. "...kann aber nicht sein, hier blüht zur Zeit ja nix. Na, egal."

Ein paar Tage später bilden sich erst so Pilze in Pfifferlingsgröße und dann eben diese überaus hübschen Dinger hier.

Kann das dem Bäumchen eigentlich schaden? Wie war das noch mal: Pilze leben in Symbiose und sind nicht etwa Parasiten, oder?

Jedenfalls: Ich bin begeistert! Weiß zufällig jemand, was das für 'ne Sorte ist?







17 November 2009

Überall Depression

Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland tausende Menschen das Leben und es ist für die Hinterbliebenen jedes einzelnen sehr schmerzlich. Normalerweise ein Thema für Fachzeitschriften und Betroffene. Nicht mehr seit Robert Enke.

Kaum bringt sich irgendein blöder Fußballer um, ist Depression in aller Munde. Warum hat sich da vorher keiner für interessiert? Ist schon wieder Saure-Gurken-Zeit oder was? Nicht genug andere Katastrophen für die Journaille?

Irgendwie verlieren die Leute völlig den Verstand: Gedenkfeiern mit 40.000 Leuten im Stadion - haben die nichts anderes zu tun? Heute mal ins Stadion, weil das so schön traurig ist? Schaurig.

Will sagen: All den verlogenen Medienfritzen nehme ich ihre plötzliche Betroffenheit sowieso nicht ab. Und die anderen können mal drüber nachdenken, ob diese Anteilnahme für sie nicht nur eine noch schönere Form von Gruselevent ist: Noch realer als Geisterbahn und Taschentuchfilme. Gänsehaut, Tränen, und dabei alles so authentisch, sogar mit einer echten Witwe.

Brrr. Fußball zieht die Idioten an.

11 November 2009

And now for something ...


... completely different: Lürick ¹


Kann sich noch jemand an Yaak Karsunke erinnern? Der war eigentlich nie so richtig berühmt - ganz zu Unrecht. Oder vielleicht ist mir sein Ruhm nur verborgen geblieben. Ich habe ihn als eindrucksvollen Schreiber aus den frühen achtziger Jahren in Erinnerung und bin grade eher zufällig wieder über diesen seltsamen Namen gestolpert: Anlässlich des zehnten Jubiläums der Lyrikline. Und des Jahrestages des Mauerfalles, 9. November, mit dem das folgende schon in gewissem Zusammenhang steht.

Dort kann man ihn auch höchstselbst hören, Biografie lesen und auch andere Dichter mit eigener Stimme treffen. Hingehen!




¹ dieser großartigste aller zeitlosen Reime, den leider auch wieder nicht ich gefunden habe, sondern irgendein Mitglied der hiesigen Vorlesebühnen:
manchmal spür ick
lürick


09 November 2009

Nochmal 9. November

20 Jahre Mauerfall

Tja, jetzt ist es zwanzig Jahre her, dass die Mauer gefallen ist. Den historischen Moment habe ich vom Westen aus erlebt. Oder auch nicht. Ich breite hier mal meine persönlichen Erinnerungen aus.

Zum einen hatte es ja schon das ganze Jahr 1989 lang in der DDR rumort. Vom Westen aus wirkte diese kleine Republik wie ein strenges System, das von verbohrten und ahnungslosen Betonköpfen regiert wird. Also so wie unser damaliger Kanzler Kohl, nur noch schlimmer und im Streitfall immer bereit zu einer skrupellosen stalinistischen Lösung - was man dem Kanzler Kohl immerhin nicht vorwerfen konnte.

Wenn ich meine Verwandten im Osten besucht habe, wirkten die nicht generell unzufrieden, waren aber genervt von der penetranten Bevormundung durch das System, das ständig versuchte, seine Einwohner zu ihrem Glück zu zwingen - mit aller Gewalt. Außerdem wären sie gerne in ferne Länder gefahren, weil die nun mal interessanter erschienen als die Länder, in die man ohne große Hürden fahren konnte. Und das waren zugegeben nicht viele.

Sonst hatten sich meine Verwandten und Freunde mit den Unzulänglichkeiten dieses kleinen Landes mit dem großen Minderwertigkeitskomplex weitgehend arrangiert. Die waren aber auch keine Regimekritiker. Und sie machten nicht den Fehler, Dinge zu besitzen, die sich gegen Devisen im Ausland verscherbeln ließen, wie beispielsweise einige Leute, die wertvolle Antiquitäten geerbt oder womöglich irgendwann ganz regulär gekauft hatten.

Von außen betrachtet sah die kleine Republik also so aus, dass man irgendwie zurecht kommen konnte, wenn man sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnte. "Freiheit" war dafür als Gegenbegriff ein ganz schön großes Wort. Dabei war natürlich bekannt, wie rigoros die Führung mit Leuten verfuhr, die ihre Meinung allzu ehrlich oder allzu laut äußerten.

Gleichzeitig konnte man sich - auch wenn man nicht drinsteckte - schon denken, dass so ein System sich auch prima zur Verschaffung ganz persönlicher Vorteile nutzen ließ. Aber das kannte man so ähnlich auch aus dem Westen. Dachten wir jedenfalls.

Im Gegenzug wurde man im Westen nämlich ständig mit der Propaganda der Springerpresse bearbeitet: Von der *wusste* man, dass sie nicht recht haben *konnte*, weil sie genauso ideologisch und verbohrt war wie die kritisierte Führung im Osten. Für den denkenden Menschen im Westen bewegten sich die allgegenwärtige Springer-Presse und das Zentralkomittee in derselben moralischen Niederung. Das machte es schwer, die Vorgänge des Jahres 1989 zu beurteilen.

Die Unruhe in der DDR war schon das ganze Jahr über da gewesen und allmählich lauter geworden. Botschaftsausreise über Prag, Öffnung der ungarischen Grenze, Montagsdemonstrationen. An sich war zu erwarten, dass sich auch die innerdeutsche Grenze öffnen würde - mit der DDR-typischen Trägheit, mit überaus deutschen Antragsformularen und Verwaltungsakten, und mit Schikanen durch selbstherrliche Genehmigungsbehörden. Und letztlich erschien keineswegs sicher, dass nicht doch noch Militär eingesetzt würde, wie man es von den alten Stalinisten bereits kannte.

Am Abend des 9. November 1989 traf ich mich mit ein paar Studienkollegen. Ich hatte vier Wochen vorher meinen ersten Job angenommen, war noch voller Enthusiasmus und ging nach spätem Feierabend zum Stammtisch um mich mit den anderen auszutauschen. In dem Lokal stand ein Fernseher und es lief irgendein Fußball-Länderspiel. Die übrigen Gäste starrten den Bildschirm an, wir unsere Biere. Wir haben sie wohl auch getrunken. Als ich gegen Mitternacht das Lokal verließ war alles wie immer. Die Fußballfans waren dumpf und betrunken, ich nur voll des guten Bieres. In dem Lokal am Savignyplatz im Zentrum West-Berlins merkte man auch drei Stunden nach Maueröffnung nichts davon, kein Jubel, keine besondere Regung beim Wirt oder den Gästen.

