05 Juni 2008

Kontakt!


Zur Erläuterung: Die Sache mit der elektronischen Kontaktaufnahme auf Kennenlernplattformen. Das hatten wir neulich schon mal.
Eine der Grundlagen ist, dass man sich mit einem Pseudonym anmeldet. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Irgendwann werden die Kennengelernten aber neugierig, einige ziemlich schnell, einige ziemlich neugierig.
Nur weil man kein Foto drin hat unterstellen sie dann unlautere Motive: Etwa, dass zu Hause Frau und Kinder warten, oder dass man vielleicht kannibalische Neigungen hegt. Dabei gibt es auch noch andere Gründe, warum man sein Foto nicht veröffentlicht. Aber die wollen sie nicht hören - oder nicht glauben. Und werden mit ihren bohrenden Fragen immer drängender.

Eine weitere Eigenschaft der Kennenlernplattformen ist, dass fast jedes Eingabefeld eine Begrenzung der Textlänge hat. Hier: 10.000 Zeichen. Aber so etwas kann die Kreativität durchaus beflügeln - oder?
Der Blogautor wurde also nach seinem Namen gefragt, mehrfach von derselben Person. Und antwortet wie folgt...



Mein Name?!?
Och, der Name ist eigentlich ganz unspektakulär.

Du willst mir doch nicht nachzustellen, oder?
Mich stalken?
Belästigen?
Mich verfolgen?
Und mit Ferngläsern Einblick nehmen?
Willst Du doch nicht?

Dann sag ich ihn nämlich nicht.
Nee nee nee!

Nä?

...

Naja, so originell ist das jetzt auch nicht mehr,
in meinem Alter ziert man sich nicht mehr,
da ist man drüber hinweg,
tut nicht mehr so
und sieht das locker.

...

Man.

Also: Nicht ich.

ICH bin da ja anders.
Anders als die anderen.
Ganz anders.
Nein, noch anders!
Dochdoch!

Glaubst Du nicht, was?

Ich auch nicht.

...

Das Leben ist kompliziert.

Mein Name leider nicht.

Sonst würde ich vielleicht von einem unbekannten, aber alten Adelsgeschlecht abstammen.
Von einem seeeeeeeeehr alten.
Blaues Blut, you know? Schon bei der Geburt fast schon tot. Auf jeden Fall sehr gefährdet. Zerbrechlich. Aber wichtig.
Degeneration in direkter Linie.
Deformation in der zweiunddreissigsten Generation.
Ich hätte vielleicht die Bluterkrankheit.
Oder an jeder Hand sechs Finger.
Oder einfach das typische hervorstehende Kinn.
Mit einem komplizierten Namen wär das viel wahrscheinlicher.
Oder ich hätte einen jahrhundertealten Migrationshintergrund (so sagt man heute wohl).
Vorfahren aus den Karpaten.
Oder den Pyrenäen.
Oder von aus hinter dem Kaukasus.
Gobische Wüste.
Zyklopen...

...?

...naja, so weit vielleicht auch nicht.
Dann wäre ich heute womöglich der Zar Athustra. Oder Fritz Bing-Te-Wau.
Leider nicht.
Keine Mandelaugen.
Kein transkaukasischer Mongolenadel.
Nicht sehr wahrscheinlich jedenfalls.

...


...


...


... ach ja ...


...



...


...


... ach ja ...


...


... ach, gab's hier nicht eine Zeichenbegrenzung, zahlenmäßig? Wie viele habe ich denn noch, um meinen Namen angemessen zu erklären?

Egal, das reicht eh nicht.

...

Oh: "Verbleibende Zeichen: 8228"

So insgesamt 10.000 Zeichen können doch eine ganze Menge sein.

Verdammt: Wie soll ich die jetzt voll kriegen? Damit ich meinen Namen vielleicht am Ende doch nicht sagen muß und behaupten kann - mit Fug und Recht behaupten kann! - der Platz hätte einfach nicht gereicht?

Füllzeichen.

Füllzeichen!

Füllzeichen sind eine gute Idee:

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und davon zwölf Zeilen.


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"Fug" ist eigentlich ein ganz prima Wort. Aber bei all diesen Wörtern muß man ja immer befürchten, daß Max Goldt schon seitenlang darüber philosophiert hat. Aber besser. Weil erkenntnisreicher. Und erhellender.

Mein Alptraum: Da habe ich schon mal ein ergiebiges Thema - und dann kommt Max Goldt und schreibt darüber viel besser. Aber mehr. Und vor fünf Jahren.
Ein Alptraum!

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Im Aboutme bin ich auch an der 10.000-Zeichen-Grenze gescheitert.
Aber nicht nur deshalb. Sondern aber auch. Da hatte ich einfach viel mehr zu sagen. Dort konnte ich alte Gedichte und so Zeugs wiederverwerten. Carsten, der <°((( ~~<. Sondern aber auch. Ich hab noch nicht mal einen zweiten Vornamen. Von wegen transsylvanischer Adel! Pah!

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Gut nä?

Nochmal?

Hier:


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Das bringt mich zeichenzahlenmäßig unwahrscheinlich nach vorne.
Ich könnte stattdessen auch nochmal in meiner Kalauer-Endlagerstätte nachsehen. Die ist sehr gehaltvoll. Finde ich. Mir gefällt sie. Erfüllt mich mit Stolz.
Aber Füllzeichenfüllung ist einfacher:

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Na, jetzt sollte ich aber wirklich ganz dicht dran sein: Wie viele Zeichen muß ich denn noch?

"Verbleibende Zeichen: 6185"

Uff. Das schaff ich nie!

Na gut, einen Zeichensatz noch, diesmal vielleicht was anderes:

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Meine Güte. Ich geb's auf. Das krieg ich mit legalen Mitteln nie voll.

Nienienie!

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Falls Du wirklich bis hierhin gelesen haben solltest: RESPEKT! Ich finde vielleicht doch nochmal zum Glauben an das Gute im Menschen.

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Aber das ist ja total unwahrscheinlich.

Nicht?

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Oder sagen wir so: Diese Form von Naivität kann man heute bestimmt behandeln lassen.

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Außerdem steht der Name ja schon da oben drin.
Ich wollte es nur ein wenig spannend machen.
Für Leute, die im Krimi gerne die letzten zwei Seiten lesen - weil sie wissen wollen, wie's ausgegangen ist.
Das geht hier nicht. So nicht.

Falls Du also hier runtergescrollt hast: Falsch. Ganz falsch.

Der Name steht weiter oben.

Doch, das ist er.
Doch doch, wirklich: So heiße ich.
Tja. Nicht besonders spektakulär, was?
Ich bin eben so.

Kommentare:

mq hat gesagt…

Dieser großartige Text bestätigt mich in meiner Befürchtung, dass dieses Internet mit seinen plattenFormen eine gespenstische Angelegenheit sein kann.

<°((( ~~ hat gesagt…

Jaja, im Fall der Kennenlerneinrichtungen macht die Platt-Form ihrem Namen alle Ehre.

(btw: Du hast den Text doch nicht wirklich bis zu Ende gelesen?)

(2. btw: hab ihn noch ein wenig geändert und die Sonderzeichenreihe durch eine Reihe anderer Sonderzeichen ersetzt - so dass er jetzt noch lesbarer ist als ohnehin schon)

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