20 September 2011

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft


Heute: Hanf

Wir befinden uns in nicht allzu ferner Zukunft, auf einem Planeten, den die ersten Besucher von der Erde "Frankensteins Zoo" getauft haben. Das hat mit den Eigenheiten des Planeten zu tun, die nicht in allen Punkten den menschlichen Erwartungen entsprechen. Die ersten Besucher von der Erde sind eine dreiköpfige
Raumschiffbesatzung bestehend aus dem Kapitän, dem Arzt und einem
Ingenieur, der nicht spricht.
Ein riesiger Schleimpilz liest Gedanken und formt mit seinem flexiblen Fruchtkörper zuweilen die vorgefundenen Phantasiebilder eins zu eins nach, ein unheimlicher Pantomime.

Im Zuge der ersten relativistischen Reise wird den ersten relativistischen Reisenden immer unklarer, ob dieser Planet und sein Sonnensystem nun zwölf oder hundertzwölf Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Oder irgendeine beliebige andere unüberwindliche Entfernung. Sie werden von Heimweh, Sehnsucht und einer gewissen schöpferischen Unruhe heimgesucht. Manchmal ist ihnen langweilig.




"Sagen sie, Käptn, ist das wirklich Hanf, was ich da draußen hinter dem Wäldchen gesehen habe?"

"Ja, Doc, wieso?"

"Warum sagen sie mir nichts davon? Haben sie den hier gefunden?"

"Wieso?"

"Das ist eine Revolution - wenn es hier genau denselben Hanf gibt wie auf der Erde. Dann muss es irgendeine Verbindung geben von hier zur Erde, zwölf Lichtjahre. Wo haben sie den gefunden?"

"Nirgends. Der ist nicht von hier."

"Nein?"

"Nein."

"Sondern? Warum pflanzen sie ihn dann an? Sind sie wahnsinnig?"

"Ich? Nicht mehr als jedes andere Besatzungsmitglied. Ich habe einen Test bestanden. Wie sie."

"Sie können doch den Planeten nicht mit Exoflora von der Erde kontaminieren!"

"Mit was?"

"Mit fremden Pflanzen! Schlimmm genug, dass wir hier sind, schon das ist ein Eingriff in das Ökosystem. Sie müssen völlig wahnsinnig sein! Und nur weil sie kiffen wollen! Der Wein reicht wohl noch nicht?"

"Kiffen? Wie kommen sie darauf? Ich will doch nicht kiffen!"

"Wofür sonst sollten sie Hanf brauchen? Haben sie zuviel freie Zeit? Wollen sie sich ein leinenes Leibchen häkeln, aus möglichst groben kratzigen Fasern?"

"Ich? Nein."

"Was dann? Was!?! Denn!?! Dann!?!"

"Ich mag den Geruch."

"Den Geruch? Das ist alles?"

"Das erinnert mich an meine Jugend. An die Schulzeit. Wenn wir am See am Lagerfeuer gesessen und gekifft haben, mit der Clique."

"Also doch! Und jetzt kiffen sie nicht mehr? Das soll ich glauben?"

"Die anderen haben gekifft. Ich nicht. Ich habe mir geschworen, dass ich nichts anfage, wofür ich rauchen muss. Da zählte das Kiffen dazu."

"Die anderen haben gekifft und sie nicht? Wie lange kann das gutgegangen sein? Zu der Clique haben sie nicht lange gehört, oder? Die haben so einen Langweiler sicher bald verstoßen, oder?"

"Keineswegs. Das waren Kiffer - so kleinlich waren die nicht."

"Und sie, als einziger nüchterner unter lauter Bedröhnten? Das ist doch immer furchtbar, über keinen Witz kann man mitlachen, weil das für nüchterne Menschen überhaupt nicht lustig ist."

"Na, sie kennen sich ja doch ganz gut aus, Doc."

"Vielleicht."

"War für mich jedenfalls nicht so schlimm, ich habe mich an die berauschenden Getränke gehalten und war zufrieden."

"Zufrieden."

"Ja. Immerhin habe ich so den Raumfahrer-Test bestanden: Nicht das geringste bisschen Droge in den Haaren, weil ich eben nie welche genommen hatte. Für einige sehr hoffnungsvolle Talente war das das Ausschlusskriterium, Drogentest positiv, noch Jahre nach dem letzten Konsum. Zack - und weg! Haaa haaa haaa, diese schmierigen Streber, die immer den Alpha-Rüden hinterher gehechelt sind, dem dröhnenden Chef ihrer Clique stets zu Diensten. Schleimscheißer!"

"Käptn?"

"Nichts für ungut, ich bin nicht schadenfroh. Fast nicht. Ich habe den Test jedenfalls bestanden."

"Und der Hanf da draußen?"

"Ich schätze den Geruch."

"Den Geruch?"

"Haben sie ein Problem mit den Ohren Doc? Damit sollten sie einmal zum Arzt gehen ... oh, hier sind sie ja der Arzt!"

"Käptn! Was ist mit dem Geruch?"

"Ich schätze den Duft. Das erinnert mich an frühere Zeiten, angenehme Erlebnisse, meine Jugend, dann kann ich mich entspannen, in den Horizont sehen und brauche gar keine Drogen."

"Außer dem Chardonnay."

"Der zählt nicht als Droge."

"Aber sie hätten die Hanfsamen zum Verbrennen doch im 3D-Erzeuger herstellen können! Völlig ohne Kontamination."

"Das ist nicht dasselbe. Wenn er natürlich wächst, dann kann man den Pflanzen dabei zusehen. Zuerst ist man gespannt, bis überhaupt etwas aus der Erde schaut, dann kann man sich jeden Tag darüber freuen, dass die Pflanze ein wenig größer geworden ist. Irgendwann wird bedächtig geerntet. Das ist ein großer Erfolg."

"Sie meinen, dass sie so eine Art Zen-Mediation daraus machen?"

"Mit Zen kenne ich mich nicht so aus. Meditation: Wahrscheinlich schon."

"Aber die Kontamination! Sie bringen fremde Pflanzen hierher! Wissen sie, was auf der Erde allein durch den Transport von Pflanzen und Tieren zwischen den verschiedenen Kontinenten passiert ist?"

"Kennen sie den Schmetterlingseffekt?"

"Bitte? Was soll der hier?"

"Es gibt dazu zwei Theorien."

"Seit wann?"

"Immer schon. Bekannt geworden ist irgendwie nur die eine: Dass etwa der Flügelschlag eines Schmetterlings in China eine winzige Luftbewegung auslösen kann, diese Luftbewegung eine Wolke, die Wolke einen Sturm und dass der Sturm Wochen später Wolkenbrüche in Europa verursacht. Der Schmetterlingseffekt in dieser Bedeutung besagt also, dass der winzige Flügelschlag des Schmetterlings in China eine gewaltige Wetterkatastrophe in Europa auslösen kann."

"Ja, kannte ich. Worauf wollen sie hinaus?"

"Die andere Theorie sagt das Gegenteil: Dass ein vergleichsweise kleines Ereignis wie der Lufhauch eines Schmetterlingsflügels durch die Größe der Umgebung einfach gedämpft wird, und zwar bis zur Bedeutungslosigkeit. Dass der Flügelschlag des Schmetterlings schon nach einem halben Meter gar nichts mehr verändert."

"So? Sagt sie das?"

"Welche These wirkt auf sie wahrscheinlicher?"

"So wie sie es darstellen, die zweite."

"Sehen sie?"

"Ich sehe gar nichts. Haben sie mal davon gehört, was passiert ist, als die Europäer Katzen und Hunde auf die Südseeinseln importiert haben?"

"Ja, naja, habe ich."

"Nach kurzer Zeit waren alle bodenbrütenden Vögel ausgerottet. Auf derartige Fressfeinde waren sie einfach nicht eingerichtet. Wo ist da ihr Schmetterlingseffekt, zweite These?"

"Na, immerhin, wenn die Katzen und Hunde nichts einfach Jagdbares mehr finden, wenn ihnen die Nahrungsgrundlage fehlt, dann verschwinden sie wieder..."

"Aber die ausgestorbenen Kiwis sind dann immer noch ausgestorben, oder?"

"Schon, ja, schon."

"Also?"

"Sie müssen sich keine Sorgen machen, Doc."

"Käptn! Und ob ich mir Sorgen mache! Und ob! Sehr wohl mache ich mir Sorgen!"

"Kein Grund dazu: Mein Hanf ist unfruchtbar."

"Unfruchtbar? Sind sie da sicher?"

"Bin ich. Ich habe einen gewählt, der steril bleibt. Und die hiesigen Insekten mögen ihn auch nicht."

"Das haben sie kontrolliert?"

"Klar: Ich habe eine Kamera aufgestellt und eine Beobachtungssoftware installiert. Selbst die famosen hirnlosen Tiere rühren ihn nicht an. Fast schon erstaunlich. Aber es funktioniert."

"Das war ein großes Risiko, Käptn!"

"Aber es funktioniert!"

"Ach, ja, das war der eigentliche Grund, weshalb ich sie darauf ansprach..."

"Warum? Alles in Ordnung! Was kann denn jetzt noch sein?"

"Ich habe vorhin gesehen, wie sich der telepathische Schleimpilz über ihre Plantage hermacht."

"Was?"

"Er fräst eine Schneise."

"Was? Mein Hanf!"

"Offenbar weidet er ihn ab."

"Aaaaah! Mein Hanf! Wissen sie, wie lange ich dafür gebraucht habe?"

"Keine Ahnung. Kann nicht sehr lange dauern, bis so eine Pflanze wächst. Ein paar Tage?"

"So viel Geduld habe ich nicht! Mein Hanf! Sie haben mir das eingebrockt!"

"Wieso ich?"

"Sie haben ihren telepathischen Schleimpilz auf meinen Hanf gehetzt! Sie!"

"Ich habe nur gedacht, dass es doch sehr interessant wäre zu wissen, was der geheimnisvolle Pilz mit einer Pflanze macht."

"Und der Pilz liest ihre Gedanken und stürzt sich auf meine Plantage!"

"Ich konnte doch nicht wissen, dass das ihr vollkommen unsinniger Exo-Hanf ist."

"Und jetzt?"

"Ich weiß es nicht. Aus dem Schleimpilz kommt bisher nichts wieder raus."

"Was bedeutet das?"

"Ich habe keine Ahnung, was er damit macht."

"Und jetzt?"

"So etwas haben sie nicht vorhergesehen, oder?"

