22 November 2017

Zeichner update

Der Große Bloguator™ interessiert sich unter anderem für alle künstlerisch-grafischen Erzeugnisse: Comics, Streetart, Bauzeichnungen. Nein, nicht für die furchtbare “Graphic Novel”, natürlich nicht!¹ Wenn dieses Etikett irgendwo drauf klebt, handelt es sich in der Regel um einen Stoff, den man mit jedem anderen Mittel besser erzählen könnte als mit belanglosen Allerweltszeichnungen. Also mit Text, Film, Fotografie oder anderen noch zu erfindenden Medien.

Es gibt nämlich Leute, die mit ihrem Medium interessante Inhalte transportieren, ohne lautsprecherische Propaganda dafür zu machen. Zufällig kommen mehrere davon aus Schweden. Sie arbeiten mit ganz unterschiedlichen Techniken. Gemeinsam haben sie, dass jeweils ein Bild eine ganze Geschichte erzählt und dabei mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Beide sind ein wenig technikaffin und wandeln am Rand zur Sciencefiction.

Der eine ist Mattias Adolfsson. Er veröffentlicht derzeit aus seinen Skizzenbüchern, eine Technik aus Fineliner und Pantone-Schattierung. Was er sonst noch alles so treibt, muss die geneigte Leserin selbst herausfinden.


Der andere ist Simon Stålenhag, an den hier wieder einmal erinnert wird. Dieser arbeitet in Essig und Öl - also, er fertigt großformatige Gemälde auf Leinwand, die sich beim Hineinzoomen weiter erschließen, aber trotzdem rätselhaft bleiben





¹ "Feindbilder und Vorurteile wollen gepflegt sein. Sie verblassen sonst."
Alte Bloguatorenweisheit

12 Oktober 2017

West, Ost und sonst

Geografie und Musik

Vor einiger Zeit habe ich Merril Garbus von den TuneYards in Berlin gesehen. Sie trat im West Germany auf. Am Ende der Show verabschiedete sie sich mit so etwas wie 'glad to be here in west germany' Anschließend mischte sie sich unters Publikum und bedankte sich bei jedem einzeln.

Ich hätte sie so gerne über die spezielle Geografie aufgeklärt: "Wir sind hier in einem Lokal namens WestGermany, welches im alten WestBerlin liegt, welches wiederum zwar zu WestDeutschland zählte aber mitten im alten EastGermany liegt." In Englisch natürlich, das macht die Sache reizvoller.

Der Veranstaltungsort ist¹ sehr charming, anscheinend eine aufgegebene Arztpraxis in einem 60er-Jahre-Betonbau, im Obergeschoss, nur über eine Treppe zu erreichen. Am Boden die alten weißen Fliesen der Arztpraxis, im Quadratraster ganz ohne übertriebenen gestalterischen Ehrgeiz verlegt. Darauf noch Teile der Metallleisten, aus denen die vorher vorhandenen Trockenbauwände errichtet wurden. Diese Metallleisten bestehen aus sehr dünnem Stahl und sind leicht zu verbiegen, also auch herunter zu treten, wenn man zu bequem ist, sie abzuschrauben. Danach sind sie immer noch einige Millimeter hoch und machen den Boden im Dunkeln unangenehm uneben, weil man denkt, dass man auf irgendwas drauf getreten ist oder der Boden substanzielle Risse aufweist.

Das WestGermany ist¹ auch mehr oder weniger nicht beschildert, der Hauseingang, zu dem die angegebene Hausnummer gehört, liegt an einer ganz anderen Stelle. Keiner in der Nähe, der sich auskennt. Und in Berlin fragt man in so einem Fall niemanden nach dem Weg, ist uncool, entweder entpuppen sich nämlich die anderen als Touristen, oder man selbst. Wer beim Warten den Blick ein wenig schweifen lässt, sieht aber, dass an einer Stelle noch mehr Konzertplakate kleben als sonst überall in Kreuzberg, dort geht es eine schwach beleuchtete Treppe hinauf und dort muss der Eingang sein.

Das ganze atmet tief den Geist der späten siebziger -  frühen achtziger Jahre im umzäunten aber freisinnigen und immer schon improvisierten West-Berlin.

Anderswo werden Zugänge bewusst so eingerichtet, anschließend nennt man es verschwörerisch Geheimtipp. In Berlin muss man keine Absicht unterstellen, es  trifft nur Unvermögen auf Pioniergeist und die meisten Leute lieben es, wenn sie es trotzdem gefunden haben. So ähnlich wird wohl auch der Name WestGermany des Lokals in WestBerlin im Zentrum des ehemaligen EastGermany enstanden sein. Ich habe Merrill Garbus übrigens von dieser tiefschürfenden Erkenntnis verschont - dafür war sie einfach zu nett.



¹ ist = war damals. Ist auch schon wieder zwei Jahre her. Oder so.

20 September 2017

Zahle mit Daten!

"Der Weg vom Zahlen
bis Heimzahlen
ist nicht weit!"
bekannter Zitatengeber

"Man bezahlt mit seinen Daten." Das ist heute die gängige Weisheit im Umgang mit dem Smartfone, Computer und generell im Umgang mit vermeintlich kostenloser Software. Einen Großteil der Smartfone-Nutzer interessiert das genau gar nicht: "Nee, wieso? Wo ist da das Problem? Wer nichts getan hat, dem passiert auch nichts!"

Einen kleineren Teil des Publikums beschleicht ein unbestimmtes Unbehagen, weil sie ahnen, dass etwas schiefgehen könnte. Nur haben sie im friedlichen, satten Deutschland keine konkrete Vorstellung davon, wie sich das Schiefgehen äußern könnte. Aber auch die kritischen Nutzer stimmen millionenfach irgendwelchen Nutzungsbedingungen der Smartfone- und App-Anbieter zu, ohne sie je gelesen zu haben.

