08 Februar 2016

einfachstes Gericht der Welt, Das

Der Große Bloguator™ erfindet zwar nicht andauernd irgendwelche Sachen, aber kommt schon vor. Hier zum Beispiel: Einfachste Gericht der Welt¹

Richtig, es geht wieder einmal ums Essen.

Wir kaufen:
    1 Sack Gnocchi
    2 Radicchii (oder Radicchios oder wieauchimmer da die Mehrzahl geht)

Wir haben sowieso immer da:
    2 Zwiebeln
    Olivenöl
    Salz

Wir greifen zur mittelgrößten Auflaufform, die unser Haushalt zu bieten hat. Oder zu jeder anderen. Hauptsache hitzebeständig-backofenfest.

Hilfreich ist, wenn sie einen Deckel besitzt oder sich mit Alufolie abdecken lässt - d.h. Auflaufform im Format DIN A0 wäre zu groß. Es sei denn, wir hätten Alufolie in der Breite eines Perserteppichs verfügbar: Dann ja.

Den Boden der Form bedecken wir mit Olivenöl. Nur so, dass der Boden bedeckt ist, nicht zentimetertief, wir wollen nämlich backen, nicht frittieren. Also, ähm, "backen".

Mit dem Öl bestreichen wir auch die Wände der Form. Großer Bloguator™ nimmt immer die Hände zum Bestreichen der Wände, aber der Cuisine-Auskenner darf gerne auch einen Pinsel benutzen. Großer Bloguator™ hat danach aber auch immer wunderbar zarte, nach Olivenöl duftende Hände (im Hintergrund ertönen einschmeichelnde Geigen - kleine Vögelchen fliegen im Kreis – Abbildung einer süditalienischen Dorfstraße im Frühling).

Hm? Äh, ja. Machen wir mal weiter:

Die zwei Radicchiose halbieren und mit der Schnittfläche ins Öl legen. Außenrum die Gnocchi anhäufen. Wer mag, kann ein, zwei Zwiebeln in Würfel schneiden und irgendwo noch unterbringen. Geht aber auch ohne. Jetzt noch salzen.

Das hier kursiv geschriebene wars auch schon mit dem Kochen. Mehr muss man dazu nicht können. Oder tun.

Jetzt wird die Form mit Alufolie oder dem Deckel bedeckt und kommt in den Ofen bei 200°C ². Nach 15min. die Folie oder den Deckel abmachen und wieder in den Ofen schieben. (wer will, kann an dieser Stelle einen Schuss Weißwein dazu schießen, das gibt eine Art Soße)

Auf Oberhitze stellen. Wenn die Gnocchi von oben ein wenig gebräunt sind herausnehmen. Fertig. Essen.

Der Radicchio müsste jetzt von unten ein wenig angebraten sein und ansonsten sehr gar. Die Gnocchi sind zu einer Art Bratkartoffelweizendings geworden. Die Folie/Deckel muss anfangs drauf, damit sie nicht vollends austrocknen, sondern im Dampf vor sich hin garen.

 

Bezüglich des Olivenöls haben anscheinend genau *alle* Auskenner eine andere Wahrnehmung als Der Große Bloguator™. Während die Auskenner ausnahmslos der Ansicht sind, dass besonders gutes Olivenöl nach gar nichts schmeckt, findet Große Bloguator™, dass es ruhig nach Olivenöl schmecken darf. Aber mit dieser offenbar völlig überzogenen Einstellung sieht er sich oft genug allein.

 

 


¹ alte Journalistenweisheit: Spare nie des Superlativs!
² Vorheizen oder nicht - macht keinen Unterschied. Man kann den Ofen ja am Beginn der Arbeiten einschalten, überbrückt so elegant einen Teil der Wartezeit.

04 Februar 2016

Wieder mal

Ich muss mal wieder – auch wenn das nicht von allen LeserInnen so 100%ig geschätzt wird – was soll man machen, es juckt einen halt in den Fingern:

via SailingAnarchy

Ja, äh, diesmal leider ohne hämische Kommentare. Nächste Woche wieder.

27 Januar 2016

Werktag

Dialog im Büro

“Ich geh einkaufen - soll ich was mitbringen?”

”Flüssigseife für den Spender.”

”Wir haben doch noch welche?”

”Öcht?”

”Ja.”

”Wirklich?”

”Ja!”

”Ganz sicher?”

”Ja-ha!”

”Gut. Dann bringst du also keine Seife mit.”

”Ja.”

”Für den Spender.”

”Genau.”

”Also was sollst du mitbringen?”

”Keine Seife!”

”Kannst dir das merken?”

”Ich schreibs mir auf.”

”Besser ist das. Du bringst sonst wieder das falsche mit.”

”Gebongt: Keine Seife.”

”Und nicht die falsche!”

”Sonst muss ich halt nochmal gehen.”

Wir sind manchmal ein wenig überarbeitet. Glaubt uns auch wieder keiner.

22 Januar 2016

Gefühltes Wissen

Berliner wird man in der Regel nicht durch Geburt, sondern durch Zuzug - auch wenn es Ausnahmen gibt. Irgendwann hält sich jeder Zugezogene für einen Berliner, das ist je nach Selbstbewusstsein nach 1 Monat bis 2 Jahren der Fall.

Damit einher geht in der Regel das Auskenner-Syndrom. Es zeigt sich dadurch, dass man anderen Leuten großherzig die Stadt erklärt und wie sie funktioniert.

