22 September 2018

Eroberer

Als die Wikinger Amerika entdeckten, etwa 500 Jahre vor Columbus, trafen sie auch die Leute, die bereits seit langem dort wohnten. Diese waren klein und mager, sie wohnten in Zelten und kannten kein Eisen. Die Wikinger nannten sie Skrälinger - Schwächlinge.

Die Wikinger hingegegen waren kräftig gebaut, sie wussten, wie man Eisen schmiedet und errichteten warme, stabile Häuser. Die Skrälinger konnten dennoch von ihrer Natur leben, sie trotzten mit ihren vermeintlich primitiven Mitteln den mörderischen Eisstürmen und der sommerlichen Hitze. Das gelang ihnen so gut, dass sie große Stämme bildeten.

Die Wikinger waren gekommen, um Land zu erobern. Seit sie regelmäßig die europäischen Küsten absegelten und wehrlose Bauern überfielen und ausraubten, hielten sie sich für die geborenen Eroberer. Das wollten sie auch in dem neu entdeckten Landstrich so halten. Ihre Anführer hatten zudem wegen wiederholter brutaler Ereignisse, die selbst in der damaligen Zeit als Straftaten galten, zuerst aus Norwegen und dann sogar aus Island fliehen müssen und suchten nach neuen Revieren.

Die Skrälinger hatten dafür kein Verständnis. Nach ihrer Einschätzung lebten sie sehr gut von dem Land und hatten kein Interesse daran, von Räubern und skrupellosen Sklavenhaltern ausgebeutet zu werden. Sie machten das den Wikingern in zähen und verlustreichen  Angriffen deutlich.

Ihre überlegenen Kenntnisse im Schmieden halfen den Eroberern nicht, da sie kaum Eisenerz fanden. In der Landwirtschaft waren sie keine Koryphäen, da zu Hause die Landarbeit immer von den Sklaven erledigt wurde und sie diese Tätigkeit für unwürdig hielten. Die Nahrung war immer knapp. Sie waren auch nur ein paar dutzend Menschen - immerhin waren sie mit nur wenigen Schiffen vor ihren Landsleuten geflohen. Die wiederum setzten ihnen nicht nach, sie waren nämlich froh, dass die übelsten Störenfriede endlich weg waren.

Obwohl in den Gefechten die schwächlichen Einheimischen viel größere Verluste hatten, als die gut gerüsteten und kriegserfahrenen Wikinger, wurden diese irgendwann mürbe. Auch bei einem Zahlenverhältnis der Getöteten von zehn zu eins konnten sie sich ausmalen, wann der letzte von ihnen seinen Platz in Walhalla einnehmen würde. Dies entsprach allerdings nicht ihrer Idee von einer ruhmreichen Eroberung. Nach nur einem Jahr zogen sie die Konsequenzen und machten sich auf den Rückweg. In Europa gab es ja auch noch genug unbeholfene Bauern und vielleicht war über ihre Verfehlungen inzwischen auch ein wenig Gras gewachsen.

Nachdem die Wikinger endlich abgereist waren, wendeten sich die Skrälinger mit Muße wieder ihren eigenen blutigen Fehden zu, die sie seit Generationen untereinander pflegten.

21 September 2018

Wiki

Dieser Eintrag erscheint im Blog nur, damit Google das Wiki wiederfindet, weil es irgendwo im Internet verlinkt ist. Nämlich hier.


Der Große Bloguator™ segelt ja bekanntlich. In Deutschland ist das ein eher exotischer Zeitvertreib und die Szene ist auch noch aufgespalten in dutzende unterschiedlicher Klassen und Interessen.

Der Große Bloguator™ segelt nach Möglichkeit Regatten in der Bootsklasse Korsar, die ebenso klein ist, wie die meisten anderen Bootsklassen in Europa. Es ist demnach eine sehr spezielle Beschäftigung, bei der gleichzeitig eine Menge Kenntnisse erforderlich sind und Wissen angesammelt wird. Nur eben alles sehr, sehr speziell.

Der Kollege Wolf hat aus diesem Grund bereits vor Jahren ein Wiki angelegt -welches man nicht findet, so lange man an der eigentlich naheliegendsten Stelle sucht. So vermute ich es jedenfalls. Fragen von Außenstehenden und Einsteigern tauchen aber dennoch immer wieder auf und deshalb hier wieder einmal der Link zum KORSAR-WIKI.