Das liegt einerseits natürlich daran, WIE DIESE NUTZUNGSBEDINGUNGEN VORGELEGT WERDEN: FÜR EINE NEBENSÄCHLICHE WETTER-APP SOLL MAN AUGENTRÄNENMACHENDEN FLIESSTEXT IN GROSSBUCHSTABEN OHNE IRGENDEINE FORMATIERUNG LESEN, DER AUF DEM SMARTEN FON GUT UND GERNE SIEBZIG SEITEN AUSMACHT, KÖNNEN ABER AUCH MEHR SEIN!

"Ich habe die Bedingungen gelesen und verstanden und stimme ihnen zu. Klick."

Natürlich nicht! Der Nutzer SOLL die Bedingungen nicht lesen und schon gar nicht verstehen. Wen das optische Erscheinungsbild noch nicht genug abschreckt, dem werden haarsträubende Sätze und Formulierungen präsentiert, die das normalbegabte Hirn zum Kochen bringen: Dafür wurden die besten Fachidioten aus Jura und Computerwelt zusammengesetzt und um eine unverbindliche Stellungnahme zum Zustand der Welt aus ihrer verschrobenen Sicht gebeten.

Aus ihrer Sicht - das bedeutet, es werden völlig irrelevante Sachverhalte, Umstände und Nebenaspekte zusammen mit einigen wenigen rechtlich bindenden Informationen in juristisch und computertechnisch zutreffende Ausarbeitungen in Fachjargon gepresst.

Dass auch das kritische Publikum solchen unverschämten Verträgen zustimmt, liegt natürlich zudem daran, dass sich niemand ein Bild von den negativen Folgen von Information machen kann.

"Wir verkaufen ihre Adresse selbstverständlich auch an den Geheimdienst von Erdoĝan, sofern er unseren Preis bezahlt. Der wirft Sie dann vielleicht bei Ihrem nächsten Türkei-Urlaub ins Gefängnis und lässt Sie dort verschimmeln, weil Sie einmal zufällig bei einer Kurden-Demo in einem nahegelegenen Café gesessen haben. Nicht unsere Schuld."

Würde so etwas als *erster* Satz in den Nutzungsbestimmungen von Facebook oder Whatsapp stehen - wer weiß, wie viele Nutzer dem zustimmen würden?

Ja, na sicher, immer noch genug.

Aber die Facebooks, Whatsapps und Googles der Welt wollen natürlich auch an die Daten der Leute, die so einem klaren Statement dann doch nicht zustimmen würden: Damit verdienen sie einfach *noch mehr Geld* und im übrigen ergibt das ein realistischeres Bild der Nutzergruppe.

Daher wird der Nutzer mit einem undurchschaubaren Vertragswerk zur Unterschrift überredet. Das heißt, der Nutzer wird durch Form und Inhalt der vermeintlichen Verträge unmündig gemacht.

Verträge mit Unmündigen sind übrigens ungültig. Aber das nur am Rande.

Die FacebookGoogleWhatsappLinkedins wollen also unsere Daten. Unbemerkt greifen sie sich gerne das gesamte Telefonbuch eines Nutzers und laden es in ihre eigene Cloud hoch. Dort hat der Nutzer keinerlei Kontrolle mehr, was mit seinen Daten geschieht - auch wenn die Anbieter noch so treuherzig versichern, dass sie auf gar keinen Fall etwas schlimmes damit anstellen. Außer eben, die Daten an Erdoĝan zu verkaufen. Putin. Oder jeden beliebigen anderen Undemokraten, der den wohlfeilen Preis bezahlt. Und dem hat der Nutzer ja wohl ausdrücklich zugestimmt.

Man kann natürlich die unanständigen "Nutzungsbedingungen" ablehnen und nicht unterzeichnen. Dann funktioniert aber die App nicht. Tja.

Nun, wenn sie doch Daten wollen: Geben wir ihnen Daten! Mehr Daten, als sie verkraften können! So viele Daten, dass ihr gesamter Datenbestand unbrauchbar wird, weil sie wegen der schieren Menge nicht mehr durchschauen, welche Daten nun eigentlich die waren, die sie haben wollten.

Ich stelle mir das relativ einfach vor: Wir benötigen dazu die Daten der alten Telefonbuch-CDs. Gibt es die eigentlich noch auf CD? Die finden sich schon noch irgendwo. Das ist eine simple Datenbank: Vorname Nachname Adresse Telefonnummer Email. Wichtig dabei ist aber, dass die Telefonnummer oder die Adresse in derselben Zeile stehen wie der Name. Tun sie es nicht, ist die Information wertlos. Die Nummern oder Adressen müssen gegenüber den Namen nur um einige Zeilen verschoben werden, und die Telefonnummer gehört nicht mehr zu Frank Müller, sondern Franz Müller. Und in der Rubensstraße 31 wohnt nicht mehr Klaus Müller, sondern Klaas Müller, der nicht nur ein wenig anders heißt, sondern eine ganz andere Person ist.

Wenn irgendeine App diese Daten nun absaugt und hochlädt, vergleicht sie sie anschließend mit ihrem Bestand, erst dadurch werden die Daten so richtig wertvoll: Sie werden verifiziert. Durch den Vergleich der Telefonbücher von untereinander bekannten Menschen kann man sogar herausfinden, dass Frank Müller kürzlich umgezogen ist.

Aber wenn FacebookGoogleWhatsappLinkedin nun *mein* Telefonbuch vereinnahmt, wird es vielleicht feststellen, dass Frank Müller ganz schön oft umzieht. Oder dass Frank Müller eine Mailadresse namens frank.maler@gmail.com benutzt, Frank Maler seltsamerweise aber eine namens frank.mauer@web.com

Diese Beispiele folgen aus einer Verschiebung um nur einige Zeilen. Man braucht die Zahl nur vergrößern oder noch einen zweiten Parameter zu ändern und es ergibt sich eine schöne Permutation.

