22 Januar 2019

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Untote Grafen (2.2)

Fortsetzung


"Auf ihr ... ähm ... Wohl? Sagt man das so?"

"Wieso?"

"Unter Unsterblichen?"

"Aber natürlich. Nun, was wollten sie von mir wissen?"

"Das wissen sie doch sehr genau, wenn sie die ganze Zeit meine Gedanken lesen."

"Ich dachte, es macht ihnen ein warmes Gefühl, wenn sie es selbst aussprechen können. Irgendwie Autonomie, Selbstbestimmung."

"Ja, Herr Graf, schon gut, sie müssen mich nicht demütigen. Ich habe es einfach sehr selten mit Halluzinationen zu tun, die meine Weinvorräte leeren und ansonsten über völlig übernatürliche Kräfte verfügen."

"Gut. Also, was sie gerade fragen wollten: Ich bin hier, weil mein Chef mich nicht irgendwo anders hin geschickt hat. Ich will es nicht 'Aufgabe' nennen. Viele meiner Aufträge sind aus meiner Sicht völlig sinnlos. Sie erschließen sich meiner Logik nicht. Da aber mein Chef so viel mächtiger ist als ich, komme ich zu der Annahme, dass es vielleicht an meiner mangelnden Auffassungsgabe liegt."

"Wie sieht ihr Chef denn aus?"

"Das kann ich nicht beschreiben. Häufig sehe ich ihn gar nicht. Er hinterlässt mir zuweilen Botschaften auf Zetteln, etwa an der Kühlschranktür. Da hing nicht zufällig ein Zettel an ihrem Kühlschrank?"

"Der Ingenieur hatte Putzdienst. Er hat heute morgen die Küche desinfiziert, da ist kein Krümelchen mehr, schon gar keine Zettel am Kühlschrank. Ich staune, dass wir überhaupt noch eine Kühlschranktür haben."

"Also nicht. Hm."

"Und sonst?"

"Ach so, ja, die Gestalt meines Chefs ist, wie es ihm gerade gefällt. Er ist mir schon als sprechende Ziege entgegengetreten. Und als leise stöhnender Geysir."

"Und warum?"

"Ich weiß es nicht. Er hat wohl seine Gründe. Sie übersteigen meine Erkenntnisfähigkeit. Ich tröste mich damit, dass ich mir einrede, er täte es einfach aus Langeweile."

"Das tröstet sie?"

"Nun, stellen sie sich vor: Er ist die mächtigste Wesenheit im gesamten Universum. Er hat alles. Er kann alles. Er ist allwissend. Er ist allmächtig. Und dennoch ist ihm langweilig. Tröstet sie das nicht?"

"Naja... schon. Aber, wenn sie mal nicht wollen?"

"Ob ich versucht habe, abzuhauen?"

"Ja."

"Nun, stellen sie sich vor: Er ist die mächtigste Wesenheit im gesamten Universum. Er hat alles. Er kann alles. Er ist allwissend. Er ist allmächtig. Und ich versuche, abzuhauen."

"Und?"

"Dass er mich auf eine Sonne geschickt hat, war noch harmlos. Mein Gewand ist verbrannt, nach einer Weile erwachte ich wieder, nackt, aus einer Ohnmacht, auf irgendeinem gottverlassenen … ha, ha … Planeten. Dort war es kalt und ich musste mich um Kleidung kümmern. Ich weiß nicht, wie viele Generationen nach ihrer Zeitrechnung das gedauert hätte. Hat."

"Hätte hat?"

"Genau. Ich weiß es nicht. Ich reise übrigens auch in der Zeit umher. Und es ist nicht im geringsten aufregend."

"Nicht?"

"Manchmal keine Menschen. Oft keine Lebewesen. Zuweilen keine Vegetation. Mitunter nicht einmal ein Planet."

"Das geht?"

"Wenn sie untot sind, ja."

"Und wie ist das so?"

"Ich schiebe Asteroiden hin und her, drücke mich von einem ab, versuche, Kollisionen hervorzurufen."

"Billard im ganz großen Rahmen!

