30 Mai 2007

Sorry...

...ich war ein paar Tage unterwegs. Wohin? Zum Segeln latürnich. Leider war keine Zeit für eine Ankündigung. Deshalb im Nachhinein:

Es handelte sich um ein Segelbootwettrennen direkt am Rhein, nahe beim schönen Straßburg: UNAP Plobsheim. Das sind von hier aus lächerliche 750km ... wenn man den kürzesten Weg nimmt ... was mir bekanntermaßen sehr schwer fällt.

Segeln besteht nicht nur aus Segeln, das macht die Sache ja so interessant. Wenn man geschickt ist und nicht ganz so gut segelt, kann man einfach in einer der verwandten Disziplinen gewinnen: Das tollste (= teuerste oder komplizierteste) Boot, das größte Wohnmobil, die schnellste Anreise (= das höchste Bußgeld), der abseitigste Umweg.
Vor Ort dann kämpft man mit Langeweile, Stress, Hunger und Erschöpfung - und stellt deshalb eine Menge Unsinn an.

Langeweile ist dann, wenn man auf Wind warten muss und es einfach nicht losgeht.

Stress ist dann wenn... oh, das ist ein ganz eigenes Kapitel, welches etwa 20 Punkte umfasst.

Hunger: Wenn man zum Frühstück an essen noch nicht mal denken möchte (Nachwehen des Vorabends) und auf dem Boot feststellt, dass man für die nächsten sechs Stunden nichts zu essen eingepackt hat.

Erschöpfung ist fast immer nach dem Segeln: Bei wenig Wind wegen der langdauernden Konzentration auf das NICHTS, bei viel Wind wegen der Kraftanstrengung und/oder wegen der Kälte und/oder wegen der langdauernden Konzentration darauf, nicht aus dem Boot zu fallen.

Bildlich sehen die Begleitumstände etwa so aus wie hier. (dort erst "Präsentation starten" und danach dann "Diashow" unten in der Mitte - sonst sind die Bilder so klein dass man nichts erkennt)

Mein persönlicher Rekord diesmal: Mit einer winzigen Hundehütte (30 Jahre altes Kaufhauszelt in dem man nicht aufrecht sitzen kann) im drei Tage währenden Dauerregen zelten.

Zoombarer Blick von oben auf das Gelände und die Umgebung


Und hier der zweite Tag

24 Mai 2007

Ist Segeln Sport?

 
Ob Segeln Sport ist? Eigentlich nicht. Man sitzt so auf einem Kahn rum, fährt mal hier hin und mal da hin, aber irgendwie nie gradeaus.

Wenn man aus dem Hafen raus will, macht man den Motor an und zum Anlegen auch. Da macht es auch nichts, wenn man die Box nicht gleich trifft, fährt man halt rückwärts und nimmt nochmal Anlauf. Wenn es beim zweiten Mal immer noch nicht klappt, scheißt man publikumswirksam die Gattin zusammen, weil sie zu blöd ist, die Festmacher auszubringen.

Wenn sie fertig ist mit Heulen, kann sie runter in die Kajüte gehen und lecker Abendessen kochen. Bei Regen wird das ganze Cockpit überdacht, damit man nicht nass wird beim Essen, und dann kann man ja auch noch die Heizung anwerfen. Und wenn man wirklich ausnahmsweise zu einem Ziel muss, das genau gegen den Wind liegt, macht man halt wieder den Motor an.


So stellt sich der Laie Segeln vor. Und - zugegeben - so stellen sich auch viele Segler Segeln vor¹.

WIR machen das geringfügig anders.


¹ genaugenommen: So stelle ich mir vor, dass sich der Fahrtensegler Segeln vorstellt. Könnt mir ja widersprechen
 

23 Mai 2007

Segeln und Sport

 
So, WAS das Segeln zum Sport macht, erkläre ich mal in einem der nächsten Beiträge. Einer unserer begabtesten Fotografen hat mir erlaubt, hier seine Bilder zu verlinken, und dann kann ich schon mal zeigen, wie es aussieht wenn man es fast richtig macht:

Foto: Sören Hese

Für die anonymen Mitleser und vor allem die interessierten Mitleserinnen: Ich bin der Dicke, der da an dem Draht hängt und redet.

Wer sich dafür interessiert, kann sich vertrauensvoll an den Autor wenden.
 

22 Mai 2007

Worte

 
Aus dem Kopf und ohne Nachsehen:

Denn Herr Rossi sucht das Glück
will ein kleines Stück vom Glück
nur ein kleines Stück vom Glück:

Andre können alles haben
können sich an feinstem laben
und von ebendiesen Gaben
möcht Herr Rossi auch was haben.

 

SEGELN

 
Ich fange hier mal eine neue Rubrik an. Vielleicht warten einige der Leser schon da drauf. Am Beispiel Segeln kann man fast alles im Leben erklären - außer der Liebe. Trotzdem. Weiß gar nicht, warum das Segeln hier bisher fehlte?

Jedenfalls: In den letzten 25 Jahren habe ich einen sehr großen Teil meiner wachen Zeit mit Segeln verbracht.

Mit Segeln ist hier allerdings nicht das ziellose Herumschippern gemeint und Herumsitzen auf dem Boot, weil man nicht weiß, wohin mit seiner Zeit. Sondern es geht um die Spezialform Regatta-Segeln, d.h. Wettkampf - weil man nicht weiß, wohin mit seiner Zeit.

Wettsegeln ist anstrengend, oft frustrierend, es kostet wahnsinnig viel Zeit, und man betreibt das eigentlich nur aus einem weiteren Grund: Weil man sonst nicht weiß, wohin mit seinem Geld. Anders kann ich es mir nicht erklären.

Nochmal in Kurzform: Regattasegeln ist eine Zeitvernichtungsmaschine die unglaublich teuer ist und zudem noch viel kostet. Man tut so etwas, weil man dieses andauernde penetrante Glück mit ausreichend Geld und Freizeit im Überfluss einfach nicht ertragen kann.


Und weil das noch nicht genügt, lässt man sich in Wettkämpfen von Leuten demütigen, deren Recht auf irgendeinen Erfolg man umfassend bestreitet, die aber vor allem eins besser können als man selbst: Segeln.


Foto 1: Barther Bodden 2005, Foto 2: Alpsee 2004
Link zu meiner Bootsklasse: KORSAR
 

21 Mai 2007

Inspiration-Blues...


... conspiration-bus ...
... transpiration-news ...

Mir darf doch mal nichts einfallen, was?
Mal darf mir doch nichts einfallen, oder?
Nichts einfallen darf mir doch zuweilen, gell?
Is doch noch so schlimm, wenn mir nichts einfällt, wie?

Soll halt nur nich zu lange dauern.
 

16 Mai 2007

Nächtlicher Besuch

 
"Mein Gott! Sie schon wieder! Sie haben mich schon wieder erschreckt!"

"Ach? Jetzt doch? Neulich wollten sie's ja nicht zugeben ... dabei habe gar nicht ich sie erschreckt: SIE SELBST haben sich erschreckt. ICH bin einfach nur da."

"Sie gehen mir auf den Nerv mit ihren Spitzfindigkeiten. Sie gehen mir überhaupt auf den Nerv! Und warum sind sie da, schon wieder?"

"Meine Zeit vergeht so furcht-bar langsam. Es ist grauenhaft. Könnte ich bei ihnen ein wenig fernsehen?"

"Sie wollen WAS?"

"Fernsehen. Sie haben doch einen Fernseher?"

"DAFÜR erschrecken sie mich und wecken mich auf?!?"

"Ich habe sie nicht geweckt und erschreckt haben sie sich selbst. Also: Dürfte ich jetzt bei ihnen ein wenig fernsehen?"

"Meinetwegen. Wenn sie nicht so laut sind."

"Danke sehr. Äh ... da wäre noch eine Kleinigkeit..."

"Was denn jetzt noch?"

"Sie müssten mir den Fernseher anschalten."

"ICH soll aufstehen - damit sie fernsehen können? Geht's noch?"

"Naja, ich bin ein Geist - schon vergessen? Ich kann keine Fernseher einschalten. Ich habe keinen Körper..."

"Aha. Aber erschrecken können sie mich, ja?"

"Mein Gott, sind sie nachtragend! Also?"

"Ist ja gut, wenn sie mich dann schlafen lassen. Aber Finger weg vom Kühlschrank - das Bier ist meins!"

 

15 Mai 2007

Genaugenommen...


...war der vorangegangene Artikel nicht ganz fertig

Da fehlt nämlich noch die Betrachtung über den umwerfend einfallsreichen Namen der Veranstaltung: Osgar-Gala!

Oh! Mein!! Gott!!! Das klingt ja fast so toll wie OSCAR-Gala! Jedenfalls wenn's ein Franke spricht, oder ein Sachse oder ein Bayer oder einer aus Thüringen. Nei-enn! Wie!! Originell!!!

Leider höre ich erst heute zum ersten Mal von dieser interessanten Art der Prominentenverhöhnung, dabei heißt es auf der Webseite: "Seit 1994 verleiht die BILD-Zeitung in Leipzig den OSGAR an Menschen, die sich für Frieden, Freiheit und das Zusammenwachsen Deutschlands verdient gemacht haben."
Warum nochmal fühlt sich ausgerechnet BILD dazu berufen? Na egal.