Das von mir vorgeschlagene Programm muss anschließend dafür sorgen, dass die Datenabgreifer den so neu geschaffenen Datenbestand für mein echtes Telefonbuch halten, abgreifen und zu sich nach Hause hochladen. Und es muss dafür sorgen, dass der Dataminer des Datenabgreifers auch erstmal glaubt, was er da bekommt. Wir glauben ja auch alle Versprechungen der App-Anbieter zum Umgang mit unseren Daten. Oder?

Also muss das Programm die neu geschaffene Telefonbuch-CD-Datenbank in kleinere Teile aufspalten, damit sie nicht unglaubwürdig groß wird. Aber nach und nach soll es natürlich das gesamte deutsche Telefonbuch abarbeiten. Und es muss die Zeile mit der Telefonnummer auf jedem Gerät nach einem anderen Parameter verschieben, so dass mit denselben Namen auf jedem Gerät unterschiedliche Daten entstehen.

Nach kurzer Zeit sollte Franzfrank Malermauermüller in der Datenbank des Datenabgreifers etwa zwanzig bis dreißig Telefonnummern und ebensoviele Wohn-sitze und Mailadressen haben.

Wenn genug Leute dieses Programm nutzen, werden die Datenbestände der Datenabgreifer in Kürze vollständig korrumpiert sein, weil bei den Dataminern niemand mehr sagen kann, welche Telefonnummer nun richtig oder falsch ist.

Grober Unfug? Keineswegs.

Reine Notwehr!

14 August 2017

Materie und Material

Irgendwann wird sich die Sache mit der Dunklen Materie als einziger großer Rechenfehler herausstellen und die Idee von der Dunklen Energie als kompletter Unsinn.

Es wird sich zeigen, dass alles auf einen einzelnen Irrtum zurückzuführen ist: Den einzelnen Irrtum eines einsamen kleinen Mitarbeiters im Labor Albert Einsteins, der aus Unachtsamkeit den Rechenschieber des Meisters von Zentimeter auf Zoll umgestellt hatte. Er selbst bemerkte seinen Irrtum zwar noch und stellte den Rechenschieber unauffällig zurück - aber da hatte der Meister das Rechenergebnis bereits notiert und war zur Veröffentlichung sensationeller Theorien und ihrer zwangsläufigen Schlussfolgerungen in die Wissenschaftshauptstädte der Welt abgereist.

Wir machen einen Zeitsprung: Da bereits jeder entzündete Fußnagel Einsteins überreichlich dokumentiert war, hatte sich lange Zeit später ein verzweifelter  Historiker als Biograf auf das weitere Umfeld Albert Einsteins spezialisiert. Er fand über ein Jahrhundert danach den Beweis im Tagebuch des Laborgehilfen, versehen mit einigen Anmerkungen des Bedauerns.

Das Universum dehnte sich weiterhin aus, aber keineswegs in alle Richtungen gleichmäßig, sondern nur zufällig in den bis dahin vermessenen Richtungen. Doch außen herum liegen einige Ringe voller superschwerer, aber stockfinsterer Objekte, welche einfach durch klassische Gravitation andere Objekte anziehen. All dies wäre durch herkömmliche Schulphysik hinreichend zu erklären gewesen. Hätte - wäre - könnte.

Irgendwann kurz vor dem Tod Albert Einsteins hatte sich der ehemalige Gehilfe ein Herz gefasst, ihn aufgesucht und dem Gott der Physik den damaligen Fehler gebeichtet. Zu seiner großen Überraschung hatte Einstein verschmitzt gelacht und ausgerufen "Und? Was ändert das am Lauf der Welt? Gar nichts!"

Der Gehilfe wollte Einwände geltend machen, dass ja so nun die ganze Weltphysik nicht stimme und dass man so ein, er räusperte sich, also... "Missverständnis" ... doch korrigieren müsse. Aber Einstein lachte wieder und bemerkte spitz "Irgendwann werden es diese Idioten schon selbst merken. ICH rechne es jedenfalls nicht noch einmal nach!"

So blieb der Fehler jahrzehntelang unkorrigiert und wurde einzig im Tagebuch eines kleinen Laborgehilfen dokumentiert. Nur ein wissenschaftlicher Selbstmörder hätte es gewagt, die genialen Erkenntnisse des großen Albert Einstein in Zweifel zu ziehen.

Stattdessen ging die Wissenschaft so vor, wie sie es an der Entwicklung der Medizin beobachtet zu haben glaubte: So lange der Mensch die Ursache von Infektionen und anderen Krankheiten nicht kannte, erfand er Götter, Geister und Hexen, die dafür verantwortlich gemacht werden mussten.

Zu Lebzeiten Albert Einsteins war immer noch niemand einem Gott, Geist oder Hexenmeister mit nachweisbaren Fähigkeiten begegnet. Daher benötigte die Physik etwas neues, vollkommen unbekanntes, und erfand die Dunkle Materie und die Dunkle Energie. Sie wurden als "dunkel" bezeichnet, weil sie eigentlich überall sein sollten, de facto aber nicht beobachtbar waren.

Einstein drehte sich zu diesem Zeitpunkt in seinem Grab auf die andere Seite und murmelte "Bald müssten sie doch endlich auch die Dunkle Intelligenz entdecken!"

Rein praktisch lief die Sache auf den Schreibtischen der Wissenschaftler nun so, dass man in einer Gleichung, die nicht aufging, einfach einen neuen Beiwert einsetzte und diesen "Dunkle Materie" nannte. Sollte erst einmal jemand wagen, das Gegenteil zu beweisen!

28 Juni 2017

Parkraumbefreiung (4)

Musik und Tön




Der autofahrer überlecht noch, wie er seine behauptung beweist. Ick spreche den herrn von der polizei freundlich an: "Hallo, ick wohne da oben. Ick habe dit anjehört, und ick gloobe, der autofahrer irrt sich in nem detail."

