22 Februar 2014

Feder

Als ... hhrrrm, hhrrrm ... Autor ... schmückt man sich ja gern auch einmal mit fremden Federn. Nur so wird man zur Edelfeder.

... hm? ... wooo-haaa-haaahaaa! ... nee, natürlich nicht. Ich bin ja nicht Helene Hegemann!

... äh, wo waren wir stehen geblieben? Ach so, die fremden Federn. Erblickt der Große Bloguator™ also auf der Webseite der FAZ einen Button namens "Ich schreibe wie...".

Der heißt nicht etwa "Wie schreibe ich?" oder "solln der scheiß?" und genau das macht einen ja auch neugierig. Flugs geklickt!

Im Folgenden wird man über diesen Teaser (so sagt man heute, wenn einer mit billigen Mitteln Spannung aufbaut) aufgeklärt:
"Ich schreibe wie...

Franz Kafka? Oder eher wie Ildiko von Kürthy, Ingeborg Bachmann, Maxim Biller? Oder schreibe ich wie Goethe?

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie Stil haben und wenn ja: welchen - dann gibt es jetzt endlich eine absolut sichere und unbestechliche Messmethode."
Aha. Das ist ja dann auch ganz schön. Leider leidet der Große Bloguator™ unter ausreichend Eitelkeit, um auf solche Angebote letztlich hereinzufallen. Es kommt, wie es kommen musste:
Und es fällt dem größten aller Bloguatoren wie Schuppen von den Haaren: Ich schreibe wie jemand, von dem ich noch nie in meinem Leben gehört habe und (!) dessen Namen ich noch nicht einmal unfallfrei aussprechen kann. Wooo-haaa-haaa! Erfolg! Erfolg!

Applaus - Verbeugung - rückwärts ab - Vorhang.




fun fact: Die Leute bei der FAZ nennen das hier oben abgedruckte Ergebnis übrigens "Zertifikat". Kein Wunder, dass einer wie der Guttenberg sich für einen Doktor halten musste.

Kommentare:

hans reitz hat gesagt…

Test: Texte von 5 (FÜNF !) verschiedenen Autoren eingegeben. Ergebnis: 1 mal "Sigmund Freud" (den kenn' ich), 4 mal "Melinda Nadj Abonji" (kenn' ich nicht, ist aber laut wikipedia - und dann muss es ja stimmen - "ungarisch-schweizerische Schriftstellerin, Musikerin und Kunstdarbieterin. 2010 gewann sie den Deutschen Buchpreis und den Schweizer Buchpreis").

Riecht schwer nach Qualitätsjournalismus ...

100 Goldfischli hat gesagt…

Ah! Dank der Aufklärung!

Für mich klingt der Name eher nach saudisch-nigerianischer Abstammung mit laotischem Migrationshintergrund und eingesprochener maorischer Übersetzung.

Aber wenn ich über dieses Ergebnis so nachdenke: Entweder jeder schreibt so wie sie - oder sie ist ein literarisches Chamäleon allererster ... äh ... Provenienz?

Moss hat gesagt…

Oooh, aaah, endlich, endlich!

Muss ich auch mal ausprobieren und habe aus diesem Grund ein glücklicherweise kaum beachtetes Frühwerk (ca. 1997) ausgewählt, in welchem ich die Nachwirkungen eines Abends mit Frogoff Ataka verherrliche. Da mich diese Kommentaromatik mit drastischen Worten («Ihr Darf höchstens 4.096 Zeichen umfassen-Code kann nicht übernommen werden.») in meiner dichterischen Weitschweifigkeit beschneidet, seien hier nur einige Passagen zitiert:


Dies ist also der Rest des Tages. Was tun, wenn der letzte Becherovka getrunken, die letzte Majorka geraucht und Anne Bolika auch schon gegangen ist? Da bleibt nur noch eines: ehrwürdigen Weisen aus den Weiten der anabolischen Steppe zu lauschen und noch eine Flasche Becherovka aufzumachen ... soeben hält ein rotgoldenes Barthaar (Ja! Das Erbe meiner freiheitsliebenden Vorfahren aus den Steppen Ostjakutiens!) an meinem Kinn der konzentrierten Melancholie in Edjas blondinenschwangerer Stimme nicht mehr stand und stürzt sich in den Tod. Ob es Zufall ist, daß Edjas Brustbelockung meiner Gesichtsehre gleicht? Nun gut.
Noch ein Gläschen von Jan Bechers gold'nem Elixier. Meine Gedanken schweifen über die endlosen Permafrogoffsteppen ... Omsk, Irkutsk, Nowosibirsk, wie der transsibirische Dichter im Takt der Schwellen und Gleise singt. Oiwey!