Ich stand beim Verlassen des Lokals leicht schwankend da und starrte den Bildschirm an "... wurden heute die Grenzübergangsstellen für DDR-Bürger geöffnet..." oder so ähnlich. Weiß nicht mehr. Dem Nachrichtensprecher fiel jedenfalls genausowenig sensationsheischender Text zu dem historischen Ereignis ein wie mir. Er trug das genauso vor wie schon das ganze Jahr über die anderen Nachrichten über Vorgänge in der DDR.

Ich stand da, starrte noch auf den Bildschirm, bis die Nachrichten vorbei waren und dachte mir: "Ja ja, macht ihr mal..." Dann machte ich mich auf den Heimweg.

Bis zum Kurfürstendamm, der sich zu diesem Zeitpunkt mit zehntausenden DDR-Bürgern gefüllt haben muss, bin ich nicht mehr gelaufen. Wären vielleicht 400m gewesen. Wusste ich aber nicht. Ahnte ich nicht mal. Die historische Tragweite des ganzen Ereignisses ging schlicht an mir vorbei.

Am nächsten Tag war sie allerdings nicht mehr zu übersehen: Die ganze Stadt war voll mit Besuchern aus dem Osten. Inzwischen Hunderttausende. Die Straßen in Charlottenburg quollen über, die Geschäfte, die Bahnhöfe - alles. In diesem Moment wurde klar, dass sich zumindest etwas grundlegend verändert hatte: DDR-Bürger durften ausreisen. Bis 1989 war die *Ausreise* nie eine Reise, sondern fast immer ein Umzug. Wer diese sogenannte Reise machte, wollte oder durfte nicht mehr zurück.

Bei den jetzt eintreffenden Menschenmassen war klar, dass sie sehr wohl wieder zurück wollten - und damit die Paranoia und Besserwisserei der DDR-Führung krass widerlegen würden.

Dass innerhalb eines halben Jahres die ganze DDR nicht mehr existieren würde, war in diesen aufregenden Tagen nicht abzusehen und an sich gar nicht logisch: Wenn die Reisenden tatsächlich wieder in die DDR zurückkehrten, hätte sich zuerst nur das Grenzregime und noch einige andere unschöne Aspekte der kleinen Republik erledigt. Dann wäre es vielleicht endlich möglich gewesen, sich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Das war aber anscheinend eine Handlungsoption, mit der die DDR-Oberen gar nichts anfangen konnten.

Wer hätte schon geglaubt, dass aus einer simplen Reiseregelung innerhalb kurzer Zeit und auf friedliche Weise die vollständige Auflösung eines ganzen funktionierenden Staatsgebildes werden könnte?

Ob das, was folgte, nun wirklich die Entwicklung hin zum besseren war, hängt sehr vom Standpunkt des Betrachters ab.

9. November

Geil! Im Topf meines Zitronenbäumchens wachsen goldgelbe Pilze. Nein, kein Schimmel: Richtige Pilze. Geil!

06 November 2009

Kunstkacke

Lese ich doch da kürzlich "Die Produktionsmenge von Kunstkäse wird für Deutschland auf jährlich 100.000 Tonnen geschätzt, von denen ein großer Teil für den Export bestimmt ist..." und denke mir: Die Menge mag schon richtig sein, aber dem Beuys sein Kunstkäse zum Beispiel hängt/trocknet/schimmelt wohl mehrheitlich in deutschen Museen und keineswegs auswärts.

Dabei ging es in dem Artikel gar nicht buchstäblich um den Kunstkäse von Beuys sondern um sogenannten Analogkäse - was ich für ein unheimlich schönes Wort halte: Die Unterstellung, dass parallel zum richtigen Käse noch etwas anderes existiert, das sozusagen *fast genauso* funktioniert. Nur anders.

Über die in diesem Zusammenhang naheliegende Frage nach Digitalkäse denkt der Große Bloguator™ noch nach.

05 November 2009

Dilemmatische Dialektik ¹

So ein Blog ist eigentlich eine ganz dumme Gegend, um wirklich ehrlich zu sein. Im Fall des Großen Bloguators™ verhält es sich beispielsweise so, das er in zwei grundlegenden Dingen anderer Ansicht ist als 98% seiner Auftraggeber:

Zum einen Graffiti. Diese werden vom hiesigen Blogchef geschätzt und keineswegs rundheraus als Schmiererei abgetan. Schon wenn die Auftraggeber, welche im Regelfall Hauseigentümer sind, das wüssten, würden sie sich angewidert abwenden und lieber einen weniger begabten aber dafür folgsameren Bearbeiter ihrer Sorgen wählen.

Dann hätte Der Große Bloguator™ nichts mehr zu tun. Das muss man dialektisch sehen. Oder dilemmatisch. Und auch hinnehmen, dass Dialektik und Moral zwei durchaus unterschiedliche Sachen sind. Daher ist so ein anonymes Blog eine ganz sinnvolle Einrichtung - der Name fällt nur innerhalb privater Post.

Und dabei geht es bei den Graffiti doch nur um eine ästhetische Erscheinung. Aber deutsche Hauseigentümer glauben ja, wer Graffiti gut findet, der frisst auch kleine Kinder. Der Große Bloguator™ entgegnet reflexhaft "Nee, kleine Kinder eher nicht... aber haben sie nicht 'nen Hund?"

Das andere Feld ist die Sache mit der Schimmelbildung in Wohnungen. Die wird regelmäßig auf ungenügendes Lüften zurückgeführt. Von Hausverwaltungen. Oder auf mangelhafte Bausubstanz. Dann insbesondere von Mietern. Meist ist die Sache nicht so eindeutig - aber das ist ganz schwer dem Auftraggeber klar zu machen, der für *sein* Geld ultimativ eine Wahrheit in *seinem* Sinne erwartet. Je nun. Jedenfalls muss der Auftraggeber nicht schon vorher wissen, dass man die Sache vielleicht auch ganz anders sehen kann, als er selbst das tut.

Das erfährt er noch früh genug.



¹ irgendwie fällt der Ausdruck hier in letzter Zeit öfter. Dialektik. Am Ende muss ich womöglich doch noch Marx lesen. Karl, nicht Groucho.

04 November 2009

Express-Train

Auf dem Umweg über das von mir sehr geschätzte Blog der Stuttgarter Zeitung Glaserei bin ich grade mit etwas Verspätung darauf aufmerksam geworden, dass es solche Chaostage wie bei unserer S-Bahn auch in anderen deutschen Städten immer wieder mal gibt.

Da zeigt sich (links auf Schmierseife93 klicken), dass sowohl München wie auch Stuttgart und anscheinend auch Frankfurt schon mal so universelle Totalausfälle ihrer S-Bahnen erlebt haben.

Würde mich nicht überraschen, wenn der eine oder andere der jetzt in Berlin ... versetzten ... S-Bahn-Manager sein Handwerk in Stuttgart gelernt hätte. Oder München.