"Aha, und das wäre?"


Der autofahrer: "Was? Wieso soll ich mich irren? Das ist alles ganz wahr! Sonst zahlt die Versicherung doch nicht!"

"Mit ihre versicherung kenne ick mich nich aus, aba der wagen stand da in der lücke vor der einfahrt."


Der Polizist: "Die mit dem Schild Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt! ?" Bisschen boshaft is der schon, hier vor dem nachbarhaus is weit und breit keene andere Einfahrt.

Ick sage wahrheitsjemäß: "Jenau, hier, vor der Einfahrt mit dem Schild Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt!"

Und der autofahrer: "Aber das ist doch alles nicht so schlimm! Ich bin doch gar nicht abgeschleppt worden! Mein Wagen wurde vandalisiert!"

Der polizist: "Also, sie haben über eine Stunde in der Feuerwehrzufahrt geparkt und jetzt steht ihr Auto nicht mehr dort in der absolut unübersehbaren Verbotszone und hat ein paar Schrammen?"

Der Autofahrer hysterisch: "Ja! Die Leute müssen doch nur hupen, dann komme ich!"

Polizist: "Wir haben jetzt Mitternacht. Wir befinden uns in einem Wohngebiet. Die Leute sollen hupen, damit sie ihre eigene Einfahrt benutzen können? Wie lange sollen sie denn so hupen, ihrer Meinung nach, bis jemand kommt?"

"Das ist doch egal! Das Auto ist zerstört! Sie müssen die Täter finden!"


Ick weeß nich, einsicht sieht für mich anders aus.

Polizist kiekt kritisch: "Fährt denn ihr Auto nicht mehr? Haben sie das bereits probiert?" Der muss een einheimischer sein, wir hier lejen nich so vülle wert uffs äußere, ooch nich bei fast neuen autos.

Autofahrer, den tränen nahe: "Mein Wagen ist zerstört!" Aba denn schließt er ihn doch auf, setzt sich rin und macht den motor an. Dem motor is ja nüscht passiert, der wagen springt ohne zu mucken an.

Fahrer verblüfft: "Und jetzt?"

Polizist: "Aha, also funktionstüchtig. Wie der Wagen vorher aussah, kann niemand sagen. Das müssten sie ihrer Versicherung beweisen."

Rasender Hysteriker: "Was? ICH HABE DEN SCHADEN UND SOLL ES JETZT MEINER VERSICHERUNG BEWEISEN??? Wie soll ich das machen? SIE MÜSSEN DAS BEWEISEN!!!"

"Ich muss gar nichts. Ich halte hier ihre Ordnungswidrigkeit fest: Behinderung des Verkehrs, Parken in der Feuerwehrzufahrt, das heißt Personengefährdung, in Tateinheit mit verkehrswidrigem Halten in zweiter Reihe gegen die Fahrtrichtung, das sind so viele Delikte, das müssen wir erst im Bußgeldkatalog nachschlagen - sie erhalten demnächst Post vom Polizeipräsidenten. Bitte parken sie ihr Auto jetzt ordnungsgemäß."


Ick gloobe würklich, der polizist kann den nich leiden.

Der autofahrer macht mit sein handy noch hilflos een paar fotos. Da druff wird man nich vülle erkenn, is ja mitten in der nacht. Denn setzt er nochmal an: "Sie müssen dem nachgehen! Ich erstatte Anzeige!" aber wie ihn der polizist sehr streng ansieht, zittert er doch lieber ab mit seiner ramponierten kutsche.

Na, dit hat ja mal jut hinjehauen. Erziehung is wat feinet, jerade bei erwachsene autofahrer - dit kann man jar nich lange jenuch durchhalten!



.

27 Juni 2017

Parkraumbefreiung (3)

Musik und Tön



Zufällich trifft die polizei fast gleichzeitich mit dem eijentümer von dem auto ein, der jerade wegfahren wollte und eene überraschung vorfindet: "Was ... was ist mit meinem Auto geschehen?" und die Polizei so: "Warum steht Ihr Auto so seltsam da?"

"Der Wagen stand vorher ... äh ... ganz woanders ... und ... ich ...äh ..."

"Haben sie eigentlich Alkohol getrunken? Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!"


Alkohol hat er natürlich ooch jetrunken, aba wohl nich jenuch, diss se allet gleich einbehalten könn. Denn soll er sich erklären: "Warum parken sie ihr Auto gegen die Fahrtrichtung?" Diss die teure Kiste fast neu, aber zerschrammt und zerbeult is, interessiert in berlin kaum jemanden, zu allerletzt die polizei.

Und nu brauch der fahrer irjendeene erklärung. Überrascht wie er is muss er überlejen, wie er seine anzeije wejen sachbeschädijunk am sinnvollsten dreht. Dit is, wat der lateiner een Dilemma nennt.

"Ich ... äh .. ich habe den Wagen ganz woanders abgestellt! Und ich möchte eine Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten!"

"Aha. Gut, berichten sie bitte: Wo genau stand denn ihr Wagen?"

"Na da, in der Lücke!"

"In der Lücke vor der Einfahrt mit dem Schild: Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt! ?"

"Naja, äh, ich meine, doch woanders ... äh, ich meine ... da, die Straße runter!"

"Aha, da, die Straße runter. Und dann ist der Wagen mit eingelegtem Gang irgendwie bis hierher gerollt und hier in der Gegenrichtung zum Stehen gekommen?"


"Ja! Genau!"

"Seltsam, die Räder zeigen aber geradeaus?"

"Ja! Genau! Das kann ich mir doch auch nicht erklären!"


Solche tüpen sind alle gleich.

"Wann haben sie den Wagen denn abgestellt?"

"Na, vor einer Stunde höchstens. Und da fehlte dem Auto auch noch nichts! Das war WIE NEU!"