"Eher so mittellustig. Manchmal sind da auch keine Asteroiden. Nur die weite dunkle Stille. In jeder Richtung ein paar Lichtjahre weit Nichts."

"Oha, das klingt öde!"

"Ein paarmal hatte ich die Nase voll. Ich bin in einen Vulkan gesprungen. Das war noch vor der Sonne. Die Lava hörte auf, zu kochen, ich hatte am Ende einen Steinklumpen am Bein. Nach der Erfindung der Schusswaffen auf ihrer Erde habe ich es damit versucht. Großes Kaliber, gegen die Schläfe, mitten durchs Gehirn. Hat eine Weile geblutet. Irgendwann hörte es auf. Ich hatte schreckliche Kopfschmerzen."

"Es muss doch irgendeine Methode geben?"

"Ja, danke für ihre Fürsorge! Das dachte ich auch. Ich war so verzweifelt, ich habe mich in einen großen Holzschredder gestürzt. Das sollte doch wirklich genügen - könnte man meinen. Der Matsch der dabei herauskam, muss eine schreckliche Schweinerei gewesen sein. Am Ende versammelten sich alle meine Einzelteile und Moleküle, so als seien sie magnetisch, und ich wurde wieder zusammengesetzt. Sogar mit Kleidung diesmal. Das war der Moment, in dem der Chef mir als sprechende Ziege gegenübertrat."

"ER? Sie wissen, dass er männlich ist?"

"Nur so eine Gewohnheit. Könnte auch eine Frau sein. Nach ihren irdischen Begriffen. Der Vergleich mit jedweder menschlichen Erscheinungsform ist unzutreffend. Es ist ja nicht so, dass Männer weniger zickig wären. Ha, ha, Ziege!"

"Und? Was hat er gesagt?"

"Nichts von Belang. Irgendetwas triviales. Er weiß, dass er mich damit zum Wahnsinn treibt. Eine Ziege, die sich bedeutungsvoll räuspert und etwas sagt wie 'Hast du immer noch nicht genug?' oder so ähnlich. Ich brauche ihn nicht zu fragen, was das soll. Er antwortet nicht. Jedenfalls nichts vernünftiges. Er ist wie ein Kind, das mich als Spielzeug benutzt."

"Selbstmitleid beim Adel, ja?"

"Auf der Erde wäre ich in ihrer Zeit der mächtigste Mensch der ganzen Welt! Ich bin nur deshalb ein untoter Graf, weil er es so will. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, wie lange. Ich kann mir nur einreden, dass er vielleicht irgendwann genug von mir hat."

"Sehr bedauerlich!"

"So ist es. Die andere Flasche Chardonnay - könnten sie die jetzt holen?


20 Januar 2019

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Untote Grafen (2.1)


“Oh, nein, Herr Graf! Da sprechen wir eben noch von ihnen - was machen sie denn hier?"

"Sie wissen doch, wie leicht es ohnehin ist, ihre Gedanken zu lesen - auf diesem leeren Planeten sind sie kaum zu überhören."

"Und deshalb besuchen sie uns wieder?"

"Sie haben ihren fantastischen Chardonnay erwähnt. Da ich mich gerne daran erinnere, dachte ich, dass ich sie einmal aufsuchen müsste."

"Warum sind sie überhaupt noch hier?"

"Weil ich nicht fort bin."

"Und warum sind sie noch nicht fort?"

"Sie sind aber neugierig! Dafür, dass sie mich zur Halluzination erklärt haben, wollen sie überraschend viel wissen!"

"Ich bin am Wohlergehen meiner Halluzinationen nun einmal sehr interessiert."

"Das freut mich. Also, wegen ihres Chardonnay ...?"

"Ich habe zur Zeit nur zwei Flaschen, muss erst wieder neuen erzeugen lassen, aber das braucht seine Zeit."

"Kalt?"

"Selbstverständlich!"

"Holen sie sie. Dann erzähle ich.”

"Na schön. Kann aber einen Moment dauern."

"Wer ist denn hier neugierig - sie oder ich? Ich werde es mir so lange im Korbsessel auf der Terrasse des Raumschiffs bequem machen, während sie da drin verschwinden...