Auf der Webseite lacht mich ein Gesicht an, und ich denke: "Der Hildebrand? Mein Gott, ist der jetzt auch so tief gesunken dass er Preise vom Springer-Verlag annimmt? Und wo ist der bloß so braun geworden?" Nach längerem Fixieren des Fotos keimt aber der Verdacht: Ach nee, das scheint der Desmond Tutu zu sein.

Da frage ich Euch: Ist Euch jemals eine Ähnlichkeit zwischen Desmond Tutu und Dieter Hildebrand aufgefallen?

Jetzt muss ich wenigstens sehen, wer die charakterlosen Pfeifen sind, die Preise von der Bild-Zeitung annehmen. Wem noch nicht schlecht ist, klickt sich durch bis zur Foto-Show 2006 und findet dort solche unzweifelhaften Verdienstler wie Kai Pflaume, Heino, Michelle Hunziker, Tom Kaulitz von Tokio Hotel und noch ein paar andere, deren Bekanntschaft mir bisher erspart geblieben ist. Schade eigentlich.

Im Vorübergehen...


...aus dem Augenwinkel...

Neulich vor dem Zeitungsladen einige ganz weltferne Botschaften:


Die Schlagzeilen werden zwar jeden Tag neu formuliert - aber die Zeitungsläden hier ändern die Titel in den Aufstellern nicht täglich. Von manchen Nachrichten wird man monatelang verfolgt. Aber das nur nebenbei.

Worum geht's diesmal? Zuerst:


Da hat sich der Herr Lama sicher sehr gefreut.



Aber dann auch:


Na, Schleimbeutel, sicher nicht bitter genug!

Ist eigentlich irgendwem dieses furchtbar wehleidige Geseire aufgefallen, das seit einiger Zeit den Schlager-Grandprix in Deutschland begleitet? "Ooooh, die Osteuropäer geben sich ja immer gegenseitig die Punkte! Und unsere großartigen Künstler landen nur auf den hinteren Plätzen! Diese fiesen Osteuropäer!"

Hallo? Da geht's doch um Schlagerschrott, oder? Ich persönlich gönne den fiesen Osteuropäern diesen kleinen Erfolg. Die haben doch sonst nix. Außer ihrer Solidarität.

Als die Osteuropäer noch nicht mitmachen durften, konnten die Deutschen allerdings auch nie einen Blumentopf abstauben. Außer einmal für die künstlerisch überaus wertvolle Hymne "Ein bisschen Frieden". Dabei waren die Generationen anderer deutscher Teilnehmer genau so gut!
 

14 Mai 2007

Schönes Schöneberg

 
Kopfschüttelnder Bildungsbürger im Vorübergehen:
"Nicht mal Ovid können sie richtig schreiben..."



Anm. für die Auswärtigen: OHV gilt in Berlin als Abkürzung für Ohne-Hirn-und-Verstand, angeblich auch wegen der Fahrweise der Mitbürger aus dieser Region
 

Sphinx - Nachrichten aus dem Totenreich


Ein würdiger Herr erleidet einen Tobsuchtsanfall

"Horus! Horus! Gib mir meine Legionen zurück!"

"Aber Vater ...äh: Oh Gottheit Osiris! Das mit den Legionen war Varus. Und wir sind Ägypter - wir haben keine Legionen! Allenfalls Legionellen... aber das steht auf einem anderen Blatt..."

"Oh mein Gott! Also, äh... OH MEIN ICH SELBST! Ist das Alzheimer? Ich glaube ich werde alt."

"... und der Plural von Sphinx ist Sphingen - nicht SPHINXE, wie du immer sagst, Vater!"

"Meine Güte: Da schickt man dich jahrelang zur Schule - und dann kommt DAS dabei heraus? Klugscheißer! KLUGSCHEISSER!"

 

11 Mai 2007

1000 - Der Navigator

 
1000/1

Ah, da, ein Schild: Nur noch 1000km bis zum Paradies! Super!

 
1000/2

Nur noch 1000km? Oh, verdammt, ich hab da anscheinend eine Null übersehen. Sowie den Umstand, dass zwischen hier und dem Paradies eine Wüste, ein Ozean und der Grand Canyon liegen. Naja. Ich soll nicht immer so pessimistisch sein.
 

Vollöko

 
Ein entfernter Freund von mir ist schlimmer Gesundheitsfanatiker. Er erfüllt mit religösem Ernst das Klischee vom Müsliterroristen im Wollpullover und Sandalen. Fast schon eine Karikatur.

Immer wenn er sieht, dass ich mir einen Apfel schäle, oder wenn ich versuche, von einem Pfirsich das Fell abzubekommen, fängt er hysterisch an zu predigen: "Die Schale musst du dranlassen! DAS IST DOCH DAS WERTVOLLSTE! Die ganzen Vitamine stecken direkt unter der Schale!"

"Naja, muss es halt ohne gehen", denke ich dann so bei mir. Aber er kuckt schon böse, wenn ich den Sand von den Erdbeeren wasche. Er selbst stopft sich gnadenlos alles ungeschält in den Mund.

Und deshalb schüttelt es mich, wenn ich sehe, dass er wieder Ananas kauft.
 

Werktag

 
Vorhin im Büro:

"Sagt mal, hat einer von Euch den weißen Topf in der Küche benutzt? Essen da drin gemacht?"

"Ja, ich, wieso? Ich hab mir eine Suppe warm gemacht. Durfte ich nicht?"

"Doch, doch, schon, doch, ja, es ist nur... ich hatte da drin eine Windel ausgekocht und war noch nicht zum Abwaschen gekommen. Hat die Suppe irgendwie komisch geschmeckt?"

"... ??? ...ööörks!!!"

 

10 Mai 2007

Motten

 
Gestern habe ich Pheromonfallen gekauft, um damit die beiden Kleidermotten zu fangen, die sich unbefugt in meinen Räumen aufhalten: Die eine im Wohnzimmer, die mir einmal an jedem Abend vor dem Bildschirm herumschwirrt, und eine im Bad, die mich oft von dringenden Geschäften ablenkt. Der Himmel weiß, wo die Viecher wohnen.

So eine Pheromonfalle ist ganz schön kostspielig, gemessen daran, dass das nur ein bedrucktes Stück Pappe ist, welches mit einem großen Klebstreifen versehen wurde, sowie einem roten Klecks, in dem sich möglicherweise Pheromone befinden. 6,85€. Euronen!

Kaum hatte ich den Klebstreifen entsprechend der Gebrauchsanweisung beherzt abgezogen und ein wenig damit herumgewedelt, begann es aufgeregt zu flattern. Ja ja, die Pheromone - beruhigend, dass sie wenigstens an Motten die ihnen zugeschriebene Wirkung erzielen.

Die Motte im Wohnzimmer erwartete wohl einen aufregenden Sexualpartner und war dann ein wenig enttäuscht, als sie nur mich antraf. Jedenfalls verschwand sie sofort wieder. Trotzdem dachte ich so: Prima, das wird sich bald erledigt haben.

Als ich nach zwölf Stunden die Fallen kontrolliere um zu sehen, wie viele mir auf den Leim gegangen sind, stelle ich fest: Nichts! KEINE EINZIGE! Nicht mal eine Fliege, eine fehlgeleitete Ameise oder eine der vagabundierenden Bettfedern, die ebenfalls meine Wohnung zahlreich bevölkern. Seltsam. Dafür schwirrt es jetzt nicht mehr vor dem Fernseher.

Das ist sonderbar: Das Wirkprinzip einer Falle ist, doch, Tiere zu fangen und nicht, sie zu vertreiben. Meine Motten werden doch nicht aus unerfüllter Sehnsucht und vor Gram gestorben sein?

Ich werde den Vorgang beobachten.
 

08 Mai 2007

Es geht hier um Bücher

 
Ha! Wieder eine ungestellte Frage! Ach was: Ein Berg voll ungestellter Fragen! Auf Zimmer 3 hab ich noch ein anderes Dingsstöckchendings entdeckt, aber eins, das so richtig nach meinem Geschmack ist. Und mit diesem Stöckchen wird auch nicht nach mir geworfen: Für miiich?!? Ooooh, danke!!!

Es geht hier nämlich um Bücher:

Was wäre das Leben ohne Lesen?
Interessant. Aufregend. Oder irgendwie anders.

Gebunden oder Taschenbuch?
Gebunden ist teurer, aber schöner.

Amazon oder Buchhandel?
Support your local dealer!

Lesezeichen oder Eselsohr?
Gedächtnis. Oder Seitenzahl. ¹
(Eselsohr??? Was für ekelhafte Frevler haben das denn hier reingeschrieben? Ikonoklasten! Das ist ja widerlich!)

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?
Nach Farbe. Größe. Naja, und es hängt stark davon ab, in welchem Karton es beim Umzug lag - wann es also beim Auspacken wieder zum Vorschein kam.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Behalten! Behalten! Behalten! - nur dafür braucht man Bücher. Nur Lesen kann ich auch im Internet. Behalten bis zum jüngsten Gericht - oder bis zur Kompostierung im Keller.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Behalten! Behalten! Behalten! - nur dafür braucht man Bücher!