Hier haben wir ein schönes Beispiel aus dem Internet, das aber durchaus so exemplarisch stehen bleiben kann:


 

43 Dinge, die Du nur in fünf Jahren Berlin lernst

”Rennst Du oder nimmst Du die nächste Bahn?”
Philipp Jahner BuzzFeed-Redaktion, Deutschland

1. Die Hälfte der Leute, die behaupten, sie kämen aus Berlin, kommt in Wirklichkeit aus Brandenburg.
Skandal! Der meiste Berliner kommt nämlich aus Hamburg, München, Stuttgart, Münster, Heidelberg, irgendwelchen Käffern in Hessen sowie aus den Berliner Randbezirken. Und aus dem Speckgürtel - der liegt in Brandenburg.
(sehr gute Quelle hier: Berliner Zugezogenen-Atlas, Morgenpost)
2. Du kannst jedem Menschen mit nur einem Wort den Tag versauen: Schienenersatzverkehr. 
Viele Menschen fahren sogar in Berlin immer noch mit dem Auto zur Arbeit - so unsinnig das auch sei. Wer die Öffentlichen nimmt, kann hier jedes einzelne Fahrzeug genau verfolgen.
3. Du machst nur einmal im Leben den Fehler, den Fernsehturm “Alex” zu nennen.
Darüber regen sich nur die frisch zugezogenen auf. Aber sag doch mal "Prenzlberg" zu einem, der stark berlinert...
4. Und du gehst nur ein einziges Mal in der Simon-Dach-Straße feiern und dann nie wieder.
Wo?
5. Den Alexanderplatz zu überqueren war die Vorlage für das Trimagische Turnier bei Harry Potter.
Gut beobachtet: Der Alexanderplatz ist nämlich die Wüste mit der Straßenbahn und dem Kaufhaus, nicht die am Fuß des Fernsehturms.
6. Mit der M10 fahren ist wie “Stairway to Heaven” rückwärts hören.
Satansche Botschaften in der Party-Tram? Als wäre Vorwärts nicht schon schlimm genug. In Australien gab es mal einen Wettbewerb um die beste Coverversion des Stücks. Der Sieger erhielt anschließend Morddrohungen.²
7. Die BVG ist der Teufel und Gott in einer Person.
Die BVG betreibt die gelben Dinger mit den vielen Rädern. Zum Glauben und Beten kann man in eine der zahlreichen Kirchen gehen. Dort ist man in der Regel allein.
8. Das eigentliche Wappentier der Stadt ist nicht der Bär, sondern ein unter Herbstlaub liegender Haufen Hundekacke.
Das beste Wappentier der Stadt wäre wohl der Laubbläser.
9. Plane Dein Leben ohne die S-Bahn.
So sagt nur einer, der den Parkplatz vor der Scheune für ein Grundrecht hält. Nimm die U-Bahn. Es gibt sogar Busse im 20min-Takt. Geh schlimmstenfalls ein paar Meter zu Fuß.
10. Du wirst immer das Gefühl haben, Dinge zu verpassen und das ist das Normalste der Welt.
Das Gefühl trügt nicht. Aber man gewöhnt sich dran.
11. Freie Termine beim Bürgeramt gibt es so viele, wie Piraten im Landesparlament.
Parlamentspiraten muss man online ein halbes Jahr im voraus buchen?
12. Du brauchst für jeden Weg mindestens 45 Minuten. Egal, ob Du ans andere Ende Deines Kiezes willst oder auf die andere Seite des Ringes.
Da ist was dran. Aber Dein Kiez muss ganz schön groß sein. Echt?

(Großer Bloguator™ durchquert seinen Kiez gerne volltrunken und benötigt dafür in der Tat 45min.)
13. Es ist scheißegal, wie Du Deinen Kaffee trinkst. Lass Dich nicht unter Druck setzen.
Trink den Kaffee nicht im Gehen - das ist stillos und unreif, Berlin hin oder her. Und lass deinen Vornamen nicht auf einen Pappbecher schreiben.
14. Die Winter in Berlin sind länger und härter, als Du es Dir je vorgestellt hast.
Nach einem Winter weißt du: Noch härter!
15. Berliner sind Pfannkuchen und Pfannkuchen sind Eierkuchen. Frag nicht, warum.
Aber du bestellst ja auch Wiener in Wien und Frankfurter in Frankfurt, was? Rundstücke in München und Semmeln in Hamburg? Jedenfalls darfst du Omelett zu Eierkuchen sagen und niemand ist dir böse.
16. Deine besten Freude leben auch in der Stadt, aber manchmal seht ihr euch mehrere Wochen lang nicht.
Du willst ja deine Zeit nicht immer mit denselben zwei besten Freunden verbringen.
17. Auch nicht, wenn ihr im gleichen Bezirk wohnt. Oder Viertel. Oder Straße.
Auch dann nicht.
18. Es gibt nur zwei Sorten Menschen: Die, die wegen einer einfahrenden Bahn loslaufen und die, die in drei Minuten die nächste nehmen.
Es gibt Menschen, die auf Rolltreppen links stehenbleiben!
Hm … Menschen?
19. Alle Begegnungen beginnen total unverbindlich. Das ist toll und nervig zugleich.
Genau - sehr wahrscheinlich nämlich, dass gleich noch ein viel interessanterer kommt: Hallo-ho!
20. Die Stadt hat vier Millionen Einwohner und genau so viele Bürgermeister.
Och...
21. Es gibt einen Abschnitt der Ringbahn, den Du noch nie gefahren bist.
Was hast du in den 5 Jahren gemacht?
22. Mach Dir beim Einkaufen keinen Stress, wenn Du was vergessen hast. Es gibt Spätis!
Es gibt auch Restaurants und Dönerbuden und ein oder zwei Kneipen mit Bier *und* Kaffee. Und morgen dann wieder offene Läden. So lange hält es ein erwachsener Mensch aus.
23. Und die Supermärkte am Ostbahnhof.
Und die Supermärkte an JEDEM Bahnhof. Und den Rund-um-die-Uhr-Reichelt.
24. Manche Leute hassen Touristen, weil diese die Stadt nicht verstehen. In Wirklichkeit sollte man einfach alle Menschen hassen, die zu langsam laufen oder im Weg stehen – egal, woher sie kommen.
So ist es, und diese Menschen kommen viel zu häufig aus den Randbezirken oder dem Speckgürtel.
25. Das Sauerstoff-Schiff auf dem Landwehrkanal existiert!
Ja, und?
26. Es gibt offizielle Hundekacke-Sauger.
Die gibt es seit über 20 Jahren. Machen ein hässliches Geräusch.

