13 Mai 2009

Im Schlesi

Der U-Bahnhof Schlesisches Tor ist ein Anachronismus in Gusseisen und Sandstein. Der Bahnsteig der sogenannten Untergrundbahn liegt im ersten Stock, und ein "Tag" im herkömmlichen Sinne dauert dort von etwa acht Uhr morgens bis kurz nach Mitternacht. So viel zur Erläuterung vorneweg.

Normalerweise und tagsüber ist die ebenerdige untere Halle vom U-Bahnhof Schlesisches Tor voll mit nervigem Volk: Geschäftstüchtige Ticketverticker wollen einem gebrauchte Fahrkarten zum halben Preis andrehen "Ganz billich! Kannste noch zwei Stationen mit fahren!" und Punks mit Hunden schnorren einen an, ohne eine Gegenleistung dafür anzudrohen. Naja, bis auf, dass sie einem dann einen schönen Tag noch wünschen und ein angenehmes weiteres Restleben und Glück und auch Gesundheit und auch für die Familie und so.

Dazwischen die hippe Schlesi-Jugend der Gegenwart mit ToGo-Kaffee, LKW-Planen-Tasche und ganz wichtigem Blick. Oder in Kreuzberg auch gerne mal mit einer offenen Flasche Bier in der Hand, man soll ja das Trinken nie vergessen, muss man immer parat haben. Oder in weiblich mit Chichi-Täschchen und fettiger Imbissketten-Pizzazunge.

Oder Typen, von denen man nicht weiß: Sind das jetzt moderne Nazis oder tragen die das coole schwarze Nazi-Outfit einfach nur wegen ihrem sehr schlechten Geschmack?

Durch dieses ganze Gesocks in der unteren Halle vom U-Bahnhof muss man sich normalerweise tagsüber eine Gasse schlagen. Gegen Abend lässt die Versammlungsfreude zum Glück etwas nach, aber eigentlich ist man in dieser Halle nie allein.

Neulich abend war es allerdings anders. Da saß ein Typ, der aussah wie ein pattexschniefender osteuropäischer Nazipunk, mit fahlem Gesicht, Springerstiefeln, ausgebleichten knielangen Jeans und Bürstenschnitt, und spielte Cello. Und zwar exquisit. Überaus exquisit!

Vor Straßenmusikern bleibt in Berlin kaum jemand stehen, weil die in der Regel nervig und exquisit untalentiert sind. Und die BVG, unser großes Nahverkehrsunternehmen, hat sogar mal erwogen, durch das unaufhörliche Abspielen von Klassik zwischen den Ansagen die Obdachlosen aus den Bahnhöfen zu vertreiben. Das sagt einerseits viel über das Menschenbild der BVG-Oberen aus, aber daran konnte man sich an diesem Abend neulich erinnert fühlen: Die untere Halle vom U-Bahnhof Schlesisches Tor war nämlich leer - auf den ersten Blick.

Sobald sich die Augen an diesen unerwarteten Anblick ein wenig gewöhnt hatten, bemerkte man aber doch Menschen: In den Ecken, hinter dem Fahrkartenautomaten, auf den Treppenpodesten und bis oben zum Bahnsteig standen verschämt einzelne Leute und lauschten ergriffen dem Cellisten. Das ging so weit, das sie ihm sogar Geld gaben. Sowas ist üblicherweise das absolute No-go! Erstaunlich.

Da frage ich mich, was aus Kreuzberg noch werden soll.

11 Mai 2009

Beachte!


Es heißt
- geschickt

- geneckt

- gefickt

- geleckt
aber
- strikt

- Respekt

- defekt !


Das musste wohl mal wieder gesagt werden.

08 Mai 2009

Perspektive

Wenn man immer öfter sagen kann "Das ist jetzt 40 Jahre her und ich kann mich dran erinnern. Ich war nämlich dabei." - das ist furchtbar.

05 Mai 2009

Bauchladen

Hm. Weiß jetzt nicht so recht, ob ich das unter der Rubrik "Helferlein Rechtschreib" oder "Allgemein seltsame Ideen" einordnen soll. Seht selbst:


Ja, ganz recht, ich merke es doch auch: Da fehlen die Leerzeichen im Suchfeld. Aber das hat eine Maschine so erzeugt. Man sollte doch meinen, dass sich wenigstens Maschinen untereinander verstehen?

Eigentlich hat das ja sogar ganz gut geklappt. Bis auf den Umstand, dass das Google-Wörterbuch den Begriff "wiebaucheinen" kennt. Mir hingegen war der ganz neu. Aber Volksmund spricht:
"Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu..."
Noch viel seltsamer sind die Ergebnisse, die man bekommt, wenn man die Leerzeichen an der richtigen Stelle einfügt:


Und am seltsamsten ist, dass dieses kleine Blog dann in den Ergebnissen auftaucht.

04 Mai 2009

Notizen vom Wochenende

Am letzten Wochenende war Der Große Bloguator™ wieder bei einer Segelveranstaltung seiner Bootsklasse¹. Zum Rahmen­programm gehört dann meist auch ein Tanzabend mit Disko. Der etwa gleichaltrige DJ hatte einen guten, aber sehr uneinheitlichen und schwer zu charakterisierenden Geschmack. Daher die Frage an ihn:
"Sage mal: Warst du in deiner Jugend nun eigentlich Punk oder Kiffer?"

"Weder noch."

"Was gabs denn sonst noch?"

"Ich war Opportunist."

"Ach ja, stimmt. Das wollte ich auch gern. Aber sie haben mich nicht mitmachen lassen..."

²


¹ die Fotos sind nicht vom Ijsselmeer
² ... und "Bela Lugosi's dead" ist wohl das einzige interessante Stück, das BAUHAUS je zustande gebracht haben.


Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

11. Vom Einbiegen auf die lange Gerade

dem siggi jeht et inzwischen wieder viel besser, der is in psychischer behandlung und so lange ihm keener mit nem schießeisen unter die augen tritt is allet jut.

in der behandlung lernt er jetzt wohl, dass er leuten wie dem linus ne waffe wegnehmen darf, sie aber nachher leben lassen muss. mir hat er jeschworen, dass er dit wohl ooch wirklich schaffen wird. er fährt jetzt seltener bei mir im bus mit und macht dafür mehr sport.

nur meine frau liecht mir in den ohren, dass ick mir nen andern job suchen soll. aber ick finde den jar nich so schlecht. außer mit dem linus hatte ick immer janz wenich ärger, und wenn ick die frühschicht fahre kann ick am nachmittach wat mit unsere tochter machen.

dit findet meine frau denn ooch wieder jut und so is der familienfriede immer schnell wieder herjestellt.

03 Mai 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

10. Von den Wendungen im Leben


die krankenversicherung hat dem linus wieder zuerst den anwalt bezahlt, aus naheliejenden gründen - aber der anwalt stand diesmal auf völlich verlorenem posten: der redete über siggi und schwafelte da wat von "gewalttätig", einer „tickenden zeitbombe" und irgendwo aus dem publikum hörte man raunen „die zeitbombe sitzt ja wohl woanders". der richter sachte dazu jar nüscht, der hatte noch nich mal lust, um ruhe zu bitten und ick gloobe, er musste een kopfnicken unterdrücken.

siggi hatte den jungen fachjerecht entwaffnet, war also erstmal nothilfe. und für die tracht prügel war er völlich unzurechnungsfähig. vorher hatte er sich nie irgendwat zuschulden kommen lassen, nich die jeringste kleinichkeit, keen alkohol, keene drogen, der fährt ja noch nich mal selber auto. der jerichtliche psychologe fand, „dass von ihm im weiteren keine gefahr ausgeht".

damit wurde er frei jesprochen, ohne irgendwelche einschränkung. der richter meinte, dass et ja wohl ausjesprochen unwahrscheinlich is, dass er in deutschland noch mal in so ne verlegenheit kommt, dass eener ne waffe vor ihm rumwedelt.

ick dachte bei mir, dass ick da andere erfahrung habe, wollte den richter aber in seiner neutralen urteilskraft nich beeinträchtijen. hieß schlussendlich: siggi is nich nur frei - er muss ooch nich zahlen.

der neue krankenhausaufenthalt von dem linus war nämlich noch um einijet länger als der letzte und damit um einijet - wirklich so einijet - teurer. der hatte wochenlang uff intensivstation jelegen und monatelang liebevolle pflege jebraucht, außerdem etliche operationen. dazu noch die rehabilitierung.

ick schätze, dass et da etwa um den wert von nem einfamilienhaus jeht, oder wenichstens von ner schicken wohnung. die kohle wird die versicherung wieder haben wollen, vermute ick. jedenfalls wird se dit versuchen - hat se ja schon mal. und von siggi kricht se nüscht.

bin ick jespannt, ob die eltern überhaupt noch zahlen können. wenn se vorher nich schon ruiniert waren: danach sind se mit sicherheit. allet, wat die jemals in ihrem leben noch verdienen können jeht dafür drauf.

damit hat et ihr verzogener sprössling jeschafft, nich nur sich selber sondern sogar noch seine familie in die armut zu stürzen.

außerdem isser inzwischen fünfzehn und strafmündich. und wer leute mit ner waffe bedroht, macht sich straffällich. besonders denn, wenn er vorher schon mit nem messer erwischt worden is. ick weeß nich wat aus dem jungen überhaupt noch werden kann und denke mir: nich viel. aber dit war ooch schon vorher klar.

muss aber wohl nich meine sorge sein. dit is sache von die eltern, die ihm immer einjeredet haben wie sehr er der größte is und sich nüscht jefallen lassen muss. ick hoffe, ick treffe den nie wieder, sonst kann ick für nüscht garantieren.