... Käpt'n, was tun sie da? Nein, im Keller ist der Wein nicht! Er befindet sich ganz hinten im Kühlschrank, haben sie das vergessen?"

"Ja, habe ich wohl. Aber sie wissen es?"

"Natürlich, ich kann ihre Gedanken lesen."

"Selbst die vergessenen?"

"Ist kein so großer Unterschied. Die, an die sie sich selbst irgendwann wieder erinnern können, kann ich selbstverständlich ebenfalls lesen."

"Und die verdrängten?"

"Das hängt von der Verdrängungstechnik ab."

"Wovon?"

"Davon, mit welcher Technik sie verdrängt haben."

"Es gibt verschiedene Techniken?"

"Das müssten SIE doch am besten wissen. SIE verdrängen doch! Überschreiben mit angenehmeren. Schockieren. Drogen. Körperliche Verausgabung."

"Äh, ja, danke, so verdränge ich wohl."

"Der Wein steht in der Küche, wie gesagt, ganz hinten im großen Kühlschrank.

Aus der Küche hörte man Klappern und Räumen. Dann leises Klirren.

"Also Käpt'n, hören sie, nicht die billigen Gläser, das ist stillos! Nehmen sie gefälligst die guten!"

"Aber Herr Graf, sie wissen doch dann ebenso gut wie ich, wie schlecht man da rankommt!"

"Diese billigen Pressgläser sind stillos! Strengen sie sich gefälligst an! Es ist IHR hervorragender Chardonnay! Das hat er nicht verdient!"

Leises Stöhnen aus der Küche. Nach einer Weile tauchte der Käpt'n mit einem Tablett wieder auf, darauf zwei Kristallkelche und eine Karaffe mit dem Wein.

“Verzeihung, ich musste ihn umfüllen. Wenn er aus dem Erzeuger kommt, bewahren wir in in praktischen Universalgefäßen auf, aber die sind sehr unansehnlich."

"Na, sehen sie Käpt'n, es geht doch! Vielen Dank, cheers!"


to be continued

19 Januar 2019

Berichte aus der Gegenwart

Das neue smarte Fon hat UKW-Radio, Der Große Bloguator™ schätzt so etwas. Es stammt von der Firma LG und ist insgesamt großartig.

Die mitgelieferten Ohrhörer jedoch sind ursächlich scheiße. Sie sind zu groß für menschliche Ohren und rutschen ständig heraus. Sie lassen sich auch nicht anpassen.  Muss man erst einmal schaffen: Mit viel Aufwand etwas dermaßen unbrauchbares in die Welt zu setzen.

Für den Radioempfang benötigt man kabelgebundene Hörer, weil das Kabel als Antenne dient.

Das alte smarte Fon kam von der Firma Sony. Es besaß ebenfalls UKW-Radio und unscheinbare, aber sehr taugliche Ohrstöpsel. Herr und Frau Sony können das, immer schon. Oder sie wissen jedenfalls, dass einige Kunden ein Radio auch benutzen wollen, wenn es denn eins gibt.

Doch selbstverständlich funktionieren die Hörer vom SONY-Fon nicht am LG-Fon. SELBSTVERSTÄNDLICH NICHT! Auch wenn der genormte Stecker das irgendwie nahe zu legen scheint.

Der kluge Kaufmann weiß: "Der Kunde muss um Gottes Willen unser untaugliches Zeug kaufen! Oder gar nichts!" Dem klugen Kaufmann ist nämlich völlig gleichgültig, ob der Kunde zufrieden ist. Und über den Sinn von genormten Steckern denkt er nur nach, wenn er die Konkurrenz deswegen verklagen kann.

Das Nichtfunktionieren besteht übrigens darin, dass bei den nichtoriginalen Ohrhörern bestimmte Frequenzen herausgefiltert werden. Da werkelt wohl einfach eine Software, die für NoiseReduction oder GeräuschCancelling oder irgend solchen Quatsch sorgen soll. Man kann sie natürlich nicht konfigurieren.