"Dass sie ihren telepathischen Schleimpilz darauf hetzen? Nein!"

"Dass doch irgendeine Kreatur ihren Hanf verzehrt."

"Ich hatte alles bedacht! Ich habe Sicherheits­vorkehrungen!"

"Dafür nicht."

"Doch!"

"Offensichtlich nicht."

"Ich konnte doch nicht ahnen, dass..."

"Kennen sie das Problem mit der Kernkraft?"

"Was hat das hiermit zu tun? Lenken sie nicht ab! Kernkraft ist historisch!"

"Die Konzerne behaupteten damals immer, dass sie für jede denkbare Situation eine Sicherheits­vorkehrung hätten."

"Hatten sie aber nicht."

"Genau: Hatten sie nicht. Es traten nämlich regelmäßig Situationen ein, an die bis dahin niemand gedacht hatte. Überaus unwahr­scheinliches Material­versagen, Natur­katastrophen, oder schlicht menschliche Dummheit."

"Mein Hanf ist kein Kernkraftwerk!"

"Mag sein. Immer wenn eine sehr unwahrscheinliche, eigentlich gar nicht vorstellbare Katastrophe doch eingetreten war, traf man Vorkehrungen gegen genau solch ein Unglück. Welches sich dann aber nie wieder ereignete. Rausgeworfenes Geld also. Dafür kam ein anderes, ebenfalls sehr unvorstellbares Ereignis. Nichts zu tun wäre verant­wortungslos gewesen. Genauer gesagt: Es hätte die tatsächlich vorhandene Verantwortungs­losigkeit nur deutlich offenbart. Also tat man irgendetwas. Bis das nächste Unglück kam. Gegen das man im Nachhinein auch wieder eine Sicherheits­vorkehrung einrichtete. Dadurch verteuerte sich aber die Energie. Irgendwann gelangte man zu der naheliegenden Einsicht, dass es gegen unvorstellbare Ereignisse keinen planbaren Schutz geben kann. Die einen lebten dann ohne den Schutz und mit den Katastrophen, die anderen ohne Kernkraft und ohne atombedingte Katastrophen. Aber das ist heute ja zum Glück vorbei."

"Trotzdem ist mein Hanffeld keine Atomanlage!"

"Ich bin gespannt, was der Schleimpilz daraus macht. Sehr gespannt."

"Ich bringe ihn um, ihren Schleimpilz!"

"Da bin ich gespannt."

"Wieso?"

"Er kann ja auch ihre Gedanken lesen, nicht nur meine. Er hat sich noch nicht durch ihr ganzes Feld gefräst, wenn sie sich beeilen können sie vielleicht noch einiges retten."

"Ich bringe ihn um, ihren Schleimpilz!"

18 September 2011

Eigene Nase fassen

Wenn alle, die im letzten Jahr im Flugzeug gesessen haben, brav zu Hause blieben, dann wären unsere Demos gegen Fluglärm sicher sehr schlecht besucht.

17 September 2011

Enge im Gedränge

Beispielsweise Musikveranstaltung im LIDO

"Wenn du mich schon dauernd knuffst musst du mir auch deinen Namen sagen."

"Oh, das tut mir schrecklich leid! Entschuldigung!"

"Deinen Namen!"

"Das war keine Absicht! Wirklich!"

"Ich habs ganz gerne, wenn ich geknufft werde. Aber ich weiß auch gerne, von wem. Jetzt musst du mir deinen Namen sagen."

"Bitte, das ist so voll hier ... ich bin untröstlich! Verzeihung!"

"Den Na-men!"

"Patrizia."

"Das ist eine Rosensorte. Ich wollte deinen Namen."

"Fabia."

"Schön, jetzt weiß ich, was für ein Auto dein Papa fährt. Und jetzt deinen Namen?"

"Sandrine."

"Aha? Sandrine!"

"Ja."

"Möchtest du mich weiter knuffen, Sandrine?"


14 September 2011

Ungeschick

Irgendwelche Dödel haben es am Wochenende doch tatsächlich geschafft, die Scheibe unserer Büroküche von außen einzuwerfen. Unser Büro liegt im zweiten Stock.

Da muss man überhaupt erst mal rankommen. Blödmänner!



Ist übrigens eine interessante Verbundfenster-Konstruktion, die man da sieht, Doppelscheiben in zweiteiligen hölzernen Flügelrahmen.

09 September 2011

Krach

Ich wünsche mir Krach
ohrenbetäubenden Lärm
atemberaubenden Radau

der einem das Herz stehen lässt
weiße Flecken vor den Augen macht
und das Blut zum Schäumen bringt

aus einer Anlage
mit Lautsprechern in Hochhausgröße
bis zum Anschlag aufgedreht

wo bei den Bässen
das Licht in meinem ganzen Wohnblock flackert
wo einem wenn man sich davor stellt
das Haar nach hinten weht

wo die Sonne sich verfinstert
die Wolken vom Himmel fallen
der Regen waagerecht regnet
und Moskitos und Wespen
einfach platzen
wie die Köpfe der Außerirdischen
in Mars Attacks!

wo die Nachbarn an ein Erdbeben glauben
oder einen Vulkanausbruch im Treppenhaus
wo eine gigantische Welle von Geräusch
einen packt und trägt und mitschleift
und fünfzehn Meilen landeinwärts wieder absetzt
leicht beschädigt
aber glücklich

wo Geschirr und Bücher und selbst Tischdecken
über Tische wandern bis zum Rand
wo sich
an den Wänden fest verschraubte Gegenstände
lösen und zu Boden fallen
und wo das alles ganz egal ist
 
weil es endlich einmal
genau der Krach ist
den ich mir wünsche.


... hm?


Na, beispielsweise so:

Violence - Blink 182

08 September 2011

Technik

Ich fürchte fast, Technik Skeptik wird eine neu Rubrik. Na, vielleicht auch nicht.

Letztes Wochenende war ich in einem Leihwagen vom großen Autokonzern aus dem deutschen Südwesten unterwegs. Das Autochen war ein kleiner Transporter, fuhr gut, hatte keinen überflüssigen Schnickschnack und erfüllte seinen Zweck. Im Großen und Ganzen. Es gab nämlich eine anstrengende Seltsamkeit: Die Innenraum-Beleuchtung.

Seit einigen Jahren geht die Innenbeleuchtung bei Autos nicht mehr einfach an, wenn die Tür auf ist, und aus, wenn die Tür zu ist. Sondern.

Sondern es gibt so seltsame Ein- und Ausblend-Effekte. Das kennt man aus der Musik, und auch da war es schon nervig: Fade-Out statt einfach Schluss. Ein- und Ausblend-Effekte mögen eine theoretische Grundlage haben - wo auch immer die liegt - aber genau betrachtet sind sie bestenfalls überflüssig. In diesem Fall nicht nur das, sondern sie stören bei der Nutzung des Fahrzeugs.

Das Innenlicht eines gewöhnlichen PKW hat meist drei Schalterstellungen: Dauer-Ein, Aus und Tür-abhängig. Wo es keine sinnvolle Beschriftung gab, konnte man früher ganz leicht herausfinden, wie der Schalter funktioniert: Durch Türöffnen. Tür auf → Licht an. Tür zu → Licht aus. So war das früher. Heute nicht mehr.

Heute muss man erst eine, zwei, fünf oder fünfzehn Minuten warten, bis nach dem Türschließen das Licht allmählich aus geht. Oder auch nicht. Dann kann man die andere Schalterstellung probieren. Und dann die dritte. Und das Abziehen des Zündschlüssels ändert am Licht überhaupt gar nichts. In dieser Zeit hat man aber auch die Batterie locker abgeklemmt und ist dann wenigstens ganz sicher. So weit wollten wir beim geliehenen Auto nicht gehen, waren aber kurz davor.

Noch besser - im Sinne von: "Unvorstellbar dämlicher in kaum beschreiblichem Ausmaß" - war aber die Leuchte des Laderaums.

Der Laderaum beim bewussten Fahrzeug hat keine Fenster. Dadurch kann man weder durch einen Innenspiegel nach hinten sehen, noch den üblichen Radfahrerblick anwenden, sondern muss sich auf die Außenspiegel verlassen - das Fahren wird erheblich gefährlicher, dafür spart der leasende Unternehmer nochmal gute 20 Euro für zwei einfache Scheiben. Diese Ausstattung ist beim gewerblichen Kastenwagen heute nämlich üblich, solche fahren hier in der Stadt tausende. Aber beim Betätigen von jedem Schalter, Türgriff oder Schloss hört man irgendwo unter dem Blech einen Stellmotor summen. Für vierzig Stellmotoren hat beim Hersteller die Kohle doch gereicht und der Käufer kann sie beim Erwerb auch nicht weglassen.

In den Laderaum kann man also von außen nicht hinein sehen. Als abends das Licht wieder einmal nicht verlöschen wollte, fragten wir uns irgendwann: Wie? Also: Wie mache ich das Licht aus - wo ist der Schalter? In einem übersichtlichen Laderaum mit nackten ungepolsterten Blechen sollte ein Schalter nicht schwer zu finden sein. Dachten wir.

Nach nur einer Viertelstunde der Suche im Betriebshandbuch stellte sich heraus: Der Schalter ist im Führerhaus. Von dort aus kann man ebenfalls nicht in den Laderaum sehen. Der Schalter verfügte sogar über eine Kontroll-Leuchte - die aber wiederum nicht einfach mit Ein und Aus verknüpft war, also, im erwarteten Sinne: Laderaum-Licht ein → Kontroll-Leuchte an, Laderum-Licht aus → Kontroll-Leuchte aus. Sondern es gab keinen erkennbaren Zusammenhang. Vielleicht hätten wir uns nur eine Dreiviertelstunde in den geschlossenen Laderaum setzen müssen um zu erkennen, dass das Licht doch irgendwann aus geht. Zugegeben: Haben wir nicht getan. Sondern lästern hier.

Wir fassen zusammen: Mercedes baut ein Auto, bei dem ein einzelner Fahrer kaum herausfinden kann, ob die Laderaum-Beleuchtung am nächsten Morgen die Batterie leer gesaugt haben wird oder nicht.

Wenn man mich fragt, würde ich schätzen, dass die entsprechende ENTWICKLUNGSABTEILUNG INNENRAUMBELEUCHTUNG beim Hersteller so um die hundert bis zweihundert Leute umfasst. Außerdem würde ich schätzen, dass alle anderen Hersteller genauso unfähige Entwicklungs-Abteilungen haben, bzw. ausschließlich aus so unfähigen Abteilungen bestehen. Aber ich wollte ja ohnehin weniger Autofahren. Freuden des Fortschritts!