02 Mai 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

9. Vom noch mehr Dazulernen


der anwalt von siggi bestand uff psychischem gutachten. ick habe mich erst jefracht, wat der mumpitz soll, aber dit war janz richtich. dabei kam nämlich raus, warum er vom militär weg is und frührentner jeworden: in afrika war een ausländischer kollege den er jut kannte von schüsse jetroffen worden, janz in seine nähe. und er konnte ihm nich helfen, weil se unter beschuss lagen und irgendwann war der kollege verblutet.

die angreifer hatten den beschuss wohl absichtlich so lange durchjehalten bis sich der kollege nich mehr regte und sind denn johlend abjezogen. dabei waren die europäer nur da damit se verhindern, dass sich die einheimischen gegenseitich abschlachten.

danach ham se ihn beim militär psychologisch behandelt. sowat jehört ja ooch zum kriech dazu, selbst wenns nich der eigene kriech is, da muss man durch, dass mal eener stirbt. die leute beim militär verstehen sich ja als profis in sachen kriech.

deswegen kam nach ner weile sein einsatz in afghanistan. er war ja profi sonst. und da wollten se jerne profis hinschicken.

dort wurden zwei kollegen von nem maschinenjewehr jetroffen und waren tot, wieder een juter freund und janz in siggis nähe. siggi hatte mit einem von denen platz jetauscht, sonst hätte die salve ihn erwischt, und er war dabei, als der jestorben is.

da isser denn durchjedreht, hat sachen zu kleinholz jemacht, rumjebrüllt, dass er die feigen killer alle schlachten wird, richtich aufräumen, jeden, den er mit ner waffe antrifft, und wat man in solchen fällen wohl so sacht.

ick kann mir dit jar nich vorstellen, ick kenne den siggi nich so, dit isn überaus friedfertijer mensch und wenn ick nich bei der sache im bus dabei jewesen wäre hätte ick niemals glauben können, diss er dit war.

nu wollten die in afghanistan nich, dass der in seiner verfassung in so ner heiklen jegend rumläuft, mit lauter hochjezüchteten waffen. wusste ja keener, wat er tun würde. deshalb ham se ihm ne abfindung jegeben und ihn nach hause in frührente jeschickt.

konnte ja niemand ahnen, dass er in so nem popligen zivilen bus ausjerechnet in deutschland wieder in jenau so ne situation kommen würde.

kurzer rede langer sinn: siggi war traumatisiert - und damit für diesen speziellen fall völlich schuldunfähich. hatten ja alle jesehen, dass der linus mit ner pistole rumjefuchtelt hat. die war sogar scharf und jeladen. kann sich keener ausmalen, wat da hätte passieren können.


01 Mai 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

8. Vom mehr Dazulernen


so n mensch hält mehr aus als man denkt. ick hatte sehr meine zweifel, wie die sache für den linus ausjeht - also ob er da lebendich davonkommt. nich dass ick dem nich die pest an den hals jewünscht hätte. ick würde ihn ooch nich vermissen, dit wäre nich ehrlich wenn ick dit behaupten würde. aber wenn mein kumpel siggi wegen so ner zecke noch einjebuchtet wird hätte sich die sache doch nich jelohnt.

die sanitäter warn erstmal ziemlich überrascht: die zermantschte jestalt am boden, dit viele blut. „hier sieht es ja aus wie im schlachthaus!" die wollten jar nich glauben, dass sich da nur zwee leute jeprügelt haben sollen - und eigentlich ooch nur eener. als se abjefahren sind meinte eener: „noch lebt der patient - aber das wird ein ganzes stück arbeit, damit es dabei bleibt".

mein mitjefühl hielt sich in grenzen, der hatte mir ne pistole vor die nase jehalten. aber ick habe mir die telefonnummer von der station im krankenhaus jeben lassen und jeden tach anjerufen, ob er denn noch lebt. nach drei tage warn se sich sicher, diss er durchkommt.

dort hatten se ihn ins künstliche koma versenkt und erst nachn paar wochen wieder aufjeweckt. feste nahrung konnte der aber erst nach monaten wieder. und bis die schlimmsten brüche verheilt waren und er raus durfte, war een halbet jahr um.

inzwischen untersuchten polizei und staatsanwälte den fall und die sache kam wieder vor jericht. schwer verletzter körper immerhin, ne waffe im spiel, vollbesetzter bus, da klingeln bei denen die alarmglocken.

30 April 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

7. Vom Dazulernen


und denn kam wieder mal der linus. dieset dreiste bürschchen, mit dem ick schon paarmal an'nander jeraten war. ausm krankenhaus war er wieder raus, den prozess hatte er verloren und seine eltern lagen im kriech mit der krankenversicherung. die wollte die kohle vom krankenhaus und der behandlung wiederhaben.

nu hätte er sich ja still verhalten und zur schule jehen können. oder wenichstens ne ausbildung machen und jeld verdienen. denn wäre er weg von die straße jewesen. dit is doch janz schön, wenn man als jugendlicher jeld hat.

aber linus fand dit wohl nich so bedeutend. irgendwann sehe ick ihn draußen mit nem haufen jungs rüpeln und ahne schon unheil und denke mir noch „ach nee, nich schon wieder" - aber er muss ja in mein bus einsteigen.

noch bevor ick ihm ne warme ansprache halten kann reißt er ne pistole hoch und zeicht damit auf mich und brüllt „jetzt bist du fällig, du sack! ich mach dich fertig! los runter! auf die knie! du sollst winseln du hund!"

und ick sage noch zu ihm „ick an deiner stelle würde dit nich machen..."

bei solchen jelegenheiten sollen wir busfahrer möglichst ruhich bleiben. dit wird sogar jeübt, in so besondere seminare. kann ja immer mal vorkommen diss man überfallen wird, oder eener durchdreht. unser kursleiter sachte denn immer „de-eskalation, meine damen und herren! de-eskalation!" ick habe schon verstanden, wat er meint, aber dit klingt einfacher als et is.

so weit kams aber jar nich, diss ick viel hätte deeskalieren können. der linus mit seine waffe stand jenau zwischen meine kasse und siggis stammplatz, war sowieso nich weit. in wenijer als nem wimpernschlach war siggi da, hatte dem jungen die pistole abjenommen und ihn irgendwie umjehauen. also: zu fall jebracht. jelernt is jelernt. denn prüfte er waffe, sicherte da irgendwat und warf die hinter meine kasse.

der junge versuchte wohl, sich zu wehren, oder vielleicht wollte der sich einfach nur befreien. mit sowat hatte der bestimmt nich jerechnet, der hatte sich die sache sicher anders vorjestellt. ick denke lieber nich dran, wat der sich wohl vorjestellt haben mag.

aber nu lag er unten, schlug um sich, so jut er konnte und strampelte, und beschimpfte mich und siggi mit alle schlimmen wörter die er wusste. dit warn ne janze menge. die kinder lernen ja heute sachen uff die straße die se selber jar nich verstehen. irgendwat falschet muss er dabei jedenfalls jesacht ham, bei siggi brannte nämlich die letzte sicherung durch. und denn fing er an auf den linus einzuprügeln, wahnsinnich, wie ein besessener. ick saß einjeklemmt hinter meine kasse und kam da nich raus während siggi raste.

keener traute sich, dazwischen zu jehen, ick hätte mich ooch nich jetraut, so wie der wütete. und ick kann dit ooch keenem von die fahrjäste verübeln. dit war, als würde man in ne laufende kettensäge fassen wollen.

zu anfang hatte der linus noch lautstark jejammert, die heulsusennummer kannte ick ja schon. denn wurde er leiser und hat jeröchelt und jehustet, und ick denke bei mir "der simuliert immer besser!" aber irgendwann war er still. nur dass siggi nich aufhörte ihn zu vermöbeln.

und er traktierte den jungen immer noch, als der sich schon lange nich mehr rührte. dit dauerte wirklich ne janze weile und jing anscheinend so lange, bis ihn endlich die kraft verließ.

als er nich mehr konnte stand er keuchend da und sah runter auf den reglosen haufen aus fleisch und vülle blut der vor meiner kasse lag.

denn isser raus, wie in zeitlupe. die kumpane von dem linus hatten zuerst noch jelacht, aber als sich die sache hinzooch standen se mit offenem mund da. keener sachte wat, als siggi ausstiech und sie ham alle nen schritt nach hinten jemacht.

hätte ja ooch sein können diss jetz eener den siggi anpöbelt und dit wissen will - aber keener regte sich. ob die nu von sich aus jar nich so aggressiv waren, oder einfach zu feige, kann ick nich sagen. jedenfalls rührte sich nüscht und siggi setzte sich janz langsam auf die bank an der bushaltestelle.

ick habe irgendwann die fassung wieder jefunden und sachte zu die fahrjäste „na, denn werde ick mal n krankenwagen rufen, wa? könn' sie bitte noch hierbleiben, ick gloobe wir brauchen zeugen?"

29 April 2009

Nacht? Egal!

Anderswo gilt die Nachtigall als erstrebenswertes Tier, das wunderbaren Gesang hervorbringt: Die Geschichten aus dem Morgenland sind voll davon.

Ich hingegen habe hier in Schöneberg, mitten in der Großstadt, zwei nervige Vögel die sich die ganze Nacht lang die Seele aus dem Leib krähen. Dabei wohnen sie anscheinend so hoch oben dass weder Katzen noch Marder rankommen. Und die Bussarde arbeiten hier nachts nicht.

Verdammtes Viehzeug!

Kennt vielleicht jemand einen heimeligen kleinen Schwarzmarkt wo man günstig eine Eule erwerben kann? Oder einen anderen gehässigen Raubvogel?


Zwei?


Eilt.

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

6. Staunen


der siggi is son mittelkleener dicker, ziemlich unscheinbar, und nich sehr furchteinflößend. der is so alt wie ick, aber wenn der uff dem rentnersitzplatz hinter der tür saß passte er prima da hin, der fiel da überhaupt nich uff. ick hoffe diss dit bei mir nich so aussieht, wenn ick da sitze. also: dass ick da so jut hinpasse uff den rentnerplatz. bis zur rente isset bei mir nämlich nochn langet stück.

aber ick wusste schnell, wie flink der wirklich is, er fuhr ja jeden tach mit. wenn jemand hilfe brauchte war er sofort zur stelle, und dit jing wirklich fix, hätte ick mir nie träum' lassen. wenn mal wat runter jefallen is hatte er dit sofort einjesammelt oder sojar aufjefangen. ick sage noch „aber holla, bist ja jut in form!"

lag wahrscheinlich ooch daran, dass er zur fitness jing und im club federball spielte oder squash oder so. er hatte mir dit schon erzählt und sachte, wat man da eben so sacht: „sonst roste ick völlich ein. früher hatte ick sowat täglich auf arbeit, dit hört man nich einfach so auf" oder so.

28 April 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

5. Alte Bekannte neu kennenlernen


siggi nahm jedenfalls seinen auftrach ernst. mir fiel dit ooch jar nich auf, ick habe im bus den janzen tach mit sonderlinge und komische jestalten zu tun, eener mehr fällt da überhaupt nich ins jewicht.

irgendwann tauchte er morgens auf, meinte, dass er sowieso nich schlafen kann, und von da an fuhr er jeden tach im bus mit.

störte mich nie, war oft still und saß nur da und grübelte, brachte sogar kaffee mit, oder brötchen, oder süßstoff aus die türkische konditorei. dit is wat feinet, wenn man sich da nich ewich selber drum kümmern muss. wir ham denn eben ooch zusammen pause jemacht, anner endhaltestelle.

ick habe ihm denn von mein leben erzählt, von meine ex, und meine susanne. er meinte, mit frauen hätte dit nich so jeklappt bei ihm. ick habe behauptet, diss er bei so ne scheidung aber echt wat verpasst hat. dafür isser immerhin weiter rumjekomm' als ick.

irgendwann sind wer mitm bus mal anne prügelei vorbei jefahren. da merkte ick, wie ihm die galle hochkocht. er war janz still und fing an zu zittern, habe ick jemerkt. ick meinte noch: „dit sieht nich jefährlich aus. sowat is in diese jegend nich unüblich. und waffen ham die scheints ooch keene. na, aber ick werde mal die polizei rufen".

viel später, als er sich wieder beruhicht hatte sachte er, diss er "lautlos töten" könnte, dit wäre in der ausbildung mit dabei jewesen. aber er wäre nich stolz drauf und würde damit normalerweise nich angeben. wenn se ihn jemals mit sein auftrach irgendwo aussetzen würden, hätte er seine mission ausführen müssen, "ohne rücksicht auf verluste" oder irgendwat und irgendwen.

aber er hätte nie so een auftrach jekricht, sowat machen die deutschen nich, und er hätte ooch noch nie jemand umjebracht. „da bin ick aber froh", habe ick noch jewitzelt, „dit hätte dein jewissen bestimmt belastet, wat?" weiter sachte er nüscht dazu. und ick ahnte zu die zeit noch nich, wat wirklich passiert war.

für unsereinen liecht so leutetöten ja ooch in weiter ferne, dit kann man sich nur schwer vorstellen, unsereiner kennt sowat nur aus fernsehkrimis. bin ick ooch nich böse drüber, will ick jar nich jenauer wissen.