Erinnert mich andererseits an die Klage über BritishRail, ein Unternehmen, das auf Margaret Thatchers Geheiß auch erst sinnlos privatisiert werden musste um es stilvoll zugrunde zu richten. Als damals nach einigen Jahren privaten Wirtschaftens so langsam nichts mehr funktionierte, wurden die Begründungen für die Verspätung immer absurder. Einmal wurde der Verkehr von "Laub auf den Schienen" lahmgelegt. Ein andermal hatte die Direktion im selten von bitteren Wintern geschüttelten England teure Schneeräummaschinen bestellt und damit endgültig Pünktlichkeit versprochen - welche nie eintraf. Als die Züge sich kurz danach bei ganz leichtem Schneefall wieder verspäteten, hieß es, es sei "der falsche Schnee" gewesen.

03 November 2009

Nooootstand!

Argh! Die Kollegen haben schon wieder vergessen, Kaffee zu kaufen. Ich will es mal "vergessen" nennen.

Das ist ein Verstoß gegen die Arbeitsschutzvorschriften!

02 November 2009

Bento!

Das hier ist was für Leute, die finden, dass man vor dem Essen mit dem Essen ruhig ein wenig spielen kann.



Hier werden einem die Spielregeln genau erklärt: www.annathered.com. Wer auf die zweite Seite geht kann sehen, dass sie vorher sogar Entwürfe macht. Chlor doch, sie hat ja auch Kunst studiert. Gibt auch eine Galerie. Na?

Und los geht's!

... wo Du grade stehst: Machste mir eins mit?

01 November 2009

Chronik der Kürbiskriege

Willkommen zurück beim Historytainment-Kanal! Hier vermischen sich Blutvergießen, Naturreligion und jahrhundertelang unbewiesene Vorstellungen von Ehre aufs schönste zur Unterhaltung der geschätzten Leserschaft! Nehmen Sie virtuell teil am freien und wilden Leben der indigenen Eingeborenen beider Amerikas - und des kleinen Teils dazwischen. Ihre Erlebnisse und Geschichten spielen in der Zeit vor der Invasion und kulturellen Überformung durch die gierigen entwurzelten Kulturimperialisten aus Übersee.

"Beim Ahnen aller Ahnen!"

"Oh, hallo, Pranke-des-Berglöwen!"

"Ja, hallo. Was hast du denn jetzt wieder mit dieser Tierhaut gemacht?"

"Wieso?"

"Diese Zeichen da drauf – musstest du das der Tierhaut antun?"

"Antun?"

"Du weißt doch: Für das Misshandeln toter Tiere ist ausschließlich der Schamane zuständig."

"Ich habe eine Idee gehabt."

"Du immer mit deinen Ideen."

"Und die Idee war so gut, dass ich sie aufgezeichnet habe."

"Und dafür musstest du eine ganze Tierhaut verschwenden?"

"Wieso verschwenden? Man kann sie immer noch anziehen."

"Aber jetzt sind diese komischen Zeichen drauf. "

"Na und? Trotzdem wärmt sie!"

"Da denkt doch jeder Indianer, dass du damit das Angesicht der Ahnen beleidigen willst …"

"Will ich gar nicht."

"… oder die toten Häuptlinge aufwecken."

"Gaa-aar nicht!"

"Mach das mal den anderen klar."

"Das ist ganz einfach: Ich muss denen nur meine Idee erklären, die hier, auf der Tierhaut."

"Ach, ja, deine Idee, für die man eine ganze Tierhaut verschwenden darf: Was hast du denn diesmal?"

"Wir frieren doch im Winter manchmal so..."

"Ein echter Indianer friert nicht."

"… du vielleicht ..."

"JEDER echte Indianer friert nicht!"

"Quatsch! Du kannst es nur nicht zugeben."

"Selbst wenn ich Kälte verspüre muss ich damit nicht meine Brüder und Schwestern behelligen."

"Siehst du: Du frierst doch!"

"Nein."

"Doch! Wenn du nicht frieren würdest, hättest du darüber noch nie nachgedacht. Nie!"

"… zurück zu deiner Idee …"

"Wenn es wieder mal so kalt wird, dass wir es nicht aushalten, dann bauen wir ein Zelt in die Mitte und lauter kleine Tunnel zu den anderen Zelten..."

"Wieso willst du ein Zelt mitten in unser Hüttendorf stellen? Wir können jetzt Häuser bauen. Primitive Zelte brauchen wir schon eine ganze Weile nicht mehr. Höchstens mal zum Verreisen. Das ist der Fortschritt."

"Na meinetwegen, bauen wir ein Haus in die Mitte von unseren Häusern. Und lauter kleine Kanäle von da zu den anderen Häusern..."

"… und dann robben wir durch die Tunnel zu dem Haus in der Mitte, statt aufrecht zu gehen, ja?"

"Nein..."

"Wenn wir uns in der Mitte sammeln wollen, brauchen wir doch nur hinzugehen."

"… nein! In dem Haus in der Mitte machen wir ein ganz heißes Feuer..."

"Du willst erst ein Haus bauen und es dann gleich wieder abfackeln?"

"… nein, nur wegen der Hitze..."

"Ganz recht: Wegen der Hitze brennt so ein Haus ab."

"… das kriege ich schon in den Griff."

"Tust Du, ja?"

"Ja."

"Du kriegst doch sonst kaum etwas in den Griff."

"Also: Wir machen ein ganz heißes Feuer in dem Haus in der Mitte und durch die Tunnel leiten wir die Wärme zu den anderen Hütten."

"Soso, und das Haus in der Mitte ist aus Holz?"

"Nein, sagen wir, das wird gemauert. Dann brennt es wenigstens nicht."

"Und für die Tunnel willst du lauter Tierhäute verschwenden?"

"Nein, die werden auch gemauert."

"Aha."

"Ja."

"Und wer bitteschön soll das mauern?"

"Na, wir!"

"Du und ich? Bist du bescheuert?"

"Nein ... wir ... also: Die anderen Brüder und Schwestern. Und ich passe auf, dass sie alles richtig machen."

"Du meinst die Brüder und Schwestern, die noch nicht wenigstens einmal im Jahr den Weg zwischen ihren Häusern sauber machen können, selbst wenn Besuch kommt? Meinst du die?"

"Äh, ja."

"Oder denkst du an die, die jahrelang jeden Tag ihr Gepäck umständlich über den umgefallenen Baum wuchten, anstatt ihn einmal gemeinsam zu zerhacken und vom Weg runter zu räumen?"

"Naja..."

"Und auf die aufpassen willst ausgerechnet du? Der noch nicht mal auf sich selbst aufpassen kann und ständig gerettet werden muss?"

"Äh, ja. Aber ich muss nicht ständig gerett..."

"OH DOCH!"

"Na gut. Aber was sollen wir denn sonst machen, wenn es so kalt wird?"

