22 Januar 2019

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Untote Grafen (2.2)

Fortsetzung


"Auf ihr ... ähm ... Wohl? Sagt man das so?"

"Wieso?"

"Unter Unsterblichen?"

"Aber natürlich. Nun, was wollten sie von mir wissen?"

"Das wissen sie doch sehr genau, wenn sie die ganze Zeit meine Gedanken lesen."

"Ich dachte, es macht ihnen ein warmes Gefühl, wenn sie es selbst aussprechen können. Irgendwie Autonomie, Selbstbestimmung."

"Ja, Herr Graf, schon gut, sie müssen mich nicht demütigen. Ich habe es einfach sehr selten mit Halluzinationen zu tun, die meine Weinvorräte leeren und ansonsten über völlig übernatürliche Kräfte verfügen."

"Gut. Also, was sie gerade fragen wollten: Ich bin hier, weil mein Chef mich nicht irgendwo anders hin geschickt hat. Ich will es nicht 'Aufgabe' nennen. Viele meiner Aufträge sind aus meiner Sicht völlig sinnlos. Sie erschließen sich meiner Logik nicht. Da aber mein Chef so viel mächtiger ist als ich, komme ich zu der Annahme, dass es vielleicht an meiner mangelnden Auffassungsgabe liegt."

"Wie sieht ihr Chef denn aus?"

"Das kann ich nicht beschreiben. Häufig sehe ich ihn gar nicht. Er hinterlässt mir zuweilen Botschaften auf Zetteln, etwa an der Kühlschranktür. Da hing nicht zufällig ein Zettel an ihrem Kühlschrank?"

"Der Ingenieur hatte Putzdienst. Er hat heute morgen die Küche desinfiziert, da ist kein Krümelchen mehr, schon gar keine Zettel am Kühlschrank. Ich staune, dass wir überhaupt noch eine Kühlschranktür haben."

"Also nicht. Hm."

"Und sonst?"

"Ach so, ja, die Gestalt meines Chefs ist, wie es ihm gerade gefällt. Er ist mir schon als sprechende Ziege entgegengetreten. Und als leise stöhnender Geysir."

"Und warum?"

"Ich weiß es nicht. Er hat wohl seine Gründe. Sie übersteigen meine Erkenntnisfähigkeit. Ich tröste mich damit, dass ich mir einrede, er täte es einfach aus Langeweile."

"Das tröstet sie?"

"Nun, stellen sie sich vor: Er ist die mächtigste Wesenheit im gesamten Universum. Er hat alles. Er kann alles. Er ist allwissend. Er ist allmächtig. Und dennoch ist ihm langweilig. Tröstet sie das nicht?"

"Naja... schon. Aber, wenn sie mal nicht wollen?"

"Ob ich versucht habe, abzuhauen?"

"Ja."

"Nun, stellen sie sich vor: Er ist die mächtigste Wesenheit im gesamten Universum. Er hat alles. Er kann alles. Er ist allwissend. Er ist allmächtig. Und ich versuche, abzuhauen."

"Und?"

"Dass er mich auf eine Sonne geschickt hat, war noch harmlos. Mein Gewand ist verbrannt, nach einer Weile erwachte ich wieder, nackt, aus einer Ohnmacht, auf irgendeinem gottverlassenen … ha, ha … Planeten. Dort war es kalt und ich musste mich um Kleidung kümmern. Ich weiß nicht, wie viele Generationen nach ihrer Zeitrechnung das gedauert hätte. Hat."

"Hätte hat?"

"Genau. Ich weiß es nicht. Ich reise übrigens auch in der Zeit umher. Und es ist nicht im geringsten aufregend."

"Nicht?"

"Manchmal keine Menschen. Oft keine Lebewesen. Zuweilen keine Vegetation. Mitunter nicht einmal ein Planet."

"Das geht?"

"Wenn sie untot sind, ja."

"Und wie ist das so?"

"Ich schiebe Asteroiden hin und her, drücke mich von einem ab, versuche, Kollisionen hervorzurufen."

"Billard im ganz großen Rahmen!

"Eher so mittellustig. Manchmal sind da auch keine Asteroiden. Nur die weite dunkle Stille. In jeder Richtung ein paar Lichtjahre weit Nichts."

"Oha, das klingt öde!"

"Ein paarmal hatte ich die Nase voll. Ich bin in einen Vulkan gesprungen. Das war noch vor der Sonne. Die Lava hörte auf, zu kochen, ich hatte am Ende einen Steinklumpen am Bein. Nach der Erfindung der Schusswaffen auf ihrer Erde habe ich es damit versucht. Großes Kaliber, gegen die Schläfe, mitten durchs Gehirn. Hat eine Weile geblutet. Irgendwann hörte es auf. Ich hatte schreckliche Kopfschmerzen."

"Es muss doch irgendeine Methode geben?"

"Ja, danke für ihre Fürsorge! Das dachte ich auch. Ich war so verzweifelt, ich habe mich in einen großen Holzschredder gestürzt. Das sollte doch wirklich genügen - könnte man meinen. Der Matsch der dabei herauskam, muss eine schreckliche Schweinerei gewesen sein. Am Ende versammelten sich alle meine Einzelteile und Moleküle, so als seien sie magnetisch, und ich wurde wieder zusammengesetzt. Sogar mit Kleidung diesmal. Das war der Moment, in dem der Chef mir als sprechende Ziege gegenübertrat."