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Wenn ich den abmache, "vorübergehend", finde ich ihn nie wieder.

Kurzgeschichten oder Roman?
Wieso "Oder"?

Harry Potter oder Lemony Snicket?
Hä?

Aufhören, wenn man müde ist, oder wenn das Kapitel zu Ende ist?
Aufhören im Morgengrauen. Wenn das Buch zu Ende ist.

Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Argh! "Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." (aus dem Kopf und ohne Nachlesen)

Kaufen oder leihen?
Kaufen klauen schenkenlassen finden. Haben-haben-haben-haben für die Ewigkeit. Mindestens.

Neu oder gebraucht?
Egal, Hauptsache schön und gedruckt.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Titel. Umschlag. Erster Satz. Manchmal Rezension.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
"Wird sich Superman aus dieser extrem entsetzlichen und wenig hoffnungsvollen Lage befreien können? DAS erfahren sie demnächst in diesem Theater."

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Wieso "oder"?

Einzelband oder Serie?
So weit die Kohle reicht.

Lieblingsserie?
Tintenfisch - Jahrbuch für Literatur 1968 - 1987
Wagenbach-Verlag

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
Der fünfzigste Erlöser - Per Christian Jersild

Dein Lieblings-Kinderbuch?
Zur Zeit: Die Mausefalle - Peter Schössow

Welches Buch wird deiner Meinung nach vollkommen überschätzt?
Der Schwarm - Frank Schätzing ... sagt Frau Nuf. Eine Renzension, sozusagen. Ich hab's allerdings gar nicht gelesen.

Ach so, mein eigenes Urteil? Das Geisterhaus - Isabel Allende Das ist die Essenz von Langeweile.

Bestes bzw. Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
Hotze - für eine Handvoll Party!

Welches Buch liest du gegenwärtig?
Baukosten 2006

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Wörtersee - Robert Gernhardt Die gebundene Erstausgabe.
Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen - Andreas Thalmayr (d.h. H.M. Enzensberger) Ebenfalls gebunden. Und die Erstausgabe. Natürlich.


¹ an sich wäre das eine durchaus geeignete Stelle, sich über Sinn oder Unsinn von Lesezeichen zu äußern. Aber das würde den Rahmen dieses kleinen Blogs doch sicherlich sprengen ... meint Ihr doch auch, oder?
ODER!?!

 

07 Mai 2007

Küchen-Zen

 


Da lese ich am Sonntag in meiner Tageszeitung einen Artikel über einen Zen-Priester. Ick zieh Tiere:

Als Edward Espe Brown merkte, dass er gern Koch sein wollte, was nur durch den Umstand verhindert wurde, dass er nicht kochen konnte, fragte er seinen japanischen Lehrer Suzuki Rosh. Der Zen-Meister dachte einen Moment nach und gab folgenden Kochunterricht: „Wenn Du den Reis wäschst, dann wasch’ den Reis. Wenn Du Karotten schneidest, schneid’ Karotten. Und wenn du die Suppe umrührst, rühr' die Suppe um.“

Aha.

Ich bin ein Freund der kryptischen Botschaften.
 

Stöckchen

 
Hier kam eine Anfrage von nephilim@zimmer 3: Ein sogenanntes Stöckchen. Habe ich überhaupt nur zufällig entdeckt... hm: Wer mir Fragen stellen will, könnte mich doch am besten einfach fragen, was?

Hatte ich eigentlich bereits erwähnt, dass ich nur auf rhetorische Fragen antworte? Also, das ist, weil ich kein Freund der pawlowschen Reflexe bin, Stöckchen & so. (...da hab ich doch tatsächlich zuerst Söckchen getippt...)

Rhetorische Fragen, das sind die, wo man nie weiß, wo das H hinkommt: rHetHorHisch.

Neinneinein, natürlich nicht, sondern das sind die Fragen, wo der Fragende keine Antwort erwartet. Weil mich die Fragende aber erst gar nicht gefragt hat, erwartet sie mutmaßlich auch keine Antwort. Somit sind diese Fragen retorhisch und ich kann sie guten Gewissens beantworten. Und los:

Was war Deine erste "echte" PC-Hardware?
Puh: Meine ganz eigene? Zuerst mal hatten die Chefs im Büro so'n Ding. Das war so um 1990, Windows 3.1 war grade brandaktuell. Damals wusste ich gar nicht, wofür das gut sein soll: Fenster größer und kleiner, Fenster auf und zu - aber wozu? Aber ich bin heute noch Minesweeper-Profi.

Mein erster wirklich eigener war 1994, hatte ich mir extra für meine Bedürfnisse zusammenstellen lassen. Weil mir M$ damals schon suspekt war, sollte der mit OS/2 laufen. Wir alle wissen, wie das ausging. Ich hab ihn nach einem Jahr auf Win 95 umgestellt.

Deine erste Anwendung, die Du benutzt hast?
Minesweeper.

Ach die erste, die ich sinnvoll angewendet habe?
Minesweeper.

Dein erstes Spiel?
OS/2. Und Windows 3.1.

Hattest Du von Anfang an Spaß an der Materie?
Spaß ist ein vieldeutiger Begriff. Gemessen daran, dass die ausgeprägteste Fähigkeit des Computers lange Zeit das Kopieren war: Ja. Ich muss nicht mehr aufstehen zum Kopieren.

Seit wann bist Du online, und mit welchem Anbieter?
Seit kurz nach der Erfindung des privaten Onlineseins in Deutschland. Zuerst per BTX (kennt das noch wer?) wegen dem Onlinebanking. Mit einem 14.4-Analogmodem. Damals gab es nichts schnelleres! Und an Mail war sowieso noch nicht zu denken. So um 1995 führte die Telekom einen Internetzugang über BTX ein. Da hab ich dann eine ISDN-Karte erworben. Wat 'n Scheiß die Konfiguration von dem Ding damals war! Seit irgendwann später habe ich DSL.

Aufregend, was?

Aus dem Stöckchenbeitrag:
Und nun schmeiße ich den Prügel weiter an Herrn Goldfisch...
AUA! AUA! AUAAA! ...damit wir die Antworten im (hoffentlich) tadellosen Berlinerisch lesen dürfen wah
Dit täuscht, Du, ick bin jar keen so tadelloser Berlina, wa... ick bin unjefähr jenau so'n juter Berlina wie der Seyfredo Seyfried, jenau so ... autenthisch ... ??? ... hm, da weeß ick ooch nie, wo dit H hinkommt.
 

04 Mai 2007

poemen

 
zuerst ein fernes sehnen und ein wollen
später folgt langes stöhnen
und dann grollen.

fragt sich ob wir von den problemen
den phänomenen
den ekzemen
und denen tränenreichen szenen
wirklich wissen wollen.

vielleicht.

die zeit, sie lässt sich dehnen und
hat doch ein ende
wie das meer zwischen den atollen
die liebe lebt in fernen theoremen
doch ihre gegenwart ist gähnen
und schmollen.

 

Maifest zwei

 
Anschließend, auf dem Rückweg von Werder, war mir doch mehr nach Zivilisation. Ich wollte unbedingt das Myfest in Kreuzberg sehen - warum auch immer.

Das Programmheft zum Myfest hat der DÜMMSTE GRAFIKER DER WELT gestaltet: Graue Schrift auf rotem Hintergrund. Herzlichen Glückwunsch!

Hat außer mir noch irgendwer versucht, dieses Programm in Schwarz-Weiß auszudrucken? Das ergibt graue Schrift auf grauem Grund, aber dafür winzig klein... vielleicht können wir zusammen dieses debile Arschloch auf Schadensersatz verklagen? Ich hoffe, wenigstens dieser Typ ist so erbärmlich bezahlt worden, wie das in alternativen Projekten üblich ist - fürchte aber, dass da ein echter Profi am Werk war und auch noch ordentlich honoriert wurde.

Na egal, musste es halt ohne Plan gehen. Angesagt waren so um die zehn Bühnen. Der ältere Besucher einer solchen Konstellation (will mal lieber nicht sagen "der erfahrene", aber jedenfalls bin ich Kummer gewöhnt) erwartet, dass alle halbe Stunde abwechselnd auf einer dieser Bühnen eine schlimme Amateurgruppe Radau macht.

ABER! Auf mindestens acht Bühne gleichzeitig spielten Bands - und nicht mal schlecht.

DAS WAR EINE MÖRDERISCHE PARTY!

... der ganze Stadtteil zwischen Oranienstraße und Mariannenplatz bebte von den Bässen...

GROOOOOOOOOOOSSARTIG!

Dazwischen Freunde und Helfer in Hemd und Krawatte, grinsend oder wenigstens milde lächelnd, freundlich Auskunft erteilend. Keine Kampfanzüge, keine Schilde, Helme, Schlagstöcke. Nicht dass mir was gefehlt hätte, so friedlich wie das war.

Noch zwei Bildchen: Blick über die Oranienstraße Richtung Nordwesten


und die Mariannenstraße hoch: Was da hinten brennt ist ein Grill, kein Auto.


