20 Mai 2016

Pfand gehört

“Pfand gehört daneben”

Welcher Vollidiot hat sich eigentlich diesen Slogan ausgedacht? Pfand gehört gar nicht “daneben”, sondern zurück in den Laden und von dort zum Abfüller.

Wer ist überhaupt vorher auf die Idee gekommen, leere Pfandflaschen gehörten vielleicht in den Mülleimer? Da fragt man sich, ob es am allgemeinen deutschen Bildungsnotstand der Gegenwart liegt? Schließlich wird hier das, was ein Günther Öttinger und Edmund Stoiber kauderwelschen, auch großzügig “Englisch” genannt. Und Pfand ist anscheinend ebenfalls ein Fremdwort.

Der Pfand-Slogan ist derzeit in Kreuzberg und Friedrichshain allgegenwärtig, wo zur Grundausstattung des zugezogenen Muttersöhnchens beim Flanieren auf jeden Fall die geöffnete Flasche Bier in der Hand gehört. Die Vollpfosten sind entweder zu bequem oder schlicht zu dämlich, die leeren Flaschen zurück zum Verkäufer zu tragen. Oder in jeden anderen Späti am Weg, der ebenfalls offen hat.

Stattdessen lassen sie die zum Restmüll gewordene Mehrwegverpackung am Wegrand stehen. Genau wie zu Hause bei Mutti kommt hier nämlich irgendwann jemand, der sie wegräumt. Die schöne Entschuldigung lautet: “So verdienen die armen Leute noch ein wenig Geld!” Immerhin, zu Hause bei Mutti konnte das verwöhnte Söhnchen das nicht behaupten.

Die reichen Söhnchen haben es auch nicht nötig, auf den Preis zu achten. Das Späti-Bier kostet selbst mit Pfand weniger als die Hälfte vom Wirtshaus oder Club-Ausschank. Also wirft man die leere Flasche halt weg, stört ja nur.

Wohin das führt, kann man sehr gut am Karneval der Kulturen sehen, der eigentlich perfekt organisiert ist. Dort sind zwar zahlreiche Flaschensammler aktiv, aber die schaffen auch nicht alles weg und wenn ihr Lager voll Leergut ist müssen sie aufhören.

Eine Flasche, die lange genug in der Menge herumliegt, geht zu Bruch. Beim Karneval fliegen deshalb sowieso immer schon Scherben herum. Im letzten Jahr, 2015, als es beim Umzug besonders heiß war, hinterließen tausende Pfandgehörtdaneben-Trottel tonnenweise zerbrochenes Glas. Etwa alle 50m gab es am Abend einen meterhohen Haufen, der jeweils aus mehreren Kubikmetern Glasscherben bestand.

Für die Scherben interessiert sich kein Flaschensammler und zum Teil müssen sie mühsam mit der Hand aus den Sträuchern und Grünanlagen gepflückt werden. Glücklicherweise können sich die Muttersöhnchen in der Metropole auf die Stadtreinigung verlassen, die fast genauso zuverlässig aufräumt wie Mutti zu Hause in der Provinz.

Hm? Nein nein, alles kein Gerücht. Kleine Anekdote aus eigenem Erleben: Ich war etwa zwölf und bei den Nachbarsjungs zu Besuch. Ein Bonbonpapierchen blieb übrig, ich frage also “Wo soll ichn das hintun? Wo isn der Papierkorb?” Und der älteste Nachbarsjunge “Ach, lass fallen, unsere Mutter räumt das dann weg.”

Damals verschlug es mir die Sprache - meine Mutter räumte auch viel weg, aber ich fand das nie selbstverständlich. Der Nachbarsjunge muss dann wohl die Pfandgehörtdaneben-Bewegung gegründet haben.

18 Mai 2016

Kunst und Kaffee

Wenn man als Großer Bloguator™ irgendetwas hasst - IRGENDETWAS - dann, dass die Welt sich ändert. Es könnte doch alles beim alten bleiben. Und jeder würde sich sofort zurecht finden! “Besser” wird es ohnehin nicht - für jeden Umstand, der irgendwo auf der Welt besser wird, verändert sich etwas anderes zum schlechteren, es ist zum....!

... ähm, wo war ich? Ah ja, da:

Der Große Bloguator™ trinkt seit zehn Jahren dieselbe Sorte Kaffee¹. Dieser kommt von einem Biohersteller und ist nicht überall zu haben. Auch in den wenigsten Bioläden. Dafür aber bei einer verbreiteten Drogeriemarkt-Kette. Eine Filiale dieser Kette findet man in Berlin in der Regel im Umkreis von fünfhundert Metern.