"ER? Sie wissen, dass er männlich ist?"

"Nur so eine Gewohnheit. Könnte auch eine Frau sein. Nach ihren irdischen Begriffen. Der Vergleich mit jedweder menschlichen Erscheinungsform ist unzutreffend. Es ist ja nicht so, dass Männer weniger zickig wären. Ha, ha, Ziege!"

"Und? Was hat er gesagt?"

"Nichts von Belang. Irgendetwas triviales. Er weiß, dass er mich damit zum Wahnsinn treibt. Eine Ziege, die sich bedeutungsvoll räuspert und etwas sagt wie 'Hast du immer noch nicht genug?' oder so ähnlich. Ich brauche ihn nicht zu fragen, was das soll. Er antwortet nicht. Jedenfalls nichts vernünftiges. Er ist wie ein Kind, das mich als Spielzeug benutzt."

"Selbstmitleid beim Adel, ja?"

"Auf der Erde wäre ich in ihrer Zeit der mächtigste Mensch der ganzen Welt! Ich bin nur deshalb ein untoter Graf, weil er es so will. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, wie lange. Ich kann mir nur einreden, dass er vielleicht irgendwann genug von mir hat."

"Sehr bedauerlich!"

"So ist es. Die andere Flasche Chardonnay - könnten sie die jetzt holen?


20 Januar 2019

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Untote Grafen (2.1)


“Oh, nein, Herr Graf! Da sprechen wir eben noch von ihnen - was machen sie denn hier?"

"Sie wissen doch, wie leicht es ohnehin ist, ihre Gedanken zu lesen - auf diesem leeren Planeten sind sie kaum zu überhören."

"Und deshalb besuchen sie uns wieder?"

"Sie haben ihren fantastischen Chardonnay erwähnt. Da ich mich gerne daran erinnere, dachte ich, dass ich sie einmal aufsuchen müsste."

"Warum sind sie überhaupt noch hier?"

"Weil ich nicht fort bin."

"Und warum sind sie noch nicht fort?"

"Sie sind aber neugierig! Dafür, dass sie mich zur Halluzination erklärt haben, wollen sie überraschend viel wissen!"

"Ich bin am Wohlergehen meiner Halluzinationen nun einmal sehr interessiert."

"Das freut mich. Also, wegen ihres Chardonnay ...?"

"Ich habe zur Zeit nur zwei Flaschen, muss erst wieder neuen erzeugen lassen, aber das braucht seine Zeit."

"Kalt?"

"Selbstverständlich!"

"Holen sie sie. Dann erzähle ich.”

"Na schön. Kann aber einen Moment dauern."

"Wer ist denn hier neugierig - sie oder ich? Ich werde es mir so lange im Korbsessel auf der Terrasse des Raumschiffs bequem machen, während sie da drin verschwinden...

... Käpt'n, was tun sie da? Nein, im Keller ist der Wein nicht! Er befindet sich ganz hinten im Kühlschrank, haben sie das vergessen?"

"Ja, habe ich wohl. Aber sie wissen es?"

"Natürlich, ich kann ihre Gedanken lesen."

"Selbst die vergessenen?"

"Ist kein so großer Unterschied. Die, an die sie sich selbst irgendwann wieder erinnern können, kann ich selbstverständlich ebenfalls lesen."

"Und die verdrängten?"

"Das hängt von der Verdrängungstechnik ab."

"Wovon?"

"Davon, mit welcher Technik sie verdrängt haben."

"Es gibt verschiedene Techniken?"

"Das müssten SIE doch am besten wissen. SIE verdrängen doch! Überschreiben mit angenehmeren. Schockieren. Drogen. Körperliche Verausgabung."

"Äh, ja, danke, so verdränge ich wohl."

"Der Wein steht in der Küche, wie gesagt, ganz hinten im großen Kühlschrank.

Aus der Küche hörte man Klappern und Räumen. Dann leises Klirren.

"Also Käpt'n, hören sie, nicht die billigen Gläser, das ist stillos! Nehmen sie gefälligst die guten!"

"Aber Herr Graf, sie wissen doch dann ebenso gut wie ich, wie schlecht man da rankommt!"

"Diese billigen Pressgläser sind stillos! Strengen sie sich gefälligst an! Es ist IHR hervorragender Chardonnay! Das hat er nicht verdient!"

Leises Stöhnen aus der Küche. Nach einer Weile tauchte der Käpt'n mit einem Tablett wieder auf, darauf zwei Kristallkelche und eine Karaffe mit dem Wein.

“Verzeihung, ich musste ihn umfüllen. Wenn er aus dem Erzeuger kommt, bewahren wir in in praktischen Universalgefäßen auf, aber die sind sehr unansehnlich."

"Na, sehen sie Käpt'n, es geht doch! Vielen Dank, cheers!"


to be continued

19 Januar 2019

Berichte aus der Gegenwart

Das neue smarte Fon hat UKW-Radio, Der Große Bloguator™ schätzt so etwas. Es stammt von der Firma LG und ist insgesamt großartig.

