30 April 2010

Interludium

Sorry, ab heute gehts ein wenig holpriger weiter, weil sich die Segelsaison dem ersten Höhepunkt nähert: Zuerst den Chiemsee und dann den Lago di Garda. Werde versuchen von unterwegs was ins Netz zu stellen. Keine Garantie!

Uuuuund weg!

Zahlungsmoral (9)

eine fast nicht erfunden Geschichte


Was bisher geschah:
Wir üben unblutige aber nachhaltige Vergeltung im unbeaufsichtigten Büro eines gierigen Architekten. Dabei haben wir es auf das abgesehen, was er am liebsten hat: Das Geld.


...

Viele Projekte waren sowieso doppelt und dreifach archiviert, da immer wieder einmal eine komplette Sicherung durchgeführt worden war. Nach welchem System das geschah, und ob es überhaupt ein System gab, war mir schleierhaft. Es gab jedenfalls zahllose Dateien mit demselben Namen, aber unterschiedlichem Inhalt. Davon löschte ich jeweils die neueste. Wer jetzt auf das Archiv zugriff erwischte mit tödlicher Sicherheit einen nichtaktuellen Stand. Bedauerlich, wenn man sich darauf verlassen hat, dass es eine aktuelle Sicherung gibt.

Natürlich lag noch eine Kopie außerhalb des Servers, auf CD gebrannt. Aber die musste erst jemand heraussuchen und langwierig einspielen. Das würde er nur tun, wenn er bemerkt hatte, dass die Sachen auf dem Server unvollständig waren, und dann musste sichergestellt werden, dass es sich nunmehr wirklich um den aktuellen Stand handelte, was oft nur durch einen aufwändigen Vergleich mit den älteren Dateien möglich war. Das einfache Nachschlagen archivierter Dateien würde also in Zukunft sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen als beabsichtigt und der Wunsch, mit dieser Einrichtung Zeit zu sparen sich ins Gegenteil verkehren. Das passiert beinah jedem, der regelmäßig am Rechner arbeitet, bei allerlei Optimierung verliert man das eigentliche Ziel verblüffend schnell aus den Augen. Tut mir leid, Arbeit mit Computern ist oft so: "Computer erleichtern einem nur die Arbeit, die man ohne Computer gar nicht hätte."

Als Ergebnis meiner Bemühungen würde es auf jeden Fall etwas dauern, bis die Verstöße mit der online gestellten Software durch die Rechteinhaber entdeckt waren, bis der Rechteverletzer ermittelt war, bis die Anwälte ihre Kostennoten aufgesetzt und zugestellt hatten. In weniger als einem halben Jahr war bei all meiner Sorgfalt kein großer Erfolg zu erwarten. Danach wahrscheinlich umso durchschlagender.

Immerhin konnte ich so den Server auch gefahrlos nutzen, um für mich selbst jede beliebige Datei aus dem weltumspannenden Netz herunter zu saugen: Beliebig groß, beliebig kompliziert, mit beliebig langer Ladezeit und beliebig illegal - der Server lief ja rund um die Uhr. Die Übertragung vom Server zu mir war nicht mehr nachvollziehbar. Am besten hätte ich sogar versuchen sollen, diesen Zustand möglichst lange aufrecht zu erhalten. Schade eigentlich.

Die Original-CDs der Software-Hersteller braucht man immer wieder einmal, wenn die Software danach fragt. Deshalb lagen sie im Büro, für die Mitarbeiter zugänglich. Ich ersetzte sie ebenfalls durch Scheiben mit dem schwarz gebrannten Programm drauf. Die Sache musste ja ihre Logik haben. Selbst wenn es jemandem auffallen würde, hätte niemand eine Erklärung dafür und sie würden sich damit zufrieden geben.

Das Büro wurde mit einer Mischung aus Ignoranz und Argwohn geführt, der Fachbegriff dafür lautet "Management by Fear". Wer eine Frage stellte, bekam entweder eine unzutreffende Antwort oder musste sich womöglich für diese Zeitverschwendung in einer peinlichen Inquisition auch noch rechtfertigen. Deshalb fragte lieber niemand: Man braucht die CD nun mal und die Originale waren irgendwie weg.

In großer Zahl lagen dafür illegale Kopien sündig teurer Software herum. Dank meines beherzten Eingreifens waren auch die Kaufbelege für die Originalsoftware verschwunden. Im Fall einer Hausdurchsuchung beim Architekten sollte die Polizei sich ebenso erfolgreich fühlen wie bei der Enttarnung einer riesigen Hanfplantage.



Fortsetzung hier: Zahlungsmoral (10)

29 April 2010

So vieles

Es gibt so vieles, das man nicht weiß.
Beziehungsweise so vieles
von dem man nicht weiß,
dass es existiert.

Beispielsweise den Interkulturellen Integrationsverein TAMGA. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss (Nicht nur) von Tataren für Tataren in Berlin.

Zahlungsmoral (8)

eine fast nicht erfundene Geschichte



V.


Mit Hilfe des Tunnelprogramms gelang es mir, von außen auf den Server zuzugreifen. Dafür genügte ein gewöhnliches Programm für die Fernwartung. Ich benutzte es, um nach fertiggestellten Downloads neue Downloads zu starten und weitere raubkopierte Software im Namen meines Ex-Chefs ins Internet zu stellen. Solche Operationen führte ich anonym vom Internetcafé aus durch, nur zur Sicherheit.

Ich hatte die ganze neue Software in den Tiefen des Systems untergebracht, so dass man keinesfalls zufällig darauf stoßen konnte, sondern nur, wenn man genau wusste, wonach man sucht. Im Fall der Entdeckung wäre der Verdacht zuerst auf den jugendlichen Systemadministrator gefallen, der ja ohnehin nur beschäftigt wurde, weil er billig war. Er war zu der Zeit allerdings verreist, wie ich wusste. Im Zweifelsfall hatte er damit eine Art Alibi, das aber erst von schwerwiegenden Fachleuten bestätigt werden konnte. Im Büro selbst würde ihm vorläufig niemand glauben.


VI.

Bei meinem nächsten Besuch installierte ich auf dem Rechner jedes Mitarbeiters die heruntergeladenen illegalen Programme. Über ganz neue Programme hätten sie sich bestimmt gewundert. Deshalb ersetzte ich gezielt die legalen Versionen des Büros durch illegale mit geknackten Passwörtern. Bei jedem dieser Programme gab ich die Kommunikation mit dem Internet frei, so dass sie sich früher oder später direkt mit ihrem Hersteller in Verbindung setzen konnten. Das würde spätestens beim zweiten Aufrufen der Hilfefunktion geschehen. Gleichzeitig war das der Beweis, dass diese Programme aktiv benutzt wurden. Selbst wenn das Büro auch legale Kopien davon besaß, bedeutete es erstmal Ärger.