... ja ja, 'Fairer Handel' vs. 'Biozeugs' vs. 'Drogeriemarkt', ja ja ja!

Nun kam der große Bio-Hersteller jüngst auf die Idee, sein Zeugs in eigenen Geschäften zu verkaufen, anstatt andere damit zu beliefern. Leider auch den bevorzugten Kaffee des Großen Bloguators™. Und von den Geschäften gibt es bislang noch kaum welche. Naja, wird vielleicht noch. ABER! Wir befinden uns ja in Berlin - in der Hauptstadt des Universums²!

Es gibt daher so ein Geschäft in kaum etwa 1.200m Abstand von der Wohnung des Großen Bloguators™. Nur: Es liegt in der ganz falschen Richtung!!!

… an dieser Stelle des Berichts wird dem Großen Bloguator™ klar, dass jetzt irgendwo allmählich einmal eine Pointe kommen sollte. Deshalb beschließt er, an seiner 'Großen Theorie der pointenlosen Kunst³' weiterzuarbeiten und notiert ein neues Konzept über die besondere Berücksichtigung von Beuys, Koons, Handke und diCaprio. Setzt sich aufs Rad und fährt ins Geschäft mit dem Kaffee.

 

 


¹ oder geht zur Kiezrösterei, ja ja
² … gefühlt.

02 Mai 2016

Beweis

Der Host¹ dieses Blogs beliebt Kommentatoren zu prüfen:  
“Beweisen Sie, dass sie kein Roboter sind!”
Wenn man das zum ersten mal sieht, zuckt man zusammen und fragt sich, wie das gehen soll - also: Im Rahmen des weltweiten Internets, wo besser der Host beweisen sollte, dass er kein Roboter ist.

Und dann kommt die Frage:


Die Grafik wurde in der Originalgröße belassen. Hm, erkennt jemand in der obersten Reihe die Busse im Hintergrund? Ich auch nicht.

Früher waren es ja immer die Captchas mit dem verschwommenen Text, dem Text, der so verschwommen war, dass man 15 mal ein neues brauchte, bis endlich ein lesbares dabei war. Für das menschliche Auge lesbar. Inzwischen haben wir diese Fotoauswahl.

Dass es keine Captchas mehr gibt, lässt vermuten, dass irgendjemand dieses Verfahren inzwischen geknackt hat. Das wiederum lässt genug Raum für die Vorstellung, dass es Sicherheitsabfragen gibt, bei denen zwar Roboter beweisen können, dass sie keine Roboter sind - Menschen aber nicht.

Also: Wenn schon jemand die Besucher dieses Blogs prüfen will, dann bitte mit einem Test, den auch ein denkender Mensch besteht! Also beispielsweise mit eindeutigen Fotos.

Und jetzt nochmal für die Grundschüler mit Hochschulabschluss, die es inzwischen zu Hauf zu geben scheint: *Eindeutig* heißt, dass nicht nur der Fotograf weiß, was abgebildet ist, sondern dass auch der zwangsgeprüfte Besucher zweifelsfrei erkennt, ob da ein Bus drauf ist. Oder nicht.

 

 


¹ d.h. “der Gastgeber”, im modernen Zeitalter: Der Zurverfügungsteller der digitalen Infrastruktur. Im hiesigen Fall ein aufstrebendes kleines Unternehmen namens Google.

29 April 2016

Gerätschaft aktuell

Der Große Bloguator™ baut ja auch gerne Sachen. Oder noch viel lieber: ...benutzt fertige Gerätschaften so, wie sie garantiert nie gedacht waren. Allerdings ist er darin ein blutiger Anfänger, verglichen mit einem Genie wie diesem hier.

Der fertigt aus zwei Rasenmähermotoren, viel Geduld und etwas Aluminium ein Hoverbike. Hm? Genau: Ein Flugmotorrad!

Whoaaa! Das geniale an dem Teil ist, dass es so simpel aufgebaut ist. Das würde in Serienfertigung weniger kosten als gängige konventionelle Motorräder.

Achtung: Vor dem Anschauen die Lautstärke runterregeln - die Geräuschkulisse sowohl des Erfinders wie auch seines Fluggeräts ist ganz schön nervig. Aber da könnte ein Ingenieur noch dran arbeiten.