07 September 2011

Wahrnehmung

Eines der Lieblingswörter des Großen Bloguators™ ist ja Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom: Weil es so viele Silben hat, so schön fremd und ansprechend kompliziert klingt und einen Makel beschreibt, von dem die meisten Menschen in der Umgebung des Großen Bloguators™ regelmäßig befallen zu sein scheinen sind. Eines der wichtigsten Wörter, um die real existierende Wirklichkeit zu beschreiben also.

Hier befassen sich Forscher mit Wahrnehmungsdefiziten und - in überraschender Ergänzung - mit der Tatsache, dass viele Menschen diese ihre eigenen Wahrnehmungsdefizite rundheraus bestreiten:



Im vorliegenden Fall wird ein Passant nach dem Weg befragt und bemerkt nicht, dass er jemand ganz anderem antwortet als dem, der ihm die Frage gestellt hat.

Ein sehr boshaftes, aber auch schönes Experiment - der Große Bloguator™ wünscht, die Idee wäre von ihm.

Die auf der Webseite vorgestellten Experimente leben aber teilweise von der bewussten Täuschung: Nämlich der Veränderung im Detail. Beim oben gezeigten Film etwa ist ja der Passant völlig arglos, kennt den Fragesteller erst seit drei Sekunden und die beiden Schauspieler haben eine gewisse Ähnlichkeit.

Immerhin wäre interessant zu sehen was passiert, wenn ein Mann durch eine Frau ersetzt wird (Forschungsbeitrag aus dem Thinktank Goldfischglas).

Hier ein weiteres simples Experiment, welches eben auch die Schwäche des Experiments und die Schwäche der These verdeutlicht: Wer die Veränderung nicht erwartet, wird sie weniger wahrscheinlich wahrnehmen und hinterher eher seiner eigenen Wahrnehmung vertrauen als Behauptungen fremder Leute (tut jedenfalls der Goldfisch).



Mit anderen Worten: Menschen lassen sich täuschen. Diese Erkenntnis ist so neu nun auch wieder nicht. Schade.

06 September 2011

Aus gegebenem Anlass


... aus gegebenem Anlass weise ich hier außerdem auf das famose Skizzenblog vom Herrn Claus Ast hin, der mir erlaubt hat, diese treffende Illustration einer Gemütslage hier im Blog zu verwenden.

Zurückmeldung

So, bin wieder zurück von einem weiteren wunderbaren Ausflug ins Segelparadies: Es war so hammermäßig wie bisher jedes mal. Aber jetzt bin ich wieder da. Kann dann hier weitergehen, eigentlich.

Atmosphärische Aufnahme, Umgebung

31 August 2011

Technik-Skeptik

Der Weise sagt:
Das iPad kann die Zeitung nie ersetzen.
So sehr du es dir auch wünschst - versuche doch einmal,
dir mit dem iPad den Hintern abzuwischen.
Aber der Weise ist weit weg und schon haben die Finnen wieder einen Natioalsport daraus gemacht, in welchem sie auf Jahrzehnte den Weltmeister stellen, genau wie im Mobiltelefonweitwurf:
Hinternabwischen-mit-dem-iPad!
Steve Jobs wird jedes Jahr wieder ehrenhalber eingeladen, den Juryvorsitz zu übernehmen, aber irgendwie hat er dafür angeblich nie Zeit. So viel Humor hat er nur, wenn es um die Verhöhnung der Konkurrenz von Microsoft geht.

Eines Tages finden die Finnen aber den Uber-Joker und locken Jobs aus der Reserve: Sie laden Bill Gates ins Komitee ein. Steve Jobs tobt und kündigt sein Kommen unwiderruflich in einer weltweit übertragenen Videokonferenz an.

Was ihm entgangen ist: In Finnland gehört es zum Wettbewerb, dass die Juroren ebenfalls daran teilnehmen. Damit beweisen Juroren in Finnland, dass sie etwas von der Materie verstehen. Daraufhin hatte Bill Gates sofort zugesagt.

Der Weise ist inzwischen von seiner Reise zurück und sagt:
Willst du einmal mein neues Android-Handy probieren?
Unnachahmlich weich, sage ich dir!

29 August 2011

Zettel und Fone

...in einer Welt voller smarter Fone, wo jeder seine Notizen nur noch sehr weltgewandt und beiläufig ins Handy tippt, wird man nie mehr sorgfältig schöngeschriebene und zuletzt doch weggeworfene Einkaufszettel in Einkaufswagen finden. Das finde ich schade.


28 August 2011

Nachrichten

Eben in den Nachrichten:
Zum ersten mal seit zwölf Tagen hat in der letzten Nacht in Berlin kein Auto gebrannt.
Denkt man sich reflexhaft: Naja, es ist halt Urlaubszeit. Die Feuerteufel sind wahrscheinlich einfach verreist.

Aber eine Sache, die man in den Medien doch hin und wieder vermißt: Positive Meldungen. (nein, Adelshochzeiten sind noch keine positive Meldung). Normalerweise berichten Medien von Katastrophen, Kriminalität und Kommunalpolitik. Positive Erkenntnisse sind irgendwie keine Meldung wert.

25 August 2011

Muss ich mich entscheiden?

Blöde Wortspiele sind ja bekanntermaßen eine weitere besondere Stärke des Großen Bloguators™. Neben dem Segeln, das er auch nicht so richtig kann. Aber das nur nebenbei.

Eine Weile galt es als Zeichen für besondere Originalität, dass man nicht triviale Sprichwörter verwendete, sondern etwa Zitate aus dem Kleinen Prinz vom großen, aber toten Flieger Antoine de Saint Exupery¹, Codename aus gegebenem Anlass "Saint Ex". Wobei der Kleine Prinz ja tatsächlich eine ganz schöne und romantische Erzählung sein könnte und nur durch den bedenkenlosen Gebrauch verschiedener Textstellen so nervig wurde.

Etwa das "Man sieht nur mit dem Herzen gut". Wer darüber auch nur kurz nachdenkt, der erkennt geschwind: "Nee, du, mit dem Herzen sieht man gar nichts!"

Stattdessen ist da der Arschitekt und Zweifler, der nichts einfach so glauben kann, nur weil es ihm gesagt wird. Doch doch, es gibt auch genügend Arschitekten, die alles glauben, was man ihnen erzählt: Das ist unter anderem bequem und hat sicher noch weitere Vorteile. Aber Der Große Bloguator eben nicht, nein. Außerdem ist Sehen ja nicht alles. Zur Prüfung der konkreten Umstände des real sich abspielenden Lebens sind gefälligst alle Sinne zu gebrauchen, daher gilt: "Man sieht nur mit den Händen gut!" Anfassen und Betatschen rult! Yeah!

Und dann ist da die Sache mit der getrübten Sicht, die auch viele andere Leute betrifft, Stichwort: Blind wie ein Maulwurf. Und alle diese werden sicher zustimmen: "Man sieht nur mit den Augen gut..."

Jetzt ist wohl klar: Mit den Händen oder den Augen sieht man jedenfalls deutlich besser als mit dem Herzen. Muss ich mich entscheiden?




¹ verdammt, das war aus dem Kopf zitiert, richtig und mit allen Accents und sonstigen Schweinereien der französischen Sprache hieß der Mann Antoine Marie Roger Vicomte de Saint-Exupéry [ɑ̃tˈwan maˈʀi ʀoˈʒeː vikõt də ˌsɛ̃tɛgzypeːˈʀi], letzteres ist die korrekte Schreibung in Kukkusi-Wotisch. Na, vielleicht auch Komi-Syrjänisch.

23 August 2011

Analog-Pong

Ich kann gar nicht glauben, dass ich das hier noch nicht promoted werbetechnisch angepriesen habe: So alt und so gut ist das...

22 August 2011

Ware

Bei der letzten Verzeitgemäßerung¹ wurde mein Computer auf Malware untersucht. Aber damit ich stets malen kann, trage ich meine Malware immer bei mir und lasse sie nie im Computer liegen. Danke sehr freundlich - ob die mich wirklich für Michelangelo halten oder war das nur geheuchelt?




... aaaaaaaaaaaaaaaah ... schluchz! ... wie tief bin ich gesunken, dass ich solche Witze versuchen muss? ... aaaaaaaaaaaaaaaah ... schluchz! ... ²





¹ Alt-Neuhochdeutsch: Aktualisierung. Ganz-Neuhochdeutsch: Update.
² Nic wird das Stichwort Tabakwaren schon längst wiedererkannt haben, oder?

21 August 2011

Mehdorn lenkt AIR BERLIN

Lese ich da gerade in der Zeitung: "Mehdorn soll Air Berlin retten" und frage mich zuerst, ob es sich um einen Aprilscherz handelt. Aber wir haben August, April ist noch weit. Dann vielleicht doch eher "Sommerloch"?

Trotzdem muss ich erst einmal durchatmen. Das ist immerhin der Mehdorn, der seine umfassende Inkompetenz beim Großunternehmen Deutsche Bahn über Jahre hinweg eindrucksvoll unter Beweis stellte. Jemand, der in anderen Ländern längst wegen unheilbarer Unfähigkeit in Verbindung mit Vorsatz im Gefängnis sitzen würde, in Frankreich oder Italien allerdings Präsident wäre.

Erst danach wird mir klar, dass es sich bei dieser Besetzung um eine sehr konsequente Umweltinitiative handelt: Es soll weniger geflogen werden. Weniger Schmutz, CO2, Treibhausgase, Lärm.

Deshalb beruft man nicht irgendeinen beliebigen mittelkompetenten Wirtschaftsmacher, sondern Mehdorn zum Chef - da kann man sicher gehen, dass in kurzer Zeit nichts mehr funktioniert. Hat ja bei der Berliner S-Bahn auch hingehauen, und das ist nur eine seiner kleineren Referenzen. Die Landeshauptstädte, die nicht mehr mit dem ICE erreichbar sind, danken es ihm noch heute: Endlich weniger Zuglärm!

Nach langer juristischer Vorarbeit bietet die Bahn sogar für Langstrecken inzwischen regelmäßige Busverbindungen an, weil sich Züge für sie nicht mehr lohnen. Flexibilität überall. Mehdorn ist eine wandelnde Umweltinitiative und sozusagen die Allzweckwaffe in Sachen Umweltschutz: Weniger Verkehr für mehr Geld ist gleich Rendite dank Mehdorn.