"Wir tun das, was wir immer tun: Wir gehen alle zusammen in eine Hütte und wärmen uns gegenseitig."

"Ich will das nicht mehr."

"Was gibt’s daran auszusetzen?"

"Das finde ich schon auf Reisen furchtbar: Dein Schwiegervater schnarcht entsetzlich..."

"Na und? Dafür musst du nicht erfrieren."

"… und unhygienisch! Deine Kinder schniefen so eklig."

"Hab du mal selbst Kinder."

"Und dein Großvater röchelt im Schlaf so seltsam."

"Stopf dir doch was in die Ohren, Moos oder ein Fellbällchen."

"Und oft ist es trotzdem noch so kalt, sogar wenn wir uns alle gegenseitig wärmen: Und wir müssen dann trotzdem Feuer machen, im Haus."

"Na und?"

"Der viele beißende Rauch..."

"Hör auf zu jammern!"

"Da ist meine Idee viel besser: Wir bauen ein..."

"Wieso willst du immer bauen? Denkst du, deine Erfindung bringt uns allen das Heil?"

"Ja. Genau!"

"… wieder so ein Teil das doch nur zur Hälfte hilft, wo man sich aber an das neue Teil so sehr anpassen muss, dass man sich das alte Elend zurückwünscht ..."

"Nein. Ja. Nein."

"Unsinn! Wir machen das aus gutem Grund seit Generationen von Indianern so. Weil es sich bewährt hat: Wenn etwas nicht geht, dann passen wir unser Verhalten an – das ist am einfachsten. Und so lebt man im Einklang mit der Natur."

"Nein."

"Viel einfacher als immer irgendetwas kompliziertes zu bauen..."

"Nie."

"… irgendetwas zu bauen, was dann doch nicht funktioniert. Jedenfalls nicht so, wie der Herr Erfinder es versprochen hat..."

"… nein!"

"Einfach. Wirksam."

"Ist es nicht."

"Oh doch."

"Ist es nicht!"

"Wieso nicht?"

"Du merkst es schon gar nicht mehr, aber ... deine Frau hat furchtbare Blähungen ..."



30 Oktober 2009

Fragezeichen

Da hat doch tatsächlich grade jemand nach den Begriffen "halloween gleitschirmfliegen" gesucht.

Fragezeichen?

29 Oktober 2009

Aus dem richtigen Leben

Ick zieh Tiere:
... der Verkehrswert (Marktwert) eines Grundstücks nach § 194 BauGB wird durch den Preis bestimmt, der zu dem Zeitpunkt, auf den sich die Ermittlung bezieht, im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gege-benheiten und tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse zu erzielen wäre...
... bla bla ...

Späße

In meinem Leben habe ich - optimistisch geschätzt - etwa zwei Witze erfunden. Der eine:
Wie heißt die Burg von Prag?

Hm? Hradschin.

Gesundheit!

Bis heute bin ich der einzige, der das lustig findet.



... und gute Freunde quäle ich manchmal mit dem Zusammenfahren-Witz. Aber nur wirklich gute Freunde. Um ihre Belastbarkeit zu testen.

28 Oktober 2009

Blätter - Formen

Heute wieder aus der beliebten Serie¹
"Originelle Suchanfragen an Suchmaschinen.
Und darauf folgende ebenso originelle Antworten":


...?

Oh mann ...!




¹ beim Großen Bloguator™

Haustiere

Vielleicht schaffe ich mir doch wieder eine Katze an ... wenn man mir garantiert, dass sie auch das hier kann:

Katzencontent via icanhascheezburger

27 Oktober 2009

Motiv und Antrieb

Kürzlich hab ich mir einen Laptop angeschafft, um besser schreiben zu können, flexibler. Musste lange drauf warten.

Jetzt, wo er endlich da ist, kann ich nicht schreiben. Das Phänomen nennt man wohl Übermotivation.

24 Oktober 2009

Manchmal...

... wenn ich auf dem Heimweg von der Arbeit bin, dann habe ich solchen Durst ... also wirklich solchen Durst ... dann muss ich unterwegs noch ein Bier kaufen, für daheim. Na, eins reicht ja meistens doch nicht ... besser ein Sixpack ... sicher ist sicher!

Neulich haben sie mich beim Bierkaufen gefilmt. Seht her:

via urlesque

Arbeit, das sind immer diese furchtbar anstrengenden Geschäftsessen, diese Richtfeste und Aquisitionstermine. Und jedes mal bekommt man Alkohol angeboten. Da kann man nur ganz schlecht nein sagen - schließlich will man doch ein Geschäft abschließen. Aber auf dem Heimweg habe ich oft solchen Durst.

Das Original ohne Musik sieht so aus.

23 Oktober 2009

Musikvideos

Musikvideos kommen hier immer dann, wenn dem Großen Bloguator nix einfällt. Ist ja nur vorübergehend.

Jetzt also dieses hier: Über die Musik kann man geteilter Meinung sein, aber - sehr stylish! Wahrscheinlich einer der billigsten Musikclips des Jahrzehnts. Trotzdem!

22 Oktober 2009

Gesang

Vor einigen Jahren war ich in der Langen Nacht der Museen mal im Heimatmuseum Charlottenburg in eine faszinierende Veranstaltung der sardischen Exilgemeinde geraten. Unter anderem spielte das Trio Argia Jazz, der auf sardischer Folkore beruhte: Polyphonem Gesang, Canto a tenore. Der geht etwa so:


Nur dass das Heimatmuseum Charlottenburg nicht so ein schönes Panorama hergibt. Im Vorraum wurde dann spontan das Original vorgetragen, es gab dazu verschiedene gehaltvolle Getränke und sehr gelöste Stimmung.

Oder hier. Oder das hier: Da gefällt mir der melancholische Ton. Schöner Gesang, nur leider mit Standbild.

Falls man das ein wenig länger hören möchte, kann man auf die Seite der Tenores di Bitti zu den Audiobeispielen gehen und dort den Player laufen lassen.

21 Oktober 2009

Die Wissenschaft hat festgestellt...

Nur mal angenommen, der betreffende wäre überhaupt satisfaktionsfähig:
"... weisen jede Verantwortung für ihre Handlungen von sich - insbesondere wenn es um das eigene Versagen geht. Sie betrachten sich selbst als überlegene Persönlichkeit in einer entfremdeten, feindlichen Umwelt, die ihre wahre Größe und Überlegenheit nicht erkennt."

"... zeigen einen Mangel an Einfühlungsvermögen ..."

"... zeigen sich häufig intolerant und äußern Vorurteile gegenüber anderen Ethnien, Glaubensrichtungen oder Minderheiten. Dabei sind sie in ihren Überzeugungen – die sie manchmal mit einer kleinen, exklusiven Gruppe von Kameraden teilen - fixiert, ignorant und auch zynisch ..."
Wer in dieser Beschreibung Tilo Sarrazin wiedererkennt liegt eigentlich ganz richtig: Es handelt sich um die Zusammenfassung des Geisteszustandes von Amokläufern. Aber jetzt, wo man das weiß, kann man ihn ja in Vorbeugehaft nehmen.

