13 Juni 2018

Küchenexperiment 3.12

Ich hab was neues erfunden!

Hm?

...öhm, Spaghetti mit Pastinake. Ja, klar, die klassische Verlegenheit: Auf dem Markt irgendwas interessantes gekauft - und dann keine Ahnung, was damit anfangen. Es handelt sich also um ... Pastinaken ....?

Das sind die Wurzeln von irgendwelchem Zeug, die ganz schön groß werden können. Man kann sie auch roh essen, oder kochen. Schmecken leicht süßlich und haben eine interessante Konsistenz.

Besteht aus

- Pastinake
- Sonnenblumenkerne
- Zwiebel
- Öl
- Becher Sahne
- Salz/Pfeffer
- Pasta


Was macht man nun damit?

Die Sonnenblumenkerne werden in der Pfanne trocken geröstet - vorsichtig, die verkohlen sonst! (meine Spezialität). Dann etwas Öl dazu, Zwiebeln und gewürfelte Pastinake. Alles dünsten lassen. Salz dazu. Zum Schluss die Sahne drauf und alles etwas einkochen.

Das ganze als Sauce auf die Spaghetti. Lecker! Bin sehr zufrieden.

19 Mai 2018

Gerät

Ich habe inzwischen übrigens nicht nur eine Mobilfonapp, mit der ich in dieses Blog schreiben kann - ich habe auch ein Mobilfon, auf dem sie läuft!

Weiterhin keine Ahnung habe ich darüber, worauf das hinausläuft.

Vielleicht sieht die geneigte Leserin* so lange in den Twitteraccount, gemäß rechts oben.



Männer und sonstige Gendersternchen sind hier immer mitgemeint, wisst Ihr ja, nä?

Schatten!

Aus technischen Gründen hier der Link zu einer Seite mit Sonnensegeln, die so ist, wie ich sie mir vorstelle: Fischdesign
Naja, es könnte noch einen Angebotsrechner geben und ein paar Stoffmuster und Farbtafeln. Und die Kontaktaufnahme könnte noch besser...
Ja, schon - abernahe dran!

19 Februar 2018

Pösie

kleines fan-poem für lisa wagner. sie weiß dann schon.
nee, natuerlich nicht! woher denn auch?



wie sie geht gehört die erde ihr
ihre füße setzen weich auf, aber ganz.
jeder schritt ein treffer.
kein vorsichtiges tasten, ewig mit den zehen voran.
kein anmaßendes stampfen, immer mit der ferse zuerst.
die erde gehört ihr, so wie sie geht:
geschmeidig, entschlossen, zielstrebig, aber sehr leise.
jeder tiger wäre fasziniert.
jeder tiger würde sie ins herz schließen
und sofort adoptieren
als ideale tigertochter.

17 Januar 2018

Werbung und Information

Gestern im Radio1 dieses Interview mit dem Wirtschaftsprofessor zum Thema "Werbefreies Stadtbild". Sein Kernsatz "Werbung ist Information!" ¹

Und genau deshalb nimmt die Wirtschafts"fachleute" niemand ernst, der halbwegs bei Verstand ist. Die Behauptung mit der "Information" hat der Wirtschaftslehrer des Großen Bloguators™ bereits vor 45 Jahren genau so verbreitet. Und sie war damals wie heute bereits für zwölfjährige Schüler erkennbar falsch.

Rein technisch mag es sich bei der Übertragung von Wörtern und Bildern ja um Information² handeln - im allgemeinen Sprachgebrauch gehört zum Begriff Information aber auch das stimmlos gesprochene "neutral". Wenn im deutschen Sprachgebrauch von Information die Rede ist, dann ist damit immer neutrale Information gemeint. Bei Wirtschaftsprofessoren ist das anders.

Für nichtneutrale Information haben wir auch viele Wörter, eins davon lautet Propaganda, ein weiteres Desinformation. Das muss den Wirtschaftsfachleuten irgendwann in den letzten 5 Jahrzehnten entgangen sein. Sie haben es übersehen. Naja, ihr ... Modell … ? ... ist halt noch nicht so perfekt.

Rein theoretisch informiert Werbung den Künden über ein Angebot, also darüber, dass jemand etwas zu verkaufen hat, Preis und Gegenwert. Rein praktisch läuft es mit der Werbung aber ja so: Der Kunde wird mit allen Mitteln der Wissenschaft auf seine Schwächen abgeklopft - Psychologie, Physiologie, Rhetorik, Ethnologie, vermeintliche und tatsächliche Bedürfnisse. Die Werbung wird diesen Bedürfnissen angepasst und erzählt dem Kunden ganz präzise das, was er hören will.