27 April 2009

Abstimmung

 
Da war ja grade diese Abstimmung in Berlin: Religion gegen Ethik. Um es für die Auswärtigen nochmal zu erläutern: Ethik ist hier Schulfach für alle. Und Religion kann man freiwillig besuchen - es hindert einen keiner dran. Aber dieser Zustand passte nicht allen. Die Kirchen wollten, dass man sich dazwischen entscheiden muss.

Gemerkt? Religion ist für sie die ALTERNATIVE zur Ethik.

Daran hat sich in den letzten zweitausend Jahren anscheinend nicht viel geändert. Man könnte jetzt sagen: Der Mensch hat sich da nicht sehr entwickelt in letzter Zeit.

Die Kirchen behaupten zwar, das sei irgendwie fast dasselbe, Ethik und Religion - aber dann müsste man sich ja wohl kaum entscheiden. Auch Günther Jauch war dafür, dass man sich entscheiden soll. Selbstverständlich. Und wenn Günther Jauch für irgendwas ist, sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass das falsch sein muss. Wer wird Millionär? Günther Jauch. Aber sonst kaum jemand.

Die Kirchen haben selbst eine Menge Promis und einen Haufen Geld, beispielsweise aus Kirchensteuern, für ihre selbstlose Position zum Einsatz gebracht, aber dagegen geklagt, dass der Senat das auch tut und mit Steuergeldern die Regierungsposition erläutert. "Die Schweine wehren sich! Das ist unfair!" Etwa so.

Und man muss sich das nochmal auf der Zunge zergehen lassen: Günther Jauch macht Werbung für Gott...

Bei solchen Volksabstimmungen ist es nun an sich so, dass man nur hin geht, wenn einen das Thema interessiert. Dachte ich. Wird wohl auch halbwegs zutreffend sein. Und wenn einem die Sache, die Umstände, grade ins Konzept passt. Also nicht Samstags während der Bundesligakonferenz, nicht im Urlaub, und nicht wenn man irgendwas anderes fesselndes zu tun hat, Einkaufen, Fernsehen, Grillen, Rasenmähen, DSDS kucken. Nahm ich an.

Deshalb hatte ich erwartet, dass das Begehren einfach mangels Teilnahme knapp scheitert. Weil nur die hingehen, die sich für das Thema wirklich interessieren - also kirchlich gebundene - und auch nur dann, wenn sie grade nicht verreist oder beim letalen Volksfest in Werder sind. Selbst Briefwahl macht ja mehr Arbeit, als gar nichts zu tun, und womöglich trotzdem zu gewinnen.

Umso überraschender ist der Ausgang dieser Volksabstimmung: Es sind nicht nur deutlich mehr Leute hingegangen, als für ein gültiges Votum erforderlich. Zudem hat die Mehrheit dieser Teilnehmer dagegen gestimmt. Finde ich erstaunlich. Erscheint mir fast schon wie ein Zeugnis von politischer Reife.

Ich muss dringend an meinen Vorurteilen arbeiten.
 

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

4. Alte Bekanntschaften aufwärmen

den siggi habe ick vor eenem jahr zufällich wieder jetroffen, und wir ham uns seitdem immer wieder mal jesehen. siggi sachte, dass er nich arbeiten muss, er is wohl invalide und weg vom bund, kricht irgendwie jeld, wenn ooch nich vülle, und hat jetz dafür ewich zeit.

nach der sache mit dem messer tauchte siggi in mein bus auf. er wohnt nich weit weg von meine tour und fuhr denn immer mit, hat ne monatskarte. wenn er da war, saß er direkt rechts hinter die tür und wir konntn uns unterhalten. oft hat er mir dabei vom ausland erzählt und wie anders dit leben da is. oder er saß einfach nur da und is mitjefahren und starrte löcher in die luft, so vor sich hin.

wat ick nich wusste: meine frau hatte dit einjefädelt. die kannte ihn, weil wer ihn mal zusammen jetroffen haben und denn ne pizza essen waren. dabei sachte er, dass er vom mechaniker auf einzelkämpfer umjeschult hätte und für ihn bis vor kurzem „die landessicherheit und die freiheit mein beruf waren".

nach die messersache mit dem linus hatte meine susanne den siggi jefracht, ob er nich n bisschen uff mich uffpassen könnte, so hin und wieder, wenn er mal zeit hätte, sie würde sich da sorgen machen. die messersache hat se dabei wohl ausführlich erwähnt. und zeit hat er ja nu reichlich.

normalerweise will ick nich bemuttert werden, nich mal von meine liebste frau, und dit weeß sie ooch. aber dass sich dit nochmal als lichtblick erweisen würde, konnte ja ooch keener vorhersehen, sie machte sich da eben nur so janz unkonkrete sorgen, und deshalb sollte siggi bei mir mitfahrn, nur so für den fall.

mir hat se dit vorsichtshalber jar nich jesacht und erst hinterher jebeichtet, sonst hätte ick mich ja womöglich jewehrt. hätte ick bestimmt!

26 April 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

3. Fürs Leben lernen

ick selber habe mich nach der lehre ooch beruflich nochmal gründlich umjestellt. ick dachte ja „maurer, dit kannste een leben lang machen - jebaut wird immer". dit war so weit ooch ne janze weile zutreffend, und: jebaut wird wohl noch. aber leider ohne mich. ick krichte nämlich zementkrätze.

doch, sowat jibtet würklich! ick war allergisch jegen meene arbeet, dit klingt vülleicht lustich, wa? isset aber nich.

is lästich, wenn man den janzen tach mit mörtel hantiert wo zement drin is. und in mörtel is immer zement! war jedenfalls damals. ick weeß jar nich, ob dit heute ooch noch so is. also, ob die fürn mörtel heute überhaupt noch sand und zement nehm'? wird überhaupt noch mit mörtel jemauert? wird überhaupt noch jemauert oder sind dit inzwischen allet fertichteile aus ne fabrik in china?

jedenfalls: mit handschuhe kannste nich mauern. ooch nich mit janz feine. ooch nich mit allergiefreundliche latex-handschuhe - und da kieken die kollegen denn ooch janz schön komisch, völlich egal, wat für ne farbe die ham: rosa, oder jelb, oder schwarz - dit sieht immer ziemlich schwül aus.

schwület aussehen aufm bau jeht aber nich. kann heute vülleicht anders sein, damals jedenfalls nich. musste ick mir also wat anderet suchen, und deshalb bin ick denn busfahrer jeworden.

ick hatte mir dit reiflich überlecht, ick dachte mir: dit kannste doch allet, autofahren macht dir spaß und mit die kundschaft wirste schon klar kommen. komme ick ja normalerweise ooch, bis auf die kleene kannaille mit dem messer.

25 April 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

2. Vom Lernen lernen

dem siggi is sein traumberuf irgenwann abhanden jekomm', hat er jesacht ... seine jungen kollegen, lauter dödel die denn doch nüscht anderet im kopp hatten als autos, und vülleicht noch saufen ... die kunden, die nie einsehen wollten, dass die arbeit zeit brauch, wenn man se richtich macht, und denn ooch bezahlt werden will ... sein chef, der selber jar nüscht konnte, aber dem trotzdem immer allet viel zu lange dauerte ... dit war ihm zu wenich, mit sowat wollte er nich bis an sein lebensabend zeit verplempern.

deswegen is er auf die bescheuerte idee jekommen, dass er zum militär jeht, zum bund. so hieß die westdeutsche armee damals. ick meine: wofür ham wir denn in berlin jewohnt, wenn nich wenichstens dafür? dafür, dass man nich zur fahne musste und dort in verblödeter langeweile sein leben vertrödeln, oder in sinnlosen jemetzeln wichtije körperteile verlieren?

dafür musste man nach westdeutschland ziehen. damals hat er mir noch erzählt: er dachte eben „große weite welt" und allet janz umsonst, wirste sogar noch für bezahlt und so. feste zeiten, jeordnetes leben, keene überstürzte eile, und ooch mal raus aus berlin.

als ick ihn denn später wieder jetroffen habe, wurde er an dem punkt immer janz schweigsam und wollte nich so richtich raus mit die sprache. aber ick hatte vorläufich noch rausjefunden, dass er wirklich zu auslandseinsätzen war, in afrika und später nochmal in afghanistan. da wird unsere freiheit am hindukusch verteidicht, sacht man so.

seit siggi dit erwähnt hat, lese ick in der zeitung schon mal jenauer, wenn ick wat sehe. scheint n ziemlich heißet pflaster zu sein da unten, ick weeß wirklich nich, wieso der siggi da hin wollte.


