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22 Januar 2019

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Untote Grafen (2.2)

Fortsetzung


"Auf ihr ... ähm ... Wohl? Sagt man das so?"

"Wieso?"

"Unter Unsterblichen?"

"Aber natürlich. Nun, was wollten sie von mir wissen?"

"Das wissen sie doch sehr genau, wenn sie die ganze Zeit meine Gedanken lesen."

"Ich dachte, es macht ihnen ein warmes Gefühl, wenn sie es selbst aussprechen können. Irgendwie Autonomie, Selbstbestimmung."

"Ja, Herr Graf, schon gut, sie müssen mich nicht demütigen. Ich habe es einfach sehr selten mit Halluzinationen zu tun, die meine Weinvorräte leeren und ansonsten über völlig übernatürliche Kräfte verfügen."

"Gut. Also, was sie gerade fragen wollten: Ich bin hier, weil mein Chef mich nicht irgendwo anders hin geschickt hat. Ich will es nicht 'Aufgabe' nennen. Viele meiner Aufträge sind aus meiner Sicht völlig sinnlos. Sie erschließen sich meiner Logik nicht. Da aber mein Chef so viel mächtiger ist als ich, komme ich zu der Annahme, dass es vielleicht an meiner mangelnden Auffassungsgabe liegt."

"Wie sieht ihr Chef denn aus?"

"Das kann ich nicht beschreiben. Häufig sehe ich ihn gar nicht. Er hinterlässt mir zuweilen Botschaften auf Zetteln, etwa an der Kühlschranktür. Da hing nicht zufällig ein Zettel an ihrem Kühlschrank?"

"Der Ingenieur hatte Putzdienst. Er hat heute morgen die Küche desinfiziert, da ist kein Krümelchen mehr, schon gar keine Zettel am Kühlschrank. Ich staune, dass wir überhaupt noch eine Kühlschranktür haben."

"Also nicht. Hm."

"Und sonst?"

"Ach so, ja, die Gestalt meines Chefs ist, wie es ihm gerade gefällt. Er ist mir schon als sprechende Ziege entgegengetreten. Und als leise stöhnender Geysir."

"Und warum?"

"Ich weiß es nicht. Er hat wohl seine Gründe. Sie übersteigen meine Erkenntnisfähigkeit. Ich tröste mich damit, dass ich mir einrede, er täte es einfach aus Langeweile."

"Das tröstet sie?"

"Nun, stellen sie sich vor: Er ist die mächtigste Wesenheit im gesamten Universum. Er hat alles. Er kann alles. Er ist allwissend. Er ist allmächtig. Und dennoch ist ihm langweilig. Tröstet sie das nicht?"

"Naja... schon. Aber, wenn sie mal nicht wollen?"

"Ob ich versucht habe, abzuhauen?"

"Ja."

"Nun, stellen sie sich vor: Er ist die mächtigste Wesenheit im gesamten Universum. Er hat alles. Er kann alles. Er ist allwissend. Er ist allmächtig. Und ich versuche, abzuhauen."

"Und?"

"Dass er mich auf eine Sonne geschickt hat, war noch harmlos. Mein Gewand ist verbrannt, nach einer Weile erwachte ich wieder, nackt, aus einer Ohnmacht, auf irgendeinem gottverlassenen … ha, ha … Planeten. Dort war es kalt und ich musste mich um Kleidung kümmern. Ich weiß nicht, wie viele Generationen nach ihrer Zeitrechnung das gedauert hätte. Hat."

"Hätte hat?"

"Genau. Ich weiß es nicht. Ich reise übrigens auch in der Zeit umher. Und es ist nicht im geringsten aufregend."

"Nicht?"

"Manchmal keine Menschen. Oft keine Lebewesen. Zuweilen keine Vegetation. Mitunter nicht einmal ein Planet."

"Das geht?"

"Wenn sie untot sind, ja."

"Und wie ist das so?"

"Ich schiebe Asteroiden hin und her, drücke mich von einem ab, versuche, Kollisionen hervorzurufen."

"Billard im ganz großen Rahmen!

"Eher so mittellustig. Manchmal sind da auch keine Asteroiden. Nur die weite dunkle Stille. In jeder Richtung ein paar Lichtjahre weit Nichts."

"Oha, das klingt öde!"

"Ein paarmal hatte ich die Nase voll. Ich bin in einen Vulkan gesprungen. Das war noch vor der Sonne. Die Lava hörte auf, zu kochen, ich hatte am Ende einen Steinklumpen am Bein. Nach der Erfindung der Schusswaffen auf ihrer Erde habe ich es damit versucht. Großes Kaliber, gegen die Schläfe, mitten durchs Gehirn. Hat eine Weile geblutet. Irgendwann hörte es auf. Ich hatte schreckliche Kopfschmerzen."

"Es muss doch irgendeine Methode geben?"

"Ja, danke für ihre Fürsorge! Das dachte ich auch. Ich war so verzweifelt, ich habe mich in einen großen Holzschredder gestürzt. Das sollte doch wirklich genügen - könnte man meinen. Der Matsch der dabei herauskam, muss eine schreckliche Schweinerei gewesen sein. Am Ende versammelten sich alle meine Einzelteile und Moleküle, so als seien sie magnetisch, und ich wurde wieder zusammengesetzt. Sogar mit Kleidung diesmal. Das war der Moment, in dem der Chef mir als sprechende Ziege gegenübertrat."

"ER? Sie wissen, dass er männlich ist?"

"Nur so eine Gewohnheit. Könnte auch eine Frau sein. Nach ihren irdischen Begriffen. Der Vergleich mit jedweder menschlichen Erscheinungsform ist unzutreffend. Es ist ja nicht so, dass Männer weniger zickig wären. Ha, ha, Ziege!"

"Und? Was hat er gesagt?"

"Nichts von Belang. Irgendetwas triviales. Er weiß, dass er mich damit zum Wahnsinn treibt. Eine Ziege, die sich bedeutungsvoll räuspert und etwas sagt wie 'Hast du immer noch nicht genug?' oder so ähnlich. Ich brauche ihn nicht zu fragen, was das soll. Er antwortet nicht. Jedenfalls nichts vernünftiges. Er ist wie ein Kind, das mich als Spielzeug benutzt."

"Selbstmitleid beim Adel, ja?"

"Auf der Erde wäre ich in ihrer Zeit der mächtigste Mensch der ganzen Welt! Ich bin nur deshalb ein untoter Graf, weil er es so will. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, wie lange. Ich kann mir nur einreden, dass er vielleicht irgendwann genug von mir hat."

"Sehr bedauerlich!"

"So ist es. Die andere Flasche Chardonnay - könnten sie die jetzt holen?


20 Januar 2019

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Untote Grafen (2.1)


“Oh, nein, Herr Graf! Da sprechen wir eben noch von ihnen - was machen sie denn hier?"

"Sie wissen doch, wie leicht es ohnehin ist, ihre Gedanken zu lesen - auf diesem leeren Planeten sind sie kaum zu überhören."

"Und deshalb besuchen sie uns wieder?"

"Sie haben ihren fantastischen Chardonnay erwähnt. Da ich mich gerne daran erinnere, dachte ich, dass ich sie einmal aufsuchen müsste."

"Warum sind sie überhaupt noch hier?"

"Weil ich nicht fort bin."

"Und warum sind sie noch nicht fort?"

"Sie sind aber neugierig! Dafür, dass sie mich zur Halluzination erklärt haben, wollen sie überraschend viel wissen!"

"Ich bin am Wohlergehen meiner Halluzinationen nun einmal sehr interessiert."

"Das freut mich. Also, wegen ihres Chardonnay ...?"

"Ich habe zur Zeit nur zwei Flaschen, muss erst wieder neuen erzeugen lassen, aber das braucht seine Zeit."

"Kalt?"

"Selbstverständlich!"

"Holen sie sie. Dann erzähle ich.”

"Na schön. Kann aber einen Moment dauern."

"Wer ist denn hier neugierig - sie oder ich? Ich werde es mir so lange im Korbsessel auf der Terrasse des Raumschiffs bequem machen, während sie da drin verschwinden...

... Käpt'n, was tun sie da? Nein, im Keller ist der Wein nicht! Er befindet sich ganz hinten im Kühlschrank, haben sie das vergessen?"