"Und jetzt möchten sie Anzeige erstatten, damit die Versicherung ihnen den Schaden ersetzt?"

"Genau! Der Wagen war WIE NEU!"

"Ihnen ist aber schon bewusst, dass die Versicherung nicht bezahlen muss, wenn sie hier falsche Angaben machen?"


Der polizist riecht irjendwat.

"Was?"

"Das wäre dann ja wie ... Betrug ... wenn sie hier falsche Angaben zum Tathergang machen. Dann könnte die Versicherung am Ende sogar Schadenersatz von ihnen verlangen."

"Was? Wieso?"

"Bearbeitungskosten, Gutachter, Auslagen für die Werkstatt, Bankgebühren..."


Ick höre dit vom Balkon aus mit an und ürjendwie habe ick dit jefühl, der polizist is parteiisch.

Ick jehe runter und helfe, die sache aufzuklären. In der kneipe is nüscht mehr los, der wirt räumt die letzten stühle rin. Heißt: Da is keen einzijer zeuge mehr - außer mir.




→ zum 4. Teil

26 Juni 2017

Parkraumbefreiung (2)

Musik und Tön!



Ürjendwann abends mal is der fahrer vom sanitätsfahrdienst völlich verzweifelt und looft mir übern wech. Der meint zu mir "Ich kann doch nicht nachts um elf wie ein Verrückter hupen, nur damit dieser Depp sein Auto aus der Einfahrt räumt!"

Dit is een warmer abend, vor der kneipe sitzen etliche leute uff der straße und trinken ihr flaschenbier. Und ick sage "Warte, dit kriejen wir schon hin! Wird dir spaß machen!" Und er "Was willst du denn machen?"

Ick fange an, vor  dem  lokal die gäste anzusprechen, alle nett, hilfsbereit und ooch schon een bisschen duhn. Ick erkläre denen einzeln "Kiek ma, der Fahrer von dem Fahrdienst brauch hilfe. Hilfste dem, dauert nich lang?"

Nach kurze zeit ham wir sechs kräftije jungs aus alle herren länder zusammen, denn noch der fahrer und ick. Mit mein alter bin ick scheints die natürliche autorität. Also: Ick habe dit sagen.

Ick weise alle an: "Okeeh, kommt mal her, hier an die Seite von dem Wildparker." Die kieken alle aufmerksam und wir stehen zu acht am bordstein neben dem auto.

Denn sage ick "Uuund jetz - bücken wir uns alle!" Allet bückt sich. "Fasst ma hier unter dit auto." Alle fassen unter dit auto. "Uuuuuund jetzt: ANHEBEN! Für unsere auswärtijen freunde: LIFT!"

Dit is erst n bisschen mühsam, jeht aba nach kurze zeit. "Uuuuuund weita! Lift! Lift!" Die sache funktioniert und dit auto liecht erst seitlich uff der tür und denn aufm dach. Dit knürscht lustich, wie dit so üba die Tür rollt. Eene scheibe knackt. Dit dach beult sich een janz kleen wenich ein.

Damit is natürlich noch niemandem jeholfen, der wagen liecht ja immer noch vor die einfahrt und keener kommt durch. Ick sage: "Een Stück müssta noch!" und wir rollen den weita.

Die fassen nochma an und nach een weiteren kurzen moment steht dit auto wieda uff seine räda. Hat jetz n paar blessuren, parkt uff die andere straßenseite und jegen die fahrtrichtung. Dafür is die einfahrt frei. Der fahrer und ick bedanken uns bei die helfer. Ick schärfe alle ochma ein: "Wenn ihr jefracht werdet - ihr habt absolut nüscht jesehn, wa?" Dit verstehen ooch die Amerikaner.

Denn jeht wieder jeder seine tätichkeit nach: Der fahrer fährt die behinderte frau zum notdienst und ick trinke een bier, warte noch, bis die meisten jäste von der kneipe weg sind und rufe die polizei: "Ja, kommse mal, hier steht so een ramponiertet auto uff der straße jegen die fahrtrichtung. Irjendwat stümmt da nich! Vülleicht jeklaut oda so." Anonym natürlich, die lern mich noch früh jenuch kenn’.



→ zum 3. Teil

25 Juni 2017

Parkraumbefreiung (1)

Musik und Tön!



Unten im nachbarhaus is seit neuestens ne kneipe. Hinten, also jenaujenommen im seitenflügel am hof, wohnt ne junge frau, die is jehbehindert und außerdem noch ziemlich krank. Die kricht öfters besuch vom notarzt oder muss da hin. Dit haus hat ne einfahrt von der straße zum hof, wie die meisten andern häuser in berlin ooch.

Die einfahrt is so jemeint, diss da ooch die feuerwehr rin fahren kann, falls dit mal brennt. Damit die im vierten stock wen retten könn, brauchen die ne ziemlich jroße leiter - und die is sojar so jroß, diss se die nich von hand in den hof tragen könn. Aus diesem grunde daher brauch die feuerwehr die durchfahrt: Damit leute übaleben, wenns ma brennt.

Nu dürf aus jenau diesem anlass vor so ne einfahrt niemand parken. Optisch sieht dit so aus, diss da lauter autos am straßenrand stehn, denn kommt ne lücke und denn wieder autos.

Die lücke is normalerweise da, weil een schild da druff hinweist: Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt! Nach meine maßjebliche meinung kann man da dran nüscht missverstehen.

Für manche autofahrer sieht jede lücke wie een parkplatz aus. Für einije fahrer sieht überhaupt allet wie een parkplatz aus, bürjasteich, radwech, einfahrt, kreuzung, allet! Aba hier berichte ick von die lücke vor unsere nachbarn ihre einfahrt.

