28 April 2010

Zahlungsmoral (7)

eine fast nicht erfundene Geschichte

Was bisher geschah:
Wir befinden uns inzwischen im unbeaufsichtigten Büro eines gierigen Architekten der uns hereingelegt hat und machen uns Gedanken über die Sicherheitsmaßnahmen der informationsverarbeitenden Geräte.


...

Ein neunzehnjähriger Computerfreak legt seine Schwerpunkte intuitiv anders als beispielsweise ein Architektenbüro. Er findet es selbstverständlich, ja geradezu notwendig, dass auch ein paar Kanäle nach draußen geöffnet sind, mit denen Musik gehört werden kann oder Videos abgerufen oder Programme heruntergeladen. Der Unterschied zwischen "ein wenig illegal" und "bedrohlich" ist ihm nicht bewusst. Seine Freunde machen das ja alle so.

Im übrigen bringt neuere kommerzielle Software ihre sehr eigenen Sicherheitsmaßnahmen mit: Die zugehörige Hilfe wird inzwischen häufig aus dem Internet abgerufen. Dafür muss ebenfalls ein Kommunikationskanal geöffnet werden - der zufällig auch die Überprüfung ermöglicht, ob es sich um eine legale Kopie des Programms handelt.

Gerade im Baubereich ist die Versuchung zur Verwendung von illegaler Software groß, angesichts der Kosten guter Programme. Die Hersteller wissen das und suchen im Internet gezielt danach. Sie wissen auch, dass Mitarbeiter von Büros zuweilen selbst gebrannte Programme ohne Wissen des Chefs oder des Administrators installieren, weil ihnen das die Arbeit erleichtert. Wenn der Chef sich darum nicht kümmert, weil es ihn nicht interessiert, und der frustrierte Administrator keine Autorität hat, bleibt das Programm eben und das Risiko steigt.

Bei meinem Architekten wurden nur wenige Programme benutzt, aber die waren eigentlich alle bezahlt und legal. Die Mitarbeiter hatten generell keinen besonderen Ehrgeiz, schon gar nicht den, sich mit noch mehr neuer Software zu befassen, als zu ihren ausdrücklichen Aufgaben gehörte. Sie standen außerdem mit Passwörtern auf Kriegsfuß. Die Rechner an ihrem Arbeitsplatz waren entweder gar nicht gesichert oder mit so schwierigen Passwörtern wie den Namen von Kind, Freund oder Hund. Von allen Stationen aus konnte man auf den gesamten Server zugreifen.

Hier wollte ich ansetzen. Bei meinem ersten Besuch installierte ich auf jedem Rechner - außer dem vom Chef - ein Programm zur Untertunnelung der Firewall. Damit hätte nun jeder Musik herunterladen können. Das interessierte sie gar nicht, wie ich wusste. Aber darüber, dass man jetzt an nervenzehrenden und zeitraubenden Internetauktionen teilnehmen konnte, freuten sie sich bestimmt sehr. Oder online Bücher und Kosmetik bestellen. Womöglich Poker spielen. Und seine E-Mail außerhalb des büroeigenen Systems bearbeiten.

Sie würden sich über diesen unerwarteten Mehrwert sicher nicht beim Chef beschweren, sondern still genießen. Das Tunnelprogramm installierte ich auch auf dem Server. Dort sollte es seinen bestimmungsgemäßen Zweck erfüllen: Das Herunterladen von Musik und Dateien erlauben, auch wenn das irgendeinem Vorgesetzten nicht passt. Und den Zugriff von außen ermöglichen.

Der Server läuft permanent und ist permanent mit dem Internet verbunden. Ich installierte ein paar Filesharing-Programme und wählte zum Herunterladen vorläufig alles, was es an guter teurer Architektensoftware auf dem illegalen Markt gibt. Sowie ein paar Programme, die man als Architekt eigentlich gar nicht braucht, weil sie die Fähigkeiten meiner Zunft bei weitem übersteigen. Hauptsache teuer.

Verbreitete Filesharing-Programme sind so aufgebaut, dass alles, was man herunterlädt gleichzeitig auch vom eigenen Computer aus zur weiteren Verbreitung angeboten wird - man wird also zwangsläufig zum Hehler, wenn man solche Programme benutzt. Doch, das ist schon das richtige Wort. So lange man an der Konfiguration nichts ändert, werden die heruntergeladenen Dateien auch nach dem Abschluss des Downloads weiter angeboten. Und ich wollte an der Konfiguration nichts ändern.

Damit wurde der Server des Büros zur Verteilstelle für Architektensoftware im Gegenwert eines Mehrfamilienhauses. Irgendwann würde das schon jemandem im Büro auffallen, dachte ich mir. Also: Nicht jemandem im Büro des Architekten sondern im Büro des jeweiligen Softwareherstellers. Außerdem erinnerte ich mich, dass die Mühlen der Justiz langsam mahlen, so sagt man doch? Aber je länger dieses interessante Angebot bestand, desto größer sollte der vermeintliche Schaden sein und infolge dessen die Summe, die die Softwareschmieden von ihren unbescheidenen Anwälten irgendwann beanspruchen lassen würden.

Ich schaltete die Rechner der Mitarbeiter wieder ab, während der Server leise surrend unter dem Tisch weiterlief. Wie ich erwartet hatte, war mir nach sechs Uhr im Büro niemand begegnet und ich begab mich zufrieden nach Hause.





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27 April 2010

Zahlungsmoral (6)

eine fast nicht erfundene Geschichte


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IV.

Außer mit dem Häuserbau kenne ich mich noch mit Computern einigermaßen aus. Das bringt der Job mit sich. Man bearbeitet die verschiedensten Aufgaben und benutzt dafür mindestens ein halbes Dutzend Programme, zum Zeichnen, zum Konstruieren, zum Kalkulieren, für so simple Dinge wie Ordnerrücken oder so schwierige wie die Berechnung des Wärmebedarfs. In jedem Büro gibt es außerdem ein Netzwerk, und die Daten müssen regelmäßig gesichert werden. Oder sie sollen an jemanden verschickt werden, und zwar in einem Dateiformat, das der Empfänger auch lesen kann. Dabei machen einem Firewalls, automatische Virenscanner und Trojanerschutz das Leben zusätzlich schwer.

Fast das ganze Wissen eines Büros steckt in den kleinen Kisten und von allen wird es beinahe regelmäßig auf den Server kopiert, so dass dort fast die gesamte Information in einem einzigen Teil vorliegt. Ich hätte jetzt einfach den Server mitnehmen und die anderen Rechner neu formatieren können. Aber die Daten wurden regelmäßig gesichert und außerdem wäre der Verdacht sofort auf mich gefallen. Der Schaden wäre klein und mein Risiko groß gewesen. Ich hatte mir das anders herum vorgestellt.

Der "Systemadministrator" des Büros war der halbwüchsige Sohn eines Mitarbeiters. Er war zu dem Job gekommen, weil er eine Schule mit Computer-Schwerpunkt besuchte, das Wort Netzwerk fast fehlerfrei aussprechen konnte und zudem wenig kostete. Sein Vater hatte beim Chef ein gutes Wort für ihn eingelegt. Der Job seines Sohns ersparte ihm etliche Diskussionen ums Taschengeld. Und ganz konkret das Taschengeld. Dem Sohn war beides zu poplig: Die Diskussion wie auch das Taschengeld selbst, weil er mit dem Job das dreifache des regulären Taschengeldsatzes seiner Mitschüler verdiente.

Wegen dieser Konstellation hatte das Netzwerk des Büros erwartungsgemäß ein paar Eigenheiten: Die Sicherheits­maßnahmen bestanden aus Standardprogrammen für Heimanwender. Alle solchen Programme werden sehr unkomfortabel, wenn man die Sicherheitsstufe anhebt. Man muss immer wieder Passwörter eingeben oder bekommt am laufenden Band dumme Fragen gestellt. Das störte natürlich alle Mitarbeiter und deshalb war überall die niedrigste Sicherheitsstufe eingestellt und alles so konfiguriert, dass es gegen einen nicht allzu boshaften Angriff von außen geschützt sein würde. An einen Zugriff von innerhalb des Büros dachte ohnehin niemand: "Wieso? Wir sind doch hier! Und wir kommen doch sowieso an alle Daten ran..."

Wenn der jugendliche Systemadministrator einmal ein neues eigenes Programm mitbrachte, und dieses nicht sofort reibungslos funktionierte, wurde ohne zu zögern daran herumkritisiert und vorwurfsvoll seine Kompetenz in Zweifel gezogen, aber von bequemen Ignoranten die noch nicht einmal das Problem bei der Sache verstanden.

Zweifel waren zwar generell angebracht, nur fehlte dem Jungen dafür die Einsicht und den Kritikern sowohl das fachliche Interesse wie auch der Wille zu diplomatischem Vorgehen. Der Administrator war daher ein wenig frustriert und - ganz neutral gesagt - vom Anspruch der Aufgabe überfordert. Ohne es selbst zu merken. Im Grunde machte er für sein Taschengeld Dienst nach Vorschrift.




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26 April 2010

Zahlungsmoral (5)

eine fast nicht erfundene Geschichte



III.

Wie ich wusste, wollte der Architekt in den Ferien mit Frau und Tochter für mehrere Wochen nach England fliegen, damit sich die verzogene Göre auf ein Reitturnier vorbereiten konnte.

Dieser bevorstehende Ausflug war kaum zu übersehen gewesen: Während ich schuftete hatte der Chef nichts anderes im Kopf als die Reise, weil der dortige Star-Trainer nicht jeden Schützling zum Trainieren annehmen wollte. Die Frau vom Chef hatte ihrem geliebten Gatten vorsorglich klargemacht, dass es zu einer hässlichen Scheidung kommen würde, falls ihre Tochter an diesem Trainingslager nicht teilnehmen könnte. Also legte er sich ins Zeug. Nach mehreren Wochen und mehreren beflissenen Telefonaten mit dem englischen Trainer durfte sie mitmachen. Dann waren noch Flüge, Unterkunft und Mietwagen zu buchen. Darum musste sich die Sekretärin kümmern, weil sie ja sonst nichts zu tun hatte. Anschließend war alles je einmal umzubuchen, weil das Hotel der Gattin nicht edel genug war, der Mietwagen dem Architekten zu klein und der Flug vom falschen Flughafen und überhaupt allen zusammen zu früh startete.

Allein die Organisation dieser Reise beanspruchte eine Woche Arbeitszeit der Sekretärin - während mir meine tatsächlich angefallenen Arbeitsstunden vorgehalten wurden.

Aber ich kannte den Zeitpunkt: Der Flug lag innerhalb der Ferien und konnte nicht mehr verlegt werden, und damit war klar, wie lange der Chef weg sein würde. Seine festangestellten Mitarbeiter würden in dieser Zeit eine noch ruhigere Kugel schieben als sonst. Dies verschaffte mir Spielraum für meine Maßnahmen. Nach abends um halb sechs und an den Wochenenden würde unter Garantie kein Mensch im Büro sein. Und selbst wenn ich zufällig auf die Putzfrau treffen sollte, konnte ich ihr erzählen was ich wollte - außer mir sprach nämlich ohnehin niemand mit ihr. Ich fasste den Entschluss, das Büro wieder einmal zu besuchen. Außerhalb der Geschäftszeiten.