Dass Deutschland es mit der Abrüstung ernst meint und wirklich irgendwann einmal weniger Waffen exportieren will, wird man daran erkennen, dass Mehdorn zum gemeinsamen Konzernlenker aller Waffenhersteller ernannt wird.

Die Berufung zum Chef von Air Berlin muss man insgesamt in der komplexen deutschen Haltung zum Umweltschutz sehen: Für den vorläufig endgültigen Ausstieg aus der Kernkraft musste auch erst eine Laufzeitverlängerung beschlossen werden. Nur die sturen und unflexiblen Grünen wollten einfach nicht einsehen, dass Politik heute nur noch so funktioniert, dass man erst Scheinzugeständnisse machen muss, um irgendwann später zum wahren Ziel zu gelangen.

Ja, ich bin sehr dafür, dass Hartmut Mehdorn diese neue Herausforderung annimmt, eine umweltschädliche Unternehmung endgültig zu Grunde zu richten zu sanieren.



... äh ja, Ihr Einsatz, Herr Satireministerium!

17 August 2011

Über die Kante¹

Wenn Drogenkonsum und halsbrecherisches Graffittiverhalten eine gefährliche Liaison eingehen:

 
Sorry, Foto ist vom Handy, daher ist die Qualität noch etwas mieser als die meiner ohnehin schon erbärmlichen Spiegelreflex: Olympus e-420, wie ich immer wieder betrübt erläutern muss



¹ neuhochdeutsch: Over the Edge

15 August 2011

Animiert und beseelt

Das hier ist hübsch:


Sie werben zwar mit einem Superlativ im Titel - das muss einen immer misstrauisch machen - aber es ist trotzdem ein witziger Film und eine schöne Idee, die ganzen Hintergründe, die sonst auf einem Zeichenblock oder an einem Tisch skizziert würden, auf einem Strand im Maßstab 1:1 darzustellen.

Deshalb wird die Sache erst richtig interessant, wenn man am Ende dem Making-of-Link folgt.

14 August 2011

Insektenparty

Sonntagnachmittag. Der Große Bloguator™ sitzt im Café Esseins am S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke. Es wird grade eine irrsinnige Wespenpanik-Polka gegeben.

Eine einzelne Wespe tut, was Wespen immer tun: Sie gibt einfach nicht nach und hört nicht auf, zu nerven. Und wieder - und wieder - und wieder - und wieder. Aus irgendeinem Grund ist das Café voll mit Wespenphobikern, und während die Wespe penetrant von einem Tisch zum nächsten wandert, sieht man, wie von den jeweils dort Sitzenden ein Veitstanz aufgeführt wird. Kein einziges Kind, nur Erwachsene, die sich alle sehr schwach unter Kontrolle haben.

Nachdem die Wespe erlegt ist und sofort die nächste erscheint, um ihr Beileid auszudrücken, reicht die Bedienung eine solide Waffe. Sieht aus wie ein Tennisschläger für Kinder, aus Plastik. Ist aber dreifach mit Draht bespannt und enthält batteriegespeisten Starkstrom. Autsch!

Aber mit Wespen hab ich wirklich kein Mitleid.





05 August 2011

Alltag in the Office

Grade eben im Büro: Fluchen aus dem Nachbarzimmer. Kurze Zeit später sieht man den zugehörigen Kollegen mit grauem Gesicht in der Küche.
"Was isn? Is was? Läuft was nich?"

"Hab grade eine Email an mich selber geschickt."

"Und dich dann gefragt, welcher Dödel dir solche Mails schickt, oder?"

"Ge-nau!"

"Hast wenigstens versucht, zurückzurufen?"

"'türlich! War aber besetzt."



Ökobioalternativ

Gestern: Bio-Bäckerei im hinteren Kreuzberg Sechsunddreißig, das ist tiefes Alternativ-Öko-Hausbesetzer-Kernland seit 1979, formerly known as SO36. Die Bäckerei bietet auch einen Mittagsimbiss. Man kann ihn im Sitzen essen, aber es dauert einen Moment.

Das sind die Gelegenheiten, bei denen Der Große Bloguator™ einmal im Jahr TAZ liest, Kampfblatt des dogmatischen Dogmatismus und beliebte Karrierestation ehrgeiziger Tendenzschreiber.

Auf dem Tisch liegt auch eine Zeitung. Aber nicht die erwartete TAZ - sondern die Financial Times. In Kreuzberg! In Sechsunddreißig! Daneben zur Steigerung der Absurdomanibilität ein Manager-Magazin.

Nicht dass dieser Bio-Bäcker nun besonders orthodox wäre. Nicht sehr orthodox ist die eine Seite ... aber mein Koordinatensystem gerät trotzdem ins Wanken: Kreuzberg! Sechsunddreissig! Der Bezirk hat schon präventive Fäkalien-Attacken auf Restaurants erlebt, nur weil dort mit Messer und Gabel gegessen werden sollte. Versus Financial-Times! Umfassendere Gegenpole sind im bekannten Universum kaum denkbar.

Während ich noch fasziniert in der Betrachtung dieser Abwegigkeit versunken bin, wird mein Essen ausgerufen, überbackene Aubergine mit irgendwas. Habe ich halt bestellt weil es schmackhaft klang. Ist es auch.

Aber direkt nach mir bekommt jemand "vegetarischen Flammekuchen ohne Zwiebeln!" Mein Weltbild ist sofort wiederhergestellt.





  • ich hatte an dieser Stelle eigentlich nackten Teig erwartet, aber irgendwas lag dann doch drauf, Esspapier, Rucola, Karnickelfutter oder so
  • "Vegetarischer Flammekuchen ohne Zwiebeln" ist inhaltlich auf einer Höhe mit "Döner ohne Fleisch und Knoblauchsoße und mit wenig Tomate"

03 August 2011

Kampf

Gestern große Verluste an der Sockenfront!

02 August 2011

Feuer

In Schöneberg gibt es eine Feuerwache in der Feurigstraße.

Durchaus ein Anlass, darüber eine Weile zu meditieren.


...


...


... hm?

Schönes Schöneberg!

01 August 2011

Wetter

Ich bin ja wirklich gewillt, das Wetter zu nehmen, das mir so vorgesetzt wird. Auf Regen folgt Sonnenschein und dergleichen. Aber was heute da draußen abgeht ist eine Provokation!

Es schüttet seit zwei Stunden. Grade habe ich mir das Wetterradar angesehen und: Es schüttet nur hier! Kreuzberg, Schöneberg, Tempelhof und sonst fast nirgends in und um Berlin.

Schon die ganze Saison lang macht mir der Regen einen Strich durch die Segelrechnung - wenn es regnet ist nur in Ausnahmefällen segelbarer Wind.

Das Wasser selbst wäre nicht so schlimm, beim Segeln hat man sowieso wasserfeste und warme Kleidung an und außerdem spritzt es auf unseren Booten außergewöhnlich sehr, wenn sie schnell fahren. Man hängt da an dem Draht oder sitzt auf der Kante und macht seine Arbeit und bekommt jede Minute einen 10-Liter-Eimer Wasser ins Gesicht geworfen. Es ist eigentlich egal, aus welcher Richtung das viele Wasser kommt, das man so abkriegt. Wer mir nach dem Segeln erzählt, dass es geregnet hat, erntet ungläubiges Staunen: Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern.

An Land ist das natürlich was anderes: Da will man ja nicht ständig in Gummikleidung rumlaufen sondern die Hoffnung haben, dass man sie auch mal wieder ausziehen darf. Im heißen Sommer ist ein Regentag ganz schön, so als Abkühlung, aber noch schöner ist, wenn man weiß, was für Kleidung man anziehen muss, wenn man das Haus verlässt. Ich bin erst letzten Freitag wegen einer diesbezüglichen Fehleinschätzung komplett durchgeweicht, und damit ist in diesem Jahr das halbe Dutzend voll. 

Heute dachte ich, dass ein leichter Sweater genügt, im Radio behaupten sie, dass der Himmel aufreißt - aber hier schüttet es.

Aaaargh! Ich hasse es! Ich hasse es! Ich hasse es! Ich komm dir gleich hoch, du!



27 Juli 2011

Carglass krepiert - Carglass blutet aus


Herr im Himmel, der du hast erfunden den Völkermord und das einfache Massaker, bitte, nimm dich ihrer an...

Wann metzelt endlich jemand die Erfinder dieser extrem penetranten und einschleimenden Carglass-Werbung nieder? Und ihre Auftraggeber gleich mit! Das wäre ein gutes Werk für jedermann - insbesondere dann wenn dabei viel Blut fließt und sich die Sache lange hinzieht.

Die abgezogenen, noch triefenden Häute werden den übrigen Agenturen als hilfreiche Weisung und Ermahnung unentgeltlich zur Verfügung gestellt.




Genau: Hass wäre ein dafür nicht stark genuger Begriff

26 Juli 2011

Taschenlampe

Gerade habe ich eine dieser vandalensicheren Verpackungen aufgemacht, die man ohne schweres Werkzeug überhaupt nicht mehr öffnen kann und mit Werkzeug nur unter Inkaufnahme schwerer Verletzungen. Das Öffnen ist bei dieser Art Verpackung halt nicht vorgesehen.

Inhalt: Eine Taschenlampe vom Discounter für vierneunundneunzig. Außerdem ein paar zusätzlich atombombensicher eingeschweißte Batterien zu je 1,5 Volt, die Dinger müssen brandgefährlich sein! Und dann noch eine Gebrauchsanweisung.

Ich meine: Eine Gebrauchsanweisung für eine Taschenlampe! "Batterien einlegen. Ein. Aus." Dafür braucht man heute wohl eine Gebrauchsanweisung.

Zusätzlich klemmt in der Gebrauchsanweisung eine Garantiekarte: Man kann den Artikel für vierneunundneunzig nämlich zur Reparatur einschicken. Es steht nur nicht drauf, wohin. Das soll man über eine kostenpflichtige Servicenummer herausfinden.

Die ganze irrsinnige Verpackung macht das Gebinde sechsmal so groß wie die eigentliche Lampe. Es müssen mehrere Idioten lange gegrübelt haben, bis so viel überflüssiger Unfug dabei heraus kam.

Die Taschenlampe selbst macht übrigens ausgezeichnetes Licht.



25 Juli 2011

Extreme

Zum Thema Arbeit sind die Menschen unterschiedlicher Auffassung. Auf Baustellen kann man erleben, was mit dem Wort "Widerwille" wirklich gemeint ist.

