22 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (6)

  
Plötzlich hatten wir dit problem bei uns im kiez. Der is hübsch und lebendich und kostet nich vülle. Is also jenau dit richtije für leute, die seit ihre jeburt schon tot sind, aba kohle im überfluss haben.

Und weil se nich selbst in so ne unheimliche jegend ziehen wollen - da müssten se ja ihre jewohnte umjebung verlassen - koofen se sowat als "Anlage" und schenken dit ihrem sohn und ihre schwiejertochter.

Diss sich in die ihrem sprachjebrauch vermöjensanlage und wohnanlage irjendwie überschneiden is sicher nur zufall. Da bin ick sicher der einzije, der böswillich ne jewollte vermischung da drin erkennt.

Is nur lästich, wenn in die "Anlage" noch eener wohnt und zu wenich miete zahlt. Der muss denn da leider raus, weil, die ham dit ja für ihren sohn und ihre schwiejertochter jekooft, und hauptsächlich natürlich als "Anlage" für ihr schönet jeld.

Bei uns im kiez häuften sich solche fälle. Denn machte eener ne versammlung,"GEGEN GENTIFIZIERUNG!" Aus neugier bin ick da mal hinjegangen, is ja absehbar, diss dit dich selbst ooch trifft, früha oder späta.

12 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (5)

“Die anstrengungslosen Einkommen
müssen wir endlich abschaffen!”

Thilo Sarrazin, SPD

5.

Der *klassische* hauswirt stirbt sowieso aus in berlin. Wenn eener heute een miethaus in berlin besitzt, denn hat der dit in der regel jeerbt. Aba so leute sind inzwischen selten jeworden. Den erben ist dit ejal, die träum vom mühelosen wohlstand, nehm lieber die kohle und lejen se irjendwo an, wo se mit noch wenijer arbeet dit gleiche rausbekomm. der erbe verkooft also seine immobilie zeitnah.

Der *tüpische* hausbesitzer in berlin is inzwischen entweder ne heuschrecke, also jewinnmaximierter immobilienfong mit briefkasten im ärmelkanal. Oder eene wohneijentümerjemeinschaft. Heißt: Dit haus is an lauter wohlhabende ahnungslose verkooft und aufjeteilt worden, ideell natürlich, weil dit ja ooch für realistische teilung nie jedacht war. Und dit ooch jar nich jeht, sonst müsste jedem ne halbe wand und een halber fußboden jehören. Von der haustür janz zu schweigen.

Warum leute davon träumen, diss ihnen ne halbe wand und nich der janze fußboden jehört, is mir een rätsel, nach wie vor. Tun se ja ooch nich. Der einzije vorteil von wohneijentum is doch, diss man wenijer steuern zahlt. Also, dit is ja keen richtijer vorteil, wenn man dafür ne immobillie besitzt zusammen mit leuten, die man absolut nich ausstehen kann.

Ja, dit is meine persönliche sicht. Für andere überwiecht eben der vorteil, diss se steuern sparen. Wenn man die fracht “Und wat noch? Is dit allet?” denn antworten die immer ditselbe “Das ist ja auch etwas für das Alter! Sicherheit!”

Sicherheit ham die natürlich nur so lange, wie se die wohnung nich verkoofen müssen. und bis dahin kostet die sicherheit doppelt so vülle wie eene altbackene mietwohnung. Die differenz bleibt bei den wichtichsten stützen der jesellschaft hängen: Bei notare, banken, bauträjer und immobilienmakler. Aber anscheinend macht dit dem wohneijentümer een jutet jefühl, wenn er solche stützen nach ihre leistung anjemessen fördert.

07 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (4)

"Wer sich wehrt
lebt verkehrt."
Donald Trump

4.

Mit alle solche leute konkurriert der einheimische, der schon aus  lauter tradition nich so vülle verdient. Die normalen arbeitjeber rücken ja nich plötzlich mehr raus, weil die miete heute so teuer is. "Dafür kann ich doch nichts! Noch höhere Entlohnung gefährdet unsere Wirtschaftlichkeit! Sie kennen sich doch hier aus, sie können doch ganz leicht in einen billigeren Bezirk ziehen!"

Klar, wenn ick der chef wäre würde ick meine beschäftichten ooch so n quatsch erzähln.

Billich isset in berlin überhaupt nürjends mehr und bezahlbar nur noch da, wo man nich tot übern zaun hängen will. Sojar neukölln und wedding kommn inzwischen uff die füße. Die warn dreißich jahre lang am kommen! Und immer konnte man sich druff verlassen, dass dit nüscht würd: Wenn allet kommt - nich der Wedding! Jetz aba anscheinend doch. Ick meine: Der WEDDING! Und denn noch NEUKÖLLN! Dit hätte sich vor sieben jahre noch keener träumen lassen!

Und jenau dafür ham leute mit fremdsprachenkenntnisse een schönet wort erfunden: GENTRIFIZIERUNG. 

Im grunde jehts darum, diss leute mit mehr jeld denen mit wenich jeld die bezahlbaren wohnungn wegnehm. Dit passiert latürnich nich so eins zu eins, "böser kapitalist!", diss der mindestlohner schlachartich ausziehen muss, bloß weil jetz der bänkersohn aus frankfurt da is.

... sondern erst, wenn die räumungsklage durch is.

Nee, spaß beiseite: Dit jeschieht ooch schleichend. Wenn die leute mit fülle jeld erst mal da wohnen, denn wird plötzlich ooch der supermarkt teurer. Klar, weil er jetz endlich die kundschaft für handjeschöpften stutenkäse aus dem zentralen Meck-Pomm hat.

Na sicher doch, so funktioniert dit: Der billije jetränkemarkt muss wegziehn, weil een jeschäft für oberklasse-kinderwägen mehr miete zahlt wie een laden für grundnahrungmittel. Denn kommt der zweete und der dritte biomarkt und denn die waldorfschule.

Nüscht jegen ordentliche bildung! Aba die waldorfschule funktioniert mit zuzahlung. Dit is also eher nüscht für die leute, die mit jeder pfandflasche rechnen. Die hörn nur "zuzahlung" und finden denn, diss ihre kinder sowieso nich zu studieren brauchn.

Und den hauswirten is dit insjesamt nich unrecht, wenn se mehr jeld kriejen dafür, diss se ohnehin nüscht tun.

03 Dezember 2017

Gentrifiz und Widerstand (3)

"Hinter der Schlechtigkeit der Welt
steckt nicht einmal immer ein Plan!"

 
Großer Bloguator™

3.