Kam über HEISE/make, wo der geniale Erfinder Colin Furze¹ doch tatsächlich als Chaos-Bastler bezeichnet wird. Das ist respektlos!

Es gibt auch ein Making-Of dazu.

 

 

 


¹ jaja, selbstverständlich: Ich kann mich über den Namen dieses Ingenieurs auch beömmeln!

21 April 2016

Stabile Preise

man muss doch auch einmal etwas gutes berichten


Inflation? Von wegen! Bei der Durchsicht eines älteren Berichtes im Blog zeigte sich: Der Hersteller des  JL421 Badonkadonk Land Cruiser wendet sich ab vom hysterischen Preiserhöhungsgebaren unserer zeitgenössischen Kaufleute.


Da alle Beschäftigten der Fabrik von den Erlösen aus dem Verkauf des Fahrzeugs sehr gut leben können, hat der Hersteller seit dem Jahr 2007 auf eine Preiserhöhung verzichtet.

So bleibt ihm auch erspart, sich euphemistische Begriffe wie Preis”anpassung” oder Preis”korrektur” ausdenken zu müssen und sie ohne zu lachen seiner Kundschaft vorzutragen.

Stattdessen stellt er auf AMAZON ein für alle mal klar:  
“Dieses Fahrzeug kostet 19.999,95$ und der Versand noch einmal 654,49$ obendrauf. Punkt.”
Was er nicht erwähnt, weil es sich ja doch von selbst versteht: Den Salzsee für die Probefahrt sollte man bereits besitzen.

20 April 2016

Leistung

Hier wird mit einfachen Mitteln große Wirkung erzielt. Ein Geländewagen wird mit der russischen Methode vom Grund des Baikalsees gehoben:

Wie das Auto da hin gekommen ist wird leider nicht erklärt.

via Englishrussia

19 April 2016

Sein Name ist Tom Thum

Auf dem Weg über den Zeichner Ralf Ruthe und Twitter bin ich auf diesen Menschen hier gestoßen, und die Aufnahme ist zufällig aus dem Astra in Berlin:

Beachte daher auch dieses hier, der ursprünglich von Ruthe verlinkte Auftritt: Ratchet Face - Tom Thum and Queensland Symphony Orchestra

Beachte daher außerdem Power of Rausch ∙ Oliver Koletzki ∙ Nagel ∙ hr-Sinfonieorchester ∙ John Axelrod

12 April 2016

Kochen gelb

andere Farbe heute

Wir erinnern uns. (ich). (mich). Übriggebliebene Klöße von gestern kann man in Butter anbraten  - und eigentlich schmecken sie so sogar viel besser als noch in ihrer ursprünglichen Existenzform als Klöße.

Nun sind Klöße leider in der Herstellung eine relativ lästige Sache. Also: Machen Arbeit. Tja. Erinnern wir uns? Ach, egal…

Der Große Bloguator™ dachte wieder einmal darüber nach, die Sache zu vereinfachen. Also: Alles. Das ganze Leben! In diesem Fall: Das Anbraten von Klößen.

Da gibt es im Laden heute fertigen Kloßteig. Der ist längst nicht so eklig wie die meisten Fertiggerichte, an Klößen ist nämlich nicht viel dran - Kartoffeln, Stärke, Mehl, das wars schon fast. Das kann noch nicht mal die Lebensmittelindustrie vermurksen. Nicht mal, wenn sie sich Mühe gibt. Und sie gibt sich Mühe!

Deshalb ist fertiger Kloßteig zulässig. Den nimmt man, sticht ihn mit einem Löffel ab, formt noch ein wenig mit der Hand dran herum und paniert ihn in Semmelbröseln. Dann backt man in Butterschmalz aus. LECKER!

Dazu gab es gestern in Butter gedünstete Möhrchen mit Lauchzwiebeln.

LECKER!

Burp…

01 April 2016

Erdowahn

Ich hätte mir im Leben nicht träumen lassen, dass ich nochmal die BILD-Zeitung zitieren müsste.

Nämlich der Clip “Unerlaubte Schmähkritik” aus der ZDF-NeoMagazinRoyale-Sendung vom 31.3.2016, der vom ZDF in vorauseilendem Gehorsam und mit hanebüchener Schein-Begründung¹ gelöscht wurde 

http://www.bild.de/video/clip/recep-tayyip-erdogan/boehmermanns-erdogan-gedicht-45152028.bild.html 
(man muss aber den Werbeblocker vorübergehend abschalten)

Anfang der Woche hatte die Satire-Sendung Extra3 des NDR ein kleines Liedchen von Nena umgedichtet, und damit auf den Zustand der Türkei unter der Herrschaft von Recep Tayyip Erdogan hingewiesen: Erdowie-Erdowo-Erdowahn.