Was, das geht nicht in Deutschland? Wurde "Schutzhaft" nicht genau hier erfunden?

20 Oktober 2009

Argh!

... hm, seltsam, immer diese kurzen Überschriften ...

Alle gefährdeten Prokrastinatoren und Prokrastinateusen sehen jetzt mal weg (= note to self). Der Große Bloguator™ hat schon in seiner Jugend gerne Lexika und anderes rein informatives Zeug gelesen, aus welchem Grund auch immer. Daher wird seine gesamte Aufmerksamkeit auf Monate gefesselt, wenn er auf einen Moloch wie diesen hier stößt:

Es gibt eine Einrichtung namens Deutsche Fotothek, und dort werden Dokumente gesammelt und digital der Welt zur Verfügung gestellt. Als wäre das nicht so schon gefährlich genug, wegen der schieren Menge von inzwischen fast 1 Million Dokumenten, haben sie auch noch einige Spezialarchive, und eigentlich jedes von ihnen weckt die Neugier:
* Architekturzeichnungen
* Karl Hans Janke - Künstler und Erfinder
* Künstlerzeitschriften
* Möbeldesign in der DDR - Möbelarchiv Weimer
* Pressearchiv Höhne/Pohl
* Kunstsammlung der Wismut AG
* Prospektesammlung zum Verkehrswesen
* ConArt - Zeitgenössische Künstler

Wahnsinn.

Hier Zeichnungen von Hans Karl Jahnke:


via Glaserei der SZ und BibliOdyssey

19 Oktober 2009

Dokumentarfilm

Langsame Kamerafahrt, die Kamera fährt und sieht dem Mann ins Nasenloch.

Kommentar aus dem Off: "Nicht rasiert! Man kann ja gar nichts weiter sehen!"

Mann: "Wat hamse denn erwartet - wat wollnse denn da sehen? Mein Jehirn, wa?"

Kommentar aus dem Off: "Ich dachte..."

Das Kind ruft dem Dokumentarfilmer zu: "Soll ich Dir mal einen Trick zeigen? Soll ich?"

Der Dokfilmer will den Trick zuerst erklärt haben, sonst filmt er gar nichts. Das Kind: "Wenn ich dem Papa ins Nasenloch spreche, kommt es zu den Ohren wieder raus!"

Dokfilmer: "Aha! Ihr Kopf leitet Schallwellen um!"

Der Mann: "Nee..."

Kind: "Mama sagt, da ist gar nichts drin. Wenn man dem Papa ganz laut ins Nasenloch ruft, gibt es ein Echo!"

Dokfilmer: "Macht sie das oft? Und dann wird der Schall umgeleitet, ja?"

Der Mann: "Nee..."

Das Kind: "Mama sagt immer 'Resonanz'!"

Dokfilmer: "Wenn wir mit einem Endoskop ganz tief ins Nasenloch fahren..."

Mann: "Untersteht Euch!"

Dokfilmer: "... dann finden wir also - nichts?"

Mann: "Jar nich wahr! Da is schon wat! Nur nich so wat neumodischet."

Dokfilmer: "Was denn dann?"

Mann: "Na nich so'n elektronischet..."

Dokfilmer: "Aha. Sondern ein altmodisches, mechanisches?"

Frau: "Ja, genau! So eins zum Aufziehen."

Dokfilmer: "Was?"

Frau: "Aber ich vergesse das manchmal. Wenn ich tagelang keine Antwort bekomme auf eine Frage, dann fällt es mir irgendwann wieder ein: AUFZIEHEN!"

Dokfilmer: "Ach?"

Mann: "Is jar nich wahr!"

Dokfilmer: "Wirklich?"

Mann: "wat is nu? Wollnse nu 'n Film über mein Alltach drehn oder nich?"

17 Oktober 2009

Aaaaaa-ha-ha-ha-ha!

Das Traditionalien-Versandhaus Manufactum ist ja schon per Definition die konservativste Veranstaltung unter der Sonne. Andererseits: Neben Norwegerpullovern und handgeklöppelten Meisje-Schuhen aus Sandelholz haben sie ein so weites Programm, dass fast jeder irgendetwas sieht, dass er unbedingt haben möchte. Außer Humor: Irgendwie erschien mir das alles zwar immer schön - aber todernst.

Jetzt muss ich erkennen und zugeben, dass die Brüder vielleicht sogar Humor haben.

Was ich zwar nicht brauche, weil mir schon Nachtigallen auf den Zünder gehen, aber als Idee wirklich ... ach egal, seht selbst: Den "Nistkasten Wolfgang S."

16 Oktober 2009

Blog-Jubiläum

Hab natürlich das Blogjubiläum dann doch noch gründlich verpasst: Den tausendsten Eintrag. War ja irgendwie fast zu erwarten.

Eigentlich hätte da doch etwas feierliches oder besonderes stehen sollen, was man zu Jubiläen eben so macht. Aber Der Große Bloguator™ hatte wohl wieder mal anderes im Kopf. Jedenfalls ist er jetzt schon wieder eine ganze Weile vorbei, der tausendste Eintrag. Wen das doch interessiert: Es war die Sache über Blog-Statistik vom 29.9.

Intermezzo

... Intermezzo ist dann, wenn sich grade nichts anderes ergibt, also fast immer. Manchmal auch, weil die Zeit zur Bearbeitung irgendwelcher Einfälle fehlt ...

Nur um das Blog voll zu kriegen, und vor allem wegen der großartigen Fotografie¹:

(via: Der Haken)

Sorry, ich hatte nur das Buch irgendwann mal gelesen, aber den Film nie angesehen - deshalb erst jetzt. Könnte vielleicht auch mal den Kameramann gugeln. Wahrscheinlich ist dieser Clip ohnehin die Kompilation der allerbesten Bilder und die anderthalb Stunden Film dazwischen sind sterbenslangweilig. Nur meine Erwartung... muss ja nicht stimmen.



¹ dieses verkackte Startfoto sehe ich natürlich erst nach dem Einsetzen ins Blog

14 Oktober 2009

Meldung

Misstraue dem Superlativ!

Vorhin im Radio: "... im letzten Jahr in deutschen Betrieben der drittniedrigste Krankenstand seit 1970."

Soso, für den niedrigsten hat's wohl nicht so ganz gereicht? Und für den zweitniedrigsten auch nicht. Aber eine Meldung sollte trotzdem sein.

Und "1970"? Was soll das Datum? Von 2009 aus gesehen ist das keine runde Zahl. Runde Zahlen, Jubiläen sind sonst schon mal Anlass zu sinnlosen Rückblicken. War 1970 etwa der "Beginn der Aufzeichnungen"? Kann ich nicht recht glauben. So was interessiert die Arbeitgeber doch schon immer, Drückeberger und Simulanten waren noch nie gern gesehen.