Hier in der innenstadt is dit kaum noch möglich, ne bezahlbare mietwohnung zu finden. Seit wer hier hauptstadt jeworden sind ham wer bundesbeamte und den internationalen easyjetset. Und demnächst noch den jeheimdienst.

"Jeh heim!" Ha! Wär ja schön. Tun die aba nich. Ihr job is ja jetz hier und vülle billijer wie zu hause isset ooch. Und Berlin is voller sünde - nichmal ordentliche sünde ham die zu hause, dit am allerwenichsten. Pah!

Die ham vülle mehr kohle wie een einheimischer. Die beamten werden einfach besser bezahlt und der easyjetset lecht sein schwarzjeld sicher an, jenau dieset schwarzjeld, wat er bei sich zu hause seinem eigenen staat vorenhalten hat.

Und denn jibs noch leute, denen et in ihre heimat noch schlechter jeht. Die ham vülleicht wat jespart und finden, diss man in ne tolle stadt ooch mit ne hohe miete schon für ne jewisse zeit ürjendwie üba die runden kommt.

Amerikanische studenten, engländer, spanier, israelis - da is keen system dahinter, manche nation taucht hier zufällich öfter auf als andere. Wir ham aber natürlich ooch finnen, isländer und japaner.


28 November 2017

Kanne

aus unserer bekannten Reihe Erzählungen ohne Pointe


Der Große Bloguator™ kämpft seit langem mit Ablagerungen¹ in der Kaffeekanne¹ der Kaffeemaschine¹. Die Kanne ist in der Art einer Thermoskanne konstruiert und daher undurchsichtig, aber man kann von oben hinein sehen.

Das dort erwartete Soll ist eine ansehnliche Metalloberfläche. Das langjährig vorgefundene Ist war² eine innere Oberfläche mit der Anmutung eines Straßenbelages. Immerhin Asphalt, nicht Kopfsteinpflaster. Etwa so, wie man sich die Lunge eines leidenschaftlichen Rauchers vorstellt.

Wahrscheinlich weitgehend nur ein ästhetisches Problem, kein hygienisches. Trotzdem! Allein die Vorstellung.

Die erste Linderung ergab sich aus Hinweisen geneigter BlogleserInninnen. Nach etlichen eigenen Versuchen wurde von ihnen auf die Wirkungsmacht gewöhnlicher Spülmaschinentabs hingewiesen.

Der Trick funktionierte beim ersten mal sehr zufriedenstellend. Bei den nächsten Versuchen leider nicht mehr: Trotz intensiver Bemühungen genügten auch 10 Nachspülvorgänge nicht, um das strenge Geschirrspültab-Restaroma wegzufegen. Das machte den entstandenen Kaffee eine Zeitlang nur schwer genießbar.

Aber.

ABER!
In der westlichen Welt kursieren seit geraumer Zeit Narrative³ über die außerordentlichen Wunderkräfte des Backpulvers. Selbstverständlich gilt nach wie vor die Grundregel für das ganze menschliche Leben  “Glaub nicht alles, was man dir erzählt!” Backpulver kostet aber nicht viel, es kann nicht viel kaputt gehen und deshalb ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

Der Versuchsaufbau ist relativ simpel und lautet: 2 Päckchen Backpulver mit kochendem Wasser aufgießen und eine Nacht lang stehen lassen.

Und siehe, der Belag hat sich gelöst!

Man muss zwar immer noch mit einem groß genugen Tuch oder einer Flaschenbürste nachwischen, weil das angelöste Zeug an der Oberfläche klebt,  aber dann erkennt man einen Erfolg: Sehr befriedigend!






¹ so ziemlich alles überholte Konzepte
² Tempuswechsel nicht ganz unbeabsichtigt
³ ja, sicher doch, heute muss man so sagen! Früher waren das einfach Erzählungen. Oder Geschichten.


27 November 2017

Gentrifiz und Widerstand (2)

2.

Als MITEIGENTÜMER wirste so mitglied in ner eijentümerjemeinschaft, zu eenem dreizehntausendstel oder sechsundzwanzichhundertstel oder so. Nu koofen die leute aba keene wohnung, weil se sechsundzwanzichhundertstel-eijentümer von nem lagweilijen haus zusammen mit nem arschloch werden wolln.

Nee, die wollen steuern sparen! Also: Die globen ernsthaft, disse jeld sparen, wenn se nen kredit uffnehm und sich ne wohnung koofen. Einfach jeld sparen reicht die leute nich - erst weil et um steuern jeht werden die leute so richtich gierich.

Wer mich fracht: Logisch is dit nich. Da verlieren an sich vernünftije menschen einfach den verstand, wenn se sich einbilden könn, disse steuern sparen. ob se dadurch dem jemeinwesen wenijer jeld zur verfügung stellen kratzt die nich.

Die straße vor ihrem wohneijentum kann daher leider leider nich von ihre steuern jebaut werden. Sondern von die steuern, die eener zahlt, der keen eijentum hat.



25 November 2017

Gentrifiz und Widerstand (1)

Musik und Tön revisited


1.

Wir kenn inzwischn einije leute, die sich eijentum jekooft ham. Wohnung, keen haus. Meine familie und ick wohn ja zur miete. Wir wolln dit ooch nich anders. Mit dit eijentum ist dit so ne sache. In jede EIGENTÜMERGEMEINSCHAFT scheint dit immer mindestens een arschloch zu jeben. Dit is wohl so sehr naturjesetz wie die schwerkraft.

Die arschlöcher wolln sinnloset zeuch bauen, und alle andern nich. Oder die verhindern, diss sinnvollet zeuch jebaut wird, weil dit ooch ihr jeld kosten könnte. Oder weil et ihnen einfach nich passt, wenn andere leute zufrieden sind. also schießen se quer so jut wie se könn. Machen terz jegen kinderwägen im flur oder wejen falsch beleuchtete türschilder oder zu hohe kosten fürs laubharken. Oder weil nich jenuch laub jeharkt wird und nich jenau nach ihre vorstellung. Und oft jeht dit noch nichmal ums jeld, so wohnungseijentümer ham ja in der regel jenuch. Den arschlöchern jeht dit oft nur ums rechthaben.

Die wirste aber nich mehr los. Dit is ja die idee von eijentum, dit soll für ewich sein. "Wer Eigentum besitzt, begeht keine Revolution!" wusste schon Marx. Oder wars Lenin?

Weil de die arschlöcher nich los wirst wehrste dich jegen die. Und wenn de dich lange jenuch jegen die jewehrt hast wirste selber zum arschloch. "Wenn du zu lange in den abgrund blickst, blickt der abgrund in dich!" Ick weeß nich, ob dit würklich so jenau stimmt - klingt aber jut in diesem zusammenhang.

