10 August 2007

Die BVG will...

 
... mit klassischer Musik ihre obdachlosen Dauergäste und Dealer aus den U-Bahnhöfen vertreiben. Genau so steht es sinngemäß in der Meldung. Hallo? Hab ich was verpasst? Ist schon wieder der 1. April?

Ach, noch nicht? Dann werfen sich da einige Fragen auf, etwa: Was hat denn der Otto Normal-BVG-Manager wohl für ein Weltbild? "Der Obdachlose muss den Einsatz klassischer Musik als Affront betrachten... und wird deshalb naturgemäß unseren schönen Bahnhof fluchtartig verlassen, weil er ja so viel Kultur gar nicht aushält!" Und sein Kollege assistiert überzeugend: "Genau! Und für den Dealer mit Migrationshintergrund ist klassische Musik aus Europa ja wie ein Angriff auf seine Kultur, wir wissen doch, wie die sind..."

Dem Obdachlosen wird fehlende Bildung und außerdem eine Kulturallergie unterstellt, die ihm quasi köperlichen Schmerz verursacht, weshalb er sich der akustisch vorgetragenen Kultur nicht aussetzen möchte. Und die Drogenhändler, naja, sie wissen doch, wie die sind.

Zum Glück sind die Mitarbeiter der BVG auf den Bahnhöfen alle gebildete Leute und überaus kulturaffin, dort arbeiten überall geborene Klassikliebhaber, erkenne ich daher im Umkehrschluss: Die Mitarbeiter müssen das Gedudel ja auch ertragen, dürfen den Bahnhof während der Arbeitszeit aber wahrscheinlich eher nicht verlassen.

Nein, die Meldung stammt vom 6. August und nicht vom 1. April.

Ich vermute, dass bei solchen Arbeitsbedingungen die BVGler völlig taub sein müssten¹. Oder sie sind kultur- und bildungsmäßig so dumpf, dass sie zwischen Klassik und Gangsta-Rap gar nicht unterscheiden können. Diesen Eindruck - also den mit der Dumpfheit - hat man ja sowieso öfter.

Wir halten fest: Obdachloser → Klassikallergiker. BVG-Boss → Klassikauskenner mit sehr simpel gestricktem Weltbild. Ob so ungebildete Leute irgendwo etwas zu bestimmen haben sollten, ist doch sehr die Frage. Was? Genau, meine die BVG-Manager, nicht die Obdachlosen natürlich.


¹ vielleicht hat diese Aktion aber auch die erfreuliche Folge, dass man die Kontrollettis an den Gehörschützern erkennt, die sie dann aus Gründen des Arbeitsschutzes tragen müssen?
 

Kommentare:

Jochen Hoff hat gesagt…

Jibbet denn noch BVG-Miitarbeiter auf den Bahnhöfen. Ick seh die nur als Passagiere oder wenn sie am Fehrbelliner den Fahrer wechseln. Aber doch nich uffe Bahnhöfe. Was sollten die auch da?

Allerdings wird das nix mit die Kulturdingsda. Da isse die Gema vor. Die wollen nämlich Kohle für die Abspielrechte. Dat wird teuer.

Jetzt überlegen sie, Rumänen zu importieren, die können auch schön laut und schräg. Dat vertreibt jeden.

Die Rumänen sind übrigens Subunternehmer und müssen ihre Gema selber zahlen. Aber die Gema wird kein Lied erkennen, so schräg spielen die.

Die BVG sorgt auch nur für die Anreise. Den Unterhalt erzwingen die dann mit vorgehaltener Geige.

<°((( ~~ hat gesagt…

Lass mich raten: Du wohnst auch in Schöneberg und begegnest regelmäßig dem rumänischen Streetmusic-Rollkommando? In Kreuzberg ziehen die allerdings auch rum.

Die spielen auch Guantanamera - mit einem starken Schlag ins Polkahafte... ob sie dafür GEMA zahlen, weiß ich nicht. Kann ich sie eigentlich mal fragen.

Anonym hat gesagt…

Ist nicht in ordnung was die machen. Ich hab keine wohnung, bin obdachlos, und spiel verschiedene instrumenten und jazz trompete. Trompete ist ein verbotenes instrument bei der BVG stellen, aber nicht in Deutschland.

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