Es mag Ausnahmen geben, in der Regel aber werden dabei die Fähigkeiten des Produkts maßlos übertrieben, eventuelle Schwächen werden hingegen völlig verschwiegen. Diese durchaus nicht neutrale Information wird dem Kunden mit einem Trommelfeuer an optischer und akustischer Belästigung eingeprügelt.

Und dann kommt ein Wirtschaftsprofessor und faselt von "Information", genau wie vor 45 Jahren.

Nach seiner Beschreibung kommt es zuweilen vor, dass die Werbung ein ganz klein wenig schummelt, aber das tut doch jeder, nicht wahr? Und jeder, der sich falsch informiert fühlt, könne ja schließlich dagegen klagen. Da wird also der wissenschaftlich fundierte Betrug, den Werbung häufig darstellt, verglichen mit irgendeiner folgenlosen Unwahrheit, die ein unbedachter Mensch im Verlauf des Tages zig mal von sich gibt. Und als Ausweg die Scheinlösung der Klage angeboten, die natürlich keine ist: Wer klagt schon gegen ein Trommelfeuer?

Man könnte das nun natürlich auch genauso neutral als "Lüge" bezeichnen, ein deutscher Professor müsste ja immerhin um solche Vorgänge wissen und sie irgendwie einordnen können - bevor er sie wissbegierigen Studenten lehrt.

Man könnte aber auch einfach annehmen, dass der Professor bei der Auswahl in der Berufungskommission irgendwie durchgerutscht ist, wie das in Deutschland so häufig geschieht, weil einer bereits aus einem Akademikerhaushalt kommt und genau die Sprache und den Habitus hat, den die anderen Akademiker aus der Berufungskommission bei ihresgleichen erwarten und bewundern.




¹ witzigerweise hat der Verfasser des gleichnamigen Wikipedia-Artikels die von ihm angegebene Quelle nicht etwa zitiert, sondern beliebig zur Aussage Werbung=Information umgebogen. Warum wohl?
² Universität des Saarlandes - Philosophische Fakultäten, Definition Information: https://saar.infowiss.net/projekte/ident/themen/definition-information
³ das Interview ist noch bis Jan 2019 unter diesem Link abrufbar, danach weiß ich noch nicht

11 Januar 2018

Post vom Ost-Block

Das hier ist so herzig, das muss einfach wieder mal in den Blog, auch auf die Gefahr einer Wiederholung.

Der Große Bloguator™ liest solche liebevollen Anfragen immer laut vor, unter besonderer Berücksichtigung der fehlenden Umlaute und des holprigen Satzbaus - erst dann erschließt sich die ganze Wärme solcher Mitteilungen.

Ostblock-Woman-Date ostblockfrauen@unity-access.com schreibt mir:

Hello Wie geht es Ihnen? Nahm ich Ihre Adresse aus Partner­ver­mittlung. Ich hangten Dateien, hoffe, dass Sie meine Fotos mogen. Sie konnen mich anrufen Lena Ich bin 34 jahre alt. Sie scheint sehr freundliche Person zu mir Ich mochte fur ernsthafte Beziehungen Online trafen Partner. Ich weiB, dass viele Menschen nicht ernst online. Deshalb mochte ich sagen Weiter, dass ich hier nicht für diese. Ich nicht zu suchen Spiele. Für mich ist Familie ist das Wichtigste. Ich denke, dass Familie und Liebe, ist fur das, was wir zum Leben brauchen diese. Ich brauche Person, die bereit sind, das Leben mit mir zu teilen. Wenn Sie die gleiche Ansicht haben, werde ich froh sein, sprechen mit Ihnen. Vielleicht findest du auch in mich interessant und bald kann ich Ihre Nachricht zu sehen, tut mir leid, wenn nicht, und ich nahm Ihre Zeit, aber die Hoffnung nicht. Ich freue mich Antwort.

Falls jemand Wert auf den Link dahinter legt, kann ich diesen auf persönliche Nachfrage herausgeben. Das Nackedei-Foto, das aus Gründen der Authentizität ebenfalls angehängt war, lasse ich aus Gründen des Jugendschutzes² und der Ästhetik¹ wegen weg.




¹ ja, hier im Blog ist Ästhetik ein relevantes Thema. Ja, der Große Bloguator™ kennt sich damit aus. Voll total! Wer jetzt lacht, fliegt!
² nein, Jugendschutz nicht. Nur so.