Aus Kreisen meiner Bekannten höre ich, dass geknackte Software oft nicht ganz so zuverlässig läuft. Mein umfassendes Update sollte demnach undefinierbare Fehler und insgesamt eine merkliche Senkung der Büroeffizienz zur Folge haben, außerdem erboste Anrufe bei der Hotline der Programm-Anbieter. Manchmal ist das kostenpflichtig.

Wenn auf dem Rechner eines Mitarbeiters ein Programm nicht vorhanden war, installierte ich es trotzdem und löschte nur die Start-Knöpfe für den einfachen Zugriff. So konnte man es nicht gleich sehen. Ich stellte diese Programme so ein, das sie in regelmäßigen Abständen automatisch beim Hersteller nach Updates suchten. Der würde vielleicht irgendwann bemerken, dass er so viele Programme gar nicht verkauft hatte und seinerseits Maßnahmen einleiten.

Ich hätte zum Ruhme der Strafverfolgungsbehörden gerne auch noch eine Spur in Richtung Kinderpornographie gelegt, aber dafür fehlen mir nun wirklich die notwendigen Kenntnisse. Und ich kenne auch niemanden, den ich danach fragen möchte.

Alles weitere konnte ich von da an vom Internetcafé aus erledigen. Nach der Software lud ich Musik herunter, jeweils die aktuellsten Titel und Neuerscheinungen - nach denen sucht die Musikindustrie: Je größer der Hit desto schärfer sind sie hinter den Rechteverletzern her. Welches Recht gilt wird dabei von der Musikindustrie definiert.

Nach einer Weile füllte sich der Server mit Daten. Es war einfach nicht mehr genug Platz für Neues. Aber man soll doch für Neues immer offen sein. Ich durchsuchte den Server nach archivierten Projekten, auf die immer wieder zugegriffen worden war. Da gab es eine ganze Menge, das Archiv dient ja zur Sicherheit, bezie-hungsweise zu einem bequemen Zugriff, falls man doch noch einmal eine Information braucht. "Zuviel Komfort ist ungesund" sagte ich mir und löschte einige Archive ganz und aus anderen wahllos einzelne Dateien.





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28 April 2010

Zahlungsmoral (7)

eine fast nicht erfundene Geschichte

Was bisher geschah:
Wir befinden uns inzwischen im unbeaufsichtigten Büro eines gierigen Architekten der uns hereingelegt hat und machen uns Gedanken über die Sicherheitsmaßnahmen der informationsverarbeitenden Geräte.


...

Ein neunzehnjähriger Computerfreak legt seine Schwerpunkte intuitiv anders als beispielsweise ein Architektenbüro. Er findet es selbstverständlich, ja geradezu notwendig, dass auch ein paar Kanäle nach draußen geöffnet sind, mit denen Musik gehört werden kann oder Videos abgerufen oder Programme heruntergeladen. Der Unterschied zwischen "ein wenig illegal" und "bedrohlich" ist ihm nicht bewusst. Seine Freunde machen das ja alle so.

Im übrigen bringt neuere kommerzielle Software ihre sehr eigenen Sicherheitsmaßnahmen mit: Die zugehörige Hilfe wird inzwischen häufig aus dem Internet abgerufen. Dafür muss ebenfalls ein Kommunikationskanal geöffnet werden - der zufällig auch die Überprüfung ermöglicht, ob es sich um eine legale Kopie des Programms handelt.

Die Versuchung zur Verwendung von illegaler Software ist angesichts der Kosten der Programme groß. Die Hersteller wissen das und suchen im Internet gezielt danach. Sie wissen auch, dass Mitarbeiter zuweilen selbst gebrannte Programme ohne Wissen des Chefs oder des Administrators installieren, weil ihnen das die Arbeit erleichtert. Wenn der Chef sich darum nicht kümmert, weil er nichts davon weiß, und der frustrierte Administrator keine Autorität hat, bleibt das Programm eben und das Risiko steigt.

Bei meinem Architekten wurden nur wenige Programme benutzt, aber die waren eigentlich alle bezahlt und legal. Die Mitarbeiter hatten keinen besonderen Ehrgeiz, sich mit noch mehr neuer Software zu befassen als zu ihren ausdrücklichen Aufgaben gehörte. Sie standen außerdem mit Passwörtern auf Kriegsfuß. Die Rechner an ihrem Arbeitsplatz waren entweder gar nicht gesichert oder mit so schwierigen Passwörtern wie den Namen von Kind, Freund oder Hund. Von allen Stationen aus konnte man auf den gesamten Server zugreifen.

Hier wollte ich ansetzen. Bei meinem ersten Besuch installierte ich auf jedem Rechner - außer dem vom Chef - ein Programm zur Untertunnelung der Firewall. Damit hätte nun jeder Musik herunterladen können. Das interessierte sie gar nicht, wie ich wusste. Aber darüber, dass man jetzt an nervenzehrenden und zeitraubenden Internetauktionen teilnehmen konnte, freuten sie sich bestimmt sehr. Oder online Bücher und Kosmetik bestellen. Womöglich Poker spielen. Und seine E-Mail außerhalb des büroeigenen Systems bearbeiten.

Sie würden sich über diesen unerwarteten Mehrwert sicher nicht beim Chef beschweren, sondern still genießen. Das Tunnelprogramm installierte ich auch auf dem Server. Dort sollte es seinen bestimmungsgemäßen Zweck erfüllen: Das Herunterladen von Musik und Dateien ermöglichen, auch wenn das irgendeinem Vorgesetzten nicht passt. Und den Zugriff von außen ermöglichen.

Der Server läuft permanent und ist permanent mit dem Internet verbunden. Ich installierte ein paar Filesharing-Programme und wählte zum Herunterladen vorläufig alles, was es an guter teurer Architektensoftware auf dem illegalen Markt gibt. Sowie ein paar Programme, die man als Architekt eigentlich gar nicht braucht, weil sie die Fähigkeiten meiner Zunft bei weitem übersteigen. Hauptsache teuer.

Verbreitete Filesharing-Programme sind so aufgebaut, dass alles, was man herunterlädt gleichzeitig auch vom eigenen Computer aus zur weiteren Verbreitung angeboten wird - man wird also zwangsläufig zum Hehler, wenn man solche Programme benutzt. Doch, das ist schon das richtige Wort. So lange man an der Konfiguration nichts ändert, werden die heruntergeladenen Dateien auch nach dem Abschluss des Downloads weiter angeboten. Und ich wollte an der Konfiguration nichts ändern.