Die Jungs in den Kampfanzügen waren zwar da, aber ein wenig abseits - und sie langweilten sich entsetzlich. Ich habe einen ein Buch lesen sehen.
 

Oder was.

 
Sommer im April. In der S-Bahn im Neonazibezirk Köpenick sitzen zwei kahlgeschorene Jungs mit ihren Freundinnen, alle vier deutlich unter zwanzig. Alle in Tarnhosen, braungebrannt, die Jungs ziemliche Hänflinge, aber Muscleshirts, Faschofolklore eben. Der eine hat eine Flasche Bier in der Hand, seine Freundin ein sehr kleines Kind auf dem Arm, offensichtlich ihr eigenes, und sie lächelt zufrieden.

Der distanzierte Betrachter erwartet lautes Gepöbel und Gegröhle und setzt an zum bedauernden Kopfschütteln.

Aber.

Alle sind rührend um das Kind besorgt. Kein Gegröhle, keine schlimmen Witze auf Kosten von irgendwem, jedenfalls nicht für die Dauer dieser S-Bahnfahrt. Die Jungs interessieren sich für Bäuerchen und Nickerchen, Schlafbedürfnis und Windeln.

Ich muss dringend an meinen Vorurteilen arbeiten.
 

02 Mai 2007

Baumblütenfest

 
Wenn mir ganz langweilig ist, mache ich Fotos von meinem Balkon...


...oder vom Essen:


Aber manchmal gibt selbst das nicht den richtigen Kick, und dann muss ich etwas ganz anderes tun. Etwa mir meine alten Vorurteile bestätigen, über das Volk, oder über Voksfeste, über die Provinz, hier vertreten durch das Berliner Umland, wiederum dargestellt am Beispiel Werder. Richtig: Diese Woche ist Baumblütenfest in Werder.

Ich meine DAS Baumblütenfest in DEM Werder, das weniger für seine Baumblüten als vielmehr für seinen fürchterlichen Obstwein berüchtigt ist, den der Fachmann BRETTERKNALLER nennt. Hauptbestandteile dieses sogenannten Weines sind zuerst Zucker, danach kommt Wasser, zermantschte Früchte tun sie nur rein, damit das Fass voll wird, vielleicht auch wegen des Aussehens - weil das billiger ist als Lebensmittelfarbe.

Werder kann eine nette Ortschaft sein, umgeben von Wasser:


Dem Baumenschen fallen natürlich zuerst einige Bauschäden auf...

...aber dann geht es auch schon los. Alle Werderaner sind auf den Beinen und nutzen selbstlos auch die letzte Garage und den allerletzten Stuhl zum Wohle der Gäste.


Beachte die liebevoll handgemalte Blume auf dem einladenden Willkommensschild...


...gefolgt von einem ebenso einladend gestalteten Hof:


Auf der hoch gelegenen Straße bietet Werder malerische Ausblicke zum Wasser hinab, eingeschränkt nur durch kleine Hindernisse:


Zutiefst authentische Verkaufsstände säumen den Weg. An beinahe jedem Stand wird Wein verkauft. So wie hier in der traditionellen Aufmachung hausgemachten Weines:


Für den eiligen Trinker in der praktischen Darreichungsform der PET-Flasche:


Dass der Wein hausgemacht ist bezweifeln nur böswillige Beobachter, die über die Allgegenwart der PET-Flaschen erstaunt sind, welche man an mindestens jedem zweiten Stand antrifft:


Dieser böswillige Beobachter argwöhnt, dass das einzig Hausgemachte vielleicht doch das Umfüllen von den PET-Flaschen in die großen Glasballons sein könnte.

Da es kein wirklich heißer Tag ist (+18°C in der Sonne, ca. 12° im Schatten) ist das Gedränge noch erträglich:


... und man hat Zeit für den Blick aufs Detail.
Na? Will denn hier keiner ganz aufgeregt "Deppenapostroph!" schreien?

Nicht? Schade.

Dann eben wieder ein Weinstand:


Die Flaschen sind wirklich gefüllt mit dem, was sie in Werder WEIN nennen.

...

Die Hauptamüsiermeile zu fotografieren habe ich leider vergessen. Die Leser müssen auf Bilder vom Riesenrad, der Rutsche, den Achterbahnen, dem Bungee-Kran und anderen aufregenden Fahrgeschäften verzichten, weil mich nun mal dieses hier viel mehr faszinierte: Ein Wasser-Autoscooter. Sowas geht ja nur, wenn man auch am Wasser feiert. Hübsch, nicht?


Man trifft auf hingebungsvolle Rekonstruktion alter Bausubstanz:

(wer genau hinsieht: Nach Ende der Rekonstruktion werden gute 3% der alten Bausubstanz erhalten bleiben. Von dem Mauerwerk, das ohnehin nur entlang der Straße noch steht, sind nicht einmal die Fensterleibungen übrig und werden neu ausgemauert. Über Sinn oder Unsinn von Denkmalschutz streiten wir dann ein anderes mal, ja?)

Aber man kann tatsächlich im Schilf sitzen und aufs Wasser schauen...


...den Kindern beim Spielen zusehen...


... und durch die Stadt zurück zum Bahnhof stolpern...


...vorbei an Lebensmittelständen...


und Buden mit echt original hausgemachtem Wein:


... vom Bahnhof Zoo nur eine halbe Stunde mit einem BVG-Ticket für Tarifbereich C.



Ich habe beim Fotografieren noch etwas vergessen: Die Pilzpfannenabteilung. Einige Imbisse beginnen jetzt damit, ihr Angebot so zu dekorieren, dass es wie ESSEN aussieht, und nicht wie brauner Matsch, den sich volltrunkene Volksfestbesucher gierig reindrehen. Ich war ehrlich überrascht von der Provinz.
 

27 April 2007

Blinde Bildhauer

 
Am Propo "Blinde Bildhauer": Den Film musste ich mir natürlich geben, schon wegen der inhaltlichen Nähe zur Nacht der stummen Stimmen.

Na? Und?

No jaaa, ein Schwarzweißfilm aus den Sechzigern und aus Japan, Die blinde Bestie. Optisch makellos, kameratechnisch wirklich ansprechend, teilweise surreal - oder ist das ein Pleonasmus, angesichts des Titels? Die erzählte Geschichte dann jedenfalls so spekulativ wie es in der Kurzbeschreibung schon anklingt, dazu noch mit dem Etikett "erotisch".

Nach zwanzig Minuten habe ich den Quatsch nicht mehr ausgehalten und zu etwas wirklich wichtigem umgeschaltet: SEGELN!



Auf der Segelwebseite gibt es zur Zeit grade eine wunderbare Schlagzeile:


Zur Erläuterung: J. Bank ist der Skipper vom einzigen deutschen Boot. Ein Festival!

 

26 April 2007

Unter der Sonne

 
Sehr merkwürdig. Da kuckt man sich zu nachtschlafender Zeit auf ARTE den oben genannten Film an.

Handlung: Ein kleiner vorpubertierender Junge wird herumgeschubst, langweilt sich, es ist heiß und die Umgebung ist öde. Aus lauter Verwirrung und Frust wirft er einen Stein von einer Brücke auf ein Auto. Es gibt einen Unfall.

Der Film ist gar nicht mal schlecht, er trifft gut die Atmosphäre der frühen achtziger Jahre, das Nebeneinander von Weltpolitik und persönlichen Problemen, von Verwirrung und Frust und einem heißen langweiligen Sommerwochenende in der Einfamilienhaus-Siedlung einer Kleinstadt.

Zwei Tage später liest man dann in der Zeitung die Meldung Steinwurf auf Stadtautobahn und kommt ins Grübeln.

Solche Steinwürfe kommen zwar vor, sind aber äußerst selten. In einer Stadt mit dreieinhalb Millionen Einwohnern und ein paar hundert Brücken könnte sowas jeden Tag passieren.

Tut es aber nicht. In Berlin schießen regelmäßig Leute mit Gewehren auf Busse¹, aber sie lassen keine Steine fallen. Normalerweise nicht, warum auch immer.

Deswegen fällt einem die zeitliche Nähe zwischen den beiden Ereignissen auf, dem Steinwurf und dem Film. Gibt es da einen Zusammenhang, und wenn ja: Was mag in so einem Gehirn vorgehen?

Der Film wiederum ist das Gegenteil dessen, was der notorische konservative Politiker als gewaltverherrlichendes Spektakel bezeichnet: Ein Geschichte, die langsam und ohne große Schockeffekte erzählt wird. Wer sich sowas vom Anfang bis zum Ende ansieht, geht doch nicht raus und verübt einen Anschlag. Oder doch? Und wer ARTE kuckt, wirft doch sowieso eher keine Steine? Dachte ich. Ist vielleicht falsch.

Fragen über Fragen:
Vielleicht gibt es einfach keinen Zusammenhang. Alles Zufall.
Vielleicht hat der Täter den Film gar nicht von Anfang bis zum Ende gesehen. Sondern nur die Szene mit dem Steinwurf und dem verunfallten Auto².
Vielleicht war da ein Zuschauer so gelangweilt, dass er seine Wut nur auf diese Weise zeigen konnte.
Oder irgend ein Jugendlicher wollte das schon immer, weil er täglich über eine Brücke geht. Und hat jetzt die Tat gewagt, weil er gesehen hat, wie einfach das ist.

