30 Juni 2013

Taikonautik

Die Taikonauten hatten es in ihrer selbstgebauten Rakete doch tatsächlich bis zum Jupitermond Io geschafft und dort unter der Wolkendecke ganz überraschend ein steppenartiges Ökosystem vorgefunden, das dem ihrer Heimat sehr ähnlich sah.

Direkt nach der Landung holten sie die Gartenstühle und mitgebrachten Plastikblumen aus der Kapsel, schraubten die Kamera auf ein Stativ und machten ein stolzes Beweisfoto, um es zur Erde zu schicken.

Sie kamen aus der verlassenen Nordprovinz, einem kleinen Ort direkt an der Grenze zur Mongolei. Zu Ehren ihres Ortes und der ganzen Heimatprovinz wollten sie der Welt beweisen, dass das chinesische Bildungssystem mehr ermöglichte als nur das Kopieren westlicher Microchips und die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft auf allerhöchstem Niveau.

Für den Bau ihrer Rakete hatten sie Stahlschrott verwendet, der von den ersten chinesischen Kernreaktoren übriggeblieben und in der Nähe ihres Dorfes abgeladen worden war. Die Halde war leicht zu finden gewesen, in dunklen Nächten konnte man sie trüb leuchten sehen. Selbstverständlich verwendeten die Taikonauten für ihre Rakete nur sehr schwach strahlende Teile, die sie mit einem ebenfalls selbstgebauten Geigerzähler aussortierten. Den Rest überließen sie den dreihöckrigen Kamelen, die es seit einiger Zeit in der Gegend gab.

Mit der Hilfe des ganzen Dorfes bauten sie ihre Rakete zusammen, die Großmütter strickten ihnen noch blaue Glücks-Schals, falls es unterwegs in dem Raumschiff sehr kühl werden sollte.

Für den Antrieb der Feststoff-Raketen entwickelten die Taikonauten einen speziellen Kohlestaub-Reaktor, der mit dem Abraum eines nahegelegenen illegalen Bergwerks betrieben werden konnte. Der Bergwerksbesitzer war ihnen außerordentlich dankbar, dass ihm jemand das lästige Zeug, welches die Maschinen verstopfte und zudem noch giftig war, ohne zu murren abnahm. Er spendete daher nach längerem Feilschen den Kohlestaub kostenlos, sofern die Taikonauten ihn nur selbst abholten.

Der Start der Rakete gelang ohne Schwierigkeiten, was die Leistungsfähigkeit des chinesischen Bildungssystems gerade auf naturwissenschaftlichem Gebiet fraglos unter Beweis stellte. Auf dem Monate langen Weg zum Trabanten Io rezitierten die Taikonauten alte chinesische Philosophen, Kriegskünstler und auch weise Worte des großen Vorsitzenden Mao. Sie taten dies, um sich zu unterhalten, jedoch auch, um sich die großen Errungenschaften des chinesischen Geistes immer wieder vor Augen zu führen.

So gerüstet, war ihnen die Landung in einer steppenartigen Gegend auf dem Jupitermond Io gelungen.

Während sie da saßen und sich fotografierten, tickerte im Inneren der Rakete eine Meldung aus dem Fernschreiber. Für modernere Mikroelektronik hatten die Mittel gefehlt. Auf dem Lochstreifen hieß es, dass die zweite Rakete, die vorgesehen war um sie auf die Erde zurückzuholen, nun doch nicht gebaut werden könne, da der strahlende Kraftwerksschrott inzwischen für wichtigere Aufgaben in der Landwirtschaft gebraucht werde.

Und so lange sie da saßen und sich fotografierten entging ihnen auch, wie sich die Bewohner des Jupitermondes von hinten neugierig näherten.

 

 


auf der Erde hatte sich die Nachrichten-Agentur Reuters für sehr viel Geld die Exklusiv-Rechte zur Verbreitung des Bildmaterials über alle Kanäle gesichert. Sie wurde erwartungsgemäß schnell darüber aufgeklärt, was Chinesen unter dem Terminus "exklusiv" verstehen. 

28 Juni 2013

Spinnradjazz revisited

Ich muss hier wieder einmal Werbung für das Lokal namens Spinnrad machen, wo Dienstags und Donnerstags immer Live-Jazz in außerordentlicher Qualität dargeboten wird.