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23 April 2010

Zahlungsmoral (4)

eine fast nicht erfundene Geschichte


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Büroschlüssel haben im Normalfall einen gewissen Wert, sie gehören meist zu einer Schließanlage. Wenn die Schließanlage das ganze Haus umfasst, wird sie vom Vermieter gestellt und man muss den Schlüssel beim Auszug zurückgeben. Selbst ein einzelner Schlüssel hat dann etwa den Gegenwert eines Kleinwagens. Ist er weg, muss unter Umständen alles ausgewechselt werden, dafür wird leicht eine fünfstellige Summe fällig. Unsere Schließanlage gehörte aber nicht dem Vermieter, sondern dem Büro allein. Das waren viel weniger Schlösser und die auch nicht besonders hochwertig, nur gerade so, dass man telefonisch beim Schlüsseldienst einzelne Teile nachbestellen konnte. Vor allem aber: Über solche eigenen Schlüssel muss der Mieter niemandem Rechenschaft ablegen, man muss sie niemandem zurückgeben.

Da meine Arbeit nun wohl zu Ende war, stellte ich eine Rechnung über die gesamte angefallene Arbeitszeit. Auf dem Papier eine ansehnliche Summe. Die Chance, das Geld auch wirklich zu bekommen, war bei realistischer Einschätzung aber gering. Ich hatte nichts schriftliches in der Hand und bei einer Klage musste ich alles beweisen: Welche Arbeit ich erbracht habe, welches Honorar vereinbart war, dass ich keine Fehler gemacht habe. All das würde vom Chef bestritten werden, so weit kannte ich ihn ja nun. Wenn ich mir einen Anwalt hätte leisten können. Konnte ich nicht, ich war damals ziemlich klamm.

Nach weiteren drei Wochen rief der Chef selbst noch einmal bei mir an, in forschem Ton, er bräuchte jetzt den Schlüssel zurück. Ich war erstaunt, dass er all seinen Mut zusammen genommen hatte. "Was für einen Schlüssel?" Ich musste sicherheitshalber erst einmal alles bestreiten, wusste ja nicht, ob da nicht ein Tonband mitläuft und unser Gespräch aufzeichnet. "Den ich dir gegeben habe!" Meinem Ex-Chef war diese Situation natürlich klar. "Ich kann mich nicht erinnern." "Mach keine Spielchen mit mir!" "Was für Spielchen? Wenn ich einen Schlüssel hätte, würde es doch bestimmt eine Unterschrift geben." Er wusste genau, dass es keine gab. Er versuchte es trotzdem. "Das ist Diebstahl!" "Aber wenn ich's doch sage..."

Warum genau er den Schlüssel brauchte blieb im Dunkeln, die Festangestellten hatten ja alle einen. Wahrscheinlich nur zur Sicherheit, um den nächsten freien Mitarbeiter hereinzulegen, falls sich die Gelegenheit ergab. Jedenfalls war er zu geizig, die Schließanlage auszutauschen, lieber überwand er sich und telefonierte mit mir, seinem Schuldner und versuchte, die Verhältnisse in ihr Gegenteil zu verkehren. "Da ist übrigens noch meine Rechnung offen." "Was für eine Rechnung? Kann mich nicht erinnern." Das ist üblich in solchen Fällen, selektives Erinnerungsvermögen. "Die, die ich neulich per Einschreiben mit Rückschein geschickt habe." "Ach die. Die war doch völlig überhöht." Sehr gelassen sprach er das aus, er saß ja am längeren Hebel.

"Weißt du, ich habe zehn Wochen für dich gearbeitet. Dafür möchte ich gerne mein Honorar haben" "Habe ich doch schon längst bezahlt. Du hast doch alles bekommen was dir zusteht." Er meinte: Was mir seiner Meinung nach zustand. Auf dieser Basis zu diskutieren war sinnlos. Ich machte einen letzten Versuch "Sobald ich eine Einzahlung auf meinem Konto finde, denke ich nochmal über den Schlüssel nach, vielleicht kann ich mich erinnern." "Nein, so wird nicht gespielt. Zuerst den Schlüssel!" Der Schlüssel war das einzige Pfand, das ich hatte "Nein, zuerst meine Zahlung." "Solange ich den Schlüssel nicht zurück habe, zahle ich keinen Cent!" Ich wusste aber: Und wenn ich ihn dir vorher zurück gebe auch nicht. "Ich fürchte, so wird das nichts." Mit den Worten "Ich werde dich verklagen!" verabschiedete er sich von mir.

Danach hörte ich nichts mehr von ihm. Dass er die Schließanlage nicht austauschen lassen würde war absehbar, das hätte Geld gekostet. Er hatte es einfach versucht. Er wollte gerne den Schlüssel zurück haben und mein Honorar trotzdem einbehalten. Dass das nicht funktionierte, erschien ihm weder überraschend noch besonders schlimm. Nun ließ er es dabei bewenden. Den einen Schlüssels würde er schmerzlich vermissen und seinen Geschäftspartnern und Bekannten mit treuem Blick von undankbaren und unehrlichen Mitarbeitern berichten. Namentlich von mir.

Ich war also pleite, aber immerhin im Besitz eines Büroschlüssels und etlicher Unterlagen die ich kopiert hatte, als sie unbeaufsichtigt herumlagen. Daraus ließ sich nicht direkt Geld schlagen. Aber das waren die Grundlagen für einige schöne Vergeltungsmaßnahmen.




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22 April 2010

Zahlungsmoral (3)

eine fast nicht erfundene Geschichte


Was bisher geschah:
Wir sind freie Mitarbeiter und haben bis vor kurzem im Büro eines überaus sparsamen und ein wenig unehrlichen Architekten frei mitgearbeitet.


II.

Ich ging nach Hause und löste den Scheck ein, bevor er sich das noch anders überlegte. Die nächste Woche blieb ich dem Büro fern und erledigte all die Sachen, die in der Hektik liegen geblieben waren, Finanzamt, Wäsche, Küche und Bad putzen. Im Büro schienen sie mich bis da hin nicht zu vermissen. Nach eineinhalb Wochen meldete sich die Sekretärin vom Büro bei mir: Ob ich noch den Schlüssel vorbeibringen könnte? So lange hatte der Architekt also gebraucht, um einen seiner teuer bezahlten Festangestellten zu dem Projekt zu überreden. Jetzt war er zu feige, selbst anzurufen und schickte seine Sekretärin vor. Die Frage nach dem Schlüssel hieß im Klartext: Ich brauchte gar nicht wieder hinzugehen.

Bedeutete für das Büro aber außerdem: Mit den Sonderleistungen für den Auftraggeber war jetzt Schluss, weil die Festangestellten ja immer pünktlich Feierabend machten. Die bekamen schon bei der Frage nach einem einzelnen Abendeinsatz nach achtzehn Uhr Tränen in den Augen, weil sie sooo gerne nach Hause wollten. Von den Wochenenden ganz zu schweigen. Aber das war es ihm wohl wert.

Ich war die ganze Woche einschließlich Samstag bis kurz vor Mitternacht geblieben und teilweise sogar sonntags - angeblich war der Auftrag ja wichtig. Tja, man irrt sich so leicht.

Der Sekretärin sagte ich "Nö, wieso? Den Schlüssel habe ich dem Chef zurückgegeben. Schon längst." Das war zwar feist gelogen, aber auch egal. Mir konnte man nichts beweisen, weil ich nichts unterschrieben hatte. Der Chef hatte mir in einer überraschenden Aktion gleich am ersten Tag den Schlüssel in die Hand gedrückt - er musste seine Tochter vom Reiten abholen, da seine Frau beim Friseur war. "Da hat hat sich irgendwas verschoben..." Klar doch, beim Friseur. Und damit wenigstens ich ganz in Ruhe und ungestört an seinem Projekt weiterarbeiten konnte bekam ich auf dem kurzen Dienstweg den Schlüssel. Den Quittungsblock konnte er in seiner Aufregung nicht finden. Verständlich.

In diesen kleineren Büros laufen Dinge oft so: Auf den ersten Blick sind alle wiederkehrenden Vorgänge penibel strukturiert. Im Detail, wenn es einen Grund gibt, wird allerdings vom gewünschten Organisations-Soll flexibel abgewichen. Und es gibt oft einen Grund: Man hat es eilig, Mittagspause naht, Unterlagen sind verlegt, Feierabend naht, auf der Baustelle ist was schiefgegangen, Ärger mit Ehefrau und Schwiegermutter, so etwa in der Art.




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21 April 2010

Zahlungsmoral (2)

eine fast nicht erfundene Geschichte

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Mein Architekt und jetziger Chef versuchte also trotzdem, sich bei den Bauherren einzuschleimen. Ich war lange Arbeitstage lang da, ganze Wochenenden und es lief eine große Zahl von Arbeitsstunden auf. Aus zwei Wochen wurden zweieinhalb Monate. Ich dachte mir: "Naja, er ist erwachsen. Er wird schon wissen, was er tut." Außerdem hatte ich erfahren, dass die Aufgabe regulär bezahlt wurde, Honorarordnung, Rechnung, Mehrwertsteuer, alles in allem eine solide Grundlage. Das ist keineswegs die Regel, traf hier aber immerhin einmal zu. "Dann wird er halt nicht schlagartig reich", dachte ich mir, "sondern kann nur gut davon leben". Und ich auch.

Meine erste Frage nach Geld nahm er gleich vorweg. Man stellt diese Frage in der Regel entweder gleich zu Anfang und sonst nach etwa vier Wochen: Wie denn die Abrechnungsmodalitäten so seien? Dann reicht man seine Stundenliste ein und noch etwas später macht man aus der eine Rechnung. Stunden mal Stundenlohn gleich Honorar.

Ich reichte also nach vier Wochen meine Stundenzettel ein und er sprach: "Mit der Rechnung - wäre gut, wenn du die etwas später stellen könntest." In solchen Büros ist man häufig formlos und PER DU. Das sorgt für Vertrauen, gerade, weil man sich doch nicht ganz so gut kennt. "Die Auftraggeber, weißt du, die haben das Honorar noch nicht gezahlt, ich warte da noch auf den ersten Abschlag..."

Wenn man schon eine Weile im Geschäft ist, klingt das auch plausibel: Erst arbeitet man eine ganze Zeit lang, dann stellt man die erste Rechnung, die wird beim Bauherrn bearbeitet, geprüft, gegengeprüft, bleibt nochmal irgendwo liegen, und bis man das erste Geld hat, sind eineinhalb Monate rum. Eineinhalb Monate seit Rechnungsstellung, oder drei Monate seit Arbeitsbeginn. Da kann es schon vorkommen, dass man dann ein wenig klamm ist.