Die mitgelieferten Ohrhörer jedoch sind ursächlich scheiße. Sie sind zu groß für menschliche Ohren und rutschen ständig heraus. Sie lassen sich auch nicht anpassen.  Muss man erst einmal schaffen: Mit viel Aufwand etwas dermaßen unbrauchbares in die Welt zu setzen.

Für den Radioempfang benötigt man kabelgebundene Hörer, weil das Kabel als Antenne dient.

Das alte smarte Fon kam von der Firma Sony. Es besaß ebenfalls UKW-Radio und unscheinbare, aber sehr taugliche Ohrstöpsel. Herr und Frau Sony können das, immer schon. Oder sie wissen jedenfalls, dass einige Kunden ein Radio auch benutzen wollen, wenn es denn eins gibt.

Doch selbstverständlich funktionieren die Hörer vom SONY-Fon nicht am LG-Fon. SELBSTVERSTÄNDLICH NICHT! Auch wenn der genormte Stecker das irgendwie nahe zu legen scheint.

Der kluge Kaufmann weiß: "Der Kunde muss um Gottes Willen unser untaugliches Zeug kaufen! Oder gar nichts!" Dem klugen Kaufmann ist nämlich völlig gleichgültig, ob der Kunde zufrieden ist. Und über den Sinn von genormten Steckern denkt er nur nach, wenn er die Konkurrenz deswegen verklagen kann.

Das Nichtfunktionieren besteht übrigens darin, dass bei den nichtoriginalen Ohrhörern bestimmte Frequenzen herausgefiltert werden. Da werkelt wohl einfach eine Software, die für NoiseReduction oder GeräuschCancelling oder irgend solchen Quatsch sorgen soll. Man kann sie natürlich nicht konfigurieren.

Also zieht der Große Bloguator los, um geeignete Ohrstöpsel zu erwerben.

Das Angebot ist ebenso riesig wie das der smarten Fone. Der Umstand, dass nicht alle gleich funktionieren, müsste den Leuten, die sich täglich damit beschäftigen, eigentlich bekannt sein, glaubt man so. Nur findet sich nichts davon auf der Produktbeschreibung. Einig sind sich alle nur über iPhone *und* Android.

Deshalb wissen es auch die Fachverkäufer nicht. Wer herausfinden will, ob es funktioniert, muss solche Ohrstöpsel kaufen und ausprobieren.

Es ist überraschend, aber in der Packung liegt keine Gebrauchsanweisung. In unserer Gegenwart werden Gebrauchsanweisungen für die trivialsten Gegenstände verfasst und beigelegt. Gerade für Ohrhörer, die man nur auf eine einzige Weise an die einzige vorhandene Buchse anstecken kann, wäre demnach eine umfangreiche Gebrauchsanweisung zu erwarten.

Aber! Immerhin! Es gibt Sicherheitshinweise! Na klar, was denn sonst!

Sie befinden sich - TUSCH! - auf der Innenseite der verklebten Packung. Heißt: Wer sie wirklich lesen wollte, muss zuerst die Packung zerstören.

Doch, doch, Aufreißen fällt unter Zerstören.

Nur muss das allen entgangen sein, die beim Design- und Marketing-Prozess mit dieser Verpackung zu tun hatten. Das wäre *Bildungsnotstand* und nicht ungewöhnlich in unserer Gegenwart: Die Entscheidungsträger - Abitur, Hochschulabschluss - sind nicht in der Lage, den Zweck einer einfachen Maßnahme zu erkennen.

Oder es wäre nicht allen entgangen:
"Sicherheitshinweise auf der Innenseite vom Karton? Sind sie wahnsinnig?"
"Aber sonst liest es doch jeder!"
"Ach was! Und?"
"Und dann kaufen es die Leute vielleicht nicht. Oder sie kaufen das Produkt von der Konkurrenz, wo nichts drauf steht."
"Aha. Na dann."


Das wäre wohl Täuschung, wenn die Zuständigen offensichtlich gar nicht wolllen, dass irgendjemand das liest. Aber in unserer Gegenwart stört sich kaum jemand noch daran.


Nun gut, so weit die Kritik am Verpackungsdesign und Marketing-Versagern. Diese Geräte stammen von der Firma VIVANCO. Die Ohrstöpsel selbst funktionieren am Ende genau so, wie sie sollen und Der Große Bloguator™ ist zufrieden.

11 Januar 2019

Die reine Größe

Wenn ich sehr große Frauen sehe, bemerke ich häufig einen irgendwie melancholischen Blick. Und eine Körperhaltung, die den Wunsch auszudrücken scheint, dass sie lieber ganz unauffällig sein wollten. Unauffälliger, als sie mit ihrer überdurchschnittlichen Größe sind. Sie versuchen, sich einzufalten. 98 Prozent dieser Gruppe laufen in ostentativ flachen Schuhen herum. Die Schuhe drücken nur eins aus: Ich will kleiner sein - nicht bequem laufen.