Normalerweise brennt so een mietshaus ja nich und deshalb steht ooch nich jeden tach die feuerwehr vor die tür. Aba der fahrdienst brauch ne freie durchfahrt, wenn er die frau vom seitenflügel abholn will. Sonst müssten se die jedet mal nach vorne zur straße tragen. Die junge frau is hübsch und außerdem ziemlich nett und sicher würde jeder die jerne tragen. Nur is dit eben doch ziemlich weit von die ihre wohnung im seitenflüjel, durchs vorderhaus, zwischen die autos durch, und dit dauert nu mal länger als andersrum. Deswejen weeß der fahrdienst dit zu schätzen, wenn die einfahrt nich zujeparkt is und die ohne terz bis zum hof durchrollen könn.

Aba rejelmäßich steht da doch irjend een idiot und parkt die durchfahrt zu. Wenn man solche leute da druff anspricht kricht man immer dit selbe zu hören "Ist doch nur für fünf Minuten! FÜNF MINUTEN!"

Die ham natürlich ne sehr eijene wahrnehmung von fünf minuten, da könn schon mal sonnenunterjang und sonnenaufjang dazwischen liejen. "Aber wenn sie hupen - ich komme sofort!"

‘türlich, wenn eener durch die durchfahrt will, denn soll der erstmal seine janze nachbarschaft zusammenhupen und sich den hass von allen zuziehen, schon klar.



→ zum 2. Teil

14 Juni 2017

Musik und Tön

Heute: Windschatten



Ick fahre ooch manchmal mit dem fahrrad. Janz schön oft. Also: Janz schön oft fahre ick manchmal mit dem fahrrad. Und wenn ick mit dem fahrrad unterwegs bin, denn habe ick dit eilich. Meine frau susanne sacht denn immer: "Du musst die Schallmauer nicht durchbrechen! Jedenfalls nicht mit dem Fahrrad!"

Dit sacht sie jedet mal. Vülleicht hat se da irjendwie recht. Aba ick habs eilich! Wenn ick mit fahrrad unterwegs bin, denn kenne ick nur die zustände 'schnell' und 'tot'. Mit dem fahrrad muss ick nämlich keen parkplatz suchen und sowat.

Und ick fahre jerne schnell. Mit 'schnell' meine ick: Wenn mich wer überholt, denn sitzt der in nem fluchzeuch. Eener uf nem fahrrad soll ruhich mal versuchen, da bin ick sehr jespannt.

Neulich kommt aba so eener. Ick bemerke nen schatten hinter mir. “Jibste eben mal n bisschen gummi” denke ick. Der bleibt dran. An der ampel sehe ick: Der tüp is vülleicht jenauso alt wie icke, also ooch nich mehr janz neu. Aba in volle profimontur, so fahrrad-clown: Atmungsaktive kleidung, carbonrahmenfahrrad mit achtunddreißich gänge, leichtbaurucksack, helm.

Helm-Radfahrer! Wer mit helm radfährt hat mit dem leben abjeschlossen. der besteht nur noch aus angst und nich mehr aus freude! Natürlich is dit sicherer, wenn ick mit helm unter nen abbiegenden laster jerate, schon klar. Wenn der zwanzichtonner endlich zum stehen kommt, denn is allet von mir matsch, außer dem helm.

Also, fährt eener mit helm hinter mir, janz knapp, kann sojar janz jut mithalten. Nich schlecht für sein alter. Nach ne weile dämmert mir: Der fährt nich rad - der saugt windschatten! Oijoijoi, wie tief kann een erwachsener mensch sinken!

Mein normaler spruch in so ne situation is: "Versuch doch erstma, dich in meinem windschatten zu halten!"

Kann der, immerhin. Der wind kommt ja ooch von vorne, und dit is richtijer gegenwind, nich bloß een bisschen fahrtwind. Schade. Meine antiquität is für so ernste rennen leider nich jemacht, torpedodreigang, 26er-räder, dit fahrrad wird nämlich diesen sommer fünfzich jahre alt. Der tüp mit dem helm sitzt uffm achtunddreißichgang-renner.

Ick jebe nochmal ordentlich gummi, aba so kann ick den nich abschütteln. Der saugt windschatten auf profesionellem niveau. Vülleicht dreißich zentimeter abstand zwischen seinem vorderrad und meinem antiken rücklicht. Fahrn wir hier im wallonischen kreisel?

... dit is ne technik ausm profiradsport, windschattenfahrn, da wird dit so jemacht - is aba zwischen die beteilichten ooch so abjesprochen. Zwischen uns nich, also: dem alten knacker aus meinem jahrgang und mir. Da werde ick eigen. Wieso soll ick nem freitzeitler mit helm windschatten spenden? Ick steige in die eisen.

... für die auswärtije leserschaft: Ich führe eine Vollbremsung durch...

Der tüp rumpelt mir hinten druff. "Was soll das?!?"

Icke, immerhin der anjefahrene: "Wat soll wat?"

"Warum bremst du denn?"

"Muss ick ab jetz jedet mal erklären, warum ick bremse, wenn ick bremse?"

"Du siehst doch, dass ich hinter dir fahre!"

"Wat? Wieso fährst du denn so dicht hinter mir?"

"Das ist ... das ist ... wegen ..."

"...jaaaa?"

"Weil - da ist doch Windschatten!"

"MEIN windschatten?"

"Ja!"

"Also der windschatten, den ick kraft meine anstrengung erzeuge und du nich?"

"Äh, ja."

"Aha."

"Aber ... der Windschatten ist doch da!"

"Der is nur da, weil icke den mache, oder? Und wenn ick bremse, nich mehr."

"Äh, ja."

"Hm. Wenn du bei hohem tempo in dreißich zentimeter abstand hinter wem herfahren willst, lernste vülleicht erstma radfahren."

"Also, hörmal!"

"Oder du sachst dem eben: 'Hallo, ich bin ein geborener Schnorrer, und ich würde gerne ein wenig von deinem Windschatten profitieren, ohne mich selbst anzustrengen!' "

"Also, hörmal...!"