Die Musiker sind irgendwelche Profis, die in ihrer Freizeit trotzdem gerne Musik machen. Dafür hätten sie viel mehr Publikum verdient als die drei bis acht Leute im Rentenalter aus der näheren Umgebung, die da normalerweise herumsitzen. Und mich.

Die Sache ist sehr beseelt, man sitzt direkt vor den Künstlern und kann mit ihnen in den Pausen sogar ein Gespräch anzetteln oder ultimativ Autogramme fordern, sofern sie einem diese nicht ohnehin ganz von selbst aufdrängen.

Interessant ist auch die Atmosphäre in der mutmaßlichen Studentenkneipe aus den siebziger Jahren, die seither mit Sicherheit nicht mehr renoviert wurde. Die Musik ereignet sich zwischen gestapelten Sitzpolstern der Gartenstühle, schlimmer Holzvertäfelung, Eisenbahnlaterne und röhrendem Hirsch in Essig und Öl. Großartig und sehr authentisch!

Hingehen!


sorry, das Foto ist mit der Handycamera gemacht
und das Licht war nicht das beste. Ist es nie. Zum Trost gleich noch eins:



Das Spinnrad befindet sich hier.

25 Juni 2013

Lokalrunde

Das Personal in dem Lokal ist gar nicht unheilbar stumpf - aber mit einem bemerkenswerten Aufmerksamkeitsdefizit ausgestattet. Es kostet außer Geld vor allem erhebliche Anstrengung, zu einem Bier zu kommen.

Aber wenn das Bier dann kommt, sind sie wirklich nett.

Schönes Schöneberg!

22 Juni 2013

Lauf der Dinge

Da versuchst du jahrelang, verschlossene Türen einzurennen und merkst nicht, dass die Wand dahinter längst zugemauert ist und nur jemand zu faul war, die Türen abzureißen. Viele lachen, einige wundern sich, aber niemand sagt dir was. Irgendwann merkst sogar du selbst, dass etwas nicht stimmt und bist drauf und dran, aufzugeben. Da öffnet sich vor dir ein Scheunentor. Und knapp dahinter noch eins. Panoramadurchgang.

Naja, ungefähr so könnte das laufen. Mal sehen...

21 Juni 2013

Vegetation

Wenn man genauer hinsieht: Dort wächst eine Distel!

Ist ja auch kein Streichelzoo, den ich da auf meinem Balkon großziehe.




... sie setzt jetzt übrigens sogar zur Blüte an ...

20 Juni 2013

Heuschrecken (4)

  
"Ich war noch nicht fertig mit meinem Bericht: Die landwirtschaftlichen Schäden sind mittlerweile das kleinere Problem."

"Warum das?"

"Inzwischen stürzen sich in Südengland auch Menschen von den Klippen."

"Oh, das ist dort schon immer so. Ich habe in England studiert, das hat gute Tradition, machen sie sich keine Sorgen!"

"Wir müssen uns aber Sorgen machen: Die Rate der Klippenspringer ist in den letzten Wochen um das achtfache angestiegen."

"Und ... sie glauben, es gibt einen Zusammenhang...? Wie sollte das gehen?"

"Ich glaube, dass es kein Zufall ist. Wenige Wochen nach dem Auftauchen der Heuschrecken berichten verschiedene englische Medien von einer neuen Spezialität: Geröstete Heuschrecke - besonders knusprig! Man freute sich sogar, dass sie so schön groß seien."

"Das ist ja widerlich! Kennen sie Nierenpudding?"

"Möglicherweise ist es zu einer Übertragung des Parasiten auf den Menschen gekommen. In unserem Entwicklungsprogramm konnten wir keine Versuche mit Menschen anstellen - niemand wollte sich als Versuchsmensch zur Verfügung stellen. Die Versuche mit Primaten waren fifty-fifty."

"WAS? Was heißt denn fifty-fifty?"

"Nun ja, die Primaten mochten keine Heuschrecken fressen und wir haben das auftragsgemäß als negatives Ergebnis gewertet: Also Keine Gefahr der Ansteckung. Auf die Idee, die Heuschrecken zu rösten und in Honig zu tauchen, kam damals niemand. Sie schmecken dann übrigens überraschend lecker."