Es spricht genauso viel für einen Zusammenhang wie dagegen.

Der sprichwörtliche konservative Politiker könnte das zum Anlass für die Forderung nehmen, jede Gewaltdarstellung oder sogar das Fernsehen insgesamt zu verbieten. Der weniger sprichwörtliche grüne Politiker könnte das zum Anlass für die Forderung nehmen, den Straßenverkehr zu verbieten, schließlich kann man ja nicht alle Brücke schützen. Darauf antwortet der sprichwörtliche konservative Politiker, dass es eigentlich eine sehr gute Idee wäre, jede Brücke durch einen Schutzmann zu bewachen.


Heute kommt auf ARTE ein Film über einen blinden Bildhauer, der ein Modell entführt.



¹ eine neuere Meldung habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, das hat's im Jahr 2007 aber auch schon wieder gegeben
² wer sich wirklich für sowas interessiert: Jean-Luc Godards Weekend ist darin ungeschlagen!
 

25 April 2007

ICH LIEBE DICH!

 
...nur mal so, um es auszuprobieren...

?!?

...wusst ich's doch: Klingt kacke.
 

23 April 2007

In mäßig tiefer Trauer

 
Aktuelle Meldung, TSP:

Moskau: Russlands Ex-Präsident Jelzin tot
Der erste demokratisch gewählte Präsident Russlands, Boris Jelzin, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Kanzlerin Merkel würdigte den Staatsmann als "mutigen Kämpfer für Demokratie und Freiheit". (23.04.2007, 17:29 Uhr)


Der Blogautor meint dazu:
1. Danke Boris, aber das hast du dir reichlich spät überlegt. Jetzt habe ich nicht mehr ganz so viel Freude dran.
2. Du hättest deinen Kumpan Putin da hin mitnehmen können, wo Du jetzt hoffentlich schmerzhaft schmorst.
3. Ich muss meine Leidensliste doch noch mit der Kanzlerin fortsetzen: Wenn Jelzin jemals versehentlich für Demokratie und Freiheit gekämpft hat, dann doch nur, weil er sie nicht verhindern konnte. Und weil ihm dieser Kampf bei seiner Karriere und persönlichen Bereicherung ¹ noch mehr nutzte als der alte Stalinismus. Darin ähnelt er unserem Günther Oettinger sehr. Aber auch einigen anderen.


¹ eine lustige Anekdote ist doch, dass er tatsächlich einige Grundbücher der von ihm zusammengerafften Immobilien verbummelt hat. Alkoholiker und Staatspräsident. Aber unsere Kanzlerin vermag in solchen Kriminellen einen "mutigen Kämpfer für Demokratie und Freiheit" zu sehen. Das ist visionär.
 

19 April 2007

Superhirn!


Bescheidenheit ist eine Zier...
Was tut man nicht alles, damit man nicht arbeiten muss...

... der Autor dieses kleinen Webplatzes nimmt zum Beispiel an Intelligenztests von Intelligenzclubs teil, deren Ergebnis leider für nichts weiter brauchbar ist. Außer vielleicht, um vor Freunden zu schwadronieren. Vor Freunden, die aber auch sehr schwer zu beeindrucken sind. Wirklich sehr schwer.

Dann nimmt der Autor dieses kleinen Webplatzes das Ergebnis¹, um es wenigstens vorzuzeigen...


... und stellt befriedigt fest:

Wieder eine halbe Stunde rumgekriegt!



¹ fast alle Aufgaben auf's erste mal gelöst. Ich schwör! Nur bei einer brauchte ich zwei Anläufe...

Die Welt wird besser funktionieren wenn...

 
... wenn jeder, der etwas zu entscheiden hat, mit den Folgen dieser Entscheidung auch wirklich leben muss. Die notorischen Gutmenschen nennen das Verantwortung, der Gesetzgeber benutzt dafür das unschöne Wort HAFTUNG.

Eigentlich ist HAFTUNG überhaupt ein Zauberwort, weil bei dieser Gelegenheit den Managern klar werden kann, das es nicht einfach um Geld geht - das sowieso nicht ihres ist - sondern um das Unwohlsein jedes einzelnen Betroffenen. Der forsche Entscheider soll einfach merken, wie seine Entscheidungen die Welt Stück für Stück unbewohnbar machen.

Können wir ein wenig konkreter werden? Klar doch!

Die Welt wird besser funktionieren, wenn... BVG-Manager¹ auch wirklich Tag für Tag mit der BVG fahren müssen und nicht mit Dienstwagen und Chauffeur aus ihren Wohnsitzen im Grunewald zu den Geschäftsessen gekarrt werden. Da bin ich sehr gespannt, wie die mit 20-Minuten Bustakt zurechtkommen, an untauglichen Wartehäuschen in der Kälte und im Regen warten und der Bus an ihnen vorbei fährt, weil er leider schon voll ist.

Utopie, oder?



¹ das sind in Berlin die öffentlichen Verkehrsbetriebe
 

18 April 2007

Wen ich jetzt wieder nicht leiden kann

 
Ich hatte gehofft, dass das Oettinger-Theater vorläufig die Spitze der Unverfrorenheiten ist. Aber wahrscheinlich lernt das Volk in seiner Gesamtheit mit Millionen von Köpfen erheblich schneller als ein einzelner deutscher Politiker.

Die Ausgangslage: Jemand in einer Position, wo er tatsächlich Schaden anrichten kann, beweist seinen Mangel an demokratischem Verständnis. Früher hätte man gesagt: "Naja, Zweifel am Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung - so einer kann doch nicht Beamter werden!"

Ach so, Entschuldigung, das galt nur für Kommunisten, aber noch nie für CDU-Mitglieder. Und Ministerpräsidenten sind ja gottlob auch keine Beamten! Innenminister auch nicht.

Setzen wir die Liste mal fort:

Jörg Schönbohm - Salondemokrat. Hat verstanden, dass Öffentlichkeit und Demokratie zwei grundverschiedene Dinge sind. Und dass man vielleicht nicht gewählt wird, wenn man mit allzu dreisten Lügengebilden erwischt wird. Deshalb darf man nicht erwischt werden.
Möchte seinen Freunden gerne beistehen, wenn sie grade damit aufgeflogen sind, dass ihnen Grundkenntnisse in neuerer deutscher Geschichte fehlen. Beruft sich ersatzweise dann gern auf christliche Grundwerte. Oder Disziplin.
Merke, Soldat: Disziplin wichtiger als Demokratie! Zusammenstehen!

Wolfgang Schäuble - Innenminister der Bundesrepublik Deutschland. Schafft jetzt endlich die Unschuldsvermutung ab und ersetzt sie durch die Präventivstrafe. Wo hab ich das nur schon mal gehört?
Möchte im Zweifelsfall lieber einen Unschuldigen bestrafen als zehn Schuldige laufen zu lassen.
Ich denke, dass in einer Demokratie vom System Schäuble allein schon solche Vorschläge ganz präventiv mit Zuchthaus nicht unter zehn Jahren bestraft werden sollten.
Schäuble arbeitet mutmaßlich bereits an der Verwirklichung von Gerhard Seyfrieds Albtraum: "Ich habe eine vorläufige Erschießung gegen sie!"


So, und jetzt möchte ich dafür gelobt werden, dass ich bei allem Hass auf diese Antidemokraten ohne einen einzigen Behindertenwitz ausgekommen bin...
 

17 April 2007

Werbung 2

 
Jetzt bin ich schon mal dabei, kann ich auch weiter werben:

Erst heute hat sich bis zu mir herumgesprochen, das der von mir höchstgeschätzte (misstraue dem Superlativ!) deutsche Comiczeichner Gerhard Seyfried seit beinahe einem Jahr das Zeichenblog für die von mir weniger geschätzte TAZ betreibt.

Eigentlich wollte ich mich für diese Unkenntnis bis ins Morgengrauen selbst geißeln. Bin aber zu dem Schluss gekommen, dass es sich um eine lässliche Sünde handelt - wer kann schon ahnen, dass die TAZ neuerdings auf echte Qualität setzt und nicht wie sonst immer Polemik und Schleimerei als Journalismus ausgibt?

Also: Gerhard Seyfried in der TAZ - aber auch anderswo.

Zeichnungen kommen dort auch vor, aber nicht nur.

 

Nachlese

 
Ich muss hier doch mal ein wenig Werbung machen:

Letzten Samstag war ich bei einer Bloglesung. Ich bin da nur hingegangen, weil der Superstar der Schreiber dort auftreten sollte, der rechts auch verlinkte Herr 500 Beine. Den wollte ich mal aus der Nähe sehen. Dachte, wir könnten vielleicht anschließend noch ein Bier trinken. Nein, hab ich nicht wirklich geglaubt, aber aus anderen Gründen: Ich habe erwartet, dass die Veranstaltung brechend voll sein würde und sich lange Schlangen von Autogrammjägern und 500Beine-Groupies bilden würden und so. Als sich die Lage optisch ein wenig entspannter gab, habe ich ihm deswegen hektisch die Hand geschüttelt und mich panisch aufdringlich vorgestellt.