"Is dit nich der richtije text?"

"Das ist doch ganz etwas anderes!"

"Wo?"

"Was wo?"

"Wo is dit wat anderes? Du bist echt schwer von capé, wa? Sage mal - wat fürn hirn willst du mit dem helm eigentlich schützen?"

"Du kannst doch nicht einfach hier bremsen! Einfach so!"

"Und wahrlich, ick sage dir, dit jeld für den helm war rausjeworfen - da is keen hirn zu schützen. Die kohle für dit teure fahrrad wahrscheinlich ooch."

"Spinner!" sind die letzten worte, die ick von dem tüpen höre. Denn rollt er unbeholfen vorbei, überquert die ampel bei rot, biecht rechts ab und braust alleene davon. Ohne windschatten. Also ziemlich langsam.

Ick hätte jerne jesehen, wie der so alleene zurechtkommt, aba mein weg führt leider jeradeaus weiter. Und außerdem hab icks eilich!

06 Juni 2017

Ausflug (II)

oder: Was noch geschah


Natürlich benutzen wir die Boote manchmal auch bestimmungsgemäß, also zum Segeln. Manchmal. ¹

Die Fotos sind in Colico am Nordende des Comer Sees entstanden:






²




¹ man kann aber auch ganz gut Bier drauf abstellen

² die Sonnenbrillen gehen doch auch als schwarzer Balken durch, oder?

01 Juni 2017

Ausflug

Die Segelsaison läuft auf Hochtouren. Falls sich jemand fragt, was wir unter einem “Ausflug mit dem Boot” verstehen - das hier etwa:













06 Mai 2017

Menschen - Leben - Tanzen - Welt

It’s a dirty job
but someone’s got to do it!
Bekannter Songtext

Was soll man dazu sagen? Außer bewundernd anzuerkennen, dass die wichtigste deutschsprachige Medienkritik von einer kleinen unterfinanzierten Spartensendung des verschnarchten öffentlich -rechtlichen zweiten Programmes zu nachtschlafender Zeit ausgestrahlt wird?

Zum Dank für die gründliche Analyse und allein schon den Fleiß, der da drin steckt, wird hier der ganze Ausschnitt aus dem Neo Magazin Royal verlinkt:

 

An sich wird im Video ja alles wesentliche gesagt, aber auch die Erläuterung auf YouTube ist schon ziemlich erhellend:

Uff. Der ECHO - der wichtigste Preis der sehr guten deutschen Musikindustrie - wird leider auch in diesem Jahr wieder verliehen. Wie zu erwarten, regen sich alle auf: FREI.WILD sitzen in der ECHO-Jury, die Onkelz sind sogar nominiert – es ist alles noch mehr Nazi, noch rechter, noch schlimmer als in den Jahren zuvor.

Dabei sind die deutschnationalen Norditaliener von FREI.WILD und die Geh-Deinen-Weg-auch-wenn-er-falsch-ist-und-alle-Dich-scheiße-finden-Rock-Onkelz zwar das offensichtlichste, nicht aber das eigentliche Problem des ECHO und der deutschen Musikindustrie.

Wir müssen reden – über Menschen, Leben, Tanzen, Welt, über „einen von 80 Millionen” sowie seine Kunst und das große Missverständnis in der deutschen Popmusik.

21 April 2017

Assoziationskern

Nahezu kommentarlos wird heute dieser Filmausschnitt im Blog veröffentlicht. Möge jeder denken, was er will:

via EnglishRussia

(besonders ergiebig, wenn man kein Russisch spricht)

16 April 2017

Beweis

Die Serie Neid, Gier, Geiz umfasste bislang hauptsächlich theoretische Wehklagen und Abhandlungen. Hier beginnt nun auch der praktische Teil - weniger romantische Gemüter würden es vielleicht als “Beweis” bezeichnen.

Vorrede:

Eine der Grundlagen von Wohneigentum ist, dass sich Wohnhäuser mit mehreren Parteien drin schlecht teilen lassen. Man kann ganz schwer sagen, wo der Anteil des einen endet und der des Nachbarn anfängt. Weil der Gesetzgeber aber nun einmal Wohneigentum unbedingt fördern möchte, tut er es trotzdem und nimmt eine Abgrenzung vor.

Das geschieht derart, dass zuerst eine Eigentümergemeinschaft gebildet wird. In dieser wird man Mitglied, hat Mitspracherecht und muss auch mitbezahlen, wenn die Gemeinschaft etwas zu bezahlen hat.

In der Praxis ist so eine Eigentümergemeinschaft natürlich nur selten ein Zusammenschluss gutwilliger Menschen mit gleichen Zielen. Sondern eine Zwangsgemeinschaft von Leuten mit höchst verschiedenen Bestrebungen und Idealen. Das beginnt bei Sauberkeit, vermeintlicher Ordnung, Geräusch, und reicht bis zu sehr unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten.

Um ein Mehrfamilienhaus überhaupt aufteilen zu können, werden alle Teile, die nicht einfach einem einzelnen Eigentümer zugeordnet werden können, dem Gemeinschaftseigentum zugeschlagen. Dies betrifft zuerst natürlich alle tragenden Bauteile: Wände, Decken, Fundamente, aber auch Fassaden, Dächer, Wärmedämmung oder Fenster. Und Balkone.

Zum privaten Teil jedes einzelnen gehören nichttragende Wände, Badausstattung, alle inneren Wandoberflächen und Bodenbeläge. Auch die Beläge des Balkons.

Vorredeende.

Wer Wohneigentum kauft, legt meist eine sechsstellige Summe an. Man darf vermuten, dass vor einer solchen Investition die meisten Menschen den Kaufvertrag genau durchlesen. Heißt: Ein Wohnungseigentümer weiß in der Regel genau, was er da macht. Es ist auch wirklich nicht so schwer.