22 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (6)

  
Plötzlich hatten wir dit problem bei uns im kiez. Der is hübsch und lebendich und kostet nich vülle. Is also jenau dit richtije für leute, die seit ihre jeburt schon tot sind, aba kohle im überfluss haben.

Und weil se nich selbst in so ne unheimliche jegend ziehen wollen - da müssten se ja ihre jewohnte umjebung verlassen - koofen se sowat als "Anlage" und schenken dit ihrem sohn und ihre schwiejertochter.

Diss sich in die ihrem sprachjebrauch vermöjensanlage und wohnanlage irjendwie überschneiden is sicher nur zufall. Da bin ick sicher der einzije, der böswillich ne jewollte vermischung da drin erkennt.

Is nur lästich, wenn in die "Anlage" noch eener wohnt und zu wenich miete zahlt. Der muss denn da leider raus, weil, die ham dit ja für ihren sohn und ihre schwiejertochter jekooft, und hauptsächlich natürlich als "Anlage" für ihr schönet jeld.

Bei uns im kiez häuften sich solche fälle. Denn machte eener ne versammlung,"GEGEN GENTIFIZIERUNG!" Aus neugier bin ick da mal hinjegangen, is ja absehbar, diss dit dich selbst ooch trifft, früha oder späta.

12 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (5)

“Die anstrengungslosen Einkommen
müssen wir endlich abschaffen!”

Thilo Sarrazin, SPD

5.

Der *klassische* hauswirt stirbt sowieso aus in berlin. Wenn eener heute een miethaus in berlin besitzt, denn hat der dit in der regel jeerbt. Aba so leute sind inzwischen selten jeworden. Den erben ist dit ejal, die träum vom mühelosen wohlstand, nehm lieber die kohle und lejen se irjendwo an, wo se mit noch wenijer arbeet dit gleiche rausbekomm. der erbe verkooft also seine immobilie zeitnah.

Der *tüpische* hausbesitzer in berlin is inzwischen entweder ne heuschrecke, also jewinnmaximierter immobilienfong mit briefkasten im ärmelkanal. Oder eene wohneijentümerjemeinschaft. Heißt: Dit haus is an lauter wohlhabende ahnungslose verkooft und aufjeteilt worden, ideell natürlich, weil dit ja ooch für realistische teilung nie jedacht war. Und dit ooch jar nich jeht, sonst müsste jedem ne halbe wand und een halber fußboden jehören. Von der haustür janz zu schweigen.

Warum leute davon träumen, diss ihnen ne halbe wand und nich der janze fußboden jehört, is mir een rätsel, nach wie vor. Tun se ja ooch nich. Der einzije vorteil von wohneijentum is doch, diss man wenijer steuern zahlt. Also, dit is ja keen richtijer vorteil, wenn man dafür ne immobillie besitzt zusammen mit leuten, die man absolut nich ausstehen kann.

Ja, dit is meine persönliche sicht. Für andere überwiecht eben der vorteil, diss se steuern sparen. Wenn man die fracht “Und wat noch? Is dit allet?” denn antworten die immer ditselbe “Das ist ja auch etwas für das Alter! Sicherheit!”

Sicherheit ham die natürlich nur so lange, wie se die wohnung nich verkoofen müssen. und bis dahin kostet die sicherheit doppelt so vülle wie eene altbackene mietwohnung. Die differenz bleibt bei den wichtichsten stützen der jesellschaft hängen: Bei notare, banken, bauträjer und immobilienmakler. Aber anscheinend macht dit dem wohneijentümer een jutet jefühl, wenn er solche stützen nach ihre leistung anjemessen fördert.

07 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (4)

"Wer sich wehrt
lebt verkehrt."
Donald Trump

4.

Mit alle solche leute konkurriert der einheimische, der schon aus  lauter tradition nich so vülle verdient. Die normalen arbeitjeber rücken ja nich plötzlich mehr raus, weil die miete heute so teuer is. "Dafür kann ich doch nichts! Noch höhere Entlohnung gefährdet unsere Wirtschaftlichkeit! Sie kennen sich doch hier aus, sie können doch ganz leicht in einen billigeren Bezirk ziehen!"

Klar, wenn ick der chef wäre würde ick meine beschäftichten ooch so n quatsch erzähln.

Billich isset in berlin überhaupt nürjends mehr und bezahlbar nur noch da, wo man nich tot übern zaun hängen will. Sojar neukölln und wedding kommn inzwischen uff die füße. Die warn dreißich jahre lang am kommen! Und immer konnte man sich druff verlassen, dass dit nüscht würd: Wenn allet kommt - nich der Wedding! Jetz aba anscheinend doch. Ick meine: Der WEDDING! Und denn noch NEUKÖLLN! Dit hätte sich vor sieben jahre noch keener träumen lassen!