Leider war der Herr 500 Beine mit seinem Auftritt selbst überhaupt nicht glücklich. (Reportagen aus eigener Feder hier und hier) Mit der langen Anreise für 10 Minuten Lesen nicht, mit dem Empfang in Berlin nicht und mit dem Ablauf der Veranstaltung schon gar nicht. Da hätte ich auch einiges auszusetzen gehabt. Aber für den Eintritt gab es immerhin unerwartet ein Buffet - wo hat man das schon mal? Ich will also mit den Organisatoren nicht allzu ungnädig sein und nur sagen:

Leute, lest 500 Beine!

Das wird ihm so direkt kein bisschen weiterhelfen, aber ihn vielleicht noch ein wenig bekannter machen. Nach drei oder vier Geschichten werdet Ihr schon merken wieso ihr das lesen sollt.

 

16 April 2007

Volksmund

 
Seltsame Weisheiten sagt der Volksmund manchmal. Der Volksmund sagt beispielsweise "Mit Übersetzungen ist es wie mit den Frauen: Die treuen sind nicht schön - und die schönen sind nicht treu." Wahrscheinlich alles eigene Erfahrung, die der Volksmund da vorzuweisen hat.

Leider viel zu selten äußert sich der Volksmund überhaupt zum Thema Übersetzung. Man könnte sogar meinen, dass der Volksmund gar keine Lust zum Lesen hat, normalerweise sagt er doch eher so Sachen wie "Gestern hat Hertha zwei zu eins verloren."
 

Wen ich auch nicht leiden kann IIb

 
Findet Ihr Oettinger-Bashing zu trivial? Ich eigentlich auch.
Aber wenn er es doch verdient hat?

Nein, ganz im Gegenteil, immer sympathischer wird mir der Günther Oettinger. Ich hatte mir nämlich bereits Sorgen gemacht, dass nach Edi Stoibers Abgang gar keiner mehr da ist, über den ich mich ärgern kann.

Aber jetzt - wie Phoenix aus der Asche der KZs - steigt Günther Oettinger auf: Einer, der sich - Gnade der späten Geburt - auch an nichts erinnern kann und hofft, dass es allen anderen genau so geht. Und das, woran er sich erinnert ist ganz anders, als es in den Akten steht, der Nazi-Richter Filbinger war nämlich gut und edel und wahrhaftig und ein Nazi-Gegner, wie jetzt alle endlich erfahren sollen!

Er ist ja der letzte aufrechte Zeuge, der Oettinger, aber jetzt hat ihn eine übermächtige Gewalt zum Abschwören gezwungen, er wollte, ja er musste dieses traurige Missverständnis bedauern. Gottseidank stehen seine Getreuen dennoch zu ihm.

Dass er Filbinger als Widerstandskämpfer bezeichnen wollte, als er ihn einen Nazigegner nannte, ist eine ganz böse Verleumdung "von interessierter Seite". Wie sollte er denn ahnen, dass jemand die ganze AKTE FILBINGER aus dem Muff von tausend Jahren hervorziehen würde, nur weil er, der bescheidene ehrliche sympathische Günther Oettinger, sich bei den Rechten, den Ewiggestrigen und den Unverbesserlichen einschleimen wollte?

Er konnte doch nicht wissen, dass irgendjemand die AKTE FILBINGER überhaupt noch hat! Schließlich ist das doch schon so lange her... dass es inzwischen gar nicht mehr wahr ist.

Und damit diese bösartigen Archivare und Aktenhüter ihm nicht noch einen Strick daraus drehen können musste der letzte aufrechte Mann widerrufen. Diese niederträchtigen Geschichtswächter wollen ihn womöglich in seiner weiteren Karriere behindern! Sein Bundesland muss womöglich zeigen, dass es viel besser ohne ihn auskommt! So etwas furchtbares darf keinesfalls geschehen!

Um ehrlich zu sein: Ich hätte zu gern gesehen, dass dieser letzte große Zeuge Oettinger weiter die Wahrheit sagt - so wie er sie versteht. Ich hätte mir gewünscht, dass er nicht unter diesem un-mensch-lichen Druck sein Bekenntnis zur Wahrheit widerruft, sondern als echter Märtyrer erhobenen Hauptes auf den Scheiterhaufen geht.

Hier! Hier! Ich habe ein Feuerzeug! Darf ich anzünden?


Einige Quellen

Merkels Rüge: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6618996_REF1,00.html

O-Ton Oettinger: http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=2086954/mpdid=2090316/w9an8e/index.html

Gottesdienst abgesagt: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,477463,00.html

Kritische Würdigung¹ Filbingers: http://www.forumjustizgeschichte.de/Ausgerechnet_Ha.150.0.html

Filbingers eigene verquere Sicht der Dinge: http://www.hans-filbinger.de/content.php?kat=FAKTEN+%DCBER+FILBINGER

Sekundärliteratur zu Filbinger:
http://media.de.indymedia.org/media/2003/09/62006.pdf

Sprüche von Hochhuth: http://www.presseportal.de/story.htx?nr=969421


¹ nein, das steht nicht Würgung, so sehr ich ihm das auch gegönnt hätte.
 

15 April 2007

Wen ich auch nicht leiden kann IIa

 
Günther Oettinger - gibt keine Ruhe. Also: Der untote Filbinger gibt keine Ruhe. Oettinger scheint sein Wiedergänger zu sein, irgendwie muss Filbingers Seele kurz vor dem Ableben die Hülle von Oettingers Körper gekapert haben. Warum auch nicht, die war ja ohnehin leer.

Ich stelle mir das so vor: Oettinger hat inzwischen die Akten mit der Original-Argumentation vom Filbinger gefunden und spielt das Stück jetzt in einer Wiederaufnahme, eine Art Nazi-Forgetabubble-Farce. Der Text ist Filbingers Original, die Inszenierung ist die alte.

Anscheinend hofft Oettinger auf Beifall, weil sich noch jemand an das Original erinnern kann, und tatsächlich finden sich ja weitere, die das sogar unterstützen.

Filbinger musste damals dann aber doch zurücktreten. Das wünsche ich mir vom Oettinger auch - allerdings könnte es ruhig ein wenig schmerzhafter sein, vielleicht diesmal ohne den üblichen Sitz im Vorstand eines Unternehmens der öffentlichen Hand. Das wär doch mal was.
 

13 April 2007

Wen ich auch nicht leiden kann

 
Na, bin ich immer noch nicht bei allen unten durch? Aha.
Ich arbeite aber dran:

Günther Oettinger - immer noch Ministerpräsident eines ganzen Bundeslandes, inzwischen heißer Anwärter auf den Titel "Arschloch des Jahres". Lobt den furchtbaren Juristen Filbinger, welcher nach Oettingers Auffassung Nazigegner war, als er kurz vor Kriegsende noch Todesurteile verhängte. Behauptet öffentlich, Filbinger habe gar keine Todesurteile verhängt.
Steht damit in direkter Nachfolge von Filbinger selbst, der ohnehin "von nichts gewusst" hat, der in seinen Taten aber auch nichts schlimmes entdecken konnte, weil so ein Todesurteil ja im dritten Reich keine strafbare Handlung darstellte.
Ich plädiere dafür, die Schule zu schließen, an der Oettinger hätte Geschichtsunterricht haben sollen - die dabei aber offenbar jämmerlich versagt hat. Ich plädiere außerdem dafür, die Universität zu schließen, die solchen Demagogen und Geschichtsverdrehern Berufsabschlüsse ermöglicht.

Roger Cicero - ein Singroboter, fleißig und völlig ohne Seele. Mit einer ganzen Band, die ebenso steril und emotionsfrei ihre Musik handwerklich perfekt herunterspielt. Computer könnten es nicht besser. Alle geben sich auf der Webseite betont lässig dreißigerjahre-jazzmäßig. Tip vom Fachmann: Cool ist, wenn man was eigenes macht.

Claudia Schiffer - dumm wie die nach ihr benannte Scheiße. Langjährige Inspirationsquelle für den Blödchenwitz.

F.W. Steinmeier - lässt sicherheitshalber jemanden im Foltergefängnis verschimmmeln bevor er die Sache prüft. Kann genau erklären, warum das gar nicht so schlimm ist und dass man ihm nichts beweisen kann.

Otto Schily - hat früher Terroristen verteidigt weil auch die ein Recht auf Verteidigung hätten. Hat später dann die Einführung des neuen Personalausweises forciert. Sitzt heute im Aufsichtsrat und bekommt damit Geld von einer Firma, die diese Ausweise herstellt und damit von seiner früheren aufopferungsvollen Tätigkeit direkt profitiert.

Kriminell darf man jemanden ja erst nennen, wenn er rechtskräftig verurteilt ist. Aber seltsam: Erst heute fällt einem auf, welches moralfreie Gesindel sich da zu unserer letzten Bundesregierung zusammengefunden hatte. Unter diesem Aspekt wird mir unsere Pfarrerstochter jetzt doch langsam sympathisch.
 

12 April 2007

Intermezzo

 
Über Musik schreiben ist wie über die Liebe reden - ein unbefriedigender Spaß.