24 April 2009

Musik und Tön


IV. Staffel - Bustourkatharsis

1. Vom Lernen

den siggi kenne ick noch vonne schule her. wir ham zusammen mittlere reife jemacht, damals war dit ja noch nüscht schlechtet. noch nichmal hauptschule war schlecht, hauptsache man hatte nen abschluss. wer jar keenen hatte konnte noch nich mal lesen und schreiben und war n armet schwein. dit war aber damals die ausnahme.

wenn de heute nich wenichstens abitur hast, kannste nich mal mehr regaleinräumer im supermarkt wern. da bleibt dir ja jar keene andere wahl als ne kriminelle karriere. ick habe meine zweifel, ob dit der richtije weg is.

nach die schule hat der siggi denn autoschlosser jelernt und ick maurer. dit war so üblich damals, autoschlosser, dit war der traumberuf von jedem richtijen jungen. maurer nich so direkt. war aber jut bezahlt.

wenn ick dit so erzähle klingt dit wie jeschichten ausm alten ägyptn, vom pharao tutenchamun, so weit weg hört sich dit an. dabei is dit noch jar nich so lange her.

damals, in meene jugend, hat man ooch noch jelernt: maurer konnte man noch nich studieren und autos waren mechanisch. wenn am auto wat kaputt war hat man nen schraubenschlüssel jenommen und da selber rumjeschraubt und wer jenuch jeduld hatte konnte seine karre selber wieder in fahrt bringen. wenns denn nich jing hat man kräftich dagegen jetreteten, dit half manchmal ooch.

heute is dit ja anders, für ne kaputte glühbirne brauchste nen diagnosestecker, und du dürfst die ooch wirklich erst wechseln wennde inne werkstatt ne steckerdiagnose jemacht hast, weil sonst die elektronik verrückt spielt. denn blinkt die janze zeit die spezielle lampe, die nur für jewechselte glühbirne ohne steckerdiagnose is. und die blinkt so, dass de janz schnell wahnsinnich wirst. denn kannste froh sein wenns dafür nich ooch nochn spezialjeräusch jibt. aber ick schweife ab. erzählen will ick janz wat anderet.

also hat der siggi auto jelernt und ick wände. weil wer nich so weit ausnander jewohnt haben, sind wer uns immer mal wieder übern weg jeloofen und ham ooch mal n bier zusammen jetrunken und stolz von unseren beruflichen erfolgen erzählt: jesellenbrief, erster lohn, doofer meister, baustellenwitze, werkstattwitze und so, wat man sich eben so erzählt.

22 April 2009

Drop Your Name

Carsten, das ist ein indianischer Name. In unsere Sprache übersetzt würde er wohl lauten:

Kann-keine-Nudeln-ohne-Überkochen




nein, es besteht leider keine direkte Verwandschaft zu Herrn Grobs kleiner Rothaut Gebackene Socken.

17 April 2009

Grade in der Hüpfburg

War grade mit dem kleineren Patenkind und Patenkindsbruder und Patenkindsmutter in der PICTOPIA-Ausstellung in der Kongreßhalle (das ist die alte Schreibung. Für Prenzlberger Neuberliner: "Haus der Kulturen der Welt"¹). In der Hüpfburg hat's eine meine geliebten karierten TRIGEMA-Hosen komplett zerlegt. Ich weiß nicht, ob ich jemals aus dem Hüpfburgalter raus wachse. Bisher jedenfalls noch nicht. Darunter leiden unter anderem meine Hosen.

Die PICTOPIA-Ausstellung ist große Klasse, auch wenn ich jetzt grade nicht so richtig die Intention der Sache wiedergeben könnte. Einerseits geht es um Grafik, Typisierung, visuelle Kultur und irgendsowas. Wie gesagt: Das Thema ist mir nicht so durchsichtig. Aber die Umsetzung!

Die Autoren der Broschüre sprechen zwar von Character-Design, die Ausstellung hat aber noch eine andere Ebene: Sie besteht nämlich zu gut der Hälfte aus Spielzeug. Das ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet. Es gibt eine Hüpfburg, Riesenpuppen, Höhlen und Nester und eine Auto-Scooter-Installation, außerdem eine große und wirklich gut bestückte Mal-Ecke. Alles sehr, sehr hübsch und täglich auch bis 21.00h geöffnet, für Kinder und Erwachsene mit unterschiedlichem Erkenntnis­wert gleicher­maßen geeignet: Hingehen!


Und das HdKdW ist einer der drei großartigsten Innen-Räume, die ich in Berlin kenne. Dazu kommen wir in Kürze. Muss weg. Die Bäume biegen sich - der See ruft!





¹ und den Touristen wird das Gebäude wohl immer noch als "Schwangere Auster" und diese spaßige Benamsung wiederum als typischer Berliner Humor verkauft. Dabei hat der typische Berliner keinen Humor. Sondern praktiziert nur eine besonders wirksame Form der verbalen Notwehr.

16 April 2009

Interessant

Grade hat jemand in Google "bauanträge für idioten" gesucht. Interessant. Und ich gebe ihm im großen und ganzen recht.

15 April 2009

Nochmal Baustellenprotokoll

Beim Googeln stößt man auf seltsame Sachen, beispielsweise auf viele Schriftstücke namens "Baustellenprotokoll".

Wenn man die Links der Reihe nach anklickt, trifft man wenigstens sechs ganz verschiedene Dinge an. Einerseits das hier gestern beschriebene "Baustellenprotokoll", das vielleicht auch "Protokoll der Baustellensitzung" heißen könnte.

Dann gibt es Firmen, die ganz konkret ihre Arbeit protokollieren, beispielsweise eine Entwässerungsfirma, einen Installationsbetrieb usw.: Die beschreiben in ihren Protokollen immer detailliert, was sie auf der jeweiligen Baustelle gemacht haben, und wie das Ergebnis war, zusammen mit einer Messung womöglich. D.h.: Ihre eigene Arbeit wird gewissenhaft dokumentiert.

Und dann gibt es so verschiedene Meldungen aus der Grauzone:

Eine Firma nennt es "Baustellenprotokoll", wenn irgendjemand (ist nicht klar, wer das tun soll) vor Baubeginn alle möglichen Umstände und Rahmenbedingungen des Baugrundstücks festhält. Das ist eher eine Checkliste - fragt sich nur, für wen. In der Checkliste stehen eigentlich nur Fragen deren Antworten in den Bauvertrag gehören - sowas würde ich eher nicht Protokoll nennen.

Mehrere andere Firmen, nennen es Baustellenprotokoll, wenn sie eine Mischung aus Bautagebuch, Beweissicherung durch Zeugen und Sachverständige, Mängelrüge und Gedankenstütze des Bauherrn meinen. Das ganze ist ziemlich unsystematisch: Einerseits werden Elemente der regulären Bauüberwachung abgefragt (Datum/anwesende Firmen/folgende Arbeiten werden grade durchgeführt) und dann geht es gleich weiter mit Mängeln, Zeugen, Augenzeugen, Videoaufnahmen, Schadensbildbeschreibung und Unterschriften weiterer Zeugen - klingt so, als ob da schon vor der Fertigstellung erbittert vor Gericht gestritten wird. Sowas stärkt sicher das Vertrauen.

Das Ding ist Augenwischerei für Laien. Einerseits fehlt da ganz schlicht der erreichte Bautenstand. Die obere Hälfte dieses Formblattes ist Teil des Bautagebuchs. Und die untere Hälfte steuert zielstrebig auf einen Rechtstreit hin und kann eigentlich nur von einem Baufachmann (Architekt/Sachverständiger) zutreffend ausgefüllt werden.

Dazu meine Erfahrung: Etliche Dinge, die ein Laie für "Mängel" hält, sind entweder schlicht noch nicht fertig, nicht so vereinbart oder beruhen auf überzogenen Erwartungen. Andererseits werden Baufehler oft erst später zu Mängeln und sind während der Ausführung für den Laien als Fehler noch gar nicht zu erkennen. Diese in einem Formblatt durch den Bauherrn aufzählen zu lassen hat so gut wie überhaupt keinen Erkenntniswert.

14 April 2009

Wie sieht ein Baustellenprotokoll aus?


Jetzt aber wirklich!

Nachdem ich diese Frage in der Besucherstatistik immer wieder genau so lese, wird wohl eine echte Nachfrage bestehen. Gut, dann will ich diese Frage mal ernsthaft beantworten: Wie sieht es denn nun aus, das Baustellenprotokoll?

Zuerst wollen wir mal definieren, was ein Baustellenprotokoll ist - schon da gibt es Missverständnisse: Ein Baustellenprotokoll ist nicht etwa das Bautagebuch und auch kein Abnahmeprotokoll oder der Zustandsbericht über den Bauplatz vor Baubeginn. Sondern verläuft parallel dazu.

Ein Baustellenprotokoll ist die Mitschrift des Zusammentreffens von Baubeteiligten

vulgo: Protokoll der Bausitzung oder Baubesprechung.

Dieses Zusammentreffen hat auf der Baustelle stattgefunden. Wenn nicht, kann man Sitzungsprotokoll dazu sagen, oder Besprechungsprotokoll, wenn dabei oft gestanden wurde. Oder Anbrüllungsprotokoll, wenn es dabei so zugegangen ist, wie es auf Baustellen meistens zugeht. Aber ich wollte ja ernst bleiben.

Also: Treffen von Leuten + am Bau beteiligt + oder betroffen (Nachbarn, Behörden) + Baustelle = Baustellenprotokoll.

Und? Wie sieht es aus?

Zuerst mal: Es muss nicht zwingend auf einem Formblatt niedergelegt werden. Für das Baustellenprotokoll gibt es keine vorgeschriebene Form. Formblätter erleichtern die Sache nur, weil man dann u.U. weniger vergisst. Da Bausitzungen regelmäßig stattfinden, wären auf einem Formblatt (kann man im Computer selbst zimmern) sinnvollerweise folgende immer wieder kehrende Standardpunkte von Baustellenbesprechungen vermerkt:
  • Name der Baustelle/Bauvorhaben (abgek.: BV)
  • Laufende Nummer
  • Datum
  • Teilnehmer (einschl. Protokollführer)
  • ggf. eingeladene, aber nicht erschienene Teilnehmer
  • ggf. besonderer Anlass des Treffens - oder turnusmäßige Besprechung
  • zu besprechende Themenpunkte
  • Bautenstand
  • Datum der Niederschrift/Unterschrift des Protokollführers
  • Verteiler
Wenn man kein Formblatt verwendet, kann man die örtliche Niederschrift von Hand vornehmen - formlos. Doch, das geht! Die oben aufgezählten Standardpunkte sollen aber in der Regel auch auf einem handschriftlichen Protokoll vermerkt sein. Wenn man was vergessen hat, kann man es ausnahmsweise bei der späteren *leserlichen* Abschrift ergänzen.

Das Baustellenprotokoll soll die Vorgänge während der Baubesprechung festhalten. Da passieren verschiedene Dinge:
  • erreichte Bautenstände seit letzter Bausitzung werden besprochen
  • alle offenen Punkte aus dem letztem Protokoll werden je nach Erfolg abgehakt oder beibehalten
  • Arbeitsabläufe zwischen einzelnen Gewerken bzw. Firmen werden abgestimmt
  • das Bausoll der nächsten Phase (bis zur nächsten Bausitzung oder zum bestimmten Termin) wird geklärt
  • Anweisungen der Bauleitung ergehen an Baufirmen
  • Fragen der Firmen werden beantwortet
  • notwendige Arbeiten zur weiteren Beauftragung durch Bauleitung/Bauherrn festgehalten
  • Schäden werden vermerkt, Urheber gesucht und Schadensbeseitigung veranlasst
Man kann sich bei wichtigen Festlegungen im Einzelfall auch das handschriftliche Protokoll bereits vor Ort von den Teilnehmern unterschreiben lassen. Ist aber nicht üblich.

