19 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Große Städte (6)

Roo-Arr erzählte weiter, was Rauchender Haufen über den König und die Tiger berichtet hatte:

“Nach einer Weile beauftragte er seine Leute, sie sollten die Tiger am nächsten Tag wieder bringen, damit er ihnen befehlen kann."

"Ihnen befehlen? Was denn befehlen?"

"Keine Ahnung, Rauchender Haufen wusste es auch nicht. Der König wahrscheinlich auch nicht."

"Einer Katze kann man nicht befehlen!"

"Sag das mal einem, der den Chefposten von seinem Vater geerbt hat und sich für einen Gott und Chef der Ahnen hält. Vielleicht wollte er nur, dass die Tiger die anderen Könige zerlegen."

"Wenn die so sind wie mein Kater, dann kann man ihnen nicht befehlen. Jedenfalls nicht nur, weil man der geerbte König ist und einen Angebernamen hat."

"Solche feinsinnigen Betrachtungen waren dem König Jaguarpranke anscheinend fremd. Er wollte den Tigern befehlen. Und damit man zweifelsfrei erkennt, wie zwingend seine Befehle sind, sollten sie dafür aus dem Käfig freigelassen werden."

"So blöd kann doch keiner sein. Das hat sich Rauchender Haufen doch nur ausgedacht, oder?"

"Ich glaube ihm. Er sagt, dass die Leute vom König schon merkten, wie wahnsinnig seine Idee ist. Aber keiner wagte, es ihm zu sagen. Sie haben sich lieber alle verdrückt."

"Wie?"

"Angeblich kam jeder mit einer Ausrede: Die Berater, die Wachkrieger, die Sklaven, seine Frauen, alle wussten irgendeinen Grund, warum sie nicht dabei sein mussten. Niemand hatte den Mut, den König darauf hinzuweisen, dass diese Tiger sehr große starke wilde Tiere sind. Vielleicht dachte er auch, dass er am besten erst einmal alleine das Befehlen der Tiger übt."

"So ein Schwachkopf."

"Nun, Fatale Sandale, DU bist hier der mit dem Riesenkater im Ehebett. ICH finde ihn furchteinflößend."

"Das ist doch was ganz anderes! Wenn er satt ist, ist er ganz lieb!"

"Sie brachten also den Käfig nach oben, in den großen Raum, wo der König arbeitet, und öffneten den Käfig. Dann verschwanden auch die Helfer zügig. Das Tiger-Baby ließen sie im Stall, bei einem Wächter. Der König trat vor die Tiger. Rauchender Haufen hat später einen anderen König ein paar mal beim Befehlen gesehen, er sagt, bei solchen Anlässen sah der König gar nicht wie eine Jaguarpranke oder irgendein anderes starkes Tier aus.”

“Nicht? Wie denn sonst?”

“Nein, ganz im Gegenteil: Wie ein unnützer knallbunter Vogel."

"Wie ein Angeber eben."

"Und dann geschah wohl, was für jeden halbwegs vernünftigen Menschen absehbar war: Die Tigerin war böse, weil man ihr das Baby weggenommen hatte. Der Tiger war böse, weil seine Tigerin schlechte Laune hatte. Und dann tritt vor sie ein Männchen, das aussieht wie eine Kreuzung aus quietschbuntem Geier und einem dieser Berufsspaßmacher. Die beiden Tiger hatten jedenfalls Spaß mit ihm. Das war das Ende der Regierungszeit von Jaguarpranke."

"Nicht sehr überraschend."

"Als man an diesem Tag sicher war, dass er endgültig tot ist und die Tiger halbwegs satt, machten die Leute vom König so viel Lärm, dass die beiden Tiger davonliefen. Sie sprangen über die Mauer und verschwanden im Wald. Der Sohn von Jaguarpranke erbte seinen Posten. Er nannte sich Adlerklaue."

"Noch so ein Angeber!"

"Schon. Warum sollte so ein König auch kein Angeber sein? Der hat doch sicher menschliche Schwächen wie alle anderen auch. Irgendwie klingt die Geschichte von den zwei Tigern und der Jaguarpranke genauso wie die von Lautlose Sohle, der kürzlich den Mörder unserer Nachbarn erlegt hat."

"Jetzt, wo du es sagst, fällt es mir auch auf. Dabei, weißt du, ich glaube, er hat keinen Sinn für Gerechtigkeit."

"Das hast du bemerkt, Fatale Sandale? Obwohl er dein Kater ist, den du so liebst?"

"Sicher. Ich liebe ihn, aber er ist ein riesiger Kater, ich weiß das. Gerechtigkeit interessiert ihn nicht. Schon gar nicht unsere menschliche Gerechtigkeit. Er hat Hunger, ist neugierig und manchmal will er seinen Spaß haben. Aber er kann es nicht leiden, wenn ihm einer blöd kommt. Da sind seine Eltern anscheinend genauso."

18 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Große Städte (5)

Die Seefahrer hatten also gestreifte Riesenkatzen mitgebracht, berichtete Roo-Arr über die Erzählung von Rauchender Haufen, der sich das auch wiederum hatte berichten lassen. Aber es klang irgendwie trotzdem einleuchtend, insbesondere für den Medizinmann Fatale Sandale, der selbst weit herumgekommen war:

"Also, Roo-Arr, wenn du das so erzählst: Das ist eine Welt, die ich nicht verstehe."

"Die gestreiften Katzenriesen nennen sie Tiger. Die beiden Tiger haben unterwegs überraschend ein Baby gekriegt. Damit hatten die Seefahrer noch mehr zum Angeben, oder zum Eintauschen. Sie brachten die Tiere zum König und führten sie ihm in dem Käfig vor. Vielleicht haben sie auch irgendein Tauschangebot gemacht und wollten sie nicht ohne Gegenleistung da lassen. Die Tiger gefielen dem König, er behielt sie gleich und ließ die Seefahrer umbringen, die sie in sein Haus gebracht hatten."

"Das ist doch der Gipfel des Undanks! Der vollkommene Wahnsinn! Sind das wirklich Menschen?"

"Die anderen Seefahrer sind Hals über Kopf geflüchtet. Aber sie kamen später zurück, nach dem Ende der Regierungszeit von Jaguarpranke, und da hat sie Rauchender Haufen getroffen und ausgefragt."

"Die sind auch noch zurückgekommen?"

"Das Wetter war schlecht, Wind aus der falschen Richtung, und sie konnten nicht so bald nach Hause fahren, hinter den Horizont, wo sie hergekommen waren."

"Und was war mit den Tigern?"

"Das Volk sagt, so ein König könne sich gar nicht vorstellen, dass man ihm die Tiger nicht zum Geschenk machen wollte - schließlich sei er doch König. Und weil die Seefahrer sich nicht trennen wollten, musste er sie eben töten lassen."

"Das hat ... eine ... innere Logik."

"Ja, nicht wahr?”

17 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Große Städte (4)

Roo-Arr berichtete vom Meer, das die wenigsten der Kürbiskrieger mit eigenen Augen gesehen hatten.

"Hin und wieder kommt jemand aus der Richtung der versinkenden Sonne mit einem Boot. Aus der Richtung wo wir dachten, dass dort nichts mehr ist. Diese Boote sind ganz anders als unsere, sagt Rauchender Haufen. Er hat sie sich genau angesehen. Sie bestehen nicht aus Kürbissen, sondern zum Beispiel aus ausgehöhlten Baumstämmen."

"So große Bäume gibt es doch gar nicht!"

"Bei uns nicht. Dort wo diese Boote herkommen, anscheinend schon. Es gibt anscheinend auch noch andere Boote. Rauchender Haufen hat es sich erklären lassen: Sie haben dort eine Art Gras, aber nicht dünne zierliche Halme, die einem bis zu den Knien reichen. Dort werden die Halme so groß wie bei uns die Bäume und dick wie mein Bein. Und das Gras wächst sehr schnell und ist ungeheuer stabil. Daraus kann man große Boote bauen, wenn man sie zusammenbindet und mit Rinde oder Tierhaut überzieht."

"... sagt Rauchender Haufen."

"Sagt er. Das hat er gesehen. Dem Adler sei dank haben wir hier kein solches Gras. Er würde das sofort ausprobieren."

"Und weiter?"

"Die Leute auf diesen Booten nennen sich 'Seefahrer'. Sie sagen, dass sie von sehr sehr weit her kommen. Sie sagen, dass sie mehrere Monde auf dem Wasser unterwegs waren."

"Das soll man glauben?"

"Na, Monde werden sie schon zählen können, und Vollmond und Neumond können sie bestimmt auch unterscheiden. Neumond ist, wenn man nachts nichts sieht. Außer deinem Kater. Und dass es sehr weit sein muss merkt man daran, dass sonst noch niemand dort war."

"Die verirren sich doch auf dem großen Wasser. Da gibt es doch nichts."

"Du verirrst dich doch auch nicht in der Wüste, Fatale Sandale."

"Das ist doch was ganz anderes."

"Findest du?"

"Nein."

"Vor einigen Sommern kam eine Gruppe von mehreren Booten. Sie wollten Sachen tauschen. Oder vielleicht waren sie nur genauso neugierig wie Rauchender Haufen. Und damit sie etwas wirklich beeindruckendes zum Tauschen haben, brachten sie zwei riesige Katzen mit."

"Riesig? Gestreift, so wie Lautlose Sohle?"

"Ganz genau, riesig, gestreift, so wie Lautlose Sohle. Die waren in einem Käfig eingesperrt, die Seefahrer wollten sie dem König anbieten und dafür irgend etwas anderes eintauschen. Oder vielleicht wollten sie nur Eindruck schinden, sich Geschenke geben lassen und dann wieder abziehen."

"Also, Roo-Arr, wenn du das so erzählst: Das ist eine Welt, die ich nicht verstehe."

16 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Große Städte (3)


Roo-Arr berichtete weiter von der Erzählung des zurückgekehrten Erfinders Rauchender Haufen:

"Und dann wohnt dort in dem dichten Wald wohl auch eine Art Berglöwe, sie nennen ihn den Großen Jaguar. Rauchender Haufen hat ihn nicht selbst getroffen, aber überall stehen Figuren davon, und die sind vielleicht so groß wie unser Berglöwe. Der König nennt sich Jaguarpranke."

"Was für ein Prahlhans! Er sollte sich Jaguarprahlhans nennen!"

"Naja, ich habe mich ja auch Roo-Arr genannt."

"Mach dir nichts draus. Du musst dich nicht schämen, dass du damals so einen Namen gewählt hast. Roo-Arr - das erinnert an den Ruf des Berglöwen, nicht an seine rohe Kraft!"

"Danke. Der König-Gott dort darf aber auch über alles bestimmen. Er ist Herr über Leben und Tod."

"Das bist du doch auch, das ist doch klar, wenn wir dich zum Häuptling wählen."

"Aber unsere Häuptlinge entscheiden über Leben und Tod nur, wenn es absolut notwendig und unumgänglich ist."

"Na sicher. Wann denn sonst?"

"Na: Immer. Aus Langeweile. Um den Königen der anderen Städte..."

"Die haben noch mehr solche ... 'Könige'?"