"Ja, habe ich wohl. Aber sie wissen es?"

"Natürlich, ich kann ihre Gedanken lesen."

"Selbst die vergessenen?"

"Ist kein so großer Unterschied. Die, an die sie sich selbst irgendwann wieder erinnern können, kann ich selbstverständlich ebenfalls lesen."

"Und die verdrängten?"

"Das hängt von der Verdrängungstechnik ab."

"Wovon?"

"Davon, mit welcher Technik sie verdrängt haben."

"Es gibt verschiedene Techniken?"

"Das müssten SIE doch am besten wissen. SIE verdrängen doch! Überschreiben mit angenehmeren. Schockieren. Drogen. Körperliche Verausgabung."

"Äh, ja, danke, so verdränge ich wohl."

"Der Wein steht in der Küche, wie gesagt, ganz hinten im großen Kühlschrank.

Aus der Küche hörte man Klappern und Räumen. Dann leises Klirren.

"Also Käpt'n, hören sie, nicht die billigen Gläser, das ist stillos! Nehmen sie gefälligst die guten!"

"Aber Herr Graf, sie wissen doch dann ebenso gut wie ich, wie schlecht man da rankommt!"

"Diese billigen Pressgläser sind stillos! Strengen sie sich gefälligst an! Es ist IHR hervorragender Chardonnay! Das hat er nicht verdient!"

Leises Stöhnen aus der Küche. Nach einer Weile tauchte der Käpt'n mit einem Tablett wieder auf, darauf zwei Kristallkelche und eine Karaffe mit dem Wein.

“Verzeihung, ich musste ihn umfüllen. Wenn er aus dem Erzeuger kommt, bewahren wir in in praktischen Universalgefäßen auf, aber die sind sehr unansehnlich."

"Na, sehen sie Käpt'n, es geht doch! Vielen Dank, cheers!"


to be continued

06 Januar 2019

Ferne Welten - Galaktische Römer


Wir befinden uns in nicht allzu ferner Zukunft, auf einem Planeten, den die ersten Besucher von der Erde "Frankensteins Zoo" getauft haben. Das hat mit den Eigenheiten des Planeten zu tun, die nicht in allen Punkten den menschlichen Erwartungen entsprechen. 

Die ersten Besucher von der Erde sind eine dreiköpfige Raumschiffbesatzung, bestehend aus dem Kapitän, dem Arzt und einem Ingenieur, der nicht spricht. Ein riesiger Schleimpilz wandert, liest Gedanken und formt mit seinem flexiblen Fruchtkörper zuweilen die vorgefundenen Phantasiebilder eins zu eins nach, ein unheimlicher Pantomime.

Im Zuge der ersten relativistischen Reise ist den ersten relativistischen Reisenden inzwischen völlig unklar, ob dieser Planet und sein Sonnensystem nun hundertzwölf oder tausendzwölf Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Oder irgendeine beliebige andere unüberwindliche Entfernung. Sie werden von Heimweh, Sehnsucht und einer gewissen schöpferischen Unruhe heimgesucht. Manchmal ist ihnen langweilig.


"Schon komisch, dass wir so weit draußen noch niemanden getroffen haben, was Käpt'n?"

"Wir haben den untoten Grafen getroffen."

"Der zählt nicht!"

"Wieso soll der nicht zählen?"

"Der war eine Halluzination!"

"Ihre Halluzination hätte sie in Einzelteile zerlegt und gegessen, wenn ich ihn nicht besänftigt hätte!"

"Glauben sie."

"Ja, glaube ich. Na gut, einigen wir uns auf ‘sehr eindrucksvolle Halluzination’. Mal sehen, wann uns die Halluzination wieder besucht und meinen Chardonnay wegtrinkt."

"Aber sonst, warum ist denn hier niemand?"

"Wen wollten sie denn treffen, hier auf Frankensteins Zoo?"

"Na, so wie uns muss es doch auch andere Zivilisationen geben, die intergalaktisch reisen können? Oder meinetwegen auch nur galaktisch."

"Muss es?"

"Nun, einfach wegen der Wahrscheinlichkeit. Eine Galaxie mit Milliarden von Sternen. Jeder zehnte oder so hat Planeten, aber dafür immer mehrere. Selbst wenn die Entstehung von Leben auf vielen Zufällen beruht - bei Milliarden von Möglichkeiten muss es doch wenigstens ein paar geben, die zufällig genauso weit gekommen sind, wie wir?"

"Aber wir sind doch nicht weit gekommen. Drei hilflose Gestalten, von denen einer nicht spricht, haben die Entfernung von hundert Lichtjahren überwunden."

"Oder tausend..."

"Ja, ja, ja, schon gut! Ich weiß es nicht genau! Sie müssen mich nicht ständig wieder darauf hinweisen!"

"Nun, sehen sie mal, Käpt'n: Selbst wenn wir heute noch hilflos umher irren, wird das in ein paar hundert Jahren ganz anders sein. Die Menschheit wird sich entwickelt haben, viel weiter sein, wird in der Lage sein, viel größere Entfernungen zu überwinden. Und vielleicht werden die Raumfahrer dann sogar bestimmen können, wo sie gerade sind."

"Ich habe sehr genau bestimmt, wo wir gerade sind! ABER WIR SOLLTEN HIER NICHT SEIN!"

"Aber hier ist es doch ganz schön? Ich wundere mich doch nur darüber, das wir allein sind. "

"Bis auf den..."

"JA! BIS AUF DEN GRAFEN! Ich meine: Warum ist hier niemand außer uns? Die anderen müssen den Planeten doch gesehen haben. Die müssen doch auch Forscher haben. Und Eroberer!"

"Sie erwarten ein galaktisches römisches Reich, was?"

"Wieso römisches Reich?"

"Die Römer waren die am besten organisierte Zivilisation ihrer Zeit. Zivilisationen gab es zu diesem Zeitpunkt schon viele. Viele  kannten sich untereinander sogar, Phönizier, Griechen, Inder, Karthager, Ägypter. Aber die Römer waren in der Lage, die anderen zu erobern und niederzuwerfen. Das ging nur mit einer fantastischen, aber beängstigend destruktiven Organisation."

"Worauf wollen sie hinaus?"

"Darauf, dass ich Angst habe, die galaktischen Römer zu treffen. Eine außerirdische Zivilisation, die technologisch noch weiter ist als wir, aber intellektuell und moralisch unterhalb der Stufe von Kannibalenstämmen steht. Und die dann ein galaktisches römisches Reich errichtet."

"Jeder römische Bürger konnte sich in den Grenzen des Reiches frei bewegen!"

"Aber nicht jeder Mensch in den Grenzen des Reiches war römischer Bürger. Viele waren Sklaven. Und ebenso viele waren schlicht Beutegut, eine Hemmnis bei der Eroberung der benachbarten Länder."

"Na, na..."

"Julius Cäsar brüstete sich sogar damit, dass er die halbe Bevölkerung des von ihm eroberten Gallien niedergemetzelt hatte, und die andere Hälfte in die Sklaverei geführt. Er schickte stolz Listen darüber nach Hause. Das war nur möglich, weil die Römer technologisch fortschrittlich waren, sowie sehr gut organisiert. Und skrupellos."

"Als Eroberer muss man doch skrupellos sein. Sie wollten eben ein bequemes Leben auf Kosten der anderen."

"Die Idee von der Eroberung, von dem immer weiteren Wachstum, hatte sich aber völlig verselbständigt. Sie hätten auch bequem auf Kosten der anderen leben können, ohne das Reich immer noch weiter auszudehnen. Ihnen war egal, *warum* sie die Welt erobern sollten, und was dabei alles zerstört würde."

"Mag schon sein. Müssen wir die Römer jetzt noch verurteilen? Immerhin sind sie tot."

"Aber diese Idee nicht! Jetzt stellen wir uns einen solchen Charakter im galaktischen Maßstab vor."

"Nein, das ist doch ganz anders! Eine barbarische Zivilisation entwickelt sich doch gar nicht so weit!"

"Na klar doch, selbstverständlich. Alle alten großen Weltreiche gründeten auf der reinen Barbarei: Der Kaiser Chin, die Mongolen, die Amerikaner. Einige haben es versucht, aber die technologische Führung genügte nicht, wenn sie nicht ausreichend organisiert waren."

