31 Januar 2008

Der Jazz ist tot


Hier soll heute ein wenig polarisiert werden.
Andere machen das ja auch, oder?


Der Jazz ist tot. Oder kann mir einer der Mitleser irgendeine Gruppe oder einen Einzelmusiker nennen, der die Musikrichtung Jazz zur Zeit irgendwie weiter bringt? Mir will einfach niemand einfallen.

Ich meine, schlimme Kopien gibt es bestimmt, und immer reichlich. In anderen Musikrichtungen ja auch: Kann sich noch irgendwer an den furchtbaren Hype von Franz Ferdinand vor ein paar Jahren erinnern? Die konnten doch wirklich nichts. Außer blöden Reimen auf Lachsfisch. Und? Erinnert sich jemand sonst noch an irgendein Detail? Richtig: Da war auch keins. Nur nach Reimen auf Lachsfisch hat sich die Welt verzehrt.

Gleichzeitig versuchten Leute wie Maximo Park und die Kaiser Chiefs auch, gehört zu werden. Sie hatten sogar irgendwie Erfolg - nur eben Bruchteile von dem der Franz Ferdinands. Dabei hatten sie immer eine Harmonie mehr als diese unterbelichteten Hype-Könige. Interessierte niemand.

Die Rolling Stones finden ja auch ihre Anhänger. Bis heute gibt es Millionen von Leuten, die es für unglaublich genial halten, wenn sich Typen im Rentenalter und mit Reptilienteint auf der Bühne zum Affen machen, lebende Fossilien. Dasselbe retardierte Zeug vortragen wie die letzten fünfundvierzig Jahre.

Vier oder fünf Treffer in fünfundvierzig Jahren, das ist elend. Wenig. Aber sie sind wohl Stars. Die Stones mit ihren atemberaubend wenigen Einfällen - ein mickriger Planet im Universum der Beatles. Je nun.

"Aber seht mal! Wir können ausflippen! Wir können auch Drogen nehmen! Sogar viel mehr als ihr!"
"Ah ja?"


Es gibt anscheinend immer reichlich welche, die sowas beeindruckt.

Während vor fünfzig Jahren vom Rat Pack die Coolness erfunden wurde - nicht wirklich erfunden, das passiert ja alle Jahre wieder, aber immerhin - gibt es heute armselige Kopien wie Michael Bublé und Roger Cicero. Die haben erst gar nicht verstanden, dass die tiefere Anmut der Performance nicht im perfekten Absingen debiler Liedchen liegt. Sondern. Sie stellen sich hin, nennen sich Crooner, wie die Großen, und dann singen sie perfekt. Perfekt langweilig. Niemand, der halbwegs bei Trost ist, erträgt dieses Geschleime längere Zeit.

Und der Jazz? Jazz hat ohnehin kein Millionenpublikum, sehr wenige sind damit reich und berühmt geworden. Immerhin hat sich der Jazz entwickelt, die ganze Zeit, und es fand sich immer jemand, der entwickeln wollte. Aber heute?

Der Jazz ist wohl leider tot.
 

Kommentare:

mq hat gesagt…

>"(Or Has It Moved to a New Address)"

<°((( ~~ hat gesagt…

Oha! Das hatte ich noch gar nicht gesehen. Da haben wieder mal mehrere zur gleichen Zeit denselben Gedanken.

Vielen Dank für den Hinweis! ...werd' ich mir wahrscheinlich trotzdem nicht kaufen, hier liegt so schon genug Zeug ungelesen herum.

Soll ich jetzt etwa auch so eine Amazon-Geschenkeliste da rechts installieren? :-)

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