07 März 2008

Deutsche Politik heute


Die Hessen haben den Koch verdient- und Dagmar Metzger wird seine Innenministerin

Aber das ist inzwischen das kleinere Problem. Das größere ist Dagmar Metzgers politische Heimat: Wenn ich mir ansehe, welches schmierige Gesindel die SPD in den letzten Jahren angezogen hat, stehen mir die Haare zu Berge. Früher mal, in den achtziger Jahren vielleicht, hätte man solche Leute allenfalls in einer Bananenrepublik erwartet. Das klingt doch alles eher nach Nigeria und Zimbabwe als nach Mitteleuropa:

- Schröder, der Ex-Kanzler, ist mit einem Massenmörder befreundet und bezeichnet ihn als "lupenreinen Demokraten" - folgerichtig macht er heute beste Geschäfte mit ihm. Und wir haben uns früher über Strauß mit dem vergleichsweise Kleinkriminellen Gspusi Pinochet aufgeregt.

- der Ex-Innenminister forciert während seiner Amtszeit zuerst den maschinenlesbaren Ausweis und bekommt jetzt Geld von den beiden Firmen, die ihn herstellen. Das ist ihm keineswegs peinlich, er findet, das sei ein ganz alltäglicher Vorgang. Bravo, Schily!

- der Ex-Wirtschaftsminister Clement reitet erst auf seinem Parteibuch in die Aufsichtsräte verschiedener Unternehmen und rät dann von der Wahl seiner eigenen Partei ab. Beschimpft gerne Arbeitslose.

- der Berliner Finanzsenator Dr. Sarrazin ist nebenher Mitglied im Aufsichtsrat von 8 Unternehmen, bezieht selbst geschätzte 200.000 im Jahr und rechnet den Beziehern von Sozialleistungen ganz ernst jeden einzelnen Bissen vor, 3,78€ am Tag müssten nämlich für Essen völlig genügen. Er selbst hat 548€ am Tag, aber davon muss der arme Mann auch oft sein Essen bezahlen.

- die Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger ("Am meisten verabscheue ich Lügen") lässt sich erst wählen, ergattert noch den einen oder anderen schönen Posten und verweigert ihrer Parteichefin dann die Unterstützung - ganz klar aus Gewissensgründen, was denn sonst? Wer also Leute wie Koch haben will, muss eigentlich SPD wählen.


Allgemeine Leitlinie:

Du bist nur deinem Gewissen verpflichtet -
sobald du dein Schäfchen im Trockenen hast



Da fragt man sich doch: Muss man schon so korrupt sein, wenn man in die SPD eintreten will, oder kann man das auch durch Workshops und Fortbildungen innerhalb der Partei lernen?

Genügt es, wenn man den unbedingten Willen zur legalen Korruption nur auf dem Antragsformular ankreuzt - oder muss man das womöglich belegen? Haben die sowas wie eine Probezeit, innerhalb derer man seine Unehrlichkeit irgendwie beweisen kann? Kennt sich da jemand aus?

Insgesamt benimmt sich die Spitze der Arbeiterpartei wie zu besten Zeiten des Feudalismus. Aber sicher unterliege ich da nur einem verbreiteten Irrtum: Der Begriff "Ehrlichkeit" steht nämlich gar nicht im Parteiprogramm der SPD.




Die Hompepage der ehrlichen Dagmar Metzger ist derzeit zufällig nicht erreichbar. Wie man in einem Kommentar lesen kann, ist sie Aufsichtsratsmitglied bei HSE, einem hessischen Stromversorger, Tochter der Thüga, und diese dann Tochter der EON - in der wiederum der Herr Clement Aufsichtsrat ist. So schließt sich ein besonders ehrlicher Kreis.


 

Kommentare:

Jochen Hoff hat gesagt…

Es tut mir leid. Ich finde es zwar auch zum Kotzen, das sie uns Koch beschert. Aber das was sie tut hat Klasse. Ministerin wäre sie jetzt auch so geworden. Da hätte sie nur leise nein sagen müssen.

http://www.duckhome.de/tb/archives/2099-Hut-ab-vor-Dagmar-Metzger.html

Wir können nicht immer nach unabhängigen Politikern schreien und dann sauer sein, wenn sie gegen unsere Interessen unabhängig sind.

<°((( ~~ hat gesagt…

Ich vermute doch mal, dass man in Hessen SPD wählt, weil man den Koch nicht haben will. Die Frau Metzger hätte ja auch vor der Wahl laut rufen können: "Wählt mich, dann kriegt ihr Koch!" Hat sie anscheinend nicht getan - sonst wäre sie vielleicht nicht gewählt worden.

So ist sie nur vom Willen ihrer Wähler unabhängig.

Ihre persönliche Webseite mit den Mandaten und Posten, die sie sich auf dem SPD-Ticket erschwindelt hat, ist derzeit leider leider nicht zugänglich. Womöglich interessiert sich ja seit kurzem ihr Volk dafür. Soviel zum gepriesenen "Rückgrat".

Wenn sie nicht will, dass die SPD regiert, brauchte sie doch einfach nicht mit zu kandidieren? Oder sie geht einfach zur CDU, wenn das doch ohnehin ihre politische Heimat ist.

Ich kann daran nichts ehrenhaftes entdecken und sehe ihre Heuchelei in bester Tradition von Roland Koch selbst.

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