"Welche sollten das sein?"

"Beispielsweise die Deutschen zur Zeit der Hunnen. Also, ich meine zur Zeit der Nazis. Die wollten sich die ganze Welt untertan machen. Technologisch waren sie führend in der Welt. In ihrem Überlegenheitswahn auch. Wurden aber von unterentwickelten Völkern zurückgeschlagen, die wussten, worauf es wirklich ankommt. Bis dahin hatten sie ebenfalls Millionen wehrloser Menschen umgebracht - wie viel verschwendetes Potential!"

"So, so."

"Ja, ich finde auch, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass da draußen außer uns noch andere sind. Und deshalb bin ich froh, wenn wir weder die galaktischen Römer noch die galaktischen Deutschen treffen, die gnadenlos ein Reich über die halbe Galaxis errichten. Und den untoten Grafen haken wir vorläufig unter Halluzination ab. Bis er mir wieder meinen Chardonnay wegtrinkt.”

31 August 2013

Ferne Welten

Wanderslust


 

"Sagen sie Käptn, wollen wir uns nicht einmal die Berge da hinten ansehen?"

"Sie meinen die Bergkette da am Horizont?"

"Andere sind hier ja nicht."

"Doch, hinter dem Horizont sind noch andere."

"Ich meine: Andere sind von hier aus nicht zu sehen. Also: Ja - die Bergkette da am Horizont."

"Das sind über zweihundert Kilometer. So weit kommen wir mit dem Gyros* nicht."

"Nicht?"

"Genaugenommen: Hinfliegen können wir mit dem Gyros schon. Aber zurück müssen wir zu Fuß, die Batterie reicht nicht so weit."

"Na, dann laufen wir eben hin."

"Großartige Idee! Wenn sie den Gyros tragen, dann können wir immerhin zurück fliegen."

"Warum soll die Batterie nicht ausreichen? Wir sind hier auf Raumfahrt! Das sind Hochleistungsakkus der neuesten Generation!"

"Nicht ganz. Ich weiß nicht, was mit den Akkus der neuesten Generation geschehen ist. Unsere Verwaltung hat uns jedenfalls nur welche der vorletzten Generation mitgegeben. Die waren gebraucht und hatten schon beim Abflug etliche Ladezyklen hinter sich. Der Gyros kommt damit 250km weit und dann bleibt er stehen. Automatische Landesequenz. Stille."

"Schade."

"Ja."

"Aber dann fahren wir eben mit dem Rover hin. Dauert eben einen Tag länger, aber das muss doch möglich sein!"

"Doc, lesen sie eigentlich manchmal meine Memos? Ich meine die Memos, die ich fast täglich liebevoll zur Information unserer dreiköpfigen Besatzung verfasse?"

"Schon, manchmal. Wieso?"

"Und auch die automatische Kartographierung des Planeten, die wir vor der Landung angefertigt haben?"

"Naja..."

"Naja heißt: Nein?"

"Naja ... ich habe die automatisch erstellte Karte nicht auswendig gelernt."

"Aha."

"Ja, tut mir leid."

"So? Zwischen uns und diesen Bergen liegen zwei große Flüsse, jeder anscheinend mit erheblichem Gefälle, Strömung, Stromschnellen. Einer verschwindet mittendrin für ein paar Kilometer. Wenn wir da mit dem Rover hinein fahren landen wir sonstwo, aber nicht am anderen Ufer."

"Aber irgendwie müssen wir dort doch hinkommen!"

"Nein."

"Das ist doch gar nicht weit!"

"Mag sein. Aber wir kommen nicht hin."

"Wir haben zwölf Lichtjahre überwunden und Milliarden von Kilometern, und jetzt sind zweihundert Kilometer zu weit?"

"Hundertzwanzig."

"Ich dachte es sind zweihundert Kilometer?"

"Hundertzwanzig Lichtjahre."

"SIE! WISSEN! ES! DOCH! AUCH! NICHT!"

"Schon möglich. Aber die Berge da drüben sind jedenfalls zu weit weg. Was wollen sie dort überhaupt? Den Yeti treffen?"

"Nein."

"Fangen sie doch erst einmal mit unserem Ingenieur an, da haben sie geheimnisvolle Lebensform genug."

"Nein."

"Also, was wollen sie da hinten in den Bergen?"

"Schnee."

"Schnee?"

"Ich habe seit Jahren keinen Schnee mehr aus der Nähe gesehen."

"Mein Gott! Es wird doch einmal zwei Jahre ohne Schnee gehen!"

"Und Berge. Ich war früher immer Bergwandern."

"Sie haben hier genug andere Aufgaben! Wir sind nicht zum Bergwandern hierher gekommen!"

"Aber schon auch."

"Nein."

"In meiner Freizeit kann ich machen was ich will!"

"Das klingt mir aber sehr nach Freizeit in wissenschaftlicher Verkleidung... ihre Freizeit taucht doch nachher als Arbeit auf dem Stundenzettel auf."

"Und wenn schon. Auf einem schneebedeckten Gipfel stehen und in die Ebene sehen - ein erhebendes Gefühl!"

"Mag sein."

"Was sollen wir denn sonst machen, wenn es hier schon keine Frauen gibt?"

"Kalt duschen?"

"Das ist doch furchtbar! Haben sie keinen besseren Vorschlag?"

"Ich habe neulich geprüft, ob mein gespeichertes Archiv-Abbild für Single-Malt intakt ist..."

"Sie haben mit dem Erzeuger Malzwhisky hergestellt?"

"Äh, ja... nur um die Konsistenz des digitalen Archivs zu prüfen!"

"Malzwhisky."

"Ja, eine Flasche."

"Holen sie sie!"

 

 

 

 


* der Gyrokopter, ein elektrisch betriebener Tragschrauber, der aussieht wie zwei zusammengeschraubte Föns. Und wohl auch so ähnlich funktioniert.

15 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Sternschnuppen (2)


das tägliche Sternschnuppen-Feuerwerk auf Frankensteins Zoo ereignet sich nicht ganz so zufällig wie auf der Erde - Fortsetzung von Teil 1


"Weil ... weil ... mit fehlen die Worte! Wie haben sie das gemacht?"

"Küchenabfälle."

"Was?"

"Sternschnuppen sind ja im Grunde nichts anderes als verglühende Staubteilchen. Nach unserer Landung hier habe ich zuerst den Teleskopsatelliten gestartet. Ich dachte mir, dass ein romantisches Feuerwerk vielleicht doch ganz schön wäre und habe ihn mit unseren gehäckselten Küchenabfällen beladen. Er verstreut sie jetzt regelmäßig."

"Sie haben sie auch noch gehäckselt?"

"Wenn da oben ganze Teile verglühen hätte das womöglich einen Raketenalarm in unserem Verteidigungssystem ausgelöst und der vierte Weltkrieg wäre ausgebrochen. Ausgerechnet hier. Und ich hätte ihn losgetreten - stellen sie sich das vor! Da habe ich alles lieber zerkleinert."

"Womit? Haben sie dafür auch eine Maschine gebaut oder haben wir eine spezielle dabei?"

"Nein, ich wollte nicht lange suchen, das habe ich von Hand getan, scharfes Messer, zack - und los!"

"Wie zur Hölle sind sie darauf gekommen, unsere Küchenabfälle in der hiesigen Atmosphäre zu verklappen?"

"Naja, ich dachte mir, die brauchen wir wahrscheinlich nicht mehr?"

"Diese Annahme ... ist ... vermutlich ... zutreffend."

"Ich hätte natürlich auch eins ihrer Hefte nehmen und zerkleinern können."

"Um es in die Atmosphäre zu streuen?"

"Sicher. Beim Wiedereintritt verglüht so ziemlich alles. Aber Bananenschalen verglühen anders als Alufolie oder Plastiktüten, jedes hat seine spezifische Farbe. Bei ihren Heften weiß ich nicht..."

"Und dann haben sie unseren Küchenmülleimer in den Teleskopsatelliten geleert?"

"Nach dem Häckseln, ja. Aber ganz so einfach war es natürlich nicht. Er hat eine Zeitschaltuhr und einen Helligkeitssensor."

"Wofür das denn?"