Ich - Der Große Bloguator™ - bin auch ein wenig größer als der Durch­schnitts­deutsche. Aber Jungs werden nie auf Körpergröße angesprochen, und wenn, dann nicht im negativen Sinn, sondern schlimmstenfalls neutral, aber meistens ermutigend

In Bezug auf Mädchen klingelt mir irgendwie der Spruch einer alten Frau im Ohr “Das ist ja gar nicht schön, wenn Mädchen so groß sind!” und nie nie nie antwortet eine “Ja Oma, ich werde gleich etwas dagegen tun.”

Mädchen wurde lange Zeit Unzulänglichkeit eingeredet. Für seine Körpermerkmale kann ja niemand was¹. Das ist ungerecht und eine Plage.




¹ ja, über schlechte Ernährungsgewohnheiten kann man streiten

06 Januar 2019

Ferne Welten - Galaktische Römer


Wir befinden uns in nicht allzu ferner Zukunft, auf einem Planeten, den die ersten Besucher von der Erde "Frankensteins Zoo" getauft haben. Das hat mit den Eigenheiten des Planeten zu tun, die nicht in allen Punkten den menschlichen Erwartungen entsprechen. 

Die ersten Besucher von der Erde sind eine dreiköpfige Raumschiffbesatzung, bestehend aus dem Kapitän, dem Arzt und einem Ingenieur, der nicht spricht. Ein riesiger Schleimpilz wandert, liest Gedanken und formt mit seinem flexiblen Fruchtkörper zuweilen die vorgefundenen Phantasiebilder eins zu eins nach, ein unheimlicher Pantomime.

Im Zuge der ersten relativistischen Reise ist den ersten relativistischen Reisenden inzwischen völlig unklar, ob dieser Planet und sein Sonnensystem nun hundertzwölf oder tausendzwölf Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Oder irgendeine beliebige andere unüberwindliche Entfernung. Sie werden von Heimweh, Sehnsucht und einer gewissen schöpferischen Unruhe heimgesucht. Manchmal ist ihnen langweilig.


"Schon komisch, dass wir so weit draußen noch niemanden getroffen haben, was Käpt'n?"

"Wir haben den untoten Grafen getroffen."

"Der zählt nicht!"

"Wieso soll der nicht zählen?"

"Der war eine Halluzination!"

"Ihre Halluzination hätte sie in Einzelteile zerlegt und gegessen, wenn ich ihn nicht besänftigt hätte!"

"Glauben sie."

"Ja, glaube ich. Na gut, einigen wir uns auf ‘sehr eindrucksvolle Halluzination’. Mal sehen, wann uns die Halluzination wieder besucht und meinen Chardonnay wegtrinkt."

"Aber sonst, warum ist denn hier niemand?"

"Wen wollten sie denn treffen, hier auf Frankensteins Zoo?"

"Na, so wie uns muss es doch auch andere Zivilisationen geben, die intergalaktisch reisen können? Oder meinetwegen auch nur galaktisch."

"Muss es?"

"Nun, einfach wegen der Wahrscheinlichkeit. Eine Galaxie mit Milliarden von Sternen. Jeder zehnte oder so hat Planeten, aber dafür immer mehrere. Selbst wenn die Entstehung von Leben auf vielen Zufällen beruht - bei Milliarden von Möglichkeiten muss es doch wenigstens ein paar geben, die zufällig genauso weit gekommen sind, wie wir?"

"Aber wir sind doch nicht weit gekommen. Drei hilflose Gestalten, von denen einer nicht spricht, haben die Entfernung von hundert Lichtjahren überwunden."

"Oder tausend..."

"Ja, ja, ja, schon gut! Ich weiß es nicht genau! Sie müssen mich nicht ständig wieder darauf hinweisen!"

"Nun, sehen sie mal, Käpt'n: Selbst wenn wir heute noch hilflos umher irren, wird das in ein paar hundert Jahren ganz anders sein. Die Menschheit wird sich entwickelt haben, viel weiter sein, wird in der Lage sein, viel größere Entfernungen zu überwinden. Und vielleicht werden die Raumfahrer dann sogar bestimmen können, wo sie gerade sind."

"Ich habe sehr genau bestimmt, wo wir gerade sind! ABER WIR SOLLTEN HIER NICHT SEIN!"

"Aber hier ist es doch ganz schön? Ich wundere mich doch nur darüber, das wir allein sind. "

"Bis auf den..."

"JA! BIS AUF DEN GRAFEN! Ich meine: Warum ist hier niemand außer uns? Die anderen müssen den Planeten doch gesehen haben. Die müssen doch auch Forscher haben. Und Eroberer!"

"Sie erwarten ein galaktisches römisches Reich, was?"

"Wieso römisches Reich?"

"Die Römer waren die am besten organisierte Zivilisation ihrer Zeit. Zivilisationen gab es zu diesem Zeitpunkt schon viele. Viele  kannten sich untereinander sogar, Phönizier, Griechen, Inder, Karthager, Ägypter. Aber die Römer waren in der Lage, die anderen zu erobern und niederzuwerfen. Das ging nur mit einer fantastischen, aber beängstigend destruktiven Organisation."

"Worauf wollen sie hinaus?"