Aber die Faustregel sagt: “Auf zehn Eigentümer immer mindestens ein Arschloch!”

Und hier nun ein schönes Beispiel: So klar wie Kloßbrühe gehören Balkone zum Gemein­schafts­eigentum. Das ist bereits seit der Erfindung des Wohneigentums der Fall - wenn nicht sogar seit der Erfindung des Balkons.

Aber in fast jeder Eigentümergemeinschaft ist einer, der es nicht glauben will und stänkert. Obwohl er ausdrücklich genau das mit seiner Unterschrift auf dem Kaufvertrag bestätigt hat.

Hier also ein Dachbewohner, der keinen eigenen Balkon hat und deshalb denkt, das er sich vor der Zahlung drücken könne¹:

Üblicherweise haben Dachwohnungen aber Terrassen, welche erheblich aufwändiger herzustellen sind als Balkone, also: Teurer. Dieser hier will so etwas natürlich nicht wissen - und das kommt gar nicht so selten vor.

Eine leichte Retourkutsche der übrigen Eigentümer wäre gewesen, wenn sie den Mann in Zukunft alle Dachdecker- und Wärmedämmarbeiten hätten alleine bezahlen lassen, weil er ja der einzige mit einem Dach ist.

 

 

 


¹ stammt aus dem Immobilienteil des Tagesspiegel vom Wochenende

31 März 2017

Eigentum

Serie "Neid, Gier und Geiz" (3)

Kenne immer deine Rechte
und immer die Pflichten der anderen!
Deutschland 2016
 
“Fußball und Eigentum
bringen das schlechteste
im Menschen zum Vorschein”
persönlicher Zitatenschatz

Um Steuern zu sparen, kaufen die Leute in Deutschland, gerade in Berlin, zunehmend Eigentumswohnungen. Also: Um Steuern zu sparen tun viele völlig abwegige Dinge - so unsinnig es auch sei. Beispielsweise einen fest umgrenzten und persönlich zugeordneten Teil einer Einheit kaufen, die nie dafür gedacht war, in so abstrakte Einzelteile mit verschiedenen Eigentümern aufgeteilt zu sein. Und auf Lebenszeit Mitglied einer Eigentümergemeinschaft werden, deren charakterliche Eignung überhaupt nicht absehbar ist.

Die wenigsten können die Wohnung in bar bezahlen, die gesparten Steuern werfen sie statt dessen lieber einer Bank für die Finanzierung in den Rachen. Dort kommt das Geld wenigstens nicht der Allgemeinheit zu gute, sondern einem besonders angesehenen und förderungswürdigen Teil der Bevölkerung. Außerdem ein paar Maklern, Notaren und Bauträgern, die sich dieses Einkommen sicher redlich verdient haben.

Den Käufern und Möchtegernsparern ist irgendwo schon klar, wie unsinnig das ist, deshalb kommen sie in der Regel mit der Begründung, sich "etwas für das Alter" zu schaffen. Bis dahin zahlen einige für ihre Wohnanlage in aufstrebender Gegend mehr Wohngeld, als anderswo - in weniger aufstrebender Lage - an Miete fällig würde. Das Wohngeld dient nur für die regelmäßigen  Kosten des Gebäudes und läuft zusätzlich zur Finanzierung. Aber man muss ja auch Opfer bringen!

Käufer von Wohneigentum suchen vor allem Sicherheit. Sie werden witzigerweise Mitglied einer Eigentümergemeinschaft, der bei einem normal großen Haus wenigstens zwei Querulanten angehören. Faustregel: "Auf zehn Eigentümer kommt immer mindestens ein Arschloch!" Einer, der immer strikt auf seine Rechte pocht, kleinlichste Forderungen stellt, keine Nachsicht kennt, aber leider auch das Geld die Rechtschutzversicherung hat, um seine Forderungen anwaltlich einzuklagen. Sowie die erforderliche Zeit und Geduld. Der seitenlange Briefe schreibt, die aufgrund der Rechtslage leider bei den Versammlungen verhandelt werden  müssen. Der aber auch nicht verkaufen und ausziehen will, weil "es ihm so gut gefällt". Und weil es sein Recht ist.

Oft ist es so, dass ein einzelner Miteigentümer sinnvolle In­stand­haltungs­maß­nah­men blockieren kann, weil ihm das zu teuer erscheint. Unterdessen sind alle anderen der Ansicht, gerade DER hätte doch genug Geld. Er will sich aber nicht gern davon trennen.

Es kommt jedoch auch vor, dass einzelne Eigentümer Baumaßnahmen fordern, die nur ihren Einzelinteressen dienen, jedoch von der Gemeinschaft bezahlt werden müssen. Doch doch, das ist möglich, beispielsweise weil das Dach schlecht gedämmt ist, aber jeder seine eigene Heizung hat. Dann müssen einige Mitglieder der Gemeinschaft leider eine neue Hypothek für die Dachdämmung aufnehmen, damit die Bewohner der Dachwohnungen Heizkosten sparen können.

Aber damit sind wir ja auch schon wieder beim Steuernsparen. Es lohnt nur für diejenigen, die in nennenswertem Umfang Steuern zahlen müssten - also die mit den hohen Einkommen. Etliche von denen fahren auf öffentlich finanzierten Straßen. Das sind die Straßen, die von ihren nicht abgeführten Steuern errichtet und unterhalten werden sollen.

Sie schicken ihre Kinder zudem gern auf öffentliche Schulen. Wenn deren Qualität allerdings zweifelhaft erscheint - zu wenig Lehrer, zu schlechte Ausstattung - kommt das Kind auf eine Privatschule. Diese müssen die Steuersparer dann zwar selbst bezahlen, aber auch nur teilweise. Sogar Privatschulen haben leider Anspruch auf öffentliche Zuschüsse.






edit nach anerkanntem Einwand. Mehr dazu später auf diesem Kanal

kostenloser Counter