"Nun, das ist doch ganz klar: Damit er Bananenschalen, Alufolie und Plastiktüten immer nur an unserem Nachthimmel ablädt, wenn wir auch wirklich etwas davon haben. Tagsüber wäre das doch Verschwendung, da sehen wir doch gar keine Sternschnuppen. Ein paar Erdnussschalen und Zahnpastatuben sind auch dabei. Das müssen diese leuchtend grünen Dinger sein."

"Sie kontaminieren die Atmosphäre dieses Planeten mit unseren Küchenabfällen?"

"Ach was, nach dem Verglühen sind das nur Spurenelemente, völlig steril, auf tausende Grad erhitzt und verdampft, was soll da passieren?"

"Schön, vielleicht. Dennoch ist es ein Eingriff!"

"Na sicher. Ich bereue!  ... aber jetzt sehen wir uns erst einmal diesen fantastisch farbenfrohen Strom von Sternschnuppen an. Noch einen Chardonnay?"


13 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Sternschnuppen (1)


zur Erläuterung: Die Mysteriöse Begegnung mit dem Grafen schließt den ersten Band ab. Aber so lange unsere Raumfahrer nicht nach Hause gefahren sind geht es natürlich weiter mit Berichten aus ihrem Alltag auf dem Planten namens "Frankensteins Zoo". Das wird dann der zweite Band.


"Ah, Käptn, da sind sie ja!"

"Ja, da bin ich. Feierabend."

"Setzen sie mich zu mir auf die Terrasse und beobachten sie diese erstaunlichen Sternschnuppen!"

"Erstaunlich? Was finden gerade sie denn an Sternschnuppen erstaunlich, Doc?"

"Sie leuchten sogar in verschiedenen Farben! Bei uns auf der Erde sind sie immer nur weiß."

"Ach das - ja, das habe ich gut hingekriegt, nicht wahr?"

"Sie? Was haben sie mit den Sternschnuppen da oben zu tun?"

"Für eine Seifenblasenmaschine fehlte mir das Material."

"Bitte?"

"Seifenblasen - das sagt ihnen doch etwas?"

"Schon ... aber ... mir ... fehlt irgendwie der Zusammenhang."

"Die Flüssigkeit dafür können wir leicht mit unserer Bordapotheke herstellen. Sogar einen Propeller hätte ich noch irgendwo ausbauen können. Aber der kleine Motor für die Ringe, die immer in die Flüssigkeit tauchen und ..."

"Motor? Was erzählen sie da?"

"Seifenblasenmaschine. Ein paar Ringe werden auf einem Rad montiert, tauchen in die Flüssigkeit ein und ein Propeller pustet Luft durch, so dass sie davon schweben."

"So?"

"Genau. Ich hätte natürlich einen Lüftermotor vom Bordcomputer ausbauen können, da sind ja mehrere drin. Der Bordcomputer wird sicher auch mit einem weniger auskommen."

"Sie wollten die Kühlung von unserem Bordcomputer entfernen und für eine Seifenblasenmaschine verwenden?"

"Warum nicht?"

"Sind sie wahnsinnig?"

"Und wenn schon. Das Leben ist endlich. Für eine schöne Seifenblasenmaschine hätte es sich wirklich gelohnt."

"Sie sind wahnsinnig!"

"Meine Güte, nennen sie es eben Wahnsinn. Ich nenne es Kreativität! Nur dass mir ständig etwas fehlte."

"Mein Gott! Was denn noch?"

"Erst waren es ein paar Zahnräder, dann schlichte Transmissionsriemen, und dann habe ich nur einen 48Volt-Transformator gefunden. So einen Motor hatten wir leider wirklich nicht übrig, und deshalb fehlte mir für eine komplette Seifenblasenmaschine das Material."

"Sei-fen-bla-sen!"

"Schon, ja."

"Aber Käptn, was hat das denn mit diesen wunderschönen Sternschnuppen zu tun?"

"Seifenblasen, Sternschnuppen, die haben sehr viel gemeinsam."

"Ach? Haben sie?"

"Die Vergänglichkeit, die Wehmut, die ihnen anhängt. Man wünscht sich etwas, sieht das Leuchten und ahnt, dass es sogleich wieder verschwunden sein wird. Der Mensch geheimnisst etwas hinein, und kaum hat er das getan - plopp! - ist es vorbei!"

"Und die Sternschnuppen?"

"Naja, ich dachte, wenn ich keine Seifenblasenmaschine bauen kann, versuche ich eben etwas anderes..."

"Und ... sie ... haben ... so etwas erhabenes ... wie Sternschnuppen ...  versucht?"

"Klar, warum nicht?"



Eben. Warum nicht? Zum 2. Teil hier entlang 

11 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (10)


from science fiction to gothic novel in nullkommanix!



"Aber sie essen nicht unseren Ingenieur! Hände weg!"

"Hindern sie mich daran..."

"Das werde ich!"

"So wie sie den Schleimpilz neulich reingelegt haben?"

"Der Schleimpilz ist etwas ganz anderes!"

"Richtig. Er kann auch ihre Gedanken lesen. Da sind wir schon zwei. Ziemlich viele für einen einzelnen Planeten, nicht?"

"Mag sein. Lassen sie einfach unseren Ingenieur in Ruhe ... bitte!"

"Na schön. Ich werde auf dem Heimweg drüber nachdenken."

"Heimweg?"

"Das wollen sie nicht wissen. Müssen sie nicht nach Hause, zu ihrem Schiff? Weil ihr Kollege Bordarzt mit dem Essen wartet?"

"Ja - woher wissen sie? ... ach, schon gut.“


- over and out -

10 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (9)



from science fiction to gothic novel in nullkommanix!




"Meine Behörde bestraft mich nicht wegen eines Fehlers."

"Ach? Da habe ich etwas anderes gehört."

"Wie?"

"Ich lese ihre Gedanken, schon vergessen?"

"Ja. Nein. Strafen sind nicht vorgesehen. Wir sollen Ergebnisse nach Hause bringen. Das geht am besten, wenn wir noch am Leben sind, denke ich."

"Oh, wie ich sie vermisse, die kleinlichen Zwänge!"

"Ja, natürlich. Entschuldigung. Ich muss dann mal wieder ... mich auf den Weg machen ... und so ... sie wissen schon."

"Ja, ich weiß schon. Ich lese ihre Gedanken."

"Oh! Ich äh..."

"Glauben sie, dass er schmackhaft ist, ihr Ingenieur?"

"Das müssten sie ... schon selbst ... herausfinden ... nein! Was sage ich da? Nein! Lassen sie unseren Ingenieur in Ruhe! Der hat ihnen nichts getan!"

"Aber er geht ihnen doch auf die Nerven?"

"Ja! Schon! Aber das ist doch kein Grund!"

"Für mich schon."

"Nein! Lassen sie ihn in Ruhe! Wir brauchen ihn noch!"

"Sind sie da ganz sicher?"

"Ich ... weiß nicht. Aber lassen sie ihn in Ruhe! Er ist nur eine harmlose Nervensäge!"

"Wirklich? Schade. Sehr schade."

"Finden sie nicht irgendetwas anderes das sie ... austrinken ... können?"

"Schon. Die hiesigen Zombies ... wie sie diese Tiere nennen. Die sind ebenfalls sehr schmackhaft."

"Das sagt unser Doc doch auch! Und? Was spricht dagegen?"

"Zombie habe ich hier jeden Tag. Und es macht nicht so viel Spaß. Mensch macht deutlich mehr Spaß."

"Spaß?"

"Das Auge isst mit - das haben sie doch auch schon gehört?"

"Aber ... unser Ingenieur ist ganz hässlich!"

"Sinngemäß. Es geht nicht um 'Schönheit'. Essen soll eben Spaß machen, nicht nur einfach so ernähren. Das wäre doch viel zu einfach, oder?"



 Fortsetzung - zum nächsten Teil


 

09 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (8)



from science fiction to gothic novel in nullkommanix!



"Hat ... hat ihr Chef ihnen das nicht gesagt? Dass sie seine Freunde nicht pfählen dürfen?"

"Damals kannte ich ihn noch nicht persönlich."

"Aber ... das ist doch längst verjährt!"

"Mag sein. Damals wurde ich dann untot."