Dort werden brennende Fragen wie Auftriebsköper, Schwertkastendichtung oder Softschäkel behandelt. Und seit neuestem auch die Länge von Schoten und Fallen.

Ja. Genau. So weit.

Kürzlich waren wir in Masuren. Sieht so aus:


Moppeds

Hier kommt mal wieder was kuhles - tiefergelegte Roller aus Japan. Solche Einträge tauchen hier im Blog immer wieder einmal auf, weil sich Der Große Bloguator™ neben vielen anderen Erscheinungen u.a. auch für Design interessiert.

An diesem Bericht von Youtube kann man erkennen, was sich im Bereich der Tieferlegung von Rollern seit dem letzten Bericht vor neun Jahren so getan hat:

Ich korrigiere: Der allerletzte Bericht im Blog ist erst fünf Jahre her, aber da handelt es sich wohl um ein Einzelstück. Bei den anderen eigentlich auch? Hm.

07 August 2018

Verlust

Dieses ist mein Jahr des verlorenen Ruders. Andere heiraten, kriegen Kinder oder machen eine Weltreise, ich verliere Ruder.

Also, für die wenigen Uneingeweihten: Es geht hier ums Segeln. Um das Boot zu lenken hat man ein Ruder. Meistens - gibt auch Ausnahmen.

...wo war ich? Ach ja: Ruder.

An den rasenden Kleinbooten, die ich mit meinen Freunden so segle, wird das Ruder am Heck eingehängt. Es gibt da so eine spezielle Aufnahme, zwei Zapfen, und da wird das reingehängt. Allerdings!

Allerdings wird an so einem Rennboot alles möglichst leicht gebaut, selbstverständlich auch das Ruder. Es hat deshalb Auftrieb, vulgo: Es schwimmt.

Die Aufnahmezapfen funktionieren so, dass das Ruder von oben draufgesteckt wird. Ein kleines Metallblech verhindert dann, dass es nach oben ausbricht. Theoretisch. Praktisch nicht immer.

Nämlich dann nicht, wenn das Blech im Lauf der Jahre weich geworden ist. Oder wenn es einfach nicht richtig eingerastet ist - weil man es eilig hatte, beispielsweise. Oder eben c.) sonstiges.

Dann macht sich das Ruder unerwartet selbständig und man kann nicht mehr lenken. Es ist so, als ob man im Auto bei einer Fahrt auf der Autobahn plötzlich das Lenkrad lose in der Hand hat: Nicht schön.

In so einem Fall leiten unsere kleinen Renner sofort eine Wende ein - mit der niemand an Bord gerechnet hat - und man landet unweigerlich im See. Das ist mir in der laufenden Saison bereits vier mal passiert.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Saison, in der mir vier mal das Ruder gebrochen ist. Also: Kaputt, Endstation. Und mich traf keine Schuld. Ich schwör!

In der laufenden Saison habe ich/und_Kollegin bereits vier mal das Ruder verloren. Es war nicht kaputt, immerhin, im Sinne von "nicht völlig zerstört".

Die Dinger sind übrigens ganz schön teuer. Aber 'out of order'. Ob das soviel besser ist? Ich denke noch drüber nach.

13 Juni 2018

Küchenexperiment 3.12

Ich hab was neues erfunden!

Hm?

...öhm, Spaghetti mit Pastinake. Ja, klar, die klassische Verlegenheit: Auf dem Markt irgendwas interessantes gekauft - und dann keine Ahnung, was damit anfangen. Es handelt sich also um ... Pastinaken ....?

Das sind die Wurzeln von irgendwelchem Zeug, die ganz schön groß werden können. Man kann sie auch roh essen, oder kochen. Schmecken leicht süßlich und haben eine interessante Konsistenz.

Besteht aus

- Pastinake
- Sonnenblumenkerne
- Zwiebel
- Öl
- Becher Sahne
- Salz/Pfeffer
- Pasta


Was macht man nun damit?

Die Sonnenblumenkerne werden in der Pfanne trocken geröstet - vorsichtig, die verkohlen sonst! (meine Spezialität). Dann etwas Öl dazu, Zwiebeln und gewürfelte Pastinake. Alles dünsten lassen. Salz dazu. Zum Schluss die Sahne drauf und alles etwas einkochen.

Das ganze als Sauce auf die Spaghetti. Lecker! Bin sehr zufrieden.