Deswejen is dit een sehr einsichtijer grund, warum man keen eijentum zu koofen brauch, finden meine susanne und ick. Außerdem ham wer jar nich so vülle jeld flüssich. Wir jeben dit jeld lieber gleich aus. Und erst een kredit uffnehm um jeld zu sparn finden wer ooch unsinnich, irjendwie. Dit is aba üblich, wenn de eijentum bilden willst: Du hast den wunsch, aba nie jenuch in bar.


weiter zum 2. Teil

Wahrnehmung

Es soll ja Leute geben, die nur das glauben, was sie sehen. Für die hab ich hier was hübsches, einen Künstler namens Vernon James Manlapaz. Er scheint in einer seltsamen Gegend zu wohnen. Deshalb veröffentlicht er diese schönen Beobachtungen auf Instagram und ist sehr produktiv:


oder


Öhm, ja. Da: https://www.instagram.com/vernbestintheworld/

22 November 2017

Zeichner update

Der Große Bloguator™ interessiert sich unter anderem für alle künstlerisch-grafischen Erzeugnisse: Comics, Streetart, Bauzeichnungen. Nein, nicht für die furchtbare “Graphic Novel”, natürlich nicht! Wenn dieses Etikett irgendwo drauf klebt, handelt es sich in der Regel¹ um einen Stoff, den man mit jedem anderen Mittel besser erzählen könnte als mit belanglosen Allerweltszeichnungen. Also mit Text, Film, Fotografie oder anderen noch zu erfindenden Medien.

Es gibt nämlich Leute, die mit ihrem Medium interessante Inhalte transportieren, ohne lautsprecherische Propaganda dafür zu machen. Zufällig kommen mehrere davon aus Schweden. Sie arbeiten mit ganz unterschiedlichen Techniken. Gemeinsam haben sie, dass jeweils ein Bild eine ganze Geschichte erzählt und dabei mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Beide sind ein wenig technikaffin und wandeln am Rand zur Sciencefiction.

Der eine ist Mattias Adolfsson. Er veröffentlicht derzeit aus seinen Skizzenbüchern, eine Technik aus Fineliner und Pantone-Schattierung. Was er sonst noch alles so treibt, muss die geneigte Leserin selbst herausfinden.


Der andere ist Simon Stålenhag, an den hier wieder einmal erinnert wird. Dieser arbeitet in Essig und Öl - also, er fertigt großformatige Gemälde auf Leinwand, die sich beim Hineinzoomen weiter erschließen, aber trotzdem rätselhaft bleiben





¹ "Feindbilder und Vorurteile wollen gepflegt sein. Sie verblassen sonst."
Alte Bloguatorenweisheit

12 Oktober 2017

West, Ost und sonst

Geografie und Musik

Vor einiger Zeit habe ich Merril Garbus von den TuneYards in Berlin gesehen. Sie trat im West Germany auf. Am Ende der Show verabschiedete sie sich mit so etwas wie 'glad to be here in west germany' Anschließend mischte sie sich unters Publikum und bedankte sich bei jedem einzeln.

Ich hätte sie so gerne über die spezielle Geografie aufgeklärt: "Wir sind hier in einem Lokal namens WestGermany, welches im alten WestBerlin liegt, welches wiederum zwar zu WestDeutschland zählte aber mitten im alten EastGermany liegt." In Englisch natürlich, das macht die Sache reizvoller.

Der Veranstaltungsort ist¹ sehr charming, anscheinend eine aufgegebene Arztpraxis in einem 60er-Jahre-Betonbau, im Obergeschoss, nur über eine Treppe zu erreichen. Am Boden die alten weißen Fliesen der Arztpraxis, im Quadratraster ganz ohne übertriebenen gestalterischen Ehrgeiz verlegt. Darauf noch Teile der Metallleisten, aus denen die vorher vorhandenen Trockenbauwände errichtet wurden. Diese Metallleisten bestehen aus sehr dünnem Stahl und sind leicht zu verbiegen, also auch herunter zu treten, wenn man zu bequem ist, sie abzuschrauben. Danach sind sie immer noch einige Millimeter hoch und machen den Boden im Dunkeln unangenehm uneben, weil man denkt, dass man auf irgendwas drauf getreten ist oder der Boden substanzielle Risse aufweist.

Das WestGermany ist¹ auch mehr oder weniger nicht beschildert, der Hauseingang, zu dem die angegebene Hausnummer gehört, liegt an einer ganz anderen Stelle. Keiner in der Nähe, der sich auskennt. Und in Berlin fragt man in so einem Fall niemanden nach dem Weg, ist uncool, entweder entpuppen sich nämlich die anderen als Touristen, oder man selbst. Wer beim Warten den Blick ein wenig schweifen lässt, sieht aber, dass an einer Stelle noch mehr Konzertplakate kleben als sonst überall in Kreuzberg, dort geht es eine schwach beleuchtete Treppe hinauf und dort muss der Eingang sein.

Das ganze atmet tief den Geist der späten siebziger -  frühen achtziger Jahre im umzäunten aber freisinnigen und immer schon improvisierten West-Berlin.

Anderswo werden Zugänge bewusst so eingerichtet, anschließend nennt man es verschwörerisch Geheimtipp. In Berlin muss man keine Absicht unterstellen, es  trifft nur Unvermögen auf Pioniergeist und die meisten Leute lieben es, wenn sie es trotzdem gefunden haben. So ähnlich wird wohl auch der Name WestGermany des Lokals in WestBerlin im Zentrum des ehemaligen EastGermany enstanden sein. Ich habe Merrill Garbus übrigens von dieser tiefschürfenden Erkenntnis verschont - dafür war sie einfach zu nett.



¹ ist = war damals. Ist auch schon wieder zwei Jahre her. Oder so.

20 September 2017

Zahle mit Daten!

"Der Weg vom Zahlen
bis Heimzahlen
ist nicht weit!"
bekannter Zitatengeber

"Man bezahlt mit seinen Daten." Das ist heute die gängige Weisheit im Umgang mit dem Smartfone, Computer und generell im Umgang mit vermeintlich kostenloser Software. Einen Großteil der Smartfone-Nutzer interessiert das genau gar nicht: "Nee, wieso? Wo ist da das Problem? Wer nichts getan hat, dem passiert auch nichts!"