"Ja, angeblich haben dort alle Städte so einen. Also: Er entscheidet über den Tod von irgendeinem, um dem Nachbarkönig zu beweisen, wie mächtig er ist."

"Das sind doch Barbaren!"

"Und der Nachbarkönig seinerseits lässt dann auch ein paar Menschen umbringen, damit niemand denkt, dass er nicht mächtig ist."

"Glaubst du diese Geschichten wirklich alle?"

Zwar waren sich die Indianer gegenseitig zur Wahrhaftigkeit verpflichtet. Aber selbstverständlich kannten sie Geflunker, Angeberei und Übertreibung. Als guter Medizinmann wusste Fatale Sandale, dass eine noch so übertriebene Geschichte dann glaubwürdig wirkt, wenn der Erzähler nur selbst fest genug daran glaubt. Roo-Arr wusste das allerdings auch.

"Ich würde sie nicht glauben, wenn es nicht Rauchender Haufen gewesen wäre, der sie erzählt hat. Man kann ihn leicht anschwindeln, aber was er gesehen hat, gibt er genau und fehlerfrei wieder."

"Na gut."

"Er sagt sogar, dass sie gefangene Krieger und Sklaven umbringen lassen."

"Das ist doch unfair!"

"Sie tun das nur so aus Tradition, weil gerade ein Feiertag ist. Oder weil es eine Weile nicht geregnet hat."

"Aber das ändert doch nichts am Wetter!"

"Das wollen sie anscheinend nicht einsehen. Und weil sie Leute ungestraft umbringen können, tun sie es auch. Rauchender Haufen hat auf dieser Reise viel gelernt."

"Du meinst: Er war schwer schockiert über die Schlechtigkeit der Welt?"

"Genau."

"Und was hat das jetzt mit meinem Kater zu tun?"

"Du hast doch vom ganz großen Wasser gehört?"

"Du meinst den Salzsee?"

"Nein, das andere, das auch salzig ist, aber viel weiter als der Salzsee, unendlich."

"Ich habe davon gehört, war aber noch nie dort."

"Lange hat man erzählt, dass dort kurz hinter dem Horizont die Welt zu Ende ist. Es gibt eine Klippe, und dahinter geht es hinunter, wie bei uns oben am Rand vom Canyon, nur viel größer."

"Ja und?"

"An dieser Theorie kann etwas nicht stimmen."

"Das kommt oft vor bei Theorien..."

"Es ist wohl so, dass von dort, aus der Richtung der untergehenden Sonne, wo es immer hieß, dass dort nichts als eine steile Kante ist, Boote herkommen."

"Du meinst, dass sie die die ganze Klippe hinaufgetragen haben?"

"Ich meine, dass es keine Klippe gibt. Keine Kante, kein Canyon, kein Abgrund."

"Das würde einiges erklären."

15 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Große Städte (2)

Die Indianer waren sich einig, dass für jede Segnung auch eine Anstrengung erforderlich war, und dass man nicht jeden einzelnen Handgriff mit einem anderen Handgriff aufwiegen musste. Selbst wenn sie besser rechnen gekonnt hätten - sie rechneten nicht. Auch der Umstand, dass man ein Feld bestellen musste, wenn man später ernten wollte, leuchtete ihnen ein.

Die Idee von 'Reichtümern', die man ansammeln konnte und für die gar keine Arbeit notwendig war, war ihnen daher völlig unverständlich. Dafür brauchte es einen fantasievollen Erfinder wie Rauchender Haufen.

"Na er dachte an so etwas wie eine Schinkenkeule..."

"Warum wollte er dort hinlaufen, damit ihm jemand eine Schinkenkeule gibt? Die kann er doch auch hier machen."

"So sehe ich das auch. Und er dachte an Schmuck, glitzernde Steine, Farben. Sie machen dort angeblich kleine Figürchen aus dem 'Gold'."

"Was will er denn damit?"

"Ich habe keine Ahnung. Jedenfalls hat er einen Beutel voll Gold gesammelt und ist losgelaufen, immer dahin, wo die Sonne im Zenit steht."

"Dort ist es noch heißer als bei uns, habe ich gehört?"

"Frag ihn selbst, wenn er wieder da ist. Er ist mehrere Monde lang gelaufen."

"Kommt da nicht ein Fluss?"

"Frag ihn selbst. Irgendwann kam er schließlich zum Wald. Sie haben dort angeblich viel dichteren Wald als bei uns."

"Das ist nicht schwer. Ich kenne Wald. Der hier bei euch ist wirklich dünn."

"Nach einem Marsch durch den Wald kam er bei einem Riesenpueblo an. Nicht so am Hang, wie unseres, sie haben dort keine Hänge. Und auch keinen Canyon, sagt Rauchender Haufen."

"Wie kann man nur so leben?"

"Der Pueblo ist riesig-riesig, sagte er. Der ist größer als alle unsere Pueblos hier zusammen, und noch die Dörfer von den Leuten in den Zelten dazu."

"Das glaubst du? Hat Rauchender Haufen da nicht geflunkert?"

"Er hat nachgezählt. Und irgendwann ist ihm alles ausgegangen, was man zum Zahlenmerken nehmen kann. Und er war immer noch lange nicht fertig."

"Das glaubst du ihm?"

"Sicher, seit wir Zahlen haben, sind die Zahlen seine Leidenschaft. Der Pueblo dort ist nicht nur unzählbar groß - es gibt angeblich sogar viele davon, naja, mehrere, jeweils im Abstand von einem Tagesmarsch. Sie nennen es eine 'Stadt'."

"Dort leben wirklich Menschen? Ist das nicht furchtbar laut? Eng?"

"Rauchender Haufen sagt, dass er auch sehr schockiert war. Aber ich glaube ihm seine Geschichten, er ist ein sehr guter Beobachter. Wenn er etwas nicht versteht, dann sagt er es. Wenn er etwas versteht ... also, wenn er glaubt, dass er etwas versteht ... dann muss er es ausprobieren. Es ist furchtbar! Aber er ist ein sehr zuverlässiger Beobachter."

"Und was ist mit meinem Kater?"

"Dazu komme ich noch. Gedulde dich, es ist eine längere Geschichte. Nimmst du noch einen Kürbis Bier? Die sind diesmal wirklich sehr klein."

Fatale Sandale nahm gern noch einen Kürbis Bier. Roo-Arr erzählte weiter:

"In der Stadt haben sie auch einen Chef. Aber Rauchender Haufen sagt, dass der nicht gewählt wird."

"Was denn sonst?"

"Er ist der Chef, weil sein Vater der Chef war."

"WAS? Was ist denn das für ein Unfug? Das ist doch maßlose Dummheit! Wenn einer Chef werden soll, dann muss er doch erst zeigen, dass er das kann! Nur weil sein Vater Häuptling war, heißt das doch lange nicht, dass der Sohn das auch kann. Ganz im Gegenteil!"

"Im Gegenteil?"

"Die Söhne von Häuptlingen, das sind doch meistens so verwöhnte, verzogene, faule und überhebliche Bürschchen!"

"Ich hoffe, du meinst damit nicht meinen Sohn? Macht Blumenth'al diesen Eindruck?"

"Aber ... aber nein! Selbstverständlich nicht dein Sohn! Dein Sohn ist wirklich ganz in Ordnung - aber die anderen!"

"Na schön. Dort in der Stadt ist so ein Chef, der sein verantwortungsvolles Amt vom Vater geerbt hat, der es seinerseits auch schon geerbt hat, nicht einfach Häuptling. Sie haben einen besonderen Titel für so einen, er nennt sich 'König'."

"Natürlich, so ein Angeber muss auch einen exotischen Titel haben."

"Es kommt noch besser: Der König denkt, dass er Gott ist."

"Du meinst, wie die Ahnen? Nur in lebendig?"

"Nein, viel größer: Er hält sich für den Herrscher über die Ahnen."

"Wie stellt er sich das vor? Der ist doch völlig durchgedreht. Die Könige dort sind offenbar noch viel verrückter als hier meine Kranken. Das lassen sich die Leute gefallen?"

"Es ist vermutlich eine andere ... Kultur."

"Na, Kultur ist doch sicher nicht das richtige Wort für diese Wahnsinnigen!"

Die Indianer hatten eine genaue Vorstellung von Kultur und sie waren sehr stolz darauf.

14 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Große Städte (1)

Seit einiger Zeit war Fatale Sandale der diensthabende Medizinmann. Er war von auswärts zugezogen, nach anfänglichem Misstrauen waren die Indianer mit seiner Arbeit aber sehr zufrieden. Von seinem Kater Lautlose Sohle hatten zwar alle gehört, aber die wenigsten bekamen ihn zu Gesicht, weil er sich tagsüber, nun, nicht versteckte, aber geschickt im Schatten oder irgendeiner Deckung aufhielt. Von dort aus sah er ihnen bei ihrem Leben und bei der Arbeit zu. Wenn ihn wirklich einmal jemand dabei störte, ein spielendes Kind vielleicht, verzog er sich entrüstet.

Deshalb dachten die wenigsten über den riesigen Kater nach. Nur Roo-Arr, der gewählte Chef, war manchmal beunruhigt. Er malte sich den gewaltigen Schaden aus, den so ein Riese anrichten konnte, und dass Lautlose Sohle ein Raubtier war konnte jeder leicht sehen.

Dem Mächtigen Berglöwen hätte man jeden Überfall verziehen, es hieß dann 'die Ahnen' hätten ihn beauftragt, jemanden abzuholen. Lautlose Sohle war aber kein Berglöwe, er war viel, viel größer. Und er hatte Streifen.

Roo-Arr besuchte den Medizinmann gerne, weil er zuverlässig war und nachvollziehbar dachte. Die wenigsten anderen im Stamm waren so. Wenn gerade Bier von den Fynfzehnkilohant'l da war, saßen sie um das Feuer, tranken zusammen und erzählten sich aus ihrem Alltag.

"Hallo Fatale Sandale, ich habe etwas über deinen Kater erfahren."

"So? Was denn? Möchtest du hereinkommen? Ich habe aber nur Wasser und ein paar Früchte da."

"Ich habe Kürbisbier dabei. Möchtest du einen Kürbis Bier trinken. Oder zwei?"

Das Bier wurde zum Transport in Kürbisgefäße abgefüllt.

"Tut mir leid, Fatale Sandale, die sind diesmal sehr klein."

"Macht nichts. Gerne, danke. Und?"

"Vorhin habe ich Bier getauscht und bei dieser Gelegenheit Rauchender Haufen besucht. Er ist seit letzten Sommer bei den Fynfzehnkilohant'l und arbeitet seine Schulden ab."

"Der Erfinder?"

"Er ist eigentlich nur Töpfer, aber er baut gern alles mögliche, was dann nicht funktioniert. Ich staune, dass die es so lange mit ihm aushalten."

"Warum? Neugier ist doch ein Vorteil. Man muss alles ausprobiert haben!"

"Muss man nicht. Hast du von der Reise von Rauchender Haufen gehört?"

"Nur so in Andeutungen und Umrissen."