Keine der dort “satirisch” gemachten Aussagen war unzutreffend – aber Erdogan ließ den deutschen Botschafter ins Außenministerium einbestellen und wollte *alles* verbieten lassen. Die gesamte politische Spitze Deutschlands schwieg pikiert, so lange es ging.

Wir erinnern uns: Um innenpolitisch wegen der Flüchtlingsfrage ein wenig Ruhe zu erzielen, machte Deutschland einen überaus unanständigen Deal mit der Türkei, dem Land, das vom Usurpator Erdogan mit immer undemokratischeren Mitteln und immer mehr Gewalt regiert wird.

Gegenwärtig führt die Türkei wieder den unterbrochenen Krieg gegen ihre eigene kurdische Bevölkerung, der nach Jahren der Ruhe nur deshalb wieder angeheizt wurde, weil sich Erdogan Sorgen um seine Wiederwahl machen musste. Außerdem führt das NATO-Mitglied Türkei Krieg gegen irgendwelche Leute in Syrien, von denen aber niemand sagen kann, ob er sich gegen die Assad- oder die IS-Truppen richtet. Am IS hatte Erdogans Regierung bis vor kurzem noch nicht allzu viel auszusetzen.

Innerhalb der Türkei muss derzeit jeder, der die korrupte und selbstherrliche Regierung kritisiert, mit Gefängnis oder dem gewaltsamen Tod rechnen. Oder mit beidem.

Mit diesem Partner macht also Deutschland Geschäfte in Flüchtlingsfragen. Da war es für das deutsche Gewissen geradezu entlastend, als man nach der Extra3-Satire und der Sache mit dem Botschafter dem RT Erdogan im Brustton der Überzeugung zurufen konnte: “SO NICHT!” Als wären nicht schon alle moralischen Grundsätze längst über Bord gegangen.

Nun kommt Jan Böhmermann in der NeoShowRoyale³ mit einem Gedicht daher, das während der Show immer wieder gekennzeichnet wird als “Schmähkritik – darf man in Deutschland nicht machen! Auf keinen Fall!” Auch in dieser auf den ersten Blick groben Beleidigung sind noch längst nicht alle Behauptungen unzutreffend. Naja, weiß man nicht.

Angesichts zigtausendfacher Menschenrechtsverletzungen in der Türkei würde man gerne sehen, wie Erdogan in Deutschland genau die Institutionen anruft, die er daheim ständig mit Füßen tritt.

Oder man könnte einfach den Beleidigungsparagrafen etwas weiter auslegen: “Der soll mal nich so rumzicken! Jeder Rapper schprischt bei uns so!”

Oder man könnte das in der Türkei gängige Verfahren der Beweislastumkehr einleiten: Der Angeklagte muss seine Unschuld beweisen. Wenn ihm das Gedicht nicht gefällt, soll Erdogan doch erst einmal beweisen, dass die Behauptungen *nicht zutreffen*: Kleiner Pimmel, Ziegenficker, Mädchenschläger. Soll er ruhig beweisen.

Bei diesem Gedicht ging es vielleicht ursprünglich einmal darum, das Extra3-Lied zu übertreffen, aber, um ganz ehrlich zu sein: Der Undemokrat und Gewaltherrscher Erdogan hats verdient. Er soll sich ärgern. Wegen einer völlig haltlosen Beleidigung. Er soll vor Wut kochen. Dann beruht dieser Zustand endlich einmal auf Gegenseitigkeit.

Deshalb ist hier ausnahmsweise die BILD verlinkt. Und falls es dort auch gelöscht wird – ich habs inzwischen gesichert, auf persönliche Anfrage sende ich es gerne.

 

 

 


¹ Dort steht: "...entspricht nicht den Ansprüchen des ZDF an Qualität von Satire..." - sie können aber nicht erklären, wo diese ggf. nachzuschlagen wären.

² ansonsten gilt selbstverständlich weiterhin: “Auge um Auge – und die Welt wird blind”

³ ich werde nie wissen, wie man das wirklich schreibt

Mist! Mir gehen die hochgestellten Ziffern aus.

⁴ ach nee, doch nicht.