Einen kleineren Teil des Publikums beschleicht ein unbestimmtes Unbehagen, weil sie ahnen, dass etwas schiefgehen könnte. Nur haben sie im friedlichen, satten Deutschland keine konkrete Vorstellung davon, wie sich das Schiefgehen äußern könnte. Aber auch die kritischen Nutzer stimmen millionenfach irgendwelchen Nutzungsbedingungen der Smartfone- und App-Anbieter zu, ohne sie je gelesen zu haben.

Das liegt einerseits natürlich daran, WIE DIESE NUTZUNGSBEDINGUNGEN VORGELEGT WERDEN: FÜR EINE NEBENSÄCHLICHE WETTER-APP SOLL MAN AUGENTRÄNENMACHENDEN FLIESSTEXT IN GROSSBUCHSTABEN OHNE IRGENDEINE FORMATIERUNG LESEN, DER AUF DEM SMARTEN FON GUT UND GERNE SIEBZIG SEITEN AUSMACHT, KÖNNEN ABER AUCH MEHR SEIN!

"Ich habe die Bedingungen gelesen und verstanden und stimme ihnen zu. Klick."

Natürlich nicht! Der Nutzer SOLL die Bedingungen nicht lesen und schon gar nicht verstehen. Wen das optische Erscheinungsbild noch nicht genug abschreckt, dem werden haarsträubende Sätze und Formulierungen präsentiert, die das normalbegabte Hirn zum Kochen bringen: Dafür wurden die besten Fachidioten aus Jura und Computerwelt zusammengesetzt und um eine unverbindliche Stellungnahme zum Zustand der Welt aus ihrer verschrobenen Sicht gebeten.

Aus ihrer Sicht - das bedeutet, es werden völlig irrelevante Sachverhalte, Umstände und Nebenaspekte zusammen mit einigen wenigen rechtlich bindenden Informationen in juristisch und computertechnisch zutreffende Ausarbeitungen in Fachjargon gepresst.

Dass auch das kritische Publikum solchen unverschämten Verträgen zustimmt, liegt natürlich zudem daran, dass sich niemand ein Bild von den negativen Folgen von Information machen kann.

"Wir verkaufen ihre Adresse selbstverständlich auch an den Geheimdienst von Erdoĝan, sofern er unseren Preis bezahlt. Der wirft Sie dann vielleicht bei Ihrem nächsten Türkei-Urlaub ins Gefängnis und lässt Sie dort verschimmeln, weil Sie einmal zufällig bei einer Kurden-Demo in einem nahegelegenen Café gesessen haben. Nicht unsere Schuld."

Würde so etwas als *erster* Satz in den Nutzungsbestimmungen von Facebook oder Whatsapp stehen - wer weiß, wie viele Nutzer dem zustimmen würden?

Ja, na sicher, immer noch genug.

Aber die Facebooks, Whatsapps und Googles der Welt wollen natürlich auch an die Daten der Leute, die so einem klaren Statement dann doch nicht zustimmen würden: Damit verdienen sie einfach *noch mehr Geld* und im übrigen ergibt das ein realistischeres Bild der Nutzergruppe.

Daher wird der Nutzer mit einem undurchschaubaren Vertragswerk zur Unterschrift überredet. Das heißt, der Nutzer wird durch Form und Inhalt der vermeintlichen Verträge unmündig gemacht.

Verträge mit Unmündigen sind übrigens ungültig. Aber das nur am Rande.

Die FacebookGoogleWhatsappLinkedins wollen also unsere Daten. Unbemerkt greifen sie sich gerne das gesamte Telefonbuch eines Nutzers und laden es in ihre eigene Cloud hoch. Dort hat der Nutzer keinerlei Kontrolle mehr, was mit seinen Daten geschieht - auch wenn die Anbieter noch so treuherzig versichern, dass sie auf gar keinen Fall etwas schlimmes damit anstellen. Außer eben, die Daten an Erdoĝan zu verkaufen. Putin. Oder jeden beliebigen anderen Undemokraten, der den wohlfeilen Preis bezahlt. Und dem hat der Nutzer ja wohl ausdrücklich zugestimmt.

Man kann natürlich die unanständigen "Nutzungsbedingungen" ablehnen und nicht unterzeichnen. Dann funktioniert aber die App nicht. Tja.

Nun, wenn sie doch Daten wollen: Geben wir ihnen Daten! Mehr Daten, als sie verkraften können! So viele Daten, dass ihr gesamter Datenbestand unbrauchbar wird, weil sie wegen der schieren Menge nicht mehr durchschauen, welche Daten nun eigentlich die waren, die sie haben wollten.

Ich stelle mir das relativ einfach vor: Wir benötigen dazu die Daten der alten Telefonbuch-CDs. Gibt es die eigentlich noch auf CD? Die finden sich schon noch irgendwo. Das ist eine simple Datenbank: Vorname Nachname Adresse Telefonnummer Email. Wichtig dabei ist aber, dass die Telefonnummer oder die Adresse in derselben Zeile stehen wie der Name. Tun sie es nicht, ist die Information wertlos. Die Nummern oder Adressen müssen gegenüber den Namen nur um einige Zeilen verschoben werden, und die Telefonnummer gehört nicht mehr zu Frank Müller, sondern Franz Müller. Und in der Rubensstraße 31 wohnt nicht mehr Klaus Müller, sondern Klaas Müller, der nicht nur ein wenig anders heißt, sondern eine ganz andere Person ist.

Wenn irgendeine App diese Daten nun absaugt und hochlädt, vergleicht sie sie anschließend mit ihrem Bestand, erst dadurch werden die Daten so richtig wertvoll: Sie werden verifiziert. Durch den Vergleich der Telefonbücher von untereinander bekannten Menschen kann man sogar herausfinden, dass Frank Müller kürzlich umgezogen ist.

Aber wenn FacebookGoogleWhatsappLinkedin nun *mein* Telefonbuch vereinnahmt, wird es vielleicht feststellen, dass Frank Müller ganz schön oft umzieht. Oder dass Frank Müller eine Mailadresse namens frank.maler@gmail.com benutzt, Frank Maler seltsamerweise aber eine namens frank.mauer@web.com

Diese Beispiele folgen aus einer Verschiebung um nur einige Zeilen. Man braucht die Zahl nur vergrößern oder noch einen zweiten Parameter zu ändern und es ergibt sich eine schöne Permutation.

Das von mir vorgeschlagene Programm muss anschließend dafür sorgen, dass die Datenabgreifer den so neu geschaffenen Datenbestand für mein echtes Telefonbuch halten, abgreifen und zu sich nach Hause hochladen. Und es muss dafür sorgen, dass der Dataminer des Datenabgreifers auch erstmal glaubt, was er da bekommt. Wir glauben ja auch alle Versprechungen der App-Anbieter zum Umgang mit unseren Daten. Oder?

