24 Februar 2009

...und wenn ich auch was hasse wie die Pest...

... dann sind es diese überaus bescheuerten Kellerlichtschächte unter Hauseingangstüren. Hier in Berlin hat man das an fast jedem Altbau: Eine Hauseingangstür, die nur mit Schlüssel aufgeht, und darunter ein Kellerlichtschacht, der mit einem groben Gitter notdürftig abgedeckt ist.

Seit einiger Zeit haben die Deutschen so ein epidemisches Sicherheitsbedürfnis: Hauseingangstüren besitzen außen keine Klinke, sondern sind nur noch mit einem Schlüssel zu öffnen. Wenn man sie loslässt, schlagen sie in die Schlossfalle. Es könnte ja wer kommen...

Zwar kann trotzdem jeder Idiot ins Haus, indem er ganz oben klingelt und an der Sprechanlage behauptet, er sei von der Post, er müsste für den Nachbarn etwas abgeben oder hätte ganz eilige, dringende Werbung. Aber die gefühlte Sicherheit ist enorm gestiegen - zumindest die der Hauswarte und Grundbesitzer.


Wahrscheinlich fast jedem ist schon einmal irgend etwas in so einen Lichtschacht gefallen: Man kommt vom Einkaufen oder von einem Ausflug, schwer bepackt und man hat keine Hand frei. Es regnet in Strömen und man möchte nichts von dem Krempel im Schmutz abstellen. Wenn man trotzdem versucht, den Schlüssel heraus zu fummeln fällt garantiert irgendwas runter - in den Lichtschacht. Dann kann man froh sein, wenn es nur das Portemonnaie, die Scheckkarte oder der Autoschlüssel war. Außer dem Hausmeister kommt da unten ja niemand ran, und es weiß auch niemand, was man grade wertvolles versenkt hat.

Schwierig wird es allerdings, wenn es ausgerechnet der Wohnungsschlüssel war, der an einem Sonntagabend um 23.30h gerade da unten im Dunkeln verschwunden ist. Mit etwas Glück hat der ebenfalls anwesende Partner seinen eigenen Schlüssel auch dabei. Mit etwas weniger Glück hat man gar keinen Partner, er wohnt woanders, ist im Ausland unterwegs oder hat seinen Schlüssel auf dem Küchentisch liegen lassen.
Jetzt hat man die Möglichkeit, die Nachbarn raus zu klingeln, dann kann man immerhin bis zur Wohnungstür vordringen. Ab dort: Schlüssel-Notdienst + Wochenendzuschlag + Nachtzuschlag. Macht etwa das achtzehnfache eines Einsatzes am Tage.

Hat man es am Ende bis in die Wohnung geschafft, will man aber am nächsten Tag trotzdem die heruntergefallenen Wertsachen zurück bekommen. Dazu braucht man eigentlich nur den Hauswart überreden, das Kellerfenster unter dem Lichtschacht zu öffnen (meist ist dort ein Hauskeller). Den Hauswart muss man aber erst mal kennen. Und er muss den Schlüssel zum besagten Raum besitzen. Und er muss willens sein, das zu tun.

Ich selbst hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen, dort zu suchen - wegen eines Autoschlüssels. Das Aufschließen der Tür zum Kellerraum war kein Problem. Selbst das Öffnen des Kellerfensters von innen nicht. Erschreckend war allerdings der Anblick der Füllung des ehemaligen Licht-Schachtes. Seit etwa zwei Generationen hatten Hausbewohner, Postboten, Schulkinder und Werbungs-Austräger alles dort drin versenkt, was Menschen an der Haustür oder überhaupt so bei sich tragen: Schlüssel, Briefe und Päckchen, Pizza-Flyer, Bonbonpapierchen, Kundenkarten, Kondome, Kugelschreiber, Rabattmarkenheftchen. Das alles war sinnvoll komprimiert, da die Stadtreinigung diesen Lichtschacht als einfachen Weg entdeckt hatte, am Ende des Winters das zusammengefegte Streugut zu entsorgen. Der Lichtschacht war etwa einen Meter hoch mit einer haufwerksporigen Mischung gefüllt.

Ich habe eine Schaufel genommen und drei (in Worten: 3 !) Mörtelwannen vom Bau gefüllt und zum Mülleimer getragen. Den Autoschlüssel habe ich nicht gefunden. Aber das lag vermutlich daran, dass ich ein Amateur bin.

Hauseigentümer wollen ja immer gerne sparen. Da frage ich mich, ob die Fundstücke aus den Kellerlichtschächten nicht inzwischen vertraglich zur Entlohnung der Hauswarte zählen.

Kommentare:

nic hat gesagt…

Ich habe letzen Frühling vor dem Bäcker einen 10-Euro-Schein gefunden. - Im Lichtschacht. UND WIR HABEN IHN NIIIIIICHT RAUSGEKRIEGT ! Trotz Stock und Kaugummi. Buäh-hä-hä. (Muß mal kucken ob der immernoch da liegt.)

100 Goldfischli hat gesagt…

Warum sagst Du mir das erst jetzt? Ich hab so einen flexiblen Greifer der fast einen Meter lang ist - für genau solche Fälle.

Aber wie gesagt: Wahrscheinlich gehört die Kohle zur Entlohnung des Hauswarts. Man bestiehlt ihn sozusagen, wenn man unautorisiert das Geld aufsammelt, das andere in dem Lichtschacht verloren haben...

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