(aus gegebenem Anlass: Demnächst wieder mehr Abneigungspost)
 

11 April 2007

Chronik der Kürbiskriege


Entschuldigung, wenn ich störe...

Am Ende jeden Winters gab es dasselbe Schauspiel. Im Folgenden ein authentischer Bericht aus dem Pueblo, drittes Haus rechts oben am Hang, Gespräch zwischen dem Herrn Indianer und seiner Frau:

"Ach, Kacke, die Selchnasen sind wieder mal da!"

"Hast du was anderes erwartet?"

"Sie hätten ja ausnahmsweise woanders schnorren können."

"Da waren sie schon."

"Vielleicht gehen sie ja von selber wieder wenn wir ganz leise sind und nicht aufmachen?"

"Du kennst sie doch! Die haben ihren Hundeblick auf, von alleine gehen die nicht wieder. Willst Du warten, bis der Adler aus der Asche steigt?"

Das war ihre Umschreibung für die Rückkehr der Ahnen, ein Wort für Ewigkeit.

"Und jetzt?"

"Wie: Und jetzt? Gib ihnen irgendwas!"

"Was denn?"

"Wir werden doch irgendwas haben, das wir nicht mehr brauchen. Irgendwas vergammelt doch immer!"

"So? Was denn?"

"Stell dich nicht so an! Unten in der Vorratsbank liegt doch sicher noch das Fleisch mit dem du neulich den Topf kaputtgemacht hast."

"Aber das war doch gar nicht richtig gar. Das ist schon ganz grün."

"Gut!"

"Außerdem ist das ganz sandig, weil es runtergefallen ist."

"Umso besser! Vielleicht kommen die dann erst in zwei Jahren wieder."

"Glaubst Du wirklich?"

"Nein, nicht wirklich. Die merken sich das genau so lange, bis ihre Bauchschmerzen vorbei sind. Oder bis sie wieder draußen ihr Essen finden."

"Ich würde ihnen ja gerne helfen - wenn die nicht so unglaublich hochnäsig wären. Aber wenn ihre Vorräte alle sind verlieren sie jeden Indianerstolz und kommen angekrochen. Das ist unwürdig!"

"Ach, vergiss es. Die ändern sich nicht. Ich gebe ihnen nur deshalb was, weil sie sonst nicht wieder gehen. Wenn lauter verhungerte Indianer auf unserem Dorfplatz herumliegen - das sähe nicht gut aus. Ich will dort lieber Blumen pflanzen. Oder geben tote Indianer vielleicht guten Dünger ab? Weißt du das zufällig?"

"Zuerst werden sie eine ganze Weile furchtbar stinken."

"Die anderen Stämme wären uns bestimmt lange dankbar, wenn wir sie von dieser Plage befreien."

"Aber, das wäre gegen die Indianerehre!"

"In diesem Fall macht der Allsehende Adler bestimmt eine Ausnahme... sollen wir das grüne Fleisch mit Giftsumach einreiben?"

"Was...? Igitt! Zu spät, da sind sie!"


Es klopfte.

"Hallo."

"Ja, äh, hallo. Ich bin der Manu und wir haben seit zwei Tagen nichts gegessen und da wollte ich ganz unverbindlich fragen..."

 

Chronik der Kürbiskriege


Heute: Eigenheiten höchst eigenartiger Stämme

Dichter Denker Intellektuelle

Die Selchfleischapproximat'l konnten gar nichts. Jedenfalls war das die Meinung der anderen indigenen Völker. Sie selbst hielten sich für ein Volk der Künstler und Wissenschaftler, die geborene Oberklasse der Indianervölker, und deshalb sahen sie voller Verachtung auf die anderen herab und redeten geschwollen. Ja, geschwollen.

Die kriegführenden Nationen waren für sie ungebildete Wilde. Den Sinn ihrer Existenz sahen sie im Beobachten und Verstehen der Ursachen der Dinge. Die praktische Anwendung interessierte sie nicht.

Sie wussten - rein theoretisch - wie man mit hohem Ertrag Mais anbaut. Aber am Ende jedes Winters brach bei ihnen eine Hungersnot aus. Dann schnorrten sie die verachteten Nachbarstämme um Lebensmittel an. Die mussten ihnen aus Tradition und indianischer Solidarität helfen. Niemand mochte sie.

In Wirklichkeit hatten sie reichlich wenig vom Leben verstanden. Ihr Selbstbild und ihr Ansehen bei den anderen Indianern unterschieden sich kolossal. Ihre hohe Meinung von sich selbst wurde kaum durch praktische Erfahrung getrübt - sie versuchten nämlich gar nicht erst, mit hohem Ertrag Mais anzubauen. Sonst hätten sie längst gewusst, dass ihre theoretischen Kenntnisse für den Maisanbau nicht taugten. Das einzige, wofür die vermeintlichen Kenntnisse taugten war, hochnäsig auf die anderen Völker herabzusehen und sich selbst für etwas besseres zu halten. Bis zum nächsten Frühjahr.

Ihre Wissenschaft taugte nicht für den Alltag. Ihre Kunst beleidigte die Sinne und den Verstand. Viele andere Stämme schufen anspruchsvolle künstlerische Werke, ohne sie so zu nennen. Einige schnitzten Figuren, die Krankheiten vertrieben, einige zeichneten mit Sand Diagramme, mit denen sie in die Zukunft sehen konnten und einige hatten Tänze, mit denen sich der Verlauf des Wetters ändern ließ. Aber niemand wäre auf die Idee gekommen, das als Kunst zu bezeichnen. Auch nicht als Wissenschaft. Allenfalls noch Tradition hätten sie gelten lassen, aber was sie da taten, brauchte selten einen Namen.

Die Selchfleischapproximat'l hingegen erfanden Namen, ohne diese mit irgendwelchem ernstzunehmenden Inhalt füllen zu können. Nur wollten sie das nicht wahrhaben. Sie waren eben Unsympathen.

Viele Generationen später sollten Architekten, Werbefachleute und Hausgerätedesigner diese unterbrochene Tradition wieder aufnehmen. Aber davon handeln andere Geschichten.


Niedertracht der Naturvölker

Ganz anders die Poclatchcoat'l. Sie waren als Einzelpersonen beliebt, wegen ihres Charmes und ihres interessanten Aussehens. Als Stamm hingegen waren sie wegen ihrer Bosheit gefürchtet.

Beides war Ergebnis einer endlosen Reihe von Misserfolgen: Ihr begründeter Zynismus hatte sich im Lauf von Generationen in einen ziellosen Hass auf so ziemlich alles verwandelt. Sie bedrohten jeden, der eine Schwäche zeigte, öffentlich mit Häme, waren aber unsterblich beleidigt, wenn jemand das selbe mit ihnen tat.

Unter vier Augen verhielten sie sich oft ganz anders. Aber das musste der betreffende erst selbst erlebt haben ... was viel seltener vorkam als ihre öffentlich zur Schau getragene Niedertracht, wer wollte sich schon der Gefahr der Demütigung aussetzen? Aber die Sache hatte ein gutes: Sie wurden als allerletzte von den Selchfleischapproximat'ln angeschnorrt.
 

10 April 2007

Aufregung im Kindergarten von Bloggershausen!


Bloggen über das Bloggen - IN2U

Ein sehr, sehr kleiner Sturm tobt derzeit durch das deutschsprachige Internet. Kurz zusammengefasst: Ein Parfumhersteller hat junge Leute als Zielgruppe entdeckt und seine Werbeagentur kam auf die clevere Idee, die Sache über Schleichwerbung in Blogs mit besonders hohen Besucherzahlen zu promoten.
Herr SvenK hat das hier zusammengefasst und auch schon kommentiert, außerdem berichtet SpiegelOnline darüber. Damit könnte die Sache erledigt sein. Aber wer das glaubt hat die kindlichen Gemüter zahlreicher deutscher Blogautoren unterschätzt:

Die einen tun jetzt fürchterlich empört, weil eine Werbeagentur in ihrem Blog ein paar Kommentarzeilen hinterlassen hat. Wäre die Abscheu gegen Werbung echt, könnten sie einfach die Werbekommentare kenntlich machen oder löschen - fertig. Stattdessen echauffieren sie sich öffentlichkeitswirksam. Naja, irgendwie wollen die ihre Blogs ja auch voll kriegen.

Die anderen sind beleidigt, weil sie nicht Teil der viralen Campagne geworden sind. Deshalb finden sie die unbezahlte Werbung auch ganz besonders ekelhaft. Gegen ein bisschen Honorar in bar sähe die Sache aber vielleicht schon wieder ganz anders aus.

An sich sind sie ja alle so eine große Familie in der kuscheligen Blogosphäre - aber kaum bekommen einige für ein paar Wochen ein Auto geliehen, werden die anderen von heftigen Neidattacken geschüttelt und vergessen diesen schlimmen Verrat auch Jahre später nicht.

Alle zusammen leiden sie unter massiver Selbstüberschätzung. Naja, "Leiden" tun sie wahrscheinlich gar nicht selbst, sondern nur einer, der versehentlich ihre Seiten liest.