Und jenau dafür ham leute mit fremdsprachenkenntnisse een schönet wort erfunden: GENTRIFIZIERUNG. 

Im grunde jehts darum, diss leute mit mehr jeld denen mit wenich jeld die bezahlbaren wohnungn wegnehm. Dit passiert latürnich nich so eins zu eins, "böser kapitalist!", diss der mindestlohner schlachartich ausziehen muss, bloß weil jetz der bänkersohn aus frankfurt da is.

... sondern erst, wenn die räumungsklage durch is.

Nee, spaß beiseite: Dit jeschieht ooch schleichend. Wenn die leute mit fülle jeld erst mal da wohnen, denn wird plötzlich ooch der supermarkt teurer. Klar, weil er jetz endlich die kundschaft für handjeschöpften stutenkäse aus dem zentralen Meck-Pomm hat.

Na sicher doch, so funktioniert dit: Der billije jetränkemarkt muss wegziehn, weil een jeschäft für oberklasse-kinderwägen mehr miete zahlt wie een laden für grundnahrungmittel. Denn kommt der zweete und der dritte biomarkt und denn die waldorfschule.

Nüscht jegen ordentliche bildung! Aba die waldorfschule funktioniert mit zuzahlung. Dit is also eher nüscht für die leute, die mit jeder pfandflasche rechnen. Die hörn nur "zuzahlung" und finden denn, diss ihre kinder sowieso nich zu studieren brauchn.

Und den hauswirten is dit insjesamt nich unrecht, wenn se mehr jeld kriejen dafür, diss se ohnehin nüscht tun.

03 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (3)

"Hinter der Schlechtigkeit der Welt
steckt nicht einmal immer ein Plan!"

 
Großer Bloguator™

3.

Hier in der innenstadt is dit kaum noch möglich, ne bezahlbare mietwohnung zu finden. Seit wer hier hauptstadt jeworden sind ham wer bundesbeamte und den internationalen easyjetset. Und demnächst noch den jeheimdienst.

"Jeh heim!" Ha! Wär ja schön. Tun die aba nich. Ihr job is ja jetz hier und vülle billijer wie zu hause isset ooch. Und Berlin is voller sünde - nichmal ordentliche sünde ham die zu hause, dit am allerwenichsten. Pah!

Die ham vülle mehr kohle wie een einheimischer. Die beamten werden einfach besser bezahlt und der easyjetset lecht sein schwarzjeld sicher an, jenau dieset schwarzjeld, wat er bei sich zu hause seinem eigenen staat vorenhalten hat.

Und denn jibs noch leute, denen et in ihre heimat noch schlechter jeht. Die ham vülleicht wat jespart und finden, diss man in ne tolle stadt ooch mit ne hohe miete schon für ne jewisse zeit ürjendwie üba die runden kommt.

Amerikanische studenten, engländer, spanier, israelis - da is keen system dahinter, manche nation taucht hier zufällich öfter auf als andere. Wir ham aber natürlich ooch finnen, isländer und japaner.


28 November 2017

Kanne

aus unserer bekannten Reihe Erzählungen ohne Pointe


Der Große Bloguator™ kämpft seit langem mit Ablagerungen¹ in der Kaffeekanne¹ der Kaffeemaschine¹. Die Kanne ist in der Art einer Thermoskanne konstruiert und daher undurchsichtig, aber man kann von oben hinein sehen.

Das dort erwartete Soll ist eine ansehnliche Metalloberfläche. Das langjährig vorgefundene Ist war² eine innere Oberfläche mit der Anmutung eines Straßenbelages. Immerhin Asphalt, nicht Kopfsteinpflaster. Etwa so, wie man sich die Lunge eines leidenschaftlichen Rauchers vorstellt.

Wahrscheinlich weitgehend nur ein ästhetisches Problem, kein hygienisches. Trotzdem! Allein die Vorstellung.

Die erste Linderung ergab sich aus Hinweisen geneigter BlogleserInninnen. Nach etlichen eigenen Versuchen wurde von ihnen auf die Wirkungsmacht gewöhnlicher Spülmaschinentabs hingewiesen.

Der Trick funktionierte beim ersten mal sehr zufriedenstellend. Bei den nächsten Versuchen leider nicht mehr: Trotz intensiver Bemühungen genügten auch 10 Nachspülvorgänge nicht, um das strenge Geschirrspültab-Restaroma wegzufegen. Das machte den entstandenen Kaffee eine Zeitlang nur schwer genießbar.