Sollte es beim Chef eines Büros eigentlich nicht, er trägt das unternehmerische Risiko - und wenn er nicht zahlen kann, darf er keine Leute beschäftigen, so einfach ist das. Ich war irgendwie blind und habe mich darauf eingelassen. Hätte ich nicht tun sollen. Aber er hatte ja auch den Vertrauensvorschuss als Vereinsmitglied.

Ich wunderte mich ein wenig, dass die angestellten Mitarbeiter auch beim größten Druck beizeiten Feierabend feierten, aber ich bis nachts sitzen musste. Später wurde mir klar: Deren Überstunden hätte irgendjemand zahlen müssen, und zwar pünktlich.

Nach acht Wochen reichte ich meinen nächsten Stundenzettel ein und erklärte, dass ich Geld bräuchte, ich hätte da eine Miete und ein, zwei andere laufende Kosten zu begleichen. Der Chef meinte, ich dürfe nicht ungeduldig werden, und ob ich ihm denn nicht vertrauen würde, und überhaupt seien das ja ganz schön viele Arbeitsstunden auf diesem Stundenzettel. Und er hätte das Geld vom Bauherrn leider leider immer noch nicht bekommen.

Die Bemerkung mit dem Vertrauen und den "ganz schön vielen Stunden" machte mich misstrauisch: Da baute einer seine Verteidigungsstellung auf. Das kennt man auch, wenn man schon eine Weile im Geschäft ist. Er hatte die ganze Zeit im Raum hinter meinem Arbeitsplatz gesessen, Glasscheibe selbstverständlich, damit man die Mitarbeiter unter Kontrolle hat. Und ich hatte nur dieses eine Projekt zu bearbeiten. Wenn ich also direkt vor seiner Nase im Büro saß, dann nur, um an seinem Projekt zu arbeiten. Wie konnte ihm da entgangen sein, dass eine Menge Arbeitszeit auflief?

Genau: Gar nicht. Ich fing deshalb ebenfalls an, eine Verteidigungsstellung aufzubauen, so etwas wie eine Rückzugsstation. Ich baute kleine Fehler in meine Arbeit ein, absichtlich. Flüchtigkeitsfehler, die man nicht sofort merkt. Aber die sich beim Bauen vielleicht nochmal als sehr lästig erweisen konnten. Und die man korrigieren kann - wenn man denn davon weiß.

Ich merkte mir den Standort aller Unterlagen im Büro und kopierte, was ich in die Finger kriegte. Ich hatte ja einen Büroschlüssel bekommen, damit der Chef nach Hause gehen konnte, zu Frau und Kind, während ich noch bis spät nachts für ihn arbeitete. Die Kosten für den Fotokopierer müssen in diesem Monat auf das fünffache gestiegen sein.

Eine Woche später erinnerte ich ihn an die offene Rechnung. Er wurde unwirsch: Nein, er hätte immer noch kein Geld. Ich sollte mich nicht so haben, ich wüsste doch, wie das ist. Er würde "selbstverständlich" zahlen, sobald das Geld da sei. Er meinte aber: Wenn "ausreichend Geld" da ist. Genau das ist eigentlich nie der Fall.

Dass es langsam kritisch wurde bemerkte ich daran, dass der Chef beim Nachhausegehen sein Zimmer abschloss. Hatte er in den Wochen vorher nicht getan. Im Büro standen vertrauliche Sachen ohnehin in verschlossenen Schränken: Steuerunterlagen, Auftragsunterlagen, Verträge, Personalunterlagen. Wäre also nicht direkt nötig gewesen, das Chefzimmer gesondert abzuschließen. Er tat es aber nun trotzdem.

Er wollte damit anscheinend demonstrativ sein Misstrauen zum Ausdruck bringen. Vermutlich erwartete er, dass ich nach so einer Beleidigung sang- und klanglos verschwinden würde. Erwachsene Menschen kommen auf so kindische Ideen. Er versuchte mich auf einfallslos trostlose Weise zu mobben. Irgend sowas muss es gewesen sein, was weiß ich.

Nach einer weiteren Woche legte ich meine nächste Stunden­abrechnung vor. Er fuhr mich an "Die vier Wochen sind noch gar nicht rum!" "Ist mir egal, ich brauch Geld!" Wir hatten auch keinen Vertrag, in dem irgend etwas von vier Wochen stand. Wir hatten überhaupt keinen Vertrag. Er war ja Vereinsmitglied, wir hatten uns mündlich geeinigt und ich dann mit der Arbeit angefangen.

Mündliche Einigung gilt. Muss man nur im Zweifelsfall beweisen können. Oder ein Druckmittel haben.

Ich verwies noch einmal auf meine Miete und dass ich Geld bräuchte. Er meinte, dass ich sowieso viel zu viele Stunden aufgeschrieben hätte. Ich sagte, dass er mir gefälligst eine Anzahlung geben solle, nach zweieinhalb Monaten wäre das wohl nicht zuviel verlangt. Darauf jammerte er eine Weile herum und machte mir dazwischen Vorwürfe wegen meiner Kaltschnäuzigkeit. Ich wies ihn darauf hin, dass das Projekt nicht fertiggestellt war und er auch keinen anderen dafür hätte. Da zückte er einen Scheck und schrieb eine beliebige vierstellige Summe drauf. Dann schimpfte er noch weiter über die heute allgemein verbreitete Unverschämtheit.

Dieser Scheck deckte etwa die ersten zweieinhalb Wochen meiner Arbeit. Weil ich Tag, Nacht und Wochenenden geschuftet hatte, war die Stundenanzahl aber höher als bei den Angestellten in einem Monat. Das reichte immerhin für meine Miete und den Strom. Ich fragte: "Wann kriege ich den Rest?" Da fing er wieder mit dem Vorwurf an, ich hätte viel zu viele Arbeitsstunden beansprucht und mehr sei nicht gerechtfertigt. Und im übrigen "Wenn das Honorar vom Bauherrn da ist!"

Aus einer undichten Stelle im Sekretariat wusste ich aber inzwischen, dass der Bauherr längst ordnungsgemäß überwiesen hatte. Mein großer Architekt wollte mich über den Tisch ziehen. Bei einem einzelnen freien Mitarbeiter klingt das einfacher als bei einem Angestellten, der vielleicht doch gewerkschaftlich organisiert ist.

Ich nahm den Scheck und ging. "Ich komme wieder, wenn ich Geld auf meinem Konto gefunden habe." "Du hast den Scheck bekommen - du MUSST weiter arbeiten!" Diese Logik habe ich bereits öfter erlebt. Sie ist erschreckend - aber falsch. Es gilt: Arbeit gegen Geld. "Ich muss gar nichts."

Ab da sann ich auf Rache.



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20 April 2010

Zahlungsmoral (1)

eine fast nicht erfundene Geschichte

Vor zwei Jahren habe ich als freier Mitarbeiter für einen anderen Architekten gearbeitet. Wäre natürlich schöner, ein eigenes Büro zu haben und selbst Mitarbeiter auszupressen. Aber die Dinge laufen halt nicht immer so, wie man sich das wünscht.

Vielleicht sollte ich noch vorweg schicken: "Die verbreitetste Krankheit unter Architekten ist der Geiz!" Das wollen wir uns bis zum Ende der Geschichte mal merken. Und je besser das Geschäft läuft, desto mehr quetscht ein richtiger Chef seine Mitarbeiter aus. Klar, auch hier gilt: "Die Leute hätten die viele Kohle nicht, wenn sie nicht so wären..." Aber ist das ein Trost? Wohl kaum.

I.

Je besser das Geschäft läuft, je bekannter so ein Architekt ist, desto größer ist der Anteil von unbezahlten Studenten und ganz unbezahlten Praktikanten im Büro. Und die anderen, die paar Festangestellten, bekommen regelmäßig wenig. Warum Mitarbeiter so etwas immer wieder mitmachen, fragt man sich. Aber die suchen eben Sicherheit, dafür nehmen sie so manche Unbequemlichkeit in Kauf. Angestellte in Architektenbüros lassen sich oft erstaunliche Dinge gefallen - interessanter Weise auch, was die Regelmäßigkeit der Bezahlung angeht. Da kann es schon vorkommen, dass zwei Monatsgehälter ausbleiben: "Der Bauherr hat nicht gezahlt, sorry." Der geleaste Jaguar des Chefs steht dann aber immer noch vor der Tür. Vielleicht suchen sie gar nicht wirklich Sicherheit, sondern ... sondern ... ich weiß es nicht.

Deshalb bin ich zwar kein Chef, aber auch kein Angestellter. Normalerweise geht das ganz gut und ernährt seinen Mann. Manchmal nicht.

Ich half also bei einem anderen Architekten aus. Ich kenne ihn vom Sehen aus meinem Sportverein, wo er mich ansprach: Er hätte da gerade einen personellen Engpass, ob ich nicht jemanden wüsste, der ihm ein oder zwei Wochen aushelfen könnte? Er sprach nicht zufällig mich an, wusste er doch, dass ich als Freiberufler arbeite - also genau das, wonach er suchte. Seine Erklärung klang erst mal plausibel.

Die ganz mickrigen Betrüger erzählen einem zuweilen auch gänzlich unplausible Geschichten. Aber auch die finden mit so einer Tränenstory noch einen mitleidigen Samariter, der versucht, sie aus der Scheiße zu ziehen. Dass das nicht geht, merkt der hilfsbereite Mitarbeiter meist zu spät.

Meiner war allerdings kein mickriger Betrüger, sondern ein Fachmann. Der sprach ganz profimäßig von einem personellen Engpass, ich wüsste ja selbst wie das manchmal sei: Monatelang warte man auf den Auftrag, und ausgerechnet als die wichtigste Mitarbeiterin sich in die Niederkunft verabschiedet hatte, sei der Auftrag gekommen. Und der andere Mitarbeiter sei leider krank geworden. Und die übrigen bis über beide Ohren ausgelastet. Er hatte als Vereinskollege zudem einen Vertrauensvorschuss.

Die Formulierung „ich wüsste ja selbst“ war eine klare Anbiederung. Inhaber funktionierender Büros gebrauchen sie mit Vorliebe gegenüber Leuten, von denen sie genau wissen, dass die kein eigenes Büro mit einem Dutzend Mitarbeitern haben. Sie tun damit so, als würde man miteinander auf einer Augenhöhe reden. Aber natürlich, ohne das wirklich zu meinen. Schon im Verlauf eines nur mittellangen Architektenlebens ist einem eine Menge mehr oder weniger wirkungsvolles Geschwätz begegnet und eigentlich beide wissen, dass die Sache mit der gleichen Augenhöhe keineswegs zutrifft. Ich schob diese hohle Phrase auf seinen wirklich dringenden Personalmangel.

Nun ja, er hatte einen personellen Engpass - ich hatte zufällig einen finanziellen Engpass. Das ist ja immer so, man hat immer nur eins: Zeit oder Geld. Ich hatte Zeit. Also fing ich bei ihm an.