...schschschlorrrpp!
27. Verzögere bei der Fahrkartenkontrolle das Suchen nach Deinem Ticket, damit die Leute, die sich keine Monats- oder Jahres-Karte leisten können, eine Chance haben, auszusteigen.
Das ist ein guter und menschenfreundlicher Hinweis: Beherzige ihn!
28. Die beste Reaktion auf Berliner Schnauze ist Grinsen.
Bosheit ist die Berliner Methode, Interesse zu zeigen. Mit Leuten, die einen nicht interessieren, macht man sich diese Mühe nicht.
29. Das Brandenburger Tor siehst Du nur, wenn Du Besuch hast oder zu einer Demo gehst.
Man sieht es öfter im Fernsehen als real. Genau wie den Fernsehturm - in diesem Fall ein Versäumnis.
30. In der U-Bahn gibt es nur Edge.
Geheimtipp für den Auskenner: Das Buch und die Zeitung sind seit einiger Zeit erfunden.
31. Busfahren sollte immer Deine letze Wahl sein.
Das merkst du schnell genug selbst.
32. Denn es gibt nur in Berlin die so genannten “BVG-Minuten” - Das ist die Zeit zwischen planmäßiger und tatsächlicher Abfahrzeit.
Aber nur der Berliner S-Bahn frieren auch im Sommer mal die Weichen ein.
33. Am Potsdamer Platz gibt es riesige Häuser, die eigentlich nur fake sind.
Damit der westdeutsche Besucher endlich eine Vorstellung vom Begriff Potemkinsches Dorf bekommt.
34. Alle hoffen, dass der BER niemals fertig wird. Denn …
Niemanden in Berlin interessiert der BER wirklich!
35. Der Flughafen Tegel ist der beste Flughafen der Welt.
Angeblich auch einer der kleinsten. Aber man sieht ja: Berlin braucht gar keinen größeren. Es wird ohnehin zu viel geflogen.
36. Halte Dein Fahrrad in Schuss.
vor allem lass es dir nicht klauen.
37. Die Torstraße ist Hitler.
Hm, und was hältst du von ein paar Jahren Nachhilfe in Geschichte?
38. Spandau ist nicht unser Brooklyn, sondern ein Vorort von Hamburg.
Brooklyn? Wir brauchen Spandau, damit der Berliner eine Vorstellung von PROVINZ hat. Spandau ist die PEST!
39. Der Mauerpark kann so viel mehr als ein mit Menschen überfüllter Flohmarkt sein. Eine mit Menschen überfüllte Karaoke-Veranstaltung zum Beispiel.
Aber zuerst mal ein mit Menschen überfüllter Flohmarkt. Voller Touristen.
40. Hufelandstraße, Husemannstraße und Humannplatz wirst Du auch auf Deinem Totenbett noch durcheinander bringen.
Quatsch, der Berliner beschreibt dem Besucher gedudig den Weg von der Hosemann- in die Husemannstraße. Ob der Besucher will, oder nicht.
41. Es sollen schonmal Menschen auf der Suche nach einem freien Parkplatz an Altersschwäche gestorben sein.
Naja, Wehmut. In ihrem Heimatort konnten sie jederzeit vor ihrer Scheune parken.
42. Pfand gehört daneben.
Pfand gehört nicht auf die Straße. Der Berliner gibt es einfach im Laden zurück. Der Händler ist da gar nicht böse drüber.
43. Du darfst in Berlin aussehen und sein, wie Du willst. Das hat mit Toleranz zu tun, aber auch damit, dass sich 4 Millionen Menschen nicht für Dich interessieren.

Wenn du eine Weile hier wohnst merkst du es selbst: Warum sollten die sich für dich interessieren?

 




 


² vielleicht sollten sie statt der Warnglocke lieber dieses hier spielen, wenn sie durch die Menschenmenge am Alexanderplatz brettern müssen: MP3

19 Januar 2016

Mensch und Masse

Kalter Samstagvormittag im Januar.

Oh, eine gewaltige Schlange in Berlin-Mitte! Erster Gedanke im Kopf des Großen Bloguators™ "Da wird endlich wieder Begrüßungsgeld verteilt!"


Dann aber fiel ihm wieder ein, dass Finanzminister Schäuble ja wohl noch im Amt ist und sogar lebt. Hm. Wahrscheinlich kein Begrüßungsgeld. Sehr wahrscheinlich.


Eröffnung eines neuen Elektronik-Marktes oder gar einer ganzen Shopping-Mall?
Dafür sind die Anstehenden wiederum nicht hysterisch genug. Zu gutgelaunt. Und auch zu diszipliniert.


Vielleicht der große Wohltäter Vladimir Putin, der mit viel Geld wohlgesonnene Menschenmassen einkauft? Die russische Botschaft ist gar nicht weit.


Aber endlich fiel es wie Schuppen von den Haaren - richtig! Samstagvormittag, man hatte davon gelesen:


Die Komische Oper verkauft Kostüme aus ihrem Fundus!


Und die stilbewusste Berliner Bevölkerung mit ihrem bekannt sicheren Geschmack nimmt lebhaft Anteil.


Zugegeben, der Großen Bloguator™ war nicht ganz zufällig am Ort des Geschehens. Aber zu spät. Viel. Zu. Spät.


Schade.

15 Januar 2016

Exotiq

Wie die regelmäßige Leserin¹ ja weiß, pflegt der Große Bloguator™ gerne Vorurteile. Nicht nur die eigenen, sondern die aller Leute. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

Eines davon lautet, dass “Techno und richtige Musik nur unwesentlich weiter von einander entfernt liegen als die Erde vom Mond”.

Ja, wohl!

Und dann wird er mit hintergründigem Zeug aus Grönland konfrontiert. Ich wiederhole: Grönland! Von einer Band namens Uyarakq, deren Geräuscherzeugung einen total hibbelig macht und die den Erwartungen, die man von Grönland vielleicht hat, sogleich eine neue interessante Richtung geben kann.

Und besonders witzig ist selbstverständlich außerdem die überaus unerwartete Streuung des Buchstaben Q in den Titeln – ohne die bei uns übliche Kombination mit dem U.

Ja, äh, und los:

Hier gleich noch eins:

 

 

Hm, stelle bei wiederholtem Hören fest, dass die Beispiele vielleicht gar kein Techno sein sollen.

So, so? Na gut, dann muss sich jetzt leider wieder über jemand anderen lästern.