Also muss das Programm die neu geschaffene Telefonbuch-CD-Datenbank in kleinere Teile aufspalten, damit sie nicht unglaubwürdig groß wird. Aber nach und nach soll es natürlich das gesamte deutsche Telefonbuch abarbeiten. Und es muss die Zeile mit der Telefonnummer auf jedem Gerät nach einem anderen Parameter verschieben, so dass mit denselben Namen auf jedem Gerät unterschiedliche Daten entstehen.

Nach kurzer Zeit sollte Franzfrank Malermauermüller in der Datenbank des Datenabgreifers etwa zwanzig bis dreißig Telefonnummern und ebensoviele Wohn-sitze und Mailadressen haben.

Wenn genug Leute dieses Programm nutzen, werden die Datenbestände der Datenabgreifer in Kürze vollständig korrumpiert sein, weil bei den Dataminern niemand mehr sagen kann, welche Telefonnummer nun richtig oder falsch ist.

Grober Unfug? Keineswegs.

Reine Notwehr!

14 August 2017

Materie und Material

Irgendwann wird sich die Sache mit der Dunklen Materie als einziger großer Rechenfehler herausstellen und die Idee von der Dunklen Energie als kompletter Unsinn.

Es wird sich zeigen, dass alles auf einen einzelnen Irrtum zurückzuführen ist: Den einzelnen Irrtum eines einsamen kleinen Mitarbeiters im Labor Albert Einsteins, der aus Unachtsamkeit den Rechenschieber des Meisters von Zentimeter auf Zoll umgestellt hatte. Er selbst bemerkte seinen Irrtum zwar noch und stellte den Rechenschieber unauffällig zurück - aber da hatte der Meister das Rechenergebnis bereits notiert und war zur Veröffentlichung sensationeller Theorien und ihrer zwangsläufigen Schlussfolgerungen in die Wissenschaftshauptstädte der Welt abgereist.

Wir machen einen Zeitsprung: Da bereits jeder entzündete Fußnagel Einsteins überreichlich dokumentiert war, hatte sich lange Zeit später ein verzweifelter  Historiker als Biograf auf das weitere Umfeld Albert Einsteins spezialisiert. Er fand über ein Jahrhundert danach den Beweis im Tagebuch des Laborgehilfen, versehen mit einigen Anmerkungen des Bedauerns.

Das Universum dehnte sich weiterhin aus, aber keineswegs in alle Richtungen gleichmäßig, sondern nur zufällig in den bis dahin vermessenen Richtungen. Doch außen herum liegen einige Ringe voller superschwerer, aber stockfinsterer Objekte, welche einfach durch klassische Gravitation andere Objekte anziehen. All dies wäre durch herkömmliche Schulphysik hinreichend zu erklären gewesen. Hätte - wäre - könnte.

Irgendwann kurz vor dem Tod Albert Einsteins hatte sich der ehemalige Gehilfe ein Herz gefasst, ihn aufgesucht und dem Gott der Physik den damaligen Fehler gebeichtet. Zu seiner großen Überraschung hatte Einstein verschmitzt gelacht und ausgerufen "Und? Was ändert das am Lauf der Welt? Gar nichts!"

Der Gehilfe wollte Einwände geltend machen, dass ja so nun die ganze Weltphysik nicht stimme und dass man so ein, er räusperte sich, also... "Missverständnis" ... doch korrigieren müsse. Aber Einstein lachte wieder und bemerkte spitz "Irgendwann werden es diese Idioten schon selbst merken. ICH rechne es jedenfalls nicht noch einmal nach!"

So blieb der Fehler jahrzehntelang unkorrigiert und wurde einzig im Tagebuch eines kleinen Laborgehilfen dokumentiert. Nur ein wissenschaftlicher Selbstmörder hätte es gewagt, die genialen Erkenntnisse des großen Albert Einstein in Zweifel zu ziehen.

Stattdessen ging die Wissenschaft so vor, wie sie es an der Entwicklung der Medizin beobachtet zu haben glaubte: So lange der Mensch die Ursache von Infektionen und anderen Krankheiten nicht kannte, erfand er Götter, Geister und Hexen, die dafür verantwortlich gemacht werden mussten.

Zu Lebzeiten Albert Einsteins war immer noch niemand einem Gott, Geist oder Hexenmeister mit nachweisbaren Fähigkeiten begegnet. Daher benötigte die Physik etwas neues, vollkommen unbekanntes, und erfand die Dunkle Materie und die Dunkle Energie. Sie wurden als "dunkel" bezeichnet, weil sie eigentlich überall sein sollten, de facto aber nicht beobachtbar waren.

Einstein drehte sich zu diesem Zeitpunkt in seinem Grab auf die andere Seite und murmelte "Bald müssten sie doch endlich auch die Dunkle Intelligenz entdecken!"

Rein praktisch lief die Sache auf den Schreibtischen der Wissenschaftler nun so, dass man in einer Gleichung, die nicht aufging, einfach einen neuen Beiwert einsetzte und diesen "Dunkle Materie" nannte. Sollte erst einmal jemand wagen, das Gegenteil zu beweisen!

28 Juni 2017

Parkraumbefreiung (4)

Musik und Tön




Der autofahrer überlecht noch, wie er seine behauptung beweist. Ick spreche den herrn von der polizei freundlich an: "Hallo, ick wohne da oben. Ick habe dit anjehört, und ick gloobe, der autofahrer irrt sich in nem detail."

"Aha, und das wäre?"


Der autofahrer: "Was? Wieso soll ich mich irren? Das ist alles ganz wahr! Sonst zahlt die Versicherung doch nicht!"

"Mit ihre versicherung kenne ick mich nich aus, aba der wagen stand da in der lücke vor der einfahrt."


Der Polizist: "Die mit dem Schild Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt! ?" Bisschen boshaft is der schon, hier vor dem nachbarhaus is weit und breit keene andere Einfahrt.

Ick sage wahrheitsjemäß: "Jenau, hier, vor der Einfahrt mit dem Schild Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt!"

Und der autofahrer: "Aber das ist doch alles nicht so schlimm! Ich bin doch gar nicht abgeschleppt worden! Mein Wagen wurde vandalisiert!"

Der polizist: "Also, sie haben über eine Stunde in der Feuerwehrzufahrt geparkt und jetzt steht ihr Auto nicht mehr dort in der absolut unübersehbaren Verbotszone und hat ein paar Schrammen?"