Die Aufgabe war nicht außergewöhnlich anspruchsvoll, aber brauchte eine Menge Einsatz, weil der Chef auf jeden noch so absurden Änderungswunsch der Auftraggeber bereitwillig einging. Vorauseilend gehorsam. Jedes Husten des Bauherrenvertreters setzte er in einen neuen Entwurf um, mit entsprechendem Zeitaufwand. Konkret formuliert: Er wollte sich offensichtlich bei denen einschleimen. Der Aufwand dafür schien gleichgültig.

So etwas funktioniert nur selten. Das weiß ich, da die Ausgangslage gar nicht so selten ist: Dass Auftraggeber immer neue abseitige Wünsche und Ideen äußern, die für sie kostenfrei zu erledigen, darzustellen und zu prüfen sind. Dem muss man frühestmöglich energisch widersprechen. Wenn sie planmäßig auf dieser Masche reiten, ist die Geschäftsbeziehung sowieso vorbei, sobald der Auftragnehmer versucht, auch mal einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen. Wer einmal nachgegeben hat muss immer nachgeben, sonst ist er weg vom Fenster.

Wenn solche Auftraggeber den Auftrag kündigen wollen finden sie auch schnell einen anderen Dummkopf. Und selbst wenn sie keinen finden - zurückkommen können sie auf keinen Fall. Der frühere Auftragnehmer weiß dann  nämlich, dass sie jetzt erpressbar sind, eben weil sie keinen anderen gefunden haben.

Wer eine Weile im Geschäft ist, kennt das. Wer noch nicht so lange im Geschäft ist und eins und eins zusammenzählen kann, ahnt das.


... to be fortcontinued in kürze ... hier: Zahlungsmoral-2

16 April 2010

Arbeitsblockade

Wenn Der Große Bloguator™ das ganze Wochenende lang bei allen Freizeitterminen pünktlich war, muss er zum natürlichen Ausgleich an den Werktagen der folgenden Woche bei allen Arbeitsterminen zu spät kommen. Weiß jemand eine Methode, wie man da das Vorzeichen umdreht?

Vulkanterrorismus

Heute schafft es doch so ein blöder primitiver ungebildeter Vulkan, den gesamten Flugverkehr über Westeuropa lahmzulegen. Und beinah Westeuropa selbst.

Damit legt er eine Effizienz vor, die bisher nur das berüchtigte Terrornetzwerk erreicht hat. Da wird doch nicht Osama hinter diesem Vulkanausbruch stecken? In Zusammenarbeit mit seinem Herrn, denn er überall auf der Erde streitbar vertritt, wäre das doch möglich, oder?

In dem Vulkanausbruch hat bestimmt Alkaida die Finger drin. Das schreit nach Vergeltung!

Die Bundeswehr muss sofort alle Vulkane Islands bombardieren - zivile Opfer werden hinterher gezählt. In Island gibt es doch eigentlich auch gar keine Zivilisten, die stecken da doch alle mit drin. Vulkane, Elfen, Banken, Kobolde und Rockbands: Ganz klar eine Verschwörung zur Unterwerfung der Welt!

"Osama! Der Vulkan spuckt nicht mehr! Was machst Du?"

"Bin Laden!"

... und noch tagelang das Geheul, dass die Unterbrechung des Flugverkehrs der Wirtschaft ganz schlimm schaden wird: Keine Flüge zu halbstündigen Besprechungen in 500km Entfernung, die man sonst leider am Telefon durchführen müsste, so wie früher. Keine Billigflüge zum Skifahren in der Schweiz oder zum Wandern in Spanien oder zum Shopping in London - es ist eine Katastrophe. Ein Affront! Allein dafür haben die Isländer mit ihren ungesicherten Vulkanen eine Strafe verdient!



aus Anlass dieser Katastrophe erfährt man auch, was für eine Zumutung es beispielsweise für Fußballprofis ist, mit der Bahn zum Spiel anzureisen. Oder womöglich - grauenhafte Vorstellung - mit dem Bus!!! Wie gewöhnliche Leute! Muss man sich mal vorstellen!

14 April 2010

Office-Comedy

Die Kollegin Chef hat anscheinend einen Clown gefrühstückt und macht den ganzen Tag Witzchen. Da ist es schwer sich zu konzentrieren. Der Kollege Chef ist schwer im Stress und tappt ein wenig autistisch durchs Büro.

Seit einiger Zeit gibt es eine Espressomaschine. Älteres Modell, Designeredition, aber noch mit Handbetrieb: Man füllt den gemahlenen Espresso von Hand ein und muss ihn entsprechend von Hand wieder aus dem Sieb entfernen. Dafür steht ein entsprechender Behälter daneben, in dem nur gebrauchter Espresso landet.

Die Kollegin Chef hatte einen Espresso angefangen als das Telefon klingelt. Kollege Chef macht sich kurz darauf an der Maschine zu schaffen. Nach einigen Augenblicken ruft er "Oh, der war ja noch frisch!" Ich kann mir auch ohne Hinsehen denken, was passiert ist. Dann höre ich erstmal nichts. Seltsam. Gehe nachsehen.
"Was machst Du denn da?!?"
"Wer? Ich?"
"Du sammelst doch nicht etwa den Espresso da wieder raus?"
"'türlich. Was denn sonst?"
"Das ist unästhetisch!"
"Der ist doch noch gut!"
In dem Behälter landet wirklich nichts außer gebrauchtem Espresso, keine Orangenschalen, keine Zigarettenkippen. Also nicht gesundheitsgefährdend. Trotzdem ist der braune Schlamm unästhetisch.

In dem Moment meldet sich die Chefin wieder "Ich hatte ja einen Espresso angefangen..."
"Zu spät!"
"Wie 'zu spät'?"
Ich wieder: "Dein angefangener Espresso liegt jetzt in dem Behälter..." und erwarte, dass sie irgendwas von 'schade' oder so sagt. Aber die Kollegin Chef ohne Zögern: "Sammels raus!"
Ich höre mich schicksalsergeben stöhnen und sage nur "Was glaubst du, was er grade macht?"
"Gut!"

13 April 2010

Aktuell

Hier läuft grade dieser große Klassiker - oder sagt man Blockbuster?
"Return of the Mighty SEGELSAISON!"
Die Postingfrequenz sinkt.

09 April 2010

Am Schlesischen Tor

Kreuzberg verändert sich. Nein, ich meine nicht solche Sachen wie die Namensgebung "Späti am Schlesi" für den Spätkauf am Schlesischen Tor. Auf so blöde Ideen sind die Leute schon immer gekommen, auch in Kreuzberg selbstverständlich. Ich meine auch nicht die Schwaben, die im Stadtbild langsam nicht mehr auffallen, sei es, weil sie sich jetzt doch abgewöhnt haben, jedem im breitesten Schwäbisch ungefragt ihr begrenztes Weltbild zu erläutern, sei es, weil sie nach Prenzl'berg oder ins Umland gezogen sind.

Nein, in Kreuzberg wird seit einiger Zeit auf der Straße ostentativ Bierflasche getragen, offen, selbstverständlich, man soll ja immer viel trinken, und seit den Rauchverboten wird geraucht, was das Zeug hält. Durch solche kindischen Maßnahmen konnte früher gerade noch der Oberschüler aus dem Vorort seine Unabhängigkeit beweisen - inzwischen gehört das auf der Schlesischen Straße zum Stadtbild. Aber gleichzeitig bleiben ganze Gruppen im Studentenalter vor einer roten Fußgängerampel stehen. Auch wenn weit und breit nix kommt. Hallo?!? ¹

Es kann natürlich immer noch passieren, dass einem einer der Altpunks oder aus der verschlafenen Provinz vors Fahrrad stolpert, weil er von der neuen Unabhängigkeit noch nichts gehört hat und dem alten Ritus huldigt. Nicht ganz zu Unrecht wird von diesen nach wie vor freie Fahrt für Fußgänger gefordert und konsequent praktiziert. Aber diese Sorte stirbt anscheinend allmählich aus.

Jetzt warte ich darauf, dass mich ein Zwanzigjähriger mit Lederjacke und Bierflasche in der Hand barsch zurechtweist: "Ey, da ist rot!" wenn ich meinen Pflichten als mündiger Bürger nachkomme.






¹ der Vergleich der roten Ampel mit Gesslers Hut erscheint mir an dieser Stelle durchaus angebracht

06 April 2010

Fiction

Abends im Fernsehen. Englische Krimiserie. Die hübsche und blonde junge Frau sagt zu dem unscheinbaren Mann: "Wow! Du kannst schreiben UND kochen - du wirst mich heiraten müssen."

Eine nur! Eine einzige würde genügen!


Hm... ...was? Ach, nichts.

01 April 2010

Bilderrätsel

Na, was mag das sein?



Wie? Nein, genau: Ist es nicht. Sondern.

Das stammt aus der Zeit, als Der Große Bloguator™ zwecks Erkenntnisgewinns noch wissenschaftliche Methoden in Betracht zog. Diese inzwischen abgeschlossene Schaffensperiode fiel rein zufällig mit der Blütezeit der Chaostheorie und dem Boom von Fraktalberechnungsprogrammen zusammen. Hinzu kam - weiterer Zufall - dass diese Programme immer irgendwie schöne, sehr bunte und völlig unverständliche Bilder erzeugten. Im Grunde einfache Grafiken, die nur das bewusste Rechenvermögen des menschlichen Gehirns weit überfordern.

Das Allergrößte in dieser Beziehung war das Programm Fractint, welches nicht mehr weiter entwickelt wird, weil es so um das Jahr 2000 herum die Grenzen der Fractaldarstellung endgültig ausgelotet hatte und dem seither nichts hinzuzufügen ist. Fractint 20.0 kann alles, was man braucht. ¹

Das Bild oben ist das Ergebnis der abstrakten Beschäftigung mit den Parametern ohne irgendeinen Bezug zur Realität. ²

Der Laser wurde einst auf derselben Grundlage erfunden. ³






¹ die DOS-Version genügt völlig, sie bringt eine einfache und verständliche grafische Oberfläche mit - wenn man sie unter gegenwärtigen Betriebssystemen zum Laufen kriegt
² Irgendwelche Formeln in irgendwelche anderen Formeln hineinaddiert
³ und: "Bescheidenheit ist eine Zier..."

Potsdamer Platz (3)


Hauptstadtbashing aus der Hauptstadt
heute: Armselig ≠ arm


Zurück zum Potsdamer Platz. Es gibt da eine Zusammenballung von überdimensionierten Unsäglichkeiten, die sich SonyCenter nennt. Das ist dieses merkwürdige Teil mit dem lauten und zugigen Innenhof und dem undichten Dach, wo in allen Gebäude­zwischen­räumen die Seitenwände weggelassen wurden. Man darf dann ruhig die Frage stellen: Für eine ganze Halle hat's wohl nicht gereicht?

Aber wahrscheinlich ist auch das Absicht des Center­­­­­manage­­ments: Der Tourist soll sich gar nicht allzulange dort aufhalten, sondern konsumieren und sich dann wieder verpissen. Es muss nur auf Postkarten gut aussehen. Funktion und Atmosphäre sind für kleinliche Spießer - Weltstadt geht anders!