Oder gab es davor vielleicht andauernd niedrigere Krankenstände? Dann wäre es nur leider keine Meldung mehr wert. Warum nicht "Der niedrigste Krankenstand seit letztem Jahr?"

"Niedriger Krankenstand" wird inzwischen im allgemeinen mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen und Angst vor Kündigung in Zusammenhang gebracht. Sonst könnte man doch einfach annehmen: Die Leute sind halt gesünder als früher. Ist das nicht eigentlich ganz schön?

Wer also wollte da mit aller Gewalt eine brandaktuelle Nachricht konstruieren?

...


"... Papa? Warum passiert eigentlich auf der Welt immer genau so viel, wie in eine Zeitung passt?"


12 Oktober 2009

Besucher

Oijoijoi! Letzte Besucher!

Das Statistiktool zu diesem Blog wird gern und häufig ausgewertet. Normalerweise ist sich Der Große Bloguator™ sicher, dass er ausschließlich für sich selbst schreibt, gegen das eigene Gedächtnis sozusagen, also: Gegen seine Fähigkeit, auch wichtige Sachen schnell wieder zu verdrängen.

Das Statistiktool zeigt sinngemäß auch, wer da weshalb auf die Seite gefunden hat. Üblich und bereits bekannt und nicht besonders verwunderlich sind die Suchanfragen nach Kindergartennamen, Pferdeporno und seit neuestem auch nach der Deinstallation des Google-Updaters. So weit. Manchmal auch nach Gedichten über schlimme Gerüche.

Die Statistik der letzten 24 Stunden ist allerdings neu und überraschend. Gesucht wurden innerhalb eines Tages
  • Gedichte über Fisch
  • Goldfischli
  • albanische Sprichwörter auf albanisch
  • Kindergartenname schwerbehinderte Kinder
  • Schuhe riechen nach Hundescheiße
  • automatische Türschließer
  • Bronkow Sex
  • Topographie erhöht
  • Baustellenprotokoll
  • Stirn hässlich
  • Organisation indianischer Straßenmusiker (?)
  • Gerüche Gedicht
  • Monolog innere
und dann noch
  • kreativität nqagation ¹

Auf all diese Fragen gibt das Blog mit Sicherheit keine Antwort ... keine Antwort im herkömmlichen Sinne ... aber irgendwie wurden sie hier alle mal behandelt. Erstaunlich, nicht?


Letzte Besucher: Uhrzeit Besucher-IP Herkunft

07.10.2009 13:26 Uhr  79.127.---.---
http://www.google.com/search?hl=en&source=hp&q=gedichte uber fisch

07.10.2009 12:59 Uhr  77.128.---.---
http://freenetsuche.de/dns/index.php?keywords=www.goldfischli

07.10.2009 12:57 Uhr 193.134.---.---
http://www.google.ch/search?hl=de&safe=active&q=albanische sprichw%c3%b6rter auf albanisch&meta=

07.10.2009 11:48 Uhr 91.46.---.---
http://www.google.de/search?hl=de&source=hp&q=kindergartennamen&btng=google-suche&meta=lr%3dlang_de& rlz=1w1dvxe_de&aq=f&oq=

07.10.2009 09:55 Uhr 62.227.---.---
http://www.google.de/search?hl=de&rlz=1r2tsee_de&e i=yknmstvqfcjdsgbf5cxrdg&sa=x&oi=spell&resnum=0&ct =result&cd=1&q=kindergartenname f%c3%bcr schwerbehinderte kinder&spell=1

07.10.2009 09:20 Uhr 78.54.---.---
http://www.google.com/search?hl=de&client=safari&r ls=en&q=schuhe riechen nach hundescheisse&btng=suche&lr=

07.10.2009 08:45 Uhr 80.142.---.---
http://www.google.de/#hl=de&source=hp&q=automatische+t%C3%BCrschlie%C3%9Fer&btnG=Google-Suche&meta=&aq=f&oq=&fp=80c14f30d0d37eb7

07.10.2009 08:34 Uhr 77.235.---.---
http://www.google.de/search?hl=de&lr=lang_de&q=bronkow sex&start=20&sa=n

07.10.2009 07:33 Uhr 160.83.---.---
http://www.google.de/search?hl=de&source=hp&q=topographie erh%c3%b6ht&meta=&aq=f&oq=

07.10.2009 05:33 Uhr 84.19.---.---
http://www.fireball.de/ajax.asp?auswahl=deutschem web&q=googleupdate deinstallieren

07.10.2009 05:28 Uhr 93.196.---.---
http://www.google.de/search?client=firefox-a&rls=o rg.mozilla%3ade%3aofficial&channel=s&hl=de&source=hp&q=baustellenprotokoll&meta=&btng=google-suche

07.10.2009 00:12 Uhr 82.58.---.---
http://www.google.com/search?q=google update entfernen&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a

06.10.2009 23:54 Uhr 95.223.---.---
http://www.google.de/url?sa=t&source=web&ct=res&cd =2&url=http%3a%2f%2fgoldfischli.blogspot.com%2f200 9%2f03%2fgoogle-update-entfernen.html&ei=urzlssb5d dp-_aawiuw1bq&rct=j&q=google updater deinstallieren firefox&usg=afqjcngplhhndft2_bdehzr4dzgph-ldfw

06.10.2009 22:40 Uhr 212.60.---.---
http://www.google.ch/search?ndsp=20&hl=de&lr=&rlz= 1g1gglq_dech347&q=stirn h%c3%a4sslich&start=10&sa=n

06.10.2009 21:38 Uhr 84.170.---.---
http://www.google.de/search?hl=de&client=firefox-a &rls=org.mozilla%3ade%3aofficial&hs=pjg&q=photoshop h%c3%a4sslich&btng=suche&meta=

06.10.2009 20:31 Uhr 77.23.---.---
http://www.google.de/url?sa=t&source=web&ct=res&cd =3&url=http%3a%2f%2fgoldfischli.blogspot.com%2f200 7_06_01_archive.html&ei=di3lso2nkdyosaa7w7wcaw&rct =j&q=organisation indianischer stra%c3%9fenmusiker &usg=afqjcng4gxzsyaymjsqjk22gdybbf2t-bg

06.10.2009 20:07 Uhr 84.138.---.---
http://www.google.de/search?q=ger%c3%bcche gedicht&btng=suche&hl=de&client=firefox-a&rls=org.mozilla%3ade%3aofficial&hs=gse&num=20&sa=2

06.10.2009 19:51 Uhr 90.146.---.---
http://www.google.at/search?hl=de&client=firefox-a &channel=s&rls=org.mozilla:en-us:official&hs=ijz&q =monolog innere&start=70&sa=n

06.10.2009 19:19 Uhr 134.100.---.---
http://www.google.de/search?sourceid=navclient&hl= de&ie=utf-8&rlz=1t4gpea_dede290de290&q=kreativit%c 3%a4t nqagation

06.10.2009 18:24 Uhr 79.215.---.---
http://www.google.de/search?q=kindergartenname&ie= utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&cl ient=firefox-a

06.10.2009 15:30 Uhr 141.35.---.---
http://www.google.de/search?q=taskplaner google updater&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de: official&client=firefox-a






¹ ich wäre im Leben nicht drauf gekommen, aber dieses Geheimnis lüftet Google automatisch: "Meinten Sie: kreativität negation". Tatsächlich, dafür ist dieses Blog die zuständige Fachabteilung

07 Oktober 2009

Pfffft...!