¹ männliche Leser dürfen selbstverständlich auch wissen
² kam neulich via Radioeins Freistil rein

13 Januar 2016

Versagen

aus der bekannten Serie Schadenfreude ist die reinste Freude!


Neulich mal hatten wir hier einen Betrag mit  dem Untertitel “Multiples Kranversagen” – das war schon sehr schön – wenn auch gruselig.

Hier kommt jetzt wieder einmal eine Beobachtung zum Thema “Multiples Kahnversagen”: Das Boot mit dem blauen Spinnacker kommt innerhalb einer Regatta in der besten Position, die man nur haben kann, an der Leetonne an. Völlig übermotiviert nehmen sie den Spinnacker zu spät oder unkoordiniert runter und der überehrgeizige Steuermann rundet zudem die Tonne im Millimeterabstand. Also viel zu eng. Jedenfalls versucht er es. Gemeinsames Versagen führt zum absehbaren SuperGAU.

Wer jemals selbst Regatta gesegelt ist ahnt, dass hier einiges schief gehen kann. Schnell berührt man in so einer Situation die Tonne oder bleibt unnötig mit irgendeinem Teil dran hängen, das sich vielleicht ein wenig weit außenbords befindet. Zum Beispiel ein außer Kontrolle geratener Spinnacker.

Am Ende findet sich das Boot in der schlechtesten Position wieder, die man nur haben kann.



Edit, nach mehrmaliger Auswertung des Videos:
Der Steuermann weiß offensichtlich auch genau, wie man so einen fliegenden Spinnacker wieder einsammelt. Sowas gehört nicht zum Grundwissen und kann kein Zufall sein. Der hat das schon öfter gemacht.

11 Januar 2016

Besorgnis

Besorgte Bürger?

In letzter Zeit hat man es in Deutschland vermehrt mit sogenannten "besorgten Bürgern" zu tun.

"Besorgter Bürger" ist ein Synonym für "Rassist" und es wird gerne von den Menschen benutzt, die wissen, dass Rassismus eine unanständige Sache ist, darin aber doch ein bequemes Weltbild erkennen. Immerhin ist ihnen klar, dass sie nie-nie-nie auf der Verliererseite des Rassismus sitzen wollen.

Die "besorgten Bürger" argumentieren gerne mit so Sachen wie "ich bin ja kein Nazi, aber" oder "das wird man doch noch sagen dürfen", ebenfalls Floskeln dafür, dass sie sehr wohl wissen, wie unrecht sie haben, aber dass so eine Lüge bequemer ist als die Wahrheit.

Die Bevölkerungsgruppe der "besorgten Bürger" kann man nach ihrer Motivation grob in zwei Parteien unterteilen:

Den einen ist es unheimlich, wenn sich fremdländische Menschen in einer unbekannten Sprache temperamentvoll unterhalten. Woher dieses Gefühl der Unheimlichkeit rührt, lässt sich schwer sagen, vielleicht, weil man in dem jeweiligen kleinen Heimatort des besorgten Bürgers einfach niemals irgendwelchen Migranten begegnet. Doch, ja, solche Orte gibt es. Oder weil die Migranten schon aus sprachlichen Gründen unter sich bleiben und dabei überhaupt Gruppen bilden. Dass sich auch einheimische Jugendliche so verhalten und keineswegs weniger bedrohlich sind, wird von dem besorgten Bürger gern verdrängt. Außer wenn er an der Bushaltestelle des kleinen Ortes vorbei muss, wo sich die pöbelnden Halbstarken immer treffen. Aber dann denkt er nur an die Halbstarken und vergleicht sie nicht mit Migranten.

Das Gefühl der "Unheimlichkeit", also des unausgesprochenen Sichbedrohtfühlens, ist wahrscheinlich eine kulturelle Angelegenheit. Wer einmal außerhalb Mitteleuropas auf Reisen war, weiß, dass sich gegenüber deutschen Reisenden kaum jemand so benimmt. Obwohl sich dazu mehr als genug Anlässe aufzählen ließen. Keine Besorgnis anderswo. Oft wird man als Fremder mit großer Freundlichkeit empfangen. Und das hat nichts mit der Anzahl der Besucher zu tun: Die besorgten Deutschen sind ja einem einzelnen fremdländischen Menschen gegenüber genauso misstrauisch wie einem Dutzend.

Dieser ersten Gruppe besorgter Bürger kann man zwar nicht mit Argumenten kommen, das ist ihnen zu anstrengend. Aber man kann sie in Kontakt mit Einwanderern, Reisenden, Flüchtlingen bringen, also mit allem, was sie für fremd und bedrohlich halten. Aus der Nähe merken sie dann, dass diese fremden Menschen interessante Gebräuche, Kleidung, Musik und ganz gutes Essen haben. Damit ist viel gewonnen.

Die zweite Gruppe der "besorgten Bürger" nennt sich so, weil sie sich nur um eins sorgt: Sich selbst. Sie haben Angst, dass ein Flüchtling etwas kostenlos erhält, das sie selbst mit wenig Geld bezahlen mussten. "Wieso kriegen DIE Handys? Kleidung? Sogar Taschengeld! Eine Wohnung! WIR müssen alles selbst bezahlen!"

Neid, Gier und Eifersucht bestimmen ihr Leben, aber diese Regungen stehen nicht in so hohem sozialen Ansehen wie Mitgefühl und Freundlichkeit. Aber ein hohes Ansehen wollen sie außerdem noch haben, wobei es nichts kosten darf. Denn wenn es etwas kostet, muss es auch exklusiv sein!

Etwa das Handy-Gerücht: Da wird behauptet, jeder Flüchtling bekäme ein Handy geschenkt. Nun sind gerade Handys in Deutschland Kultgegenstände wie früher nur das Auto - sie liegen für jeden im erschwinglichen Bereich und man kann sie überall herumzeigen, um damit Geschmack und Weltläufigkeit zu beweisen.