"Naja, ist auch kein Abzeichen des Ruhmes. Also, Rauchender Haufen war so begeistert von dem glänzenden weichen Metall, das oben im Fluss überall herumliegt. Gold nennt er das."

"Ich habe es gesehen. Das taugt doch für gar nichts, da ist ja Holz noch härter!"

"Genau. Aber irgendein Wichtigtuer hatte ihm erzählt, dass das in einem fernen Landstrich ganz viel Wert hat, und dass man alle möglichen anderen Reichtümer dafür eintauschen kann."

"Was denn für Reichtümer?"

Die Indianer der kürbistragenden Gebiete hatten eigentlich alles. Es gab in der Regel genug zu essen und wenn einem kalt war konnte man sich Kleidung anziehen. Dass man sich für beides ein wenig Mühe geben musste fiel ihnen nicht auf. Sie hatten ja sonst nichts zu tun. Wenn die Kraft des einen nicht ausreichte, rief man die Nachbarn zu Hilfe, und die mussten einem helfen, auch wenn sie keine Lust hatten.

Unterwegs

Nürnberg, Samstagmorgen, fünfuhrzehn. Die Jugend der Welt trifft sich am Hauptbahnhof.

... der fränkischen Welt ...

Lustig, hier sprechen sie fließend Kroatisch mit fränkischem Akzent!

13 Juni 2014

Ein kleine Mashup-Musik

Nein: Zwei.

Der Musikgeschmack des Großen Bloguators™ ist einfach: Da größte Chaos ist gerade gut genug. Das hier gefällt seit neuestem sehr gut:

Erinnert mich ein wenig an diesen Klassiker: Weird Al Yankowichs Bohemian Polka. Leider auf die Schnelle keinen frei zugänglichen Schnipsel zum Verlinken gefunden.

Chronik der Kürbiskriege! Haustiere

Heute:
Der Königstiger der Kürbiskrieger (3)

Eine der Aufgaben des gewählten Chefs war es, im Pueblo für Ordnung zu sorgen. So fasste er seinen Auftrag jedenfalls auf. Alle seine Indianer sahen das genauso - sofern nicht gerade sie selbst sich einschränken sollten. Manchmal schoss er auch über das Ziel hinaus. Oder das Ziel war einfach unklar und daher leicht zu verfehlen.

Diesmal wollte er endlich Fatale Sandale ermahnen, den diensthabenden Medizinmann. Der hatte einen riesigen gestreiften Kater als Haustier, den er Lautlose Sohle nannte, und von dem die Indianer noch nicht wussten, dass es sich um einen Tiger handelt. Nur dass er für einen Kater sehr, sehr groß war, das sahen sie sofort. Wenn sie ihn sahen - aber das kam selten vor.
"Fatale Sandale, dein Kater kackt überall hin!"

"Tut er gar nicht!"


"Ich finde doch seine Haufen überall!"


"Ich weiß nicht, von wem die Haufen sind - bestimmt nicht von Lautlose Sohle."


"Woher willst du das wissen?"


"ich habe ihm das beigebracht."


"Du hast ihm WAS beigebracht?"


"Na, dass er nicht überall hin kacken darf. Er vergräbt seins immer ordentlich."


"Das ist doch Unfug!"


"Jede Katze macht das."


"Er ist aber auf jeden Fall nicht 'Jede Katze'. Wie willst du ihm das denn beigebracht haben?"


"Ich habe mit ihm geschimpft."


"Du schimpfst mit diesem Riesen?"


"Früher. Heute nicht mehr so oft."


"Du meinst: Heute gar nicht mehr..."


"Doch, doch, kommt schon noch vor. Aber er weiß ja jetzt fast alles."


"Glaubst du doch selbst nicht."


"Aber sicher! Wenn er etwas falsch gemacht hat und ich schimpfe mit ihm, dann ist er ganz geknickt. Er senkt schuldbewusst den Kopf und schleicht davon."


"Trotzdem kackt er überall hin."


"Tut er nicht! Jedenfalls nicht hier im Pueblo."


"Das kannst du doch gar nicht wissen."


"Doch. Er geniert sich."


"Dieser Riese?"


"Was hat das denn mit der Größe zu tun? Er hat es nicht gern, wenn man ihm dabei zusieht. Deshalb geht er immer nach außerhalb, wenn er mal muss. Ich weiß nicht, wo er das her hat, ich habe ihm das nicht beigebracht."


"Aber von wem sind dann die Haufen?"


"Keine Ahnung. Nicht von Lautlose Sohle. Frag mal deine Indianer."
Damit stand Wort gegen Wort. Die Indianer waren einander zur Ehrlichkeit verpflichtet, im großen und ganzen. Eine Tatsache, die man nicht zugegeben hatte, war keine. Wirklichkeit war in ihrer vergeistigten Welt eine Frage der Definition. Eine Wahrheit galt ohnehin nicht, nur weil man sie anfassen konnte. Und nun lagen da zuweilen mysteriöse Haufen.
"Na gut, Fatale Sandale, für heute gehe ich. Aber ich behalte deinen Kater im Auge!"

"Tu das. Er lässt sich nichts zuschulden kommen. Aber achte auch auf deine anderen Indianer."


"Schon gut, werde ich tun."



 weitere Tigergeschichten unter Chronik der Kürbiskriege! Große Städte (1)

12 Juni 2014

Selbstgemacht

Eben auf der Tucholskystraße in Mitte.

Gegenüber der Bäckerei parkt ein Auto in der schmalen Straße in zweiter Reihe. Der Verkehr knäuelt und staut sich, weil die Autofahrer sich dadurch in jeder Richtung immer abwechselnd vorbei lassen müssen.

Frau kommt aus der Bäckerei und will sichtlich dringend über die Straße. Sie wird immer ungeduldiger, aber es geht nicht, weil vor dem Auto in zweiter Reihe unablässig der Verkehr hin und her flutet.

Irgendwann bildet sich doch eine Lücke. Erleichtert springt sie über die Straße und steigt in ihren Wagen - den in der zweiten Reihe.

Sie fährt los, der Stau löst sich umgehend auf.

11 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Schuld und Sühne

Heute:
Der Königstiger der Kürbiskrieger (2)

Fatale Sandale, der diensthabende Medizinmann der Handclatchtomat'l, hat einen etwas zu groß geratenen Kater, der nicht haargenau so aussieht, wie sich die Kürbiskrieger einen Kater vorstellen. Vor allem Roo-Arr, der gewählte Häuptling, ist argwöhnisch.
"Erst vor ein paar Tagen hat dein Kater aber einen Menschen getötet!"
"Schon. Nur war das kein gewöhnlicher Indianer."
"Oh doch!"
"Nein, es war der Mörder, den die Poclatchpapat'l seit einer ganzen Weile suchten."
"Das ist doch deinem Kater egal. Hat er halt einen Mörder getötet. Meinst du, ein Mörder riecht anders?"
"Warum sollte der anders riechen?"
"Eben! Der riecht nicht anders. Der war auch ein Indianer. Glaubst du, dass Lautlose Sohle den Unterschied erkennt? Der sieht in uns doch nur Lama-Steaks auf zwei Beinen."
"Na und? Außer dir und mir weiß niemand davon. Die Poclatchpatat'l glauben, der Mächtige Berglöwe hätte ihn bestraft."
"Ja, Fatale Sandale. Aber du und ich wissen, dass der Mächtige Berglöwe in diesem Moment schon ein paar Tage tot war. Ich habe ihn selbst begraben. Und einen anderen haben wir zur Zeit nicht in der Gegend. Dein Kater bringt Menschen um!"
"Nun beruhige dich mal wieder. Er hat den Poclatchpatatl'n sogar einen Gefallen getan."
"Entschuldige ihn nicht auch noch! Wie kommst du auf so einen Unsinn?"
"Sie wussten nicht, was sie mit einem Mörder anfangen sollen. Vor einiger Zeit haben sie sich ein Gesetz gegeben, dass sie keine eigenen Stammesmitglieder töten. Um ihn angemessen zu bestrafen haben sie deshalb versucht, ihn zuerst aus ihrem Stamm auszuschließen."
"Die spinnen auch!"
"Mag sein. Das Ausschließen geht nur einstimmig."
"Was?"
"Ja. Hat nicht funktioniert, weil die Mutter dieses Widerlings immer dagegen gestimmt hat. Da haben sie nun so viel Kultur und wertvolle Gesetze, und wo führt das hin? Nirgends."
"Das ist mir ganz neu, Fatale Sandale, das hast Du gehört?"
"Habe ich. Dieser Feigling wollte sich noch nicht einmal selbst von der Klippe stürzen. Obwohl sie ihm das nahegelegt haben. Dafür wollten sie hinterher sogar für ihn ein gutes Wort bei den Ahnen einlegen."
"So großzügige Angebote machen die selbst einem Mörder?"
"Ja. Aber der Feigling wollte nicht. Stattdessen ist er abgehauen. Seine Mutter hat ihm heimlich Essen gebracht. Und irgendwann muss er Lautlose Sohle getroffen haben."
"Dein Kater hätte doch auch jeden anderen zerlegt! Der kann das doch gar nicht unterscheiden!"
"Dass die Ahnen dabei auch ihre Finger im Spiel hatten willst du wohl nicht glauben, was?"
"Allein der Mächtige Berglöwe ist der Abgesandte der Ahnen, sonst niemand! Man erkennt ihn daran, dass er keine Streifen hat!"
"Na gut, mein Kater hat Streifen und ist wohl kein richtiger Berglöwe. Aber du musst dir trotzdem keine großen Sorgen machen, Roo-Arr."
"Wieso?"
"Ich höre, dieser Mörder von den Poclatchpatat'l sei ein sehr unbeherrschter Dummkopf gewesen."
"Erzählen sie das?"
"Es sind auch die Worte 'stumpfer Idiot' gefallen und noch einige andere unvorteilhafte Bezeichnungen. Er hat angeblich häufig versucht, sich mit Grobheit durchzusetzen. Selbst unbedeutende Kleinigkeiten, er wurde wegen Nichtigkeiten gewalttätig, reines Geprahle."
"Na und?"
"Ich vermute, dass er das auch versucht hat, als er auf Lautlose Sohle getroffen ist, meinen riesigen Kater. Der ist normalerweise lieb, hat aber auch gerne Recht."
"Meinst du?"
"Ich möchte wetten, dass es so war."
"Na, ich weiß nicht..."
"Jedenfalls wäre das eine einleuchtende Erklärung, die ganz ohne Ahnen auskommt. Nur mit einem Kater und einem Idioten."
"Das behagt mir nicht..."
"Mag sein. Aber außer dir sind alle zufrieden: Die Poclatchpatat'l sind froh, dass sie ihren Mörder los sind. Seine Mutter glaubt, der Mächtige Berglöwe hätte ihn auf Weisung der Ahnen geholt und deshalb gibt sie jetzt Ruhe. Und wir beide wissen, dass mein großer gestreifter Kater einem normalvernünftigen Indianer nichts tut."
"Das ist kein Beweis!"
"Widerlege es."
"Kann ich nicht."
"Siehst du?"



zum 3. Teil unter  Chronik der Kürbiskriege! Haustiere

09 Juni 2014

Chronik der Kürbiskriege! Tigergeschichte

Willkommen zurück beim Historytainment-Kanal! Hier vermischen sich Blutvergießen, Aberglaube und jahrhundertelang unbewiesene Vorstellungen von Ehre aufs schönste zur Unterhaltung der geschätzten Leserschaft! Nehmen sie virtuell Anteil am freien und wilden Leben der indigenen Eingeborenen beider Amerikas - und des kleinen Teils dazwischen.