Das Bauprotokoll führt sinnvoller Weise der vom Bauherrn beauftragte Bauleiter. Es wird anschließend zur besseren Leserlichkeit abgetippt und an alle Beteiligten sowie weiter betroffenen versandt (Bauherr/Behörden/abwesende Firmen).

Wichtig daran: Der vom Bauherrn beauftragte Bauleiter erteilt Anweisungen an die Firmen, meist in der Bausitzung - das ist seine Aufgabe. Der mündliche Auftrag gilt zwar, ist aber hinterher schwer zu beweisen, weil jeder was anderes oder gar nicht hingehört hat. Mit dem Protokoll wird die Sache beweisbar.

Dasselbe betrifft vereinbarte Termine: Dann geht es auch ums Geld, da vielfach Vertragsstrafen wegen Verzug vereinbart sind.

Wenn im Protokoll unrichtige Dinge stehen, müssen die Betroffenen widersprechen. Sie können das je nach Dringlichkeit und Atmosphäre auf der Baustelle einfach mündlich in der nächsten Sitzung tun oder schriftlich Widerspruch beim Protokollführer einlegen. Je nach den Umständen wird der Fehler dann auf der nächsten Sitzung behandelt - und im nächsten Protokoll - und förmlich richtig gestellt.

So.

So sieht ein Baustellenprotokoll aus. Könnte.

Zum sogenannten Bautagebuch und zu den Aufgaben von Architekten und Bauleitern kommen wir demnächst mal. Oder auf Anfrage per Mail.

09 April 2009

Chonik der Kürbiskriege!


Wie es auch hätte kommen können unter den indigenen Bewohnern beider Amerikas - und des kleinen Teils dazwischen - liest der geschätze Leser hier (optisch grauenhaft, aber sonst informativ)

Immer noch:

Die Schrumpfpatat'l


III.

Das Züchten von Haustieren wäre anderswo ernste Arbeit gewesen. Nicht allerdings das Züchten widerspenstiger Lamas und schon gar nicht bei den Schrumpfpatat'ln.

Sie züchteten hauptsächlich, damit sie eine Erklärung hatten, warum sie nicht auf dem Feld waren und arbeiteten. „Nein! Wieso? Ich hab keine Zeit für das blöde Feld! Du weißt doch: Die Lamas. Natürlich ist das Arbeit! Man muss sie genau beobachten, man muss den richtigen Hengst und die richtige Stute aussuchen!"

Außerdem sahen sie den Lamas gerne bei der Paarung zu. Das fanden sie anregend. In den Gebieten der indigenen eingeborenen Indianerstämme war das eine Art früher Lamaporno.

Noch anregender wurde die Sache, wenn gerade irgendetwas da war, wofür man Bier von den Fynfzencilohant'l eintauschen konnte. Das kam leider nur unregelmäßig vor. Geld war bei ihnen genauso knapp wie meistens das Essen.

Ganze Lamas mochten die bierbrauenden Fynfzencilohant'l¹ nicht in Zahlung nehmen, weil sie sie dann selbst hätten schlachten müssen. Das war unter ihrer Würde, seit sie durch Bier zu Wohlstand gekommen waren. Handeln konnte man mit diesem mürrischen und maulfaulen Volk auch nicht, das brauchte man nicht einmal zu versuchen. Sie hatten es schlicht nicht nötig: „Komm wieder, wenn du was interessantes zum Eintauschen hast."

Und darüber hinaus wollten sie vor allem eins: Ihre Ruhe haben. Die Fynfzencilohant'l lebten im Grunde so, wie es sich die Schrumpfpatat'l erträumten. Aber diese Erkenntnis half niemandem weiter.

Ihre eigenen Lamas schlachteten wiederum die Schrumpfpatat'l nicht, so verwirrt waren nicht mal sie. Es ging dabei jedoch weniger um die Arbeit des Schlachtens als darum, dass sie sonst ihr Gepäck hätten selbst tragen müssen. Schon die Vorstellung war ihnen unerträglich. Bei den Nachbarstämmen machte man das zwar, man trug durchaus vieles selbst, aber Transporte auf Lamarücken schienen eben bequemer.

In der ihnen eigenen Logik verbrachten Angehörige des Stammes der Schrumpfpatat'l meist mehr Zeit damit, Lasten auf dem Lamarücken zu verstauen und festzuzurren, als es gedauert hätte, die Sachen gleich selbst zu tragen. „Was glaubst Du wozu wir diese widerspenstigen Tiere haben? Die fressen uns die Haare vom Kopf! Ständig müssen wir für sie sorgen! Da sollen sie gefälligst was dafür tun!" Das war nur halb richtig, aber sie glaubten, dass diese Wehklage bei irgendwem Eindruck machte und von ihrem schweren Leben kündete. Tatsächlich suchten sich die Lamas ihr Futter draußen selbst. Alle wussten das.

So viel war sicher: Sobald jemand eine entsprechende Idee entwickelte, würden sie aus dem Nicht-Tragen von Gepäck einen tiefen religiösen Kult machen, mit Lasten-Opfern und in Trance konvulsivisch zuckenden Priestern und mit einer Weltuntergangssekte, also mit allem, was zu einem tiefen religiösen Kult gehörte.



Eine seltene Möglichkeit, zu Geld zu kommen ergab sich aber immer dann, wenn die Missionare durch ihre Gegend zogen, und sie waren deshalb fast schon willkommen: Die Missionare sahen ebenfalls gerne den Lamas bei der Paarung zu.




¹ geil! Die Rechtschreibfunktion kann diesen überaus seltenen Namen an der richtigen Stelle trennen!

08 April 2009

Meldungen

... und am nächsten Tag steht es in der Zeitung ...

Wieder so eine Meldung, die nicht am 1. April erschien¹:

Polizist onaniert im Dienstwagen

Berlin - Die Polizei ermittelt gegen einen Kollegen wegen des Verdachts auf Exhibitionismus. Wie die Polizei gestern mitteilte, hat eine 28-jährige Zeugin die Beamten alar­miert, weil sie einen Mann in einem Auto gesehen hat, der während der Fahrt am Steuer die Hose herunter­gelassen und onaniert haben soll. Mit ihrem Freund verfolgte sie den Wagen, bis die alarmierten Polizisten den Wagen stoppten. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass der Beamte während seiner Arbeitszeit in einem Dienstwagen unterwegs war. Der Verdächtige bestreitet die Vorwürfe. Das Landes­kriminal­amt hat die Ermittlungen übernommen. ddp

Dazu die von Weinkrämpfen geschüttelte Zeugin: "Das ist so furchtbar, so ... widerlich ... dass ich meinen Blick gar nicht abwenden konnte!"
Und ihr Freund pflichtet betroffen bei: "Dieser Verbrecher sitzt da, sicher geschützt in seiner Karre, und macht an sich herum. Wir mussten uns auf die Zehenspitzen stellen, um ihn zu überführen - ekelhaft!"

...

Wir rekonstruieren den Vorgang dennoch vor dem geistigen Auge: Während seiner Arbeitszeit ist jemand in seinem Dienstwagen unterwegs. Allein das schon - widerwärtig.

Während der Fahrt gelingt es der Zeugin, den Polizisten beim ... ach, gar? Muss der Mann wohl während der Fahrt in seinem Dienstwagen gestanden haben. Der Mann, nicht sein Ding. Das liegt ja anatomisch ziemlich weit unten, so dass man es gut sehen kann, wenn die Fenster des Dienstwagens bis zum Boden herunter gezogen sind, wie alle Terrassenfenster. Oder sein Teil ist so groß, dass man es auch noch von der anderen Straßenseite bei hochgekurbelter Scheibe problemlos erkennen konnte. Beneidenswert.

Die Zeugin und ihr Freund verfolgen den Wagen - zu Fuß sind sie ganz klar schneller als ein Auto. Während der Verfolgung alarmieren sie die richtige Polizei, also wohl Kollegen, die grade nicht mit Onanieren beschäftigt sind, und auch die sind so rechtzeitig am rollenden Tatort, dass sie den Verdächtigen (früher sagte man "Beschuldigten") stellen, festhalten und überprüfen können. Warum wurde eigentlich von der Inhaftierung und präventiven Bestrafung abgesehen? Luschen!

"Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen." Wurde denn gar keine Sonderkommission gebildet? Man staunt schon, dass nicht der BND den Fall an sich gezogen und Verbindungen zu Al Qaida aufgedeckt hat. Das ist doch sonst eigentlich immer so bei diesen Typen.

Tja, damit diese kleine Geschichte sich wirklich so zutragen konnte, müssen eine Menge Zufälle aufeinander getroffen sein. Möglich aber auch, dass nur der berichtende Journalist alles in den ganz falschen Hals bekommen hat. Eigentlich eine ideale Meldung für den 1. April.




¹ sorry, lag eine Weile hier im Archiv²
² so nennt Der Große Bloguator™ seinen mit Papier mehrlagig bedeckten Schreibtisch

07 April 2009

Technik


Allein aus technischen Gründen. Hintergrund gepimpt. Wofür auch immer.

05 April 2009

Rauchfrei (2)

Klar kann man sich Serge Gainsbourg nicht ohne Zigarette vorstellen. Und ich würde Gainsbourg, die coole Sau, auch klaglos kettenrauchend ertragen. Aber die ganzen mickrigen Kreuzberger Raucher sind halt nicht Gainsbourg.

Tja, so siehts aus: Pech! Gesundheit ganz umsonst vergebens ruiniert. All die schöne Kohle für die vielen Teerdübel völlig nichtig verpulvert. Erfolgreich aber sinnlos mit zwölf den Hustenreiz bei den ersten Kippen überwunden, mit dreizehn die besonders abgebrühte Handhaltung und den lässigen Blick immer wieder vor dem Spiegel trainiert bis sie richtig saßen.

...

Bezüglich Raucherei steht der typische Kreuzberger Wirt auf dem Standpunkt: "Wenn ich es nicht tue, tut es ein anderer!" Er meint: Wenn ich nicht verdiene, verdient womöglich ein anderer. Der Nachbar argumentiert genauso - der ist nämlich der andere. Aber natürlich ist das insgesamt Quatsch: In Wilmersdorf gehen die Raucher nach draußen und die Kneipen sind so voll wie immer.

Nicht so in Kreuberg. Wie in der Pubertät sehen sich die Raucher heute wieder als Outlaws. Es ist so ähnlich wie damals, als man sich auf dem Schulhof in irgendeiner Ecke rauchend vor den Lehrern versteckte und das dann für zivilen Ungehorsam hielt, für das Aufbegehren gegen die ungerechte Allmacht der Erwachsenen.

Bis heute glauben ja all die heimlich qualmenden Schüler, die dämlichen Lehrer wüssten nichts von der Raucherecke, weil sie so dermaßen geschickt getarnt ist. Und sie meinen, ihre langweiligen Eltern würden ebenfalls nichts merken, wenn sie zu Hause nur bei offenem Fenster paffen und danach stinken wie eine ramponierte weißrussische Kokerei.