Das Handy ist eigentlich ein Anachronismus: Anfangs brauchte man gar keines, weil es ja noch überall Festnetz-Anschlüsse gab. Es setzte sich dennoch durch - zunächst als reines Prestige-Objekt für Manager und Oberschüler. Erst seit dem Smart-Phone haben Handys so etwas wie einen echten Nutzwert. Das Smart-Phone wiederum ist ein kleiner Computer und nur die wenigsten "besorgten Bürger" können es angemessen bedienen. Etliche können kaum unfallfrei ihren Namen schreiben. Sie wissen nur: Ein Handy ist ein Status-Symbol und ihrer Ansicht nach dürfen Flüchtlinge so etwas nicht besitzen. Wenn nun jemand behauptet, da würden Handys verschenkt, werden sie von Neid geschüttelt und erheben sich gegen die allgemeine Ungerechtigkeit.

Es ist dieselbe Sorte Mensch, die selbst die eigenen Geschwister bei jeder Gelegenheit über den Tisch zieht, "weil die das sonst mit mir machen!", die aus Verbitterung zu PEGIDA-Demos geht, weil vor dem eigenen Einfamilienhaus nur ein japanischer Mittelklassekombi steht und nicht ein schwerer SUV aus deutscher Produktion.

Dies empfindet der besorgte Bürger als krasse Benachteiligung. Fakten will er nicht hören, sofern sie ihm nicht in den Kram passen. Es ist sinnlos, mit solchen Leuten zu diskutieren, weil sie an der Wahrheit überhaupt nicht interessiert sind, sondern nur an einer schönen Ausrede - wenn nicht für ihren Egoismus, dann dafür, warum sie es zu nichts gebracht haben.

Deshalb ist Rassismus für sie das ideale Konzept: Man kann sich über andere erheben, ohne jemals irgendetwas sinnvolles geleistet zu haben. Einfach nur durch Geburt.

Einige der besorgten Bürger haben sich allerdings sogar Wohlstand "erarbeitet", das geht in Deutschland am besten, indem man dreist ist und immer am Rande des Betruges. Als Ausgleich für dieses Risiko brauchen sie einen Grund, warum sie keinesfalls etwas von ihrem Wohlstand abgeben müssen. Rassismus ist da genau richtig, gegen die bessere Geburt gibt es nun einmal keine rationalen Argumente.

06 Januar 2016

Gesunde Ernährung

Wer in Deutschland aufwächst¹, wächst in der Regel als Fleischesser auf. In den sechziger und siebziger Jahren war das noch viel folgerichtiger als heute. Die hysterische Reaktion, mit der Der Große Bloguator™ und viele andere auf die Änzeichen von Veganismus antwortet, lässt vermuten, dass diese Idee ganz tief drinnen etwas sehr Grundsätzliches bedroht. Fragt sich doch, was das wohl sein mag?

Rein rational weiß der aufgeklärte Carnivor durchaus, dass man sich auch ohne Tier ernähren kann. Theoretisch. Der aufgeklärte Carnivor kommt auch nicht mit Dumpfbackenargumenten wie Proteinen, Gehirnentwicklung oder Tradition. Die sind alle so dünn wie durchsichtig.

Natürlich enthält totes Tier Proteine, natürlich haben sich Gehirne irgendwann irgendwie entwickelt und selbstverständlich hat das Fleischessen in europäischen Breiten eine gewisse Tradition.

Wobei "Tradition" nur bedeutet, dass der Fleischesser sich nicht erinnern kann, wann seine Großeltern damit angefangen haben. Älter ist so eine Tradition in der Regel nicht, und in diesem speziellen Fall eben auch nicht. Proteine sind natürlich wichtig, waren aber längst nicht immer während der Menschheitsentwicklung im heutigen Umfang verfügbar. Und über "Gehirn" muss man bei Dumpfbackenargumenten ja ohnehin nicht reden.

Am überzeugendsten ist dann die enorme Verdrängungsleistung von "Aber Hühnchen ist doch kein Fleisch?"

Es bleibt spannend.






¹ also ich -

31 Dezember 2015

Kürbis sürpris

Unvegane Kürbissuppe - wir sind inzwischen beim rosa Teil der Serie


... nehmen wir doch einmal an, es ginge um Kürbissuppe.

Der Kürbis und seine Suppen sind in den letzten Jahren zu den vegetarischen Vorzeigegerichten aufgestiegen. Vorher fiel der Gesamtheit der Deutschen zum Kürbis nichts weiter ein, als ihn süß-sauer einzulegen. Man bekam davon glasige Zähne und ein filziges Gefühl im Mund. Insgesamt also nicht so der Renner. Traumatisches Erlebnis mehrerer Generationen.

Dann muss irgendjemand wiederentdeckt haben, dass man mit Kürbis viel mehr machen kann. Zufällig sind dem Großen Bloguator™ aus der jüngeren Geschichte jedoch nur vegetarische Kürbisgerichte bekannt. Das mag auch daran liegen, dass es nur vegetarische Kürbisgerichte gibt.

Nach einer Feier im Segelverein war kürzlich allerdings ein halber Mett-Igel übrig, ziemlich großes Ding. Sowas wirft man nicht gerne weg. Sondern nimmt es mit nach Hause.

Dort fand sich das Gehackte neben einem Kürbis ein, der seit längerem seines Schicksals harrte. Im Kühlschrank lag noch verschiedenes anderes herum, das dringend weg musste. Daraus ergab sich das folgende Panorama:
  • 500g Schweinehack
  • 1 Hokkaido-Kürbis
  • 1 Paprika
  • 1-2 Zwiebeln
  • frische Ingwerknolle
  • Creme fraiche
  • Brühwürfel sog. fette Brühe
    (Knorr oder Maggi ist egal, klingt nach Fleisch, ist aber völlig vegan und im heutigen Zusammenhang sowieso egal)
Geht so:
Den Kürbis im ganzen in den Backofen, bei 150° bis die Schale braune Blasen wirft. Das sollte eigentlich nur die Schale aufweichen, damit man den Kürbis leichter schälen kann. Wenn man einen guten Hokkaido erwischt hat, riecht nach einer Weile die Küche nach Nuss und die Schale muss man gar nicht schälen - sie ist so weich, dass man sie mitessen kann. Wenn er weich ist, teilen, Kerne raus, kleinschneiden. Man kann ihn eigentlich schon so essen, sollte aber etwas für die Suppe übrig lassen.