Heute:
Der Königstiger der Kürbiskrieger (1)

Die Indianer der kürbistragenden Gebiete hatten auch Freizeit. Auch wer im Einklang mit der Natur lebte musste keineswegs ständig ums Überleben kämpfen. In normalen Jahren gaben die Erde und die Jagdgründe ausreichend Nahrung her. Neben der Arbeit blieb ihnen viel Zeit und in dieser Zeit wurde ihnen schnell langweilig. Sie entwickelten Hobbys.

Der eine sammelte Kürbiskerne und sortierte sie nach Größe, Farbe und Struktur. Eine andere ritzte eindrucksvolle Bilder in die Wände vom Canyon. Auf ihre Einladung traf man sich regelmäßig davor zum Grillen und Meinungsaustausch.

Es gab auch Haustierhaltung. Natürlich auch Nutztiere. Die Indianer konnten zwar zwischen nützlichem Nutztier und vermeintlich nutzlosem Haustier gut unterscheiden. Aber auch wenn sie Arbeit machten, gegen Haustiere sprach gar nichts, da man glaubte, dass sie gut für die Seele seien. Mit Ausnahmen.

Wir lauschen einem Gespräch zwischen Roo-Arr, dem gewählten Häuptling der Handclatchtomat'l, und Fatale Sandale, dem diensthabenden Medizinmann.
"Sag mal, Fatale Sandale, was soll das mit Lautlose Sohle?"

"Was soll mit ihm sein? Er ist mein Kater. Das macht er sehr gut."

"Aber dein Kater frisst unsere Jagdgründe leer!"

"Gar nicht! Ich gebe ihm ausreichend Lamafleisch, lauter Abfälle. Und ausschließlich gezüchtete. Das was eben so übrig ist. Zum Jagen ist er dann viel zu faul. Insgesamt macht das jede Handvoll Tage vielleicht ein ganzes Lama. So viel bleibt hier im Dorf immer übrig. Ich sammle die Abfälle bei den Nachbarn ein. Er mag es sogar besonders gern, wenn es schon stinkt."

"Aber er ist riesig!"

"Na und? Je mehr Kater desto besser."

"Er sieht nicht einmal aus wie die Katzen bei uns."

"Seit wann bist du so kleinlich? Du hast doch sonst für jeden Verständnis. Bist du jetzt zum Rassisten geworden? Nur weil du noch nie eine gestreifte Katze gesehen hast?"

"Aber er ist viel größer als alle Katzen bei uns. Viel größer als der Vertreter vom Großen Ozelot. Und sogar doppelt so groß wie ein Berglöwe!"

"Er ist genau wie alle Katzen. Er spielt gerne, er schläft gerne, er frisst gerne."

"Das ... das ist doch nicht dasselbe! Fürchtest du dich nicht manchmal vor ihm, so riesig wie er ist?"

"Nicht mehr als vor meiner Frau."

"Aber das kann man doch nicht vergleichen!"

"Der Kater ist jedenfalls berechenbarer als meine Frau. So lange er nicht hungrig ist, liebt er uns. Bei meiner Frau weiß ich nicht."

"Und wenn er hungrig ist?"

"Keine Ahnung, vermutlich macht er dann keinen Unterschied zwischen uns und dem Futter."

"Das ist doch nicht normal! Überhaupt, so einen Kater habe ich noch nie gesehen. Wo hast du ihn eigentlich her?"

"Habe ich gefunden als er noch ganz klein und hilflos war. Ich weiß nicht, woher er kommt. Damals war er nicht größer als eine gewöhnliche Miezekatze. Dass sein Fell so seltsam gestreift ist, ist mir damals auch aufgefallen. Aber man will doch auch immer was besonderes, nicht wahr? Ich konnte ja nicht ahnen, dass er dermaßen groß wird. Wir haben ihn mit Lamamilch aufgezogen, vielleicht ja deshalb."

"Deshalb was?"

"Na, die Kürbisse werden doch auch mit Lama-Dung besonders groß. Deshalb."

"Und da hast du keine Angst vor ihm?"

"Ich muss nur darauf achten, dass er nie hungrig ist. Ist gar nicht schwer, ich mag meinen Kater. Wenn ich das Futter einsammle sehe ich auch immer nach den Kranken im Dorf und weiter weg, das ist doch sehr praktisch, nicht? Und die freuen sich, dass der Medizinmann freiwillig kommt. Nicht so wie früher, kurz nachdem sie gestorben sind."

"Du machst mich wahnsinnig! Lautlose Sohle schleicht immer durchs Dorf und erschreckt die Leute!"

"Der erschreckt gar niemanden. Die merken noch nicht mal, dass er da ist, weil er immer so leise schleicht."

"Wenn sie es wüssten, würden sie sich zu Tode erschrecken!"

"Er sieht ihnen neugierig bei ihrem Leben zu, mehr nicht. Bei mir hat sich jedenfalls noch niemand beklagt."

"Und du lässt ihn frei herumlaufen!"

"Ich sperre ihn doch nicht ein! Bin ich wahnsinnig? Er braucht seine Freiheit!"

"Am letzten Halbmond hat er einen Berglöwen zerlegt!"

"Wie kommst du darauf? Das ist eine schwere Anschuldigung!"

"Ich habe einen zerfleischten Berglöwen gefunden. Wer sonst könnte einen Berglöwen zerfleischen - wenn nicht dein riesiger Kater?"

"Woher soll ich das wissen?"

"Niemand!"

"Kannst du doch gar nicht wissen..."

"Oh doch! Seine Pranken sind viermal so groß wie eine Hand von mir! Damit zerlegt er ganz leicht einen Berglöwen!"

"War der Berglöwe vielleicht auch ein Kater?"

"Weiß ich nicht. So viel war davon nicht mehr zu erkennen."

"Kater mögen sich nämlich untereinander oft nicht, so ist das bei Katzen."

"Das ist keine Katze! Das ist ein Riese! Und der Berglöwe ist der Abgesandte der Ahnen!"

"Dann muss er eben besser aufpassen."

"Aber ... das geht doch nicht! Der Berglöwe ist der Herrscher über allem!"

"Der soll sich nicht so aufspielen. Jetzt ist er eben selbst bei den Ahnen. Da lernt der Abgesandte auch mal die andere Seite kennen."

"Du ... du ... du kannst doch nicht ..."

"Was hast du eigentlich mit dem Berglöwen gemacht - ich kann mich an kein Totenfest erinnern?"

"Du warst ja nicht da, Fatale Sandale! Ich habe ihn heimlich begraben."

"So so..."

"Allerdings! Unsere Leute sollen nicht denken, das es noch etwas mächtigeres als den Mächtigen Berglöwen gibt. Sonst kommen die noch auf komische Ideen und glauben gar nichts mehr."

"Aha."

"Warum musst du nur so ein riesiges Vieh halten?"

"Das hat überhaupt keine Nachteile. Er ist sehr leise und schmusig. Nur dass er manchmal ein wenig schnarcht."

"Er schnarcht?"

"Ja, ganz leise. Süß, nicht?"

"Schläft er etwa bei euch im Haus?"

"Na, wo denn sonst? Draußen ist es kalt. Das ist auch sehr praktisch, er wärmt sehr schön das Bett."

"Er ... er ... er schläft bei Euch im Bett?"

"Manchmal. Warum nicht?"

"Was - warum nicht?!?"

"Während ihr friert und dreimal in der Nacht aufstehen müsst und Feuerholz nachlegt, haben wir Lautlose Sohle und es ist kuschelig warm. Ich musste nur das Bett vergrößern."

"Das ist doch gefährlich!"

"Nicht mehr als wenn das Feuer zu lange schwelt, wie letzten Winter bei den Nachbarn. Die sind eines Morgens aufgewacht und waren alle tot. So gefährlich ist unser Kater nicht. Wir leben noch."

"Ihr ... ihr seid wahnsinnig!"

"Nicht mehr als ihr."

"Oh doch!"

"Und dabei ist er so süß, wenn er leise schnarcht und seine Schwanzspitze zuckt. So süß!"




weiter zum 2. Teil: Hier

08 Juni 2014

Spaßvögel, die 2.

Selbes Paar am Tresen, weniger als ein Bier später.

Gesprächsfetzen von ihm:

"... aber das ist nur äußerlich. Tief in meinem Inneren wohnt ein argwöhnischer und boshafter Charakter ... äääh ... eine sensible und verletzliche Seele!"

07 Juni 2014

Spaßvögel

Lokal in Schöneberg, Abend.

Mann und Frau am Tresen unterhalten sich.

Sie:

"Du bist schräg - aber witzig!"

Er:

"Ich bin witzig - aber schräg."

Kurze Pause. Dann er wieder:

"Du bist nur witzig. Aber nicht schräg. Schade."


Schönes Schöneberg!

06 Juni 2014

Vertraue mir!

Das hier ist eine der großartigsten Betrachtungen zu Behauptung und Handeln im politischen Alltag: Wenn die Worte etwas ganz anderes zu sagen scheinen als das Bild - welcher Botschaft vertraut man dann?

Niemand hat nämlich auch die Absicht, das Tempelhofer Feld zu bebauen. Oder die Ukraine in einen Bürgerkrieg zu stürzen und anschließend nach Russland einzugemeinden.

05 Juni 2014

Versehrung

Tennisarm. Vom Federball.
Wäre nicht so schlimm, wenn es nicht gleichzeitig der Kaffeetassenarm wäre.
Ob das die Sportärzte beeindruckt?

04 Juni 2014

Kommentare

Oh, verdammt! Es gibt hier eine Funktion, die Spam-Kommentare automatisch löscht. Das ist an sich ganz praktisch - aber manchmal erwischt sie auch einen seriösen Kommentar eines seriösen Kommentators¹. Solange ich es nicht bemerke und von Hand wiederherstelle ist so ein Kommentar erstmal weg.

Also, kurzer Rede langer Sinn:
Sofern sie nicht erkennbar Werbung für irgendwas machen werden hier KEINE KOMMENTARE GELÖSCHT! Nicht einmal von außergewöhnlichen Nervensägen - für die hat Der Große Bloguator™ aus naheliegenden Gründen am meisten Verständnis.



¹ ballspielsweise, wenn er anonym ist und gleichzeitig von einer IP aus dem Ausland stammt

02 Juni 2014

Einkauf

Gestern abends beim Discounter. In der Backzutatenabteilung ganz unten fällt der Blick auf ein blaues Paket. Ich lese:

GEILER
ZUCKER

...

 

… Fragezeichen?

 

Irgendetwas stimmt mit mir nicht. Und ich hoffe, es sind nur die Augen.

wesenheitsnotiz

... aber immer noch ausgeprägte Urlaubsdemenz.