"Sie ... sie haben sie probiert?!? Egal, aber man kann uns nicht mit den englischen Selbstmördern in Verbindung bringen, oder?"

"Doch, gut möglich, wenn es zuviele werden. Die Sache nimmt langsam epidemische Ausmaße an. Da es sich um Menschen handelt, werden sicher viel exaktere Untersuchungsmethoden verwendet, wahrscheinlich wird der genetische Fingerabdruck des Parasiten verglichen. Unserer liegt leider beim Patentamt."

"Wie zur Hölle kommt er dort hin?"

"Wir haben ihn abgegeben, damit wir im Zweifellsfall beweisen können, dass die Konkurrenz unsere Stämme kopiert hat. Damit hätte man die Wettbewerber später auf gewaltige Summen verklagen können. Wir sind von einem durchschlagenden Erfolg unserer Methode ausgegangen."

"Durchschlagender Erfolg - das ist ihnen gelungen. Mein Gott! Das ist ja furchtbar! Wenn der Beweis gelingt, dass es sich um unseren Wurm handelt, stehen wir vor dem durchschlagenden Ruin. Die debilen Selbstmörder sind mir egal, es gibt ohnehin zu viele von diesen dekadenten Engländern. Und jetzt?"

"Soweit mein Bericht. Entschuldigen sie, ich bin auf dem Sprung, ich werde heute noch mit meiner Familie ans Meer fahren. Kurzfristiger Entschluss." 


- over and out -

19 Juni 2013

Neues vom Fon

Neulich ist es mir gelungen, eine feine Schicht Honig über den Tatsch-Screen des smarten Fons zu verteilen. Seither wählt es ganz ohne Tatschen längst vergessene Telefonnummern aus den Tiefen seiner Verzeichnisse. Es füllt auch selbstherrlich schwierige Sudokus aus. Natürlich nicht ein Feld richtig. Natürlich nicht.
Mal sehen, wie ich den Kleister wieder aus den Ritzen kriege...




ja, sicher, iFone haben keine Ritzen. Dafür andere Schwächen, wie ich höre

Heuschrecken (3)

Der Chefchemiker berichtete weiter: "Wenigstens stürzen sie sich danach ins Meer."

"Wird man uns damit in Zusammenhang bringen?"

"Unsere Firma hat ja lautstark Werbung gemacht. 'Das Ende des Hungers' hiess unsere Kampagne in Westafrika. Sehr vollmundig, finde ich. Verzeihen sie das Wortspiel. Irgendein missgünstiger Umweltschützer wird sicher etwas bemerken."

"Und - können die uns irgendetwas davon beweisen?"

"Den Parasiten nachzuweisen ist nicht schwer, wir sind weltweit die einzigen, die so ein Patent haben. Einige Konkurrenzunternehmen experimentieren damit."

"Gut, wir werden es als fehlgeschlagenes Experiment der Konkurrenz darstellen. Sterben die Heuschrecken eigentlich nicht im Winter?"

"Das tun sie."

"Ah, wenigstens ein Trost, dann sind wir die Plage ja zu Weihnachten wieder los. Schlimmstenfalls müssen wir ein paar kahlgeschorene Felder in Spanien und eine abgefressene Hecke in Somerset bezahlen."

"So einfach ist es nicht: Die Heuschrecken kommen nächstes Frühjahr wieder."

"Oh, das kann dann allerdings teuer werden - für die Konkurrenten mit dem fehlgeschlagenen Experiment, ha ha!"

18 Juni 2013

Heuschrecken (2)

"Es gibt da ein Problem" berichtete der Chefchemiker dem Vorstandsvorsitzenden. Und dass die beiden Herren aus der obersten Führungsetage überhaupt über so etwas sprachen, beschrieb die Größe des Problems. "Wir haben nach einer Weile der Anwendung bemerkt, dass die Heuschrecken sich nicht direkt in den nächstgelegenen Fluss stürzen."

"Na und? Dann tun sie es eben ein wenig später. Hauptsache, das Ungeziefer ist weg!"