Wenn man erst einmal auf diesem Niveau angekommen ist, dann ergibt auch das Musikfestival mit SonyFavela einen Sinn: Sehr viel schlechter hätte man selbst einen temporären Aufführungsort nicht bauen können - Glaswände, Plastikfoliendach, das sogenannte Dach des Hofes hält ja weder Regen noch irgendetwas anderes ab. Sehr repräsentativ.


Internationales Flair in der Berlin-Favela: "It's a Sony!"

Und wenn man sich auf die ganze gleichnamige jämmerliche Ansammlung von Gewollt-und-nicht-gekonnt auf engstem Raum erst einmal eingestimmt hat, dann wird einem auch die überzeugende Gestaltung der Potsdamer Straße bewusst, mit der Besucher aus aller Welt, vor allem aber die Touristen aus den Randbezirken der Stadt, immer aufs neue beeindruckt und überzeugt werden. Nur in einer echten und selbstbewussten  Metropole wird man derartigen Luxus finden:

31 März 2010

Potsdamer Platz (2)


Hauptstadtbashing aus der Hauptstadt - heute: Potemkins Grüße

Zum gleichen Zeitpunkt wie beim Legoland-Imitations-Wolkenkratzer wurde der Auftrag für einen überflüssigen Bahnhof an Albert Speers spirituelle Erben vergeben: Ein Monstrum von Dach in der subtilen Dimensionierung der Reichskanzlei. Das ganze dann aber mit dem ökologischen Mäntelchen der Tageslichtschornsteine. Das sind diese glänzenden schiefen Röhren die so schön zum grau angepinselten rechtwinkligen Stahlgerippe kontrastieren.


Alles andere sieht man hier: Da die Hauptstadtplanung auch unterhalb des Speerschen Größenwahns in zwanzig Jahren nicht funktioniert hat, ist der Platz rund um den überflüssigen Bahnhof immer noch nicht vollgebaut. Das will aber niemand zugeben. Deshalb wird die alte Maßnahme des potemkinschen Dorfes wiederbelebt und ganze Hochhäuser aus Gerüst und Folie errichtet - damit es "urban" oder nach "Metropole" aussieht. Ganz wichtige Wörter - unbedingt merken!

Auch wenn Diepgen und Landowsky schon lange nicht mehr die Berliner Regierung sind, viele der von ihnen angeschleppten Versager denken wohl immer noch so. Im größeren Maßstab müssten die sich mit den Befürwortern des erbärmlichen Stadtschlosses eigentlich prächtig verstehen.


Wer's nicht glaubt: Auf dem Luftbild im ersten Teil der Serie kann man von oben in die Gerüste der Potemkinschen Bauten sehen.

30 März 2010

Potsdamer Platz (1)


Hauptstadtbashing aus der Hauptstadt

Letztes Wochenende musste ich mich Freunden zuliebe wieder einmal länger als nur ein paar Minuten am Potsdamer Platz aufhalten: Potsplatz! Ja, ich meine auch den verlängerten Platz in seiner Daseinsform als Leipziger Platz - ein Unterschied, den man als Passant sowieso nicht spürt. Der sogenannte Potsdamer Platz selbst ist doch im Grunde nur eine Kreuzung mit U-Bahn-Ausgang.

Es gibt ja Leute, die den Potsdamer Platz für das neue Zentrum der Stadt halten. Oder jedenfalls wollen sie es allen anderen als solches verkaufen. Diese Leute glauben, dass eine urbane Brache schon dadurch zum Mittelpunkt der Welt wird, das man sie mit zwölfgeschossigen Klötzen zupflastert. Wenn man die Bezugsgröße "Welt" nur klein genug wählt, ist das nachvollziehbar.


Allen anderen fällt auf, dass der PotsPlatz bis heute von niemandem mit klarem Verstand freiwillig aufgesucht wird. Der Berliner geht nur dort hin wenn er muss. Touristen können das ja nicht ahnen und dürfen auf das Geschwätz der Werber hereinfallen - hinterher wissen sie es dann auch.

Da ist zum einen der im Maßstab eins zu fünf verkleinerte Original-New-Yorker Wolkenkratzer, Legoland in Berlin. Dem fallen seit zehn Jahren die Klinker aus der Fassade. Deshalb versperrt seit zehn Jahren ein Gerüst den Gehweg. Aber es tut sich nichts. Würde ja Geld kosten. Und so wichtig ist der Mittelpunkt der Welt dann auch wieder nicht, wenn man beispielsweise in Zehlendorf wohnt.

25 März 2010

mond mond

von meinem fenster aus kann ich den mond sehen
wenn ich nachts am schreibtisch sitze
dem tisch mit dem blick über die brücke
über den sbahngraben
über die ehemalige hauptverwaltung der bvg
und der himmel weiß
was da früher noch alles verwaltet wurde
die hauptverwaltung auf der immer eine flagge hängt
der himmel weiß weshalb
ein sogenanntes hoheitszeichen
hoheit ist wohl so
dass sie sich unwohl fühlt ohne flaggen

und hinter der hauptverwaltung
und ihrer flagge
geht der mond manchmal unter
hinter der keuzung unter der hauptverwaltung
mit ihrem reichlichen überfluss an ampeln
wo immer fünf lichter gleichzeitig
rot anzeigen, oder gelb oder grün
oder jede andere farbe
die der fahrende passant so braucht
oder der gehende damit er nicht
überfahren wird

von meinem fenster aus sehe ich im mondlicht
die nachtschwärmer heimkehren
über die brücke herauf zur insel
bevor sie sich unten an der ecke
voneinander verabschieden
geräuschvoll und innig
um sich morgen ganz früh
mit derselben freude
wieder zu begrüßen
oder spätestens
übermorgen
ganz früh

von meinem fenster aus sehe ich unter dem mond
blaubelichterte fahrzeuge zu tatorten eilen
zu unfallstellen
zu anfallstellen
zu vorfallstellen
oder wo immer jemand mit blaulicht
gerade gebraucht wird
so dringend gebraucht wird dass
ein blaulicht gerade so ausreicht
um gerade noch reichtzeitig zu kommen
und manchmal
trotzdem
zu spät

von meinem fenster aus sehe ich
wie sich wolken vor den mond schieben
und wieder verschwinden
ihn manchmal in zarten dunst einhüllen
und manchmal in reines schwarz
finsternis die das melancholische leuchten des mondes
schlagartig ausschaltet
aber ebenso schlagartig
auch wieder erscheinen lässt
wie es ihr beliebt

von meinem fenster aus sehe ich den mond zuweilen
strahlen wie einen kugelrunden diamanten
so dass jede facette
beinah jede furche
mit bloßem auge zu erkennen ist
aber auch wie
kurz vor dem erreichen des horizonts
zwischen schornsteinen
und rotierenden mercedessternen
und ganz unhoheitlich herabhängenden flaggen
in dunkles rot getaucht
verblassen und versinken eins sind

aber bevor das noch geschieht
zieht der mond gemächlich seine bahn
mit einem blassen schimmer
in der feuchten luft
mit einem heiligenschein
mit einer krone aus dunst
oder hochnebel
oder sehr hoch schwebenden eispartikelwolken
oder irgendeiner anderen poetischen
erscheinungsform des wassers

der mond hat einen hof
wir werden regen kriegen



auf diesem sonst höchst authentischen foto leider kein hof um den mond. andere fragwürdige witze über hof aber bei bedarf hier.

24 März 2010

Unterhaltung

An sich geht mir Star Wars genauso weit hinten vorbei wie Enterprise, TNG, DeepSpace oder wie auch immer diese Langweiler zuletzt hießen. Aber wenn dann etwas wie das folgende dabei herauskommt, will ich solche fehlgeleitete Begeisterung mal durchgehen lassen:

Und wieder Steampunk

Hier bastelt einer seine alternative Wirklichkeit auf der Grundlage von Dampfantrieb, Zeppelinflügen, schwebenden Kabelbussen und vierziger Jahren: stefanparis auf deviantart.




Man erfährt leider sonst nicht allzuviel über ihn.


via dieselpunk

23 März 2010

Forschung heute

Wenn man einmal seinen Lebensmittelpunkt über eine Dialektgrenze hinweg verlegt hat .... äh ... also ... wenn man mal mehr als 200km weit umgezogen ist, staunt man vielleicht, wie anders die Sprache hinter dieser Grenze funktioniert - oder auch nicht.

Wer aus diesem Anlass jemals versucht hat, einem Germanisten bei der Präsentation seiner Forschungsergebnisse zuzuhören, der hat bestenfalls mit dem Schlaf gekämpft, aber im Normalfall unbändige Wut in sich aufsteigen sehen. Da man in so einem Fall kaum noch klar denken kann, wird einem erst später bewusst, dass es wohl die Wut über die ernsthafte aber völlig weltfremde Behandlung akademischer Scheinproblemchen war. "Und das nennen die Arbeit", würde der Fachmann dazu sagen.

Schon seit langem hat die akademische Wissenschaft ihr Augenmerk auf immer kleinere Details gerichtet und diese immer genauer erforscht, und dann noch kleiner und noch genauer. Dies führte folgerichtig dazu, dass heute der typische deutsche Wissenschaftler vom Nichts alles weiß.

Umso überraschender die Feststellung, dass es auch Germanistik mit echtem Erkenntniswert gibt - und zudem verständlich aufbereitet. Natürlich darf so etwas furchtbares nicht an einer der großen deutschen Eliteuniversitäten passieren und man findet solche Forschung deshalb an der Universität Augsburg¹.

Dort wurden die Verbreitung von Dialekten und Umgangssprache untersucht und auch der Laie kann die konkreten Ergebnisse hier ansehen, leicht nachvollziehbar und in Karten umgesetzt an Beispielen wie Schulranzen, Klingel, Möhre, Senf und - besonders umstritten - 5.45Uhr. ² Das ist nämlich dreiviertel sechs - und nicht etwa viertel vor!



¹ nichts gegen Augburg, auch dort werden aber einzelne Elitewissenschaften betrieben, die den zuvor definierten Abseitigkeits-Kriterien genau entsprechen
² ausgerechnet fünfuhrfünfundvierzig ist wiederum das denkbar unglücklichste Beispiel, das man zu dieser Untersuchung in Deutschland heranziehen konnte. Naja. Wissenschaft und das richtig reale Leben.

21 März 2010

Markting

Gestern erst aus dem Augenwinkel bemerkt: Der herunter­gekommene kleine Supermarkt hier unten an der Haupstraße hieß früher PLUS - jetzt hängt da ein großes NETTO-Schild.

Aha. plus ist jetzt netto.

Erinnert mich an das unbekannte Gedicht von der schwierigen Elektrikerin:
ja ist nein
und plus ist minus
geplagt bin ich mit vielen schwächen
man sieht den strom nicht doch er fließt

groß ist klein
und co ist sinus
links ist rechs
und rot ist blau

das wird sich wenn ich weg bin rächen
und blitze zucken durch den bau
kabel schmoren motoren brechen
der kunde tobt wie eine sau

er sucht nach werkzeug und nach waffen
nur sehr weit weg sein wenn er schießt!