"Darauf, dass ich Angst habe, die galaktischen Römer zu treffen. Eine außerirdische Zivilisation, die technologisch noch weiter ist als wir, aber intellektuell und moralisch unterhalb der Stufe von Kannibalenstämmen steht. Und die dann ein galaktisches römisches Reich errichtet."

"Jeder römische Bürger konnte sich in den Grenzen des Reiches frei bewegen!"

"Aber nicht jeder Mensch in den Grenzen des Reiches war römischer Bürger. Viele waren Sklaven. Und ebenso viele waren schlicht Beutegut, eine Hemmnis bei der Eroberung der benachbarten Länder."

"Na, na..."

"Julius Cäsar brüstete sich sogar damit, dass er die halbe Bevölkerung des von ihm eroberten Gallien niedergemetzelt hatte, und die andere Hälfte in die Sklaverei geführt. Er schickte stolz Listen darüber nach Hause. Das war nur möglich, weil die Römer technologisch fortschrittlich waren, sowie sehr gut organisiert. Und skrupellos."

"Als Eroberer muss man doch skrupellos sein. Sie wollten eben ein bequemes Leben auf Kosten der anderen."

"Die Idee von der Eroberung, von dem immer weiteren Wachstum, hatte sich aber völlig verselbständigt. Sie hätten auch bequem auf Kosten der anderen leben können, ohne das Reich immer noch weiter auszudehnen. Ihnen war egal, *warum* sie die Welt erobern sollten, und was dabei alles zerstört würde."

"Mag schon sein. Müssen wir die Römer jetzt noch verurteilen? Immerhin sind sie tot."

"Aber diese Idee nicht! Jetzt stellen wir uns einen solchen Charakter im galaktischen Maßstab vor."

"Nein, das ist doch ganz anders! Eine barbarische Zivilisation entwickelt sich doch gar nicht so weit!"

"Na klar doch, selbstverständlich. Alle alten großen Weltreiche gründeten auf der reinen Barbarei: Der Kaiser Chin, die Mongolen, die Amerikaner. Einige haben es versucht, aber die technologische Führung genügte nicht, wenn sie nicht ausreichend organisiert waren."

"Welche sollten das sein?"

"Beispielsweise die Deutschen zur Zeit der Hunnen. Also, ich meine zur Zeit der Nazis. Die wollten sich die ganze Welt untertan machen. Technologisch waren sie führend in der Welt. In ihrem Überlegenheitswahn auch. Wurden aber von unterentwickelten Völkern zurückgeschlagen, die wussten, worauf es wirklich ankommt. Bis dahin hatten sie ebenfalls Millionen wehrloser Menschen umgebracht - wie viel verschwendetes Potential!"

"So, so."

"Ja, ich finde auch, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass da draußen außer uns noch andere sind. Und deshalb bin ich froh, wenn wir weder die galaktischen Römer noch die galaktischen Deutschen treffen, die gnadenlos ein Reich über die halbe Galaxis errichten. Und den untoten Grafen haken wir vorläufig unter Halluzination ab. Bis er mir wieder meinen Chardonnay wegtrinkt.”

05 Januar 2019

Kartenzahlung

Der Große Bloguator™ in der Kassenschlange im Supermarkt, ungeduldig von einem Bein aufs andere:
"Und was war jetzt nochmal der Vorteil von Plastikgeld?"
"Das Bezahlen ist sooo viel bequemer!"
"Aha, weil es jetzt länger dauert?"
"Und man trägt nicht so viel Bargeld mit sich herum!"
"Also, wenn man jetzt überfallen wird, kann einen der Straßenräuber erst noch mit gutem Gewissen ein wenig foltern, bis man die Geheimzahl rausrückt!"
"Äh..."
"Ich sehe schon - lauter Vorteile."
Auf Nachfrage nimmt die Frau an der Kasse das Kleingeld sehr gerne.

19 Dezember 2018

Hortfahrt

aus der Serie: Woran ich mich erinnere

Beispielsweise erinnere ich mich, dass ich in der zweiten Klasse mit dem Hort eine zweiwöchige Fahrt nach Österreich gemacht habe. Es ging nach Obertauern, eine Art Almherberge, und Eltern waren keine dabei. Nur die Hortschwestern (tatsächlich, ein katholischer Hort) und der Vikar.

Meine Mutter wirft mir seither vor, das ich in zwei Wochen nur zwei Unterhosen verbraucht hätte. Knapp 50 Jahre Empörung darüber. Wir waren ziemlich viele Kinder, so vielleicht dreißig, und aller ziemlich brav. Niemand wurde gemobbt. (wissen 7-jährige noch nicht, wie das geht?)

Die Herberge lag abseits der Straße, so dass wir in traumhafter Alpenkulisse einfach so draußen vor der Tür spielen konnten. Ansonsten sind wir oft gewandert. Als Kind strengt einen sowas ja nicht so sehr an. Die Erwachsenen aber schon, wenn sie aus dem Flachland kommen und die Höhenluft nicht gewohnt sind.

Ich habe zum ersten - vielleicht sogar einzigen - Mal in meinem Leben Glühwürmchen gesehen. Ich habe mir in einer Abendandacht eine Hostie erschwindelt (ich bin ja Protestant, und es war ein katholischer Gottesdienst).