Der Maler beispielsweise kann immer ganz genau erklären, warum er vom rostigen Geländer nicht wenigstens zehn Sekunden lang den gröbsten Rost, der überall in unübersehbaren rostigen Blasen sitzt, abbürsten musste, bevor er es dick mit Farbe eingepampt hat.

Der Maler erklärt einem auch, dass er die Scheiben nicht abkleben muss, wenn er die Fenster streicht. Er erklärt einem das auch dann noch seelenruhig, wenn man daneben steht und zusieht, wie er mit fahriger Hand außer dem Rahmen auch die Scheibe lackiert. Er ist nämlich Fachmann.

Die Arbeit des Bauleiters besteht oft darin, diesen Widerwillen zu überwinden. Nein, falsch: Wer nur versucht, ihn zu überwinden, erreicht genau gar nichts! Ich korrigiere: Die Arbeit des Bauleisters besteht oft darin, diesen Widerwillen zu brechen - so grob das klingen mag. Klar, dass man da auch nicht die ganze Zeit Lust drauf hat.

An anderen Stellen im richtigen Leben trifft man hingegen Menschen mit der entgegengesetzten Arbeitseinstellung. Es gibt sie auch auf dem Bau, aber hier sollen einmal die Uhrmacher erwähnt werden. Jedenfalls die, die bei Hertie und Karstadt für Reparaturen von Uhren zuständig sind.

Diese Uhrmacher sind immer die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in Person. Man kann mit jedem noch so kleinen Problem kommen und sie helfen einem. Neulich, nach einer einfachen Reinigung auf die Frage, was er denn dafür kriegt: "Och, nichts, ist okay so." Und nie wollen sie einem etwas aufdringlich verscherbeln, obwohl sie so nett sind, dass man ihnen gerne was abkaufen würde.

Leute, kauft Uhren bei Karstadt und Hertie!

24 Juli 2011

Schöneberg Café


Wer den Großen Bloguator™ einmal in Person treffen will, kann ihn an windstillen Samstagnachmittagen oder an eisigen windstillen Sonntagnachmittagen oft im Café Esseins am S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke erleben¹.

Nach der gewohnheitsmäßigen Runde vom Geldautomaten über Butter-Lindner und den Crellemarkt sitzt er dann dort, bloggt und stopft sich mit lecker Blaubeertorte oder Rhabarbersahne voll.

Es gibt W-Lan, aber Hauptanlass ist der Kaffee, das gute Essen und insbesondere die leckeren selbstgemachten Torten, die in riesigen Stücken verkauft werden.


Man kann auch draußen sitzen und den Verkehr auf der Kolonnenstraße beim Vorüberziehen betrachten, an Samtagnachmittagen ist hier nie viel Verkehr. Nur kann man draußen leider nichts auf dem Bildschirm vom Laptop erkennen, weswegen der Große Bloguator meistens drinnen sitzt und bei leise säuselndem Jazz seine Geschichten in die Tasten hackt.





¹ besonders dann, wenn auf allen Kanälen die Fußballbundesliga wütet

23 Juli 2011

Das L-Wort

Schöneberg, Kneipe. Am Nachbartisch unterhalten sich zwei Leute. Man wird aufmerksam, als das L-Wort fällt:

"Die Liebe, die Liebe! Ich will, dass die Liebe mehr ist als einfach nur ein psychischer Ausnahmezustand. Oder ein besitzanzeigendes Hauptwort. Oder das Synonym für ein Geschäft: 'Ichliebedich! Dafür schuldest du mir ...' "

"Aha. Sondern?"

"Für mich definiere ich die Liebe etwa so, dass ich für jemanden etwas tue, ohne Gegenleistung dafür zu erwarten."

"Aber?"

"Ich mit meinem Ehrenamt! Nach diesem Kriterium liebe ich dann aber ziemlich viele."

"Aber?"

"Bin ich Jesus?"

Schönes Schöneberg!

21 Juli 2011

Potenzmittel

¹
Heute lese ich in meinem täglichen Spam: Potenzmittel ohne Rückgaberecht!

Ach? Ist das inzwischen ein Werbeargument? Wer schreibt mir denn so was? Hm, kommt von Helga Günther. Ja was denn nun - Helga oder Günther? Aber ich kenne beide nicht. Normalerweise haben doch die Spammer in letzter Zeit immer promovierte Titel, Dr. Julia-Kathrin zur Önkeldönk oder so. Wahrscheinlich von der Universität Bayreuth.

Bei nochmaligem Lesen steht da aber nur: Potenzmittel ohne Rezeptpflicht. Na, das macht es auch nicht besser.




¹ erwähnte ich bereits, wie sehr ich die reißerischen Überschriften schätze?

18 Juli 2011

Aberglaube


Gibt es das: Selbstheilung bei Technik? Normalerweise ist es doch mit der Technik umgekehrt: Dass sie selbst dann nicht zuverlässig funktioniert wenn alles intakt aussieht. Und leicht angeschlagene technische Geräte lassen sich durch sehr langes Herumfummeln in Verbindung mit hohen Ausgaben vielleicht vorübergehend noch einmal zum Leben erwecken, nur um dann im unpassendsten Moment endgültig den Geist aufzugeben.

Jetzt also eine neue und irgendwie sehr unerwartete Erfahrung. Ich hatte mein altes Mobil-Telefon ausgemustert, weil es schon älter als zwei Jahre war. Bekanntlich bemisst sich die Lebensdauer von Mobiltelefonen so: Sie müssen exakt die Garantiezeit von zwei Jahren überleben, aber um Gottes Willen keinen ganzen Tag mehr!

Mit viel Glück hält so ein bis zu Teil drei Jahre, aber dann ist es bester Elektronik-Schrott. Meins ist jetzt noch ein wenig älter. Da hat die Abteilung LBF für Lebensdauer-Begrenzungs-Forschung beim Hersteller wohl geschlampt, obwohl die Mitarbeiter dort gleich nach dem Vorstand am besten bezahlt werden. Vielleicht auch ein Produktionsfehler. Immerhin lässt der Akku aber schon deutlich nach und das alte Handy hatte von Anfang an eine erhebliche Schwäche: Die Hörer-Lautstärke lässt sich nicht verstellen, es ist eigentlich immer zu leise.

Neulich, nach beinahe vier Jahren, stellte sich doch der erwartete Fehler ein: Eine Taste ging nicht mehr. Es ist die einzige Taste, die man unbedingt benötigt und die sich nicht umprogrammieren lässt, wie alle anderen Tasten. So ein Zufall!

Man konnte noch telefonieren, aber ein paar andere Dinge wurden sehr umständlich. Deshalb die Aktion mit dem Smartphone (Blog berichtete).

Letzten Mittwoch nun kackte das Smartphone ab: Es blieb stehen und ließ sich zwar noch durch Herausnehmen des Akkus anhalten. Danach konnte ich es sich allerdings nicht mehr einschalten. Mit keinem Trick.

Blöd nur, dass ich nicht mal mehr einen Wecker zu Hause habe und auch keinen Festnetzanschluss und am nächsten Morgen um 5.30h aufstehen musste. Und das schöne Smartphone war kaputt. Verzweiflung!

Der Absturz passierte zu einem abendlichen Zeitpunkt, an dem man niemanden mehr anrufen kann, aber ich habe ja auch gar kein Telefon dafür. Einzige irgendwie erkennbare Lösung war das alte Handy.

Habe also die SIM-Karte mühsam aus dem Smartphone rausgefummelt und mühsam in das Steinzeit-Handy wieder eingesetzt. Wenigstens telefonieren wollte ich. Und siehe da: Nach drei Monaten Herumliegen ging die defekte, nicht programmierbare unersetzliche Taste wieder. Man braucht sie unter anderem, um den Wecker im Telefon zu stellen. Am nächsten Morgen bin ich früh aufgestanden und auf Reisen gegangen, mit altem aber funktionsfähigem Telefon. Aus irgend einem Grund habe ich das komatöse Smartphone auch eingepackt. Vermutlich, damit es was von der Welt sieht.

Nach dem Rückweg beim Auspacken fiel es mir wieder in die Hand, das schöne fast neue aber reglose Universaltelefon. Reflexhaft das Teil nochmal an die Steckdose gehängt, und siehe da: Ein Lebenszeichen. Die Ladeleuchte leuchtete. Nicht mal das war vorher möglich.

Und nach dem Aufladen ließ es sich auch wieder einschalten und geht inzwischen ganz regulär, mit allem Schnickschnack, Internet, Navigation und so. Inzwischen sitzt die Sim-Karte also wieder im neuen Telefon und ich habe nicht die geringste Ahnung, womit ich das verdient habe. Alle meine bisherigen Erfahrungen waren das Gegenteil.

Der Ehre halber seien sie noch einmal namentlich erwähnt: Das alte Handy ist ein Siemens BenQ-irgendwas. Und das Smartphone ist ein Motorola Milestone mit Android-Betrübssystem.

15 Juli 2011

Wagenlenker

In Berlin wird mit dem Auto auch gern gehupt. Gerner angeblich als anderswo in Ortschaften in Deutschland. Dem Großen Bloguator™ gehen eigentlich alle Autofahrer auf den Nerv, besonders aber solche, die aus ihrer sicheren Blechdose heraus andere Leute mit der Hupe bedrohen oder zurechtweisen.

Vorhin an der Kreuzung ein Fahrzeug, das grade noch bei ganz ganz Dunkelgelb über die Ampel huscht. Der Fahrer im Auto dahinter hat Rot und bleibt nach kurzem Zögern doch stehen. Feige. Deshalb hupt er den vorderen empört an.

Kann man jetzt wieder ein Weile drüber sinnieren: Wahrscheinlich hat doch der hintere jetzt Angst, dass ihm jemand was weggenommen hat?

Hier auf der Straße geht es zu wie im Kindergarten: Wer in den rasenden Kafig steigt entwickelt sich ruckzuck in den Terroristen aus der Förmchenbande zurück, der er früher mal war und den seine Mama sooo süüüß fand wenn er die anderen mit der Schaufel haute.


... sagt der, der es üüüü-ber-haupt nicht leiden kann, wenn ihn wer auf dem Fahrrad überholt ... womöglich noch son Poser aufm Fixie ...

14 Juli 2011

Reisefieber

Schon wieder ein Segelausflug: Für drei Tage Segeln 1.000km Fahrt in jeder Richtung.