Aber.

ABER!
In der westlichen Welt kursieren seit geraumer Zeit Narrative³ über die außerordentlichen Wunderkräfte des Backpulvers. Selbstverständlich gilt nach wie vor die Grundregel für das ganze menschliche Leben  “Glaub nicht alles, was man dir erzählt!” Backpulver kostet aber nicht viel, es kann nicht viel kaputt gehen und deshalb ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

Der Versuchsaufbau ist relativ simpel und lautet: 2 Päckchen Backpulver mit kochendem Wasser aufgießen und eine Nacht lang stehen lassen.

Und siehe, der Belag hat sich gelöst!

Man muss zwar immer noch mit einem groß genugen Tuch oder einer Flaschenbürste nachwischen, weil das angelöste Zeug an der Oberfläche klebt,  aber dann erkennt man einen Erfolg: Sehr befriedigend!






¹ so ziemlich alles überholte Konzepte
² Tempuswechsel nicht ganz unbeabsichtigt
³ ja, sicher doch, heute muss man so sagen! Früher waren das einfach Erzählungen. Oder Geschichten.


27 November 2017

Gentrifiz und Widerstand (2)

2.

Als MITEIGENTÜMER wirste so mitglied in ner eijentümerjemeinschaft, zu eenem dreizehntausendstel oder sechsundzwanzichhundertstel oder so. Nu koofen die leute aba keene wohnung, weil se sechsundzwanzichhundertstel-eijentümer von nem lagweilijen haus zusammen mit nem arschloch werden wolln.

Nee, die wollen steuern sparen! Also: Die globen ernsthaft, disse jeld sparen, wenn se nen kredit uffnehm und sich ne wohnung koofen. Einfach jeld sparen reicht die leute nich - erst weil et um steuern jeht werden die leute so richtich gierich.

Wer mich fracht: Logisch is dit nich. Da verlieren an sich vernünftije menschen einfach den verstand, wenn se sich einbilden könn, disse steuern sparen. ob se dadurch dem jemeinwesen wenijer jeld zur verfügung stellen kratzt die nich.

Die straße vor ihrem wohneijentum kann daher leider leider nich von ihre steuern jebaut werden. Sondern von die steuern, die eener zahlt, der keen eijentum hat.



25 November 2017

Gentrifiz und Widerstand (1)

Musik und Tön revisited


1.

Wir kenn inzwischn einije leute, die sich eijentum jekooft ham. Wohnung, keen haus. Meine familie und ick wohn ja zur miete. Wir wolln dit ooch nich anders. Mit dit eijentum ist dit so ne sache. In jede EIGENTÜMERGEMEINSCHAFT scheint dit immer mindestens een arschloch zu jeben. Dit is wohl so sehr naturjesetz wie die schwerkraft.

Die arschlöcher wolln sinnloset zeuch bauen, und alle andern nich. Oder die verhindern, diss sinnvollet zeuch jebaut wird, weil dit ooch ihr jeld kosten könnte. Oder weil et ihnen einfach nich passt, wenn andere leute zufrieden sind. also schießen se quer so jut wie se könn. Machen terz jegen kinderwägen im flur oder wejen falsch beleuchtete türschilder oder zu hohe kosten fürs laubharken. Oder weil nich jenuch laub jeharkt wird und nich jenau nach ihre vorstellung. Und oft jeht dit noch nichmal ums jeld, so wohnungseijentümer ham ja in der regel jenuch. Den arschlöchern jeht dit oft nur ums rechthaben.

Die wirste aber nich mehr los. Dit is ja die idee von eijentum, dit soll für ewich sein. "Wer Eigentum besitzt, begeht keine Revolution!" wusste schon Marx. Oder wars Lenin?

Weil de die arschlöcher nich los wirst wehrste dich jegen die. Und wenn de dich lange jenuch jegen die jewehrt hast wirste selber zum arschloch. "Wenn du zu lange in den abgrund blickst, blickt der abgrund in dich!" Ick weeß nich, ob dit würklich so jenau stimmt - klingt aber jut in diesem zusammenhang.