Damit wurde der Server des Büros zur Verteilstelle für Architektensoftware im Gegenwert eines Mehrfamilienhauses. Irgendwann würde das schon jemandem im Büro auffallen, dachte ich mir. Also: Nicht jemandem im Büro des Architekten sondern im Büro des jeweiligen Softwareherstellers. Außerdem erinnerte ich mich, dass die Mühlen der Justiz langsam mahlen, so sagt man doch? Aber je länger dieses interessante Angebot bestand, desto größer sollte der vermeintliche Schaden sein und infolge damit die Summe, die die Softwareschmieden von ihren unbescheidenen Anwälten irgendwann beanspruchen lassen würden.

Ich schaltete die Rechner der Mitarbeiter wieder ab, während der Server leise surrend unter dem Tisch weiterlief. Wie ich erwartet hatte, war mir nach sechs Uhr im Büro niemand begegnet und ich begab mich zufrieden nach Hause.





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27 April 2010

Zahlungsmoral (6)

eine fast nicht erfundene Geschichte


...

IV.

Außer mit dem Häuserbau kenne ich mich noch mit Computern einigermaßen aus. Das bringt der Job mit sich. Man bearbeitet die verschiedensten Aufgaben und benutzt dafür mindestens ein halbes Dutzend Programme, zum Zeichnen, zum Konstruieren, zum Kalkulieren, für so simple Dinge wie Ordnerrücken oder so schwierige wie die Berechnung des Wärmebedarfs. In jedem Büro gibt es außerdem ein Netzwerk, und die Daten müssen regelmäßig gesichert werden. Oder sie sollen an jemanden verschickt werden, und zwar in einem Dateiformat, das der Empfänger auch lesen kann. Dabei machen einem Firewalls, automatische Virenscanner und Trojanerschutz das Leben zusätzlich schwer.

Fast das ganze Wissen eines Büros steckt in den kleinen Kisten und von allen wird es beinahe regelmäßig auf den Server kopiert, so dass dort fast die gesamte Information in einem einzigen Teil vorliegt. Ich hätte jetzt einfach den Server mitnehmen und die anderen Rechner neu formatieren können. Aber die Daten wurden regelmäßig gesichert und außerdem wäre der Verdacht sofort auf mich gefallen. Der Schaden wäre klein und mein Risiko groß gewesen. Ich hatte mir das anders herum vorgestellt.

Der "Systemadministrator" des Büros war der halbwüchsige Sohn eines Mitarbeiters. Er war zu dem Job gekommen, weil er eine Schule mit Computer-Schwerpunkt besuchte, das Wort Netzwerk fast fehlerfrei aussprechen konnte und zudem wenig kostete. Sein Vater hatte beim Chef ein gutes Wort für ihn eingelegt. Der Job seines Sohns ersparte ihm etliche Diskussionen ums Taschengeld. Und ganz konkret das Taschengeld. Dem Sohn war beides zu poplig: Die Diskussion wie auch das Taschengeld selbst, weil er mit dem Job das dreifache des regulären Taschengeldsatzes seiner Mitschüler verdiente.

Wegen dieser Konstellation hatte das Netzwerk des Büros erwartungsgemäß ein paar Eigenheiten: Die Sicherheits­maßnahmen bestanden aus Standardprogrammen für Heimanwender. Alle solchen Programme werden sehr unkomfortabel, wenn man die Sicherheitsstufe anhebt. Man muss immer wieder Passwörter eingeben oder bekommt am laufenden Band dumme Fragen gestellt. Das störte natürlich alle Mitarbeiter und deshalb war überall die niedrigste Sicherheitsstufe eingestellt und alles so konfiguriert, dass es gegen einen nicht allzu boshaften Angriff von außen geschützt sein würde. An einen Zugriff von innerhalb des Büros dachte ohnehin niemand: "Wieso? Wir sind doch hier! Und wir kommen doch sowieso an alle Daten ran..."

Wenn der jugendliche Systemadministrator einmal ein neues eigenes Programm mitbrachte und dieses nicht sofort reibungslos funktionierte wurde ohne zu zögern daran herumkritisiert und damit vorwurfsvoll seine Kompetenz in Zweifel gezogen, aber von bequemen Ignoranten die noch nicht einmal das Problem bei der Sache verstanden.

Zweifel waren zwar generell angebracht, nur fehlte dem Jungen dafür die Einsicht und den Kritikern sowohl das fachliche Interesse wie auch der Wille zu diplomatischem Vorgehen. Der Administrator war daher ein wenig frustriert und - ganz neutral gesagt - vom Anspruch der Aufgabe überfordert. Ohne es selbst zu merken. Im Grunde machte er für sein Taschengeld Dienst nach Vorschrift.




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26 April 2010

Zahlungsmoral (5)

eine fast nicht erfundene Geschichte



III.

Wie ich wusste, wollte der Architekt in den Ferien mit Frau und Tochter für mehrere Wochen nach England fliegen, damit sich die verzogene Göre auf ein Reitturnier vorbereiten konnte.

Dieser bevorstehende Ausflug war kaum zu übersehen gewesen: Während ich schuftete hatte der Chef nichts anderes im Kopf als die Reise, weil der dortige Star-Trainer nicht jeden Schützling zum Trainieren annehmen wollte. Die Frau vom Chef hatte ihrem geliebten Gatten vorsorglich klargemacht, dass es zu einer hässlichen Scheidung kommen würde, falls ihre Tochter an diesem Trainingslager nicht teilnehmen könnte. Also legte er sich ins Zeug. Nach mehreren Wochen und mehreren beflissenen Telefonaten mit dem englischen Trainer durfte sie mitmachen. Dann waren noch Flüge, Unterkunft und Mietwagen zu buchen. Darum musste sich die Sekretärin kümmern, weil sie ja sonst nichts zu tun hatte. Anschließend war alles je einmal umzubuchen, weil das Hotel der Gattin nicht edel genug war, der Mietwagen dem Architekten zu klein und der Flug vom falschen Flughafen und überhaupt allen zusammen zu früh startete.

Allein die Organisation dieser Reise beanspruchte eine Woche Arbeitszeit der Sekretärin - während mir meine tatsächlich angefallenen Arbeitsstunden vorgehalten wurden.

Aber ich kannte den Zeitpunkt: Der Flug lag innerhalb der Ferien und konnte nicht mehr verlegt werden, und damit war klar, wie lange der Chef weg sein würde. Seine festangestellten Mitarbeiter würden in dieser Zeit eine noch ruhigere Kugel schieben als sonst. Dies verschaffte mir Spielraum für meine Maßnahmen. Nach abends um halb sechs und an den Wochenenden würde unter Garantie kein Mensch im Büro sein. Und selbst wenn ich zufällig auf die Putzfrau treffen sollte, konnte ich ihr erzählen was ich wollte - außer mir sprach nämlich ohnehin niemand mit ihr. Ich fasste den Entschluss, das Büro wieder einmal zu besuchen. Außerhalb der Geschäftszeiten.