19 Mai 2018

Gerät

Ich habe inzwischen übrigens nicht nur eine Mobilfonapp, mit der ich in dieses Blog schreiben kann - ich habe auch ein Mobilfon, auf dem sie läuft!

Weiterhin keine Ahnung habe ich darüber, worauf das hinausläuft.

Vielleicht sieht die geneigte Leserin* so lange in den Twitteraccount, gemäß rechts oben.



Männer und sonstige Gendersternchen sind hier immer mitgemeint, wisst Ihr ja, nä?

Schatten!

Aus technischen Gründen hier der Link zu einer Seite mit Sonnensegeln, die so ist, wie ich sie mir vorstelle: Fischdesign
Naja, es könnte noch einen Angebotsrechner geben und ein paar Stoffmuster und Farbtafeln. Und die Kontaktaufnahme könnte noch besser...
Ja, schon - abernahe dran!

19 Februar 2018

Pösie

kleines fan-poem für lisa wagner. sie weiß dann schon.
nee, natuerlich nicht! woher denn auch?



wie sie geht gehört die erde ihr
ihre füße setzen weich auf, aber ganz.
jeder schritt ein treffer.
kein vorsichtiges tasten, ewig mit den zehen voran.
kein anmaßendes stampfen, immer mit der ferse zuerst.
die erde gehört ihr, so wie sie geht:
geschmeidig, entschlossen, zielstrebig, aber sehr leise.
jeder tiger wäre fasziniert.
jeder tiger würde sie ins herz schließen
und sofort adoptieren
als ideale tigertochter.

17 Januar 2018

Werbung und Information

Gestern im Radio1 dieses Interview mit dem Wirtschaftsprofessor zum Thema "Werbefreies Stadtbild". Sein Kernsatz "Werbung ist Information!" ¹

Und genau deshalb nimmt die Wirtschafts"fachleute" niemand ernst, der halbwegs bei Verstand ist. Die Behauptung mit der "Information" hat der Wirtschaftslehrer des Großen Bloguators™ bereits vor 45 Jahren genau so verbreitet. Und sie war damals wie heute bereits für zwölfjährige Schüler erkennbar falsch.

Rein technisch mag es sich bei der Übertragung von Wörtern und Bildern ja um Information² handeln - im allgemeinen Sprachgebrauch gehört zum Begriff Information aber auch das stimmlos gesprochene "neutral". Wenn im deutschen Sprachgebrauch von Information die Rede ist, dann ist damit immer neutrale Information gemeint. Bei Wirtschaftsprofessoren ist das anders.

Für nichtneutrale Information haben wir auch viele Wörter, eins davon lautet Propaganda, ein weiteres Desinformation. Das muss den Wirtschaftsfachleuten irgendwann in den letzten 5 Jahrzehnten entgangen sein. Sie haben es übersehen. Naja, ihr ... Modell … ? ... ist halt noch nicht so perfekt.

Rein theoretisch informiert Werbung den Künden über ein Angebot, also darüber, dass jemand etwas zu verkaufen hat, Preis und Gegenwert. Rein praktisch läuft es mit der Werbung aber ja so: Der Kunde wird mit allen Mitteln der Wissenschaft auf seine Schwächen abgeklopft - Psychologie, Physiologie, Rhetorik, Ethnologie, vermeintliche und tatsächliche Bedürfnisse. Die Werbung wird diesen Bedürfnissen angepasst und erzählt dem Kunden ganz präzise das, was er hören will.

Es mag Ausnahmen geben, in der Regel aber werden dabei die Fähigkeiten des Produkts maßlos übertrieben, eventuelle Schwächen werden hingegen völlig verschwiegen. Diese durchaus nicht neutrale Information wird dem Kunden mit einem Trommelfeuer an optischer und akustischer Belästigung eingeprügelt.

Und dann kommt ein Wirtschaftsprofessor und faselt von "Information", genau wie vor 45 Jahren.

Nach seiner Beschreibung kommt es zuweilen vor, dass die Werbung ein ganz klein wenig schummelt, aber das tut doch jeder, nicht wahr? Und jeder, der sich falsch informiert fühlt, könne ja schließlich dagegen klagen. Da wird also der wissenschaftlich fundierte Betrug, den Werbung häufig darstellt, verglichen mit irgendeiner folgenlosen Unwahrheit, die ein unbedachter Mensch im Verlauf des Tages zig mal von sich gibt. Und als Ausweg die Scheinlösung der Klage angeboten, die natürlich keine ist: Wer klagt schon gegen ein Trommelfeuer?

