Hauptstadtbashing aus der Hauptstadt
Letztes Wochenende musste ich mich Freunden zuliebe wieder einmal länger als nur ein paar Minuten am Potsdamer Platz aufhalten: Potsplatz! Ja, ich meine auch den verlängerten Platz in seiner Daseinsform als Leipziger Platz - ein Unterschied, den man als Passant sowieso nicht spürt. Der sogenannte Potsdamer Platz selbst ist doch im Grunde nur eine Kreuzung mit U-Bahn-Ausgang.
Es gibt ja Leute, die den Potsdamer Platz für das neue Zentrum der Stadt halten. Oder jedenfalls wollen sie es allen anderen als solches verkaufen. Diese Leute glauben, dass eine urbane Brache schon dadurch zum Mittelpunkt der Welt wird, das man sie mit zwölfgeschossigen Klötzen zupflastert. Wenn man die Bezugsgröße "Welt" nur klein genug wählt, ist das nachvollziehbar.
Allen anderen fällt auf, dass der PotsPlatz bis heute von niemandem mit klarem Verstand freiwillig aufgesucht wird. Der Berliner geht nur dort hin wenn er muss. Touristen können das ja nicht ahnen und dürfen auf das Geschwätz der Werber hereinfallen - hinterher wissen sie es dann auch.
Da ist zum einen der im Maßstab eins zu fünf verkleinerte Original-New-Yorker Wolkenkratzer, Legoland in Berlin. Dem fallen seit zehn Jahren die Klinker aus der Fassade. Deshalb versperrt seit zehn Jahren ein Gerüst den Gehweg. Aber es tut sich nichts. Würde ja Geld kosten. Und so wichtig ist der Mittelpunkt der Welt dann auch wieder nicht, wenn man beispielsweise in Zehlendorf wohnt.

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