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23 April 2010

Zahlungsmoral (4)

eine fast nicht erfundene Geschichte


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Büroschlüssel haben im Normalfall einen gewissen Wert, sie gehören meist zu einer Schließanlage. Wenn die Schließanlage das ganze Haus umfasst, wird sie vom Vermieter gestellt und man muss den Schlüssel beim Auszug zurückgeben. Selbst ein einzelner Schlüssel hat dann etwa den Gegenwert eines Kleinwagens. Ist er weg, muss unter Umständen alles ausgewechselt werden, dafür wird leicht eine fünfstellige Summe fällig. Unsere Schließanlage gehörte aber nicht dem Vermieter, sondern dem Büro allein. Das waren viel weniger Schlösser und die auch nicht besonders hochwertig, nur gerade so, dass man telefonisch beim Schlüsseldienst einzelne Teile nachbestellen konnte. Vor allem aber: Über solche eigenen Schlüssel muss der Mieter niemandem Rechenschaft ablegen, man muss sie niemandem zurückgeben.

Da meine Arbeit nun wohl zu Ende war, stellte ich eine Rechnung über die gesamte angefallene Arbeitszeit. Auf dem Papier eine ansehnliche Summe. Die Chance, das Geld auch wirklich zu bekommen, war bei realistischer Einschätzung aber gering. Ich hatte nichts schriftliches in der Hand und bei einer Klage musste ich alles beweisen: Welche Arbeit ich erbracht habe, welches Honorar vereinbart war, dass ich keine Fehler gemacht habe. All das würde vom Chef bestritten werden, so weit kannte ich ihn ja nun. Wenn ich mir einen Anwalt hätte leisten können. Konnte ich nicht, ich war damals ziemlich klamm.

Nach weiteren drei Wochen rief der Chef selbst noch einmal bei mir an, in forschem Ton, er bräuchte jetzt den Schlüssel zurück. Ich war erstaunt, dass er all seinen Mut zusammen genommen hatte. "Was für einen Schlüssel?" Ich musste sicherheitshalber erst einmal alles bestreiten, wusste ja nicht, ob da nicht ein Tonband mitläuft und unser Gespräch aufzeichnet. "Den ich dir gegeben habe!" Meinem Ex-Chef war diese Situation natürlich klar. "Ich kann mich nicht erinnern." "Mach keine Spielchen mit mir!" "Was für Spielchen? Wenn ich einen Schlüssel hätte, würde es doch bestimmt eine Unterschrift geben." Er wusste genau, dass es keine gab. Er versuchte es trotzdem. "Das ist Diebstahl!" "Aber wenn ich's doch sage..."

Warum genau er den Schlüssel brauchte blieb im Dunkeln, die Festangestellten hatten ja alle einen. Wahrscheinlich nur zur Sicherheit, um den nächsten freien Mitarbeiter hereinzulegen, falls sich die Gelegenheit ergab. Jedenfalls war er zu geizig, die Schließanlage auszutauschen, lieber überwand er sich und telefonierte mit mir, seinem Schuldner und versuchte, die Verhältnisse in ihr Gegenteil zu verkehren. "Da ist übrigens noch meine Rechnung offen." "Was für eine Rechnung? Kann mich nicht erinnern." Das ist üblich in solchen Fällen, selektives Erinnerungsvermögen. "Die, die ich neulich per Einschreiben mit Rückschein geschickt habe." "Ach die. Die war doch völlig überhöht." Sehr gelassen sprach er das aus, er saß ja am längeren Hebel.

"Weißt du, ich habe zehn Wochen für dich gearbeitet. Dafür möchte ich gerne mein Honorar haben" "Habe ich doch schon längst bezahlt. Du hast doch alles bekommen was dir zusteht." Er meinte: Was mir seiner Meinung nach zustand. Auf dieser Basis zu diskutieren war sinnlos. Ich machte einen letzten Versuch "Sobald ich eine Einzahlung auf meinem Konto finde, denke ich nochmal über den Schlüssel nach, vielleicht kann ich mich erinnern." "Nein, so wird nicht gespielt. Zuerst den Schlüssel!" Der Schlüssel war das einzige Pfand, das ich hatte "Nein, zuerst meine Zahlung." "Solange ich den Schlüssel nicht zurück habe, zahle ich keinen Cent!" Ich wusste aber: Und wenn ich ihn dir vorher zurück gebe auch nicht. "Ich fürchte, so wird das nichts." Mit den Worten "Ich werde dich verklagen!" verabschiedete er sich von mir.

Danach hörte ich nichts mehr von ihm. Dass er die Schließanlage nicht austauschen lassen würde war absehbar, das hätte Geld gekostet. Er hatte es einfach versucht. Er wollte gerne den Schlüssel zurück haben und mein Honorar trotzdem einbehalten. Dass das nicht funktionierte, erschien ihm weder überraschend noch besonders schlimm. Nun ließ er es dabei bewenden. Den einen Schlüssels würde er schmerzlich vermissen und seinen Geschäftspartnern und Bekannten mit treuem Blick von undankbaren und unehrlichen Mitarbeitern berichten. Namentlich von mir.

Ich war also pleite, aber immerhin im Besitz eines Büroschlüssels und etlicher Unterlagen die ich kopiert hatte, als sie unbeaufsichtigt herumlagen. Daraus ließ sich nicht direkt Geld schlagen. Aber das waren die Grundlagen für einige schöne Vergeltungsmaßnahmen.




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22 April 2010

Zahlungsmoral (3)

eine fast nicht erfundene Geschichte


Was bisher geschah:
Wir sind freie Mitarbeiter und haben bis vor kurzem im Büro eines überaus sparsamen und ein wenig unehrlichen Architekten frei mitgearbeitet.


II.

Ich ging nach Hause und löste den Scheck ein, bevor er sich das noch anders überlegte. Die nächste Woche blieb ich dem Büro fern und erledigte all die Sachen, die in der Hektik liegen geblieben waren, Finanzamt, Wäsche, Küche und Bad putzen. Im Büro schienen sie mich bis da hin nicht zu vermissen. Nach eineinhalb Wochen meldete sich die Sekretärin vom Büro bei mir: Ob ich noch den Schlüssel vorbeibringen könnte? So lange hatte der Architekt also gebraucht, um einen seiner teuer bezahlten Festangestellten zu dem Projekt zu überreden. Jetzt war er zu feige, selbst anzurufen und schickte seine Sekretärin vor. Die Frage nach dem Schlüssel hieß im Klartext: Ich brauchte gar nicht wieder hinzugehen.

Bedeutete für das Büro aber außerdem: Mit den Sonderleistungen für den Auftraggeber war jetzt Schluss, weil die Festangestellten ja immer pünktlich Feierabend machten. Die bekamen schon bei der Frage nach einem einzelnen Abendeinsatz nach achtzehn Uhr Tränen in den Augen, weil sie sooo gerne nach Hause wollten. Von den Wochenenden ganz zu schweigen. Aber das war es ihm wohl wert.