Anwesenheitsnotiz

Wieder da!

Falls es niemand bemerkt hat - ich war nämlich eine Woche lang weg. In dieser Zeit habe ich folgendes getan:

 
(Abb. ähnlich¹)




¹ Foto ausgeliehen bei Äintschie - ich geb es zurück, wenn Du es wieder brauchst!

22 Mai 2014

Öntököltöröll

Eben in der U-Bahn: Unauffällige junge Frau auf dem Nachbarsitz liest ein Buch. Mir springt das merkwürdige Schriftbild ins Auge, erheblicher Anteil von Buchstaben mit Haken drauf, drunter und anderswo. Dazwischen krakelige Grafiken. Also, Kalligrafie nennt man das. Sehr interessant, so vom ersten Hinsehen.

Es handelt sich wohl um eine Auslegung des Koran ins Tschechische, gelesen in einer U-Bahn in Berlin auf dem Weg von Mitte nach Tempelhof.

21 Mai 2014

Isomatte

Mittagspause, Kauf einer Isomatte bei KARSTADT. Ja, ja, ich hätte auch ins Fachgeschäft für Isomatten gehen können! … aber da ist keines vom Büro aus leicht erreichbar.

Isomatten also. Auswahl haben sie reichlich. Nur: Was für eine… Länge 1,80m - was soll ich damit? Aha, es gilt: Die breiten Isomatten sind nicht lang, die langen sind nicht breit. Die dicken sind schwer, aber dafür auch teuer. Und sperrig.

Und dann gibt es noch die selbstaufblasenden, die alle Nachteile miteinander vereinen, schmal, schwer, kurz, teuer und trotzdem sperrig.

Es gibt nur ein Naturgesetz: So wie die Welt eingerichtet ist funktioniert sie nicht.

16 Mai 2014

Werktag Büro

“… WAS DENN?!?”

“Der Vorsitzende der Bewegung ‘Saufen als Hobby’ geht Nachschub holen. Wünsche?”

“ICH KANN JETZT NICHT!”

15 Mai 2014

Welt & Sinn

Gestern beim Speedminton im Park. Zwischen zwei Aufschlägen: Gezeter vom Gegner über die Sinnlosigkeit einlagigen Toilettenpapiers. Aha.

13 Mai 2014

Muster

Söben entdeckt: Ein Blog namens Bad Textures - also: Schlimme Muster. Leider nur interessant für Leute, die sich für Muster interessieren. Will sagen: Für Den Großen Bloguator™ allemal.

12 Mai 2014

Super (2)

Außerdem bieten sie der Kundschaft in dem Asia-Markt etwa 750 Sorten Chips und Kräcker. Aber auch Nudeln. Nudeln könnte man weichkochen.



Ich aber habe diese Packung gekauft, weil mir die irgendwie interessant erschien, auch der Zutaten wegen. In Asien würde man ja nicht so viel Aufwand für besonders wenig Effekt betreiben, oder? (in Berlin würde man. Und nicht "würde" - tut man)

Beim ersten Probieren musste ich zugestehen: Hm, erheblich uninteressanter als erwartet. Ziemlich langweilig sogar. Und ganz schön hart. Nichts für strapazierte Zähne eines erwachsenen Mitteeuropäers. Wir knacken ja auch keine Paranüsse ohne geeignetes Werkzeug, einfach nur so indem wir auf der Schale herumkauen. Andererseits.

Nein, Essen wirft man nicht weg!

Ich hatte etwa ein Drittel der Packung mühsam runtergeknuspert, als ich auf die abwegige Idee kam, die Gebrauchsanweisung zu lesen. Hinten, auf der Rückseite, und in durchaus lesbarer Größe:

MAN SOLL DIESE CRACKER FRITTIEREN!

Wer kommt denn auf so eine abseitige Lösung? Na schön, zufällig hatte ich Frittierfett da - und dann schmecken sie auch tatsächlich ganz interessant und sind nicht die Totengräber aller Zähne.

...

... ich muss neue kaufen. Die haben da noch 749 andere Sorten!

11 Mai 2014

Super

Schöneberg hat auch einen Asiamarkt. Mehrere wahrscheinlich. Der eine große liegt nicht direkt am Weg, so dass der Große Bloguator™ dort nur unregelmäßig vorbeischauen muss.

Trotzdem: ICH BIN IN DIE FALLE GETAPPT!!! Ein ganzer Laden voll mit Zeug, dessen Namen man hier im Leben noch nicht gehört hat - aaaaaaaah!

In Abb. 1 sehen wir: Grasgelee, Bambusspitzen in übelriechender Lake, Cassava und sonderbare Bananen, die garantiert keiner DIN-EN-Norm entsprechen, riesig.
 
Riesig!


Hat irgendwer schon mal von Gras-Gelee gehört? Was macht man damit? Das wird man doch nicht essen, oder? Ich wiederhole: Gras-Gelee!

An Inhaltstoffen ist überraschenderweise hauptsächlich Gras-Gelee drin. Das kann nicht von europäischen Produzenten stammen - in dieser Dose ist tatsächlich drin, was drauf steht.

Noch etwas interessanter ist aber die anthropomorphe Wurzel, die da liegt. Kennt hier jemand den Begriff Cassava? Was ist das - eine außerirdische Zivilisation in Wurzelform? Aaaaargh, sie kommen!

Nun, seit neuestem gibt es ja Google und dann findet sich eine ganz einfache Lösung.

Aber die Bananen sehen ungewohnt aus, vor allem sind sie riesig. RIESIG! (die anderen die ich gekauft habe sind schon verkocht, diese hier, die kleinste, ist immer noch größer als unser Supermarktzeug)

Bisher habe ich nicht gewagt, die Dose mit dem Gras-Gelee aufzumachen. Das Patenkind bezweifelt sogar, dass ich es jemals tun werde. Echt, nä!?! Schlimmer als vergorener Hering wird es ja nicht sein.

Zum Abschluss nochmal die Cassava und die NichtDINBanane in voller Größe und Schönheit:

10 Mai 2014

Wunscherfüllung

Wir sind zur Höflichkeit erzogen. Jedenfalls die meisten von uns. Das geht so weit, dass man auch totalen Arschlöchern, die man auf den Tod nicht ausstehen kann, die Hand gibt, wenn sie einem nur ihre schmierige Pranke entgegenstrecken. Wird man sogar höflich um etwas gebeten, kann man so einen Wunsch kaum abschlagen.

Ich würde ja so gerne. Ehrlich! In echt!
Aber diese hier machen es einem wirklich schwer:


 

09 Mai 2014

Zukunft

Als Großer Bloguator™ lebt man in der Gewissheit, alles zu wissen. Aus gutem Grund.

Aber dass ich in acht­und­zwanzig­tausend­und­ein­und­dreißig Jahren um 17:57h ein Foto vom Hof schießen werde, überrascht selbst mich:

08 Mai 2014

tschakka!

Das hier geht ganz gut los: http://youtu.be/iANRO3I30nM

upandoverit

hab ich von AURGASM  (sorry, musste es mit einem Fake-Cover machen, weil direktes Einbetten deaktiviert ist)

… und weil es in diesem Zusammenhang bei Youtube verlinkt ist  … und weil die Ukraine derzeit ein wenig Zuspruch gut brauchen kann … und selbstverständlich, weil es sich da um eine total süße Blondine mit ziemlich akrobatischen Fähigkeiten handelt … also: WEIL! … noch dieses hier:

(ich wüsste ja zu gerne, was die Juroren ihr zwischendurch um die Ohren hauen, dass sie dermaßen enttäuscht kuckt. Ja, ja, und die Musik wie auch die Highheels sind furchtbar)

05 Mai 2014

Effekt

Nach dem Segeln ist man oft ziemlich dehydriert: Stundenlang mit hoher Aufmerksamkeit und körperlicher Aktivität unterwegs, vergisst man leicht, nachzutanken. Das kommt an Land - nur dass es dann leider zu spät ist. Bis sich der Flüssigkeitshaushalt wieder ausgeglichen hat vergehen etliche Stunden.

In diesem Zeitraum führt ausgeprägter Durst dazu, dass man inzwischen in langen Zügen alles trinkt, was irgendwie in Griffweite steht, Bier, beispielsweise. Die Folgen sind verheerend, es sei denn, man hat ein wenig Übung in genau solchem Fehlverhalten.

Am Wochenende trank Der Große Bloguator™ aus beschriebenem Anlass erstmals vorsätzlich mutwillig absichtsvoll bleifreies Bier. Also: Ohne Alkohol. Nominell jedenfalls. Die Folgen waren nicht anders als bei herkömmlichem Bier: Motorische Fehlsteuerung, Aufmerksamkeitsschwäche und Mitteilungsbedürfnis.

Für die regelmäßigen Leser: Ungeschick, Ungeduld und Sprechdurchfall.

Es scheint bei alkoholfreiem Bier einen Placebo-Effekt zu geben, der nicht zu unterschätzen ist.

02 Mai 2014

Test

Das Provisorium ist da! Und passt sogar. Sieht gleich viel besser aus und nervt ganz wenig.

Ist allerdings ein täglicher Aufmerksamkeitstest: Ab jetzt muss ich beim Verlassen des Hauses statt drei immer vier Sachen mitnehmen, Schlüssel - Geld - Telefon - Zähne.

30 April 2014

Segelgeschichte

Hier geht es ums sportliche Segeln.

Bis vor kurzer Zeit waren 18-Füßler die Spitze der technischen Entwicklung im Segelsport. In den letzten Jahren hat sich das durch die Foil-Technologie geändert, aber aufregend sind solche Boote nach wie vor.

18-Füßler vor 45 Jahren:


hab ich im Torkelblog gefunden.

Beobachtungen: Die Boote bestehen in den sechziger Jahren aus Sperrholz und die Masten sind schon aus Aluminium. Außerdem haben sie Werbung im Segel, obwohl das damals gar nicht gern gesehen war. Vermutlich deshalb geibt es nur ein Logo, aber keine Schriftzüge.

Aber die Schot wird über eine Winsch gefahren (Pleistozän!), es gibt keinen wirksamen Niederholer am Großbaum (Bronzezeit), die Spinnacker liegen mit Gummis gepackt unter Deck und werden an der Luvtonne erst angeschlagen (Steinzeit). Und der Spibaum ist so lang, dass er nicht aufs Boot passt, sondern zuerst aus zwei Teilen zusammengesetzt werden muss. Wenn die Boote umfallen gehen sie bis zur Scheuerleiste unter. Das ficht die Segler jedoch nicht an und sie fahren auch bei starkem Wind auf Biegen und Brechen.

15 Jahre später sehen die Dinger inzwischen so aus:



Im Film sind im Rückblick auch Bilder aus der Zeit der dreißiger Jahre eingebunden, inzwischen haben sich Details geändert: Das Großsegel ist oben angebunden, so spart man weitere 100g Gewicht im Mast, und weil die Boote inzwischen so dermaßen leicht sind, werden sie in der Regel von der Mannschaft ins Wasser getragen, haben Ausleger und Rüssel und werden beim Segeln nur noch zu dritt bewegt. Es gibt ein Zuschauerboot in der Größe einer Fähre, auf dem das Publikum den Nachmittag verbringt. Auf dem Zuschauerboot wird gewettet. Nach dem Segeln aus dem Wasser raus fühlen sich die federleichten Skiffs viel schwerer an, jetzt braucht es 6 muskulöse Leute zum Tragen.