"Was kann daran schlimm sein?"

"Wissen sie wie furchtbar es ist, untot zu sein? Haben sie eine Vorstellung?"

"Was kann daran schlecht sein? Dass keine Versicherung sie mehr aufnimmt?"

"Nein! Aber finden sie nur einmal eine Frau, die einen Untoten heiratet!"

"Sie meinen, weil es da nichts zu erben gibt?"

"Nein! Weil es unheimlich ist! ... den meisten Menschen jedenfalls. Bis auf die, die einen kompletten Dachschaden haben. So eine wollen sie dann auch nicht."

"Nicht?"

"Und weil die Frau selbstverständlich nicht untot ist."

"Nicht ... untot ...? Hm. Also: tot?"

"Sterblich! Sie altert! Während ich in der Blüte meiner Jahre verharre! Ich will doch nicht mit einer alten faltigen Vettel verheiratet sein!"

"Kann es sein, dass sie ziemlich wählerisch sind?"

"ICH BIN DER UNTOTE GRAF!"

"So, so. Aber sind ihre Untaten nicht irgendwann verjährt?"

"Wären sie wohl. Aber dann habe ich anscheinend die falschen Leute ausgetrunken."

"Ausgetrunken?"

"Was glauben sie denn, wovon man sich so ernährt, als Untoter?"

"Ich ... ich ... bin Naturwissenschaftler. Ich habe nicht die geringste Ahnung."

"Jedenfalls waren da anscheinend schon wieder Freunde vom Chef dabei. Hätte er mir aber auch sagen können."

"Hat er nicht? Oder dachten sie, dass er es nicht merkt?"

"Ich dachte, dass er es nicht bemerkt."

"Und jetzt?"

"Sind wir hier."

"Sie sind hier. Ich bin hier zu einer Expedition: Forschung. Wissenschaft."

"Ach? Nicht als Strafe? Wer ist denn ihr Chef?"

"Ich arbeite für eine Behörde!"

"Nun, das scheint ja um vieles besser zu sein."




Fortsetzung - zum nächsten Teil


08 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (7)



from science fiction to gothic novel in nullkommanix!

"Ich habe die falschen Leute gepfählt."

"Sie haben ... was?"

"Gepfählt. Pfählung. Eine Form der Hinrichtung, bei der der Delinquent von hinten aufgespießt wird wie ein Spanferkel, und dann wird er auf der Lanze aufgerichtet und zur Schau gestellt."

"Sie haben Todesstrafen durchgeführt?"

"Verhängt. Ich mache mir doch nicht die Hände schmutzig! Was glauben sie, wie mein Hemd da aussähe?"

"Keine Ahnung. Sie sind ... Richter?"

"Richter? Ich brauchte keine Richter! Ich bin der Graf! Da fragt man nicht nach Richtern! Hätte jemand nach einem Richter gerufen - ich hätte ihn umgehend ebenfalls pfählen lassen."

"Aha. Und was hatten die Leute verbrochen, die sie gepfählt haben?"

"Verbrochen, Verbrechen! Seien sie doch nicht so engstirnig! Es ging um Abschreckung! Da darf man nicht kleinlich sein!"

"So? Sondern?"

"Ich habe großzügig jeden pfählen lassen, der meinen Bruder kannte."

"Der ihn nur kannte?"

"Sicher. Mein Bruder strebte nach meinem Thron. Ich wollte gründlich sein."

"Und?"

"Dummerweise waren anscheinend ein paar Lieblinge von meinem Chef dabei."

"Aber das ... muss doch ... Jahrhunderte her sein?"

"Ist es."



Fortsetzung - zum nächsten Teil


07 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (6)



from science fiction to gothic novel in nullkommanix!

"Das ist keine Ausrede! Wer soll das überhaupt sein, ihr Chef?"

"Wollen sie ablenken?"

"Nein! Wer ist das?"

"Er hat keinen Namen."

"Sie müssen doch wissen, für wen sie arbeiten?"

"Er hat sich mir nie vorgestellt."

"Seit wann geht das so?"

"Ein paar hundert Jahre vielleicht. Ich zähle nicht mehr mit."

"Das ist unmöglich!"

"Sie müssen es ja wissen. Das mit den Jahren ist natürlich sehr relativ. Wenn ich immer wieder auf anderen Planeten bin, sind auch die Umlaufzeiten um die jeweilige Sonne sehr unterschiedlich. Ich müsste meine Lebenssekunden in Jahre umrechnen. An diesem Punkt habe ich aufgehört, mitzuzählen."

"Das ... kann nicht ... sein...!"

"Natürlich nicht. Wenn mein Chef sehr schlechte Laune hat schickt er mich auf Planeten ohne Eigenrotation, dort gibt es dann keinen Tag und Nacht. Oder auf den Mond der Erde. Dort gibt es gar nichts. Das ist vielleicht langweilig."

"Und was soll das sein, ihre Arbeit?"

"Ich existiere."

"Sonst nichts?"

"Mein Chef glaubt wohl, ich räume auf. Nein, er wird es vermutlich wissen. Ich weiß nur, dass ich existiere."

"Das ist alles ... sehr interessant ... irgendwie. Ich muss zurück zum Schiff."

"Haben sie einen Termin?"

"Abendessen. Besprechung. Der Doc kann sehr gut kochen. Schauen sie doch mal vorbei, wenn sie in der Nähe sind."

"Den Ingenieur brauchen sie eigentlich gar nicht, oder?"

"Der Ingenieur glaubt, ja. Wir sagen ihm immer: Nein. Wieso?"

"Ihr Ingenieur ist sicher sehr schmackhaft."

"Mag sein. Ich werde ihn nicht probieren. Aber, warum schickt Ihr Chef sie so durch das ... Universum? Nur mal angenommen, dass wenigstens die Interpunktion an ihrer Geschichte stimmt."

"Ich war unbotmäßig."

"Hat er ihnen das gesagt?"

"Ja."

"Wie kann man denn so unbotmäßig sein, dass man auf eine Sonne geschickt wird? Auf den Mond? In die lebensfeindlichsten Regionen die wir kennen?"

"Es gibt noch lebensfeindlichere."

"So? Wo soll das sein? Ein schwarzes Loch das Gammastrahlen emittiert?"

"Weniger. Eine Behörde auf der Erde."

"Ach so. Und was haben sie nun ausgefressen?"

"Wie?"

"Ihre Verfehlung, was war das?"

"Ich habe die falschen Leute gepfählt."



 Fortsetzung - zum nächsten Teil


06 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (5)



from science fiction to gothic novel in nullkommanix!
ref. Die Transsylvanische Verwandte ist da von Peter Licht (0),
Vampirwerktag (1),  Vampirzorn (2), Vampirunfall (3)


"Was Käptn, meine Kleidung ist ein Kriterium?"

"Was denn sonst?"

"Aber ich bin hier, oder?"

"Und wenn schon! Wir sind schließlich auch hier! Irgendwie werden sie schon hierher gekommen sein!"

"Haben sie mein Schiff gesehen?"

"Das wird schon irgendwo parken!"

"Aber gesehen haben sie es nicht?"

"Unseres parkt auch irgendwo!"

"Aber man kann sie über den halben Planeten hören."

"Na hören sie mal, so viel Krach machen wir nun auch nicht!"

"Das hängt vom Gehör ab."

"Was?"

"Ich kann sie hören. Aber sie machen auch wirklich Krach."

"Wir sind leise! Verklagen sie uns doch!"

"Ich kann auch den Schleimpilz hören. Soll ich den auch verklagen?"

"Den Schleimpilz? Der ... ist ... doch ... wirklich geräuschlos?"

"Ist er nicht."

"Nicht?"

"Ich kann ihn hören."

"So?"

"Wenn sie ihn nicht hören können sollten sie sich untersuchen lassen."

"Mir fehlt nichts! Ich bin ganz gesund! Der Schleimpilz macht keinen Ton!"

"Oh doch!"

"Was für ein Geräusch soll das sein?"

"Soll ich jetzt einem Blinden die Farben beschreiben?"

"Sie sind überheblich!"

"In meinem Sprachgebrauch nennen wir es 'selbstbewusst'. Wir haben aber auch Wörter wie feinfühlig, sensibel..."