Das Hackfleisch zusammen mit dem Ingwer und der Paprika scharf anbraten. Paprika und Hackfleisch brauchen annähernd gleich lange. Wenn das Hackfleisch genug angebraten ist geben wir kurz vor Ende des Vorgangs noch die gehackten Zweibeln dazu.

Dann kommt das angebratene Hack in den Suppentopf, Wasser drauf, Brühwürfel rein, kochen. Geschnittenen Kürbis rein, wer unbedingt will darf auch noch ein paar mehlige Kartoffeln hinterherwerfen.

Man lässt die ganze Sache noch ein wenig kochen, der Kürbis wird noch weicher, nicht pürieren! Dann Salz, falls noch welches fehlt, Pfeffer, der Große Bloguator™ schummelt meist auch noch ein wenig Chillie dazu. Zum Schluss ein halber bis ganzer Becher Creme fraiche - fertig. Bong Appetit!



Erfahrungen, die man nicht selbst machen  muss:
  • Das Weichwerden im Backofen funktioniert z.T. auch mit Spaghetti-Kürbis, aber nicht mit dem festkochenden Rippenkürbis/Halloween/Schnitzkürbis/KeineAhnungwiederrichtigheißt. Beim festkochenden bleibt die Schale hart und er lässt sich noch nicht einmal besser schälen.
  • die Fette Brühe in Würfelform hat die Besonderheit, dass es sich eigentlich um Gemüsebrühe handelt. Gleichzeitig ist sie weniger penetrant als das Gemüsebrühe-Zeug, das üblicherweise im Glas verkauft wird.

28 Dezember 2015

Antiquität

So, über die Feiertage habe ich meine alte Webseite endlich wieder in Gang gebracht – die lag jetzt etwa so 10 Jahre still: Dabei, all die alten Flüche und Verwünschungen sind noch aktuell! Aber die Gedichte aber auch.

Die Geschichten für Niemand sind noch in alter Rechtschreibung, mit dass/daß und solchen Sachen, bringe ich vielleicht später mal auf neueren Stand, oder als zeitgeschichtliches Dokument: Nie.

Falls sich jemand interessiert:
Geschichten für Niemandhttp://100goldfischli.bplaced.net/
oder rechts in den Links. Ja.

26 Dezember 2015

Roter Bastard¹


Eine Art veganer Risotto - nur ohne Reis


Auf Wunsch einer einzelnen Leserin malen wir derzeit nicht nach Zahlen, sondern kochen nach Farben. Diese Woche kochen wir rot.

""Rot" bedeutet im Haushalt des Großen Bloguators™ fast immer "mit Tomate". Manchmal auch "mit Paprika", häufig "mit Chili" oder wenigstens mit Paprikapulver. Und möglichst ohne Blut.

Das im folgenden beschriebene Gericht ist ein Bastard aus Risotto und der bekannten Schnelle-Rote-Linsen-Suppe. Es entstand aus der Frage: "Was macht man eigentlich mit ganzen Weizenkörnern?"

"Man" heißt dabei "Deutschstämmiger Kunde des türkischen Supermarktes", deutsche Supermärkte haben nämlich in der Regel keinen ungemahlenen Weizen. Außer KAUFLAND, aber dazu kommen wir am Ende. Und Türken machen aus dem Weizen eine Süßspeise.

Das Gericht hat noch ein weiteres illegitimes Elternteil, nämlich Bechamel bzw. Einbrenne. Aber hier geht es ja gar nicht um die Erbfolge.

Aaaaalso, wir kaufen ein, bzw. haben sowieso immer da:
  • Weizen, ganze Körner, gibt es in 500g-Paketen
  • Tomaten mit Geschmack
  • Distelöl
  • Zwiebel
  • Rosmarin
  • "fette Brühe" von KNORR, total vegan
  • Salz, Pfeffer

Mengenangaben sind beim Kochen mit dem Großen Bloguator™ schwierig. Wenn man mit 200g Weizen beginnt, vielleicht 250g Tomaten und 200ml Wasser.

Der Weizen wird trocken in dem Topf geröstet. Bei unbehandeltem Weizen braucht das eine ganze Weile, man muss den Mut zu ausreichend viel Hitze haben, und wenn er verbrannt ist wirft man ihn weg. Also nochmal: Man röstet den Weizen voooorsichtig an. Dass die Sache funktioniert und interessant wird erkennt man am Duft, der nach kurzer Zeit dem heißen Weizen entströmt.

Das dauert leider erstaunlich lange, man bleibt so lange daneben stehen und wenn er braun geworden ist, füllt man mit Distelöl großzügig auf bis Oberkante Weizen.

Das ist der Bechamel-Augenblick!

Bzw. der Einbrenne-Moment?

Ach, egal: Aus den sehr heißen Weizenkörnern ist auch der letzte Rest Feuchte verdunstet, jetzt füllen sie sich schlagartig mit dem Öl und die enthaltenen Stärken beginnen zu fermentieren. Daraus bildet sich Dextrin, welches die Fähigkeit hat, Flüssgkeit anzudicken. (sagt Paul Bocuse um 1975, keine Ahnung,  wie weit die Wissenschaft inzwischen wirklich ist).

Wir haben jetzt also eine Mischung aus gerösteten Weizenkörnern und sehr heißem Distelöl. Dort werden die kleingeschnittenen Tomaten hineingegeben. Dann kommt noch etwa dieselbe Menge an Wasser hinzu, die Brühwürfel, Salz, Pfeffer, Rosmarin

Dann lässt man die Sache einfach eine Weile vor sich hin kochen, der Weizen braucht mindestens eine halbe Stunde. Kurz vor dem Ende kommen die Zwiebeln und etwas Zucker dazu. Noch ein paar Minuten weiter kochen und fertig.

Der rote Frument'otto oder Granotto ist sehr einfach herzustellen, erfordert keine große Erfahrung - er geht nur nicht schnell. Man braucht jedenfalls Geduld.