Das Problem beim Blog ist ja nicht das ICH ICH ICH - das gehört doch definitionsmäßig irgendwie zum Inhalt eines Tagebuchs. Das grundsätzliche Problem ist, dass einige Leute sich selbst jetzt für furchtbar wichtig verkaufen, weil sie endlich ihr Tagebuch veröffentlichen können und jeder nachlesen kann wie bedeutend sie sind.

Früher musste man dafür bei einer Zeitung arbeiten oder irgendwie anders eine Qualifikation nachweisen. Egal ob Buch, ob Funk, ob Zeitung, es gab immer ein korrigierendes Element, das im Zweifelsfall, bei erwiesener Unfähigkeit, die Notbremse ziehen konnte - ich meine: Einen Redakteur, Verleger, Lektor, Vorgesetzten.

Heute kann man veröffentlichen wie man will, der einzige Filter ist das eigene Selbstbewusstsein. Tückische Falle: Kommt Lob, fühlt man sich bestätigt. Kommt Kritik, sagt sich der Blogger offensichtlich "Solche Idioten können meine phantastische Leistung sowieso nicht beurteilen!" Ganz ganz bestimmt nicht erkennt so jemand, dass Kritik zuweilen durch schlichten Talentmangel ausgelöst wird, nein nein.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukommen: Etliche halten Bloggen für den Zweck des Bloggens. Wenn einer kommt und diesen originellen Gedankengang stört, fühlen sie sich angegriffen.

Ein Teil der Blogger leidet unter grober Selbstüberschätzung. Realitätsverlust. Wahrscheinlich ist das angeboren und nicht erst durch die Bloggerei erworben. Trotzdem eine hässliche Sache. Ich meine insbesondere den Herrn mit der Barchetta Ich könnte da Beispiele nennen...
 

09 April 2007

Der Mensch lebt nicht vom Sprichwort (2)

 
Ich gestehe: Ich habe dieses Spiel nicht erfunden. Sondern angeblich sogar der Bestsellerautor B. von Stuckrath-Barre, as called by his friends: der STUGGI. Ich bringe es hier trotzdem an. Da waren nämlich Poeten am Werk, und viel größere als der kleine Blogautor named <°((( ~~<.

Funktioniert so: Man gibt ein Sprichwort ohne das entsprechende Subjekt im Google ein und schaut, was den kreativen Kräften der Welt dazu eingefallen ist und dann veröffentlicht wurde. Heute:
Und was hat Morgenstund im Mund?

Gold - natürlich. Was denn sonst?

Was sonst? Na zum Beispiel:

Blei - naja, nicht naheliegend, aber...

zuviel - sagt Lyssa. Also gut, sie wird schon wissen.

Volt
- Aua aua auaaa!

Gift
- Hach jeh...

Fisch
- Brrr!

Ress
- was zum Teufel ist ein Ress?

Reis
- davon lebte auch bereits der "Mensch nicht nur"

Titan
- die Dentalpoeten diesmal

Holz
- bah!

Nudossi
- weil das so ähnlich wie GOLD klingt, wahrscheinlich

Marketing
- Ideen - Hoffnung - da verstehen die Kreativen der Welt keinen Spaß!

Sekt
- das erklärt einiges.

Schleim
- mag vielleicht sogar zutreffen, aber: Musste die Welt das wirklich wissen?

Und Colt - Huh!

Eine Menge Tod und Gewalt am frühen Morgen. Aber doch meistens Gold, zum Glück.
 

05 April 2007

Discounter

 
Gründonnerstag bei PLUS. Die Leute kaufen um ihr Leben. Viele Läden machen ja erst übermorgen wieder auf. Inzwischen könnte eine Hungersnot ausbrechen.

Zwei Kassen besetzt, an der Kasse vor mir stehen etwa 10 Leute. Das erwartete tritt ein, Kreissägenstimme¹ von hinten:

"GÖNNEN SIE BITTE! NOCH EINE GASSE AUFMACHEN!!!"

(¹ Lautstärkemodus "startender Airbus" + Nasalton)

Bei PLUS sind nie mehr als zwei Kassen besetzt, das weiß man ja mit der Zeit. Die haben zwar vier Kassen - aber nicht das Personal dafür. Ich war dann nach weniger als 5 Minuten dran mit Bezahlen. Sowas weiß man auch mit der Zeit: Die Discounter leben davon, dass in kurzer Zeit VIELE abgefertigt werden.

Das Leben ist heutzutage wohl so: Der Laden kann natürlich nicht billig genug sein. Aber nicht mal die Arbeitslosen haben fünf Minuten Zeit zum Warten.
 

03 April 2007

Biographie

 
Freakmund Zoid war selbst Enkel eines überaus gelehrten Mannes. 24 Generationen nach seinem Vorfahren erfand er das Verfahren der Anal-Psycholyse. Dies war eine Methode, um aus der offensichtlichen Verhaltensweise eines Menschen sein Inkontinenzrisiko zu bestimmen.

Freakmund erlebte mit dieser durchaus fundierten und ausgereiften Methode ein wissenschaftliches Desaster, da niemand die dabei gefundenen Informationen brauchen konnte - oder hören wollte. Über den praktischen Nutzen von Wissenschaft und den wirtschaftlichen Aspekt der Grundlagen-Forschung dachte man zu dieser Zeit ganz anders als heute.

Die Anal-Psycholyse ging als einer der "Großen Irrwege der Wissenschaft" in die Geschichte der Medizin ein.

Freakmund Zoid wurde dennoch auf Grund seiner guten Beziehungen und seiner berühmten Abstammung oberster Chef der Gesundheitsbehörde von Connecticut. Nachdem er über zehn Jahre lang über die Zuteilung aller Gelder für die medizinische Forschung entschieden und sich dabei unzählige Feinde gemacht hatte zog er sich verbittert aufs Altenteil zurück und verfeinerte seine Methode im Tierversuch. Hunde waren hierfür besonders geeignet. Er starb im Alter von 93 Jahren an einem diarrhöischen Anfall.
 

Weltberühmtewegthabende Worte

 
Vor kurzem gegessen?

"Zu der Zeit, von der wir reden, herrschte in den Städten ein für uns moderne Menschen kaum vorstellbarer Gestank. Es stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Hinterhöfe nach Urin, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, die Küchen nach verdorbenem Kohl und Hammelfett; die ungelüfteten Stuben stanken nach muffigem Staub, die Schlafzimmer nach fettigen Laken, nach feuchten Federbetten und nach dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe.
Aus den Kaminen stank der Schwefel, aus den Gerbereien stanken die ätzenden Laugen, aus den Schlachthöfen stank das geronnene Blut. Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern; aus dem Mund stanken sie nach verrotteten Zähnen, aus ihren Mägen nach Zwiebelsaft und an den Körpern, wenn sie nicht mehr ganz jung waren, nach altem Käse und nach saurer Milch und nach Geschwulstkrankheiten.
Es stanken die Flüsse, es stanken die Plätze, es stanken die Kirchen, es stank unter den Brücken und in den Palästen. Der Bauer stank wie der Priester, der Handwerksgeselle wie die Meistersfrau, es stank der gesamte Adel, ja sogar der König stank, wie ein Raubtier stank er, und die Königin wie eine alte Ziege, sommers wie winters.
Denn der zersetzenden Aktivität der Bakterien war im achtzehnten Jahrhundert noch keine Grenze gesetzt, und so gab es keine menschliche Tätigkeit, keine aufbauende und keine zerstörende, keine Äußerung des aufkeimenden oder verfallenden Lebens, die nicht von Gestank begleitet gewesen wäre."

Aus: Patrick Süskind, Das Parfum.


Tja, diese spannenden Einleitungssätze bewogen mich doch damals, das ganze Buch für teuer Geld zu erwerben und in Gänze zu lesen. Und diese Sätze lassen mich auch heute noch schaudern.


ich bin mit der Namensgebung dieser Rubrik noch nicht so richtig zufrieden - weiß zufällig jemand was besseres?
 

02 April 2007

Herrhjeh...

 

Tiere in der Großstadt

Gestern beim Gang über die Brücke lief am hellichten Tag vor mir eine kleine Ratte auf dem Bürgersteig. Die Brücke ist so eine wo die Stahlträger oberhalb der Fahrbahn liegen. Auf der anderen Seite der Stahlträger verläuft der Radweg und die Straße, gestern mit Verkehr.


Das Tierchen fürchtete sich vor mir und rannte ziellos und panisch durch die Gegend. Dann verlor sie völlig die Nerven, lief zum Rand der Brücke, setzte an und sprang in weitem Bogen.

Die Brücke führt über die Bahngleise und ist vielleicht 6-8m hoch, das sind also 2-3 Wohnhaus-Etagen (besseres Foto vielleicht morgen anderes Foto jetzt). Ganze Menge für so eine kleine Ratte, das wär schon für mich viel.


Selbstmordversuch aus Angst vor dem Tod. Zum Glück war unten Gras, zwei Meter weiter links wären Schotter und die Gleise gewesen. Ich konnte sie dann nicht mehr sehen - hat sie den Sprung wohl überlebt. Trotzdem.

Selbstmord aus Angst vor dem Tod ... war vielleicht gar keine Ratte, sondern ein Lemming?
 

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