Heute (2014) sehen die 18-Füßler so aus:



… Carbonmasten, feste Leitern, fester Bugspriet, noch leichter. Auf Biegen und Brechen segeln sie immer noch.

29 April 2014

Unerwünschte Mengensendung

Der umgangssprachliche Begriff dafür lautet SPAM, aber die hilfreichsten der Internetmenschen haben sich einen Namen ausgedacht, der viel unbelästigender klingt:
unsolicited bulk e-mail (Unangeforderte elektrische Massensendung).
Mit solchen Massensendungen soll einem auch schon einmal ein Trojaner oder ein Virus angedreht werden, in der Regel kommt oft nur nervige Werbung, die wirklich niemanden interessiert.

Dieses hier gehört wohl zur ersten Kategorie:
Sorry fur die Verspatung, siehe angehangte Datei.
Fur alle Anfragen wenden Sie sich bitte
Tel./Fax.: (+49) 621 866820464
Eine Auffang Sie den Felsen graben.
Danke.
Also wende ich mir Tel./Fax. Seit Stunden schon. Nichts geschieht.

Nun beklage ich doch ebenfalls häufig die Verspatung der Welt. (müsste es nicht zutreffender Verspatelung heißen?). Außerdem habe ich unter der Telefonnummer in Mannheim angerufen um zu fragen, ob ich noch die fehlenden Pünktchen über den Umlauten bekommen kann. Ich würde sie mir sogar selbst abholen. Leider ohne Erfolg.

Gerade von Teilnehmern in Mannheim hätte ich auch Aufschluss über den zentralen Satz erwartet - aber leider werde ich weiter mit dieser Mitteilung allein gelassen und muss den Rest des Tages vergrübeln über “Eine Auffang Sie den Felsen graben.”

Tja. Schade wieder.

… verdammt, wie geht denn diese angehangte Datei auf?!? Ich! Muss! Das! Wissen!

28 April 2014

Alleinvertretung

"Vegan ist das neue katholisch!"

25 April 2014

Aktivupdate

Das Patenkind war wieder aktiv. Inzwischen ist sie elf - und zwar: Jahre alt.

Hier sehen wir die Ausbeute von gestern und vorgestern. Drei Figuren in zwei Tagen! Es handelt sich angeblich um recykelte Handschuhe und Putzlappen.




Der Fachmann für Weiterverwendung empfiehlt in diesem Zusammenhang: Recycled Creativity



sorry, unscharfe Handyfotos fix zwischendurch gemacht

22 April 2014

Moderne Zeiten

Das Wirtschaftswunder ist vorbei, Mitgefühl und Verantwortung waren gestern, die soziale Schere öffnet sich weiter.

Merkt Euch das: Gewerkschaften in Deutschland sind keine Welt­­verbesserungs­­organi­­sationen oder Sozialvereine für ein menschenwürdiges Leben! Man soll sie eher mit seriösen Lobbygruppen vergleichen, die die Interessen ihrer Beitragszahler genauso professionell vertreten wie die Lobbyisten von GAZPROM, Heckler & Koch oder VW.

Die einen Arbeitnehmer können vom Mindestlohn nur träumen und wissen bis dahin nicht, wovon sie Essen UND Miete bezahlen sollen. Die anderen können mit ihrer vielen Freizeit schon gar nichts mehr anfangen und haben weiter nichts als Passiv-Fußball im Kopf.

SPIEGEL-Meldung von heute

 
 

Erinnert mich schwer an die penetrante Klientelpolitik zum Ladenschluss damals. Wer es nicht mehr weiß: Die Kunden des Einzelhandels sollten zum Einkaufen von Lebensmitteln doch einfach einen Tag Urlaub nehmen, weil Mama an der Kasse genau dieselben Arbeitszeiten hätte haben sollen wie jeder Büroangestellte auch, werktags zwischen 8.oo und 18.ooh, und "am Wochenende gehört Mama mir!"

Alternativvorschlag an die Arbeitgeber: Ihr schmeißt das stumpfe Pack raus und gebt die Arbeit denen, die sie wirklich machen wollen. Die sind wahrscheinlich noch nicht einmal in der Gewerkschaft.

21 April 2014

Invasion

Meine Güte, wir haben noch vor Anfang Mai und ich treffe bereits die zweite Wespe in der Wohnung!

Dabei sind die Biester so groß, dass sie noch nicht einmal in die Kannenpflanze passen.




...hm, vielleicht pürieren ...? 

Im Zweifelsfall sollte ich mich nach diesem hier umsehen - dann sind sie immerhin schon mal geröstet ...

20 April 2014

Selbstbild

... oder ~bewusstsein.

Psychiater im Interview:

"Neulich hatte ich den Messias in Behandlung. Ja, sicher, ich habe ihn geheilt."

(wg. einem Artikel neulich im Spiegel über das Jerusalrm-Syndrom)

Jerusalem - nicht Jesusalarm!

... obwohl ...

16 April 2014

Schweigen.

Zur Zeit läuft hier Radiowerbung wo einer sich vorstellt als Matthias Schweighöfer.

Darüber wollen wir jetzt ein wenig meditieren: "Werbung" ← → "Schweighöfer".

Keine Ehre macht der seinem Namen. Keine Ehre.

 

 

 


ahne ich doch bereits den Kommentar von irgendeinem meiner gehässigen Freunde: "Gerade DU hast es nötig!"

14 April 2014

Beweis

Donald Duck - Der güldene Wasserfall
George Catlin - American Indian Portraits
Manfred Curry - Regatta-Segeln, von 1936
Wolf Wondratschek - Die große Beleidigung 
... was man halt immer so liest, wenn man Großer Bloguator™ ist.






über die übrigen auf der Abbildung mit viel Neugier erkennbaren Details wollen wir den diskreten Mantel des Schweigens decken

08 April 2014

Streetart

Aus irgendeinem Grund gibt es auf der Schöneberger Insel seit kürzerem eine verwaiste Werbetafel. Bis vor kurzem beleidigte dort noch herkömmliche Allerweltswerbung Augen und Verstand, aber die ist weg.

Vielleicht hat der Sturm von neulich die Werbebotschaft heruntergeschält, vielleicht hat der Verwalter gewechselt - man weiß es nicht. Jedenfalls steht sie lange genug leer, dass sich die Streetartisten herausgefordert fühlten und ihrer bemächtigt haben.

Jetzt klebt dort, schön ordentlich im orthogonalen Raster sortiert, Kunst von der subtilen Schöneberger Sorte:





Schönes Schöneberg!

07 April 2014

Saison

Frühjahr, bald ist es wieder soweit: Balkon aufs lieblichste bepflanzt - restliche Wohnung sieht aus wie Nuklearangriff auf ein Zementsilo.

06 April 2014

Möglichkeitsform Humor

Unbedacht fallengelassener Nebensatz am Biertisch im Seglerheim: "... . Hätte, Wäre, Könnte - die wichtigsten Indikative unter Seglern."

Da brüllt die anwesende Deutschlehrerin atemlos: "Das sind Konjunktive!"

"Unter Seglern nicht. Da sind Hätte, Wäre und Könnte Tatsachen..."

Frauen und Humor.

"... unter Fußballern auch, was ich so höre."

04 April 2014

Wuuu-huuu!

Das hier ist so ziemlich das durchgedrehteste an Webseite, das mir in den letzten Jahren begegnet ist:
Ritsch + Renn
(Achtung! Da läuft gleich Musik los und es gibt auch keinen Knopf zum Abschalten - "not safe for work")

Gleichzeitig sind die Brüder aber anscheinend seriös genug, eine große Anzahl ernsthafter zahlender Kundschaft zu finden. Wuuu-huuu - ich bin hingerissen!

03 April 2014

Tag

Im Sprachgebrauch des Großen Bloguators gibt es den "Tag des abgefahrenen Zuges". Das ist, wenn der Benutzer, egal wo er hinkommt, immer die Rücklichter des Waggons sieht, der soeben den Bahnhof verlässt. Einmal am Tag ist okay, mehrmals ist furchtbar. Insbesondere dann, wenn man es eilig hat - so wie der Große Bloguator eigentlich immer.

Aber es gibt immerhin auch den "Tag der aufgehenden Tunnelsonne", seltener, kommt aber vor. Das ist, wenn man es eilig hat und zu einem öffentlichen Verkehrsmittel eilt und dieses just beim Erreichen der Haltestelle ebenfalls dort einfährt, aber nicht nur einmal, sondern den ganzen Tag lang. Dass einem gerade so etwas widerfährt, ist viel seltener - kommt aber vor: Heute.

01 April 2014

Fremdschämen 2

Ergänzend zum vorletzten Eintrag: Da gab es in der U-Bahn früher dieses grünlich-blasse, sehr verhärmte, sehr, sehr dünne Männchen, von dem man nicht sagen konnte, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt (Mann).

Es begann seinen Quengelmonolog immer in schepperndem Ton mit "... etwas Auuufmerksamkeit für meinen Lebensmuu-uu-uut, ein paar Cent oder etwas zu essen, aber bitte ohne Zucker..." 

Die besonders sparsamen Spender, die statt Geld zu geben lieber  ihre Essensreste clever entsorgen wollten, erlebten eine herbe Enttäuschung: Sie waren in die bereitgestellte Falle getappt. "Ohne Zucker" war nämlich so definiert, dass in buchstäblich jedem Lebensmittel irgendwie ein wenig Zucker enthalten ist. Auch in frischem Obst oder einem Butterbrot. Das Männchen hatte demnach Anspruch auf Bargeld und klagte diesen auch ein, voll der Empörung, mit der bekannten Kreissägenstimme und der Lautstärke einer Polizeisirene.

Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Kann aber nicht sagen, dass ich ihn vermisse.

30 März 2014

Emo Blindschleiche

Super Idee, das: Die Haftaugen rausnehmen mit denselben Fingern, mit denen man eben die Chillischoten auseinander gepult hat. Super Idee. Aua aua auaaa!

29 März 2014

Fremdschämen de luxe

Eben in der U-Bahn einer der täglichen Schnorrer. Erst stellen sie sich meist vor und erklären mit unüberhörbarer Kreissägenstimme,  warum: "Guten Tag, mein Name ist Jürgen und leider bin ich gezwungen...". Schon da brüllt einer dazwischen "Zu schnell! Du redest zu schnell!" Jeder weiß: Die Schnorrer allein sind schon die Pest und es kann gar nicht schnell genug gehen. Aber hier will einer originell sein und hat zudem Mitteilungsbedürfnis.

Dabei konnte der junge Mann sein Anliegen noch gar nicht vortragen. Das kommt in der klassischen Dramaturgie der U-Bahn-Schnorrer erst im nächsten Satz "... kleine Spende oder bisschen was zu essen..." Der Zwischenrufer rät lautstark "Iss doch in der Bahnhofsmission".