Für den Profi-Esser: Es hat keinen Sinn, damit erst anzufangen, wenn man bereits hungrig ist! Wenn die Sache eilt, sollte es besser Rote-Linsen-Suppe werden. Die beruht auf beinahe denselben Grundlagen, nur Linsen statt Weizen.



Die KAUFLAND-Anmerkung:
Normale deutsche Supermärkte führen gar keine Weizenkörner. Aber aus völlig undurchsichtigen Gründen hat Kaufland sogar *vorgegarten* Weizen. Das scheint so etwas wie Parboiled-Reis zu sein, nur in Weizen. Fehlt eigentlich nur der Kochbeutel.

Das *vorgegart* klingt erst einmal sehr verführerisch, er braucht zum Weichwerden tatsächlich nur ein Drittel der Zeit. Allerdings ist er beim Rösten *überaus* *heikel*. Es braucht einige Minuten, bis der Weizen die erste Farbe annimmt - und wenige Sekunden später ist er auch schon verbrannt.

Und die Distelöl-Erweiterung:
Mit anderem Öl schmeckt die Sache nicht. Raps-Öl taugt sowieso zu gar nichts, und Olivenöl passt nicht zum Weizen. Es muss also Distel-Öl sein und nichts anderes.





¹ Anmeldung Guinness-Buch in der Kategorie "Reißerischste Überschrift 2015" läuft

24 Dezember 2015

Straße rüber

Lernt man heute als Kind nicht mehr, wie man über die Straße geht?

In Berlin haben wir eine schöne Tradition: Wenn kein Auto kommt gehen wir über die Straße. Fußgängerampeln haben dabei eher so Hinweis-Charakter.

Die heutige Soziologen­generation könnte das vielleicht als "ergebnisorientiertes Handeln" brandmarken. Tut sie aber nicht, weil der heutigen Soziologen­generation so etwas nicht auffällt, obwohl es sich ganz eindeutig um ein Defizit handelt. Also, nicht bei den Berlinern, sondern bei den jugendlichen Zugereisten aus der Provinz.

Man erkennt sie daran, dass sie entweder auch mitten in der Nacht, werktags, an einer menschenleeren Straße ohne jeglichen Verkehr vor einer Fußgängerampel stehen bleiben, sofern sie Rot zeigt. Oder sie laufen blind über die Straße, auch mitten im Berufsverkehr und wenn die Stelle total unübersichtlich ist, wo also niemand bremsen könnte, selbst wenn er es wollte. Und die meisten deutschen Autofahrer wollen doch noch nicht einmal.

Anscheinend lernen in einigen Bundesländern Kinder heute nicht mehr, wie man über die Straße geht. Liegt vielleicht daran, dass im Deutschland der Gegenwart bis zum sechzehnten Lebensjahr die Mama immer zur Stelle ist und den Jugendlichen an der Hand nimmt, wenn er über die Straße muss. Oder sie bringt ihn gleich da hin, wo ihn sein heutiger Termin hin führt - im SUV aus der eigenen Eigenheimgarage bis vor die Tür des zu besuchenden fremden befreundeten Eigenheims.

Später verschlägt es den Jugendlichen dann nach Berlin, wohl weil es in der Biografie jedes Provinz­abiturienten unheimlich gut aussieht, wenn man zwischen neunzehn und einundzwanzig eine Weile "in Berlin gelebt hat". Was danach auf dem Lebensweg zu geschehen hat, hat die Mama dem Kind bereits Jahre vorher fest einprogrammiert. Aber dazwischen zwei Jahre Berlin. Und hier wollen sie über die Straße.

Die einen ziehen dann die Nonkonformistenuniform an und etliche von ihnen meinen, dass diese sie auch vor heran rasenden Autos schützt.

(die Fortgeschrittenenvariante dazu ist übrigens der Kreuzberger Suizidradler:
Das ist derselbe Typ Jugendlicher, der nur leider vergessen hat, nach einer Zeit des "Auslebens" den von Mama geplanten Lebensweg wieder einzuschlagen. Ein elender Rechthaber, der unerschütterlich an die eigene Unverwundbarkeit glaubt und in jedem anderen Verkehrsteilnehmer nur biologischen Abfall erkennt, egal ob es sich dabei um Fußgänger, Fahrrad- oder Autofahrer, Rentner, Behinderte oder Kleinfamilien handelt¹)

Die anderen der neu zugereisten kleiden sich immer noch wie Mamas Liebling, blankgeputzte Schuhe, Trenchcoat, Burberry-Schal, schwarze Hornbrille, Jutebeutel, und bleiben brav an jeder roten Ampel stehen.

Immerhin pöbeln die alle nicht herum, wenn der Stadt-Berliner sich benimmt als wäre er zu Hause: "ROT!" Das wiederum rufen nämlich häufig die Berliner aus den Randbezirken und wenige innerstädtische Rentner, die ihre Erziehung noch zu Vorkriegszeiten genossen haben. Diese Leute wissen zwar genau, wie das mit der Straße funktioniert, kommen aber nicht darüber hinweg, dass manche ihr Leben anders anwenden: "Was Recht ist muss Recht bleiben!" oder "Rot gilt für alle!"

Vereinzelt bleiben hier aber auch junge Erwachsene in Nonkonformistenuniform an roten Ampeln ohne Autoverkehr stehen. Die sind ein großes Rätsel. Sie wissen anscheinend noch nicht so genau, wo ihr Lebensweg sie hin führen soll.

Hm. Trotzdem: Lernt man heute als Kind nicht mehr, wie man über die Straße geht?





¹ trifft man gelegentlich auch in der Darreichungsform des "Messenger", das ist neuhochdeutsch für "Fahrradkurier"

14 Dezember 2015

Grünes Zeug

Das grüne Zeug entstand so ähnlich wie das Rote Zeug. Also ganz anders.

Auf dem Markt bekommt man Auberginenpüree, so eine Paste für zum Brot dazu. Der Goße Bloguator™ wird bekanntlich sehr selten von Bedenken oder Einsicht geschüttelt und kommt daher auf den naheliegenden Gedanken "Das kannst du doch auch!"

Naheliegend, aber falsch. Nach etlichen Versuchen befand sich das bericht­erstattende Küchengenie wieder am Anfang. Zum Glück war keine da, die das alles essen musste.