Der Autofahrer hysterisch: "Ja! Die Leute müssen doch nur hupen, dann komme ich!"

Polizist: "Wir haben jetzt Mitternacht. Wir befinden uns in einem Wohngebiet. Die Leute sollen hupen, damit sie ihre eigene Einfahrt benutzen können? Wie lange sollen sie denn so hupen, ihrer Meinung nach, bis jemand kommt?"

"Das ist doch egal! Das Auto ist zerstört! Sie müssen die Täter finden!"


Ick weeß nich, einsicht sieht für mich anders aus.

Polizist kiekt kritisch: "Fährt denn ihr Auto nicht mehr? Haben sie das bereits probiert?" Der muss een einheimischer sein, wir hier lejen nich so vülle wert uffs äußere, ooch nich bei fast neuen autos.

Autofahrer, den tränen nahe: "Mein Wagen ist zerstört!" Aba denn schließt er ihn doch auf, setzt sich rin und macht den motor an. Dem motor is ja nüscht passiert, der wagen springt ohne zu mucken an.

Fahrer verblüfft: "Und jetzt?"

Polizist: "Aha, also funktionstüchtig. Wie der Wagen vorher aussah, kann niemand sagen. Das müssten sie ihrer Versicherung beweisen."

Rasender Hysteriker: "Was? ICH HABE DEN SCHADEN UND SOLL ES JETZT MEINER VERSICHERUNG BEWEISEN??? Wie soll ich das machen? SIE MÜSSEN DAS BEWEISEN!!!"

"Ich muss gar nichts. Ich halte hier ihre Ordnungswidrigkeit fest: Behinderung des Verkehrs, Parken in der Feuerwehrzufahrt, das heißt Personengefährdung, in Tateinheit mit verkehrswidrigem Halten in zweiter Reihe gegen die Fahrtrichtung, das sind so viele Delikte, das müssen wir erst im Bußgeldkatalog nachschlagen - sie erhalten demnächst Post vom Polizeipräsidenten. Bitte parken sie ihr Auto jetzt ordnungsgemäß."


Ick gloobe würklich, der polizist kann den nich leiden.

Der autofahrer macht mit sein handy noch hilflos een paar fotos. Da druff wird man nich vülle erkenn, is ja mitten in der nacht. Denn setzt er nochmal an: "Sie müssen dem nachgehen! Ich erstatte Anzeige!" aber wie ihn der polizist sehr streng ansieht, zittert er doch lieber ab mit seiner ramponierten kutsche.

Na, dit hat ja mal jut hinjehauen. Erziehung is wat feinet, jerade bei erwachsene autofahrer - dit kann man jar nich lange jenuch durchhalten!



.

27 Juni 2017

Parkraumbefreiung (3)

Musik und Tön



Zufällich trifft die polizei fast gleichzeitich mit dem eijentümer von dem auto ein, der jerade wegfahren wollte und eene überraschung vorfindet: "Was ... was ist mit meinem Auto geschehen?" und die Polizei so: "Warum steht Ihr Auto so seltsam da?"

"Der Wagen stand vorher ... äh ... ganz woanders ... und ... ich ...äh ..."

"Haben sie eigentlich Alkohol getrunken? Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!"


Alkohol hat er natürlich ooch jetrunken, aba wohl nich jenuch, diss se allet gleich einbehalten könn. Denn soll er sich erklären: "Warum parken sie ihr Auto gegen die Fahrtrichtung?" Diss die teure Kiste fast neu, aber zerschrammt und zerbeult is, interessiert in berlin kaum jemanden, zu allerletzt die polizei.

Und nu brauch der fahrer irjendeene erklärung. Überrascht wie er is muss er überlejen, wie er seine anzeije wejen sachbeschädijunk am sinnvollsten dreht. Dit is, wat der lateiner een Dilemma nennt.

"Ich ... äh .. ich habe den Wagen ganz woanders abgestellt! Und ich möchte eine Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten!"

"Aha. Gut, berichten sie bitte: Wo genau stand denn ihr Wagen?"

"Na da, in der Lücke!"

"In der Lücke vor der Einfahrt mit dem Schild: Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt! ?"

"Naja, äh, ich meine, doch woanders ... äh, ich meine ... da, die Straße runter!"

"Aha, da, die Straße runter. Und dann ist der Wagen mit eingelegtem Gang irgendwie bis hierher gerollt und hier in der Gegenrichtung zum Stehen gekommen?"


"Ja! Genau!"

"Seltsam, die Räder zeigen aber geradeaus?"

"Ja! Genau! Das kann ich mir doch auch nicht erklären!"


Solche tüpen sind alle gleich.

"Wann haben sie den Wagen denn abgestellt?"

"Na, vor einer Stunde höchstens. Und da fehlte dem Auto auch noch nichts! Das war WIE NEU!"

"Und jetzt möchten sie Anzeige erstatten, damit die Versicherung ihnen den Schaden ersetzt?"

"Genau! Der Wagen war WIE NEU!"

"Ihnen ist aber schon bewusst, dass die Versicherung nicht bezahlen muss, wenn sie hier falsche Angaben machen?"


Der polizist riecht irjendwat.

"Was?"

"Das wäre dann ja wie ... Betrug ... wenn sie hier falsche Angaben zum Tathergang machen. Dann könnte die Versicherung am Ende sogar Schadenersatz von ihnen verlangen."

"Was? Wieso?"

"Bearbeitungskosten, Gutachter, Auslagen für die Werkstatt, Bankgebühren..."


Ick höre dit vom Balkon aus mit an und ürjendwie habe ick dit jefühl, der polizist is parteiisch.

Ick jehe runter und helfe, die sache aufzuklären. In der kneipe is nüscht mehr los, der wirt räumt die letzten stühle rin. Heißt: Da is keen einzijer zeuge mehr - außer mir.




→ zum 4. Teil

26 Juni 2017

Parkraumbefreiung (2)

Musik und Tön!



Ürjendwann abends mal is der fahrer vom sanitätsfahrdienst völlich verzweifelt und looft mir übern wech. Der meint zu mir "Ich kann doch nicht nachts um elf wie ein Verrückter hupen, nur damit dieser Depp sein Auto aus der Einfahrt räumt!"

Dit is een warmer abend, vor der kneipe sitzen etliche leute uff der straße und trinken ihr flaschenbier. Und ick sage "Warte, dit kriejen wir schon hin! Wird dir spaß machen!" Und er "Was willst du denn machen?"

Ick fange an, vor  dem  lokal die gäste anzusprechen, alle nett, hilfsbereit und ooch schon een bisschen duhn. Ick erkläre denen einzeln "Kiek ma, der Fahrer von dem Fahrdienst brauch hilfe. Hilfste dem, dauert nich lang?"