Ich war die ganze Woche einschließlich Samstag bis kurz vor Mitternacht geblieben und teilweise sogar sonntags - angeblich war der Auftrag ja wichtig. Tja, man irrt sich so leicht.

Der Sekretärin sagte ich "Nö, wieso? Den Schlüssel habe ich dem Chef zurückgegeben. Schon längst." Das war zwar feist gelogen, aber auch egal. Mir konnte man nichts beweisen, weil ich nichts unterschrieben hatte. Der Chef hatte mir in einer überraschenden Aktion gleich am ersten Tag den Schlüssel in die Hand gedrückt - er musste seine Tochter vom Reiten abholen, da seine Frau beim Friseur war. "Da hat hat sich irgendwas verschoben..." Klar doch, beim Friseur. Und damit wenigstens ich ganz in Ruhe und ungestört an seinem Projekt weiterarbeiten konnte bekam ich auf dem kurzen Dienstweg den Schlüssel. Den Quittungsblock konnte er in seiner Aufregung nicht finden. Verständlich.

In diesen kleineren Büros laufen Dinge oft so: Auf den ersten Blick sind alle wiederkehrenden Vorgänge penibel strukturiert. Im Detail, wenn es einen Grund gibt, wird allerdings vom gewünschten Organisations-Soll flexibel abgewichen. Und es gibt oft einen Grund: Man hat es eilig, Mittagspause naht, Unterlagen sind verlegt, Feierabend naht, auf der Baustelle ist was schiefgegangen, Ärger mit Ehefrau und Schwiegermutter, so etwa in der Art.




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21 April 2010

Zahlungsmoral (2)

eine fast nicht erfundene Geschichte

...

Mein Architekt und jetziger Chef versuchte also trotzdem, sich bei den Bauherren einzuschleimen. Ich war lange Arbeitstage lang da, ganze Wochenenden und es lief eine große Zahl von Arbeitsstunden auf. Aus zwei Wochen wurden zweieinhalb Monate. Ich dachte mir: "Naja, er ist erwachsen. Er wird schon wissen, was er tut." Außerdem hatte ich erfahren, dass die Aufgabe regulär bezahlt wurde, Honorarordnung, Rechnung, Mehrwertsteuer, alles in allem eine solide Grundlage. Das ist keineswegs die Regel, traf hier aber immerhin einmal zu. "Dann wird er halt nicht schlagartig reich", dachte ich mir, "sondern kann nur gut davon leben". Und ich auch.

Meine erste Frage nach Geld nahm er gleich vorweg. Man stellt diese Frage in der Regel entweder gleich zu Anfang und sonst nach etwa vier Wochen: Wie denn die Abrechnungsmodalitäten so seien? Dann reicht man seine Stundenliste ein und noch etwas später macht man aus der eine Rechnung. Stunden mal Stundenlohn gleich Honorar.

Ich reichte also nach vier Wochen meine Stundenzettel ein und er sprach: "Mit der Rechnung - wäre gut, wenn du die etwas später stellen könntest." In solchen Büros ist man häufig formlos und PER DU. Das sorgt für Vertrauen, gerade, weil man sich doch nicht ganz so gut kennt. "Die Auftraggeber, weißt du, die haben das Honorar noch nicht gezahlt, ich warte da noch auf den ersten Abschlag..."

Wenn man schon eine Weile im Geschäft ist, klingt das auch plausibel: Erst arbeitet man eine ganze Zeit lang, dann stellt man die erste Rechnung, die wird beim Bauherrn bearbeitet, geprüft, gegengeprüft, bleibt nochmal irgendwo liegen, und bis man das erste Geld hat, sind eineinhalb Monate rum. Eineinhalb Monate seit Rechnungsstellung, oder drei Monate seit Arbeitsbeginn. Da kann es schon vorkommen, dass man dann ein wenig klamm ist.

Sollte es beim Chef eines Büros eigentlich nicht, er trägt das unternehmerische Risiko - und wenn er nicht zahlen kann, darf er keine Leute beschäftigen, so einfach ist das. Ich war irgendwie blind und habe mich darauf eingelassen. Hätte ich nicht tun sollen. Aber er hatte ja auch den Vertrauensvorschuss als Vereinsmitglied.

Ich wunderte mich ein wenig, dass die angestellten Mitarbeiter auch beim größten Druck beizeiten Feierabend feierten, aber ich bis nachts sitzen musste. Später wurde mir klar: Deren Überstunden hätte irgendjemand zahlen müssen, und zwar pünktlich.

Nach acht Wochen reichte ich meinen nächsten Stundenzettel ein und erklärte, dass ich Geld bräuchte, ich hätte da eine Miete und ein, zwei andere laufende Kosten zu begleichen. Der Chef meinte, ich dürfe nicht ungeduldig werden, und ob ich ihm denn nicht vertrauen würde, und überhaupt seien das ja ganz schön viele Arbeitsstunden auf diesem Stundenzettel. Und er hätte das Geld vom Bauherrn leider leider immer noch nicht bekommen.

Die Bemerkung mit dem Vertrauen und den "ganz schön vielen Stunden" machte mich misstrauisch: Da baute einer seine Verteidigungsstellung auf. Das kennt man auch, wenn man schon eine Weile im Geschäft ist. Er hatte die ganze Zeit im Raum hinter meinem Arbeitsplatz gesessen, Glasscheibe selbstverständlich, damit man die Mitarbeiter unter Kontrolle hat. Und ich hatte nur dieses eine Projekt zu bearbeiten. Wenn ich also direkt vor seiner Nase im Büro saß, dann nur, um an seinem Projekt zu arbeiten. Wie konnte ihm da entgangen sein, dass eine Menge Arbeitszeit auflief?

Genau: Gar nicht. Ich fing deshalb ebenfalls an, eine Verteidigungsstellung aufzubauen, so etwas wie eine Rückzugsstation. Ich baute kleine Fehler in meine Arbeit ein, absichtlich. Flüchtigkeitsfehler, die man nicht sofort merkt. Aber die sich beim Bauen vielleicht nochmal als sehr lästig erweisen konnten. Und die man korrigieren kann - wenn man denn davon weiß.

Ich merkte mir den Standort aller Unterlagen im Büro und kopierte, was ich in die Finger kriegte. Ich hatte ja einen Büroschlüssel bekommen, damit der Chef nach Hause gehen konnte, zu Frau und Kind, während ich noch bis spät nachts für ihn arbeitete. Die Kosten für den Fotokopierer müssen in diesem Monat auf das fünffache gestiegen sein.

Eine Woche später erinnerte ich ihn an die offene Rechnung. Er wurde unwirsch: Nein, er hätte immer noch kein Geld. Ich sollte mich nicht so haben, ich wüsste doch, wie das ist. Er würde "selbstverständlich" zahlen, sobald das Geld da sei. Er meinte aber: Wenn "ausreichend Geld" da ist. Genau das ist eigentlich nie der Fall.