Irgendwann lagen die erforderlichen Zutaten aber durch Zufall genau nebeneinander auf dem Küchentisch. "Zufall" ist das Wort dafür, wenn Der Große Bloguator™ wieder einmal hungrig einkaufen war und vom Markt den Wochenbedarf für eine sechsköpfige Familie in seinen Single-Haushalt geschleppt hat.

Nebeneinander lagen in diesem historischen Augenblick
  • Kichererbsen, getrocknet
  • Auberginen
  • Zucchini
  • Olivenöl
  • Kräuter der Provence
  • Lauchzwiebel, Knoblauch, Chillies, je nach Geschmack (doch, sowas liegt hier herum)
Und dann geht das so:
Die Kichererbsen werden eingeweicht (bequem über Nacht. Eine Stunde vorher reicht aber auch) und dann weich gekocht. Die Auberginen und Zucchini legt man im ganzen auf ein Backblech und lässt sie im Backofen weich werden. Je nach Frischegrad des Gemüses dauert das eine ganz unterschiedlich lange Weile, bei 200° zwischen 15 und 45min. Nicht anbrennen lassen!

Wenn die Auberginen ausreichend weich geworden sind kann man sie der Länge nach halbieren und das Fruchtfleisch herauslöffeln. Die Zucchini muss man ein wenig kleiner schneiden. Kichererbsen und etwas Olivenöl dazu und alles pürieren. Die kleingehackten "je-nach-Geschmacks" kommen erst nach dem Pürieren rein, damit man auch was zu beißen hat.

Das ganze ist wohl eine Beilage, keine Ahnung, kann man mit Fladenbrot essen, oder sich einfach so damit vollstopfen. Wer genau hinkuckt: Versehentlich ist es auch vegan, wieder einmal.

Abstrakte Hinweise:
  • die Kichererbsen einen Tag vorher einzuweichen kann eine Herausforderung sein. Eine Stunde vorher ebenfalls. Wem das alles zu viel Vorausschau und Planung ist, der kann gekochte Kichererbsen aus der Dose nehmen. Die sind *noch* *leichter* zu verarbeiten und noch viel weicher. Das Ergebnis wird deutlich matschiger als mit den getrockneten, kann man mögen, muss man aber nicht.
  • je nach Mischungsverhältnis von Gemüse zu Kichererbsen kann das Grüne Zeug unangenehm trocken ausfallen. Mit mehr Olivenöl wird es geschmeidiger - aber auch sehr gehaltvoll. Deshalb nach dem Kochen das Kichererbsenkochwasser aufheben, um bei Bedarf die Paste damit zu verlängern.

12 Dezember 2015

Rotes Zeug

Irgendwann ist auch der längste Segeltag vorbei. Und es gibt sogar ganze Monate, die als Segelsaison nicht taugen. Dann steht der Große Bloguator™ zu Hause am Herd und kocht ... naja, macht sich etwas zu essen.

Dabei entstehen immer wieder Dinge ... öhm: Gerichte, Lebensmittel ... die so in keinem Kochbuch stehen. Heißt: Der Große Bloguator™ experimentiert gerne. Ist ja auch nicht peinlich, so lange keine da ist, die das ganze Zeug essen muss.

Außerdem muss dieses Blog irgendwie voll werden. Also, beginnen wir mit Rotem Zeug.

Die Sache entwickelte sich daraus, dass der Große Bloguator™ eine große Dose öffnete, die er für Tomaten hielt, achthunderfünfzig Gramm. Beim Öffnen stellte er fest, dass es sich nicht etwa um Dosentomaten handelte, sondern um TomatenMARK. Die Dose war nämlich ausschließlich in Türkisch beschriftet und ohne Untertitel. Aber achthunderfünfzig Gramm.

Tomatenmark ist dieses Zeug, das üblicherweise in kleinen Tuben verkauft wird, 50 Gramm. Und diese Tuben kriegt man nie leer, bevor es komplett verdorben ist. Nie.

Was macht man also mit acht(!)hunder(!)fünfzig(!) Gramm Tomatenmark?

Von einem treuen Blogleser kam der Vorschlag, es doch mit Olivenöl zu mischen und glatt zu streichen. Das klang hilfreich, aber auch ein wenig uninteressant.

Daraus entwickelte sich folgende Situation:
  • ca. 50g Walnüsse
  • kleine Dose Tomatenmark
  • mittlere Zwiebel
  • 0,3l Olivenöl
  • Salz, Pfeffer, bisschen Rosmarin oder Chili vielleicht
(oder 100g Walnüsse, große Dose Tomatenmark, große Zwiebel)

Die Walnüsse werden gehackt, aber nicht allzu fein. Dann werden sie in einem offenen Topf trocken geröstet, das braucht ein wenig Übung und nicht zu viel Hitze, dauert 5-10min.

Wenn die Walnüsse einige schwarze Stellen haben, füllt man mit viel Olivenöl auf. Sehr viel Olivenöl! Nicht nur die Walnüsse sollen bedeckt sein, sondern deutlich schwimmmen. Sobald das Öl heiß ist, die gehackte Zwiebel dazu und gleich anschließend das ganze Tomatenmark.

Gut durchmischen und zur Haltbarmachung noch einige Minuten "kochen".  Bisschen Salz und Gewürz ran. Fertig.

Der Große Bloguator™ benutzt das Rote Zeug als Brotaufstrich. Aber man findet schnell heraus, dass man es auch ohne Brot essen kann. Suchterzeugungsfaktor: Etwa Nutella.





Edit - Was man alles falsch machen kann:
  • Tomaten schmecken nicht, wenn sie kalt sind, das Rote Zeug isst sich sowieso am besten "frisch" und noch warm
  • die Walnüsse entfalten ihren Geschmack beim Draufbeißen. Wenn man sie zu fein hackt oder womöglich püriert, funktioniert die Sache nicht
  • Beschränkung auf ganz wenige Gewürze - nicht alles reinwerfen, was das Gewürzregal hergibt
Für sie getestet!





und demnächst in diesem Kochstudio: Grünes Zeug und Das einfachste Gericht der Welt

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