⁵ es stört mich, aber ich habe mir diesmal nicht die Mühe gemacht, das korrekte türkische ğ jedes mal in Erdogans Namen einzusetzen. Das ist er mir nicht wert.

edith, kurze Zeit später:
⁶ Der Große Bloguator™ ist übrigens im Gegensatz zu sonst überhaupt nicht mit Kurt Tucholsky einer Meinung, Satire dürfe alles. Wer das behauptet, ist nur noch keinem begabten Satiriker zum Opfer gefallen.

⁷ aber zu guter Letzt noch einen Link, der ohne die BILD-Zeitung auskommt: https://vimeo.com/161209329

23 März 2016

Große Hölle – Update

Ja, es geht hier um Berlin.Und um Kunst. Und Geschichte.
Eine Art Ergänzung zu diesem älteren Beitrag.



Wenn man sich - wie der Große Bloguator™ - regelmäßig zwischen Kreuzberg, Tempelhof und Schöneberg bewegt, trifft man besonders häufig auf Spuren der gescheiterten Hauptstadtplanung der Nazis.

Genau an der heutigen Grenze zwischen den drei Bezirken war der Verlauf der Nord-Süd-Achse geplant, einer gigantischen Prachtstraße quer durch Berlin, für die u.a. trotz Wohnungsnot zehntausende von Wohnungen abgerissen wurden bzw. werden sollten.


Die südliche Markierung (keineswegs das südliche Ende) bildete der gewaltige Südbahnhof, der etwa dort errichtet werden sollte, wo sich heute der Bahnhof Südkreuz befindet, nur größer, um etwa das 8-fache.

Der in der Mitte erkennbare Triumphbogen sollte etwa die Höhe eines 25-geschossigen Gebäudes haben, in heutigen Maßstäben entspricht das grob dem Hochaus des Europa-Centers neben der Gedächtniskirche.

Am nördlichen Ende dieser Prachtstraße hätte die Große Halle gestanden, ein Monsterbauwerk, so groß, dass darin der Eifelturm hätte stehen können.


Zum Vergleich zeigt dieses Filmmodell den heute noch existierenden Reichstag, der inzwischen eine andere Kuppel trägt, aber hier mit dem ursprünglichen vierkantigen Hütchen mit Laterne gezeigt wird. Der gewiss nicht kleine Reichstag reicht etwa bis zur unteren Säulenreihe der Großen Halle…

“... hey, Chef, du musst echt lernen, kürzere Einleitungen zu schreiben!”

Was? Äh, ja. Es geht hier nämlich um etwas ganz anderes.

Also, Grundprinzip dieser nationalsozialistischen Bauästhetik war es, den Betrachter durch schiere Größe zu beeindrucken. Das mag auf schlichte Gemüter kurzfristig wirken, ist aber leicht durchschaubar und insgesamt ein primitives Konzept.

Hier hat die Künstlerin Annette Streyl dieses Angebergebaren schön ironisch kommentiert, indem sie ausgerechnet das massive Monsterbauwerk Große Halle als gestricktes Modell herstellt. Ich betone: Gigantische Halle ↔ Strickmode!

 

Das ist so schon ein witziger Kontrast, aber sie kann zudem dem hohlen Vogel noch die Luft rauslassen, indem sie aus dem gestrickten Modell das Drahtgerüst entfernt und es über eine Leine hängt: Volltreffer!






  • leider findet sich keine Karte, die die Germania-Pläne mit der Topografie der Gegenwart überlagert. Das erschwert dem zufälligen Besucher den Größenvergleich.
  • hier einige Abbildungen: Germania
  • die Webseite der Künstlerin: Annette Streyl , die Fotos der Kunstwerke sind auch von da

18 März 2016

Robotik

Diese junge Frau erreicht das wünschenswerte Maß an Durchgedrehtheit ganz leicht:

Etwa nicht?

via Twitter @SimoneGiertz

04 März 2016

Experimentalmusik

Der Große Bloguator™ besucht gerne Konzerte und musikalische Aufführungen und lässt sich dabei gerne auch auf Unerwartetes ein. So gerät er zuweilen in Veranstaltungen im Rahmen von Experimentalmusik. Und macht sich so seine Gedanken.

Der Experimentalmusiker nämlich erzählt, wie während einer Probe überraschend ein gelber Schmetterling durch den Saal fliegt. Davor hat er die Geräusche aufgezeichnet, die ein Hund beim Verzehr eines Hundekuchens macht.

