24 Juli 2013

Ferne Welten - Geschichten aus der Zukunft (1)


Heute: Nächste Ferne (1)

Wir befinden uns in nicht allzu ferner Zukunft, auf einem Planeten, den die ersten Besucher von der Erde "Frankensteins Zoo" getauft haben. Das hat mit den Eigenheiten des Planeten zu tun, die nicht in allen Punkten den menschlichen Erwartungen entsprechen.

Die ersten Besucher von der Erde sind eine dreiköpfige Raumschiffbesatzung, bestehend aus dem Kapitän, dem Arzt und einem Ingenieur, der nicht spricht. Ein riesiger Schleimpilz wandert, liest Gedanken und formt mit seinem flexiblen Fruchtkörper zuweilen die vorgefundenen Phantasiebilder eins zu eins nach, ein unheimlicher Pantomime.

Im Zuge der ersten relativistischen Reise wird den ersten relativistischen Reisenden immer unklarer, ob dieser Planet und sein Sonnensystem nun zwölf oder hundertzwölf Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Oder irgendeine beliebige andere unüberwindliche Entfernung. Sie werden von Heimweh, Sehnsucht und einer gewissen schöpferischen Unruhe heimgesucht. Manchmal ist ihnen langweilig.


 

“Wann haben sie eigentlich gemerkt, dass wir nicht da sind, wo wir sein sollten, Käptn?”

“Gleich nach unserer Ankunft, als ich den Teleskopsatelliten in die Umlaufbahn geschickt habe. Da habe ich in nächster Ferne ein Sonnensystem gesehen, das eigentlich genauso aussah wie das, wo wir hin sollten - nur von hinten. Wir sind viel zu weit geflogen.”

“Das haben sie erkannt?”

“Ich habe nun mal einen geschärften Sinn für Muster.”

“Oh ja, ich erinnere mich.”

“Und dann musste ich der Sache natürlich auf den Grund gehen.”

“Ich ... kann mir ... das vorstellen...”

“Sehen sie! Und da habe ich bemerkt, dass wir irgendwie vom Kurs abgekommen sein müssen.”

“Und sie haben es denen nicht gesagt?”

“Ich denke nicht dran!”

“Aber ... sollte unsere Raumfahrtbehörde das nicht wissen? Für die nächste Expedition, die sie hierher schicken?”

“Damit die stumpfen Idioten dieses sonderbare Paradies zertrampeln? Nein.”

“Aber das ist doch gefährlich?”

“Ihr Problem. Ich bin nach einer ganzen Weile zu dem Schluss gekommen, dass es sich wahrscheinlich einfach nur um einen Tippfehler handelte.”

“Sie sind wirklich undankbar, Käptn. Die haben uns den schönen Ausflug immerhin bezahlt.”

“Na und? Die hätten uns mit ihrer Inkompetenz beinahe umgebracht! Und dann als bedauerlichen Totalschaden auch noch steuerlich abgeschrieben. Aber selbst dazu sind sie zu unfähig.”

“Glaube ich nicht, oder?”

“Na sicher! Die haben irgendeinen Praktikanten unser Ziel ausrechnen lassen und beim Eintippen ins Navigationsgerät sind aus zwölf Lichtjahren hundertzwölf geworden.”

“Meinen sie?”

“Aber ja! Sie wissen doch, wie es bei denen zugeht. Da hat jemand Verwaltungskräfte eingestellt, die kaum lesen und schreiben können. Die werden nach einem Luxus-Tarif bezahlt, Sechsundzwanzig-Stunden-Woche, achtunddreißig Urlaubstage, vierzehn Monatsgehälter. Und wenn die dann zehn Tonnen Reingungsmittel für nichtschmutzende Beschichtung bestellen, ist das gar nicht so schlimm. Aber uns wird jeder Teebeutel vorgerechnet! Ich könnte sie alle...”

Kommentare:

Moss the TeXie hat gesagt…

Die Überschrift hatten wir doch schon mal, so vor etwa fünf Monaten!? Damals zwar mit einem Trenn- als Bindestrich, aber dafür mit korrekten Abständen drumrum.

100 Goldfischli hat gesagt…

Aaaaargh! Das Klugscheißen ist hier allein meine Aufgabe! MEINE!

Mit der Nummerierung verhält es sich so, dass man schon von weitem erkennen soll, dass es sich um ein neues zusammenhängendes Kapitel handelt. Später wollte ich die Zahlen aus der roten Überschrift rausnehmen ... hab ich wohl vergessen... es tut mur unendlich leid! Unendlich! Endlos! Grenzenlos! Mir fehlt hier einfach der Platz um ausreichend zu beschreiben wie sehr ich diese Verfehlung bedaure und wie sehr sie mir leidtut!

Moss the TeXie hat gesagt…

Da kennst Du mich als gelernten Oberkorinthenkacker aber schlecht. Jetzt stimmen zwar die Abstände (Mikrotypographie kann man im Neuland ja eh vergessen), aber warum steht da denn wieder ein Divis statt des korrekten Gedankenstrichs?

100 Goldfischli hat gesagt…

Weil mir ein Bindestrich besser gefällt. Und ich anscheinend einen Bindestrich gedankenstrichmäßiger finde als studierte Schriftsetzer. Aber wenn die reine Lehre das natürlich so sagt...

... sind wir hier im Typografie-Seminar? :-)

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