Man könnte das nun natürlich auch genauso neutral als "Lüge" bezeichnen, ein deutscher Professor müsste ja immerhin um solche Vorgänge wissen und sie irgendwie einordnen können - bevor er sie wissbegierigen Studenten lehrt.

Man könnte aber auch einfach annehmen, dass der Professor bei der Auswahl in der Berufungskommission irgendwie durchgerutscht ist, wie das in Deutschland so häufig geschieht, weil einer bereits aus einem Akademikerhaushalt kommt und genau die Sprache und den Habitus hat, den die anderen Akademiker aus der Berufungskommission bei ihresgleichen erwarten und bewundern.




¹ witzigerweise hat der Verfasser des gleichnamigen Wikipedia-Artikels die von ihm angegebene Quelle nicht etwa zitiert, sondern beliebig zur Aussage Werbung=Information umgebogen. Warum wohl?
² Universität des Saarlandes - Philosophische Fakultäten, Definition Information: https://saar.infowiss.net/projekte/ident/themen/definition-information
³ das Interview ist noch bis Jan 2019 unter diesem Link abrufbar, danach weiß ich noch nicht

11 Januar 2018

Post vom Ost-Block

Das hier ist so herzig, das muss einfach wieder mal in den Blog, auch auf die Gefahr einer Wiederholung.

Der Große Bloguator™ liest solche liebevollen Anfragen immer laut vor, unter besonderer Berücksichtigung der fehlenden Umlaute und des holprigen Satzbaus - erst dann erschließt sich die ganze Wärme solcher Mitteilungen.

Ostblock-Woman-Date ostblockfrauen@unity-access.com schreibt mir:

Hello Wie geht es Ihnen? Nahm ich Ihre Adresse aus Partner­ver­mittlung. Ich hangten Dateien, hoffe, dass Sie meine Fotos mogen. Sie konnen mich anrufen Lena Ich bin 34 jahre alt. Sie scheint sehr freundliche Person zu mir Ich mochte fur ernsthafte Beziehungen Online trafen Partner. Ich weiB, dass viele Menschen nicht ernst online. Deshalb mochte ich sagen Weiter, dass ich hier nicht für diese. Ich nicht zu suchen Spiele. Für mich ist Familie ist das Wichtigste. Ich denke, dass Familie und Liebe, ist fur das, was wir zum Leben brauchen diese. Ich brauche Person, die bereit sind, das Leben mit mir zu teilen. Wenn Sie die gleiche Ansicht haben, werde ich froh sein, sprechen mit Ihnen. Vielleicht findest du auch in mich interessant und bald kann ich Ihre Nachricht zu sehen, tut mir leid, wenn nicht, und ich nahm Ihre Zeit, aber die Hoffnung nicht. Ich freue mich Antwort.

Falls jemand Wert auf den Link dahinter legt, kann ich diesen auf persönliche Nachfrage herausgeben. Das Nackedei-Foto, das aus Gründen der Authentizität ebenfalls angehängt war, lasse ich aus Gründen des Jugendschutzes² und der Ästhetik¹ wegen weg.




¹ ja, hier im Blog ist Ästhetik ein relevantes Thema. Ja, der Große Bloguator™ kennt sich damit aus. Voll total! Wer jetzt lacht, fliegt!
² nein, Jugendschutz nicht. Nur so.

22 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (6)

  
Plötzlich hatten wir dit problem bei uns im kiez. Der is hübsch und lebendich und kostet nich vülle. Is also jenau dit richtije für leute, die seit ihre jeburt schon tot sind, aba kohle im überfluss haben.

Und weil se nich selbst in so ne unheimliche jegend ziehen wollen - da müssten se ja ihre jewohnte umjebung verlassen - koofen se sowat als "Anlage" und schenken dit ihrem sohn und ihre schwiejertochter.

Diss sich in die ihrem sprachjebrauch vermöjensanlage und wohnanlage irjendwie überschneiden is sicher nur zufall. Da bin ick sicher der einzije, der böswillich ne jewollte vermischung da drin erkennt.

Is nur lästich, wenn in die "Anlage" noch eener wohnt und zu wenich miete zahlt. Der muss denn da leider raus, weil, die ham dit ja für ihren sohn und ihre schwiejertochter jekooft, und hauptsächlich natürlich als "Anlage" für ihr schönet jeld.