Also zieht der Große Bloguator los, um geeignete Ohrstöpsel zu erwerben.

Das Angebot ist ebenso riesig wie das der smarten Fone. Der Umstand, dass nicht alle gleich funktionieren, müsste den Leuten, die sich täglich damit beschäftigen, eigentlich bekannt sein, glaubt man so. Nur findet sich nichts davon auf der Produktbeschreibung. Einig sind sich alle nur über iPhone *und* Android.

Deshalb wissen es auch die Fachverkäufer nicht. Wer herausfinden will, ob es funktioniert, muss solche Ohrstöpsel kaufen und ausprobieren.

Es ist überraschend, aber in der Packung liegt keine Gebrauchsanweisung. In unserer Gegenwart werden Gebrauchsanweisungen für die trivialsten Gegenstände verfasst und beigelegt. Gerade für Ohrhörer, die man nur auf eine einzige Weise an die einzige vorhandene Buchse anstecken kann, wäre demnach eine umfangreiche Gebrauchsanweisung zu erwarten.

Aber! Immerhin! Es gibt Sicherheitshinweise! Na klar, was denn sonst!

Sie befinden sich - TUSCH! - auf der Innenseite der verklebten Packung. Heißt: Wer sie wirklich lesen wollte, muss zuerst die Packung zerstören.

Doch, doch, Aufreißen fällt unter Zerstören.

Nur muss das allen entgangen sein, die beim Design- und Marketing-Prozess mit dieser Verpackung zu tun hatten. Das wäre *Bildungsnotstand* und nicht ungewöhnlich in unserer Gegenwart: Die Entscheidungsträger - Abitur, Hochschulabschluss - sind nicht in der Lage, den Zweck einer einfachen Maßnahme zu erkennen.

Oder es wäre nicht allen entgangen:
"Sicherheitshinweise auf der Innenseite vom Karton? Sind sie wahnsinnig?"
"Aber sonst liest es doch jeder!"
"Ach was! Und?"
"Und dann kaufen es die Leute vielleicht nicht. Oder sie kaufen das Produkt von der Konkurrenz, wo nichts drauf steht."
"Aha. Na dann."


Das wäre wohl Täuschung, wenn die Zuständigen offensichtlich gar nicht wolllen, dass irgendjemand das liest. Aber in unserer Gegenwart stört sich kaum jemand noch daran.


Nun gut, so weit die Kritik am Verpackungsdesign und Marketing-Versagern. Diese Geräte stammen von der Firma VIVANCO. Die Ohrstöpsel selbst funktionieren am Ende genau so, wie sie sollen und Der Große Bloguator™ ist zufrieden.

11 Januar 2019

Die reine Größe

Wenn ich sehr große Frauen sehe, bemerke ich häufig einen irgendwie melancholischen Blick. Und eine Körperhaltung, die den Wunsch auszudrücken scheint, dass sie lieber ganz unauffällig sein wollten. Unauffälliger, als sie mit ihrer überdurchschnittlichen Größe sind. Sie versuchen, sich einzufalten. 98 Prozent dieser Gruppe laufen in ostentativ flachen Schuhen herum. Die Schuhe drücken nur eins aus: Ich will kleiner sein - nicht bequem laufen.

Ich - Der Große Bloguator™ - bin auch ein wenig größer als der Durch­schnitts­deutsche. Aber Jungs werden nie auf Körpergröße angesprochen, und wenn, dann nicht im negativen Sinn, sondern schlimmstenfalls neutral, aber meistens ermutigend

In Bezug auf Mädchen klingelt mir irgendwie der Spruch einer alten Frau im Ohr “Das ist ja gar nicht schön, wenn Mädchen so groß sind!” und nie nie nie antwortet eine “Ja Oma, ich werde gleich etwas dagegen tun.”

Mädchen wurde lange Zeit Unzulänglichkeit eingeredet. Für seine Körpermerkmale kann ja niemand was¹. Das ist ungerecht und eine Plage.