"Sie können den Schleimpilz nicht hören! Niemand kann das!"

"Ich kann ihn auch denken hören. Aber das ist so, als würde ich eine Werbesendung von der Erde verfolgen. Und manchmal wie ein Porno."

"Unser Arzt..."

"Ja, sicher, ihre Ausreden..."




Fortsetzung - zum 6. Teil

05 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (4)



from science fiction to gothic novel in nullkommanix!
ref. Die Transsylvanische Verwandte ist da von Peter Licht (0),
Vampirwerktag (1),  Vampirzorn (2), Vampirunfall (3)


"Also, was ist das mit den 65 Millionen Jahren?"

"Nun, vielleicht kommt es mir nur so lange vor. Ich werde rückwirkend für etwas bestraft. Und es fühlt sich nur so lange an. Wie die Potenzierung der Ewigkeit."

"... haben sie einmal versucht, bis Unendlich zu zählen?"

"Bitte?"

"Ach, nur so."

"Machen sie sich lustig?"

"Wer? Ich?"

"Ich kann sie hier einfach stehen lassen, mitten auf diesem unglaublichen Planeten, und niemand wird ihnen ihre Fieberfantasie abnehmen."

"Was für eine Fieberfantasie?"

"Dass sie hier jemanden getroffen haben. Überhaupt jemanden getroffen! Jemanden, der ihre Sprache spricht. Der alles weiß, was sie tun. Alles was sie getan haben. Alles, was sie tun werden."

"Versuchen sie das mal mit dem Schleimpilz."

"Mit dem Schleimpilz?"

"Hier auf diesem durchgedrehten Planten kann ja anscheinend jeder meine Gedanken lesen. Aber versuchen sie das mal mit dem Schleimpilz. Der ist auch ein großer Telepath."

"Der ist mir zu schwer. Sie sind einfach."

...

"Wie war das nun mit dem Meteoriten? Ihr Chef kann damit schießen?"

"Ich würde eher sagen, er wirft. Seine Treffsicherheit ist nicht besonders."

"Also, sie meinen, ihr Chef lässt mit Meteoriten nach ihnen werfen?"

"Nein, nein, er macht das schon selbst. Für solche Kleinigkeiten braucht er keine Hilfe."

"Wie kann denn ein Mann alleine mit Meteoriten werfen?"

" 'Mann' ist nicht der ganz richtige Ausdruck, denke ich."

"Sondern? … ach egal! Also, wie ist das mit dem Meteoriten, wenn sie glauben, dass ihr Chef … oder wer auch immer … damit nach ihnen wirft?"

"Ich sah einen Feuerball auf mich zukommen, dann muss wohl eine Druckwelle gekommen sein. Als ich wieder erwachte, waren alle Bäume ringsum gefällt und die Saurier weg."

"Tunguska!"

"Was?"

"Sie waren nicht auf Yucatan, sondern in Tunguska!"

"Na und?"

"Das ist ein Unterschied!"

"Ein winziger."

"65 Millionen Jahre! Es ist ein gigantischer Unterschied, ob die 65 eine Null hat oder sechs!"

"Sie sind wirklich ein Erbsenzähler..."

"Ich bin Ingenieur! Zehnerpotenzen! Nicht 65 Millionen Jahre, sondern 650 Jahre, höchstens! Das ist allerdings ein Unterschied!"

"Aber ich bin hier, oder?"

"Aber sie tragen lächerliche Kleidung!"

"Aber eine planmäßige Frisur - im Gegensatz zu gewissen anderen Teilnehmern an dieser Unterhaltung."

"Ja! Ja, ja, ja!"



Fortsetzung - zum 5. Teil



04 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (3)



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Vampirwerktag (1),  Vampirzorn (2), Vampirunfall (3)



"Wie kann ihr Chef sie auf die Sonne schicken?"

"Na, wie kann er wohl? Er sagt 'Geh! Sonst...' "

"Sonst was?"

" '... sonst vergesse ich mich!' "

"Und?"

"Ich habe es nur einmal probiert."

"Und?"

"Danach waren alle Saurier auf der Erde tot."

"Aber ... sie ... nicht?"

"Er hat mich irgendwie nicht getroffen. Da muss er wohl mehr Zielwasser trinken."

"Das ... das kann ... alles nicht sein! Was erzählen sie mir da? Das Sauriersterben ist 65 Millionen Jahre her!"

"Und?"

"Sie sind doch keine 65 Millionen Jahre alt!"

"Beweisen sie mir das Gegenteil."

"Ich muss das nicht beweisen!"

"Nicht?"

"Weil es das nicht gibt! Weil es das nicht geben kann!"

"Aha. Und die Erde ist eine Scheibe."

"Natürlich nicht!"

"Und am Firmament schweben die Engelein und unter der Erde regieren die Teufelein?"

"Nein! Nicht so!"

"Da treffen sie zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt jemanden, der ihnen seine überaus interessante Lebensgeschichte erzählt und..."

"... hundertzwölf!"

"Sind sie nicht der Navigator? Sie wissen es doch gar nicht genau!"

"Seltsam, das sagt unser Doc auch immer..."

"Da hat er eine Menge mehr verstanden als sie."

"Aber ich bin der Spezialist dafür! ICH!"

"Nun gut, wenn das so ist..."



zum 4. Teil



03 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (2)



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Vampirwerktag (1),  Vampirzorn (2), Vampirunfall (3)


"Sie haben einen Ingenieur?"

"Eigentlich ja."

"Eigentlich ja? Das heißt: Nein?"

"Er spricht nicht. Er ist uns im Weg. Er rationiert uns die Energie. Er trinkt mir meinen Wein weg. Heißt das nein?"

"Nein."

"Dann haben wir einen Ingenieur, nicht wahr?"

"Es klingt so, ja."

"Und sie: Was tun sie hier, in ihrem Rüschenhemd, wenn sie weder von einer Behörde noch von einem privaten Unternehmen kommen?"

"Mein Chef schickt mich einmal hier hin und einmal dort hin."

"Das klingt interessant. Und da tun sie was?"

"Ich warte, dass die Zeit vergeht. Ich räume auf. Ich ändere den Fortgang der Dinge. Ich setze ein Zeichen in der Zeit."

"Aha. Puh, ein Zeichen in der Zeit ... sie ganz allein? Und wo schickt Ihr Chef sie so hin? Ist das anstrengend?"

"Das kommt darauf an."

"Worauf?"

"Meist arbeite ich auf der Erde. Auf der Erde, die sie auch kennen. Planeten wie diesen muss ich manchmal besuchen, seltener. Wenn mein Chef schlecht gelaunt ist, schickt er mich auf eine dieser Sonnen."

"Sonnen?"

"Ja, sicher. Solche wie die da oben."

"Was äh ... da würden sie doch verbrennen ... was tragen sie da für einen Anzug?"

"Anzug?"

"JA! ANZUG! Was erzählen sie mir da? Man verbrennt auf der Sonne, wenn man keinen ordentlichen Anzug anhat!"

"Anzug! Sie Kleingeist! Ich bin der untote Graf! Ich brauche keinen Anzug!"
"Bitte?"

"Natürlich brauche ich neue Kleidung, wenn ich auf so einer Sonne war."

"Bitte?"

"Das ist immer ganz schön peinlich, wenn man nackt und rauchend irgendwo auftaucht. Dann wünsche ich mir jedes mal, dass ich ganz schnell einen Schneider finde. Besser noch eine schöne Schneiderin."

"Nackt? Rauchend?"

"Wie würden sie wohl aussehen, wenn sie auf der Oberfläche der Sonne waren? Glauben sie, dass ihre Frisur dann noch perfekt sitzt?"

"Meine Frisur?"

"Naja, das was sie da auf dem Kopf tragen. In meinem Kulturkreis nennen wir es Desaster, aber sie sagen wohl Frisur dazu."



zum 3. Teil


02 August 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft

Der Käptn trifft den untoten Grafen (1)



from science fiction to gothic novel in nullkommanix!
ref. Die Transsylvanische Verwandte ist da von Peter Licht (0),
Vampirwerktag (1),  Vampirzorn (2), Vampirunfall (3)


"Oh, guten Tag!"

"Guten Tag."

"Sie ... sprechen meine Sprache?"