Inzwischen

Auf seinen Reisen durch die digitalen Weiten gerät Der Große Bloguator™ zuweilen an die seltsamsten Auswüchse der menschlichen Phantasie - dazwischen aber auch an unprätentiöse Erzeugnisse von stiller Schönheit.

Garden Walk from Phil Shoebottom on Vimeo.

Ach was, eigentlich nur um das Blog voll zu kriegen.

20 März 2010

Traumwagen

Autofahren ist schön. Jedenfalls so lange man selbst weit genug weg von stark befahrenen Straßen wohnt und nur die anderen den Verkehr vor der Tür haben.

Aber die besinnungslose Begeisterung riesiger Massen für das Auto bringt im Einzelfall auch ansehnliche Nebenprodukte hervor, die selbst der kritische Betrachter dann doch bewundert. Der geschätzten Leserschaft ist vielleicht schon die Liebe des Großen Bloguators™ zur Stromlinienform aufgefallen. Oder die zu praktischen oder innovativen Lösungen. Was sich oft ausschließt. Hier zwei atemberaubende Extreme genau dieses Spannungsfeldes:


Ein Einzelstück des Ingeneurs Norman E. Timbs: Der Buick Streamliner von 1948. Das Teil ist der Wahnsinn, oder? An Eleganz nicht zu überbieten. Und so denkbar unpraktisch wie man sichs nur vorstellen kann. Das ist zwar bei fast allen anderen Autos genauso - aber die Eigentümer geben das nicht zu, es wird sogar förmlich verdrängt. (weitere Fotos im Jalopyjournal 1 und J2 sowie bei der Werkstatt, die ihn restauriert hat)

Und jetzt hier noch das Gegenteil:


Genau, stammt aus dem Jahr 1968 und ist wohl eine rollende Raumkapsel für den Straßeneinsatz. Lustig. Ich kenne es, glaube ich, seit 30 Jahren und hatte es für eine Erfindung des Comic-Zeichners Franquin gehalten¹. Wusste gar nicht, dass es das wirklich gibt.

Wer ein wenig Zeit hat, besucht diese Seite, um solche und noch andere Ideen zum Thema zu entdecken (unter den Fotos gibts immer ein Link der noch weitere Informationen und weitere Abildungen verbirgt). Oder versinkt in dieser Webseite mit endlos vielen Aufnahmen schöner Wagen: Custom Car Photo Archive.

Atomautos sind uns aus irgendeinem Grunde bisher erspart geblieben...



¹ um genau zu sein: GASTON - seit jeher schwere Identifikationsfigur des Großen Bloguators™

19 März 2010

Seelenverkäufer

Wunderbar! Leserin Äintschie hat mir dieses aufschlussreiche Fundstück übermittelt. Es stammt von KAMPS am Bahnhof Zoo, Fachgeschäft für Lebensmittel direkt aus der Hölle. Dass diese Leute Seelenverkäufer sind, ahnten wir schon lange.


Nun ist der Bahnhof Zoo ohnehin der richtige Platz für den ertragreichen Seelenverkauf, dort lungern eine Menge Sonderangebote rum. Gleichzeitig stelle ich mir das Geschäft beim Seelenverkäufer etwa so vor:



Vor dem Tresen eine Schlange von Teufeln. Dazwischen ein Börsenmakler und ein Zahnarzt

Verkäuferin: "Und? Wat darfs denn sein?"

Teufel 1 schwanzwedelnd: "Eine Seele mit Käse bitte. Und einen Kaffee."

V: "Teuflisch stark, wa?"

T1: "Ja, bitte...

... danke ...


... zum Himmel, ist der heiß!
"

V: "Ick kann den Kaffee beim nächsten mal mit kaltem Wasser kochen. Der nächste bitte?"

Börsenmakler: "Drei Seelen ohne alles, bitte."

V: "Soll ick die warmmachen?"

B: "Nein danke, ich erwische meine Seelen gerne kalt."

V: "Dachte ick mir. Wat dazu trinken?"

B: "Cola light. Was macht das?"

V: "Macht acht... nee, achtfuffzich."

B: "Was? So viel?"

V: "Bonus is gar nich, Rabatt erst ab zehntausend verlorene Seelen. Sammeln sie Höllenpunkte? Treueherzen?"

B: "Wollen sie mich verarschen?"

V: "Verarschen kostet extra. Der nächste bitte. Wer war denn als nächster dran?"

Teufel 2: "Führen sie auch Weihwasser?"

V: "Wozu denn dit?"

T2: "Ich müsste was desinfizieren..."

V: "Guter Mann! Wir sind ein Lebensmittelgeschäft, keine Apotheke! Aber ich kann ihnen die Seele frittieren."

T2: "Nee, das ist mir zu schwer, so am helllichten Tag."

V: "Vielleicht eine klitzekleine Kinderseele? Oder einen frischen Hundehalter? Der wäre roh..."

T2: "Ach nein, danke."

V: "Na schön. Der nächste?"

Zahnarzt: "Ja, ich."

V: "Was? Sie?"

Z: "Ja."

V: "Nehmen sie ruhig schon mal da drüben Platz. Es kommt gleich jemand."

Z: "Aber ich will doch nur..."

V: "Es kommt gleich jemand! Ein wenig Geduld müssen sie schon mitbringen!"

Z: "Aber ich..."

V: "Wenns ihnen hier nicht passt können sie auch zum Seelendiscounter gehen. Gleich da drüben unter der Brücke. Die haben auch Gewissen in verschiedenen Größen."

Z: "Gewissen?"

V: "Ha, das kennen sie gar nich, oder?"

Z: "Ich ... äh ..."

V: "Nehmse ruhig schon mal da drüben Platz. Es kommt gleich jemand und kümmert sich um sie. Der nächste?"

Teufelin 3 mit zwei kleinen Teufeln an der Hand: "Haben sie was ohne Zucker?"

V: "Nee."

T3: "Oder mit ganz wenig?"

V: "Nee, ham wer nich."

T3: "Wirklich? Sie waren meine letzte Rettung..."

V: "Nee, ick mach bloß Quatsch! Natürlich ham wir wat ohne Zucker, für die Kleinen, wa? Die meisten Seelen sind sowieso gesalzen. Da sind nur ganz wenige süße Seelen bei. Mit Mohn vielleicht?"

T3: "Mohn?"

V: "Oder Sesam?"

T3: "Sesam?"

V: "Oder mit Chili? Die sind höllisch scharf."

T3: "Höllisch scharf bin ich selbst!"

V: "Dit seh ick. Und wat wollen die Kleenen nu essen?"

17 März 2010

Vereine

Neulich mal hier im Blog, sinngemäß, bezüglich des Themas "Kirche":
"Ich glaube an gar nichts - bin aber Mitglied im Verein".
Demgegenüber lerne ich immer wieder Menschen kennen, die sehr wohl glauben, aber nicht Mitglied sind.

Wie ist denn das nun: Zahle ich für die mit? Oder glauben die umsonst - äh: kostenlos? Wie sieht denn das der Besitzer vom Verein? Ich kenne den ja nicht, ich geh ja nie hin. Jahreshaupt­versammlung, Gründungsfest, Jubiläen - ich bin da nie dabei. Aber ich seh mir gerne die Clubhäuser an.

So Schwarz­glaubende - sind die überhaupt irgendwo gern gesehn? Warum schickt der 1. Vorsitzende nicht hin und wieder mal einen Prüfer vorbei bei all diesen Schnorrern? Der bei allen streng am Herzen lauscht und feststellt, ob sie nicht schwarz glauben und dann die Nach­zahlung von Gebühren verlangt, und vielleicht ein oder zwei Vaterunser extra. Bei den Katholen sind wohl eher neun­schwänzige Katzen üblich. Oder? Heißt das nicht so? Irgendwas stachliges war's doch. Rosenkränze!

So als Vereinsbesitzer braucht man auch Druckmittel. Ich darf nach dem Badminton beispielsweise die Sauna benutzen. Aber wenn einer nicht Mitglied ist und trotzdem die Vorteile des Clubs in Anspruch nimmt, was macht man sonst mit so einem? Raus­werfen kann man den im vorliegenden Fall nicht. Hausverbot bringt einen auch nicht richtig weiter: Das ist denen egal, die sind völlig uneinsichtig, dann glauben sie halt draußen weiter. Verbote müssen schmerzen!

Wer ein eingetragenes Patent hat, kann den Marken­verletzer verklagen. Unterlassung, Schadensersatz und so. Aber das muss man beweisen, am besten schriftlich. Das wird dem Herrn Clubbesitzer schwerfallen, fürchte ich. Seine Zeugen sind ja leider selten glaubwürdig, und viele leben gar nicht mehr. Von denen werden nur noch einzelne Knochen aufbewahrt, ausgefallene Haare, abgebissene Zehennägel.

Liebesentzug vielleicht. Na, das wär doch was. Das wird ihnen wehtun, diesen Schwarz­gläubern, jawohl! Das wird schmerzhaft! Keine Liebe mehr von ihrem Herrn, ha!

Wie, was soll das heißen: "Das ist dann auch nicht anders als jetzt"?

16 März 2010

Seifenblasen


Auf meinem Badewannenrand steht eine Seifenblasenmaschine. Unter anderem. Ich meine: Da stehen noch andere Sachen. Aber auch eine Seifenblasenmaschine. Musste ich damals unbedingt haben, obwohl ich damals total wenig Geld hatte. Eine Seifen­blasen­maschine wollte ich schon immer haben. Fast mein ganzes Leben lang. Immer schon. Jedenfalls so lange wie ich Seifenblasen kenne, und das ist nun schon eine ganze Weile.

Hat nur 9,95 gekostet, und nicht 10,13 oder 9,68 oder irgend so eine Zahl wie sie herauskommt, wenn ich selbst den Gestehungs­preis von irgendwas berechne. War wohl knallhart kalkuliert, messerscharf, mit spitzem Bleistift. 9,95 jedenfalls, dafür musste ich sie haben, Seifenblasenmaschine.

In den neunfünfundneunzig war das Seifenblasenmittel nicht drin. Selbstverständlich nicht. Überrascht einen nicht, so messer­scharf, wie das kalkuliert ist. Das war ein Elektroladen, wo ich sie gekauft habe, der führt zwar Platinenreinigungsspray, Silikonspray, Kontaktspray und Antikontaktspray, Lötpaste und elektrische Raumluftverbesserer, aber keine Seifen­blasen­flüssigkeit.

Den Treibstoff, nein die Seifenblasenflüssigkeit, richtiger Treibstoff ist das ja nicht, die Flüssigkeit habe ich zum Glück zufällig ein paar Tage später in einem Bastelgeschäft angetroffen, für 4,32 den Liter. Seltsam. Nicht 4,95 sondern 4,32. Im Bastelgeschäft können sie anscheinend nicht so ... messerscharf ... kalkulieren. Dann muss es eben so gehen.