¹ ja, über schlechte Ernährungsgewohnheiten kann man streiten

06 Januar 2019

Ferne Welten - Galaktische Römer


Wir befinden uns in nicht allzu ferner Zukunft, auf einem Planeten, den die ersten Besucher von der Erde "Frankensteins Zoo" getauft haben. Das hat mit den Eigenheiten des Planeten zu tun, die nicht in allen Punkten den menschlichen Erwartungen entsprechen. 

Die ersten Besucher von der Erde sind eine dreiköpfige Raumschiffbesatzung, bestehend aus dem Kapitän, dem Arzt und einem Ingenieur, der nicht spricht. Ein riesiger Schleimpilz wandert, liest Gedanken und formt mit seinem flexiblen Fruchtkörper zuweilen die vorgefundenen Phantasiebilder eins zu eins nach, ein unheimlicher Pantomime.

Im Zuge der ersten relativistischen Reise ist den ersten relativistischen Reisenden inzwischen völlig unklar, ob dieser Planet und sein Sonnensystem nun hundertzwölf oder tausendzwölf Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Oder irgendeine beliebige andere unüberwindliche Entfernung. Sie werden von Heimweh, Sehnsucht und einer gewissen schöpferischen Unruhe heimgesucht. Manchmal ist ihnen langweilig.


"Schon komisch, dass wir so weit draußen noch niemanden getroffen haben, was Käpt'n?"

"Wir haben den untoten Grafen getroffen."

"Der zählt nicht!"

"Wieso soll der nicht zählen?"

"Der war eine Halluzination!"

"Ihre Halluzination hätte sie in Einzelteile zerlegt und gegessen, wenn ich ihn nicht besänftigt hätte!"

"Glauben sie."

"Ja, glaube ich. Na gut, einigen wir uns auf ‘sehr eindrucksvolle Halluzination’. Mal sehen, wann uns die Halluzination wieder besucht und meinen Chardonnay wegtrinkt."

"Aber sonst, warum ist denn hier niemand?"

"Wen wollten sie denn treffen, hier auf Frankensteins Zoo?"

"Na, so wie uns muss es doch auch andere Zivilisationen geben, die intergalaktisch reisen können? Oder meinetwegen auch nur galaktisch."

"Muss es?"

"Nun, einfach wegen der Wahrscheinlichkeit. Eine Galaxie mit Milliarden von Sternen. Jeder zehnte oder so hat Planeten, aber dafür immer mehrere. Selbst wenn die Entstehung von Leben auf vielen Zufällen beruht - bei Milliarden von Möglichkeiten muss es doch wenigstens ein paar geben, die zufällig genauso weit gekommen sind, wie wir?"

"Aber wir sind doch nicht weit gekommen. Drei hilflose Gestalten, von denen einer nicht spricht, haben die Entfernung von hundert Lichtjahren überwunden."

"Oder tausend..."

"Ja, ja, ja, schon gut! Ich weiß es nicht genau! Sie müssen mich nicht ständig wieder darauf hinweisen!"

"Nun, sehen sie mal, Käpt'n: Selbst wenn wir heute noch hilflos umher irren, wird das in ein paar hundert Jahren ganz anders sein. Die Menschheit wird sich entwickelt haben, viel weiter sein, wird in der Lage sein, viel größere Entfernungen zu überwinden. Und vielleicht werden die Raumfahrer dann sogar bestimmen können, wo sie gerade sind."

"Ich habe sehr genau bestimmt, wo wir gerade sind! ABER WIR SOLLTEN HIER NICHT SEIN!"

"Aber hier ist es doch ganz schön? Ich wundere mich doch nur darüber, das wir allein sind. "

"Bis auf den..."

"JA! BIS AUF DEN GRAFEN! Ich meine: Warum ist hier niemand außer uns? Die anderen müssen den Planeten doch gesehen haben. Die müssen doch auch Forscher haben. Und Eroberer!"

"Sie erwarten ein galaktisches römisches Reich, was?"

"Wieso römisches Reich?"

"Die Römer waren die am besten organisierte Zivilisation ihrer Zeit. Zivilisationen gab es zu diesem Zeitpunkt schon viele. Viele  kannten sich untereinander sogar, Phönizier, Griechen, Inder, Karthager, Ägypter. Aber die Römer waren in der Lage, die anderen zu erobern und niederzuwerfen. Das ging nur mit einer fantastischen, aber beängstigend destruktiven Organisation."