Bei uns im kiez häuften sich solche fälle. Denn machte eener ne versammlung,"GEGEN GENTIFIZIERUNG!" Aus neugier bin ick da mal hinjegangen, is ja absehbar, diss dit dich selbst ooch trifft, früha oder späta.

12 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (5)

“Die anstrengungslosen Einkommen
müssen wir endlich abschaffen!”

Thilo Sarrazin, SPD

5.

Der *klassische* hauswirt stirbt sowieso aus in berlin. Wenn eener heute een miethaus in berlin besitzt, denn hat der dit in der regel jeerbt. Aba so leute sind inzwischen selten jeworden. Den erben ist dit ejal, die träum vom mühelosen wohlstand, nehm lieber die kohle und lejen se irjendwo an, wo se mit noch wenijer arbeet dit gleiche rausbekomm. der erbe verkooft also seine immobilie zeitnah.

Der *tüpische* hausbesitzer in berlin is inzwischen entweder ne heuschrecke, also jewinnmaximierter immobilienfong mit briefkasten im ärmelkanal. Oder eene wohneijentümerjemeinschaft. Heißt: Dit haus is an lauter wohlhabende ahnungslose verkooft und aufjeteilt worden, ideell natürlich, weil dit ja ooch für realistische teilung nie jedacht war. Und dit ooch jar nich jeht, sonst müsste jedem ne halbe wand und een halber fußboden jehören. Von der haustür janz zu schweigen.

Warum leute davon träumen, diss ihnen ne halbe wand und nich der janze fußboden jehört, is mir een rätsel, nach wie vor. Tun se ja ooch nich. Der einzije vorteil von wohneijentum is doch, diss man wenijer steuern zahlt. Also, dit is ja keen richtijer vorteil, wenn man dafür ne immobillie besitzt zusammen mit leuten, die man absolut nich ausstehen kann.

Ja, dit is meine persönliche sicht. Für andere überwiecht eben der vorteil, diss se steuern sparen. Wenn man die fracht “Und wat noch? Is dit allet?” denn antworten die immer ditselbe “Das ist ja auch etwas für das Alter! Sicherheit!”

Sicherheit ham die natürlich nur so lange, wie se die wohnung nich verkoofen müssen. und bis dahin kostet die sicherheit doppelt so vülle wie eene altbackene mietwohnung. Die differenz bleibt bei den wichtichsten stützen der jesellschaft hängen: Bei notare, banken, bauträjer und immobilienmakler. Aber anscheinend macht dit dem wohneijentümer een jutet jefühl, wenn er solche stützen nach ihre leistung anjemessen fördert.

07 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (4)

"Wer sich wehrt
lebt verkehrt."
Donald Trump

4.

Mit alle solche leute konkurriert der einheimische, der schon aus  lauter tradition nich so vülle verdient. Die normalen arbeitjeber rücken ja nich plötzlich mehr raus, weil die miete heute so teuer is. "Dafür kann ich doch nichts! Noch höhere Entlohnung gefährdet unsere Wirtschaftlichkeit! Sie kennen sich doch hier aus, sie können doch ganz leicht in einen billigeren Bezirk ziehen!"

Klar, wenn ick der chef wäre würde ick meine beschäftichten ooch so n quatsch erzähln.

Billich isset in berlin überhaupt nürjends mehr und bezahlbar nur noch da, wo man nich tot übern zaun hängen will. Sojar neukölln und wedding kommn inzwischen uff die füße. Die warn dreißich jahre lang am kommen! Und immer konnte man sich druff verlassen, dass dit nüscht würd: Wenn allet kommt - nich der Wedding! Jetz aba anscheinend doch. Ick meine: Der WEDDING! Und denn noch NEUKÖLLN! Dit hätte sich vor sieben jahre noch keener träumen lassen!

Und jenau dafür ham leute mit fremdsprachenkenntnisse een schönet wort erfunden: GENTRIFIZIERUNG. 

Im grunde jehts darum, diss leute mit mehr jeld denen mit wenich jeld die bezahlbaren wohnungn wegnehm. Dit passiert latürnich nich so eins zu eins, "böser kapitalist!", diss der mindestlohner schlachartich ausziehen muss, bloß weil jetz der bänkersohn aus frankfurt da is.

... sondern erst, wenn die räumungsklage durch is.