[…]

Ein letztes Fläschchen von Jans Kräutertinktur. Ich summe ein altes chinesisches Revolutionslied: "Die Fäkaliensammler steigen von den Bergen herab" und denke über grundsätzliche philosophische Fragen nach. Sind Atome geschmacklos, wie ist die Farbe von Edjas Körperbehaarung (global) und warum sollten Kanalrohre ausschließlich innen zakuski-beschichtet werden? Ich lausche nochmals den jammernden Lauten des verdienten Chores der revolutionären Front, den großen vaterländischen Atakkisten, und schöpfe Trost aus dem Vortrag von "Otschni Notschi". Aber warum, warum nur ist die Schrift der vorbildlichen Seiten des Komitees der Vorsitzenden des Rates für Musikalienerzeugung "Wladimir Illjitsch Uljanow, gen. Fuegor" nur so klein? Will der große Vorsingende vielleicht unsere Sehkraft auf die Probe stellen? Ich werde dem Rat für gegenseitige Illiteratenhilfe eine Eingabe unterbreiten: man soll dem real existierenden Beweis der Überlegenheit des wissenschaftlichen Atakkismus, der "Mir" (russ. "Himmel") eine weitere Abteilung hinzufügen zur Erzeugung von Sehhilfen unter den von Gen. Staatsratsvorsitzenden Edja beschlossenen Bedingungen der Mikrogravitation. Nur damit erschließt sich dem in den revolutionären Lehren Frogoffgeschrittenen die grenzenlose Weisheit jener Verlautbarungen!


Ergebnis: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Weia.

100 Goldfischli hat gesagt…

Spricht eigentlich auch nur einer von Euch Russisch? War überhaupt auch nur einer von Euch jemals in Jakutien?

Ich auch nicht.

Wennst wieder amal in Berlin bist gehmer zur Russendisko, ja? Und gießen uns auf die Lampe!

Moss the TeXie hat gesagt…

Rrrusski parrfäkt, Towarisch! Sto gramm! Dawai, dawai!! Saatanat, saatanat … ach nee, das war ja dann schon Eläkeläisetfinnisch. Ist aber auch im Osten, wie übrigens auch die ersten 39 Jahre meiner Kindheit (und Jugend (und danach)).

Ja, so ab Jahr #27 wohnten hinter Mödlareuth und Rudolphstein plötzlich nicht mehr russische Agenten aus der Zone, sondern Brüder und Schwestern in lustigen kleinen Pappdeckelautos, aber das linderte die Düsternis der fränkischen Landprovinzen erstmal überhaupt nicht. Auch die Düsternis in vielen Hirnen (auch und gerade meinem) ließ damals nur sehr langsam nach.

Der verwirrende Umstand, dass der pöhse Osten, von Oberfranken aus gesehen, hauptsächlich im Norden wohnte, während man bzgl. der östlich benachbarten, vom Westen durch die undurchdringlichen Urwälder der Oberpfalz getrennten Gebiete nur die Märchenfilme mit den immer gleichen Darstellern kannte, machte es auch nicht besser. Polen wurde, was unser Wissen darüber anging, damals übrigens von Spejbl und Hurvinek regiert (später dann von Lolek und Bolek, aber das ist eine andere Geschichte).

Was Dein verwegenes Ziel betrifft, sich öffentlich mit mir zu vergnügen … hast Du was mit dem Linuxtag am Hut? Da werde ich wohl mal wieder Standpersonal darstellen.

Lady Crooks hat gesagt…

Au fein!

Gibt es das Ding immernoch?

Super!

Werde ich gleich mal testen ob ich an meinem Stil etwas arbeiten konnte.

Ich glaube das letzte mal war es glaube ich Charlotte Roche...

Fand ich auch nicht so prickelnd...

Herr_Zimmermann hat gesagt…

Danke für diesen wunderbaren Hinweis! Mir war zwar stets bewusst, dass zwei Seelen - ach! - in meiner Brust wohnen. Aber dass es ausgerechnet die von Kafka und Fontane sein sollen ist ja fast zuviel der Ehre.

Wobei: wenn ich genauer darüber nachdenke, also über das Zuviel und die Ehre, dann stelle ich realistisch-nüchtern fest: für die zwei mal nicht. Für mich schon eher.

Es grüßt
Herr Zimmermann

PS: Den obigen Text habe ich natürlich auch noch vor Veröffentlichung schnellstens generatorzertifikieren lassen - so wie es aussieht ist Franz Kafka eindeutig der Chef der beiden. Bin mir gerade nicht sicher ob ich das gutheißen soll...

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