Ich muss mal auf der Karte nachsehen, ob ich den Ort noch finde.


….ah, habs gefunden, das gibt es tatsächlich noch: Es heißt heute “Jugendhotel” Felseralm. Und die Kapelle mit den Glühwürmchen davor ist auch noch da:
https://www.google.com/maps/@47.2468929,13.5127995,421m/data=!3m1!1e3

18 Dezember 2018

Woran ich mich erinnere

Trotz seines bekanntermaßen großen Mitteilungsbedürfnisses hat Der Große Bloguator™ in seinem ganzen Leben kein Tagebuch geführt. 

Der neue Themenbereich "Woran ich mich erinnere" soll das nachholen - aus der Erinnerung. Und eben größtenteils, ohne sich auf verlässliche schriftliche Aufzeichnungen stützen zu können. Tja.

...und los!


¹ ja, klar, "Tagebuch" sind ja auch Mitteilungen an sich selbst oder an die Nachwelt

22 September 2018

Eroberer

Als die Wikinger Amerika entdeckten, etwa 500 Jahre vor Columbus, trafen sie auch die Leute, die bereits seit langem dort wohnten. Diese waren klein und mager, sie wohnten in Zelten und kannten kein Eisen. Die Wikinger nannten sie Skrälinger - Schwächlinge.

Die Wikinger hingegegen waren kräftig gebaut, sie wussten, wie man Eisen schmiedet und errichteten warme, stabile Häuser. Die Skrälinger konnten dennoch von ihrer Natur leben, sie trotzten mit ihren vermeintlich primitiven Mitteln den mörderischen Eisstürmen und der sommerlichen Hitze. Das gelang ihnen so gut, dass sie große Stämme bildeten.

Die Wikinger waren gekommen, um Land zu erobern. Seit sie regelmäßig die europäischen Küsten absegelten und wehrlose Bauern überfielen und ausraubten, hielten sie sich für die geborenen Eroberer. Das wollten sie auch in dem neu entdeckten Landstrich so halten. Ihre Anführer hatten zudem wegen wiederholter brutaler Ereignisse, die selbst in der damaligen Zeit als Straftaten galten, zuerst aus Norwegen und dann sogar aus Island fliehen müssen und suchten nach neuen Revieren.

Die Skrälinger hatten dafür kein Verständnis. Nach ihrer Einschätzung lebten sie sehr gut von dem Land und hatten kein Interesse daran, von Räubern und skrupellosen Sklavenhaltern ausgebeutet zu werden. Sie machten das den Wikingern in zähen und verlustreichen  Angriffen deutlich.

Ihre überlegenen Kenntnisse im Schmieden halfen den Eroberern nicht, da sie kaum Eisenerz fanden. In der Landwirtschaft waren sie keine Koryphäen, da zu Hause die Landarbeit immer von den Sklaven erledigt wurde und sie diese Tätigkeit für unwürdig hielten. Die Nahrung war immer knapp. Sie waren auch nur ein paar dutzend Menschen - immerhin waren sie mit nur wenigen Schiffen vor ihren Landsleuten geflohen. Die wiederum setzten ihnen nicht nach, sie waren nämlich froh, dass die übelsten Störenfriede endlich weg waren.

Obwohl in den Gefechten die schwächlichen Einheimischen viel größere Verluste hatten, als die gut gerüsteten und kriegserfahrenen Wikinger, wurden diese irgendwann mürbe. Auch bei einem Zahlenverhältnis der Getöteten von zehn zu eins konnten sie sich ausmalen, wann der letzte von ihnen seinen Platz in Walhalla einnehmen würde. Dies entsprach allerdings nicht ihrer Idee von einer ruhmreichen Eroberung. Nach nur einem Jahr zogen sie die Konsequenzen und machten sich auf den Rückweg. In Europa gab es ja auch noch genug unbeholfene Bauern und vielleicht war über ihre Verfehlungen inzwischen auch ein wenig Gras gewachsen.

Nachdem die Wikinger endlich abgereist waren, wendeten sich die Skrälinger mit Muße wieder ihren eigenen blutigen Fehden zu, die sie seit Generationen untereinander pflegten.

21 September 2018

Wiki

Dieser Eintrag erscheint im Blog nur, damit Google das Wiki wiederfindet, weil es irgendwo im Internet verlinkt ist. Nämlich hier.


Der Große Bloguator™ segelt ja bekanntlich. In Deutschland ist das ein eher exotischer Zeitvertreib und die Szene ist auch noch aufgespalten in dutzende unterschiedlicher Klassen und Interessen.

Der Große Bloguator™ segelt nach Möglichkeit Regatten in der Bootsklasse Korsar, die ebenso klein ist, wie die meisten anderen Bootsklassen in Europa. Es ist demnach eine sehr spezielle Beschäftigung, bei der gleichzeitig eine Menge Kenntnisse erforderlich sind und Wissen angesammelt wird. Nur eben alles sehr, sehr speziell.