Nee, spaß beiseite: Dit jeschieht ooch schleichend. Wenn die leute mit fülle jeld erst mal da wohnen, denn wird plötzlich ooch der supermarkt teurer. Klar, weil er jetz endlich die kundschaft für handjeschöpften stutenkäse aus dem zentralen Meck-Pomm hat.

Na sicher doch, so funktioniert dit: Der billije jetränkemarkt muss wegziehn, weil een jeschäft für oberklasse-kinderwägen mehr miete zahlt wie een laden für grundnahrungmittel. Denn kommt der zweete und der dritte biomarkt und denn die waldorfschule.

Nüscht jegen ordentliche bildung! Aba die waldorfschule funktioniert mit zuzahlung. Dit is also eher nüscht für die leute, die mit jeder pfandflasche rechnen. Die hörn nur "zuzahlung" und finden denn, diss ihre kinder sowieso nich zu studieren brauchn.

Und den hauswirten is dit insjesamt nich unrecht, wenn se mehr jeld kriejen dafür, diss se ohnehin nüscht tun.

03 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (3)

"Hinter der Schlechtigkeit der Welt
steckt nicht einmal immer ein Plan!"

 
Großer Bloguator™

3.

Hier in der innenstadt is dit kaum noch möglich, ne bezahlbare mietwohnung zu finden. Seit wer hier hauptstadt jeworden sind ham wer bundesbeamte und den internationalen easyjetset. Und demnächst noch den jeheimdienst.

"Jeh heim!" Ha! Wär ja schön. Tun die aba nich. Ihr job is ja jetz hier und vülle billijer wie zu hause isset ooch. Und Berlin is voller sünde - nichmal ordentliche sünde ham die zu hause, dit am allerwenichsten. Pah!

Die ham vülle mehr kohle wie een einheimischer. Die beamten werden einfach besser bezahlt und der easyjetset lecht sein schwarzjeld sicher an, jenau dieset schwarzjeld, wat er bei sich zu hause seinem eigenen staat vorenhalten hat.

Und denn jibs noch leute, denen et in ihre heimat noch schlechter jeht. Die ham vülleicht wat jespart und finden, diss man in ne tolle stadt ooch mit ne hohe miete schon für ne jewisse zeit ürjendwie üba die runden kommt.

Amerikanische studenten, engländer, spanier, israelis - da is keen system dahinter, manche nation taucht hier zufällich öfter auf als andere. Wir ham aber natürlich ooch finnen, isländer und japaner.


28 November 2017

Kanne

aus unserer bekannten Reihe Erzählungen ohne Pointe


Der Große Bloguator™ kämpft seit langem mit Ablagerungen¹ in der Kaffeekanne¹ der Kaffeemaschine¹. Die Kanne ist in der Art einer Thermoskanne konstruiert und daher undurchsichtig, aber man kann von oben hinein sehen.

Das dort erwartete Soll ist eine ansehnliche Metalloberfläche. Das langjährig vorgefundene Ist war² eine innere Oberfläche mit der Anmutung eines Straßenbelages. Immerhin Asphalt, nicht Kopfsteinpflaster. Etwa so, wie man sich die Lunge eines leidenschaftlichen Rauchers vorstellt.

Wahrscheinlich weitgehend nur ein ästhetisches Problem, kein hygienisches. Trotzdem! Allein die Vorstellung.

Die erste Linderung ergab sich aus Hinweisen geneigter BlogleserInninnen. Nach etlichen eigenen Versuchen wurde von ihnen auf die Wirkungsmacht gewöhnlicher Spülmaschinentabs hingewiesen.

Der Trick funktionierte beim ersten mal sehr zufriedenstellend. Bei den nächsten Versuchen leider nicht mehr: Trotz intensiver Bemühungen genügten auch 10 Nachspülvorgänge nicht, um das strenge Geschirrspültab-Restaroma wegzufegen. Das machte den entstandenen Kaffee eine Zeitlang nur schwer genießbar.

Aber.

ABER!
In der westlichen Welt kursieren seit geraumer Zeit Narrative³ über die außerordentlichen Wunderkräfte des Backpulvers. Selbstverständlich gilt nach wie vor die Grundregel für das ganze menschliche Leben  “Glaub nicht alles, was man dir erzählt!” Backpulver kostet aber nicht viel, es kann nicht viel kaputt gehen und deshalb ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

Der Versuchsaufbau ist relativ simpel und lautet: 2 Päckchen Backpulver mit kochendem Wasser aufgießen und eine Nacht lang stehen lassen.