Das ist was für den Großen Bloguator™, welcher ein nicht so großer Hundefreund ist¹: Unsichtbare und lautlose Hunde!


Deutsche! Nehmt Euch ein Beispiel! ²

(gefunden beim Woostercollective, und die haben es wiederum direkt vom Hersteller improveverywhere)





¹ "Hunde kann man essen!"

² ...oder esst die Viecher.

06 Oktober 2009

Woooah!

Das hier gefällt Dem Großen Bloguator™. Und zwar weniger wegen des behaupteten umweltpolitischen Ansatzes - der wirkt bei so einer Spielerei nicht sehr glaubwürdig.

Aber die Spielerei selbst ist doch irgendwie sehr überzeugend, und einzig der untote Graf, der zuweilen durch dieses Blog geistert, wird Einwände haben: "Man soll nicht mit dem Essen spielen!"
(er meint: Wenn das Essen mal tot ist, soll man nicht damit spielen. Vorher hat er keine Einwände.)

Blood Lamp from miket on Vimeo.

Gefunden bei ... hm ... weißichnichmehr ... leidtutetmir ... weitere Grundlagen hier.





Und weiter im Kleingedruckten:
Der Effekt wird wohl auf derselben chemischen Reaktion aufbauen wie die Luminolreaktion, von der sämtliche Pathologiesendungen der letzten Jahre leben.

Das wiederum erinnert den Großen Bloguator
an einen Segel-Ausflug zum Ärmelkanal, Bretagne, Fronkreisch. In einem Hafen auf der Insel Groix gabs Organismen, die nachts leuchten, wenn man sie anregt. Eigentlich soll man das nicht, aus rein ästhetischen Gründen, aber am besten ließen die sich einfach dadurch anregen, dass man vom Boot ins Hafenbecken pinkelt...

Edith: Ich korrigiere: Der Hafen war Le Palais und liegt auf der Belle-Ile.
Weiterer Edith: Der Link stammte von Dark Roasted Blend, aus der Link Latte 120.
Joh.
So.


05 Oktober 2009

Bauschaumideen

Aaaaargh!


Zur Erläuterung für den Einsteiger: Eins der Lieblingsthemen in diesem Blog: Wo Unbegabung sich mit Faulheit und eigennütziger Sparsamkeit vereinigt, ist der Bauschaum meist nicht weit...

Musik und Tön


V. Staffel - Radfahrerelegie

5. Einsicht

paar tage später kriege ick ne anfrage von der koordinationsleitung von mein großet verkehrsunternehmen. so heißen die. ob ick irgendwat wüsste, da wär neulich anscheinend n rad untern bus auf meiner linie jeraten.

ick frage "personenschäden?"

die leitung "nee, nur dit rad is im arsch. der kerl is aber würklich n ziemlicher idiot." dit ham se richtich beurteilt, denke ick bei mir, und sage "nee, wenn die kollegen nich wissen, ick kann mich da nich dran erinnern." wir sind ja immer mehrere busse auf eener linie. damit war der fall erledicht.

nochn paar tage später spricht mich n fahrgast an, der oft mitfährt "Wegen dem Unfall neulich, mit dem Rad... wissen sie noch?"

ick misstrauisch: "... ja?"

"Ist da noch was gekommen?"

ick weiter misstrauisch: "nee, nich dass ick wüsste."

und er "Dann ist ja gut. Dieser Radfahrer war so ein unglaubliches Arschloch. Als der merkte, dass das Fahrrad plattgewalzt ist, wollte er unbedingt die Nummer von ihrem Bus haben. Aber irgendwie konnte sich kein einziger der vielen Leute dran erinnern. Nicht mal ihre Stammgäste. Ich auch nicht. Komisch, nicht? Der türkische Junge war inzwischen auch weg und das Arschloch stand da, wutschnaubend, in seinem schnieken Aufzug und mit dem schnittigen Helm auf dem Kopf und mit einem ganz flachen zersplitterten Fahrradgerippe. Ich wusste gar nicht, dass Carbonrahmen so interessant splittern. Der hätte am liebsten losgeheult."

ick gloobe, ick soll doch nich immer sone schlechte meinung von meine fahrjäste haben.

04 Oktober 2009

Musik und Tön


V. Staffel - Radfahrerelegie

4. Diskussionen und längere Hebel

dem radfahrer is jar nüscht passiert. er hat anscheinend doch noch jebremst und is nur übern lenker abjestiegen und hat dabei den jungen mit umjerissen. aber allet heil, keen blut, keene schrammen. fürs klingeln hat die zeit dicke jereicht, fürs anhalten nich. kenne ick sonst bloß von autofahrern.

und der kerl schimpft und is nich zu beruhigen. die andern fahrgäste helfen dem jungen auf und nehmen den in schutz: der konnte dit doch jar nich sehen.

aber der radfahrer will einfach nich aufhören zu pöbeln, dit wird immer schlimmer, und nu zieht er allet an beleidigungen raus, wat man sich denken kann. ick meine, dit hat bestimmt nich mit die türkische herkunft zu tun, dass der junge ausm bus ausjestiegen is und sich von hinten hat umfahren lassen.

um den radfahrer stehn die fahrjäste und bilden so ne art kreis, sind natürlich ooch nochn paar gaffer dazujekomm. ick kann den jar nich mehr sehen, höre ihm aber immer weiter fluchen, schimpfen, pöbeln und drohen, dass er mitm anwalt den jungen verklagen wird wegen sein wertvollet fahrrad und wegen seine jesundheit. so schlecht kann die ja nicht sein, fürs pöbeln reicht et jerade noch. und dasser den ausweisen lassen wird und seine eltern die sozialhilfe kürzen lassen wird und lauter so jemeinet zeuch.

der weeß doch jar nich, ob die eltern von dem jungen nich janz normal arbeiten, wie kommt der idiot uff so wat? der junge is still und kann jar nich widersprechen. ick stehe außerhalb von dem kreis und sehe dit fahrrad da so einsam liegen und höre den kerl pöbeln. dem fahrrad fehlt jar nüscht. aber is würklich n teuret modell, carbon-irgendwat. inzwischen jeht der mir uffn zünder, und zwar sowat von! ick nehme sein rad und lege dit vor die hinterreifen von mein bus.

denn melde ick mich nochmal zu wort und sage laut und vernehmlich "wenn ick hier nich jebraucht werde, würde ick jerne weiterfahren. da warten noch fahrjäste. soll ick noch irgendwen anrufen?" aber der radfahrer beleidicht mich ooch, sacht, ick soll mich verpissen und ick denke, der hat dit einfach nich anders jewollt und steige wieder ein. ick sollte mich ja verpissen.