"Nunja, der Zeitraum, bis sie Selbstmord begehen, wird immer länger. Inzwischen liegt er bei vier Monaten ab Infektion. Sie scheinen irgendeinen Abwehrmechanismus zu entwickeln. Bis sie sterben, fressen sie weiter alles kahl. Der Parasit greift aber sofort ihren Orientierungssinn an. War am Südrand der Sahara kein Problem."

"Machen Sie es nicht so spannend, Mann!"

"Anfangs flogen sie einen kleinen Bogen nach Norden. Aus dem Bogen ist inzwischen eine Gerade geworden, leider immer noch nach Norden. In Spanien fiel es bisher nicht so auf, ein kleiner Heuschreckenschwarm, der ein paar Felder leerfrisst sorgt in Spanien anscheinend nicht für Aufregung. Nicht mal in den Pyrenäen. Diese Spanier sind komisch." 

"Finde ich auch."

"In Südengland würde ein Heuschreckenschwarm allerdings schon für Aufregung sorgen."

"Aber das ist ja zum Glück weit weg, die Schwärme müssten doch dafür über das Meer?"

"Müssen sie. Scheint kein großes Hindernis zu sein. Vor einigen Wochen wurden die ersten Heuschrecken in Südengland beobachtet. Dummerweise fressen sie sich erst noch einmal richtig voll und vermehren sich, dann stürzt sich die alte Generation über die Klippen von Dover. Die neue Generation macht dasselbe"

"Dover?"

"Sinnbildlich, ich weiß nicht genau, welche Klippen."

"Oh! Gut, leiten sie Gegenmaßnahmen ein. Hören sie sofort auf, den Parasiten zu versprühen!"

"Haben wir schon vor über einem Monat getan. Auftragsgemäß war er aber so präpariert worden, dass er sich selbst vermehrt."

"Ach? Wer hat das angeordnet? Was soll der Mist? Wie sollen wir den Leuten dann neue Insektizide mit Heuschreckenwürmern verkaufen?"

"Die Überlegung war, daß man gar keine neue Parasitensprühlösung herstellen muss, sondern einfach Wasser versprühen kann und das trotzdem bezahlt kriegt. Keiner würde den Unterschied merken."

"Ah! Sehr gut! Perfektes Marketing, könnte von mir sein, der Gedanke!"

"Er war von ihnen. Sagt jedenfalls ihr Assistent. Der Parasit verbreitet sich jetzt unter den Heuschrecken ohne Zwischenwirt direkt weiter. Jede neue Generation infiziert sich und macht sich dann auf den Weg nach Norden - wo sie allerbeste Nahrungsbedingungen vorfindet. Deshalb vermehrt sie sich dort rasend schnell. In drei Monaten wird Südeuropa kahlgefressen sein." 

16 Juni 2013

Heuschrecken (1)

http://www.wissenschaft.de/wissen/news/257126.html
Tödliche Gehirnwäsche
02.09.2005 - Biologie

Parasitische Würmer treiben Heuschrecken in den Freitod
Saitenwürmer haben sich eine ganz besondere Überlebensstrategie ausgedacht: Sie leben als Parasiten in Heuschrecken und manipulieren so geschickt deren Verhalten, dass sich die Insekten vollkommen dem Kommando der Würmer unterwerfen. Um die Kontrolle auszuüben, produzieren die Parasiten dabei eine ganze Reihe von Eiweißstoffen, die direkt auf das Gehirn der Wirte wirken und für eine Veränderung des Verhaltens sorgen, stellten französische Wissenschaftler jetzt fest.Im Leben des Saitenwurms gibt es zwei kritische Phasen: Erst muss er als frühe Larve vom Wasser direkt oder indirekt über einen Zwischenwirt in seinen auf dem Land lebenden Wirt, eine Heuschrecke oder eine Grille, gelangen. Dort entwickelt er sich zum erwachsenen Wurm, der dann zur Fortpflanzung wieder ins Wasser zurückkommen muss. Seine Strategie: Er manipuliert das Gehirn seiner Heuschrecke, die sich daraufhin ins Wasser stürzt.