Der Kollege Wolf hat aus diesem Grund bereits vor Jahren ein Wiki angelegt -welches man nicht findet, so lange man an der eigentlich naheliegendsten Stelle sucht. So vermute ich es jedenfalls. Fragen von Außenstehenden und Einsteigern tauchen aber dennoch immer wieder auf und deshalb hier wieder einmal der Link zum KORSAR-WIKI.

Dort werden brennende Fragen wie Auftriebsköper, Schwertkastendichtung oder Softschäkel behandelt. Und seit neuestem auch die Länge von Schoten und Fallen.

Ja. Genau. So weit.

Kürzlich waren wir in Masuren. Sieht so aus:


Moppeds

Hier kommt mal wieder was kuhles - tiefergelegte Roller aus Japan. Solche Einträge tauchen hier im Blog immer wieder einmal auf, weil sich Der Große Bloguator™ neben vielen anderen Erscheinungen u.a. auch für Design interessiert.

An diesem Bericht von Youtube kann man erkennen, was sich im Bereich der Tieferlegung von Rollern seit dem letzten Bericht vor neun Jahren so getan hat:

Ich korrigiere: Der allerletzte Bericht im Blog ist erst fünf Jahre her, aber da handelt es sich wohl um ein Einzelstück. Bei den anderen eigentlich auch? Hm.

07 August 2018

Verlust

Dieses ist mein Jahr des verlorenen Ruders. Andere heiraten, kriegen Kinder oder machen eine Weltreise, ich verliere Ruder.

Also, für die wenigen Uneingeweihten: Es geht hier ums Segeln. Um das Boot zu lenken hat man ein Ruder. Meistens - gibt auch Ausnahmen.

...wo war ich? Ach ja: Ruder.

An den rasenden Kleinbooten, die ich mit meinen Freunden so segle, wird das Ruder am Heck eingehängt. Es gibt da so eine spezielle Aufnahme, zwei Zapfen, und da wird das reingehängt. Allerdings!

Allerdings wird an so einem Rennboot alles möglichst leicht gebaut, selbstverständlich auch das Ruder. Es hat deshalb Auftrieb, vulgo: Es schwimmt.

Die Aufnahmezapfen funktionieren so, dass das Ruder von oben draufgesteckt wird. Ein kleines Metallblech verhindert dann, dass es nach oben ausbricht. Theoretisch. Praktisch nicht immer.

Nämlich dann nicht, wenn das Blech im Lauf der Jahre weich geworden ist. Oder wenn es einfach nicht richtig eingerastet ist - weil man es eilig hatte, beispielsweise. Oder eben c.) sonstiges.

Dann macht sich das Ruder unerwartet selbständig und man kann nicht mehr lenken. Es ist so, als ob man im Auto bei einer Fahrt auf der Autobahn plötzlich das Lenkrad lose in der Hand hat: Nicht schön.

In so einem Fall leiten unsere kleinen Renner sofort eine Wende ein - mit der niemand an Bord gerechnet hat - und man landet unweigerlich im See. Das ist mir in der laufenden Saison bereits vier mal passiert.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Saison, in der mir vier mal das Ruder gebrochen ist. Also: Kaputt, Endstation. Und mich traf keine Schuld. Ich schwör!

In der laufenden Saison habe ich/und_Kollegin bereits vier mal das Ruder verloren. Es war nicht kaputt, immerhin, im Sinne von "nicht völlig zerstört".

Die Dinger sind übrigens ganz schön teuer. Aber 'out of order'. Ob das soviel besser ist? Ich denke noch drüber nach.

13 Juni 2018

Küchenexperiment 3.12

Ich hab was neues erfunden!

Hm?

...öhm, Spaghetti mit Pastinake. Ja, klar, die klassische Verlegenheit: Auf dem Markt irgendwas interessantes gekauft - und dann keine Ahnung, was damit anfangen. Es handelt sich also um ... Pastinaken ....?

Das sind die Wurzeln von irgendwelchem Zeug, die ganz schön groß werden können. Man kann sie auch roh essen, oder kochen. Schmecken leicht süßlich und haben eine interessante Konsistenz.

Besteht aus

- Pastinake
- Sonnenblumenkerne
- Zwiebel
- Öl
- Becher Sahne
- Salz/Pfeffer
- Pasta


Was macht man nun damit?

Die Sonnenblumenkerne werden in der Pfanne trocken geröstet - vorsichtig, die verkohlen sonst! (meine Spezialität). Dann etwas Öl dazu, Zwiebeln und gewürfelte Pastinake. Alles dünsten lassen. Salz dazu. Zum Schluss die Sahne drauf und alles etwas einkochen.

Das ganze als Sauce auf die Spaghetti. Lecker! Bin sehr zufrieden.

19 Mai 2018

Gerät

Ich habe inzwischen übrigens nicht nur eine Mobilfonapp, mit der ich in dieses Blog schreiben kann - ich habe auch ein Mobilfon, auf dem sie läuft!

Weiterhin keine Ahnung habe ich darüber, worauf das hinausläuft.

Vielleicht sieht die geneigte Leserin* so lange in den Twitteraccount, gemäß rechts oben.



Männer und sonstige Gendersternchen sind hier immer mitgemeint, wisst Ihr ja, nä?

Schatten!