Dass es langsam kritisch wurde bemerkte ich daran, dass der Chef beim Nachhausegehen sein Zimmer abschloss. Hatte er in den Wochen vorher nicht getan. Im Büro standen vertrauliche Sachen ohnehin in verschlossenen Schränken: Steuerunterlagen, Auftragsunterlagen, Verträge, Personalunterlagen. Wäre also nicht direkt nötig gewesen, das Chefzimmer gesondert abzuschließen. Er tat es aber nun trotzdem.

Er wollte damit anscheinend demonstrativ sein Misstrauen zum Ausdruck bringen. Vermutlich erwartete er, dass ich nach so einer Beleidigung sang- und klanglos verschwinden würde. Erwachsene Menschen kommen auf so kindische Ideen. Er versuchte mich auf einfallslos trostlose Weise zu mobben. Irgend sowas muss es gewesen sein, was weiß ich.

Nach einer weiteren Woche legte ich meine nächste Stunden­abrechnung vor. Er fuhr mich an "Die vier Wochen sind noch gar nicht rum!" "Ist mir egal, ich brauch Geld!" Wir hatten auch keinen Vertrag, in dem irgend etwas von vier Wochen stand. Wir hatten überhaupt keinen Vertrag. Er war ja Vereinsmitglied, wir hatten uns mündlich geeinigt und ich dann mit der Arbeit angefangen.

Mündliche Einigung gilt. Muss man nur im Zweifelsfall beweisen können. Oder ein Druckmittel haben.

Ich verwies noch einmal auf meine Miete und dass ich Geld bräuchte. Er meinte, dass ich sowieso viel zu viele Stunden aufgeschrieben hätte. Ich sagte, dass er mir gefälligst eine Anzahlung geben solle, nach zweieinhalb Monaten wäre das wohl nicht zuviel verlangt. Darauf jammerte er eine Weile herum und machte mir dazwischen Vorwürfe wegen meiner Kaltschnäuzigkeit. Ich wies ihn darauf hin, dass das Projekt nicht fertiggestellt war und er auch keinen anderen dafür hätte. Da zückte er einen Scheck und schrieb eine beliebige vierstellige Summe drauf. Dann schimpfte er noch weiter über die heute allgemein verbreitete Unverschämtheit.

Dieser Scheck deckte etwa die ersten zweieinhalb Wochen meiner Arbeit. Weil ich Tag, Nacht und Wochenenden geschuftet hatte, war die Stundenanzahl aber höher als bei den Angestellten in einem Monat. Das reichte immerhin für meine Miete und den Strom. Ich fragte: "Wann kriege ich den Rest?" Da fing er wieder mit dem Vorwurf an, ich hätte viel zu viele Arbeitsstunden beansprucht und mehr sei nicht gerechtfertigt. Und im übrigen "Wenn das Honorar vom Bauherrn da ist!"

Aus einer undichten Stelle im Sekretariat wusste ich aber inzwischen, dass der Bauherr längst ordnungsgemäß überwiesen hatte. Mein großer Architekt wollte mich über den Tisch ziehen. Bei einem einzelnen freien Mitarbeiter klingt das einfacher als bei einem Angestellten, der vielleicht doch gewerkschaftlich organisiert ist.

Ich nahm den Scheck und ging. "Ich komme wieder, wenn ich Geld auf meinem Konto gefunden habe." "Du hast den Scheck bekommen - du MUSST weiter arbeiten!" Diese Logik habe ich bereits öfter erlebt. Sie ist erschreckend - aber falsch. Es gilt: Arbeit gegen Geld. "Ich muss gar nichts."

Ab da sann ich auf Rache.



... to be fortcontinued in kürze ... hier: Zahlungsmoral (3)

20 April 2010

Zahlungsmoral (1)

eine fast nicht erfundene Geschichte

Vor zwei Jahren habe ich als freier Mitarbeiter für einen anderen Architekten gearbeitet. Wäre natürlich schöner, ein eigenes Büro zu haben und selbst Mitarbeiter auszupressen. Aber die Dinge laufen halt nicht immer so, wie man sich das wünscht.

Vielleicht sollte ich noch vorweg schicken: "Die verbreitetste Krankheit unter Architekten ist der Geiz!" Das wollen wir uns bis zum Ende der Geschichte mal merken. Und je besser das Geschäft läuft, desto mehr quetscht ein richtiger Chef seine Mitarbeiter aus. Klar, auch hier gilt: "Die Leute hätten die viele Kohle nicht, wenn sie nicht so wären..." Aber ist das ein Trost? Wohl kaum.

I.

Je besser das Geschäft läuft, je bekannter so ein Architekt ist, desto größer ist der Anteil von unbezahlten Studenten und ganz unbezahlten Praktikanten im Büro. Und die anderen, die paar Festangestellten, bekommen regelmäßig wenig. Warum Mitarbeiter so etwas immer wieder mitmachen, fragt man sich. Aber die suchen eben Sicherheit, dafür nehmen sie so manche Unbequemlichkeit in Kauf. Angestellte in Architektenbüros lassen sich oft erstaunliche Dinge gefallen - interessanter Weise auch, was die Regelmäßigkeit der Bezahlung angeht. Da kann es schon vorkommen, dass zwei Monatsgehälter ausbleiben: "Der Bauherr hat nicht gezahlt, sorry." Der geleaste Jaguar des Chefs steht dann aber immer noch vor der Tür. Vielleicht suchen sie gar nicht wirklich Sicherheit, sondern ... sondern ... ich weiß es nicht.

Deshalb bin ich zwar kein Chef, aber auch kein Angestellter. Normalerweise geht das ganz gut und ernährt seinen Mann. Manchmal nicht.

Ich half also bei einem anderen Architekten aus. Ich kenne ihn vom Sehen aus meinem Sportverein, wo er mich ansprach: Er hätte da gerade einen personellen Engpass, ob ich nicht jemanden wüsste, der ihm ein oder zwei Wochen aushelfen könnte? Er sprach nicht zufällig mich an, wusste er doch, dass ich als Freiberufler arbeite - also genau das, wonach er suchte. Seine Erklärung klang erst mal plausibel.

Die ganz mickrigen Betrüger erzählen einem zuweilen auch gänzlich unplausible Geschichten. Aber auch die finden mit so einer Tränenstory noch einen mitleidigen Samariter, der versucht, sie aus der Scheiße zu ziehen. Dass das nicht geht, merkt der hilfsbereite Mitarbeiter meist zu spät.

