01 April 2014

Fremdschämen 2

Ergänzend zum vorletzten Eintrag: Da gab es in der U-Bahn früher dieses grünlich-blasse, sehr verhärmte, sehr, sehr dünne Männchen, von dem man nicht sagen konnte, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt (Mann).

Es begann seinen Quengelmonolog immer in schepperndem Ton mit "... etwas Auuufmerksamkeit für meinen Lebensmuu-uu-uut, ein paar Cent oder etwas zu essen, aber bitte ohne Zucker..." 

Die besonders sparsamen Spender, die statt Geld zu geben lieber  ihre Essensreste clever entsorgen wollten, erlebten eine herbe Enttäuschung: Sie waren in die bereitgestellte Falle getappt. "Ohne Zucker" war nämlich so definiert, dass in buchstäblich jedem Lebensmittel irgendwie ein wenig Zucker enthalten ist. Auch in frischem Obst oder einem Butterbrot. Das Männchen hatte demnach Anspruch auf Bargeld und klagte diesen auch ein, voll der Empörung, mit der bekannten Kreissägenstimme und der Lautstärke einer Polizeisirene.

Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Kann aber nicht sagen, dass ich ihn vermisse.

Kommentare:

aintschie hat gesagt…

Read this:

http://www.taz.de/1/archiv/?id=archivseite&dig=2002/01/12/a0260

Aintschie hat gesagt…

Ach so . hier das Bild dazu:
http://www.stefan-winkel.de/FlashGallery_ubettl/ubettl.html

100 Goldfischli hat gesagt…

Genau, der.

Trotzdem.

(zugegeben, der TAZ-Artikel ist mitfühlender, als ich dazu in der Lage bin)

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