Ohne die Unterbechung hätte der Schnorrer seine Ansprache korrekterweise fortsetzen müssen mit "...für einen Obdachlosen, der leider auf der Straße lebt". Als erfahrener Berliner U-Bahn-Benutzer kann man diesen Monolog normalerweise mitsprechen und notfalls selbst ergänzen, falls nicht alles akustisch einwandfrei zu verstehen war.

Aber der Schnorrer war ja unterbrochen worden und lässt sich provozieren "Den Fraß in der Bahnhofsmission ess ich nicht! Das kann man doch nicht essen! Ich ess jeden Tag Döner oder bei Mäck Donalds! Hast du das mal gegessen? Den Fraß in der Bahnhofsmission ess ich nicht!" und dann setzt er mit der erwarteten Pointe fort mit "...ich bin obdachlos und lebe leider auf der Straße."

Daraufhin grunzt ein weiterer Fahrgast "... aber bei Macdonalds essen!" und damit ist die Sammlung komplett. Die Sammlung von Originalberliner U-Bahn-Nervbacken.

Der erste Schreihals quakt los "Es gibt nur Wohnungslose! In Deutschland gibt es keinen einzigen Obdachlosen!" und der Schnorrer besteht darauf "...für einen Obdachlosen, der leider auf der Straße lebt." Der zweite Nörgler wieder lautstark "Du isst bei Mäckdonalds!" und der Schnorrer tappt entschuldigend durch den Wagon und versucht doch noch, ein paar Cent abzugreifen. So klappt das natürlich nicht.

Irgendwann kommt endlich der ersehnte Halt und der Schnorrer steigt aus, weil er den nächsten Wagen abkassieren muss. Nur die beiden anderen Schwätzer bleiben da und tauschen sich quer durch den ganzen Waggon über ihre Empörung aus: "...keinen einzigen Obdachlosen!" und dann wieder "Der isst bei Mäckdonalds!" und so geht es weiter bis zum Verlassen der Bahn.

Die zwei Idioten haben sich anscheinend geschworen, die Fahrt für jeden unvorsichtigen Passanten zum Härtetest zu machen. Als wären die zahllosen Schnorrer und Behelfsmusikanten nicht so schon nervig genug. Die Zeit bis zum Aussteigen vergeht quälend langsam.

Wo bleibt denn heute eigentlich die nächste Balkankapelle/Akkordeonkind/Folksänger zutreffendesbitteankreuzen mehrfachnennungenmöglich diskussionensehrwillkommen?

27 März 2014

Minderer Superlativ

Hier heischt jemand um Aufmerksamkeit ¹:

 
Zur Erläuterung: Es geht darum, dass aus Gründen des Eindruckschindens gerne Superlative konstruiert werden, wo leider keine sind. Das wird hier ausführlich erklärt: Superlativ.²

Dass ein nachhaltiges Leben wünschenswert wäre, steht außer Frage. Einer der Aspekte der Ressourcenverschwendung ist hoher CO2-Ausstoß, welcher in einen nachvollziehbaren Zusammenhang mit Klimaerwärmung gebracht wird.

Aber das ist nur einer der Aspekte. Als Folgeerscheinung der Klimaerwärmung erlangte die Scheinwissenschaft der Wettervorhersage breiteres Ansehen, und ihre Protagonisten sind meist Meteorologen (abgesehen von Kachelmann, der ist ja keiner).

Am letzten Wochenende beispielsweise traf von den vortags verkündigten 3 - 6 Windstärken am Samstag eine Windstärke ein und am Sonntag keine. Vorhersagezeitraum 1 Tag - Treffergenauigkeit knapp über 0%. 
 
Und auch die Klimaerwärmung trödelt, sie weigert sich, den Prognosen der Apokalypse zu folgen und will sich nicht an den wissenschaftlich bewiesenen Zeitplan halten. Aber die Meteorologen wünschen sich so sehr, beachtet zu werden.






¹ dazu hier die ausführliche Meldung. Die WMO hat die erwähnte Analyse des Großen Bloguators™ zur Konstruktion von Superlativen anscheinend als Gebrauchsanweisung verstanden und danach eine Pressemeldung gezimmert

² verwendete Bausteine: "eines der wärmsten",  "seit Beginn der Aufzeichnungen", "sechstwärmste" (!), "Jahr ... wärmer als ... Periode"

24 März 2014

Paragraph

Das hier ist kein Scherz und habe ich mir nicht - ich betone: ICH NICHT! - ausgedacht. Sondern jemand anderer:

Auf Grund des § 1 Absatz 2, des § 2 Absatz 2 und 3, des § 3 Absatz 2, des § 4, jeweils in Verbindung mit § 5, des § 5a Satz 1 und 2, des § 7 Absatz 1a, Absatz 3 Satz 1 bis 3 und Absatz 4, des § 7a Absatz 1 sowie des § 7b Absatz 1 und 2 des Energieeinsparungsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 1. September 2005 (BGBl. I S. 2684), von denen § 3 Absatz 2 durch Artikel 1 Nummer 2 des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197), § 4 zuletzt durch Artikel 1 Nummer 2b des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197), § 5a Satz 1 und 2 durch Artikel 1 Nummer 3 Buchstabe a und b des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) und § 7 Absatz 3 und 4 zuletzt durch Artikel 1 Nummer 4 Buchstabe c und d des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) geändert worden sind und § 7 Absatz 1a durch Artikel 1 Nummer 4 Buchstabe a des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) , § 7a Absatz 1 durch Artikel 1 Nummer 4 des Gesetzes vom 28. März 2009 (BGBl. I S. 643) und § 7b Absatz 1 und 2 durch Artikel 1 Nummer 6 des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) eingefügt worden sind, verordnet die Bundesregierung:

…

Alles klar?

Es handelt sich hier um ein Zitat der ersten Seite der EnEV 2014 - am 21. Nov. 2013 verkündete Novelle der Energieeinsparverordnung.

*) Diese Verordnung dient der Umsetzung der Richtlinie 2010/31/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Mai 2010 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Neufassung) (ABl. L 153 vom 18.6.2010, S. 13, ABl. L 155 vom 22.6.2010, S. 61). Die Bezugnahmen in der Energie­einspar­verordnung vom 24. Juli 2007 (BGBl. I S. 1519) und in der Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung vom 29. April 2009 (BGBl. I S. 954) auf die Richtlinie 2002/91/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden gelten als Bezugnahmen auf die in dem vorhergehenden Satz genannte Richtlinie 2010/31/EU. Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften für die Dienste der Informationsgesellschaft (ABl. L 204 vom 21.7.1998, S. 37), die zuletzt durch die Richtlinie 2006/96/EG (ABl. L 363 vom 20.12.2006, S. 81) geändert worden ist, sind beachtet worden.

Und so schreibt man, wenn man nicht verstanden werden will. Also: Nicht, wenn einem gleichgültig ist, ob man verstanden wird oder nicht. Sondern wenn man den ausdrücklichen Wunsch hat, nichtverstanden zu werden.

21 März 2014

Büro

Mit etwas Anlauf habe ich mich inzwischen ganz gut an das neue Büro gewöhnt. Rein logistisch - Einkauf, Verkehr - um die 500% Verbesserung im Vergleich zum alten Büro.

Nur die Graffitikünstler hier in Tempelhof könnten ihre Skillz noch ein wenig ausbauen:

20 März 2014

Freunde


e-books sind nichts für mich - wie soll ich die ins Regal stellen?



... aber im Fernsehen läuft Kindle-Werbung...

17 März 2014

Storybook

Hier kommt eine praktische Anleitung zur Installation und eine längliche Vorrede. Wen die Vorgeschichte nicht interessiert, der scrollt gleich runter zum zweiten Teil.



1. Vorrede
Es gibt eine Hilfssoftware zum Geschichtenschreiben namens "Storybook". Wenn man sich ein wenig eingearbeitet hat, kann sie tatssächlich eine Hilfe sein. Es handelt sich dabei um ein Datenbankprogramm, mit dem man Personen, Schauplätze, Ideen und Szenen sinnvoll sortieren kann, so dass man dabei den Überblick behält. Außerdem gibt es eine Stelle, wo man den Text der Handlung verfassen kann - aber es dauert eine Weile, bis man sie gefunden hat. Naja.

Dieses durchaus schöne Stück Software hat seit kurzem einen entscheidenden Nachteil: Es funktioniert nicht mehr.

Wobei es davor schon fragwürdig zuging. Die Software wurde als "free" vermarktet, nicht etwa als "free trial" oder "limited period" oder so. Tatsächlich war beim Storybook¹ aber die wesentliche Funktion eines Programms, die Ausgabe des Ergebnisses, nicht free. Sondern man sollte dafür zahlen. Das wollten einem die Entwickler nur nicht freiwillig sagen.

Konnte es einem also so ergehen wie dem großen Bloguator, ein paar Stunden in einen Arbeitsschritt gesteckt, gespeichert, überarbeitet, wieder gespeichert, um dann festzustellen: Man kann zwar speichern - aber weder drucken, noch exportieren, noch in die Zwischanblage kopieren. So nicht Freunde!

Für die Authentifizierung der zahlenden Nutzer hatten die Entwickler eine geniale Idee um auch den letzten abzugreifen: Sie wurde über einen Server online durchgeführt. Und zwar jedes mal, wenn die Software startete, sicher ist sicher.

Dann machte irgendwann die Firma schlapp und der Server zu. Seither keine Authentifizierung mehr und damit keine bezahlten Pro-Features wie "Drucken", "Exportieren" oder "Kopieren in die Zwischenablage", die ehrlich zahlenden Nutzer standen besonders dumm da. So nicht Freunde!

Demnach scheint es sich hier um Abandonware zu handeln, also Software, an der der Besitzer seine Rechte aufgegeben hat. Aus diesem Grund kommt nun die Arbeitsanweisung.


¹ das war die aktuelle, letzte Version, mit der ich begonnen hatte, Version 4.9.12



2.Download und Installation
Man muss nach einer etwas älteren Version des Programms suchen, es handelt sich um Storybook 4.9.9. Die liegt hier: http://sourceforge.net/projects/ostorybook/
dort sucht man "Files" auf und dann "previous". Man lädt die storybook499.zip herunter und nimmt auch die language_all.zip gleich noch mit.

Die storybook499.zip entpackt man in irgendein Verzeichnis (bei mir: C:\Programme (x86)\storybook499).

Dann sollte sie sich durch Klick auf storybook.bat starten lassen. Theoretisch. Hat bei mir (Windows 8.1) nicht geklappt. Ich habe in diesem Verzeichnis eine Startverknüpfung angelegt mit folgenden Parametern (alles in die eine Zeile):

"C:\Program Files (x86)\Java\jre7\bin\javaw.exe" -Dfile.encoding=UTF-8 -splash:resources\icons\splash.png -XX:MaxPermSize=256m -Xmx400m -jar storybook499.jar

und bei "Ausführen in:" muss auch dieses Verzeichnis angegeben werden.  Den Starter habe ich dann ins Startmenü für die Programme kopiert. Klingt umständlich? Weiß nich, funktioniert aber.