Meiner war allerdings kein mickriger Betrüger, sondern ein Fachmann. Der sprach ganz profimäßig von einem personellen Engpass, ich wüsste ja selbst wie das manchmal sei: Monatelang warte man auf den Auftrag, und ausgerechnet als die wichtigste Mitarbeiterin sich in die Niederkunft verabschiedet hatte, sei der Auftrag gekommen. Und der andere Mitarbeiter sei leider krank geworden. Und die übrigen bis über beide Ohren ausgelastet. Er hatte als Vereinskollege zudem einen Vertrauensvorschuss.

Die Formulierung „ich wüsste ja selbst“ war eine klare Anbiederung. Inhaber funktionierender Büros gebrauchen sie mit Vorliebe gegenüber Leuten, von denen sie genau wissen, dass die kein eigenes Büro mit einem Dutzend Mitarbeitern haben. Sie tun damit so, als würde man miteinander auf einer Augenhöhe reden. Aber natürlich, ohne das wirklich zu meinen. Schon im Verlauf eines nur mittellangen Architektenlebens ist einem eine Menge mehr oder weniger wirkungsvolles Geschwätz begegnet und eigentlich beide wissen, dass die Sache mit der gleichen Augenhöhe keineswegs zutrifft. Ich schob diese hohle Phrase auf seinen wirklich dringenden Personalmangel.

Nun ja, er hatte einen personellen Engpass - ich hatte zufällig einen finanziellen Engpass. Das ist ja immer so, man hat immer nur eins: Zeit oder Geld. Ich hatte Zeit. Also fing ich bei ihm an.

Die Aufgabe war nicht außergewöhnlich anspruchsvoll, aber brauchte eine Menge Einsatz, weil der Chef auf jeden noch so absurden Änderungswunsch der Auftraggeber bereitwillig einging. Vorauseilend gehorsam. Jedes Husten des Bauherrenvertreters setzte er in einen neuen Entwurf um, mit entsprechendem Zeitaufwand. Konkret formuliert: Er wollte sich offensichtlich bei denen einschleimen. Der Aufwand dafür schien gleichgültig.

So etwas funktioniert nur selten. Das weiß ich, da die Ausgangslage gar nicht so selten ist: Dass Auftraggeber immer neue abseitige Wünsche und Ideen äußern, die für sie kostenfrei zu erledigen, darzustellen und zu prüfen sind. Dem muss man frühestmöglich energisch widersprechen. Wenn sie planmäßig auf dieser Masche reiten, ist die Geschäftsbeziehung sowieso vorbei, sobald der Auftragnehmer versucht, auch mal einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen. Wer einmal nachgegeben hat muss immer nachgeben, sonst ist er weg vom Fenster.

Wenn solche Auftraggeber den Auftrag kündigen wollen finden sie auch schnell einen anderen Dummkopf. Und selbst wenn sie keinen finden - zurückkommen können sie auf keinen Fall. Der frühere Auftragnehmer weiß dann  nämlich, dass sie jetzt erpressbar sind, eben weil sie keinen anderen gefunden haben.

Wer eine Weile im Geschäft ist, kennt das. Wer noch nicht so lange im Geschäft ist und eins und eins zusammenzählen kann, ahnt das.


... to be fortcontinued in kürze ... hier: Zahlungsmoral-2

16 April 2010

Arbeitsblockade

Wenn Der Große Bloguator™ das ganze Wochenende lang bei allen Freizeitterminen pünktlich war, muss er zum natürlichen Ausgleich an den Werktagen der folgenden Woche bei allen Arbeitsterminen zu spät kommen. Weiß jemand eine Methode, wie man da das Vorzeichen umdreht?

Vulkanterrorismus

Heute schafft es doch so ein blöder primitiver ungebildeter Vulkan, den gesamten Flugverkehr über Westeuropa lahmzulegen. Und beinah Westeuropa selbst.

Damit legt er eine Effizienz vor, die bisher nur das berüchtigte Terrornetzwerk erreicht hat. Da wird doch nicht Osama hinter diesem Vulkanausbruch stecken? In Zusammenarbeit mit seinem Herrn, denn er überall auf der Erde streitbar vertritt, wäre das doch möglich, oder?

In dem Vulkanausbruch hat bestimmt Alkaida die Finger drin. Das schreit nach Vergeltung!

Die Bundeswehr muss sofort alle Vulkane Islands bombardieren - zivile Opfer werden hinterher gezählt. In Island gibt es doch eigentlich auch gar keine Zivilisten, die stecken da doch alle mit drin. Vulkane, Elfen, Banken, Kobolde und Rockbands: Ganz klar eine Verschwörung zur Unterwerfung der Welt!

"Osama! Der Vulkan spuckt nicht mehr! Was machst Du?"

"Bin Laden!"

... und noch tagelang das Geheul, dass die Unterbrechung des Flugverkehrs der Wirtschaft ganz schlimm schaden wird: Keine Flüge zu halbstündigen Besprechungen in 500km Entfernung, die man sonst leider am Telefon durchführen müsste, so wie früher. Keine Billigflüge zum Skifahren in der Schweiz oder zum Wandern in Spanien oder zum Shopping in London - es ist eine Katastrophe. Ein Affront! Allein dafür haben die Isländer mit ihren ungesicherten Vulkanen eine Strafe verdient!



aus Anlass dieser Katastrophe erfährt man auch, was für eine Zumutung es beispielsweise für Fußballprofis ist, mit der Bahn zum Spiel anzureisen. Oder womöglich - grauenhafte Vorstellung - mit dem Bus!!! Wie gewöhnliche Leute! Muss man sich mal vorstellen!

14 April 2010

Office-Comedy

Die Kollegin Chef hat anscheinend einen Clown gefrühstückt und macht den ganzen Tag Witzchen. Da ist es schwer sich zu konzentrieren. Der Kollege Chef ist schwer im Stress und tappt ein wenig autistisch durchs Büro.

Seit einiger Zeit gibt es eine Espressomaschine. Älteres Modell, Designeredition, aber noch mit Handbetrieb: Man füllt den gemahlenen Espresso von Hand ein und muss ihn entsprechend von Hand wieder aus dem Sieb entfernen. Dafür steht ein entsprechender Behälter daneben, in dem nur gebrauchter Espresso landet.

Die Kollegin Chef hatte einen Espresso angefangen als das Telefon klingelt. Kollege Chef macht sich kurz darauf an der Maschine zu schaffen. Nach einigen Augenblicken ruft er "Oh, der war ja noch frisch!" Ich kann mir auch ohne Hinsehen denken, was passiert ist. Dann höre ich erstmal nichts. Seltsam. Gehe nachsehen.
"Was machst Du denn da?!?"
"Wer? Ich?"
"Du sammelst doch nicht etwa den Espresso da wieder raus?"
"'türlich. Was denn sonst?"
"Das ist unästhetisch!"
"Der ist doch noch gut!"
In dem Behälter landet wirklich nichts außer gebrauchtem Espresso, keine Orangenschalen, keine Zigarettenkippen. Also nicht gesundheitsgefährdend. Trotzdem ist der braune Schlamm unästhetisch.