Wie bescheuert kann man sein?!?

Ach so, ja: Seht mich an -  so geht das!


(Berlin - Colico, Lago di Coma)

12 Juli 2011

Zentralkapelle

Nein, das hat jetzt nichts mit Religion zu tun. Sondern.

Ich meine: Ich hab noch nie von der Zentralkapelle Berlin gehört. Obwohl die aus Berlin kommen. Das kann von hier aus gar nicht so weit weg sein.

Na, jedenfalls: Sie haben ein unglaublich lustiges Video. Glaubt mir wieder keiner, was? Seht selbst:



Müsst Ihr ja nicht mögen. Mir gefällt es jedenfalls.

11 Juli 2011

Wellen


Wie einigen Lesern bekannt ist, neigt Der Große Bloguator™ dem unmotorisierten Wassersport zu. Grade gesehen: Man kann einen Surfspot kaufen!

Das wäre jetzt nichts besonderes, wer besonders viel Kohle hat, ein mehrfacher deutscher Hausbesitzer oder ein russischer Oligarch, der kauft sich halt, was er will: Ein Segelteam, eine Fußballmannschaft, Hawaii. Und wenn er Hawaii gekauft hat, dann wird da schon auch irgendwo ein Surfspot dabei sein.

Aber das wesentliche Alleinstellungsmerkmal¹ dieses käuflichen Surfspots ist: Man kann ihn überall aufstellen. Irgendwo! Es muss nur einen Wasseranschluss und ein wenig übriggebliebene Landschaft geben - und schon kanns losgehen.

 
beachte im Hintergrund: Nur echt mit der Teichfolie!

Ich weiß noch nicht, ob ich darüber begeistert sein soll. Wahrscheinlich schon. Auch wenn sich bislang noch ein paar zweifelnde Gedanken melden. Bekanntlich hat die Erfindung des Skifahrens dazu geführt, dass nicht nur die Anbieter von Skigebieten ihre eigene Landschaft zerstören, sondern dass auch Menschen in zum Skifahren gänzlich ungeeigneten Gegenden unbedingt Skifahren wollen.

Hm?

... na, sagen wir mal, eine Skihalle in Bahrain Dubai oder in Bottrop ... Hamburg...

... oder in Bottrop.





¹ jahaaa! So muss man heute reden!

10 Juli 2011

"Idiotenapostroph"

Das ist ja hier immer wieder mal ein Thema: Der sogenannte Deppenapostroph - oder besser: Die Apostrophen-Inquisition. Das sind Leute, die es mit wenig Talent aber viel Fleiß bis zur allgemeinen Hochschulreife gebracht haben, am besten noch humanistisch-altsprachlich-alltagsuntauglich, und anderen die Welt erklären, wie sie ihrer Meinung nach sein müsste. Apostrophenpriester.

Wenn man nichts hat außer einem bisschen vermeintlicher "Bildung", das man aber auch nur hat, weil die Eltern, Papastudienrat und Mamahausfrau, so nachdrücklich darauf bestanden haben, dann kann man sich wenigstens darauf berufen, dass man die Regeln ja *ganz* *genau* *kennt* und die anderen nicht. Die sind nämlich die Idioten.

Das Argument, dass Sprache am besten so ist, wie sie gesprochen und verstanden wird, schert die Leute nicht. Aus welcher Höhe dieses überhebliche Pack auf Menschen herabsieht, die sich wenigstens Mühe geben, kann man an dieser Webseite sehr schön ablesen: Idiotenapostroph


Alles beginnt mit dem Foto ganz oben auf der Seite. Das stellt wohl die Apostrophenidioten so dar, wie sich der Autor Idioten vorstellt: Ein wenig missgestaltet. Merke: Mangel an Intelligenz, niedere Bildung, Tendenz zu Rechtschreibfehlern - das alles kann man sehen! Glaubt jedenfalls der humanistisch maturierte Apostrophenpriester. Die Physiognomik lässt grüßen, und von da ist es gar nicht so weit bis zur wissenschaftlichen Rassenlehre. Ist klar dass sich so einer über kreativ gesetzte Apostrophen ereifert.

Der Apostrophenpriester kennt zwar einige ausgewählte Rechtschreibregeln *ganz* *genau*, über die Zusammenhänge der restlichen Welt muss er sich genau deshalb keine Gedanken machen.

Aber vielleicht interpretiere ich schon das Foto ganz falsch und die Menschen auf dem Bild sind nur die nächsten Verwandten des Apostrophenpriesters. Dann hätte ich ihm bitter unrecht getan. Glaub ich aber nicht.

Gleich im ersten Absatz des Textes werden nämlich Menschen als Hirntote bezeichnet, die noch nicht einmal zwischen Apostroph, Gravis und Akut unterscheiden können, wie jeder Abiturient, also ... wie fast jeder zweite ... zwanzigste? ... na ist ja auch egal, jeder kann das doch.

Das könnte man jetzt noch als Fall von Ironie oder wenigstens Sarkasmus betrachten - wenn nicht im Folgenden die Regeln noch einmal haarklein erläutert würden. Wir schließen daraus: Den Autoren ist es bitter ernst.

Zum Schluss haben die Autoren auch noch eine schöne Linksammlung zusammengetragen, wo gleichgesinntes Pack ebenfalls seine Minderwertigkeitskomplexe auslebt. Durchaus berechtigte Minderwertigkeitskomplexe. Es ist auch eine Schule dabei, die die eitle Arroganz der Halbgebildeten gleich noch systematisch an die nächste Generation weiter gibt.

Eigentlich eine typische Geschichte: Sobald es der Deutsche zu ein wenig Wohlstand oder ein wenig Bildung gebracht hat, beginnt er, auf andere herab zu sehen, kann den Hals nicht voll genug bekommen und lebt von da an ständig in der Angst, man könnte ihm auch nur einen kleinen Teil dessen wieder wegnehmen oder seine zusammengeklaubten Titel nicht angemessen anerkennen.

09 Juli 2011

Rekursion


Dass Der Große Bloguator™ ganz gerne Bier mit Zimmertemperatur trinkt¹, beunruhigt so manchen. Das wiederum beunruhigt mich.




¹ um ehrlich zu sein, es gilt das englische Glaubensbekenntnis: Zimmertemperatur und randvoll. "Schaum ist Betrug!" Aber bis zu dieser Stelle hören die meisten schon gar nicht mehr zu.

08 Juli 2011

Dialog


Schöneberg, Kneipe, Nachbartisch:
"Ich behaupte ja gern von mir, dass ich ein schlampiges Genie bin."

"Ach?"


"Ja. Aber das ist gelogen...

"Hm."

"... in Wirklichkeit bin ich nur ein Genie!"


"Ach ja?"

"Ja!"

"Super. Du zahlst."

Schönes Schöneberg!

06 Juli 2011

Graffiti

Kreuzberg:
Das Streetart-Geschehen in der Eylauer Straße scheint sich auf ein einziges Gebäude zu konzentrieren. ¹

Dass die Tagger wenigstens haltbaren Spraydosenlack statt langweiliger Eddinge verwenden ist begrüßenswert - aber dass hier jemand mit einer Akira-Schablone herumläuft beunruhigt mich sehr.²







¹ nahe dem schönen Schöneberg
² Assoziationskette:
AKIRA = Manga-Nerd + immer schon viel zu alt für Spaß + Sprayer-Alter trotzdem noch nicht vorbei + extrem schlechter Geschmack = aus gutem Grund sehr einsam = Potential zum Highschool-Massenmörder Berufsbildungsmaßnahme-Selbstmordattentäter

04 Juli 2011

Poetronpoesie - Poetrosie


Es gibt da im Internet - eigentlich eine ganze Weile schon - den Gedichtegenerator POETRON. Er dichtet Poesie, fast ohne menschliches Zutun. Ein paar kleine Vorgaben braucht er aber, wie alle Künstler. Aber dann!

Man nennt ihm eine Person, ein Substantiv, ein Verb und ein Adjektiv - aber dann! Ich habe es einmal mit den folgenden versucht:
Kathrin (ich kenne keine Kathrin)
Rakete (ich habe keine Rakete) ... ... ? ... ... (eeehrlich!)
würgen (ich würge nie jemanden)
frisch (ich ... ... ach was!)
Der brave Poetron dichtete daraus fogledens fögelndes verdammt: folgendes! verführerische Poem und gab ihm auch gleich eine laufende Nummer:

Winzige Huldigung für Kathrin

Kathrin.
Mein frisches Herzchen du!
Rakete, mein harter Verbrecher.
In der Wanne in Future und Past!
Würgt!
Welch dümliches Scherzen!
Kathrin du.
Beschmiert gewaltig und schön.
Rakete zwischen Trollen und Denken.
Kathrin ja so leicht.

                            Gedicht Nummer 4972170




03 Juli 2011

Recycling

In der gegenwärtigen Phase¹ meines Lebens habe ich irgendwie zu wenig Zeit für richtige Blogeinträge. Deshalb dachte ich, dass ich einfach ein paar ältere Beiträge recycle, die ich ungefragt in fremden Blogs hinterlassen habe. Spricht da irgendwas gegen? Nö, nä?

Zuerst eine Sache auf die ich bei Don Dahlmann gestoßen bin. Er hat kürzlich eine Winnie-the-Pooh & Tigger-Uhr verlost, eine wie diese hier:


Um sie zu gewinnen musste man eine gültige Mailadresse hinterlassen. Sowas mache ich nie ohne Anschreiben. Und das ging so:

Urglll – Tiere sehen dich an!

Du erwachst nach einer durchzechten Nacht und was du siehst sind Winnie Pooh und Tigger, die Dich gerade wiederbelebt haben. Du wünscht Dir einen weniger realistischen Albtraum und versuchst, wieder wegzutreten. Aber die beiden erklären übereinstimmend, DAS sei die Realität und du solltest endlich aufstehen und diese verdammte Uhr aufziehen, damit sie nicht stehen bleibt.

Du erklärst, dass grade in deinen Albträumen alle Uhren atombetrieben seien. Aber Winnie Pooh sagt, dass es sich dabei um die andere Sorte Albtraum handelt und die sei erst nächsten Montag wieder dran.

Du bittest um Gnade oder wenigstens etwas zu trinken und denkst dabei an irgendein scharfes Getränk, welches dir schnell wieder den Verstand raubt. Tigger kommt mit einem Glas Wasser.