Dann noch die Sprache: Die language_all.zip hat ebenfalls ihre Tücken, obwohl in der install_lang.txt eigentlich alles drin steht. Die ortho-Datei extrahiert/kopiert man dahin, wo die anderen Orthos schon sind. Aber die Verzeichnisse languagetool/resource und languagetool/rules existieren nicht von Anfang an und deshalb weiß man vielleicht nicht, wohin mit den resources und rules.

Also, man legt es am besten gleich selbst an:

C:\Programme (x86)\storybook499\lib\languagetool

und dort kopiert man die beiden Verzeichnisse hinein.

Und beim erneuten Starten: Voilá - Storybook kostenlos und auf Deutsch!


Anm:
Es funktioniert anscheinend nur mit der Java-7-Version. Muss man möglicherweise vorher updaten.

Anm. 2:
Im Linux kriege ich den Starter nicht ans Laufen. Dort kann man es aber sehr gut direkt aus dem Terminal mit dem Java-Befehl starten. Man navigiert ins Verzeichnis mit den entpackten Dateien und dann "java -jar storybook499.jar". Wenn man vorher die Sprachdateien installiert hat, kriegt man nicht einmal blöde Fehlermeldungen. Sonst schon.

Anm. 3:
Die hier vorgeschlagene Version 4.9.9 ist nicht einmal Abandonware, sondern einfach freie Software unter GNU-Lizenz

Anm. 4:
Dass die Starter nicht so recht funktionieren liegt anscheinend daran, dass das Programm "storybook499.jar" heißt, die Starter aber jeweils nach einer "Sb5.jar" suchen. Da waren die Entwickler mal einen Schritt zu weit voraus.

16 März 2014

Hin

Die anderen sehen es ja immer zuerst. Sagen sie. Dass ich offenbar ziemlich hinüber bin fällt mir selbst aber bereits dann auf, wenn ich mir aus der leeren Glaskanne zum zweiten mal nachschenke.

15 März 2014

Gefühltes Wissen

Heute in der Zeitung:
"Innenminister de Maiziére erklärt: Linke wird nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet."
Wie kann der Mann so etwas sagen? Das kann er doch gar nicht wissen!

Witzniveau

Das hier ist witzig. Naja, was man halt so witzig finden kann. Interessant?

Nach einer längeren Schönwetterperiode haben wir seit gestern Abend Sturm. Ein bisschen Sturm ist an sich nichts besonderes. Die Böen bis über 9 Windstärken aber schon. Wer sich darunter nichts vorstellen kann - hier bläst der Wind zur Zeit so stramm, dass er die Plakate von den Werbeflächen schält.

Glaubt mir wieder keiner? Hier: Beweis! Beweis!


Es war also ordentlich zugig letzte Nacht...


... und der Wind war ausreichend, um gleich mehrere Windmessgeräte zu zerpflücken. An sich sind die durchaus sturmerprobt:


So. Das war mein Superlativ vom Tage. Jetzt Ihr!

14 März 2014

Montagmorgen

(genau: Gepostet an einem Freitagmorgen)

"Ohweh, der ist diesmal aber echt klein geworden..." dachte ich beim Anlegen des Rollkragenpullovers. "...darfst beim nächsten mal nicht wieder so heiß waschen. Und hast du am Arm so sehr abgenommen? Einfach mal wieder ausgewogener ernähren, mehr Chips, mehr Bier, weniger so gesundes Zeug!"

Solche bestechenden Gedanken gingen mir beim Anlegen des Rollkragenpullovers durch den Kopf, das an diesem Morgen 20 Minuten dauerte. Ausreichend Zeit zum Entwickeln einer angepassten Ernährungsphilosophie.

Beim Verlassen des Hauses und Vorüberhuschen am Spiegel fiel mir auf, dass ich den Kopf durch den Ärmel gesteckt hatte und den Arm durch den Halsausschnitt. Nach einer länglichen erneuten Pulloverpolka war auch das Ziehen in der Schulter wie weggeblasen.

12 März 2014

Steuerschulden

Sorry, ich muss es einfach tun:
http://wievielschuldetuli.de/

Gestern ging die Meldung durch die Presse: Der große Moralapostel, sozusagen beinahe der Erfinder von Moral und Anstand, hat 27,2 Mio. € Steuerschulden.

Seine Begründung: Er habe da irgendwie den Überblick verloren.

Übersetzt in Umgangssprache: Der Hoeneß Uli behauptet, dass er irgendwie gar nicht gemerkt hat, dass er Geld im zweistelligen Millionenbereich verdient.

Wie blöd kann ein einzelner sein? Oder für wie blöd hält er eine Mehrheit von ein paar Millionen Zuschauern? Was für ein Arschloch!



Update:
Gestern ist der Hoeneß zu drei Jahren und sechs Monaten verknackt worden. D.h.: Keine Bewährung - die gibt es bei Strafen über zwei Jahre nicht. Allerdings auch keine Geldstrafe. So Geldstrafen in Steuerverfahren bewegen sich angeblich gerne noch einmal in der Höhe der hinterzogenen Summe, also: Zusätzlich, obendrauf.

Es war klar, was dann kommen musste: Die Anwälte vom Hoeneß kündigten Revision an. Klar doch, ist ihr Job.

Heute die Eilmeldung, dass Hoeneß selbst auf die Revision verzichtet.

Dazu mögen verschiedene Erwägungen geführt haben: Revision zieht sich ewig … Erfolgsaussichten ungewiss … ständig als Steuerbetrüger mit der Familie im Rampenlicht … selbst ein Steuerbetrüger wirft schlechtes Licht auf seinen arroganten Fußballverein … und als ehrenwerter Häftling kann man *ab* *dem* *ersten* *Tag* Freigang bekommen, zumindest theoretisch. Das bedeutet, dass man nur zum Schlafen abends heim in den Knast muss, aber nicht zum Essen oder Arbeiten in der Anstaltswerkstatt.

Trotzdem, für den Verzicht auf die Revision erhält er sogar meine Anerkennung.


 


Lustigerweise vermeidet wirklich *jeder* Bericht eine Aussage darüber, ob die genannte Summe nur das hinterzogene Geld ist, oder die aktuell fällige Steuersumme einschließlich Strafe. Soviel zu journalistischen Kompetenz im Lande.

Hat sich erledigt, jetzt wissen wirs ja.

10 März 2014

Darwin-Award

Kennzeichen der Darwin-Awards ist auch, dass der Leser sie mit einer Mischung aus Schadenfreude und Fassungslosigkeit zur Kenntnis nimmt. Weil der im Folgenden beschriebene junge Mann sicher Angehörige hat, wird hier ausnahmsweise auf Schadenfreude verzichtet und stattdessen die Zeitungsmeldung zitiert:

S-Bahn-Surfen Valerian (19) raste in den Tod

Berlin –  05.03. 2014

War es Todessehnsucht, die Suche nach dem zweifelhaften Kick oder eine größenwahnsinnige Mutprobe? Ein junger Germanistik-Student ist in der Nacht zu gestern beim S-Bahn-Surfen ums Leben gekommen. Seine Freunde mussten alles mitansehen. Jetzt ermittelt die Bundespolizei.

Der S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke in Schöneberg, es ist 1.15 Uhr in der Nacht zu Mittwoch. Nach einem lustigen Männerabend kommen Valerian V. und seine Freunde auf eine ebenso dumme wie lebensgefährliche Idee: S-Bahn-Surfen.

Als eine Bahn der Linie S1 einfährt, klettern die Freunde im Dunkel der Nacht auf den Zug, niemand bemerkt die Truppe. Dann setzt sich der Zug in Bewegung, wird immer schneller und rast in Richtung S-Bahnhof Schöneberg.

Zunächst geht alles gut. Dann fährt die Bahn an einen Tunnel heran. Es kommt, wie es kommen musste: Valerian V. stürzt bei voller Fahrt vom Waggon, schlägt auf dem Boden auf – und ist tot. Seine vier Freunde hingegen schaffen den Absprung rechtzeitig. Und müssen aus einiger Entfernung mitansehen, wie ihr Freund seinen Leichtsinn mit dem Leben bezahlt.

Angeblich gehörte Valerian aber nicht fest zur Berliner S-Bahn-Surfer-Szene. Er studierte stattdessen Deutsche Literatur an der Humboldt-Universität, war seit August 2013 sogar Mitglied einer elitären Literaturinitiative.

Auf seiner Facebook-Seite zitierte er kürzlich den Schriftsteller Oscar Wilde: „Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht ...“

“Seine Freunde mussten alles mitansehen”.

Unter anderem wegen der S-Bahn-Surfer wurde die Bahn schon vor Jahrzehnten mit immer komplizierteren Schließmechanismen ausgestattet. Die Türen haben außen und innen keine Griffe mehr. Man kommt nicht einfach auf das Dach einer S-Bahn - man muss sich anstrengen.

09 März 2014

Tasse klein?

Eben im Stammcafé des Großen Bloguators™. Der Mann am Nachbartisch bestellt:
"... und einen Kakao."
Wirt:
"Kakao! Kleine Tasse?"
Mann:
"Nein, ist für meine Frau."
Wirt:
"Richtig!"



das Stammcafé heißt Esseins und wird hier ausführlich erklärt: Schöneberg Café

06 März 2014

Komparativ

Es gibt einen Superlativ zu Werden. Und folgerichtig auch einen Komparativ. Die Steigerung von Werden geht wohl so:

Werden - Werdener - am Werdensten.

Ich vermute, dass das auch im Konjunktiv so läuft.

Wenn einem jemand etwas verkaufen will, dann benutzt er gerne den Superlativ, oder  - damit es nicht gleich so auffällt - den Komparativ. So wie hier, die unberufenen Vertreter von Paypal: Je geschlossen werdener die Karte, desto mehr Schut und Vertrauen durch Informationen zu überprüfen. Ja sicher, es eilt!

Komparativ

05 März 2014

Filmschen

Wenn man mal ein gewisses Alter erreicht hat, guckt man nicht mehr jeden Tag Videos um sie zu sharen, zu linken und zu liken.

Sondern.

Sondern was?

Keine Ahnung. Naja, Zufall, Langeweile, Arbeitsallergie, solche Sachen halt.

Julia Nunes:

03 März 2014

Super

-lativ!


Soeben las ich einen der seltsamsten Superlative, die mir in meinem nicht sehr kurzen Leben begegnet sind. Im Wikipedia-Artikel über den Hamburger Ortsteil Steilshoop heißt es:
Geografische Lage
Den Abschluss nach Norden bildet der Ohlsdorfer Friedhof, der größte, von einem Zaun umgebene Friedhof der Welt.
Oh mann, ein Zaun als superlativstes Auszeichnungsmerkmal - die müssen es echt nötig haben!

Dabei, wenn man sich das Luftbild von Steilshoop ansieht, entdeckt man vielleicht andere Sachen, die viel erwähnenswerter wären und ebenfalls die Grundlage für einen wie auch immer gearteten Superlativ hergeben könnten.


Größere Kartenansicht

kostenloser Counter