Dabei ist es doch eher so, dass die Lehrer aus Bequemlichkeit - aber auch aus Einsicht - das turnusmäßige Aufbegehren ignorieren: Sie wollen halt nicht jeden Tag dieselbe fruchtlose Diskussion mit renitenten pickligen Klugscheißern führen. Und die Eltern tun meist allein aus elterlichem Großmut so, als würden sie nichts merken - man kann sich seine Kinder heute ja nicht mehr aussuchen.

Wer diese verbreitete Fehleinschätzung jetzt für vorübergehende pubertäre Unmündigkeit hält, muss nur mal durch Kreuzberger Kneipen ziehen und sich dort die 25- bis 50jährigen ansehen: Die haben nichts dazugelernt. Aber die Pubertät dauert inzwischen angeblich auch viel länger als früher.

Teer und Nikotin machen auf wundersame Weise aus jugendlichen aufbegehrenden Widerständlern erwachsene süchtige Wracks mit gelben Fingern und schlechtem Atem, die auch die Welt mit der Logik von Süchtigen betrachten: "Alles nicht so schlimm, die Nichtraucher sollen sich nicht so anstellen und wenn es ihnen nicht passt können sie ja woanders hingehen!"

04 April 2009

Interview

"... begrüße ich jetzt den zukünftigen Chef der Korruptionsbehörde Dr. Ignatius Taubenretter. Herzlich willkommen! Sie treten also in Kürze die Leitung des Anti-Korruptions-Ressorts an. Was werden sie..."

"Wieso Anti?"

"Was? Oh, ist das nicht der richtige Titel? Verzeihung! Also: Korruptionsbekämpfungsressort..."

"Wieso Bekämpfung? Was gibt es denn da zu bekämpfen?"

"Ja, äh ... nicht? Wollen sie das denn nicht bekämpfen, die Korruption?"

"Nein, wieso? Die Leute erbringen eine Leistung und werden dafür bezahlt. Was gibt es denn daran auszusetzen? Was haben sie dagegen?"

"Ich .. äh ... ja ... äh ... (Papierrascheln - hektisches Wühlen in den Unterlagen) ... äh ... ich ... alle sind doch dagegen ...?"

"Jaaa - man muss doch nicht immer das tun, was alle tun. Wir sind doch keine Lemminge! Sie doch auch nicht, oder? Sie sind doch kein Lemming? Was soll denn schlecht sein an der Korruption?"

"Nein, ich bin kein ... äh, ja. Aber ... aber ... da werden doch keine Steuern gezahlt?"

"DAS ist Steuerhinterziehung, ganz klar! So etwas muss natürlich geahndet werden. Jeder im Bereich der Korruption tätige muss natürlich Steuern zahlen, wo kämen wir denn hin!"

"Aha. Ach so! Ach so. Aber ... das Finanzamt könnte doch jedem Korrupten sofort drauf kommen und sagen: 'So, das Geld ist also aus der Korruption, ja, da schaun wir doch einmal genauer nach...' "

"Ja, SO ETWAS darf natürlich auf keinen Fall passieren! Das wäre Amtsmissbrauch! Dafür bin ich ja in Zukunft da, dass die Behörden nicht weit über ihre Befugnisse überall hineinschnüffeln, noch in den privatesten Bereich."

"Aber das ... Finanzamt könnte doch seine Erkenntnisse weitergeben ... an andere ... Behörden ...?"

"DAS wäre Informationsmissbrauch. Dafür haben wir ja das Datenschutzgesetz. Das wäre unbefugte Datenweitergabe - so etwas ist strafbar! Aber dafür bin ich ja bald im Amt und kann dafür sorgen dass..."

"Ja, äh ... wirklich? Ich... (Papierrascheln) ... ich höre grade aus der Regie, dass wir noch eine andere dringende Liveschaltung haben und ... und bedanke mich für dieses ... aufschlussreiche Gespräch."

"Sehr gern! Nichts zu danken!"

"Ja, äh .. liebe Zuschauer ... und weiter geht es nach dem ... nach dem ... Kackwett- ... Kurz- ... Kurzwetter ... mit ... mit ... (Papierrascheln) ... mit einer aktuellen Reportage zum Thema 'Fahrzeuglackierung nach Farbabgleich mit der Zulassungsbehörde?' ... bis gleich!"

03 April 2009

Götter

Beim Radiohören stelle ich manchmal erschreckt fest: Es gibt doch tatsächlich nicht wenige Leute, die Neil Young für Gott halten, quasi. Früher noch sagte man dasselbe von Eric Clapton.

Für mich hingegen sind die zwei die größten Langweiler des bekannten Universums.

Tja, so verschieden sind die Geschmäcker.

Rauchfrei


Gestern war Konzert im Lido

Im Lido wurde auch geraucht. Die Kreuzberger Wirte verstehen sich ja insgesamt als revolutionäre Bastion gegen das Rauchverbot und gegen die Unterdrückung durch kleinliche Spießer. Und Spießer, das sind die Nichtraucher - geht doch nichts über ein einprägsames Feindbild. Natürlich kämpfen sie im Namen der Freiheit und der ungehinderten Persönlich­keits­­entfal­tung, nicht etwa mit dem Ziel der Gewinn­maximierung.

"Rauchverbot? Niemals! Wenn ich es nicht tue, tut es ein anderer!" Etwa so lautet die revolutionäre Argumentation immer sinngemäß.

Den Betreibern des Lido ist allerdings kein Vorwurf zu machen, es gibt ein großes Raucherzelt und das war vor dem Konzert voll. Im Bühnensaal waren ebenfalls Leute und der Saal war nicht beraucht. Eine sinnvolle Aufteilung. Das änderte sich natürlich mit Beginn der Musik.

Als Nichtraucher wird man wohl noch in der Lage sein, sich eineinhalb Stunden zuqualmen zu lassen, oder? "Siehst Du: Es stört mich überhaupt nicht, wenn du hier nicht rauchst..."

Es gibt nämlich viele Menschen, die keine langen eineinhalb Stunden lang ohne Kippe auskommen können, immerhin ist das das Symbol ihrer freiheitlichen und unabhängigen Gesinnung. Einige von denen steckten sich im Lido eine Zichte an der vorherigen an und gaben den coolen: Mitte zwanzig und ein paar hässliche Fusseln im Gesicht.

Zu Hause bei Mama dürfen sie nicht rauchen, oder nur auf dem Balkon, und deshalb müssen sie die Unabhängigkeit auskosten. Oder sie wohnen mit Freundin und Kind in ihrer zentralbeheizten Friedrichshainer Altbauwohnung und riskieren häuslichen Ärger, "weil dann immer der Teppich und das Sofa so stark nach Rauch riechen!"

Deshalb fahren sie rüber ins revolutionäre Kreuzberg, genießen die Freiheit von allen Formen der Höflichkeit, qualmen wie die Schlote und gehen duldsamen Nichtrauchern auf den Sack.


... to be fortcontinued ...

April April!

Medien halten ja den ersten April für den Pflichttermin zur Absonderung fragwürdiger Scherze.

Man kann auch mitten im Sommer immer wieder Meldungen lesen, bei denen man sich fragt, ob schon wieder der erste April ist. Aber am schlimmsten ist es um den 1. April herum. Wegen der sinnlosen Scherzeritis der Medien und dem ohnehin sporadisch auftretenden schlechten Journalismus mag man eigentlich gar nichts mehr glauben.

Der Große Bloguator™ nimmt als Beispiel seine abonnierte Tageszeitung, die sich selbst bestimmt gerne zu den Blättern des Qualitätsjournalismus zählen würde.

Meldung von heute, 2. April:

Abgeordnetenhaus

Eklat im Berliner Parlament


Von Ulrich Zawatka-Gerlach

Als eine SPD-Abgeordnete von "Verfassungsfeinden" bei der CDU sprach, verließen Christdemokraten den Sitzungssaal.
Im Artikel dann:
SPD-Sozialexpertin Ülker Radziwill, die zu Beginn der Parlamentssitzung sagte: „Man könnte meinen, die Verfassungsfeinde befinden sich in der Mitte des Bundestages, genauer gesagt, halbrechts in der CDU/CSU-Fraktion.“
Ja: Was jetzt? Berliner Abgeordnetenhaus oder Bundestag? Früher mal, bis vor ganz kurzem sogar, waren das zwei ganz verschiedene Sachen. Oder ist das ein Aprilscherz, nur dass der Schreiber am 1. April frei hatte und ihn ganz dringend nachreichen muss?


Dann liest man, dass irgend ein Fußballer einen anderen beim Länderspiel geohrfeigt hat. An sich geht mir Fußball hinten vorbei, aber so Schlagzeilen kriegt man ja mit. Früher mal wäre es ein veritabler Skandal gewesen, wenn sich Nationalspieler prügeln - sofern sie derselben  Mannschaft angehören. Was? Ach so: 1. April! Na dann.

Heute, am 2. April, kann man immer noch davon lesen. Ja - was jetzt? Kein Skandal oder kein Aprilscherz oder was?

Aprilscherze gabs nämlich auch:
Von Ulrich Zawatka-Gerlach
01.04.09, 00:00 Uhr | soll das landeseigene Unternehmen am 1. Juni 2009 verlassen. Nachfolger wird nach Informationen aus Koalitionskreisen der scheidende Bahnchef Hartmut Mehdorn.
Das war mal relativ durchsichtig - obwohl man der Berliner Politik sowieso fast alles zutraut.
Und dann ist da die Meldung vom letzten Wochenende:

Früh übt sich

Siebenjähriger raubt Joggerin aus - alles nur Spaß?

Von Tanja Buntrock

Ein siebenjähriger Junge hat am Wochenende eine junge Joggerin überfallen, auf sie eingeschlagen und ihr das Handy geraubt...
Aber das war schon am 29.3. Kleiner vorgezogener Aprilscherz?
Anscheinend nicht, da Thema ist am 2.4. immer noch aktuell:

Kriminalität

Achtjähriger Räuber war selten in der Schule

Von Tanja Buntrock

Der "jüngste Räuber der Stadt" weigerte sich häufig zur Schule zu gehen...
Ja, was jetzt? entscheidet Euch mal!

Tss, tss, weil es genug schier unglaubliche Meldungen gibt berauben sich Medien mit ihrer zwanghaft debilen Scherzeritis jeglicher Glaubwürdigkeit.

02 April 2009

Mulatu Astatqé - live

Bereits früher wurde hier berichtet

Gestern im Lido. Ich habe nur zufällig davon erfahren, weil ich davor vorbei gelaufen bin. Sinnvolle Werbung für das Konzert gabs wohl nicht. Deshalb musste sich der Lido-Manager auch beim Publikum beschweren, dass der Vorverkauf nicht funktionierte. Am Ende war das Lido aber doch voll.