Nach kurze zeit ham wir sechs kräftije jungs aus alle herren länder zusammen, denn noch der fahrer und ick. Mit mein alter bin ick scheints die natürliche autorität. Also: Ick habe dit sagen.

Ick weise alle an: "Okeeh, kommt mal her, hier an die Seite von dem Wildparker." Die kieken alle aufmerksam und wir stehen zu acht am bordstein neben dem auto.

Denn sage ick "Uuund jetz - bücken wir uns alle!" Allet bückt sich. "Fasst ma hier unter dit auto." Alle fassen unter dit auto. "Uuuuuund jetzt: ANHEBEN! Für unsere auswärtijen freunde: LIFT!"

Dit is erst n bisschen mühsam, jeht aba nach kurze zeit. "Uuuuuund weita! Lift! Lift!" Die sache funktioniert und dit auto liecht erst seitlich uff der tür und denn aufm dach. Dit knürscht lustich, wie dit so üba die Tür rollt. Eene scheibe knackt. Dit dach beult sich een janz kleen wenich ein.

Damit is natürlich noch niemandem jeholfen, der wagen liecht ja immer noch vor die einfahrt und keener kommt durch. Ick sage: "Een Stück müssta noch!" und wir rollen den weita.

Die fassen nochma an und nach een weiteren kurzen moment steht dit auto wieda uff seine räda. Hat jetz n paar blessuren, parkt uff die andere straßenseite und jegen die fahrtrichtung. Dafür is die einfahrt frei. Der fahrer und ick bedanken uns bei die helfer. Ick schärfe alle ochma ein: "Wenn ihr jefracht werdet - ihr habt absolut nüscht jesehn, wa?" Dit verstehen ooch die Amerikaner.

Denn jeht wieder jeder seine tätichkeit nach: Der fahrer fährt die behinderte frau zum notdienst und ick trinke een bier, warte noch, bis die meisten jäste von der kneipe weg sind und rufe die polizei: "Ja, kommse mal, hier steht so een ramponiertet auto uff der straße jegen die fahrtrichtung. Irjendwat stümmt da nich! Vülleicht jeklaut oda so." Anonym natürlich, die lern mich noch früh jenuch kenn’.



→ zum 3. Teil

25 Juni 2017

Parkraumbefreiung (1)

Musik und Tön!



Unten im nachbarhaus is seit neuestens ne kneipe. Hinten, also jenaujenommen im seitenflügel am hof, wohnt ne junge frau, die is jehbehindert und außerdem noch ziemlich krank. Die kricht öfters besuch vom notarzt oder muss da hin. Dit haus hat ne einfahrt von der straße zum hof, wie die meisten andern häuser in berlin ooch.

Die einfahrt is so jemeint, diss da ooch die feuerwehr rin fahren kann, falls dit mal brennt. Damit die im vierten stock wen retten könn, brauchen die ne ziemlich jroße leiter - und die is sojar so jroß, diss se die nich von hand in den hof tragen könn. Aus diesem grunde daher brauch die feuerwehr die durchfahrt: Damit leute übaleben, wenns ma brennt.

Nu dürf aus jenau diesem anlass vor so ne einfahrt niemand parken. Optisch sieht dit so aus, diss da lauter autos am straßenrand stehn, denn kommt ne lücke und denn wieder autos.

Die lücke is normalerweise da, weil een schild da druff hinweist: Einfahrt freihalten. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden abgeschleppt! Nach meine maßjebliche meinung kann man da dran nüscht missverstehen.

Für manche autofahrer sieht jede lücke wie een parkplatz aus. Für einije fahrer sieht überhaupt allet wie een parkplatz aus, bürjasteich, radwech, einfahrt, kreuzung, allet! Aba hier berichte ick von die lücke vor unsere nachbarn ihre einfahrt.

Normalerweise brennt so een mietshaus ja nich und deshalb steht ooch nich jeden tach die feuerwehr vor die tür. Aba der fahrdienst brauch ne freie durchfahrt, wenn er die frau vom seitenflügel abholn will. Sonst müssten se die jedet mal nach vorne zur straße tragen. Die junge frau is hübsch und außerdem ziemlich nett und sicher würde jeder die jerne tragen. Nur is dit eben doch ziemlich weit von die ihre wohnung im seitenflüjel, durchs vorderhaus, zwischen die autos durch, und dit dauert nu mal länger als andersrum. Deswejen weeß der fahrdienst dit zu schätzen, wenn die einfahrt nich zujeparkt is und die ohne terz bis zum hof durchrollen könn.

Aba rejelmäßich steht da doch irjend een idiot und parkt die durchfahrt zu. Wenn man solche leute da druff anspricht kricht man immer dit selbe zu hören "Ist doch nur für fünf Minuten! FÜNF MINUTEN!"

Die ham natürlich ne sehr eijene wahrnehmung von fünf minuten, da könn schon mal sonnenunterjang und sonnenaufjang dazwischen liejen. "Aber wenn sie hupen - ich komme sofort!"

‘türlich, wenn eener durch die durchfahrt will, denn soll der erstmal seine janze nachbarschaft zusammenhupen und sich den hass von allen zuziehen, schon klar.



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14 Juni 2017

Musik und Tön

Heute: Windschatten



Ick fahre ooch manchmal mit dem fahrrad. Janz schön oft. Also: Janz schön oft fahre ick manchmal mit dem fahrrad. Und wenn ick mit dem fahrrad unterwegs bin, denn habe ick dit eilich. Meine frau susanne sacht denn immer: "Du musst die Schallmauer nicht durchbrechen! Jedenfalls nicht mit dem Fahrrad!"

Dit sacht sie jedet mal. Vülleicht hat se da irjendwie recht. Aba ick habs eilich! Wenn ick mit fahrrad unterwegs bin, denn kenne ick nur die zustände 'schnell' und 'tot'. Mit dem fahrrad muss ick nämlich keen parkplatz suchen und sowat.

Und ick fahre jerne schnell. Mit 'schnell' meine ick: Wenn mich wer überholt, denn sitzt der in nem fluchzeuch. Eener uf nem fahrrad soll ruhich mal versuchen, da bin ick sehr jespannt.

Neulich kommt aba so eener. Ick bemerke nen schatten hinter mir. “Jibste eben mal n bisschen gummi” denke ick. Der bleibt dran. An der ampel sehe ick: Der tüp is vülleicht jenauso alt wie icke, also ooch nich mehr janz neu. Aba in volle profimontur, so fahrrad-clown: Atmungsaktive kleidung, carbonrahmenfahrrad mit achtunddreißich gänge, leichtbaurucksack, helm.