In dem Moment meldet sich die Chefin wieder "Ich hatte ja einen Espresso angefangen..."
"Zu spät!"
"Wie 'zu spät'?"
Ich wieder: "Dein angefangener Espresso liegt jetzt in dem Behälter..." und erwarte, dass sie irgendwas von 'schade' oder so sagt. Aber die Kollegin Chef ohne Zögern: "Sammels raus!"
Ich höre mich schicksalsergeben stöhnen und sage nur "Was glaubst du, was er grade macht?"
"Gut!"

13 April 2010

Aktuell

Hier läuft grade dieser große Klassiker - oder sagt man Blockbuster?
"Return of the Mighty SEGELSAISON!"
Die Postingfrequenz sinkt.

09 April 2010

Am Schlesischen Tor

Kreuzberg verändert sich. Nein, ich meine nicht solche Sachen wie die Namensgebung "Späti am Schlesi" für den Spätkauf am Schlesischen Tor. Auf so blöde Ideen sind die Leute schon immer gekommen, auch in Kreuzberg selbstverständlich. Ich meine auch nicht die Schwaben, die im Stadtbild langsam nicht mehr auffallen, sei es, weil sie sich jetzt doch abgewöhnt haben, jedem im breitesten Schwäbisch ungefragt ihr begrenztes Weltbild zu erläutern, sei es, weil sie nach Prenzl'berg oder ins Umland gezogen sind.

Nein, in Kreuzberg wird seit einiger Zeit auf der Straße ostentativ Bierflasche getragen, offen, selbstverständlich, man soll ja immer viel trinken, und seit den Rauchverboten wird geraucht, was das Zeug hält. Durch solche kindischen Maßnahmen konnte früher gerade noch der Oberschüler aus dem Vorort seine Unabhängigkeit beweisen - inzwischen gehört das auf der Schlesischen Straße zum Stadtbild. Aber gleichzeitig bleiben ganze Gruppen im Studentenalter vor einer roten Fußgängerampel stehen. Auch wenn weit und breit nix kommt. Hallo?!? ¹

Es kann natürlich immer noch passieren, dass einem einer der Altpunks oder aus der verschlafenen Provinz vors Fahrrad stolpert, weil er von der neuen Unabhängigkeit noch nichts gehört hat und dem alten Ritus huldigt. Nicht ganz zu Unrecht wird von diesen nach wie vor freie Fahrt für Fußgänger gefordert und konsequent praktiziert. Aber diese Sorte stirbt anscheinend allmählich aus.

Jetzt warte ich darauf, dass mich ein Zwanzigjähriger mit Lederjacke und Bierflasche in der Hand barsch zurechtweist: "Ey, da ist rot!" wenn ich meinen Pflichten als mündiger Bürger nachkomme.






¹ der Vergleich der roten Ampel mit Gesslers Hut erscheint mir an dieser Stelle durchaus angebracht

06 April 2010

Fiction

Abends im Fernsehen. Englische Krimiserie. Die hübsche und blonde junge Frau sagt zu dem unscheinbaren Mann: "Wow! Du kannst schreiben UND kochen - du wirst mich heiraten müssen."

Eine nur! Eine einzige würde genügen!


Hm... ...was? Ach, nichts.

01 April 2010

Bilderrätsel

Na, was mag das sein?



Wie? Nein, genau: Ist es nicht. Sondern.

Das stammt aus der Zeit, als Der Große Bloguator™ zwecks Erkenntnisgewinns noch wissenschaftliche Methoden in Betracht zog. Diese inzwischen abgeschlossene Schaffensperiode fiel rein zufällig mit der Blütezeit der Chaostheorie und dem Boom von Fraktalberechnungsprogrammen zusammen. Hinzu kam - weiterer Zufall - dass diese Programme immer irgendwie schöne, sehr bunte und völlig unverständliche Bilder erzeugten. Im Grunde einfache Grafiken, die nur das bewusste Rechenvermögen des menschlichen Gehirns weit überfordern.

Das Allergrößte in dieser Beziehung war das Programm Fractint, welches nicht mehr weiter entwickelt wird, weil es so um das Jahr 2000 herum die Grenzen der Fractaldarstellung endgültig ausgelotet hatte und dem seither nichts hinzuzufügen ist. Fractint 20.0 kann alles, was man braucht. ¹

Das Bild oben ist das Ergebnis der abstrakten Beschäftigung mit den Parametern ohne irgendeinen Bezug zur Realität. ²

Der Laser wurde einst auf derselben Grundlage erfunden. ³






¹ die DOS-Version genügt völlig, sie bringt eine einfache und verständliche grafische Oberfläche mit - wenn man sie unter gegenwärtigen Betriebssystemen zum Laufen kriegt
² Irgendwelche Formeln in irgendwelche anderen Formeln hineinaddiert
³ und: "Bescheidenheit ist eine Zier..."

Potsdamer Platz (3)


Hauptstadtbashing aus der Hauptstadt
heute: Armselig ≠ arm


Zurück zum Potsdamer Platz. Es gibt da eine Zusammenballung von überdimensionierten Unsäglichkeiten, die sich SonyCenter nennt. Das ist dieses merkwürdige Teil mit dem lauten und zugigen Innenhof und dem undichten Dach, wo in allen Gebäude­zwischen­räumen die Seitenwände weggelassen wurden. Man darf dann ruhig die Frage stellen: Für eine ganze Halle hat's wohl nicht gereicht?

Aber wahrscheinlich ist auch das Absicht des Center­­­­­manage­­ments: Der Tourist soll sich gar nicht allzulange dort aufhalten, sondern konsumieren und sich dann wieder verpissen. Es muss nur auf Postkarten gut aussehen. Funktion und Atmosphäre sind für kleinliche Spießer - Weltstadt geht anders!

Wenn man erst einmal auf diesem Niveau angekommen ist, dann ergibt auch das Musikfestival mit SonyFavela einen Sinn: Sehr viel schlechter hätte man selbst einen temporären Aufführungsort nicht bauen können - Glaswände, Plastikfoliendach, das sogenannte Dach des Hofes hält ja weder Regen noch irgendetwas anderes ab. Sehr repräsentativ.


Internationales Flair in der Berlin-Favela: "It's a Sony!"

Und wenn man sich auf die ganze gleichnamige jämmerliche Ansammlung von Gewollt-und-nicht-gekonnt auf engstem Raum erst einmal eingestimmt hat, dann wird einem auch die überzeugende Gestaltung der Potsdamer Straße bewusst, mit der Besucher aus aller Welt, vor allem aber die Touristen aus den Randbezirken der Stadt, immer aufs neue beeindruckt und überzeugt werden. Nur in einer echten und selbstbewussten  Metropole wird man derartigen Luxus finden:

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