Wenn ich nicht zufällig wegen etwas ganz anderem in den Laden gegangen wäre, stünde die Seifen­blasen­maschine heute noch unbenutzt herum, weil ich bis da hin nicht wusste, wo man Seifen­blasen­flüssigkeit in der Regel kauft. Eins weiß ich nämlich schon seit meiner Kindheit: Spülmittel geht nicht.

Hat mich damals etliche Tränen gekostet, wenn wieder so ein kleines Pustefix-Fläschchen umgefallen oder auf andere Weise verschüttet worden war und der Seifenblasenspaß erst mal wieder vorbei war. Gutwillige Eltern oder Verwandte und schließlich auch ich selbst versuchten es immer zuerst mit Pril - so sagte man damals, auch wenn das Spülmittel Spüli oder irgendwie anders hieß. Ja, ich komme aus dem Westen, wir hatten kein Fit. Dass Pril - in welcher Konzentration auch immer - nicht geht, war mir aber wiederum auch schon beim Kauf des Gerätes klar, als ich in dem Laden stand und bemerkte, dass sie keine Seifenblasenflüssigkeit haben.

Von wegen Treibstoff: Batterien gehörten selbstverständlich auch nicht dazu für 9,95. Da bin ich mir jetzt allerdings nicht mehr so ganz sicher, vielleicht waren sie auch durch langes Liegen schon so leer, dass es sich anfühlte als wären gar keine dabei gewesen. Oder sie haben spezielle Batterien-für-Erstausstattungen beigelegt, die nur eine Viertelfüllung haben, so dass man sofort nach dem Einschalten und den ersten sechs Umdrehungen neue braucht. Drucker-Hersteller haben solche viertelvollen Patronen für die Erstausstattung von Druckern, bestimmt gibt es auch entsprechende Batterien. Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls dauerte es eine ganze Weile bis dieser überaus wichtige Gegen­stand in meiner Wohnung auch tatsächlich bestimmungs­gemäß lief. Macht leider ziemlichen Radau und nur eher kleine Seifen­blasen. Aber immerhin!

Die Maschine steht jetzt auf meinem Badewannenrand und wenn ich ein Wannenbad nehme, mache ich sie an. Woanders geht das leider nicht, weil die zerplatzten Seifen­blasen nun mal aus einer Flüssig­keit bestehen, die sehr, sehr klebrig wird, wenn sie eintrocknet. Weiß jeder, ich auch. Das Eintrocknen dauert dafür ausgesprochen lange. Heißt: Die betroffene Oberfläche bleibt sehr lange klebrig. Oder man wischt sie sofort ab. Bin ich aber sowieso nicht der größte drin, im sofortigen Abwischen, was noch erschwert wird durch den Umstand, dass die Seifenblasen beim leisesten Lufthauch, also immer, überall hinfliegen und nach dem Zerplatzen auch überaus schwer erreichbare Flächen verkleistern. Schwer erreichbar heißt dabei keineswegs unsichtbar: Dass sich dort drauf besonders viel Staub sammelt kann man immer gut erkennen.

Nun bade ich eher selten, Duschen geht viel schneller. Eigentlich bade ich nur, wenn ich krank bin, und das ist zum Glück verhältnis­mäßig selten der Fall. Also, auch nicht so selten. Aber jedenfalls nicht oft. Durch die großen Intervalle hat die Seifenblasenflüssigkeit reichlich Zeit zum Eintrocknen. Wenn man sie mit Wasser wieder auffüllen will, trifft man das erforder­liche Mischungs­verhältnis nicht genau genug. Das ist dann genauso als würde man Spülmittel nehmen: Es geht nicht. Man muss den Rest der teuren Seifen­blasen­flüssigkeit wegschütten.

Noch schlimmer ist aber, dass nach einer längeren Weile des Eintrocknens auch die Mechanik blockiert. Dann weiß man nicht: Liegt es jetzt an den spezial-schwachbrüstigen Batterien oder an irgendwas anderem? Mit etwas Pech bemerke ich erst beim Baden, dass die Maschine nicht geht. Gerade dann, wenn ich sie besonders dringend brauche.

Dann geht alles wieder von vorne los: Suche nach entsprechenden Batterien, von denen man im Zweifelsfall immer eine zu wenig im Haushalt hat und deshalb zuerst mal probiert, ob es nicht vielleicht genügt, drei von vier auszuwechseln. Falls nicht - der Regelfall - hat man genau gar keine Erkenntnis gewonnen. Könnte ja sein, dass nein: Genügt nicht, müssen tatsächlich vier neue rein, nicht nur drei. Aber man hat keine vierte, oder die vierte nur in der falschen Größe. Nun könnte man versuchen, die vierte mit Draht und so ... besonders bescheuerter Gedanke, der für den Ingenieur aber auch besonders schwer wieder zu verdrängen ist.

Oder es liegt doch an etwas anderem. Dann fängt man schlimmsten­falls an, dieses Gerät auch noch aufzuschrauben, in einem hilflosen hirnlosen Reparaturversuch an einer Maschine für 9,95 die man bei genauem Hinsehen für ein erfülltes Leben vielleicht doch nicht ganz so dringend gebraucht hätte.

Gerade habe ich herausgefunden: Wenn man sie liebevoll einweicht, komplett unter Wasser, dann geht sie wieder. Vorläufig. Ein Elektrogerät einweichen, naja. Da kann ich sie auch in der Waschmaschine mitfahren lassen, Schleudergang bei 1.800 Umdrehungen die Minute, das wird ganz bestimmt helfen, oder?

Nochmal zurück zu dem Stichwort "erfülltes Leben": Doch, doch, dafür sind Seifenblasen durchaus wichtig. Finde ich schon. Aber zum Glück wannenbade ich nur selten. Vielleicht auch deshalb.

15 März 2010

<°((( ~~<

Der Nachteil dieses *total* *phantasievollen* ©© Pseudonyms mit der Fischgräte ist, dass man es nicht googeln kann: Da sind ein paar HTML-Sonderzeichen drin und die kann man nicht googeln. Also: Ich mich nicht. Das ist ein schwerer Schlag gegen meine Eitelkeit. Mift!

Zusammenhang

Lese ich doch da neulich in der großen Berliner Tageszeitung: "Polygame, konservative und religiöse Männer sind weniger intelligent". Aha.

Und denke dann so bei mir: Da verwechselt wohl jemand Ursache und Wirkung? Das hätte viel zutreffender lauten müssen: "Intelligente Männer sind treu und progressiv, aber glauben sonst an nix". Wäre doch schön, wenn man das endlich mal so klar gesagt bekäme.

Leider ist Der Intelligente Mann™ nicht eben das gefragteste Modell.





an sich tragen solche Artikel eigentlich immer die Überschrift "Amerikanische Forscher haben festgestellt...", aber die Sache mit den Feststellungen amerikanischer Forscher ist dann wieder ein anderes weites Feld.

11 März 2010

Chonik der Kürbiskriege!

Willkommen zurück beim Historytainment-Kanal! Hier vermischen sich Blutvergießen, Aberglaube und jahrhundertelang unbewiesene Vorstellungen von Ehre aufs schönste zur Unterhaltung der geschätzten Leserschaft! Nehmen sie virtuell Anteil am freien und wilden Leben der indigenen Eingeborenen beider Amerikas - und des kleinen Teils dazwischen.

Heute:

Schiedsgericht


"Hallo Nagender Karpfen, hallo Gallige Natter, ich begrüße euch beim traditionellen heiligen Schiedsgericht unseres Stammes. Also, worüber streitet ihr beide?"

"Wir streiten gar nicht!"

"Wenn du bockig bist schmeiß ich dich sofort raus und behandle den Streit mit Nagender Karpfen alleine."

"Ich..."

"Du was?"

"Ach, nichts."

"Gut. Also, worüber streitet ihr beide?"

"Ich könnte das Land viel besser bearbeiten."

"Welches Land?"

"Das von Nagender Kapfen."

"Aber es ist nun mal das von Nagender Karpfen."

"Müsste es aber nicht. Es gehört ihm nicht."

"Dir aber auch nicht. Es gehört niemandem."

"Wenn ich das Land von Nagender Karpfen bearbeiten könnte, würde viel mehr dabei rauskommen."

"Du kannst doch von deinem Land ganz gut leben?"

"Aber es wären viel mehr Früchte, Getreide und so!"

"Wenn...?"

"Wenn ich das Land von Nagender Karpfen hätte."

"Du kannst dir neues Land nehmen, das noch niemand gehört, da hinten ist genug."

"Da weiß man aber nicht, wie viel es trägt."

"Das ist alles?"

"Und da führt kein Wasserlauf hin."

"Dann baust du einen, du willst doch arbeiten."

"Aber ich weiß doch gar nicht, ob das viel trägt, wenn alles fertig ist."

"Das ist dann ein Risiko."

"Ja, meins."

"Genau."

"Ich brauche aber kein Risiko."

"Und da wäre es einfacher das Land von Nagender Karpfen zu nehmen, ja?"

"Das würde viel mehr abwerfen, wenn ich es..."

"Schon gut. Ich habs jetzt verstanden."

"Und du, Nagender Karpfen, was sagst du zu deinem Land?"

"Ich bin zufrieden."

"Und meinst du, es könnte mehr abwerfen?"

"Was übrig bleibt, gebe ich jetzt schon in die Gemeinschaftküche."

"Ja, aber es könnte viel mehr übrig..."

"Halt die Klappe, Gallige Natter! Du bist grade nicht dran!"

"Bist du etwa voreingenommen, Roo-Arr?"

"Ich schmeiß dich raus wenn du noch einmal ungefragt redest! Nun, Nagender Karpfen, wie ist das mit dem Land: Bearbeitest du es ernsthaft?"

"Ich bearbeite es. Und wenn ich damit fertig bin kümmere ich mich um die Kinder."

"Richtig, du hast ja drei Kinder."

"Irgendwer muss sich um die kümmern, wenn meine Frau wieder mal unterwegs ist. Ihr Job als Schamanin nimmt sie ziemlich in Anspruch. Dauernd ist sie im heiligen Areal."

"Ein Kind weniger hätte wohl nicht gereicht, was?"

"Möglich. Aber was soll ich denn jetzt machen? Soll ich sie einkochen und für schlechte Zeiten aufheben?"

"Meinetwegen nicht. Und die brauchen so viel Zeit?"

"Na klar. Deine nicht? Ich muss andauernd mit ihnen spielen, zur Jagd gehen, die Rituale erklären. Und Schularbeiten haben sie auch noch. Da schwirrt mir manchmal der Kopf!"

"Und deshalb vernachlässigst du dein Land?"

"Tu ich gar nicht. Ich bin nur früher fertig."

"Aber Gallige Natter sagt, er würde mehr Ertrag kriegen."

"Ach was. Der ist nur beleidigt, weil seine Frau mich ab und zu besucht."

"Bin ich gar nicht!"

"Seine Frau kommt zu Dir?"

"Ja, manchmal."

"Und dann?"

"Du bist aber neugierig!"

"Ich soll hier Schied sprechen. Also: Und dann?"

"Und dann sind wir nett zueinander, wieso?"