"Wir, ähm, wir hatten uns das anders vorgestellt" sagte der Chefchemiker des bekannten Chemiekonzerns. Sie hatten ein Patent auf "Eine Methode zur Bekämpfung der Heuschreckenplagen mittels eines gentechnisch optimierten parasitären Organismus" erhalten. Ein bekannter Parasit war genetisch so umgebaut worden, dass er sich großtechnisch vermehren ließ, vom Flugzeug aus versprüht werden konnte und ohne weiteren Wirt direkt die Heuschrecken befiel. Da der Parasit sich immerhin durch denChitin-Panzer der Heuschrecken arbeiten musste, hatte man auch am Erbgut der Beisswerkzeuge herumgebogen. Man fand, dass dies im Namen der Erfindung zum Ausdruck kommen sollte.

Haramylius kukidentes sollte ein Segen für die Menschheit werden. Das funktionierte anfangs sehr gut: Die Heuschrecken infizierten sich mit dem Parasiten und stürzten sich in Flüsse, Seen und Meere. Vorher irrten sie noch eine Weile sinnlos in der Gegend umher - aber das war egal, so lange sie mit dem Sich-Umbringen nicht all zu lange warteten.

"Es gibt da ein Problem" berichtete der Chefchemiker dem Vorstandsvorsitzenden. Und dass die beiden Herren aus der obersten Führungsetage überhaupt über so etwas sprachen, beschrieb die Größe des Problems. "Wir haben nach einer Weile der Anwendung bemerkt, dass die Heuschrecken sich nicht direkt in den nächstgelegenen Fluss stürzen."

Leben heute

Kaffee für drei-neunundsechzig das Pfund KANN NICHT fair sein, weder gehandelt und auch sonst nicht.

Ich kaufe ihn trotzdem.

Hm.

 

15 Juni 2013

Not Weste

Urlaubsumleitung der abonnierten Tageszeitung. Aus welchem Grund auch immer muss man sich dafür jedes Mal ein Geschenk aussuchen, das man dann am Ende der erfolgreichen Umleitung zugesandt bekommt und welches regelmäßig wieder für Unterhaltung sorgt. Diesmal:

"Sehr geehrter Herr ...,

anbei die versprochene Notweste. Wir wünschen Ihnen viel Freude damit."

Ja, äh, danke!

Ich ... weiß jetzt ... nur nicht, wie viel Freude man mit einer Notweste haben kann?

 

14 Juni 2013

Ohweh!

Hilfe! Bei mir unten im Haus macht eine Kneipe mit Musik auf!

Wer rettet mich?

Hilfe!


12 Juni 2013

Abweg

Um einmal auf andere Gedanken zu kommen habe ich neulich gelesen.

Anlass war die seltsame Mailadresse eines Auftraggebers, in der die Jahreszahl 1937 eine Rolle spielt.

Dabei bin ich zuerst an Nikolai Jeschow geraten, einen der Vollstrecker des Großen Terrors in der Sowjetunion unter Stalin. Ergebnis seiner Tätigkeit: Ca. 750.000 ermordete Menschen.

Irgendeinem Link folgend bin ich dann aus Unaufmerksamkeit zum Massaker von Nanking in einem der chinesisch-japanischen Kriege weitergezogen. Dort werden die allerschlimmsten Grausamkeiten beschrieben, die Menschen anderen antun, wenn man sie nur lässt. Wo unter solchen Umständen schon ein Toter zu viel ist, werden Opferzahlen im Bereich von hunderttausenden genannt.

Um dann wirklich auf andere Gedanken zu kommen, habe ich lieber ein älteres Lesezeichen über Neuroparasiten aufgeschlagen, das ich mir vor einiger Zeit einmal angelegt hatte (vollständiger Artikel als PDF hier). Die Neuroparasiten sind lustig, so lange man denkt, dass sie nur Schaben und Raupen befallen und deren Steuerung übernehmen. Dann kommt der Absatz, wo Toxoplasmose beschrieben wird und der Verdacht, dass sie nicht nur die Verhaltensweisen von Ratten und Mäusen ändert, sondern auch von Menschen...

... ich werde das Lesen bleiben lassen.

11 Juni 2013

Jugend und später

Hier erkennt man ein paar Teile, derer ich beim versehentlichen Öffnen einer Schublade in meinem Wohnzimmer ansichtig wurde: Es handelt sich anscheinend um Netzwerkkarten und ISDN-Modems vergangener Generationen. Sehr vergangener Generationen. Weißnichtmehr.