"Sicher. Hätte ich sonst Guten Tag gesagt? Sie etwa?"

"Nein. Vermutlich nicht."

"Vermutlich."

"Ja, äh, ich wusste gar nicht, dass noch eine andere Expedition hier ist."

"Expedition?"

"Naja, oder wie ihre Firma das nennt."

"Firma?"

"Sind sie nicht im Auftrag ihrer Firma hier?"

"Firma? Nein."

"Oder Behörde. Sind sie nicht im Auftrag ihrer Behörde hier?"

"Behörde? Nein."

"Aha. Aber das ist übrigens ... interessante ... Kleidung ... die sie da tragen. Besonders für Raumfahrer."

"Empfinden sie das so?"

"Ja, nun ja, Samtsacko und Rüschenhemd? Für Raumfahrer?"

"Ja?"

"Trägt man das jetzt so auf der Erde?"

"Jetzt?"

"Naja, wir sind schon eine Weile unterwegs. Da scheint sich einiges ereignet zu haben während unserer Abwesenheit."

"'Jetzt' ist ein weiter Begriff."

"Was? JETZT? Was kann an dem Begriff JETZT weit sein? Gibt es da irgendwelchen Interpretationsspielraum?"

"Sicher."

"In … in … inwiefern? Ich … ich bin Naturwissenschaftler, wissen sie? Da … da haben bestimmte Begriffe besser keinen Interpretationsspielraum."

"Ist das so?"

"Allerdings! Eine Femtosekunde ist eine Femtosekunde, ein Lichtjahr ist ein Lichtjahr und JETZT ist ein ziemlich genau definierter Punkt auf dem Zeitstrahl."

"Zeitstrahl?"

"Naja, also, die grafische Abbildung der Theorie, dass Zeit etwas ist, das abläuft und sich hauptsächlich in einer Richtung bewegt. Sie sind kein Naturwissenschaftler, nein?"

"Hypothese."

"Bitte?"

"Eine Theorie ist ein folgerichtiges Gedankengebäude. Eine Hypothese ist etwas, das erst noch des Beweises bedarf."

"Seltsam."

"Was ist daran seltsam?"

"Wir kennen uns erst seit dreißig Sekunden und ich fühle mich bereits wie daheim, in der Küche unseres Raumschiffs."

"In der Küche?"

"Ja, beim Essen drängt mir unser Arzt auch immer derartige Diskussionen auf."

"Da hat er vermutlich recht."

"Hat er nicht!"

"Kann ich ihren Arzt einmal kennenlernen?"

"Den Arzt ja. Den Ingenieur nein."



zum 2. Teil

27 Juli 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft (4)


Heute: Nächste Ferne (4)

“So, Doc. Und wenn auch die letzte Expedition aus Geldmangel abgesagt ist, weil der Neubau der Raumbehördenverwaltung das Budget eines ganzen Jahrzehntes verschlungen hat, dann stehen dort unten vielleicht zwei Wissenschaftler in weißen Kitteln. Sie kennen alle unsere Filme, Aufzeichnungen, Ergebnisse und Mitbringsel, selbst die fahrig diktierten Notizen können sie auswendig und sehen durch ein unwahrscheinlich leistungsfähiges Teleskop…

… aber auch mit der leistungsfähigsten computerverstärkten Optik sehen sie nichts. Jedenfalls nicht das, was sie suchen. Und wonach sie sich sehnen: Einen Planeten wie Frankensteins Zoo.

Niemand will ihnen eine neue Expedition finanzieren. Sie müssen sich mit der Kostenstelle täglich über die Abrechnung von ein paar Kaffeefiltern, Garderobenbügeln oder sogar weißen Kitteln herumstreiten. Dann schauen sie sehnsüchtig durch das Teleskop und flüstern sich gegenseitig zu: Irgendwo da draußen muss er sein!”

26 Juli 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft (3)


Heute: Nächste Ferne (3)

“Sehen sie. Deshalb habe ich unsere Forschungsergebnisse ein wenig bereinigt.”

“Sie haben was?”

“Hier gibt es nichts, wofür sich irgendein finanzstarker Konzern von der Erde interessieren würde.”

“Aber ... die hirnlosen Tiere ...”

“Die sind gar nicht hirnlos. Nur ein wenig langsam. Haben sie mir beigebracht.”

“... die Psychopollen ...”

“Ich habe unsere Ergebnisse auch um solche Verunreinigungen ... bereinigt. In dem, was wir zur Erde zurück schicken, ist nichts davon zu sehen. Da kommen die Drogenbosse erst gar nicht auf dumme Gedanken.”

“... und die seltenen Gase hier in der Atmosphäre?”

“Ach Gott, solche Messfehler kann ich doch nicht herausgeben... wie sehe ich denn da als Wissenschaftler aus? Wir haben hier unglaublich reine, frische Luft, mit einem überaus durchschnittlichen Stickstoffanteil. Jedenfalls steht das in unseren Messergebnissen, die stündlich zur Erde geschickt werden.“

“Wie machen sie das? Die Zusammensetzung muss sich doch ändern?”

“Ich habe ein Programm geschrieben. Das sorgt für die nötige Variation.”

“Sie manipulieren die Messergebnisse automatisch?”

“Nun ja...”

“Betrug an unserer Behörde? Mit einem Programm, das sie extra dafür erst schreiben mussten?”

“... nun ja. Nach den übertragenen Ergebnissen ist hier jedenfalls nichts wertvolles in der Luft.”

“Und die seltenen Erden? Erst gestern hat mir der Ingenieur ein Memo über eine riesige Lagerstätte gleich da drüben gegeben. Die ist so viel wert wie ein halber Kontinent! Das wird auf der Erde dringend gebraucht!”

“Natürlich, um Mobiltelefone und Armbanduhren daraus zu bauen.”

“Das alles wollen sie der Erde nicht melden? Die werden ganz von selbst danach suchen!”

“Für die Rohstoffkonzerne ist dieser Planet seit unseren Berichten komplett uninteressant. Die anderen sind nicht leistungsfähig genug und ohnehin zu geizig. Und alle zusammen wissen nicht im geringsten, wo sich dieser schöne Planet befindet. Sie suchen ja ganz woanders.”

“Sie sind sich ja erstaunlich sicher.”

“Bin ich. Nach allem was ich jetzt weiß, haben wir unglaubliches Glück gehabt, im Rahmen einer astronomisch geringen Wahrscheinlichkeit. Niemand hätte auch nur ansatzweise gedacht, dass man relativistisch dermaßen weit reisen kann. Hundertzwölf statt zwölf Lichtjahre. Wir hätten sonstwo einschlagen können!”

“Sind wir aber immerhin nicht.”

“Es ist ein unbeschreiblicher Zufall, dass wir trotz aller Bemühungen unserer Raumfahrtbehörde noch leben. Die beschäftigen Trottel mit der Programmierung unserer lebenswichtigsten Einrichtungen!”

“Sie sind ein Pessimist.”

“Richtig. Nur mal angenommen, dass wir es bis zurück nach Hause schaffen: Ich werde denen nicht sagen, wo wir wirklich waren. Sie doch sicher auch nicht.”

“Naja, ich müsste nicht. Aber wenn sie uns drauf kommen?”

“Der Ingenieur wird es ihnen nicht sagen, der redet schon hier nicht. Auf der Erde gibt es noch deutlich weniger Leute als hier, die ihn für voll nehmen. Und wir sind hier nur zu dritt. Und wenn sie und ich es ihnen nicht erzählen müssten die selbst suchen, eine nächste Expedition zu diesem sagenhaft uninteressanten Planeten senden. Dafür sind sie zu geizig.”

“Aber wenn doch ... wenn sie doch einmal den anderen Exoplaneten, den an unserem ursprünglichen Ziel, besuchen, dann wird ihnen doch der Unterschied auffallen! Dann wollen die doch sicher wissen, woher das kommt?”

“Wenn schon. Wir wissen ja auch gar nicht, wo wir waren. Das sagen schon unsere Logbücher. Wir sind einfach nur da hin geflogen, wohin der Tippfehler, nein: Das Rechenergebnis des Praktikanten uns verschlagen hat. Da kommen die nie im Leben drauf.”

“Meinen sie.”