Und siehe, der Belag hat sich gelöst!

Man muss zwar immer noch mit einem groß genugen Tuch oder einer Flaschenbürste nachwischen, weil das angelöste Zeug an der Oberfläche klebt,  aber dann erkennt man einen Erfolg: Sehr befriedigend!






¹ so ziemlich alles überholte Konzepte
² Tempuswechsel nicht ganz unbeabsichtigt
³ ja, sicher doch, heute muss man so sagen! Früher waren das einfach Erzählungen. Oder Geschichten.


27 November 2017

Gentrifiz und Widerstand (2)

2.

Als MITEIGENTÜMER wirste so mitglied in ner eijentümerjemeinschaft, zu eenem dreizehntausendstel oder sechsundzwanzichhundertstel oder so. Nu koofen die leute aba keene wohnung, weil se sechsundzwanzichhundertstel-eijentümer von nem lagweilijen haus zusammen mit nem arschloch werden wolln.

Nee, die wollen steuern sparen! Also: Die globen ernsthaft, disse jeld sparen, wenn se nen kredit uffnehm und sich ne wohnung koofen. Einfach jeld sparen reicht die leute nich - erst weil et um steuern jeht werden die leute so richtich gierich.

Wer mich fracht: Logisch is dit nich. Da verlieren an sich vernünftije menschen einfach den verstand, wenn se sich einbilden könn, disse steuern sparen. ob se dadurch dem jemeinwesen wenijer jeld zur verfügung stellen kratzt die nich.

Die straße vor ihrem wohneijentum kann daher leider leider nich von ihre steuern jebaut werden. Sondern von die steuern, die eener zahlt, der keen eijentum hat.



25 November 2017

Gentrifiz und Widerstand (1)

Musik und Tön revisited


1.

Wir kenn inzwischn einije leute, die sich eijentum jekooft ham. Wohnung, keen haus. Meine familie und ick wohn ja zur miete. Wir wolln dit ooch nich anders. Mit dit eijentum ist dit so ne sache. In jede EIGENTÜMERGEMEINSCHAFT scheint dit immer mindestens een arschloch zu jeben. Dit is wohl so sehr naturjesetz wie die schwerkraft.

Die arschlöcher wolln sinnloset zeuch bauen, und alle andern nich. Oder die verhindern, diss sinnvollet zeuch jebaut wird, weil dit ooch ihr jeld kosten könnte. Oder weil et ihnen einfach nich passt, wenn andere leute zufrieden sind. also schießen se quer so jut wie se könn. Machen terz jegen kinderwägen im flur oder wejen falsch beleuchtete türschilder oder zu hohe kosten fürs laubharken. Oder weil nich jenuch laub jeharkt wird und nich jenau nach ihre vorstellung. Und oft jeht dit noch nichmal ums jeld, so wohnungseijentümer ham ja in der regel jenuch. Den arschlöchern jeht dit oft nur ums rechthaben.

Die wirste aber nich mehr los. Dit is ja die idee von eijentum, dit soll für ewich sein. "Wer Eigentum besitzt, begeht keine Revolution!" wusste schon Marx. Oder wars Lenin?

Weil de die arschlöcher nich los wirst wehrste dich jegen die. Und wenn de dich lange jenuch jegen die jewehrt hast wirste selber zum arschloch. "Wenn du zu lange in den abgrund blickst, blickt der abgrund in dich!" Ick weeß nich, ob dit würklich so jenau stimmt - klingt aber jut in diesem zusammenhang.

Deswejen is dit een sehr einsichtijer grund, warum man keen eijentum zu koofen brauch, finden meine susanne und ick. Außerdem ham wer jar nich so vülle jeld flüssich. Wir jeben dit jeld lieber gleich aus. Und erst een kredit uffnehm um jeld zu sparn finden wer ooch unsinnich, irjendwie. Dit is aba üblich, wenn de eijentum bilden willst: Du hast den wunsch, aba nie jenuch in bar.


weiter zum 2. Teil

Wahrnehmung

Es soll ja Leute geben, die nur das glauben, was sie sehen. Für die hab ich hier was hübsches, einen Künstler namens Vernon James Manlapaz. Er scheint in einer seltsamen Gegend zu wohnen. Deshalb veröffentlicht er diese schönen Beobachtungen auf Instagram und ist sehr produktiv:


oder


Öhm, ja. Da: https://www.instagram.com/vernbestintheworld/

kostenloser Counter