Deswejen is dit een sehr einsichtijer grund, warum man keen eijentum zu koofen brauch, finden meine susanne und ick. Außerdem ham wer jar nich so vülle jeld flüssich. Wir jeben dit jeld lieber gleich aus. Und erst een kredit uffnehm um jeld zu sparn finden wer ooch unsinnich, irjendwie. Dit is aba üblich, wenn de eijentum bilden willst: Du hast den wunsch, aba nie jenuch in bar.


weiter zum 2. Teil

Wahrnehmung

Es soll ja Leute geben, die nur das glauben, was sie sehen. Für die hab ich hier was hübsches, einen Künstler namens Vernon James Manlapaz. Er scheint in einer seltsamen Gegend zu wohnen. Deshalb veröffentlicht er diese schönen Beobachtungen auf Instagram und ist sehr produktiv:


oder


Öhm, ja. Da: https://www.instagram.com/vernbestintheworld/

22 November 2017

Zeichner update

Der Große Bloguator™ interessiert sich unter anderem für alle künstlerisch-grafischen Erzeugnisse: Comics, Streetart, Bauzeichnungen. Nein, nicht für die furchtbare “Graphic Novel”, natürlich nicht! Wenn dieses Etikett irgendwo drauf klebt, handelt es sich in der Regel¹ um einen Stoff, den man mit jedem anderen Mittel besser erzählen könnte als mit belanglosen Allerweltszeichnungen. Also mit Text, Film, Fotografie oder anderen noch zu erfindenden Medien.

Es gibt nämlich Leute, die mit ihrem Medium interessante Inhalte transportieren, ohne lautsprecherische Propaganda dafür zu machen. Zufällig kommen mehrere davon aus Schweden. Sie arbeiten mit ganz unterschiedlichen Techniken. Gemeinsam haben sie, dass jeweils ein Bild eine ganze Geschichte erzählt und dabei mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Beide sind ein wenig technikaffin und wandeln am Rand zur Sciencefiction.

Der eine ist Mattias Adolfsson. Er veröffentlicht derzeit aus seinen Skizzenbüchern, eine Technik aus Fineliner und Pantone-Schattierung. Was er sonst noch alles so treibt, muss die geneigte Leserin selbst herausfinden.


Der andere ist Simon Stålenhag, an den hier wieder einmal erinnert wird. Dieser arbeitet in Essig und Öl - also, er fertigt großformatige Gemälde auf Leinwand, die sich beim Hineinzoomen weiter erschließen, aber trotzdem rätselhaft bleiben





¹ "Feindbilder und Vorurteile wollen gepflegt sein. Sie verblassen sonst."
Alte Bloguatorenweisheit

12 Oktober 2017

West, Ost und sonst

Geografie und Musik

Vor einiger Zeit habe ich Merril Garbus von den TuneYards in Berlin gesehen. Sie trat im West Germany auf. Am Ende der Show verabschiedete sie sich mit so etwas wie 'glad to be here in west germany' Anschließend mischte sie sich unters Publikum und bedankte sich bei jedem einzeln.

Ich hätte sie so gerne über die spezielle Geografie aufgeklärt: "Wir sind hier in einem Lokal namens WestGermany, welches im alten WestBerlin liegt, welches wiederum zwar zu WestDeutschland zählte aber mitten im alten EastGermany liegt." In Englisch natürlich, das macht die Sache reizvoller.

Der Veranstaltungsort ist¹ sehr charming, anscheinend eine aufgegebene Arztpraxis in einem 60er-Jahre-Betonbau, im Obergeschoss, nur über eine Treppe zu erreichen. Am Boden die alten weißen Fliesen der Arztpraxis, im Quadratraster ganz ohne übertriebenen gestalterischen Ehrgeiz verlegt. Darauf noch Teile der Metallleisten, aus denen die vorher vorhandenen Trockenbauwände errichtet wurden. Diese Metallleisten bestehen aus sehr dünnem Stahl und sind leicht zu verbiegen, also auch herunter zu treten, wenn man zu bequem ist, sie abzuschrauben. Danach sind sie immer noch einige Millimeter hoch und machen den Boden im Dunkeln unangenehm uneben, weil man denkt, dass man auf irgendwas drauf getreten ist oder der Boden substanzielle Risse aufweist.

Das WestGermany ist¹ auch mehr oder weniger nicht beschildert, der Hauseingang, zu dem die angegebene Hausnummer gehört, liegt an einer ganz anderen Stelle. Keiner in der Nähe, der sich auskennt. Und in Berlin fragt man in so einem Fall niemanden nach dem Weg, ist uncool, entweder entpuppen sich nämlich die anderen als Touristen, oder man selbst. Wer beim Warten den Blick ein wenig schweifen lässt, sieht aber, dass an einer Stelle noch mehr Konzertplakate kleben als sonst überall in Kreuzberg, dort geht es eine schwach beleuchtete Treppe hinauf und dort muss der Eingang sein.

Das ganze atmet tief den Geist der späten siebziger -  frühen achtziger Jahre im umzäunten aber freisinnigen und immer schon improvisierten West-Berlin.