“Der Praktikant ist inzwischen bestimmt Honorarprofessor an einer technischen Universität. Oder Wissenschaftspolitiker. Wer will die wirren Gedankengänge von so einem nachvollziehen? Keine Sorge: Es ist wie mit den Wikingern und Amerika - für die nächsten sechshundert Jahre war erst einmal Ruhe. Und dieser schöne Planet namens Frankensteins Zoo bleibt die nächsten zwanzig Generationen von Menschen unentdeckt. Unerforscht. Unbekannt. Dank unseres Einsatzes!“

“Na wenn sie meinen. Es fällt mir schwer ihnen zuzustimmen. Aber sinngemäß ist das, was sie da tun, Naturschutz, Käptn. So lange niemand hierher findet.”

“Bestenfalls vermessen sie einen hässlichen staubigen Klumpen in zwölf Lichtjahren Entfernung von der Erde. Ich will sehr hoffen, dass sie dann enttäuscht sind.”

25 Juli 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft (2)


Heute: Nächste Ferne (2)

“Aber das ist doch trotzdem gefährlich für die nächste Mannschaft!”

“Für die nächste Mannschaft ist es genauso gefährlich wie für uns. Bei denen kann sich der Praktikant ebenfalls vertippen. Und das beste ist: Wenn er sich nicht vertippt, landen sie genau da, wo wir ursprünglich ankommen sollten - also mit Sicherheit nicht hier.”

“Sondern?”

“Ich habe keine Ahnung, wie es da aussieht. Die werden sich nur sehr wundern.”

“Meinen sie.”

“Klar: Darüber wie sich der Planet verändert hat. Sie haben ja all die Aufnahmen von uns, Messergebnisse, Analysen von jedem Darmwind eines Zombies. Dass wir hier nicht lauter Kulissen aufgestellt haben, werden sie sich gerade noch denken können.”

“Interessante Vorstellung ... aber die Bildbearbeitung ist inzwischen sehr weit, wirklich sehr weit. Bedenken sie, dass es schon bei den ersten Raumflügen Zweifel gab. Die unterstellen uns dann sicher, wir hätten alles manipuliert.”

“Was meinen sie?”

“Na, es wurde doch ewig angezweifelt, dass die Amerikaner wirklich auf dem Mond waren. Irgendwelche verwirrten Skeptiker haben doch jahrzehntelang behauptet, dass das ganze Mondfilmmaterial in einer Studiohalle in Arizona aufgenommen wurde.”

“Ha!”

“Bis dann endlich wieder einmal einer auf dem Mond war und die Fahrzeuge und Flaggen und Bierdosen und all das Zeug originalgetreu vorfand.”

“Ha! Diese Zweifler, das ist doch pathologisch! Auf einer Skala von null bis eins hat das den Krankheitswert fünf!”

“Und dann gab es doch tatsächlich erneut Skeptiker die behaupteten, dass auch diese Mission getürkt sei - beinahe fünfzig Jahre später! Wer sollte daran noch das geringste Interesse haben? Meine Güte, selbst ich als Arzt staune, wie verwirrt man sein kann und dennoch nicht eingewiesen wird. Aber die Bildbearbeitung ist heute wirklich sehr viel weiter als damals.”

“Ja. Aber wir sind hier nur zu dritt, das weiß unsere Behörde auch. Sie brauchen ja nur auf unseren Gehaltsstreifen zu schauen, da stehen nur drei Raumfahrer drauf.”

“Aber die Bildbearbeitung ist heute so weit automatisiert...”

“Ach was: Wir bringen denen doch endlos viel Zeug mit, wenn wir nach Hause fahren. Alles Originalteile, Tiere, Pflanzen ... und wenn ich den Schleimpilz erwische...”

“Käptn! Vorsicht mit dem Schleimpilz!”

“Schon gut. Also kein Schleimpilz. Na gut, also, alles mögliche. Die glauben uns schon, dass wir auf einem interessanten Planeten sind. Nur dass sie nicht wissen, wo er sich befindet. Und wir sagen es ihnen nicht.”

“Tun wir nicht?”

“Wollen sie, dass hier Kohorten von Agraringenieuren herumstapfen und für genveränderte Lebensmittel die ganze Landfläche in rechteckige Parzellen aufteilen? Mit hübschen Zäunen gegen die gierigen Nachbarn vom Konkurrenzkonzern?”

“Wer sollte das wollen?”

“Und weil es ihren extrem leistungsfähigen Genpflanzen nicht bekommt, werden sie als erstes die hiesige Artenvielfalt ein wenig dezimieren.”

“Vermutlich ja.”

24 Juli 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft (1)


Heute: Nächste Ferne (1)

Wir befinden uns in nicht allzu ferner Zukunft, auf einem Planeten, den die ersten Besucher von der Erde "Frankensteins Zoo" getauft haben. Das hat mit den Eigenheiten des Planeten zu tun, die nicht in allen Punkten den menschlichen Erwartungen entsprechen.

Die ersten Besucher von der Erde sind eine dreiköpfige Raumschiffbesatzung, bestehend aus dem Kapitän, dem Arzt und einem Ingenieur, der nicht spricht. Ein riesiger Schleimpilz wandert, liest Gedanken und formt mit seinem flexiblen Fruchtkörper zuweilen die vorgefundenen Phantasiebilder eins zu eins nach, ein unheimlicher Pantomime.

Im Zuge der ersten relativistischen Reise wird den ersten relativistischen Reisenden immer unklarer, ob dieser Planet und sein Sonnensystem nun zwölf oder hundertzwölf Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Oder irgendeine beliebige andere unüberwindliche Entfernung. Sie werden von Heimweh, Sehnsucht und einer gewissen schöpferischen Unruhe heimgesucht. Manchmal ist ihnen langweilig.


 

“Wann haben sie eigentlich gemerkt, dass wir nicht da sind, wo wir sein sollten, Käptn?”

“Gleich nach unserer Ankunft, als ich den Teleskopsatelliten in die Umlaufbahn geschickt habe. Da habe ich in nächster Ferne ein Sonnensystem gesehen, das eigentlich genauso aussah wie das, wo wir hin sollten - nur von hinten. Wir sind viel zu weit geflogen.”

“Das haben sie erkannt?”

“Ich habe nun mal einen geschärften Sinn für Muster.”

“Oh ja, ich erinnere mich.”

“Und dann musste ich der Sache natürlich auf den Grund gehen.”

“Ich ... kann mir ... das vorstellen...”

“Sehen sie! Und da habe ich bemerkt, dass wir irgendwie vom Kurs abgekommen sein müssen.”

“Und sie haben es denen nicht gesagt?”

“Ich denke nicht dran!”

“Aber ... sollte unsere Raumfahrtbehörde das nicht wissen? Für die nächste Expedition, die sie hierher schicken?”

“Damit die stumpfen Idioten dieses sonderbare Paradies zertrampeln? Nein.”

“Aber das ist doch gefährlich?”

“Ihr Problem. Ich bin nach einer ganzen Weile zu dem Schluss gekommen, dass es sich wahrscheinlich einfach nur um einen Tippfehler handelte.”

“Sie sind wirklich undankbar, Käptn. Die haben uns den schönen Ausflug immerhin bezahlt.”

“Na und? Die hätten uns mit ihrer Inkompetenz beinahe umgebracht! Und dann als bedauerlichen Totalschaden auch noch steuerlich abgeschrieben. Aber selbst dazu sind sie zu unfähig.”

“Glaube ich nicht, oder?”

“Na sicher! Die haben irgendeinen Praktikanten unser Ziel ausrechnen lassen und beim Eintippen ins Navigationsgerät sind aus zwölf Lichtjahren hundertzwölf geworden.”

“Meinen sie?”

“Aber ja! Sie wissen doch, wie es bei denen zugeht. Da hat jemand Verwaltungskräfte eingestellt, die kaum lesen und schreiben können. Die werden nach einem Luxus-Tarif bezahlt, Sechsundzwanzig-Stunden-Woche, achtunddreißig Urlaubstage, vierzehn Monatsgehälter. Und wenn die dann zehn Tonnen Reingungsmittel für nichtschmutzende Beschichtung bestellen, ist das gar nicht so schlimm. Aber uns wird jeder Teebeutel vorgerechnet! Ich könnte sie alle...”

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