denn muss ick versehentlich weiterjefahren sein. hat nur janz leise unter die hinterreifen jeknirscht

03 Oktober 2009

Musik und Tön


V. Staffel - Radfahrerelegie

3. Vom Halten an Haltestellen

und denn sind da die janz besonderen torfköppe. jibt leute, die noch mehr recht ham als die messenger. kann man sich nich vorstellen, solche treffe ick aber immer wieder. die benutzen denn zwar den radwech - aber wehe, jemand anderer ooch noch. denn wern die fuchsteufelswild, weil so kann dit ja nich jemeint sein: een verträumter fußjänger, een rentner mit hund, ne mutter mit kind, da fangen manche an zu brüllen wie die gorillakönige, weil dit ihre ansicht nach nich erlaubt is und ihre freiheit einschränkt oder ihre persönlichen rechte beschneidet.

wenn man jenau hinkiekt merkt man: die vertragen einfach nich, dass se für nen andern menschen bremsen sollen. bei solche bin ick denn doch froh, dass die keen auto ham. wenn die mit ihrem auto so fahrn würden wie mit dem fahrrad würden se jeden tach n blutbad anrichten, nur weil se vorfahrt hatten.

letzte woche halte ick an ne haltestelle und lasse meine fahrgäste aussteigen. durch die haltestelle läuft n radwech. sicher, so ne anlage is nich die cleverste, aber jibt et hier in unsere stadt ziemlich oft. ick fahr ooch manchmal rad. wenn ick mitm rad auf sone haltestelle zu fahre und sehe, dass da n bus hält, denn rechne ick damit, dass da gleich n paar leute raus jestolpert kommen. dit is nu mal so, wenn jemand aussteigt. denn fahr ick eben langsamer oder mach nen bogen um die haltestelle.

aber neulich sitz ick in mein bus und halte. ick mach also die tür uff und denn hör ick dit erst klingeln wie verrückt, denn brüllen und denn scheppern. jehe raus und kieke, ob wat passiert is. da is son radfahrer in ne gruppe von fahrgästen jerauscht und jetzt liecht er lang.

neben ihm sitzt son halbstarker mit ausjestreckte beene aufm boden, türke, grieche, irgendsowat. der is janz still und perplex und überlecht, ob er jetzt wieder aufstehen kann und rappelt sich langsam hoch.

der radfahrer steht ooch gleich wieder und lässt nu ne kanonade von schimpfwörtern über dem jungen aus. wat der sich einbildet und wo er überhaupt herkommt und so.

und ick versuche zu deeskalieren und frage erstmal, ob wat passiert is und ob wer n krankenwagen brauchen, oder polizei oder so. aber der radfahrer hört nich auf zu schimpfen und pöbelt auf den jungen ein. da schlage ick aus lauter hilfsbereitschaft vor, dass ick vülleicht wenichstens n psüchiater rufe.

02 Oktober 2009

Musik und Tön


V. Staffel - Radfahrerelegie

2. Information und ihr Transport

fahrradkuriere!

fahrradkuriere sind meine besonderen freunde. quetschen sich mitn affenzahn jegen die einbahnstraße noch durch die kleenste lücke, und wenn denn ne tür uffjeht und sie drüberhängen fluchen se über die rücksichtslosen autofahrer.

die nennen sich selber lieber messenger, die klingt gleich vülle rasanter, und so besonders wichtich wie die sich finden fahrn se ooch. einjebaute vorfahrt jehört bei die zur grundausstattung schon seit vor ihre jeburt.

jibt welche, die ham nich mal bremsen am fahrrad. wenn mir so eener uff die scheibe klebt muss ick würklich keen mitleid haben. tue ick aber trotzdem, selbst mit solche knallschoten, dit kann ick nich unterdrücken. tja, der mensch is wohl so.

ick habe mich mal mit so eenem unterhalten. der konnte dit allet janz jenau erklären: keene bremsen, weil ihm ja vülleicht sowieso allet jeklaut wird, wat nicht anjeschweißt is. keene schutzbleche, keene schaltung, keen licht: wird ständich allet immer jeklaut. mir ja nich. ihm aber anjeblich.

wenn da nüscht dran is, denn muss er dit fahrrad ooch nich immer anschließen. dit spart denn jede tour nochmal dreißich sekunden.

und regeln sind immer bloß für die andern. wenn er sich an die verkehrsregeln hält, denn isser nich jenauso schnell wien kurier mitm auto, sacht er. damit machen die aber werbung, und vülle länger alsn kurier mitm auto dürfs denn nich brauchen, dit merkt die kundschaft irgendwann. also dürf er sich nich an die verkehrsregeln halten, wenn er 'messenger' sein will.

meine jüte, dit telefon und der fax sind doch nu wirklich schon ne weile erfunden! sogar ieh-mail jibt et inzwischen. aber heute kann man sich schon nich mehr erklären, wie die menschheit ohne messenger häuser bauen und bis zum mond kommen konnte.

messenger, echt! fürn botenjungen!

01 Oktober 2009

Zitierte Namen

Zitat Google Maps:
Hohenlepte
Strinum
Straguth
Badewitz
Bärenthoren
Polenzko
Trüben
Pulpsforde.
Nicht erfunden.
Ich schwör!
So wahr ich Gott helfe!

Musik und Tön


V. Staffel - Radfahrerelegie

1. Augen zu und durch!

wenn ick in mein bus sitze starre ick ja den janzen tach in den verkehr. dit is meine arbeit. manchmal macht et spaß, manchmal nich. und manchmal isset komisch. im sinne von seltsam, nich in der bedeutung von lustich.

wenn ick mir so ankieke, wie leichtfüßich manche radfahrer rote ampeln ignorieren ... halber blick links, halber blick rechts, und denn ohne zu bremsen rin in den flutenden querverkehr ... also, wenn ick mir dit so ankieke, denn wundert mich, diss wir hier nur alle 3 tage een toten radfahrer ham und nich jeden tach zwanzich.

viele sind ja janz vernünftich. weil se wissen, dass se manchmal vülleicht recht ham, aber jegen nen haufen schön jeformtet blech jesundheitlich keene schangse.

manche sehen sojar ein, diss se nachts vülleicht schlecht jesehen werden, wenn se in schwarze klamotten ohne licht uff der falschen seite fahrn und dabei telefoniern. aber dit is die minderheit.

nee, isse vülleicht jarnich. man merkt sich eben nur die schlechten sachen besser, weeß ooch nich wieso, wenn man sich ärjert prägt sich dit wahscheinlich einfach besser ein.

aber dit jibt ebend welche, die sind immer im recht. die fahren jenau so mitm rad wie andere leute ihr auto: blick immer stur jeradeaus - und wenn wat schief jeht ham alle andern schuld, aber bestimmt nich sie selber.

fahrradkuriere!

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