Vorschlag zur Aufzeichnung:
  • das Geräusch des Hundekuchens beim Daliegen
  • das Geräusch eines Schmetterlings beim Fliegen,
    z.B. der Flügelschlag
  • das Geräusch wie jemand einen Schmetterling zeichnet
  • das Geräusch, wie ein Hund einen Schmetterling ansieht
  • das Geräusch des Tontechnikers beim Abmischen der Schmetterlingsgeräusche
  • das Geräusch wie ein Schmetterling an einer Ampel vorbei fliegt
  • das Geräusch wie die Ampel auf Rot schaltet
  • das Geräusch, wie der vollbeladene LKW, der immer den Glascontainer leert, aber für heute seine Tour beendet hat, nun auf dem Weg zurück zum Wertstoffhof laut scheppernd die Ampel umnagelt, welche eben auf Rot geschaltet hat, weil der Fahrer sich von dem gelben Schmetterling in seiner Fahrerkabine hat ablenken lassen
  • das Geräusch, wie der unfallaufnehmende Polizist traurig die umgenagelte Ampel betrachtet und sagt: "Tss tss".

01 März 2016

Abwechslung

Zur Abwechslung und Aufmunterung in diesem nervigen Winter einmal wieder etwas von den Großen Heldinnen des Großen Bloguators™, den MAHOTELLA QUEENS aus Südafrika – da wird einem doch sofort warm ums Herz:

Etwa nicht!?!

 

 


Den witzigen Break kurz vor Schluss hab ich nicht selbst eingebaut – auch wenn mir das sicher einige zutrauen würden…

27 Februar 2016

Hethiter und Aleppo

Nur des schönen Klanges wegen werden hier die Namen einiger hethitischer Könige aufgezählt, die vor beinahe viertausend Jahren über Aleppo geherrscht haben, sowie des Wettergottes Hadad. Aber der nur so.


Wir wiederholen und lassen uns auf der Zunge zergehen:  
Suppi-lu-liu-ma!
Ist das nicht geil? So muss man erstmal heißen! Die Eltern von dem haben sich echt Mühe gegeben bei der Namensfindung! Oder sich die Sache einiges kosten lassen.








Wikipedia sagt dazu:
Die Stadt wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts von dem Hethiterkönig Muršili I. eingenommen. Ihre Geschichte nach dem Untergang des Althethitischen Reiches ist unklar. Mitanni unterwarf Aleppo spätestens am Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Hethiterkönig Tudḫaliya I. scheint einen Feldzug gegen Aleppo unternommen und die Stadt kurzzeitig kontrolliert zu haben. Jedoch wurde die Stadt erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Šuppiluliuma I. wieder Teil des hethitischen Reiches, als König wurde Telipinu eingesetzt

26 Februar 2016

Bericht aus Berlin

Was Der Große Bloguator™ auch sehr bewundert ist das Genre “Subtile Bosheit aus gegebenem Anlass”

Hier sieht man ein schönes Beispiel, es stammt aus dem Checkpoint, dem morgendlichen Newsletter der Berliner Tageszeitung TAGESSPIEGEL. Verfasser ist der Chefredakteur Lorenz Maroldt, der sich offenbar an jedem Wochentag morgens um halb fünf hinsetzt, um diesen immer sehr erhellenden umfangreichen Newsletter zu verfassen:

Neues aus Spandau (dem Dallas von Berlin): Die Piraten beantragten in der BVV die „Beseitigung einer Bodenwelle in der Neuendorfer Straße“, bei der es sich womöglich um eine Fata Morgana handelt – der bodenwellenpolitische Sprecher der SPD (Jochen Liedtke) konnte jedenfalls bei mehreren Orts­besichti­gungs­terminen „nur die normale Erdkrümmung“ feststellen, und auch das Auto der Grünen-Testpilotin Brigitte Apel-Sielemann (Anmerkung: In Spandau dürfen auch die Grünen Auto fahren) wurde dort nicht „zum Hüpfen“ gebracht, wie die Piratin Marion Schunke behauptet hatte. Im Gespräch ist jetzt ein „Videobeweis“, aber erst mal wird der Straßenabschnitt fotografiert – vielleicht entdecken sie auf dem Bild dann ja auch gleich ein paar Ufos. (Wir haben schon nachgeschaut, und zwar hier.)

Dazu muss man wissen: Spandau an sich ist nicht satisfaktionsfähig.

Damals noch, zu Mauerzeiten, als West-Berlin durch einen sicheren Zaun und/oder große Entfernung von jeglicher rückständigen Provinz abgeschnitten war, sagten wir immer: “Spandau – das ist Westdeutschland in Berlin”.

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