Die Teile eignen sich prima für einen unterhaltsamen Nachmittag mit den Patenkindern, bei dem sie Sachen zerlegen und neu arrangieren dürfen.

Das Gerät oben drüber ist ein Bricolage-Motor, den ich mit ca.elf Jahren angefangen hatte. Selbstverständlich ohne so recht zu wissen, was ich da tue. Irgendeins der damals noch üblichen  Bastel-Lexika schlug das vor.

Alleine war ich gar nicht in der Lage, den Motor fertigzustellen, aber ein Bekannter war dann so nett. Läuft mit dem Trafo der Eisenbahn. Große Freude!

10 Juni 2013

Sprech

Das Wort Nachverdichtung ist Architektensprech. Oder Stadtplaner~.

Nachverdichtung bedeutet, dass auch dort noch Häuser gebaut werden, wo kein Platz mehr ist.

09 Juni 2013

Merk

Weiterer Merksatz für ein glückliches Leben:
Stell keine Fragen auf die du die Anwort nicht verträgst!

08 Juni 2013

U-Bahn

Kürzlich lobe ich den U-Bahnhof Yorckstraße als einen der wenigen, wo man wenigstens hin & wieder einen brauchbaren Musiker antrifft und nicht nur schlimme Behelfsmusikanten und Schallterroristen.

Dann komme ich wieder einmal vorbei und bereue meine Worte: In nicht allzu großer Ferne hört man das Behelfsmusikanten-Standardrepertoire, Popular Classics, das gefürchtete Fürelise, aber in der schmierigsten Weise heruntergespielt und offensichtlich auf einem besonders billigen Instrument dargeboten. Es gruselt einen schon von weitem.

Aus der Nähe allerdings noch mehr.


Weit und breit keiner zu sehen. Da spielt gar niemand. Jedenfalls kein lebendiger Mensch, aus Fleisch und Blut.


Ist das der Demo-Modus oder dient das zum Verjagen von Ungeziefer? Was für eine Firma speichert solchen Schrott auf ihren Geräten? Ach, ich will es gar nicht wissen...




erst bei der nachträglichen Meditation über dieses Foto fällt mir das Kabel auf, das da herumliegt - stellt die BVG ihren unerwünschten Gastmusikern etwa den Strom zur Verfügung?

07 Juni 2013

Wunder wundern

Da kaut man stundenlang auf einem Stück Apfelschale. Bis man sich doch irgendwann wundert, über die Standhaftigkeit, über diese Hartnäckigkeit. Staunen!

Dann stellt man fest: Es handelt sich um ein apfelschalenfarbenes Etikett aus Kunststoff. Auf diesem steht liebevoll hingedruckt: PRO PLANET.

06 Juni 2013

Heimwerk again

Werktag im Büro. Man ist von Berufs wegen darum bemüht, haltbare und optisch ansprechende Bauleistungen zu veranlassen. Der Heimwerker von nebenan nervt deshalb wieder einmal sehr besonders. Hier wurde er bereits vorgestellt.

Er ist ein Zeitgenosse, der für jedwede Aufgabe generell das denkbar ungeeignetste Werkzeug verwendet, weil er im Baumarkt niemanden gefunden hat, der ihm davon abraten wollte. So einem ignoranten Verkäufer hätte er eh nicht geglaubt, der will ihm doch nur etwas andrehen!

Diesmal nimmt er anscheinend einen Dremel zum Abschleifen der Dielen, weil der nun mal am billigsten war. Der Dremel ist auch am kleinsten. Mit ähnlichem Werkzeug arbeiten Zahnärzte, nur dass ihre Werkstücke deutlich kleiner sind als die Dielen in der betreffenden Wohnung.

Seit einigen Tagen/Wochen/Monaten schleift der Heimwerkernachbar damit im obersten Drehzahlbereich unermüdlich eine nicht enden wollende Fläche. Aaaaargh!


05 Juni 2013

Volume

Gestern Nacht habe ich versucht, die Stimmen in meinem Kopf leiser zu drehen...

... erfolglos.

Aber wenigstens läuft zwischen all dem Geschwafel auch immer mal Musik.

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