Helm-Radfahrer! Wer mit helm radfährt hat mit dem leben abjeschlossen. der besteht nur noch aus angst und nich mehr aus freude! Natürlich is dit sicherer, wenn ick mit helm unter nen abbiegenden laster jerate, schon klar. Wenn der zwanzichtonner endlich zum stehen kommt, denn is allet von mir matsch, außer dem helm.

Also, fährt eener mit helm hinter mir, janz knapp, kann sojar janz jut mithalten. Nich schlecht für sein alter. Nach ne weile dämmert mir: Der fährt nich rad - der saugt windschatten! Oijoijoi, wie tief kann een erwachsener mensch sinken!

Mein normaler spruch in so ne situation is: "Versuch doch erstma, dich in meinem windschatten zu halten!"

Kann der, immerhin. Der wind kommt ja ooch von vorne, und dit is richtijer gegenwind, nich bloß een bisschen fahrtwind. Schade. Meine antiquität is für so ernste rennen leider nich jemacht, torpedodreigang, 26er-räder, dit fahrrad wird nämlich diesen sommer fünfzich jahre alt. Der tüp mit dem helm sitzt uffm achtunddreißichgang-renner.

Ick jebe nochmal ordentlich gummi, aba so kann ick den nich abschütteln. Der saugt windschatten auf profesionellem niveau. Vülleicht dreißich zentimeter abstand zwischen seinem vorderrad und meinem antiken rücklicht. Fahrn wir hier im wallonischen kreisel?

... dit is ne technik ausm profiradsport, windschattenfahrn, da wird dit so jemacht - is aba zwischen die beteilichten ooch so abjesprochen. Zwischen uns nich, also: dem alten knacker aus meinem jahrgang und mir. Da werde ick eigen. Wieso soll ick nem freitzeitler mit helm windschatten spenden? Ick steige in die eisen.

... für die auswärtije leserschaft: Ich führe eine Vollbremsung durch...

Der tüp rumpelt mir hinten druff. "Was soll das?!?"

Icke, immerhin der anjefahrene: "Wat soll wat?"

"Warum bremst du denn?"

"Muss ick ab jetz jedet mal erklären, warum ick bremse, wenn ick bremse?"

"Du siehst doch, dass ich hinter dir fahre!"

"Wat? Wieso fährst du denn so dicht hinter mir?"

"Das ist ... das ist ... wegen ..."

"...jaaaa?"

"Weil - da ist doch Windschatten!"

"MEIN windschatten?"

"Ja!"

"Also der windschatten, den ick kraft meine anstrengung erzeuge und du nich?"

"Äh, ja."

"Aha."

"Aber ... der Windschatten ist doch da!"

"Der is nur da, weil icke den mache, oder? Und wenn ick bremse, nich mehr."

"Äh, ja."

"Hm. Wenn du bei hohem tempo in dreißich zentimeter abstand hinter wem herfahren willst, lernste vülleicht erstma radfahren."

"Also, hörmal!"

"Oder du sachst dem eben: 'Hallo, ich bin ein geborener Schnorrer, und ich würde gerne ein wenig von deinem Windschatten profitieren, ohne mich selbst anzustrengen!' "

"Also, hörmal...!"

"Is dit nich der richtije text?"

"Das ist doch ganz etwas anderes!"

"Wo?"

"Was wo?"

"Wo is dit wat anderes? Du bist echt schwer von capé, wa? Sage mal - wat fürn hirn willst du mit dem helm eigentlich schützen?"

"Du kannst doch nicht einfach hier bremsen! Einfach so!"

"Und wahrlich, ick sage dir, dit jeld für den helm war rausjeworfen - da is keen hirn zu schützen. Die kohle für dit teure fahrrad wahrscheinlich ooch."

"Spinner!" sind die letzten worte, die ick von dem tüpen höre. Denn rollt er unbeholfen vorbei, überquert die ampel bei rot, biecht rechts ab und braust alleene davon. Ohne windschatten. Also ziemlich langsam.

Ick hätte jerne jesehen, wie der so alleene zurechtkommt, aba mein weg führt leider jeradeaus weiter. Und außerdem hab icks eilich!

06 Juni 2017

Ausflug (II)

oder: Was noch geschah


Natürlich benutzen wir die Boote manchmal auch bestimmungsgemäß, also zum Segeln. Manchmal. ¹

Die Fotos sind in Colico am Nordende des Comer Sees entstanden:






²




¹ man kann aber auch ganz gut Bier drauf abstellen

² die Sonnenbrillen gehen doch auch als schwarzer Balken durch, oder?

01 Juni 2017

Ausflug

Die Segelsaison läuft auf Hochtouren. Falls sich jemand fragt, was wir unter einem “Ausflug mit dem Boot” verstehen - das hier etwa:













06 Mai 2017

Menschen - Leben - Tanzen - Welt

It’s a dirty job
but someone’s got to do it!
Bekannter Songtext

Was soll man dazu sagen? Außer bewundernd anzuerkennen, dass die wichtigste deutschsprachige Medienkritik von einer kleinen unterfinanzierten Spartensendung des verschnarchten öffentlich -rechtlichen zweiten Programmes zu nachtschlafender Zeit ausgestrahlt wird?

Zum Dank für die gründliche Analyse und allein schon den Fleiß, der da drin steckt, wird hier der ganze Ausschnitt aus dem Neo Magazin Royal verlinkt:

 

An sich wird im Video ja alles wesentliche gesagt, aber auch die Erläuterung auf YouTube ist schon ziemlich erhellend:

Uff. Der ECHO - der wichtigste Preis der sehr guten deutschen Musikindustrie - wird leider auch in diesem Jahr wieder verliehen. Wie zu erwarten, regen sich alle auf: FREI.WILD sitzen in der ECHO-Jury, die Onkelz sind sogar nominiert – es ist alles noch mehr Nazi, noch rechter, noch schlimmer als in den Jahren zuvor.

Dabei sind die deutschnationalen Norditaliener von FREI.WILD und die Geh-Deinen-Weg-auch-wenn-er-falsch-ist-und-alle-Dich-scheiße-finden-Rock-Onkelz zwar das offensichtlichste, nicht aber das eigentliche Problem des ECHO und der deutschen Musikindustrie.

Wir müssen reden – über Menschen, Leben, Tanzen, Welt, über „einen von 80 Millionen” sowie seine Kunst und das große Missverständnis in der deutschen Popmusik.

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