Die Musik fällt wohl unter den Oberbegriff Jazz, ist eine sehr eigene Mischung aus Bossa, schlimmem 70er-Jahre-Funk und überraschenden Harmonien von denen man annehmen muss, dass sie auf den äthiopischen Wurzeln des Chefs gewachsen sind. Sehr interessant. Und: Der Typ sieht unglaublich gut aus!

Dazu überaus virtuose Musiker der Band Heliocentrics. Die waren nicht einfach Begleitband, sondern standen ein paar mal ohne den Chef auf der Bühne und hatten auch sonst Gelegenheit zu langen Soli. Bei aller technischen Fertigkeit waren sie alle in der Lage, eindrucksvolle Improvisationen zu spielen (wenn man das jeden Abend macht, ist es wahrscheinlich nicht mehr so sehr improvisiert). Große Klasse!

Und dazu ein völlig ahnungsloser Soundtechniker, der beinahe alles vereitelt hätte. Ja, solche Dödel scheints zu geben. Es spielten unter anderem ein paar Blechbläser und ein Vibraphon. Von Lautstärke und Dynamik mag das sicher ein wenig schwierig sein, aber wenn das doch seine Arbeit ist? "Ich sehe da jemanden Vibraphon spielen - warum höre ich nichts davon?"

Bezeichnend für die völlige Überforderung des Soundtechnikers: Der Sound war doch tatsächlich in dem Moment am besten, als den Blechbläsern der Strom ausfiel und sie im Gegensatz zu allen anderen unverstärkt spielten - da war der Sound super. Aber das hatte der Techniker schnell wieder im Griff, und der krachige Klang-Schlamm war wieder hergestellt.

Trotzdem. DAS Konzert-Highlight! Das Jahr ist schon mal gerettet.

Sah etwa so aus:


(bei dem Auftritt auf dem Video haben sie anscheinend denselben ahnungslosen Soundmixer. Das ist jetzt fast ein Jahr alt - wie dämlich kann ein einzelner Mensch sein? Die hier ist besser, anscheinend direkt von den Mikrophonen abgenommen, gibt aber das völlige Versagen des Soundmannes nicht so authentisch wieder. Und hier der ganze Set)

Reichlich Material bei Youtube.





Erst erschienen mir 25,-€ Eintritt ganz schön hastig, aber man soll sich wohl besser nicht beschweren, wenn gleichzeitig Hupfdohlen wie Sarah Connor ab 65,-€ aufrufen. Euronen! Vom intellektuellen Mario Barth ganz zu schweigen...

01 April 2009

Zeitverschwendung

Irgendwie muss man seine Lebenszeit ja rumbringen. Da sind Blogs allgemein sehr hilfreich.

Manche machen auch Listen, beispielsweise "Die zehn durchsichtigsten Tiere der Welt". Aus dieser Liste stammt das folgende interessante Geschöpf:



Ha! Ich kann sehen, wie du denkst...

31 März 2009

Yale

Vor einiger Zeit bin ich auf der Suche nach etwas ganz anderem in der Yale University auf die Beinecke Rare Book & Manuscript Library gestoßen. Die gesammelten Bücher werden digital aufbereitet und man findet so manches.

Beispielsweise dieses Buch über eine verlorene Heimat in der Ukraine aus dem Jahr 1922. Geschildert wird das Heimatdorf des Künstlers, bevor es nach dem I. Weltkrieg durch Pogrome zerstört wurde.



Erinnert mich schwer an Caligari - das tut der künstlerischen Qualität aber eigentlich keinen Abbruch.


30 März 2009

Milch

Fettarme Milch, Codename "Weißes Wasser", wegen ihrer überraschenden Geschmacksneutralität. Neulich stand hier im Büro die verschärfte Variante davon im Kühlschrank: Laktosefreie fettarme Milch. Da staune ich dann allerdings schon, wie sie das Wasser überhaupt weiß kriegen.

Kleinere Schwächen

Hin und wieder erlange ich zufällig Einblick in die Swinger- oder die SM-Szene, sei es durch Fotos, Filme oder persönliche Gespräche. Sex als Sport, Melodrama in Lack und Leder. Mir kommt dann jedes mal der Gedanke, dass ich vielleicht doch ziemlich verklemmt bin. Oder mir ist einfach nicht langweilig genug.

25 März 2009

Helfer und Gehülfen


Kürzlich bereits angekündigt


Jemand hatte einen sehr seltenen Suchbegriff verwendet und hier wurde landesweit darüber berichtet:
gogel und mäx
Über den Sinn dieser Wörter müssen wir heute einmal nicht nachdenken, sie stammen ja nicht von uns oder einem Bekannten. Nehmen wir sie einfach hin, meditieren ein wenig darüber und freuen uns an der Findungskraft der Maschine: Zuerst gogel

Da sagt man doch viel besser:
- mogel

- Logel

- Pogel

- Bogel

- Vogel
Klar doch, Pogel.



Anschließend beschäftigen wir uns mit mäx. Klingt das nicht irgendwie nach:
- max

- mär

- mäh

- Mär

- Mäh ?
Lasst das bloß nicht die Rechtschreibpropheten hören - egal welcher Konfession!


Außerdem kommt es vor, das hier im Blog zuweilen jemand gugelt. Ja genau: gugelt, weißtduschon! Und nicht etwa...
- kugelt

- gurgelt

- mugelt

- äugelt
... schmurgelt.

Kegelt! Egelt! Igelt! Hügelt! Hagelt! Nagelt! Vö... neeneenee, nämlich: gugelt!



Besonders glücklich bin ich, wenn sich aus dem Erstellen des einen Blogbeitrages automatisch der nächste ergibt. So wie hier mit den Rechtschreibpropheten. Da übertrifft das Helferlein sich selbst, es weiß nämlich, dass es hier wirklich gemeint ist und hilft:
- Rechtschreibproblemen

- Rechtschreibprogrammen

- Rechtschreibproblem

- Rechtschreibprogramm
Das hätte ICH™ wirklich nicht schöner formulieren können.

24 März 2009

Extreeeeeem Schafhüting

Wenn die Leute in Wales nichts anspruchsvoll genuges zu tun haben, denken sie sich halt selbst was aus:


Geiiil!

Bashing Sarrazin

Unser zukünftiger ehemaliger Finanzsenator heißt Sarrazin. In Berlin wurde er berühmt wie kaum ein anderer vor ihm, weil er gerne auf ärmeren Leuten rumhackte: Auf Arbeitslosen und HartzIV-Empfängern. Denen rechnete er von der Anhöhe seines sechsstelligen Gehalts herab vor, dass der bedürftige Mensch im Grunde mit weniger als vier Euro am Tag auskommen kann, wenn er nur immer die Reste der Sonderangebote bei ALDI kauft.

Dass selbst das eine Milchmädchenrechnung ist, ahnen eigentlich alle, die nicht Herr Sarrazin sind. Aber wahrscheinlich genau deshalb wurde er Finanzsenator, nämlich weil er seine Milchmädchenrechnungen immer selbst glaubt und diese dann auch überzeugt umsetzt.

Er ist sowas wie der Dieter Bohlen im Berliner Regierungstheater: Schwer abgehoben, viel Krawall mit niedrigem Unterhaltungswert und darauf auch sehr stolz.

Trotz - oder wahrscheinlich eher wegen seiner erstaunlichen Ignoranz gelang es ihm, den Schuldenberg der Stadt ein wenig zu verringern. In Schöneberg sagt man dazu: "Mit solchen Leuten kann man auch ein KZ verwalten...".

Er hat seine Arbeit erledigt, nicht ohne einen Teil seiner Arbeitgeber - das gemeine Volk - immer wieder überheblich vor den Kopf zu stoßen. Zufällig grade den Teil, der anwaltlich nicht ganz so gut vertreten ist wie subventionsgeile Unternehmer und gierige Heuschrecken.

Bald ist er weg: Zur Bundesbank. Der Mann wird im Leben nicht mehr mit ehrlicher Arbeit sein Brot verdienen müssen. Kurz vor seinem Abgang äußerte er sich nochmal zur Bildungspolitik und nutzte die Gelegenheit, ein letztes Mal zu beweisen, wie bildungsresistent er selbst ist. In den Kitas herrscht seit langem Personalmangel - weil zu wenig Geld da ist. Folgerichtig beklagt sich der Herr Sarrazin darüber, in den Kitas werde zu viel frei gespielt und zu wenig vorgelesen oder gesungen. Er meint: In den Kitas wird zu wenig betreut. Logisch, da fehlt genau das Geld das er ihnen selbst gestrichen hat.

Gut, dass er bald weg ist. Wir wünschen ihm einen langen beschwerlichen Weg bis zur Rente und in seinen letzten Lebensjahren - und davor noch ein paar unangenehme Steuerprüfungen.

23 März 2009

Google Update entfernen


Zwischendurch mal kurz was ernsthaft technisches. Kommt deshalb ins Bog, weil ich keine ausdrückliche Lösung dafür im Internet gefunden habe -  die Sache am Ende aber doch lösen konnte.


Grundlage: Hier auf dem Rechner läuft Windows XP. Das ist verbreitet, gabs zum Rechner dazu und ging nicht anders, weil richtige CAD-Software auf Linux nach wie vor nicht läuft.

Als Browser wird der Mozilla Firefox eingesetzt (99%). Hauptsächlich deshalb, weil mir Micro$oft zu neugierig ist und zu oft nach Hause telefoniert. Der InternetExplorer7 ist noch installiert, dient aber nur zum Herausfinden, ob ein Problem jeweils beim Firefox liegt (kommt vor) oder doch an der sendenden Webseite.

Und dann gibt es natürlich Spielzeug und Gimmicks, beispielsweise Google Earth. Ob man das wirklich braucht, wenn Google Maps auch läuft, sei mal dahingestellt. Das weiß man ja oft erst dann, wenn die Software schon installiert ist.

Problem: Nach dem letzten Update von Google Earth4.3 auf 5.0 taucht im Task-Manager der GoogleUpdater auf. Der war vorher nicht da. Und soll auch nicht da sein. Und schon gar nicht automatisch!

Normalerweise kann man automatisch startende Programme über msconfig.exe abschalten (start → ausführen → msconfig) und dann isses gut. Nicht so beim Google Updater.

Zufällig bin ich dann in den Tiefen des Firefox 3 auf ein Plug-In namens GoogleUpdate gestoßen (Extras →  Add-Ons → Plugins). Dort gibt es die Option "deaktivieren". Eine Funktion "deinstallieren" fehlt aber - aus gutem Grund. Der Updater startet nämlich auch dann automatisch, wenn der Schalter "deaktivieren" gesetzt ist. (damit man das nicht so einfach versteht und womöglich dringend löschen will wird nicht etwa "deaktiviert" angezeigt, sondern "aktivieren").