Aus technischen Gründen hier der Link zu einer Seite mit Sonnensegeln, die so ist, wie ich sie mir vorstelle: Fischdesign
Naja, es könnte noch einen Angebotsrechner geben und ein paar Stoffmuster und Farbtafeln. Und die Kontaktaufnahme könnte noch besser...
Ja, schon - abernahe dran!

19 Februar 2018

Pösie

kleines fan-poem für lisa wagner. sie weiß dann schon.
nee, natuerlich nicht! woher denn auch?



wie sie geht gehört die erde ihr
ihre füße setzen weich auf, aber ganz.
jeder schritt ein treffer.
kein vorsichtiges tasten, ewig mit den zehen voran.
kein anmaßendes stampfen, immer mit der ferse zuerst.
die erde gehört ihr, so wie sie geht:
geschmeidig, entschlossen, zielstrebig, aber sehr leise.
jeder tiger wäre fasziniert.
jeder tiger würde sie ins herz schließen
und sofort adoptieren
als ideale tigertochter.

17 Januar 2018

Werbung und Information

Gestern im Radio1 dieses Interview mit dem Wirtschaftsprofessor zum Thema "Werbefreies Stadtbild". Sein Kernsatz "Werbung ist Information!" ¹

Und genau deshalb nimmt die Wirtschafts"fachleute" niemand ernst, der halbwegs bei Verstand ist. Die Behauptung mit der "Information" hat der Wirtschaftslehrer des Großen Bloguators™ bereits vor 45 Jahren genau so verbreitet. Und sie war damals wie heute bereits für zwölfjährige Schüler erkennbar falsch.

Rein technisch mag es sich bei der Übertragung von Wörtern und Bildern ja um Information² handeln - im allgemeinen Sprachgebrauch gehört zum Begriff Information aber auch das stimmlos gesprochene "neutral". Wenn im deutschen Sprachgebrauch von Information die Rede ist, dann ist damit immer neutrale Information gemeint. Bei Wirtschaftsprofessoren ist das anders.

Für nichtneutrale Information haben wir auch viele Wörter, eins davon lautet Propaganda, ein weiteres Desinformation. Das muss den Wirtschaftsfachleuten irgendwann in den letzten 5 Jahrzehnten entgangen sein. Sie haben es übersehen. Naja, ihr ... Modell … ? ... ist halt noch nicht so perfekt.

Rein theoretisch informiert Werbung den Künden über ein Angebot, also darüber, dass jemand etwas zu verkaufen hat, Preis und Gegenwert. Rein praktisch läuft es mit der Werbung aber ja so: Der Kunde wird mit allen Mitteln der Wissenschaft auf seine Schwächen abgeklopft - Psychologie, Physiologie, Rhetorik, Ethnologie, vermeintliche und tatsächliche Bedürfnisse. Die Werbung wird diesen Bedürfnissen angepasst und erzählt dem Kunden ganz präzise das, was er hören will.

Es mag Ausnahmen geben, in der Regel aber werden dabei die Fähigkeiten des Produkts maßlos übertrieben, eventuelle Schwächen werden hingegen völlig verschwiegen. Diese durchaus nicht neutrale Information wird dem Kunden mit einem Trommelfeuer an optischer und akustischer Belästigung eingeprügelt.

Und dann kommt ein Wirtschaftsprofessor und faselt von "Information", genau wie vor 45 Jahren.

Nach seiner Beschreibung kommt es zuweilen vor, dass die Werbung ein ganz klein wenig schummelt, aber das tut doch jeder, nicht wahr? Und jeder, der sich falsch informiert fühlt, könne ja schließlich dagegen klagen. Da wird also der wissenschaftlich fundierte Betrug, den Werbung häufig darstellt, verglichen mit irgendeiner folgenlosen Unwahrheit, die ein unbedachter Mensch im Verlauf des Tages zig mal von sich gibt. Und als Ausweg die Scheinlösung der Klage angeboten, die natürlich keine ist: Wer klagt schon gegen ein Trommelfeuer?

Man könnte das nun natürlich auch genauso neutral als "Lüge" bezeichnen, ein deutscher Professor müsste ja immerhin um solche Vorgänge wissen und sie irgendwie einordnen können - bevor er sie wissbegierigen Studenten lehrt.

Man könnte aber auch einfach annehmen, dass der Professor bei der Auswahl in der Berufungskommission irgendwie durchgerutscht ist, wie das in Deutschland so häufig geschieht, weil einer bereits aus einem Akademikerhaushalt kommt und genau die Sprache und den Habitus hat, den die anderen Akademiker aus der Berufungskommission bei ihresgleichen erwarten und bewundern.




¹ witzigerweise hat der Verfasser des gleichnamigen Wikipedia-Artikels die von ihm angegebene Quelle nicht etwa zitiert, sondern beliebig zur Aussage Werbung=Information umgebogen. Warum wohl?
² Universität des Saarlandes - Philosophische Fakultäten, Definition Information: https://saar.infowiss.net/projekte/ident/themen/definition-information
³ das Interview ist noch bis Jan 2019 unter diesem Link abrufbar, danach weiß ich noch nicht

kostenloser Counter