19 Dezember 2013

U-Reader

Der moderne Mensch in der Öffentlichkeit hat ein Handy, und er fummelt daran herum. Sicher, die Leute könnten auch Zeitung lesen, früher haben sie unterwegs einfach Musik gehört. Jetzt nicht mehr, das ist der Zug der Zeit. Es gibt Tage, da sitzt man in der U-Bahn, und wirklich jeder im Abteil fummelt an seinem Handy: SMS, Spiele, vereinzelt auch noch Musik.

Dann fragt sich Der Große Bloguator™ wehmütig: "Wo sie hin ist, die gute alte Zeit?" ¹

Das Handy war eine Weile ein typisches Spielzeug der Jugend, seit Einführung des smarten Fons tun das auch Erwachsene bis hin zum Rentenalter. Ganze Abteile voll. Hinzu kommen seit einiger Zeit sogenannte e-Reader, eine Art kastrierter Tablet-Computer ausschließlich zum Lesen folgenlosen Konsum eingescannter Ramsch-Bücher.

Im e-Reader trifft sich die große Koalition der erbärmlichsten langweiligen Praktischdenker auf diesem ehemals schönen Erdball: Druckkosten sparen, Lagerraum sparen, Transportkosten sparen, Buchhändler einsparen, Regalfläche im Wohnzimmer sparen - soooo herrlich praktisch! Mit solchen grauenhaften Langweilern will man doch nun wirklich nichts zu tun haben. Der e-Reader ist der Tod jeglicher Poesie im Lesen.

Aber dann doch immer wieder auch erhellende Momente. Neulich sitzt Der Große Bloguator™  in der U-Bahn und zückt sein allgegenwärtiges Buch. Nur ist diesmal irgendetwas seltsam. Als er aufblickt fällt ihm auf, dass alle Personen im Abteil lesen - aber in richtigen Büchern, aus Papier. Dafür kein einziges Smartphone, nicht mal ein e-Reader.

Das kann kein Zufall sein. "Die Welt, sie ist noch nicht verloren," sagt sich da Der Große Bloguator™ theatralisch, "die Welt ist noch zu retten! 



 

¹ so blöde Fragen fragt er sich natürlich nicht wirklich, ist nur so eine Redewendung, um den Blogeintrag *noch* *unterhaltsamer* zu gestalten

Kommentare:

Moss the TeXie hat gesagt…

Es ist doch alles nur eine Frage des richtigen Umgangs miteinander. Das Captcha kommentiert folgerichtig: «experienced hnomingi». Ich glaube aber, es kann «Holgi» nicht richtig aussprechen.

Knut Junker hat gesagt…

Das will ich auch schwer hoffen, meine Frau ist Buchhändlerin, und das soll auch so bleiben.

Aber ich lese trotzdem im Zug lieber im eReader, schließlich schleppe ich schon genug Zeugs mit mir rum. :-)

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