"Die ganze Nacht?"

"Ja, klar. Wieso nur Nacht?"

"Nur so. Also, du meinst Gallige Natter ist eifersüchtig?"

"Bin ich gar nicht!"

"... so siehts wohl aus. Mehr als ich arbeitet er jedenfalls auch nicht auf dem Feld..."

"Weil sich das nicht lohnt!"

"... jedenfalls macht er immer schon Schluss, wenn die Sonne im Zenit steht."

"Aha. Verstehe ich das richtig, Gallige Natter: Du bist nicht nur eifersüchtig, sondern beschäftigst auch noch das Heilige Schiedsgericht des Häuptlings deswegen?"

"Stimmt gar nicht! Und wieso "auch noch"?"

"Weil man mit Eifersucht zum Heiler geht, oder zum Schamanen oder zum Gesprächsdoktor."

"Ich bin überhaupt nicht krank!"

"Allerdings!"

"Mir fehlt gar nichts!"

"Du weißt genau, dass Eifersucht eine Krankheit ist."

"Ist sie nicht. Ich bin gar nicht eifersüchtig."

"Und mit Deiner Frau hat diese Geschichte hier nichts zu tun?"

"Und wenn schon..."

"Wo steckt die überhaupt? Sollte sie dich hier nicht unterstützen?"

"Da müsste sie ja ... da müsste sie ja ... Nagender Karpfen ... in die Pfanne hauen!"

"So, In-die-Pfanne-hauen nennst du das? Und ich dachte, du bringst hier ein berechtigtes Anliegen vor?"

"Tu ich doch!"

"Aber nicht mal deine Frau will dir helfen. Wahrscheinlich weil sie dich kennt. Dabei müsste sie hier nur wahrhaftig sein."

"Er hat ihr nichts von dem Termin gesagt."

"Was sagst du, Nagender Karpfen? Woher weißt du das?"

"Ich habe sie vorgestern darauf angesprochen und sie wusste nichts davon."

"Hast du gehört, Häuptling? Er spioniert mich aus!"

"Weil er deine Frau fragt? Was hast du sie gefragt, Nagender Karpfen?"

"Ich wollte nur wissen, was es heute mit dem Termin hier auf sich hat. Ich wusste ja auch nicht warum ich herkommen soll. Aber sie wusste nicht mal von dem Termin."

"So, Gallige Natter, das klingt mir aber sehr nach Eifersucht!"

"Gar nicht wahr! Ich bin überhaupt nicht eifersüchtig wegen diesem schlampigen Faulpelz!"

"Aha. Willst du erst rausgehen um dich abzukühlen oder soll ich den Schiedsspruch gleich verkünden?"

"Ich? Wieso? Nein!"

"Nagender Karpfen?"

"Ist mir gleich."

"Also, in Abwägung der von euch vorgebrachten Hinweise und Argumente, und kraft der mir von den Ahnen und euch übertragenen Autorität spreche ich den weisen Rat: Mit dem Grundstück von Nagender Karpfen bleibt alles beim alten. Du, Gallige Natter, wirst zur Strafe einen Wasserlauf bauen."

"Ich? Wieso werde ich bestraft? Ich hab doch gar nichts getan!"

"Zur Strafe dafür, dass du das Schiedsgericht, mich, mit einer nichtigen Sache beschäftigt hast. Der Wasserlauf den du bauen wirst führt vom Berghang bis zum ersten Stück Land hinter der Dorfgrenze rechts. Da kannst du dich austoben."

"Ich hab überhaupt nichts getan! Bist du bescheuert?"

"... der Wasserlauf führt bis zum vierten Stück Land hinter der Dorfgrenze."

"Wer hat dich überhaupt gewählt? Hast du einen an der Waffel?"

"... bis zum achten Stück Land hinter der Dorfgrenze..."

"Du bist doch nicht bei Trost! Ich werd dir Wasserlauf geben! Ich werde..."

"Nagender Karpfen, holst du bitte die beiden Ordnungskrieger vom Dorfplatz rein? Danke. "

"Das zahl ich dir heim! Das werdet ihr mir büßen! Ihr alle! Ich werde ..."


...


...


...


"Äh, Ro-Arr - musstest du ihn wirklich bewusstlos schlagen?"

"Glaubst du, er hätte sich von alleine beruhigt?"

"Nein, glaube ich nicht."

"Ich auch nicht. Hilf mir ihn rauszutragen."


10 März 2010

Mobil

Grade in der Glaserei drauf gestoßen:


Geil! Auch wenn es da eigentlich um Werbung für besinnnungslosen Fleischkonsum geht: Ich will das haben! Dieses perfekte Retrofuture-Design haut mich um. Und das Teil ist wahrscheinlich auch noch ziemlich strömungsgünstig.

Mehr Bilder.


Um der Aossziation ein wenig auf die Sprünge zu helfen: Was man da sieht ist ein Jaguar D-Type zu einem Bus umgebaut.

09 März 2010

Musik und so...

Bin grade ziemlich weggetreten: Auf irgendwelchen Umwegen habe ich ein Blog mit afrikanischer Musik aufgetan, Schwerpunkt Südafrika: SOULSAFARI.

Dort stellt jemand Musik aus den 50er bis 90er Jahren aus Südafrika und anderswo online. Und mit dem Foxytunes-Plugin kann man das als Stream hören. Was ich auch gerade tue - versucht erst gar nicht, mich anzusprechen!


(ich leihe mir hier mal ein Foto einer Vinyl-Single der Mthunzini Girls - Uyangibiza - von 1967)

Aaaah! Grooßartig! Das hat so viel Energie - da kann man ein kleines Kraftwerk mit betreiben! Wer's nicht glaubt, soll sich mal die Kategorien mit "Jive" drin anhören. Außerdem gibt es eine Menge historischer Aufnahmen zu allen möglichen Themen.

... hm? Ach ja, genau: Drauf gekommen bin ich über eine Musikblog-Suchmaschine namens Captain Crawl. Was es nicht alles gibt!

Diese Einrichtung durchsucht Musikblogs nach hochgeladenen MP3s und ist dabei äußerst erfolgreich. Finde ich. Ob das gefundene Material immer so legal im Web steht, kann ich nicht beurteilen. Aber am besten probiert jeder mal selbst:


Ah, jetzt fällt mir der Werdegang der Suche wieder ein, Tücken, Umwege, schön, wenn sich das mal rekonstruieren lässt, Segen der digitalen Technik:

Ich war ja neulich auf diesem Konzert der tUnE-yArDs, Merril Garbus. War übrigens noch großartiger als man erwarten durfte, und sie ist sehr nett, aber nicht besonders groß. Na, jedenfalls, sie singt u.a. mit dieser Jodeltechnik. Das erinnerte irgendwie an Pygmäenmusik aus dem Kongo. Und genau die interessiert mich schon lange sehr.

Auf der Suche danach gings zuerst von der großen Suchmaschine zu einer speziellen Sendung von Soundroots radio , die leider nicht mehr im Netz steht. Schade. Auch nicht bei Spin The Globe radio, auch nicht bei KAOS Radio und auch nicht bei Podomatic. Wirklich schade. Dann nochmal zurück.

Der nächste Versuch führte über Google und die Pygmäen zu Freedomblues, das übrigens fast genauso großartig ist wie Soulsafari. Aber nicht viele Pygmäen. Dafür Zulu Gumboot Guitar.

Nochmal zurück, gleicher Suchbegriff und ein paar langweilige eher kommerzielle Erzeugnisse wie Baka Gbiné oder Baka Beyond aufgesucht.

Nochmal zurück und mit Music of and inspired by Central African pygmies wieder bei der großen Suchmaschine los und bei akuma eine derzeit nicht verfügbare CD gefunden. Naja. Und irgendwann bei der Suche bei CaptainCrawl gelandet. Ich mache hier mal ein Diagramm:

tUnE-yArDs → Suchwort: Pygmäen → Soundroots → Spin The Globe → KAOS Radio → Podomatic.

google:Pygmies → Freedomblues → Gumboot Guitar

google:Pygmies → Baka Gbiné Baka Beyond

google: Music of and inspired by Central African pygmies → akuma → usw. → usw. → usw. → Captaincrawl.

Mein Gott!

... die Pygmäen habe ich inzwischen auch gefunden. Erscheint mir aber jetzt nicht mehr so aufregend ...

06 März 2010

Cosplay

An sich bin ich für das Thema ja schon mal viel zu alt. Zu meiner Zeit gabs das noch gar nicht. Da hat man sich als Cowboy oder Indianer verkleidet, vielleicht noch als Ritter oder Zorro, und das wars dann. Schon einen Auftritt als SUPERMAN hätte jedes Kind abwegig gefunden. Tja.

Außerdem herrschte das ungeschriebene Gesetz, dass man sich als Erwachsener gar nicht verkleidet¹, außer vielleicht zu Karneval oder Weihnachten. Jedes Kind wusste das.

Heute stolpert man alle Nasen lang über Cosplayer, vorwiegend -innen, und die spielen Mangas, Science-Fiction und andere Phantasiefiguren nach. Dafür reisen sie hunderte Kilometer, um sich auf Conventions zu treffen. Und im Internet wird darüber berichtet, die Welt soll daran teilhaben. Die Fotos, die dabei entstehen, lassen einem oft den Atem stillstehen ... also: Mir.

Klar doch: Junge hübsche Mädels in eng anliegenden Kostümen. Klar doch. Männer!
(ich nehme das als sicheres Anzeichen, dass ich immerhin noch am Leben bin)

Aber es steckt eine Menge Arbeit und Anstrengung drin, mit der dann eine ganz überzeugende Illusion geschaffen wird. Ich denke da an solche wie die hier:



Die Fotos stammen alle von Cavemancircus. Und Frau pixelninja hat auf ihrer Webseite eine weitere umfangreiche Galerie mit eigenen Kostümen:


Aber zuweilen wird man dann mit dem Gegenteil konfrontiert. In diesem Fall mit einer Serie von Leuten, die was ähnliches versuchen, und wo weder Schadenfreude noch Mitleid die richtigen Vokabeln sind, um es zu beschreiben, weil der Ironiefaktor unklar bleibt. Etwa so wie dieses:



Aha.

Die restliche Serie ebenfalls auf Cavemancircus, aber hier.




¹ der Begriff "Verkleidung" beschreibt, dass man etwas darstellt, was man im richtigen Leben nicht ist. Er gilt also nicht für all das bunte Volk, das früher mal in Berlin zu Hauf rumlief und sich immer wieder die blöde Frage "Ist denn schon wieder Karneval?" anhören musste, nur weil der Fragesteller in seinem Heimatkaff noch nie einen Punk gesehen hatte. 

Nein, wir haben hier keinen Karneval. 

Und: Ja, diese Leute sahen auch dann noch so aus, wenn der Touri wieder weg war.

05 März 2010

Fachfrage

Wenn sich der Sachverständige mit dem chinesischen Migrationshintergrund ertragreich mit Pilz in Wohnung beschäftigt - darf er dann von Hoffnungsschimmel sprechen?

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