Anderswo werden Zugänge bewusst so eingerichtet, anschließend nennt man es verschwörerisch Geheimtipp. In Berlin muss man keine Absicht unterstellen, es  trifft nur Unvermögen auf Pioniergeist und die meisten Leute lieben es, wenn sie es trotzdem gefunden haben. So ähnlich wird wohl auch der Name WestGermany des Lokals in WestBerlin im Zentrum des ehemaligen EastGermany enstanden sein. Ich habe Merrill Garbus übrigens von dieser tiefschürfenden Erkenntnis verschont - dafür war sie einfach zu nett.



¹ ist = war damals. Ist auch schon wieder zwei Jahre her. Oder so.

20 September 2017

Zahle mit Daten!

"Der Weg vom Zahlen
bis Heimzahlen
ist nicht weit!"
bekannter Zitatengeber

"Man bezahlt mit seinen Daten." Das ist heute die gängige Weisheit im Umgang mit dem Smartfone, Computer und generell im Umgang mit vermeintlich kostenloser Software. Einen Großteil der Smartfone-Nutzer interessiert das genau gar nicht: "Nee, wieso? Wo ist da das Problem? Wer nichts getan hat, dem passiert auch nichts!"

Einen kleineren Teil des Publikums beschleicht ein unbestimmtes Unbehagen, weil sie ahnen, dass etwas schiefgehen könnte. Nur haben sie im friedlichen, satten Deutschland keine konkrete Vorstellung davon, wie sich das Schiefgehen äußern könnte. Aber auch die kritischen Nutzer stimmen millionenfach irgendwelchen Nutzungsbedingungen der Smartfone- und App-Anbieter zu, ohne sie je gelesen zu haben.

Das liegt einerseits natürlich daran, WIE DIESE NUTZUNGSBEDINGUNGEN VORGELEGT WERDEN: FÜR EINE NEBENSÄCHLICHE WETTER-APP SOLL MAN AUGENTRÄNENMACHENDEN FLIESSTEXT IN GROSSBUCHSTABEN OHNE IRGENDEINE FORMATIERUNG LESEN, DER AUF DEM SMARTEN FON GUT UND GERNE SIEBZIG SEITEN AUSMACHT, KÖNNEN ABER AUCH MEHR SEIN!

"Ich habe die Bedingungen gelesen und verstanden und stimme ihnen zu. Klick."

Natürlich nicht! Der Nutzer SOLL die Bedingungen nicht lesen und schon gar nicht verstehen. Wen das optische Erscheinungsbild noch nicht genug abschreckt, dem werden haarsträubende Sätze und Formulierungen präsentiert, die das normalbegabte Hirn zum Kochen bringen: Dafür wurden die besten Fachidioten aus Jura und Computerwelt zusammengesetzt und um eine unverbindliche Stellungnahme zum Zustand der Welt aus ihrer verschrobenen Sicht gebeten.

Aus ihrer Sicht - das bedeutet, es werden völlig irrelevante Sachverhalte, Umstände und Nebenaspekte zusammen mit einigen wenigen rechtlich bindenden Informationen in juristisch und computertechnisch zutreffende Ausarbeitungen in Fachjargon gepresst.

Dass auch das kritische Publikum solchen unverschämten Verträgen zustimmt, liegt natürlich zudem daran, dass sich niemand ein Bild von den negativen Folgen von Information machen kann.

"Wir verkaufen ihre Adresse selbstverständlich auch an den Geheimdienst von Erdoĝan, sofern er unseren Preis bezahlt. Der wirft Sie dann vielleicht bei Ihrem nächsten Türkei-Urlaub ins Gefängnis und lässt Sie dort verschimmeln, weil Sie einmal zufällig bei einer Kurden-Demo in einem nahegelegenen Café gesessen haben. Nicht unsere Schuld."

Würde so etwas als *erster* Satz in den Nutzungsbestimmungen von Facebook oder Whatsapp stehen - wer weiß, wie viele Nutzer dem zustimmen würden?

Ja, na sicher, immer noch genug.

Aber die Facebooks, Whatsapps und Googles der Welt wollen natürlich auch an die Daten der Leute, die so einem klaren Statement dann doch nicht zustimmen würden: Damit verdienen sie einfach *noch mehr Geld* und im übrigen ergibt das ein realistischeres Bild der Nutzergruppe.

Daher wird der Nutzer mit einem undurchschaubaren Vertragswerk zur Unterschrift überredet. Das heißt, der Nutzer wird durch Form und Inhalt der vermeintlichen Verträge unmündig gemacht.