Der Schmerz deiner Enttäuschung kennt keine Grenzen und du fällst wieder in Ohnmacht.
Als du erneut erwachst sind wenigstens Winnie Pooh und Tigger weg, aber irgendwer erklärt dir, dass du die verdammte Uhr da auf dem Tisch gewonnen hast. Deine Kopfschmerzen setzen endlich ein.




¹ Sommer = Segelsaison + Rentenalter noch nicht erreicht

02 Juli 2011

Oberschülermusik

Das hier geht mal richtig los und macht auch noch beim Zusehen Spaß: Die Band Green Machine der George Mason University spielt Rage Against The Machine und macht endlich mal das, was man bei laut zu hörender Musik machen muss: Richtig Krach!

Hübsch anzusehen auch, weil sowohl die Musiker wie auch der Bandleader voll mitgehen und nicht so verklemmt rumstehen wie man das bei Bigbandmusikern oft sieht: Headbangende Querflötistinnen und Klarinettistinnen - yeah!

01 Juli 2011

Spam 2011

Heute kriege ich wieder Spam... na, eigentlich kriege ich jeden Tag Spam, aber heute kam welcher, über den ich wenigstens was schreiben kann.

Also, mehr als die Überschrift lese ich ja nie, mehr braucht man nicht, um zu erkennen, dass es sich um unverlangt zugesandte Massenmail handelt. Überschrift lautete: Gratis! Ferngesteuerter BMW X6 für 4 Wochen      Süddeutsche Zeitung!

Dachte ich mir zuerst: "Selbst die Spammer werden immer geiziger! Jetzt wollen sie einem so billigen Scheiß wie ein ferngesteuertes Modellauto nur für vier Wochen leihen..."

Dann wurde mir aber die volle Tragweite der Sache bewusst: Man soll vier Wochen lang die Süddeutsche Zeitung "probeweise" abonnieren, und dafür wird einem ein billiges ferngesteuertes Modellauto in Aussicht gestellt, das eine entfernte Nachbildung eines Familienpanzers aus süddeutscher Produktion ist.

Jetzt muss ich das wieder alles erläutern, was?

Das Kalkül mit dem "probeweise" Abonnieren endet ja bei 90% aller Opfer, beispielsweise auch bei mir, so, dass sie das Abonnement nachher behalten, weil es sich nach Ablauf der 4 Wochen automatisch verlängert und der normale Mensch (beispielsweise ich) zu dämlich ist, es rechtzeitig oder überhaupt zu kündigen.

Aus Sicht der Spammer, und aus der Sicht der Kaufleute, von denen die Spammer beauftragt werden, funktioniert diese Taktik also ziemlich gut, wenn man die Kundschaft erstmal dazu gebracht hat, sich auf solchen "probeweisen" Schwindel einzulassen. Würde es nicht funktionieren, würden sie es nicht so machen, das ist die Logik von Kaufleuten.

Wie bringt man nun die Kundschaft da hin, sich auf Unfug einzulassen, den sie bei klarem Verstand vielleicht nicht machen würde? Genau: Sie muss den Verstand verlieren! Das funktioniert bei Männern mit Sex und mit Autos. Bei Frauen weiß ich nicht, ich würde mal auf Schuhe und auf Promis tippen.

Weil der kluge Kaufmann den Spammer, den er beauftragt hat, nun aber nicht massenhaft echte Autos verschenken lassen kann und so viel Sex auch gar nicht bezahlen will, stellt er wenigstens Abbilder davon in Aussicht. Anscheinend genügt es, ein paar Kondensationskerne zu verstreuen, an denen sich die Fantasie der Kundschaft aufhängen kann: Daher gibt es eben nur Pin-Ups oder Automodelle, wenn man dafür Zeitungen wie die Süddeutsche "probeweise" abonniert.

Dass es ein solches Angebot gibt ist der Beweis dafür, dass es funktionieren muss. In der Kaufmannslogik werden Sachen, die nicht funktionieren, auch nicht gemacht. Im richtigen Leben schon, das ist der Unterschied.

Und damit kommen wir noch zur Frage: Welches Auto?

Einem kleineren Kind könnte man mit jedem ferngelenkten Auto eine Freude machen, da ist ein VW-Käfer genauso gut wie ein Lamborghini Cazzo.

Ein etwas größeres Kind ist da schon etwas realistischer: Es weiß bereits, dass es darauf ankommt, wer den längsten hat und welches Modell den größten Prestigegewinn verspricht. Deshalb besteht das etwas größere Kind auf dem Ferrari F99 Vaffanculo, ferrarirot und mit gelbem Pferdeaufkleber muss er sein, auch wenn der aus genau derselben chinesischen Fabrik kommt, von genau denselben Kinderhänden hergestellt wird und in der Produktion genau dasselbe kostet, weil es sich nur um eine andere Plastikschale handelt die mit einem einzigen Handgriff auf das Untergestell geklemmt wird. Aber: Prestigegewinn!

Erwachsene Männer hingegen leben völlig in der Gegenwart, ihnen ist der Prestigegewinn vollkommen egal. Wenn man in Deutschland einen erwachsenen Mann fragt, dann kauft er ein Auto allein nach rationalen Erwägungen, nämlich nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Deshalb werden in Deutschland so viele tiefergelegte, breitbereifte und übermotorisierte Geländewagen aus deutscher Produktion verkauft, weil die eben ein viel besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten als ein vollständig ausgestatteter japanischer Kombi für die Hälfte des Geldes.

Mit so einem SUV kann man auch das Frauchen überzeugen, damit will sie nämlich auch fahren, weil der soooo praktisch ist, und man so schön hoch sitzt und so gut sieht - natürlich nur, so lange vor einem kein noch höheres Fahrzeug fährt. Und erst für Familienausflüge mit den Kindern - soooo viel Platz! Und dann ist das auch so bequem und dabei kommt man zügig voran, wenn man aufs Gas tritt!

An die Leute, die sich ein so günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis leider noch nicht leisten können, aber den Traum davon so dringend träumen wollen, dass ihnen alles andere egal ist, wendet sich nun das Spam-Angebot der Woche: Das ferngesteuerte Modell vom BMW X6 für vier Wochen     Süddeutsche Zeitung.

29 Juni 2011

Bräuche


Es gibt so Bräuche, da kann man nur den Kopf schütteln. Nein, genauer gesagt: Da weiß man nicht, ob das Kopfschütteln überhaupt lohnt.

Nehmen wir mal die Liebesschlösser und Abiturbälle. Nochmal nein: Eher die sogenannten Abibälle und die noch sogenannteren Liebesschlösser.

Liebesschlösser: Leute heiraten sich gegenseitig, machen irgendwo an einer ewigen Stelle ein Schloss fest und werfen symbolisch den Schlüssel weg.

Denkt da niemand drüber nach? Dieser Brauch ist noch katholischer als die Ehegelübdevorstellung der katholischen Kirche selbst. Warum erinnert das keinen an Gefängnisse, Knast, Gulag, die heilige Inquisition - wo irgendjemand ein Schloss vor die Zelle macht und den Schlüssel wegwirft? Ist Romantik heute nicht mehr eine Frage der Vorstellungskraft?

Und dann Abiturbälle. Der Große Bloguator™ ist zu einer Zeit aufgewachsen, wo man als Adoleszent irgendwie anders sein wollte als seine Eltern. Ist das nicht selbstverständlich? Musste auch damals nicht gleich Punkrock sein. Aber nicht so langweilig, spießig, eingefahren sein zu wollen wie man das als Jugendlicher von seinen Eltern glaubt. Einige Eltern entsprechen diesem Klischee gar nicht - aber als Jugendlicher denkt man eben sowas von ihnen. Und davon will man sich absetzen, wenn man halbwegs bei Trost ist. Wollte man früher.

Heute will die Jugend ihre Eltern anscheinend rechts überholen: Einen gepflegten Abiturball, guter Schulabschluss, schon mit zwölf wissen, dass man mal Arzt oder Anwalt wird. Was ist mit Lokführer, Fußballspieler oder KFZ-Mechaniker? Ist das heute gar nicht mehr gefragt?

Wer KFZ-Mechaniker werden will, feiert keine Abi-Bälle, bei denen die Eltern dreistellige Summen für den Eintritt hinlegen. Von den Getränken und der Verkleidung für den Abend ganz zu schweigen.

Dabei wird auch die disziplinierteste Jura-Studentin nach fünf Jahren nicht mehr in das Abiballkleid passen, das an der gertenschlanken achtzehnjährigen die Figur so besonders betonte. Am Ende hat die disziplinierte Jurastudentin dann zwei Kleider im Schrank hängen, die sie genau einmal im Leben getragen hat: Das Abiballkleid und das Hochzeitskleid. Sie will ja genauso sein wie ihre Eltern - nur besser.

27 Juni 2011

Innenstadt

Vorhin laufe ich die Budapester Straße entlang, Berlin-Zentrum, Nähe Gedächtniskirche. Mit anderen Worten: Mitten in der Stadt.

"Hm, komisch, hier riecht es nach Fisch?"

Nach totem Fisch, genauer gesagt. Seltsam, mitten in der Stadt, fernab vom Wasser.

"Ach, da vorne ist ja das Aquarium..."


Das Aquarium vom Berliner Zoo. Dort haben sie viele Fische. Hatten sie jedenfalls.

"Oh, da ist wohl was schief gegangen..."

20 Juni 2011

Neulich...

... beim Karneval:

Der gute Wille zählt!


(alle Mülltonnen der weiteren Umgebung sahen so aus)

16 Juni 2011

Krankenhaus-Shuffle


Eine gute Verwandte von mir, eigentlich meine nächste, muss operiert werden. In einem Krankenhaus. Man macht das in einem Krankenhaus.

Nun ist ein Krankenhaus heute in der Regel nicht mehr dasselbe wie im 16. Jahrhundert, wo das Krankenhaus ein Haus war, in dem sich Kranke aufhielten - mit denen aber auch nicht viel mehr passierte. Nur wenn sie Pech hatten konnte ihre Familie einen Barbier oder einen Abdecker bezahlen, der sich als Arzt bezeichnete und an ihnen herumpfuschte.

Heute zeichnet sich ein Krankenhaus nicht allein dadurch aus, dass man dort unter Umständen ausgebildete Ärzte antreffen kann. Sondern ein Krankenhaus ist heute eine Organisation. Verschiedene Ärzte arbeiten Hand in Hand und behandeln einen sogar, wenn sie grade nichts besseres zu tun haben. Für davor und danach gibt es Pflegepersonal, man bekommt Essen und alle möglichen anderen Segnungen.