Hallo?!? Mal abgesehen davon, dass es schon eine Unverschämtheit ist, dass Google sich überhaupt ungefragt in anderen Programmen einnistet, erwarte ich doch, dass sich dieser Stasi-Dreck problemlos wieder löschen lässt. Tut er aber nicht.

Ging aber dann doch. Und zwar so:
Aus dieser Quelle weiß ich inzwischen, dass nicht nur Google das tut, sondern auch Micro$oft - überrascht einen ja nicht. Aus dieser Quelle weiß ich aber auch, wie man das ganze Schnüffel- und Ausforschungswerkzeug wieder los wird:

Zuerst noch nicht Löschen sondern nur Aufsuchen des folgenden Registry-Schlüssels: "HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Mozilla\Firefox\Extensions beinhaltet diesen - bei Windows Vista mit 64Bit ist dieser HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Wow6432Node\Mozilla\Firefox\Extensions."

Der Schlüssel kann anscheinend geringfügig abweichen. Hier bei mir (XP) lag er unter HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\MozillaPlugins\@google.com. Aber dieses Detail ist selbsterklärend.


Edith lange Zeit später
Inzwischen findet man den Pfad zum Updater unter

HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\MozillaPlugins\@tools.google.com/Google Update;version=...

"Wir haben unsere Software für Sie verbessert!"


Zuerst nur durchsuchen! Dort steht nämlich, wo Google das Programm zum Updaten auf dem eigenen Rechner versteckt hat. Dann dieses Programm ("...update.exe") mit dem ganzen Ordner, in dem es liegt, löschen. Anschließend den Registry-Schlüssel oben löschen.


GoogleUpdate-Plugin fort... ARSCHLÖCHER!


Wer das M$-Net.Framework-Plugin hat, kann dann unter der o.a. Quelle nachschlagen, wie man auch davon die Überbleibsel los wird.

Wie lange sie brauchen, um sich sich was neues zum Schnüffeln und Verstecken auszudenken (Stasi-Jargon: Konspiration) werden wir sehen.

Weitere Hilfestellung auch hier.

Filialen und Kleintiere


Neues vom Helferlein Rechtschreib


In die Tastatur gemeißelt ward:
Filialterrier
Gemeint war genau dieses: Weil nämlich das Kompositum aus zwei einzelnen zusammengesetzte Wort Filialterrier die zu beschreibende Person hinreichend genau zu beschreiben versprach. Angeblich können Rechtschreibhilfen Kompositwörter erkennen und verbessern. In der Praxis aber wohl eher nicht. Filial und Terrier finde ich nicht so seltene Wörter, und einzeln werden die auch nicht beanstandet. Aber im Zusammenhang.

Anstatt es dabei zu belassen, dass so ein Begriff dem Helferlein schlicht unbekannt ist, kommen wieder Verbesserungsvorschläge. Ich glaube langsam selbst dran. Warhscheinlich habe ich eins der folgenden gemeint (Google sagt ja immer so):
- Filialbetrieb

- Filialleiter

- Filialvorsteher

- Filialunternehmen
Je nun: "Janz schön dicht dran, wa? Nich schlecht für jeraten!"

Das "Warhscheinlich" das ich da oben versehentlich getippt habe, ausnahmsweise ohne dafür Verwendung zu haben, wird übrigens nicht beanstandet. Dann warh das wharscheinlich ganz richtig - und ich habs nur nicht gemerkt.

22 März 2009

Träume

Gestern habe ich was geträumt...

Naja, es wird einem ja immer gesagt, dass man jede Nacht träumt, und reichlich, nur - ich kann mich da nie dran erinnern. Oder jedenfalls selten. Ist vielleicht auch besser so. Gestern aber:

Ich war in einem Einzelhandelsgeschäft und stellte fest, dass von einer Tüte Bananenstecker ... ja, das glaubt ihr jetzt wieder nicht, dass ich von Bananensteckern träume, oder?

So sicher bin ich mir da jetzt auch nicht mehr, jedenfalls war es ein Non-Food-Laden, und die Tüte war klein und lag in einem Regal in Augenhöhe, meine Augenhöhe, also ziemlich weit oben, und wie ich dran vorbei schlendere sehe ich, dass an der Tüte das Preisschild runtergefallen ist und auch bei einem neuen Versuch nicht mehr kleben will.

Und weil mich das stört, und weil ich sowas unordentlich finde, wenn irgendwo kein Preis fest dran ist, auch wenn ich wach bin übrigens, habe ich meinen kleinen Edding genommen und den Preis von Hand drauf geschrieben, ganz ordentlich, in blau.

Die Tüte sollte 1,19 kosten, und ich schreibe in so 'ner Ingenieurschrift, früher hieß das Normschrift, und komme auf der kleinen verknautschten durchsichtigen Tüte von der 1 über das Komma und die nächste 1 bis zur ° von der 9.

Aber gerade bevor ich noch den senkrechten Strich hinten ran machen kann, der aus der ° eine 9 macht - in Normschrift geht das, hier im Internet nicht - kommt der Filialleiter angefegt und macht Terz: Ich sei ein Betrüger und wollte absichtlich den Preis verfälschen, und das sei Betrug und ich außerdem ein Betrüger und dafür müsste ich ...

Ich wollte natürlich erklären, aber der Filialleiter, der übrigens blond und 10 Jahre jünger und einen Kopf kleiner war, hörte überhaupt nicht zu und schnatterte total hektisch immer weiter, dass das Betrug sei und ich dafür ... und ich wusste nicht ob ich mich nun schämen sollte oder dem durchgeknallten Hysteriker eine runterhauen, oder beides.

Am schlimmsten war aber, dass ich meine 9 nicht fertig malen konnte, weil der Oberfilialterrier mich mit seinem lautstarken Gewinsel davon abhielt. Und ich setzte immer wieder an zum Schreiben und der Typ drehte immer mehr am Rad und meinte dafür müsste ich...

Dann wachte ich schweißgebadet und mit Herzklopfen auf. Die Sache hängt mir immer noch nach: Diese halb fertige 9. Und was ich dafür nach Ansicht des Filialleiters müsste, habe ich auch nicht herausgefunden.

Ein Tüte Bananenstecker für 1,19.

Nein, ich habe als Kind nie geklaut, nicht mal Bananenstecker, warum auch?

21 März 2009

Oijoijoi...


Eigentlich ein Fall fürs Helferlein Rechtschreib
oder
Ankunft auf der Meta-Meta-Witzebene


Automatische Besucherstatistiken sind was feines. Man kann sehen, wer einen im Blog besucht hat, und wie ausgeprägt die Rechtschreibschwäche ist, unter der er leidet. Hier ist so ein Fall. Da hat jemand "gogel und mäx" eingetippt - und landet zuerst beim Großen Bloguator™: Sehr schmeichelhaft. Fragt sich nur: Wieso eigentlich? Oder sollte ich diese Frage besser gar nicht stellen? Aber dann hab ich ja nichts mehr zu schreiben.


Zurück zur Frage "Wieso eigentlich?". Keimt nämlich zuerst der Verdacht, dass das Aufmerksamkeitsdefizsyndrom (s.a.a.O.) vielleicht doch beim Großen Bloguator™ liegt, und er irgendwie genau so getippt haben könnte, wie er normalerweise spricht.

Sehen wir uns nochmal den verlinkten Artikel an: Da geht es um Google und Max. Und hier hat sich wieder eins der Helferlein Rechtschreib ins Spiel gebracht, das wohl sowas wie eine lesende Spracherkennung für Schwaben und Badener zu haben scheint. Anders kann ich mir das nicht erklären. Diesmal das Helferlein von Google, das einem immer sagt, was man seiner Meinung nach wirklich gemeint haben müsste - auch wenn man das in der Regel nicht gemeint hat.

Meta wird die Sache dadurch, dass es in dem verlinkten Artikel um genau dasselbe geht, wie hier, in diesem: Nämlich um Suchergebnisse, die der Suchende so bestimmt nicht erwartet hat. Und von dort wird weiter verlinkt - zum Ursprungsartikel, in dem die beiden gesuchten Wörter (wir sind immer noch bei "gogel und mäx") ebenfalls so nicht vorkommen.

Wenn man übrigens "gogel" und "mäx" alleine gugelt, bekommt man reichlich Antwort, und wahrscheinlich jede zutreffender als die im hiesigen Blog. Tja. So isses nunmal, das Leben, was?




und wenn mir in Kürze wieder der Stoff ausgeht, zeige ich Euch die Korrekturvorschläge zu "gogel", "mäx" und "gugelt". Könnt Ihr aber auch zu Hause schon mal selbst nachkochen.

20 März 2009

Musik - 2 - 3 - 4!

Ja, weiß jetzt nicht, ob die beiden hier gefeatur(e?)ten Künstler in der selben Liga spielen: Ich entdecke aber schon Ähnlichkeiten.

Da geht es einmal um Bob Dylan, den ich persönlich ...überhaupt nicht ausstehen kann... wohl dialektisch betrachten muss. Aber er singt ... macht ... spricht ja auch nicht selbst, sondern ein gewisser Sebastian Cabot, von dem ich vorher noch nie gehört hatte.¹

Und dann einen, den man in unseren Breiten ganz gut kennt, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat: Captain Kirk singt. Wir wollen's mal singen nennen. Ich persönlich mag das eigentlich nur an den Stellen, wo der geniale Joe Jackson mitmacht und frage mich schon, wie Shatner es wohl geschafft hat, einen Neurotiker wie den Jackson zur Teilnahme an so einem Trashprojekt zu überreden.






¹ na gut, weil Ihr es seid - zum Ausgleich noch eine bekanntere Version davon: Da.

19 März 2009

Wie?

"Wie geil ist das denn!"
Naja, in meiner Jugend waren Sätze, die mit "wie" anfingen, meistens Fragen.

Andererseits. Auch damals schon gab es beispielsweise Ratgeberhandbücher: "Wie man sich als Klugscheißer unbeliebt macht..."



"... Besserwisser, um genau zu sein!"

(das ist der gespielte Witz, den jeder, der mich kennt, mit mir zusammen aufführen muss)

18 März 2009

Hinweis an meine gestressten Freunde...

... wenn Ihr Eure Ruhe haben wollt, fangt schon mal an zu sparen: Ich würde dieses als Geburtstagsgeschenk akzeptieren.

Kleingedrucktes: Dieses mein großzügiges Angebot ist befristet bis Ende 2009. Weil: ICH™ bin ja nicht genervt.

Es gibt allerdings keine Garantie. Und die Hersteller gehen davon aus, dass man auf dem Rücken schläft. Und wenn nicht? Dann kann man das Teil vielleicht wenigstens zur Herstellung von Milchschaum verwenden.

Klaus? Hallo? Liest Du hier mit...?

Falls die Investition doch zu groß ist: Die haben auch ein kleines Theremin - das wäre günstiger.

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