"Worauf wollen sie hinaus?"

"Darauf, dass ich Angst habe, die galaktischen Römer zu treffen. Eine außerirdische Zivilisation, die technologisch noch weiter ist als wir, aber intellektuell und moralisch unterhalb der Stufe von Kannibalenstämmen steht. Und die dann ein galaktisches römisches Reich errichtet."

"Jeder römische Bürger konnte sich in den Grenzen des Reiches frei bewegen!"

"Aber nicht jeder Mensch in den Grenzen des Reiches war römischer Bürger. Viele waren Sklaven. Und ebenso viele waren schlicht Beutegut, eine Hemmnis bei der Eroberung der benachbarten Länder."

"Na, na..."

"Julius Cäsar brüstete sich sogar damit, dass er die halbe Bevölkerung des von ihm eroberten Gallien niedergemetzelt hatte, und die andere Hälfte in die Sklaverei geführt. Er schickte stolz Listen darüber nach Hause. Das war nur möglich, weil die Römer technologisch fortschrittlich waren, sowie sehr gut organisiert. Und skrupellos."

"Als Eroberer muss man doch skrupellos sein. Sie wollten eben ein bequemes Leben auf Kosten der anderen."

"Die Idee von der Eroberung, von dem immer weiteren Wachstum, hatte sich aber völlig verselbständigt. Sie hätten auch bequem auf Kosten der anderen leben können, ohne das Reich immer noch weiter auszudehnen. Ihnen war egal, *warum* sie die Welt erobern sollten, und was dabei alles zerstört würde."

"Mag schon sein. Müssen wir die Römer jetzt noch verurteilen? Immerhin sind sie tot."

"Aber diese Idee nicht! Jetzt stellen wir uns einen solchen Charakter im galaktischen Maßstab vor."

"Nein, das ist doch ganz anders! Eine barbarische Zivilisation entwickelt sich doch gar nicht so weit!"

"Na klar doch, selbstverständlich. Alle alten großen Weltreiche gründeten auf der reinen Barbarei: Der Kaiser Chin, die Mongolen, die Amerikaner. Einige haben es versucht, aber die technologische Führung genügte nicht, wenn sie nicht ausreichend organisiert waren."

"Welche sollten das sein?"

"Beispielsweise die Deutschen zur Zeit der Hunnen. Also, ich meine zur Zeit der Nazis. Die wollten sich die ganze Welt untertan machen. Technologisch waren sie führend in der Welt. In ihrem Überlegenheitswahn auch. Wurden aber von unterentwickelten Völkern zurückgeschlagen, die wussten, worauf es wirklich ankommt. Bis dahin hatten sie ebenfalls Millionen wehrloser Menschen umgebracht - wie viel verschwendetes Potential!"

"So, so."

"Ja, ich finde auch, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass da draußen außer uns noch andere sind. Und deshalb bin ich froh, wenn wir weder die galaktischen Römer noch die galaktischen Deutschen treffen, die gnadenlos ein Reich über die halbe Galaxis errichten. Und den untoten Grafen haken wir vorläufig unter Halluzination ab. Bis er mir wieder meinen Chardonnay wegtrinkt.”

05 Januar 2019

Kartenzahlung

Der Große Bloguator™ in der Kassenschlange im Supermarkt, ungeduldig von einem Bein aufs andere:
"Und was war jetzt nochmal der Vorteil von Plastikgeld?"
"Das Bezahlen ist sooo viel bequemer!"
"Aha, weil es jetzt länger dauert?"
"Und man trägt nicht so viel Bargeld mit sich herum!"
"Also, wenn man jetzt überfallen wird, kann einen der Straßenräuber erst noch mit gutem Gewissen ein wenig foltern, bis man die Geheimzahl rausrückt!"
"Äh..."
"Ich sehe schon - lauter Vorteile."
Auf Nachfrage nimmt die Frau an der Kasse das Kleingeld sehr gerne.

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