In normalen Krankenhäusern ist das heute so, so weit ich mich erinnere. Bei dem Laden, in den meine nächste Verwandte gerade eingerückt ist, habe ich so meine Zweifel.

Als Aufnahmetermin stand seit Monaten der gerade vergangene Pfingstmontag fest. Am Dienstag sollte operiert werden und da haben es die Kliniken gerne, wenn sie den Patienten schon vorher ein wenig unter Aufsicht haben - Untersuchungen durchführen, Blut abnehmen, Abführen, Drogenverzicht, das alles ist hochinteressant und soll einer gewissen Kontrolle unterliegen.

Wie gesagt, der Aufnahmetermin stand seit Monaten fest. Das Foyer war fast leer. Deshalb warteten wir - an einem Feiertag - auf den fünfminütigen Akt der Eintragung ins System etwa eine Stunde. Irgend ein komplizierter anderer Fall musste wohl noch abgefertigt werden. Immer ordentlich der Reihe nach.

Dann, am Schalter, fiel mein Blick auf den Bildschirm mit dem Programm zur Klinikverwaltung: Solide DOS-Oberfläche, schätzungsweise mittlere achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Im Softwarebereich sind fünfundzwanzig Jahre mindestens fünf Generationen, freundlich geschätzt. Der Bildschirm war zwischendurch anscheinend einmal erneuert und durch einen anderen Röhrenmonitor ersetzt worden. Das Programm eben nicht. Aber wenn es seinen Zweck erfüllt, braucht man ja nicht zu klagen. Seit wann gibt es nur noch Flachbildschirme? Sind das schon wieder fünf Jahre? Sieben?

Auf der Station angekommen wurden wir gebeten, ein wenig zu warten. Das Bett sei noch nicht fertig. Inzwischen kam immerhin Essen, lecker, gute Krankenhauskost. Fettfrei, salzarm, sehr gesund.

Als das Bett fertig war lautete die Frage: "Was macht denn das zweite Bett da?"

"Wieso?"

"Einzelzimmer?!?"

"Oh, Einzelzimmer!"


Dass ein Einzelzimmer verlangt war hatte sich in der Gelassenheit des Feiertags noch nicht vom Erdgeschoss bis in den zweiten Stock herumgesprochen. "Ja, äh, dann ... " Wir wurden gebeten, ein wenig zu warten.

Irgendwann war das Einzelzimmer fertig und ich verabschiedete mich. In der Annahme, dass jetzt nicht mehr viel schief gehen kann.

Die OP war für den nächsten Morgen angekündigt. Nach Mittag bekomme ich einen Anruf von meiner nächsten Verwandten: Dass noch nichts passiert sei. In Krankenhäusern wird meiner Erfahrung nach gerne morgens operiert. Den Nachmittag brauchen sie wohl zum Aufräumen, Kartenspielen, für Ärztechats, oder wofür auch immer. Dass bis mittags nichts passiert ist, klang ungewöhnlich.

Gegen Abend ein erneuter Anruf der nächsten Verwandten, diesmal von zu Hause.

"Was machst du denn zu Hause?"

"Die haben mich nicht operiert."


"Bist du vorher abgehauen?"


Man weiß ja nie.

"Nein! Die haben mich nicht operiert!"


"Wieso?"


Der Termin steht ja seit Wochen fest.

"Irgendein Notfall angeblich."


"Na und? Mit dem Notfall werden sie doch irgendwann fertig gewesen sein?"


"Aber dann hatten sie Feierabend."


Feierabend.

"Und jetzt bist du nach Hause gegangen?"

"Was soll ich denn da? Wenn die mich sowieso nicht operieren!"


Ich verstehe erst nicht richtig.

"Na, die werden dich dann sicher morgen operieren, oder?"

"Da haben sie keine Zeit."


Keine Zeit.

Wie ich dann später herausfinde war sogar die Narkose schon eingeleitet worden. Meine nächste Verwandte wachte nach drei Stunden wieder auf und wunderte sich, dass nichts passiert war.

"Fein, tut ja gar nichts weh!"

"Wir haben ja auch noch gar nichts gemacht, ha ha!"


Deutliche Einstichmale sind jedenfalls zu sehen. Daraufhin ist sie dann erst mal nach Hause gegangen.

Ob die Idee mit dem Krankenhaus so gut war, wird sich noch zeigen. Die Organisation, die wir angetroffen haben, unterscheidet sich nicht wesentlich von der oben beschriebenen aus dem sechzehnten Jahrhundert: Ein Haus, in dem sich Kranke aufhalten und von den Ärzten nach Kräften in Ruhe gelassen werden. Das ist ja auch mal eine Idee.

Falls sich jetzt irgendwer gefragt hat, um welche hochspezialisierte und weltweit gefragte Einrichtung es da gehen mag: Es handelt sich um das Franziskus-Krankenhaus in Berlin-Tiergarten. Interessanter Weise finden sich in einem Internet-Portal namens "MedizinInfo" bzw. "Klinik-Bewertungen" lauter positive Bewertungen des Krankenhauses. Unter diesen Umständen fragt man sich schon, wie die zustande gekommen sein mögen. Hoffen wir das beste.

So Tage...

Es gibt ja so Tage.

Zuerst hatte ich einen Auftrag genau da, wo das Glück wohnt. Riesige Wohnung, Wohlstand, Geschmack, Bildung, alles. Aber die Leute da waren so nett, dass man noch nicht mal neidisch sein konnte.

Aber jetzt erweist sich der Tag als solcher.

Manchmal ist es der Tag des abgefahrenen Zuges - überall wo man hinkommt sieht man nur die Rücklichter. Und es gibt keine Obergrenze, das kann einem an demselben Tag beliebig oft passieren. Ist gut, wenn mans dann nicht allzu eilig hat.

Heute ist anscheinend der Tag des verwirrten Fahrgastes:

Zuerst pinkelt eine leicht ungepflegte Frau ohne weitere Umstände im U-Bahnhof mitten auf den belebten Bahnsteig. Rock hoch, Schlüpper runter - und los! Ich war sprachlos. Die Umstehenden wohl auch. Zum Glück fuhr sie nicht mit und verrichtete im Zug noch ihr großes Geschäft.

Dafür saß im Waggon einer, etwa fünfzig, unauffälliger Kreuzköllner Durchschnittstyp, und hörte mit seinem schraddeligen laut aufgedrehten Handy Speed-Metal, oder irgendwelchen anderen trivialen Schrott, der schon leise kaum zu ertragen ist. Leider nur musste der nicht mehr ganz junge Mann alle an seinem Genuss teilhaben lassen. Ein Erwachsener! Mit einem zehn Jahre alten Handy! Metal-Scheiße! Aaargh!

Man sagt ja dann doch nichts, auch wenn so einer nicht aggressiv aussieht: Weil man sich nicht traut, weil man kein Spießer sein will, weil man gleich wieder aussteigt und auch ohne noch andere Gründe.

Heute ist so einer dieser Tage. Mal sehen, was da noch kommt.

07 Juni 2011

Tägliches Leben

neulich im Büro

"Wie fandest du überhaupt meine Zeichnung vom Grasweg?"

"Schwer."


"Du hast sie schwer verstanden?"


"Ich habe sie schwer gefunden."


"Öhm, ja..."



06 Juni 2011

Oberitalienische Reise

5. Verona, ein Sonntag



Ein Spielmannszug vor der Arena. 27 Leute spielen Marschmusik, uffta-uffta! Das kleine coole Mädchen rechts hinten trommelt exqusit Samba. Perfekt im Takt.



Ein Legionär trinkt Spritz. Die SMS muss warten.




Sonntagnachmittag, 15.14h. Gesangvereine singen Liedgut. Fotografisch schwer abzubilden.




Ein Mann muss immer ein Ziel haben.



03 Juni 2011

Oberitalienische Reise

4. Die normative Kluft des Faktischen¹


Riva, TN, 16.45h. Einem Segler werden Handschuhe an die Hände genäht. Weil der Junge sie sonst immer wieder verliert.







¹ ich liebe es, solchen Quatsch zu zitieren, wenn mir absolut keine reißerische Überschrift einfallen will

02 Juni 2011

Oberitalienische Reise

3. Der malerische Faschismus


Toscolano Maderno¹. Ein Schiff am Hang. Halbe Höhe.



Ein fehlgeleiteter Architekt. Eingang für Bittsteller.



Neutral bleibt die Natur - die Blumen blühen auch den ungerechten Rechten.






¹ die aufmerksame Leserin Sumuze weist in den Kommentaren darauf hin, dass der Park in der Gemarkung Gardone liegt, also etwa 400m weiter

01 Juni 2011

Oberitalienische Reise

2. Intermezzo auf dem Campingplatz

Das Leben macht Pause. Es regnet in Strömen. Neben mir in der verglasten Veranda sitzen erwachsene Segler und erzählen sich Werbespots, die sie im Fernsehen gesehen haben.

Oberitalienische Reise

1. Das wirklich reale Leben zu Vicenza



Geniestreich Palladios: Das Loch.



Man könnte es wohl mit "Rechtsboutique" übersetzen. Sonderangebote an Wochenenden.



Von Heil & Segen stürzender Linien: Nein, er ist wirklich schief.



Die Rache des Volkes am Titanen Palladio: Missachtung.



Freuden der Naturbaustoffe



28 Mai 2011

Animation

Also, wenn mich jemand fragt - ich könnte jetzt nicht so ohne weiteres sagen, worums in dem folgenden Film geht:


Sumo Lake from Panic Productions on Vimeo.


Beim nächsten weiß ich es immerhin - hochwertige Pornografie!
Bisschen Zeit mitbringen: Ring of Fire - von Andreas Hykade.

Der Herr Hykade ist anscheinend ein seit vielen Jahren überaus produktiver deutscher Animateur ... von dem ich noch nie gehört habe.

27 Mai 2011

Technik

Gerade hat jemand bei Google nach der Kombination "Atom" und "Konversationstechnik" gesucht und ist hier beim Großen Bloguator™ gelandet.

Chlor doch, dafür bin ich der Fachmann! Meine Konversationstechnik ist auch sehr ... äh ... atomar?



besonders schmeichelhaft ist ja, dass dieses unscheinbare Blog drei mal direkt vor Douglas Adams gelistet ist. So habe ich mir das schon immer ausgemalt: In einem Atemzug mit Douglas Adams genannt zu werden - aber davor!

Ich muss ein Beweisfoto davon machen...

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