Verträge mit Unmündigen sind übrigens ungültig. Aber das nur am Rande.

Die FacebookGoogleWhatsappLinkedins wollen also unsere Daten. Unbemerkt greifen sie sich gerne das gesamte Telefonbuch eines Nutzers und laden es in ihre eigene Cloud hoch. Dort hat der Nutzer keinerlei Kontrolle mehr, was mit seinen Daten geschieht - auch wenn die Anbieter noch so treuherzig versichern, dass sie auf gar keinen Fall etwas schlimmes damit anstellen. Außer eben, die Daten an Erdoĝan zu verkaufen. Putin. Oder jeden beliebigen anderen Undemokraten, der den wohlfeilen Preis bezahlt. Und dem hat der Nutzer ja wohl ausdrücklich zugestimmt.

Man kann natürlich die unanständigen "Nutzungsbedingungen" ablehnen und nicht unterzeichnen. Dann funktioniert aber die App nicht. Tja.

Nun, wenn sie doch Daten wollen: Geben wir ihnen Daten! Mehr Daten, als sie verkraften können! So viele Daten, dass ihr gesamter Datenbestand unbrauchbar wird, weil sie wegen der schieren Menge nicht mehr durchschauen, welche Daten nun eigentlich die waren, die sie haben wollten.

Ich stelle mir das relativ einfach vor: Wir benötigen dazu die Daten der alten Telefonbuch-CDs. Gibt es die eigentlich noch auf CD? Die finden sich schon noch irgendwo. Das ist eine simple Datenbank: Vorname Nachname Adresse Telefonnummer Email. Wichtig dabei ist aber, dass die Telefonnummer oder die Adresse in derselben Zeile stehen wie der Name. Tun sie es nicht, ist die Information wertlos. Die Nummern oder Adressen müssen gegenüber den Namen nur um einige Zeilen verschoben werden, und die Telefonnummer gehört nicht mehr zu Frank Müller, sondern Franz Müller. Und in der Rubensstraße 31 wohnt nicht mehr Klaus Müller, sondern Klaas Müller, der nicht nur ein wenig anders heißt, sondern eine ganz andere Person ist.

Wenn irgendeine App diese Daten nun absaugt und hochlädt, vergleicht sie sie anschließend mit ihrem Bestand, erst dadurch werden die Daten so richtig wertvoll: Sie werden verifiziert. Durch den Vergleich der Telefonbücher von untereinander bekannten Menschen kann man sogar herausfinden, dass Frank Müller kürzlich umgezogen ist.

Aber wenn FacebookGoogleWhatsappLinkedin nun *mein* Telefonbuch vereinnahmt, wird es vielleicht feststellen, dass Frank Müller ganz schön oft umzieht. Oder dass Frank Müller eine Mailadresse namens frank.maler@gmail.com benutzt, Frank Maler seltsamerweise aber eine namens frank.mauer@web.com

Diese Beispiele folgen aus einer Verschiebung um nur einige Zeilen. Man braucht die Zahl nur vergrößern oder noch einen zweiten Parameter zu ändern und es ergibt sich eine schöne Permutation.

Das von mir vorgeschlagene Programm muss anschließend dafür sorgen, dass die Datenabgreifer den so neu geschaffenen Datenbestand für mein echtes Telefonbuch halten, abgreifen und zu sich nach Hause hochladen. Und es muss dafür sorgen, dass der Dataminer des Datenabgreifers auch erstmal glaubt, was er da bekommt. Wir glauben ja auch alle Versprechungen der App-Anbieter zum Umgang mit unseren Daten. Oder?

Also muss das Programm die neu geschaffene Telefonbuch-CD-Datenbank in kleinere Teile aufspalten, damit sie nicht unglaubwürdig groß wird. Aber nach und nach soll es natürlich das gesamte deutsche Telefonbuch abarbeiten. Und es muss die Zeile mit der Telefonnummer auf jedem Gerät nach einem anderen Parameter verschieben, so dass mit denselben Namen auf jedem Gerät unterschiedliche Daten entstehen.

Nach kurzer Zeit sollte Franzfrank Malermauermüller in der Datenbank des Datenabgreifers etwa zwanzig bis dreißig Telefonnummern und ebensoviele Wohn-sitze und Mailadressen haben.

Wenn genug Leute dieses Programm nutzen, werden die Datenbestände der Datenabgreifer in Kürze vollständig korrumpiert sein, weil bei den Dataminern niemand mehr sagen kann, welche Telefonnummer nun richtig oder falsch ist.

Grober Unfug? Keineswegs.

Reine Notwehr!

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